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Jüdische Rundschau · 1938-05-06 · Heft 36 (6.5.1938) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 36 (6.5.1938)
Date
1938-05-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3d, 6. V. 1938 bei denen es in erster Linie Weizmamt war, der eine real• politische IEilaing vertrat, der zurüdmnveichen verstand, wenn es ihm die Sache zu gebieten schien, der aber fest blieb, wo entscheidende Yolksintercssen auf dem Spiele standen. Und in jener Zeit begegnet uns Wci/mnnn bet allem Stolz über die politischem Erfolge, die errungen waren, als der unermüdliehe D e s i 11 u s i o n i s t des jüdischen Volkes, bemüht ihm klarzumaclieri, weich große Verpflichtungen fiir seine eigene Leistung sich aus diesem Start erst ergeben. Und nun folgt die lange Periode, die bis heute noch nicht zu Ende ist, jener ״Sisyphusarbeit der Qeldbe- Schaffung“, die ein Ringet! mit den Juden ist. Und zwar nicht nur mit den Lin/elncn, die materielle Opfer bringen sollen, sondern noch viel mehr mit jener Schicht der zweit- und diittUa.'Sigcn Repräsentanten, die es zu durchdringen gilt, wenn das Herz des Volkes angerührt werden soll. Eine zukünftige Periode wird einmal die Geschichte dieser Zeit schreiben und Licht um! Schatten verteilen. Dann wird es sich zeigen, wo die vorwsrtstreibenden Kräfte im jüdischen Volk lagen und wo die!demente zu finden waren, die untätig blieben und in dem Strom der Auflösung verharren wollten. Dann wird es sieh auch zeigen, mit welch einer Front des Unverständnisses zu ringen war, die sich durch alle Parteien im Judentum erstreckte und auch in den zionistischen Reihen und auf Kongressen zu finden war. Wenn die Sache weitergegangen ist — gewiß nicht immer in dem Tempo, das notgetan hätte, aber doch spürbar - dann war es Weitman ns Leistung, die dies herheifuhrte und auch seinen Freunden die 1 ort.set/img der Arbeit ermöglichte. Wir find in \X'ci/1na1111. wie er die Verwirklichung in f'rez 1•.וודו• I erlebt, wie das Land auf ihn wirkt und er 7.11 Semen Mi■!!-■.:!!■:! snH.ii', neu; zu;ct/t auch an jenem Tage auf dem Skews, als er erneu seiner srlnwsirn Traume sich rca'ismi en ״a'1, uuieui er dir• Höhnische 1 kuver-itat eröffnete. Und wir w-h; <-. t, ti s;!1;;rßn-i! ,:•!!־eh ad die lahre mit AX’ci/m ׳:!!!!!:!־' I r׳״:t der Politik ah, die Auseinander- Setzung r;e <b־n ld:aMe•! Innern,rb und;!:!!!1•!״!aib Palästina■:, die dem iu!:,!״•!: Vdlwuwwk mg egeuu i rkm.!'s war für Wci/warni! "!ad D׳!■■־.׳-׳■! - bwneu nd. a's er in Amerika mit dem T■'cd 1 lur- Jtgdwnawai" belegt wurde. Damals sagte er: ״Wo hrra•; ״ dwin dm Kunst dar Diplomatie erlernt? ln lanski׳ V '■••. ,, , p ן ■:-! w!!■ r:״ R,p'.<v1;.1t g< «prncbrn habe, hrd t onl DkUnr au: 1׳r :11׳׳ Vor!!• g|,:wrt. 1 1 ihm Sic schon einen I ):״i׳ anw: g׳u׳Den, der kein f >•■1(1, kein Heer, keine Flotte und Weicrlm Macht heiter sich 11;•,t - Nein, nicht den Worten re;(■-- D1pi1״ua!cn hat man (lelmr grschenkt. Ich kam ,ahem, runter nur stand na ins, sO <ieiierationen und Tausende w >u Jahren sprachen ans 1m־ln;׳u1 Munde, nicht Geld, sonder1׳ dir vimmou unserer Wernen, unserer Kampfer und Heiden, du' im heu gen s:a!1bc l.rez Israels rühm. Darauf haben uw hnrtwi uad prai-siawien S;;!.u-:n!,:!!1er der Welt gebürt. ...! 1 י c S t! in m c d e r (1 r s r h! c 11 t e s p r a c h aus meinem Munde, und atzt ist c- Zeit zu handeln.*‘ Und diese eeib-lkeun/cmknung <׳*׳;u!1/t< \\'ci/ma1111 einmal durch den Bericht über sein Z!:s;m11!1e1!tn׳ttcn mit Emir Fcisal in Transjor!־!anien. Er schildert seine Reuse zu dem Emir in den letzten Tagen des Weltkriege••, als ihm von Fcisal Diener mit Geschenken entgegengesandt wunlwu Damals, so sagt We izmann, tiberkam ihn ein Gefühl von dem Wunder der Reise. ,.Und da und damals versanken JOT), 3!)')T, •1Ü0T Jahre. Ich fnhhc, ich wußte, es war erst gestern, daß ich das Land besessen bitte: es war erst gotern. daß 1111-01' Urvater Abraham diesen!loden betrat und sich auf den Weg seines Volkes begehen haue unter der Führung ( iottes mit seinem Segen. Und damals fühlte ich, all die Jahre unseres Exils, all die Länder, in denen wir gewohnt, all die Leiden, die wir ertragen hatten, waren wie nichts. Der Abgrund war überh r 11 r k t. I )!cs mar das 1 leim: dies war die Verh e i ß 11 11 g 11 11 d d 1 c 1' r full!111 •!. dies war die l u m ißheit.‘‘ ln solchen Worten offenbart sich der Staatsmann, der nicht in taktisch•׳':! Rw::;•:׳'•;! d׳nD, -omDrn die Geschichte und ihre Kralle über•.׳. :*,aut und <!!her auch mit den Kräften auf der aa; 101,11 Seite au rechnen weiß, Wei/mann hat in wieder he tont. v׳,n <le:ne! er glaubt, daß w auch in der fnglisclu:1 1 i:1 hum: zu P dastim und den Jude:! che entscheidende Kok׳־ spick u, t'ml in dieser 11 dtmig oltcnbari sich Wohl niii'h dw 1 ::■׳kg d;r \ wt WYizman n auf den (ie-praehs- Partner!!!׳!•r-1•! m:׳k «eun er <i:c Sache der Juden vertritt׳, jener!׳'!!:•kc, der am \\ uruc und Glauben, aus der sittlichen Haltung •,::::•י Menschen, des Vertreters et!1׳׳s alten Volkes, das sndi n u!’I, miedci mt. Wir ade erinnern uns noch )!,!:u ..;•׳kg: Rede, die h\ c:/11i:1;:11 in (erwidern vor der Kone;:.d,< :׳: K<>!:■::t:י-:■ >n im Nämeikn■ HH6 hielt, die auch in uic-i :' Smmd'U.p;ih.;c!:,n kt Kt: m 1 eh damals spürte von Orsterr. 11. N'*rhfo!gevta*ten F׳ r'׳'!' i ,.t rrv!»•'־׳ 'jl ״u׳■: o prn mpt unH h! l!io׳*J Leo Better,Wien XIV, F8lber8tr.126 die Welt und nicht /uict/t dm juiiis,he Volk, wie es sich selbst in diesen Worten vereinigte und einen neuen, stolzen Ausdruck iiir seine Sorgen fand. Man hat Wcizinann oft in seinen Reden als kühl und zurückhaltend empfunden: das mag zutreffen, was die äußere Form anhelangt, gewiß aber nicht, wenn wir auf den Kern der Rache scheu, die er vertritt. Es ist kein Zufall, daß dieser Mm 11t wie kein anderer tmch Merz! im Bewußtsein des jüdischen Volkes einen einzigartigen Rang einnimmt. Nicht allein seine äußeren Erfolge sind es, die ihn dazu gemacht haben, und die ihm in der Geschichte als den! Mann der Baifour-I )eklnration und des Judenstaates seinen Platz, sichern, sondern noch weit mehr das Empfinden, daß hier ein Tr,!,per der liebten Kräfte des jüdischen Volkes vorhanden ist, seines Willens zu einem schonen, freien und reinen Leben, seiner großen Liebe zu der Tradition der eigenen Cicmhichic und seiner Fähigkeit, auch im Dunkel schwerer Tage ungebrochen zu existieren, die Dinge realistisch zu sehen tirif danach zu handeln. Und so sehr dieser Mann mit dem Vo'-e ringen mußte, besonders wenn cs galt, Erkcntitni'se <:!,׳;■/ ■'״-t/cn. die unbeliebt sind, so sehr strömt ihm doch <:::׳.■ V. - 1׳: der Sympathie entgegen, wo immer er sich zeigt, u * /■;,7*•׳t auch in Palästina und bei seinen arbeitenden M׳׳ •1: ׳ k* dwen Schaffen Weizinaiin sielt seit den Tagen seiner j ׳ ׳: iw ouders eng verbunden fühlt, K. L, Prof. B r cd et s k y und Art-;r!. o tt r i e, der politische Sekretär der Jewish Agency, ■■׳!־־.׳.׳ n am 3, Mai von Kolonicrmimisici Ü r m s b y - G o r <■ und '■־.״ S h u e k bürg 11 empfangen und besprachen mit ihnen •-,*׳•זיhw׳f׳-ne laufende Probleme, die Pahi-riina betreffen. BriefmarHen M ו Erneuerung der zionistischen Propaganda Von Dr. Arthur Stein, Berlin Gibt es eine zionistische Propaganda? — Ich glaube, man kann diese Frage mit nein beantworten. Mag sein, daß irgendwo Bemühungen in dieser Richtung gemacht werden, Ansätze zu solcher Tätigkeit oder IJcbcrrcstc aus früherer Zeit vorhanden sind. Aber spürbar sind sie kaum. Und Propaganda ist ein Ding, das nur Rinn hat, wenn man es merkt. Man muß den Eindruck haben, daß es heute fast nur eine Propaganda der Fonds gibt. Diese Propaganda ist notwendig und lebenswichtig, sie ist auch kein Gegensatz' zur Propaganda der Idee; sic mag diese vielfach überschneiden und decken oder ergänzen, aller sic ersetzt diese nicht. Man hat den Eindruck, daß die zionistische Organisation — ich spreche hier immer von der Gesamtorganisation — es dabei bewenden läßt, die natürliche Schwerkraft, die ihr Körper erlangt hat, wirken z.11 lassen, sei es, daß die Organisation ihr Gewicht einfach beibchält, sei es, daß sie ihr Volumen automatisch vergrößert, ohne daß neuer Boden durch Kampf gewonnen wird. Eine Idee aber, die es aufgiht, diejenigen zu gewinnen, an die sie sich ihrer Natur nach wenden muß, verliert ihr I eben, ihren Nachwuchs. Die Propaganda muß, wenn sie wirksam werden soll, mit den Mitteln der heutigen Zeit organisiert werden. Es darf nicht dem Zufall überlassen bleiben, oh ein Jude irgendwo den Zionismus findet oder nicht; der Zionismus muß ihn finden! Propaganda muß von der zentralen Leitung aus organisiert werden, ebenso wie z. B. die Fonds zentral geleitet und organfsiert sind. Propagandisten tun not Zunächst einmal muß man Propagandisten haben. .Man müßte also Propagandisten heranziehen, wahrscheinlich sogar erst c r 7 i e I! e n. Ich stelle mir vor, daß man aus den verschiedenen Landesorganisatinneu eine Anzahl ge״ Herrenkleidung Knabenkleidung kauft man ק r e i» w « r f und gut bei Special .Angebote fflr Anawenderer r LUDWIG Frankfurt 8. d. HnuptHhf• eignet erscheinender Kräfte, Redner, Organisatoren usw., sammelt. Diese Kräfte müßten in einem Institut (etwa im Anschluß an die Universität Jerusalem) zu Propagandisten erzogen werden. Solche Kurse können je nach Vorbildung, Alter usw. 1—3 Jahre dauern. Der Propagandist muß mindestens 3—1 Sprachen beherrschen, da ja Hebräisch und Englisch von vornherein selbstverständlich sind, und der Propag,׳!mlist darüber hinaus verständlich sein muß. Fr muß jüdische und zionistische Geschichte, die Voraussetzungen jüdischer und zionistischer Politik beherrschen, sich mit den religiösen, ökonomischen und nationalen Problemen des jüdisehen Volkes und der einzelnen jüdischen Bevolkerungsteile auseinandersetzen können und mit ihnen Konnex haben und z. B. umfassende I.iteraturkcnntnisse besitzen. Er muß die Bedingungen der Organisationsformen ebenso wie die der Propaganda in Wort und Schrift beherrschen und in der Lage sein, selbst auf seinen Propaganda-Reisen zu organ isicrcn und den örtlichen Organisationen bzw. den loka« len Organisatoren mit Rat und Tat zu helfen. Ich stelle mir vor, daß nach einer entsprechenden Zeit eine Anzahl von etwa zunächst 10—20 Propagandisten in den verschiedenen Teilen der Welt eingesetzt wird und bin der Debcr/ctigiing, daß innerhalb kurzer Zeit ihre Wirksnmkeit Früchte tragen muß. Sie wird nicht nur in einer 7;1h!enn1äßige11 Zunahme der Mitglieder der zionistischen OrganKation festzustellcii sein, sondern in einer Belebung d c r O r g a n i s a t i o n im ganzen und in den einzelnen Teilen. Solch rin Propagandist müßte für längere Zeit hestimmten I andesorganisationen?!!gewiesen sein, ihnen für Sonderaktionen, große Versammlungen in aller! Orten usw. zur Verfügung stehen, die Propaganda innerhalb der Zentrale der Landesorganisation mit organisieren, dann aber die ein- /einen Provinzen und Orte aufsuehen, dort auch längere Zeit bleiben, auch lokal die Propaganda organisieren. Unnötig zu sagen, daß diese Menschen ein starkes Feingefühl für lokal׳־ Besonderheiten haben müssen. Nun wird natürlich der Einwand gemacht: ״Das Geld ist nicht tla, um solche Dinge zu finanzieren.“ Dieser Einwand liegt etwa auf demselben Niveau, wie wenn ein Krankrnhaus sagen würde, es hätte kein Geld für Aerzte oder eine Eisenbahnverwaltung, sie hätte kein Geld für Lokomotivführer. Dieses Geld muß eben da sein, genau wie es für andere lebenswichtige Zwecke auch da sein muß. Dahei muß man sich darüber klar sein, daß jede Propaganda nach kurzer Zeit nicht nur ihre Ausgaben decken, sondern dartiher hinaus eine Stärkung der Organisation und der Finanzit'nmg hcrbcifiihrcn muß. Die Zionistische Organisation steht vor der Frage, ob sie die Propagierung der Idee, d. h. der Gewinnung ries jüdischen Volkes für den Zionismus neu aufnehmen oder ob sie es dabei bewenden lassen will, daß der Zionistischen Organisation und Palästina zum großen Teil nur mehr Intercssenten Zuströmen, die im Zionismus und in Palästina das rettende Ufer erblicken. Politik und Propaganda Fs ist sicher, daß zionistische Palästlnapoli« tik nicht durch die Propaganda geleitet werden darf, und es ist ebenso sicher, daß die Propaganda nicht in den Brennpunkt der Politik gestellt werden darf, aber es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß beides, Propaganda und Politik, in Wechselbeziehung miteinander stehen und daß man den Eindruck haben muß, daß diese Wechsel- Beziehung in den letzten Jahren des Zionismus gefehlt hat, weil der eine Partner, nämlich die Propaganda, fehlte und offensichtlich das Gefühl hierfür geschwunden war. Es gehört auch zur politischen Leitung, daß in der Gesamtpolitik Losungen ausgegeben werden, die geeignet sind, nicht nur den politischen Standpunkt zu klären, sondern auch Anlaß zur propngandaniäßigen Auswirkung zu geben. Ein Beispiel: Die Unruhen in Palästina hätten Gelegenheit gegeben, die Wirksamkeit der Propaganda auch in der Politik zu erproben. Man hat den Eindruck, daß dies in keiner Weise geschieht. Natürlich ist es imponierend, wenn eine politische Leitung sich durch die Rücksicht auf ״den Mann auf der Straße“ den Kopf nicht warm machen läßt, aber es ist doch noch sehr zweifelhaft, ob nicht heispielsweise die englische Oeffentlichkeit sehr stark beeindruckt werden könnte durch kurze schlagartige Parolen, und ob solche nicht oft viel wirkungsvoller wären als noch so zutreffende langatmige Argumentationen oder Re- Solutionen. Man nehme beispielsweise eine Parole wie die: ״Wir verlangen für jeden getöteten oder verwundeten Juden 100 zusätzliche Einwanderungszertifikate.“ Ich weiß nicht, ob nicht eine solche wirkungsvoll vorgebrachte Parole und Forderung auf Araber und Engländer eine ganz andere Wirkung atisiiben würde als die längsten Erklärungen. Palästina-W erbung Handelt es sich hier um Fingerzeige für die Zusammenliänge von Politik und Propaganda und dafür, daß auch in der Politik etwas fehlt, wenn die Propaganda nicht berücksichtigt wird, so gibt es viel näherliegende Gebiete, auf denen man täglich die Beobachtung machen kann, daß es leider bei uns an jedem Sinn fiir Werbung fehlt. Man kann durch zahllose Länder fahren und Tausende von Plakaten fiir die Werbung von kleinen und kleinsten Kurorten oder von Produkten irgendwelcher ferngdegenen Länder an sich vorbei/ichen lassen, bevor man zufällig irgendwo ein Plakat, das auf Palästina hin weist, findet. Ich habe fast nirgends finden können, daß für Palästina und seine Produkte in Form von Plakaten, Prospekten, wirkungsvollen Ansichtspostkarten iisw. geworben wird, und dies in einer Zeit, in der map in jedem Reisebüro mit Dingen dieser Art für jedes Land, überschüttet wird, und in der jeder Eisenbahnwaggon und jedes Schiff mit Plakaten, Bildern, Photographien dieser Art vollhängt. Das Ergebnis ist entsprechend. Wenn man die christlichen Besucher Palästinas und diejenigen Besucher, die zur Information für Einwanderungszwecke Palästina bereisen, abzieht, dann bleibt ein kleiner Rest für wirkliche ״Besucher des Landes“; wenn man hiervon noch diejenigen abzieht, die wie von jeher aus relißiösen Gefühlen Palästina besuchen, ferner die Verwandten- Besucher, so bleibt das Ergebnis für den eigentlichen Touristenbesuch, d. h. für den Besuch von Menschen, die das Land nur zum Zweck des Bcrciscns, der Besichtigung, der Erholung, des Vergnügens, der Belehrung aufsuchen, beinahe gleich null. Dieses Ergebnis wird jeden überraschen, der Palästina für ein ״Touristenland“ gehalten hat und sielt die Tatsache vor Augen hält, daß es über 16 Millionen Juden gibt, selbst wenn man die hemmenden Momente (Armut der Massen, Dauer und Kosten der Reise, Devisenbewirtschaftung) in Rechnung zieht. Im Jahre 1937 haben von lanuar bis August über 70 000 Touristen Palästina besucht, hiervon waren nicht einmal 11 500 Juden! Die nichtjüdische Touristik kommt dem jüdischen Wirtschaftssektor und Intcrcssengebict (Kenncnlerncn des jüdischen Aufbaus) sehr wenig zugute. Auch liier wäre ein weites Feld der Betätigung gegeben. Daß aller eine wirkungsvolle Werbung die jüdische Touristik um ein Vielfaches erhöhen müßte, ist wonl ohne weiteres einleuchtend. Export ־ Propaganda Auel! auf einem anderen Gebiet, welches der Propaganda nocli viel nähcrlicgt als das eben berührte, ist gar nichts oder wenig von Propaganda zu spüren. Ich meine das Oebict des Exports spezieller Palästina-Artikel, und das Gebiet der geschäftlichen Vertretung Palästinas und seiner Erzeugnisse in anderen Ländern. Es scheint weder eine zentrale Stelle zu gehen, welche diese Dinge leitet, kontrolliert, propagiert, noch scheinen sich die einzelnen Stellen, in deren Gebiet dies fallen müßte, damit abzugeben. Ein Beispiel: Es gibt einen vorzüglichen palästinensischen Dessertwein, ebenso guten Weinbrand. Was man außerhalb Palästinas auf diesem Gebiet bekommt, ist meistens schlecht und zu bestimmten Zwecken (Sserierabenden usw.) ■eingekauft, aber nicht zum Zwecke der Konsumtion im normalen Lebensverbrauch, auf Gesellschaften usw. Es gibt in der Weit außerhalb Palästinas etwa 15 Städte mit mehr als 100 000 Juden, darunter eine mit beinahe 2 Millionen Juden und drei weitere mit z.irka 300 000 und mehr, ferner zirka 20 Städte mit mehr als 50 000—100 000 und über 50 Städte mit 20 000—50000 jüdischen Einwohnein. In einer großen Anzahl dieser Städte könnten und müßten spezielle l.ädcn zum Vertrieb von Pa- I ä s t i!1 a - E r z c u g n i s s c n vorhanden sein. Eins muß allerriings in der Leitung und Organisation klar heraustreten! daß es sich um gut aufgezogene, repräscntable Geschäfte handeln müßte, je nach den Umständen verbunden etwa mit einem Propaganda-Reisebüro, mindestens aber mit einer Auskunftsstcllc, evtl, mit jüdischer Bücherei oder Ausstellung*- raum, versehen mit Karten, Photographien, statistischem Materia! usw. Solche Geschäfte brauchten nicht von vornherein auf die Notwendigkeit gestellt zu sein, Gewinn zu erzielen« Es würde vollkommen genügen, wenn — wie ja überhaupt gute Propaganda per saldo nie etwas kostet — diese Organisation ihre Kosten deckt, und dies allerdings müßte ohne weiteres zu erreichen sein. Von Geschäften dieser Art, gut und repräsentativ geleitet, müßte ein immer steigender Ab- Max Weisslerp“‘” Berlin W, ״׳" Kleiststr. 12 I fc L Am fc satz palästinensischer Produkte ausgehen, aber weit darüber hinaus Anregungen für das jüdische Publikum, eine immer stärker werdende Anscbatiüdmiachung von Palästina, seinen Erzeugnissen, seiner Struktur, seiner Entwicklung, eine stärker werdende Verknüpfung damit, die Anregung zu Palästina- Reisen usw. Jedes derartige Geschäft wäre eine Visitenkarte Palästinas. Ganz, allgemein muß es möglich sein, jeden Juden vor die Frage zu stellen, ob er sich zum Zionismus bekennen kam* und will. Es ist nicht die schlimmste Folge des Mangels an Propaganda, daß nicht alle Juden Zionisten werden, sondern das größere (Jebel ist, daß tatsächlich ein großer Teil des jüdischen Volkes, und wahrscheinlich immer noch die größere Hälfte, überhaupt nicht vor die W a h 1 gestellt ist, sich zu entscheiden; das größte Hebel ist nicht, daß Inden dem Zionismus vcrlorcngehen, sondern das größte Uebe! ist, daß sie verlorengehen, ohne sich dessen bewußt zu sein, und ohne daß man den Versuch gemacht hat, sie zu gewinnen. Man hat keine Berechtigung, sich darüber zu erregen, daß Teile des Judentums und Teile der Jugend für die Entwicklung des jüdischen Volkes in Gleichgültigkeit verschwinden, und man hat kein Recht, sich darüber zu erregen, daß dieser oder jener jüdische Millionär in Amerika sein Vermögen an Neger verschenkt, statt an seine jiidisehen Volksgenossen oder an den jüdischen Neu-Aufbau zu denken. Solange man nicht jedem Juden durch unsere eigene Propaganda-Tätigkeit Gelegenheit gegeben hat, aus seiner Gedankenlosigkeit aufzuwachen und sich eine Vorstellung von seinem jüdischen Schicksal zu machen, liegt die Verantwortung bei uns und nicht bei denen, die geistig nicht in der Lage sind, sich aus Eigenem zu besinnen. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Welt sch, Berlin-CharL J) (auch verantwortlich iür die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Lot wen stein, Berlin W 15. Anzcigenlciier und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1036. Verlag und Anzeigcnvcrwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinckeitr. 10. D.A. 1/1938! 26 043. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg.

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