Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1938)
- Date
- 1938-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36, 6. V. 1938 Um die jüdisch - religiöse Problematik Der Säkularisierungsprozefl Von Dr. Max Nußbaum Um die Wesenszüge einer Epoche abschät/en zu können, braucht man da 11 bekannte ״Pathos der Distanz“. Aber soviel kann über das Charakteristische unserer Generation schon jetzt gesagt werden: Es ist eine Zeit, in der sich überall in der Welt die nationalen W i 1 I e n s I o r m e 11 der V olker sicht b a r a in politischen Horizont a b z e i c 11 n e 11. Der nationale Wille unserer Zeit druckt sich in vcrschicdenen Formen aus. Aber im Prinzip ist er doch überall der gleiche. Er bedeutet eine Abkehr von jener kosmopolitischen Haltung früherer Jahrhunderte, welche bcsagte, daH inan die Einheit der Welt am ehesten durch Verallgemeinerung der individuellen Formen und durch Anialgamierung der nationalen Bestrebung('ti erreiche. Die Vielt zeigt heute deutlich das umgekehrte Streben: Sie bejaht die Fülle und Vielfältigkeit der volkluhcn Wescnsformcn und erkennt sie als natürliche Gegebenheiten an. Das gegenwärtige Geschlecht ist der Meinung, daß durch I leraiisarbeite» des Bbiefmabken « Fritz Lewin lützowstr.SIA ursprünglich-eigenen Volksehrirakfers die Kultur der Menschheit bereichert wird, und dab gerade in dem symphonischen Zusammcriklingi'11 der verschu di'iwten I öne zu einem großen Akkord der wahre sinn einer weit lieben Einheitlichkeit liegt. Wir jmh 11 .-teilen 111,11t ,tiiih'rhalh dieses nationalen Strome-, dir die Völker de:׳ Welt erfaßt hat. Gewiß reicht die suhstantielIr V<■!'aiil-.e: de- /loiii-iuus weit hinein bis in die tiefsten Sch.Kbtr 1n.l1>׳. her Antike. A her seine sichtbare Erstarkung in dm iet/tm jah 11:11 i-t kein Zufall, sondern ebenfalls eine Ihme dieser /: :',ithqiiati־!! Bestrebungen. Auch für die jüdische Weit wn heute kann man das nationale Kriterium;11die eharaktc;;-!1-ciic Note hin-trllni. Mit w e n i g t n -- tu i 1 1 c u 1!!. d 1!1 qt c n - A 11 s n a ti m e n geht d ־.; r r h die j 1! d e ״ heit der Weit c i n ת a t i 0 - n a I c r Zug. Das Jude iitum aber i-t eitle einmalige Einheit von N a 1 ז o 11 u 11 d R e I t g i 0 11. Erstreikt sich mm diese positive 1 iiNtr'lung judi-chcr .51.1-sc 11 /um Judentum nur aut die nationale, oder auch auf die religiöse Spinne? Sind die linier 1111 Zuge der Zeit und durch die revoiutioniemide Mac in der iet/len j.1111 e led'ghcli nationaler oder auch r c: I 1 g 1 ־> - e r gew m de!! 'r Da Religio-itiit eine Sache des ller/euc ist, tmiihrn doch seelische Erscluitteruiigcn zu Religion und ,׳u (!ott iuiuen, Sind unsere Juden auf diesem Wege, oder sind sie es nicht? Blick in die Geschichte Man kann diesen spe/ifisch-jmlReiten Fragenkomplex ohne einen kurzen Hinweis auf die europäische keligionsgeschichte nicht beantworten. Die Juden, die muten im europäischen [.eben standen, haben auch in bezug auf die Religion eine analoge Entwicklung genommen. Die Frage lautet also zunächst:!־laben wir es vielleicht ganz allgemein mit einem Sokularisieningspro/eß des Lebens zu tun, oder gibt cs Anfänge einer neuen Religion? Will man die religiöse Entwicklung des europäischen Sektors zeichnen, so muß man mehrere große Epochen unterscheiden. Die erste europäische Epoche — sie reichte vom 7. bis zum 15. Jahrhundert — Kann man mit der Ucbcrschrift ״Autorität der Religion“ versehen. Denn die Religion war das formende Prinzip des Lebens, und der .Mensel! jener Zeit dachte lediglich in religiösen Kategorien. Diese geistige llaliuiig änderte sich mit der Wende des 15. Jahrhunderts. Durch die großen Entdeckungen auf geographischem und tcchiu-ciien; (irbiet und durch das Glücksgefuhl des Nie!!silier,, die so weit gedehnte Erde beherrschen zu können, wuule die religiö.-e Einheit gesprengt.!Diese Epoche — sie (laueite vier lahrliiuiderte und reichte bis zum Weltkrieg — trug sei-cliiedene N.oneii: Es ist die Zeit, in welcher der ,Ucn.-ih — in den .Mittelpunkt des Geschehens gestellt — Seinen Weg nicht /um I iimmel, sondern zur Erde, nicht nach 0:1011, -oiulcni nach unten, nicht zu Gott, sondern zur Welt vollend et. Wahretid *he Renai-sancc mir das Profil der Religion wr-enth'.h (;!- hoh, hat die Auikl 1:1111g ni 17. und IS. Jahrhundert - - Mi::11 ,־ die Bein iirig de- I Mieiis von der Herrschaff der Religion und durch die Znriicklegung־ des Weges von der '1111! ׳iogie zur Naturv! —: nse'naft - das religiöse Gebäude1 ׳ olikonuinn e r - c!1 11 11 e r t. Die ReEgion des Humanismus \u1uk■ zu einer sulchen der Vernunft und das naturu 0-1 ::--!:;1111;. he Wi Ithild. von allen religiösen Umklainmcnuigc'ii :< -ih.s bei; eit. (iewiß i-1 vs wahr, daß es? 111 El. Jahrhundert nicht an Versuchen UhlU, d.rreligiöse Weltbild zu retten. Aber hei einet׳ gricnlM iu!1 Prutting wird man zu dem Resultat kommen, daß 1 Io ge-1 liiehtliche und ethisch-religiöse System auch dic-er Epoche einen Meilenstein im Prozeß der endgültigen S.ikiilari-ieiuug darstelll. l'nd wenn gar in der zweiten 1 lallte des 1ü. Jahrhunderts die mathem.'itiscli-phvsikalischen Wissenschaft׳■!! ihren Sieges/11g durch die Weit antreten, ist es unnötig zu erwähnen, daß die Religion in diesem Weltbild ubethaupt keiner! Platz וזז ehr finden konnte. Eine neue Chance für die religiöse Entwicklung der europäischen Menschheit hätte der Weltkrieg bringen können. Man war von allen philosophisch-rationalistischen Losungen enttäuscht und stand erschüttert vor den irrationalen Kräften. In dieser Zeit gab es Ansatzpunkte für eine neue Religiosität. Trotzdem kann man heute konstatieren, daß der Weg zur Religion nicht beschritten wurde. Ein neues Ideal wurde postuliert, das den Namen ״Lehen“ trug. Man stand während der Kriegsjahre an der Grenze zwischen Lehen und Tod und wußte um die Gcfiihrdetheit menschlicher Existenz. Es war ein starkes Aufflackern vitaler Lebenselmiente. Dieses Ideal, ״!.eben“ genannt, war kurzfristig. Wieder fühlte man sich einsam mul verloren, und es gab nichts Greifbares, woran man glauben konnte. Dies war die große Chance für kollektive Bewegungen, die anfingeii, dem Menscher! eine Heimat zu bieten. Man ab den Völkern einen neuen Lebensinhalt. So gab man ent Leben 1 men Sinn, der einen v o 1 k 1 i c 11 - n a t i 0 11 a 1 e 11 Charakter trug. Säkularisierung 2m Judentum Will man ein klares Bild entwerfen, so muß man zunächst den in dieser Erörterung wichtigen Begriff der Säkularisierung definieren. Säkularisierung beißt Verweltiichung und bedeutet in der a 11 ft* r j ü d i s c h e n Welt einen Prozeß, welcher der Welt das religiöse Substrat abzog. fm Judentum dagegen besagt dieser Begriff etwas völlig anderes. Er bedeutet die Spaltung jener in der Substanz des Judentums verankerten und in den Epochen 'der Antike und des Mittelalters verwirklichten Totalität von Volk und Religion. Jeder Prozeß, der diese a-priorische Einheit entzweit, bewirkt eine Verweltlichung des Judentums. Denn das Judentum ist weder eine Kirche, noch ein Volk — im weltiiblicben Sinne dieser Begriffe —, sondern eine un,antastbare national-religiöse Einheit. Schält inan nun lediglich irgendeine Hälfte dieser Totalität heraus und erhebt sie zur substantiellen Wesenheit des Judentunis, so stempelt man es entweder zu einer Kirche oder zu einer Volksgruppe, d. h. zu Begriffen, die ausschließlich in der nulitjiidiselien Welt ihren berechtigten Standort einnehmen. In jedem Falte aber unterwirft man das Judentum einem Säkuk1risim1!1gspro/el!, d.!1, man verweltlicht es. In! der jüdischen .Antike und im jüdischen Mittelalter gab es die Totalität von Volk und Religion. In der jüdischen Neuzeit gab es eine Religion ohne Volkstum, und in der jüdischen Renaissance «in Volkstum ohne Religion, Von diesem Gesichtspunkt aus sind sowohl der religiöse Liberalismus wie auch der politische Zionismus säkularisierende Bewegungen und mußten die Sehnsucht verspüren, sich zu einer jüdischen Totalität zu entwickeln. Der jüdische Säkularisierungspro/en, von dem wir hier reden, verlief — seinem Wesen entsprechend — in zwei polaren Entwk'klmigslinien: in der westlichen Philo- Sophie und in der östlichen Haskala. Während der jüdische Westen das Judentum einem Theologisiertmgsprozelt unterwarf und es konfessioiialisierte, stempelte die östliche Haskala die nationale Hemisphäre zum alleinigen Kriterium jüdischer Existenz. Der w e s ז I i c Ir e T I! e o I o g i s i c r ti n g s p r o z e It fängt mit dem jüdischen Vertreter der Renaissance, Leo llebriius an und setzt sich über Spinoza bis zu Hermann Hohen fort. Die Schule Hermann Cohens und seiner Jünger hat die Begriffe ״Sittlichkeit" und ״Judentum'‘ gleichgesetzt und eine völlige Ethisicrung des Judentums vollzogen. Wenn Hermann Cohen Gott in eine ethische Idee und Moritz. Lazarus das Judentum in eine ethische Gemeinschaft auflöst, wenn Lazarus Ben David gegen die Dogmatik und Saloinon ,Maimon gegen die religiös-nationale Einheit im Judentum kämpfen, so sind all diese Philosophen — so verschieden ihre Standpunkte sein mögen —- Wegbereiter eines siikularisierten Judentums. Auch die Romantik hat im Judentum ihren Widerhall getunden. Aber mit Ausnahme von Graetz sind all diese von der Romantik herkommenden jüdischen Denker — A b r a h a m Geiger, Samson R a p 11 a e I Hirsch, Zacharias Frankel — genau genommen nur die Vcrtreter der einen, nämlich der religio s-konfessio- ת eilen Hälfte der jüdischen Welt. Umgekehrt sind die zionistischen Denker Herzl und Nor (fall, vom Historismus der Romantik lierkommend, ebenfalls nur Repräsentanten einer jüdischen Hemisphäre, nämlich der nationalen. Aus all dem ist ersichtlich, daß der Säkularisiertuigsprozeß im Westen ein totaler gewesen ist. Die Haskala Die parallele Eniwicklungslinie hat in der Haskala des Ostens ihre Quelle. Im Gegensatz zur Philosophie des jüdischen Westens postulierte die östliche Haskala den jüdisehen Nationalismus mit den Kriterien von Blut, Geschichte, Abstämmling, Volk und gemeinsamer Sehnsucht und erklärte gleichzeitig die Religion als Privatsache des einzelnen Juden. Der Säkularisiertingsprozeß der Haskala fand seinen stärksten Ausdruck in dem bedeutendsten Interpreten dieser Epoche, dem Dichter J eh 11 da Leib Ciordon. Mit letzter Ironie und Verbissenheit stürmt er gegen die Mauern des Ghettos und der Religion, fordert er Aufhebung der Knechtschaft, in die die religiösen Gesetze die Menschen spannen, und leichteres Leben im Einklang mit der Welt. Durch seine Gedichte —• wie ,,Kozo Sehe! Jud“ und ״Zidkija hu bewet Mapekudot“ — geht spürbar der Protest des Lebens gegen das Gesetz. Während aber Gordon noch auf der literarischen Ebene bleibt, ist die Säkularisierimgsphilosophie Berd i c z e w s k v s wissenschaftlich untermauert. Er verlangt im Judentum die ״Umwertung der Werte‘‘ und nimmt den Kampf des Individuums gegen das Koüektivum und seine Moral auf. Berdiczewskv findet, daß die jüdische Religion den Abstieg der jüdischen Kultur bedeutet, weil das Gesetz den Rücken des Menschen gekrümmt und sein Leben verknöchert hat. Im Gegensatz zu Ach ad ti a a m, dessen Antipode er ist, verlangt Berdiczewskv einen Nationalismus ohne jede Bindung an die traditionellen Werte jüdischer Weltanschauung und fordert das vollkommene Individuum, weil die Juden wichtiger seien als das Judentum. Also auch hier: Kampf des Lebens gegen das Gesetz. Von einer dritten, der national- מ olitischen Ebene herkommend, gelangt Klatzkin zu dem gleichen Ergebnis. Er verlangt ein reines Volkstum ohne Religion und lehnt die Begriffe ״Religion“ und ״Ethik“ als Kriterien für ein Volk ab. Es muß seiner Meinung nach ein objektives Kriterium eben, an dem man die Zugehörigkeit zu einem Volk messen ann. Einen solchen Maßstab kann nur der reine Nationalismus abgeben, und nicht Religion und Ethik, die ihrem Wesen nach übernational sind. Es kommt dabei nicht auf den Inhalt, sondern auf die Form, den Rahmen des Volkstums an. Alles, was Juden im Laufe der Jahrhunderte geschaffen haben und in Zukunft schaffen werden, ist jüdisch, ganz, gleich, wie es dem Wert und dem Inhalt nach aussieht. Volksbestimmt ist nach seiner Ansicht nur der nationale Rahmen einer Gemeinschaft, nicht aber der füllende Inhalt. ln diese Gruppe gehört — von einem anderen Aspekt gesellen — der Historiker Dttbnow, nach dessen Meinung die Juden zwar ein Volk sind, weil sie gemeinsame Charakterzüge und eine gemeinsame Tradition haben. Aber jüdisches Volk und Judentum sind nicht identisch. Das Judentum sei eine der schönsten Blüten am Baume des jüdischen Volkes, aber nur eine der vielen. Man kann Jude sein und zum jüdischen Volk gehören, ohne an ein Judentum zu glauben. So paradox es auf den ersten Blick erscheinen mag — auch die Philosophie A c 11 a d H a a tu s bedeutet eine Station auf dem Wege zur Verweltlichung. Gewiß zeigt die_!.ehre Achad Haams nicht jene radikale Note, welche die eben zitierten Denker charakterisiert. Auch hat sie wenig mit den Konsequenzen dieser Säkularisierung zu tun, Aber auch sie stellt eine philosophisch begründete Lockerung des jüdischen Gefüges dar. Achad Ha,am, der den Begriff des historisch-nationalen Judentums geschalten hat, stellt das Volk in den Mittelpunkt seiner Philosophie. Das jüdisehe Individuum lebt für das jüdische Volk und das Volk als Ganzes für das Heilige. Nun ist zwar auch das Heilige ein religiös-ethischer Begriff, welcher aber das Hauptgewicht aut das Ethische, und nicht auf das Religiöse — schon gar nicht auf die Religion — legt. Das jüdische Volk hat seiner Meinung nach einen eigenen Volksgeist, der durch seine Exponenten in den verschiedenen Generationen das geschaffen hat, was wir Thora und jüdische Tradition nennen. Das Charakteristische dieses Volksgcistcs bestellt darin, daß das Judentum den Versuch gemacht hat. die Welt als die Wirklichkeit und Objektivierung des Guten und Gerechten zu proklamieren. Bibel, Talmud, Midrasch, Schulchan Aruch — alle sind nur Erscheinungsformen dieses Geistes, der sich in ewiger Evolution befindet, und der jeder Zeit ihre adäquaten Ausdrucksformen verleiht. Aber hei allen Verschiedenheiten der Exponenten, des Zeitgeistes, der Form und der äußeren Erscheinung bleibt der ethische Kern dieser Lehre ewig der gleiche. Ewig bleibt daher auch die Forderung, das Judentum auf seinen eigenen Boden zu verpflanzen, um wieder ausgestattet zu werden mit der schöpferischen Macht seines eigenen Volksgeistes. Aus all dem kann man ersehen, daß der Begriff des Religiös-Ethischen bei Achad Haani eine bedeutende Rolle spielt. Aber diese ethische Sphäre ist von der religiösen völlig getrennt und gilt als nationale Erscheinung. Die Religion dagegen ist ein Teilgebiet der großen, umfassenden jüdischen Kultur, und ihr Gesicht trägt undogmatisclie Konturen. Durch die Philosophie Achad Haams ist die Religion nicht ausgeschaltet, aber relativiert worden. Der festgefügte Bau der antik-mittelalterlichen jüdischen Totalität hat auch hier seine sichtbare Auflockerung erfahren. Säkularisierende üedankengänge dieser Art können auch bei der großen Reihe der jungen palästinensischen Schriftstellergencration gefunden werden. Tschernicho w s k y, B r e nn er und Gordon sind vielleicht die bedeutendsten Namen, die hier genannt werden können. Die in palästinensischen Arbeiterkreisen beliebte Formuliermtg von ״Dat haawoda“ — Religion der Arbeit — stellt vom nationalen Aspekt her gewiß eine besondere Apotheose unserer jüdischen Renaissance dar. Aber von einer religiösen Perspektive her gesehen, vollendet sie im Judentum einen Säktilarisiertingsprozeß, der unsere Menschen von Gott zur Welt, vom Himmel zur Erde geführt hat. Das Resultat Hier stehen wir heute, und das Resultat zeigt erstaunliehe Aehnlichkeit mit der Situation Europas. Was heute in Palästina vorherrscht, ist ein reiner Nationalismus, verbunden mit einer Verweltlichung des jüdischen Lebens und der jüdisehen Feiertage mit — zugegebenermaßen — starken Ansätzen eitler Achad Haamistisch gefärbten Stilisierung, aber mit kaum greifbaren Anzeichen eines — wie auch immer gearteten — religiösen Lebens, Nun gibt es bei uns Menschen, die der Meinung sind, daß Palästina in der Zukunft den Nationalismus und die AltflVIdlilPCAPflllllll f*»te Rpnte bis Lt־brnx»«nH*, ״ar1׳ntiert HHIjI Ovvl 5MJI yUBiy durch erst• Vers,-Gps. Auskunft* durch Philipp UckO« Berlin-Wilmersdorf, Brandertbur^ischr Sirfißs T2 / Ruf 92 74 43 Galutli die Religion liefern wird. Dies ist ein gefährlicher Trugschluß. Denn das jüdisch-religiöse Leben befindet sich hier wie dort in derselben K r i - s i s. Aber diese wird in Palästina eines Tages leichter zu beheben sein, als in den Ländern der Gallith. Man darf dabei nicht vergessen, daß die heutige junge Generation des Ostens vielfach ohne Religion lebt, und daß das Westeuropaische Judentum schon seit der Emanzipation religionslos ist. Denn das, was auch als Religion gelebt wurde, war im Grunde nur eine gute ethische und moralische Haltung, die gewiß als solche nicht z.u unterschätzen ist und dem Ethos unseres Volkes durchaus entspricht. Es ist sicherlich sogar eine Religiosität in dieser Haltung gewesen, aber das, was Rcligiosität zu Religion macht, fehlte und fehlt im westeuropäischen Judentum noch heute. Zum Teil lag cs auch daran, daß sämtliche nationalen Elemente der Religion mit der Zeit ausgcschaltct wurden. Es war ein Weg von einer spezifisch jüdisch-nationalen zu einer allgemein-menschlichen Haltung europäischer Prägung. Nicht einmal die Ort hodoxie hat liier ein besseres Los gezogen. Der Assimilation gegenüber versagte sie genau so wie der Liberalismus. Dies alles besagt, daß sich die jüdische Religion überall in der Welt in einer Krisis befindet, und dal! der Siikularisierungsprozeß ein vollständiger ist. Dies ist die Analyse der religiösen Situation der Gegenwart. Welche Ursachen können diese Erscheinung herbeigeführt haben, tmd welche Mittel gibt es, die man entgegcnstctlen kann, um zu Ansätzen einer neuen Rcligiositat zu gelangen? Diese Fragen bedürfen einer besonderen Erörterung. Palästina 1m englisch-italienischen Abkommen Erklärungen Chamberlains Bei der Erörterung des englisch-italienischen Abkommens im englischen Unterhaus gab Premierminister Chamberlain folgende Erklärung über die Stellung Palästinas im Rahmen des Abkommens ab: ״Im Falle, daß jemand meinen sollte, Palästina sei abslchilich ausgelassen worden, möchte icli darauf Hinweisen, daß die Palästinafrage ebenfalls zwischen Lord Perth und Graf Ciano erörtert worden ist und daß als Ergebnis dieser Aussprache der italienische Außenminister unserem Botschafter die mündliche Zusicherung gegeben hat, daß die italienische Regierung davon abstehen wird, S. M. Regierung in der Verwaltung Palästinas Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Unser Botschafter hat «ine ähnliche mündliche Zu- Sicherung gegeben, daß S. M. Regierung ihrerseits beabsichtige, die legitimen italienischen Interessen in jenem Lande zu bewahren und zu beschützen.“ Auf die Frage des Abg. Do 1 ton, weshalb diese miindliehe Abrede nicht in den Vertrag aufgenommen worden sei, antwortete der Premierminister: ״Es ist nicht leicht, den Grund hierfür anzugeben, aber in jedem Fall hielt man diese Angelegenheit nicht für ganz von derselben Rangordnung wie die anderen Fragen, die Gegenstand des schriftlichen Austausclies waren. Wir unsererseits sind völlig befriedigt von den mündlichen Erklärungen, die wir erhalten haben, und andererseits glaube ich sagen 7,u können, daß die italienische Regierung ebenfalls völlig befriedigt ist von den mündlichen Erklärungen, die wir ihr gegeben haben.“ Ankauf von Brillanten, Gold und Silber Ank.g. 12/48541 BERLIN W 8, FRIEDRICH8TRASSE 193a (ECKE LEIPZIGER STRASSE) FERNSPRECHER ZS 4839 JL/ M tv J. JtLs .Hl m. J UWE HER