Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1938)
- Date
- 1938-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34, 29. APRIL 1938 Jüdische Romane Zwei west-östliche Bücher Ein Roman der Prosperity ״) מרים טל, מזיפי החייםDie Lebensfälscher“), Verlag Mi/pa, Tel Aviv. ״Die L.cbensfälscher“ heißt ein palästinensischer Roman von Mirjam Tal, ein alles in allem erstaunliches Buch. Dei Titel verspricht eine Kritik an der Lebensart und Lebensauffassung einer bestimmten Art von Menschen im Lande, und es spricht sehr für das Talent der Autorin, daß ihre Menschen trotzdem glaubhaft und verständlich werden, daß ihr Lebensfälschen, ihr falsches Leben also echt geschildert und schicksalhaft erscheint. Ein Lchcnsfälsclier ist vor allem ihr Dr. Pinskcr, hebräischcr Lehrer und Schriftsteller, zu anständig, aber auch zu wenig energisch, um sich von seiner reichen Frau völlig loszumachen lind um seine Eltern dann hungern zu lassen, zu gescheit, aber auch zu wenig einheitlich, um nicht alles von seiner privaten bis zur großen und ganzen jüdischen Situation zu zerreden. Also ist sein Leben, grob gesagt, eine Fälschung, und das seiner Geliebten eine Tragödie. Dieses hübsche Mädchen ist ״ein Lexikon der Unentschlossen heit“; aus Opposition gegen ihre saturierte Familie war sie ein Jahr in einer Kwuzali, dann in Jerusalem bei einem Exporteur angestellt und, nachdem ihre Beziehung zu Dr. Pinskcr, für den sie noch nebenbei sich abgcrackert hat, an den sie allein geglaubt hat, halb mißverständlich zerstört ist, wird sie, aus Verzweiflung und Lethargie, das Opfer eines genußsüchtigen Schiebers, um dann schließlieh in die Kwuzah heimzukehren. Die eigentlichen Lehensfälscher sind die imsympathisehen Figuren des Romans; der Schieber, der wie ein jovialer Kintopp-Wüstling spricht und handelt, der Expo!־• teiir, der ein, wenngleich harmloserer Leuteschinder ist, Dr. Pinskers reiche Frau mit ihrer peinlichen Tüchtigkeit, die Nutznießer der Prosperity und ihre Leinde, die in Cafes hocken und Aphorismen schmieden. Die Sympathie der Autorin und des Lesers haben die Armen und Erniedrigten, die Leute aus der Kwuzah, die Menschen, die wirklich für Erez Israel leben und schuften, die Jemeniten (besonders ein kleiner Prachtjunge Jichje), die ein hochnäsiger Geldprotz ״braune Wilde“ schimpft, und ein feiner, weißer, etwas rätselhafter Scphardi. Es ist ein Roman der Prosperity und damit, wie seit Zola jedes offene Buch aus Gründerzeiten, ein Pamphlet gegen ihre Kehrseiten. Ls ist schön, daß eine palästinensische Autorin so realistisch kritisieren kann, und sie hat das *Recht dazu, da sie auch das Positive des Aufhaus überzeugt und überzeugend im Hintergrund weiß. Das lyrisehe Ethos Avigdor Fiameiris kehrt nicht zufällig in ihren Motti und Zitaten immer wieder. Vor allem ist Mirjam Renten- Altersversorgung u. and. Versicherungen Victor Sand, Berlin C 2, Naue Promenade 4. Tel. 42603s. Tal ein psychologisches Talent. Die seelische Entwicklung ihrer Heldin ist vortrefflich gezeichnet, die Mischung von Kleimnädchcnhaftigkcit und intelligenter Frau reizvoll und überzeugend, und mir ihr Halbheld entgleist schließlich in, eine konventionelle Melodramatik, um der Handlung zu einem vielleicht allzu romanhaften Schlußteil z.11 verhelfen. Auch bis zu dieser Wendung ist die Spannung groß, und man liest, ohne aufzusehen, ja man liest mit besonderer Aufmerksamkeit die zahlreichen Gespräche über Palästina, die nicht nur Theorien eines glänzend formulierenden Autors darstellen, sondern auch tatsächlich allerlei Licht auf die nun schon historische Situation werfen und vor allem die Figuren charakterisieren, von denen sie geführt werden. L. H. Roman um ein Warenhaus Sigfrid Siwertz: Das große Warenhaus, Roman. Aus dem Schwedischen von Alton Fedor Cohn. — Brandussche Verlagshandlung Jüdischer Buchverlag, Berlin. Abgesehen von dem Helden dieser Erzählung, die man eigentlich nicht als Roman bezeichnen kann, da cs sich um lose ancinandergcreilite Einzelbilder handelt, sind Milieu und Gestalten dieses Buches keineswegs ein großer Gewinn. Aber der alte Jude Jeremias Gold mann ist schon ein ganzer Kerl! Aus Polen ist er als junger Mensch mit seinem Hausierkasten vor den Pogromen geflohen, dem alten Kasten, den er als Einziges aus einem Schiffbruch, den er auf der Reise nach Schweden erlitt, retten konnte. Aber im Laufe der Jahre hat er sieh emporgearbeitet und in Stockholm ein Warenhaus gegründet, das von Jahr zu Jahr wuchs. Er aber, der alte ,,Gold“, wie ihn seine vertrautesten Mitarbeiternennen, ist nicht ״mitgewachsen“. Er ist der kleine .,Goldmann“ geblieben; mit seinem Jargon, den er beihchalten hat, seinem ewig zerknitterten Konfektionsanzug von der Stange sieht er noch genau so aus wie vor Jahren, als er anfing zu arbeiten. Nur sein Hausierkasten, der ihm die Schultern gebeugt hat, ruht jetzt wolilversiciiert im hintersten Fach seines alten Sekretärs und wird jedes Jahr mit großer Liehe hcrvorgcholt, wenn der Leuelittumiwächter Putting, derselbe, der hei jenem Schiffbruch Goldmann das Leben gerettet hat, mit seinen Daunen, die er zum Verkauf anhietet, ihn besucht. Und das ist zweifellos die weitaus gelungenste Szene dieses Buches. Die beiden alten Männer sitzen zusammen bei einem guten Frühstück, das von der alten Sara zubereitet ist, in dem alten Wohnzimmer, mit den unmodernen Plüschmöbeür. Dieser Wohnung ist nicht anztmierken, daß einige Meter weiter die elegantesten Zimmer in der Möbelabteilung des Warenhauses stehen. Alles ist beim alten geblieben, und wie jedes Jahr sitzen die beiden Alten zusammen und schwelgen in der Erinnerung; denn tler alte Goldmann ist ein ״Feinschmecker“ in Erinnerungen an vergangene Zeiten. Das Erlebnis des Schiffbruchs wird wieder lebendig, und sie genießen zu zweit den allmählichen Aufstieg des Warenhauses. Nur in Goldmanns Wohnung blieb alles, wie cs vor Jahren war; die Anspruchslosigkcit dieses reichen Mannes ist groß. Noch größer aber ist seine Furcht vor der Zukunft. ״Diese Furcht 1hatte ihre Wurzel in einer schwachen Konstitution, in der Da- Sicherheit und Unterdrückung vieler Generationen und in der Katastrophe schließlich, die ihn in ein fremdes Land geschleudort hatte.... Goldmann war immer noch der Mann, der geduckt durch einen Steinregen schlich, der sich klein macht, um nicht getroffen zu werden....“ Und diese Analyse, die der Autor von seinem Helden gibt, wird ergänzt durch die Frage, warum jener das große, stolze Warenhaus geschaffen fiabe. ״In alten Zeiten erbaute die Furcht große Tempel..,. Hier hatte nun dieselbe Furcht sich einen Geschäftspalast erbaut. Das große Warenhaus nun war Goldmanns geschickt angelegtes Bollwerk gegen den Ruin, die Gefahren, den Tod...“ James Hilton, ״Lost Horizon“. Hawthornden Prize Novel. — Grosset ft Dunlap Publ. New York. Alexandra David-Necl, ״With Mystics and Maßicians in Tibet“. — Pcnguin Books, London. Dem Engländer James Hilton verdanken wir die sehr englische, ergreifend einfache Schullehrer-Romanze ״Good-byc, Mr. Chips!“. Kaum sollte man meinen, daß hier derselbe Mann sprach, der nun diese zugleich realistisch-aufregende und dann wieder nachdenklich besinnliche Geschichte vom ״Verlorenen Horizont“ schrieb. Vier Insassen eines Flug e.igs — eine englischer Hauptmann und der eigentliche Held des Buches, llugh Conway, ״(ilorv Conway“, wie er schon in der Schulzeit genannt wurde, befinden sich in einem Flugzeug, das ein tnibckannter Führer zu unbekanntem Ziele lenkt. Man hat sie entführt: und sie landen in Tibet, im Lande der Geheimnissc, mitten in den Schneebergen des Kuen Lun. Hier gelangen sie auf seltsame Weise (der Flugzeug- (!'ihrer stirbt ״sehr gelegen“, nämlich gleich nach der Landung) zu einem tibetanischen Kloster, wo eine Reihe von Menschen aus allen Enden der Welt, ans allen Ständen und Berufen seit einer langen Zeit leben; eine glückliche Insei, bewohnt von Menschen, die jeder für sich die Zeit aus ihrem Willen ausgeschaltet und dadurch tatsächlich überwunden haben. Diese Menschen (liier geht der Roman in Mystik!!her) altern nicht; beschäftigt mit den edelsten Dingen der Welt leben sic, geleitet von dem Weisesten, dem Uralten, der schon die französische Revolution sah -- sic werden noch leben, wenn ein neues Chaos cintritt, das furchtbarer ist als je die Vergangenheit es sali und werden die Legende von wahrem Menschentmn einer zerrütteten Zeit weiterrcichen . . . bis man zu ihnen kommt und von ihnen lernt. ״Demi sie alle, die Führer und Lamas, sind dann noch dabei . . Hugh Conway, der im Weltkrieg gelernt hat, was seine Generation an Rabbi Kuks Lebenswerk Zur Herausgabe seiner Schriften Es ist begrüßenswert, daß sich in Jerusalem eine ״Vercinigung zur Herausgabe aller Schritten des sei. Oberrabbiners A. I. Kuk s. A.“ gebildet hat, die ihre ersten Leistungen eben vorlegt. In 30 Bänden soll das ganze Lehenswerk dieses Meisters der Halachah der jüdischen Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Halachah und Agadali werden die ersten Sammelgebiete sein, 15 Bände werden diesen Stoff umfassen, die übrigen Bände sind den Schriften ״des Denkens und des Liedes“ gewidmet. Als erster Band erscheint משפט כהן, תשובות בהלכות ״ התלויות בארץDas Recht des Priesters“, mit dem Untertitel ״Antworten betreffend Vorschriften, die an das heilige Land gebunden“ sind. Es ist ein Band in Quartformat, mehr als 400 Seiten umfassend. Ein Vorwort — von Raw Meir Berlin — klärt über den Plan der Gesamtaufgabe auf. Darauf folgt die Einleitung des Verfassers. Das Werk enthält folgende Kapitel: Vorschriften über: 1. Oriah, 2. Kilajiin, 3. Terumoth nmaasscroth, 4. Sc'nemittah und Jobei, 5. über den Tempel 6 ובית הבחירה. die Opfer. 7. kultische Reinheit, 8. das Sanhedrin und 0. die Könige. Nach den neuen Anmerkungen finden sich zwei Register: 1. ein genauer Inhalt jedes einzelnen Responsum — allein über 30 Seiten —, 2. die Aus• Sprüche unserer Weisen und Dezisoren, die in diesem Werke eingehender behandelt werden. Es kommt hier darauf a!1, dem nidit fachmännisch vorgebildeten Leser etwas über dieses Werk zu sagen. Es sind meist Antworten auf Anfragen, die der Verfasser in seiner Tätigkeit als Rabbiner von Jaffa und als Oberrabbiner in Jerusalem, aber auch in seiner Jugend in Wolozvn und auch in den Kriegsjahren in London an die Fragesteller geschickt hat. Sie betreffen Pflichten, die vornehmlich den Landmann, den Pardeßbesitzcr angehen, handeln aber auch über die So wird der kleine ״Gold“ zu einem Vertreter seines Volkes, des jüdischen, in seiner Not und Verkümmerung, zugleich aber auch in seinem Drang nach Sicherung des eigenen Lehens. Daß man dazu andere Wege gehen könne als den des eigenen wirtschaftlichen Aufstieges, war jener Generation, deren Vertreter hier geschildert wird, nicht bekannt. Um die Gestalt Goldmanns herum wird eine Fülle von Personen gezeichnet, alle eingespoiinen in den Lebenskreis und den Atem des großen Warenhauses in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Es ist ein weniger literarisch als durch die Wahl des Ortes und des Milieus interessantes Buch. — chs. Miriam Perschltz: Die Tränenmauer. Novellen. — Autora idzevums. Riga 1937. Die Verfasserin dieser neun Novellen ist uns bisher unbekannt, lind man darf annehmen, cs sind ihre ersten Versuche. Einige sind vorzüglich gelungen, und alle sind durch einen auffallend dramatischen Impuls bemerkenswert, durch den Hang, große Leidenschaften, Konflikte und Situation knapp darztistellen und dramatisch, ja tragisch schließen zu lassen. Die psychologische Eindringlichkeit dabei ist besonders in der Entwicklung von Kindercrlebnisscn erstaunlich. Einige von Mirjam Perschitz’ Novellen spielen im neuen Palästina, die Hauptperson einer anderen ist eine angehende Chaluzah, die um ihres jüdischen Zieles willen die große Liebe ihres Lehens aufgibt. Hier zeigt sich die Autorin nicht nur als begabte Schriftstellerin, sondern auch als Mensch voller Kenntnis und Begeisterung für die nationale Aufgabe. Man darf hoffen, daß sie bald eine größere Arbeit unter• nimmt. h. Günther Dammann: Zauberkunst und Zaubjrkünstler. — Verlag Friedrich Scheibe, Wien 1937. Der Verfasser ist als einer der gründlichsten .Theoretiker aut dem Gebiete der Zauberkunst bekannt, die ja nicht nur eine Sache des Varietes ist, sondern auch ein Arbeitsgebiet der Psychologie. Das Nachschlagewerk orientiert quellen• mäßig über alle wichtigen Zusammenhänge innerhalb des Bereiches der Magi , und dürfte damit nicht nur fiir den ״Berufszaubcrcr“, sondern auch fiir den psychologisch interessierten Laien aufschlußreich sein. — Eine kleinere (in! gleichen Verlag) erschienene Arbeit Dammanns über ״Mcister der Zauberkunst“ macht uns mit den Lebensläufen zahlreicher berühmter Vertreter dieses Gebietes bekannt, unter denen sich übrigens viele Juden befanden und befinden, •nn. Mcnschenvcrachtung und Zeitveraclitung lernen konnte, ist bereit, sich ihnen anzuschlicßen und mit ihnen fern dem eigentlichen Weltgeschehen zu leben; aber sein junger Freund, der Hauptmann, hat unter den a'terslosen Frauen des Klosters ein Liebchen gefunden und flieht; er überredet ihn, sich an seiner Flucht zu beteiligen. Der Zauber ist gebrochen ... das Kloster versinkt lind läßt sich nie mehr wiederfinden ... Krankheit und Vergessen erfassen den Ausgestoßenen. Man greift nach der letzten Seite hei Hilton mit doppelter Begier nach dem Berichte der Forschungsreisenden Alexandra David-Neel, in dem die volkskundlichen Grundlagen dieses Romans gegeben werden. Madame David-Neel ist in Paris geboren und hat an der Sorbonne studiert; seit Jahren aber hat sie in Asien ihre eigentliche Heimat gefunden, wurde seihst Buddhistin und adoptierte einen jungen Mann, der sich der seelischen Schulung des Lama unterwarf. Sie selbst beherrscht die tibetanische Sprache in allen ihren Dialekten und hat sich das Vertrauen der berühmtesten Lamas errungen, deren gcitliche Dehlingen sie sich zum Teil selbst zu eigen gemacht hat. Ls ist von hohem Reize, an ihrer Hand den Spuren dieser seltsamen Lebenslaufe zu folgen. Mystische Hingabe des Ostens vereinigt sich bei ihr mit dem Skeptizismus des Westens. Wir folgen ihr mit angespannter Aufmerksamkeit, wenn sie uns von den seelischen Lieblingen der Meditation, des Chöd 11. a. erzählt; und mögen dabei trotz aller Verschiedenheit, die diese Menschen des beschauliehen Lebens von den Tatmcrwlien des Judentums trennt, volkskundlich manches Verwandte finden: so scheint etwa die Tulpa, das Geschöpf, das der Lama kratt seines Willens zu bilden imstande ist, dem Golem unserer indischen Volkssage zu entsprechen; and! in der Ligenwilligkeit und Ciefalirlichkeit ihres Wesens, ״wir alle!langen schließlich ab von Kreaturen, die wir machten" Bertha B a d t - S t r a u ß Heiligkeit der Stadt Jerusalem und des Tempelplatz.es in Vergangenhrit und (iegenwart, über die Anerkennung und Rechtsgültigkeit der Behörde des Sanhednn. über die Heilighaltung des Scbabbats, das Recht oder Niehtrecht, Erez Israel zu verlassen, nachdem man sich einmal dort seßhaft gemacht hat. Der Verfasser kennt natürlich du* für diese Fragen bereits vorhandenen Responsen und erwähnt sie auch!läufig, aber seine Methode ist es, die Quellen anzuführen. Er schreibt auch gelegentlich, daß der babylonische Talmud entscheidend ist. sobald er eine eindeutige Entscheidung zulal'm Typisch und fast aus jeder Antwort hervorklingend ist die Einstellung des Verfassers zu Land und Leuten, d. h. es spricht aus ihnen Liebe zu dem Volke, das der Sehnsucht seiner zweitausendjährigen Gahithzcit durch neuen Aufbau auf seinem Heimatboden begegnen will, und Liebe zur heimatlichen Erde. Beseelt von dieser liebevollen Fürsorge für den heiligen Boden ist vollkommen das zweite Werk שבת הארץ, הלכות שביעית ״der Sabbath des Landes“ mit dein Untertitel ״die Vorschriften des siebenten Jahres״. Wir stehen jetzt gerade in einem Schcmittahjahr, das dem Lande Schahbat d. h. Ruhe gebietet. Die Einleitung von über 60 Seiten ist der Frage gewidmet, ob das Schemittahgesctz heute Thoragesetz ist. Raw Kuk verneint diese Frage, nachdem er die Stellen der Mischna, des Talmud, der Tiscfta und der Dezisoren — vornehmlich des Maimonides — erörtert hat und kommt zu dem Schluß, daß das Schemittahgesctz in der Gegenwart nur rabbinisclics Oesetz ist, daß wir daher berechtigt sind, den Boden einstweilig in nichtjüdische Hände übergehen zu lassen, damit der Aufbau keine Unterbrechung erfährt und die jüdischen Siedler nicht Not leiden. Ja. noch mehr. Fs ist nicht so, daß wir so handeln dürfen, nein, sondern wir müssen so handeln, denn die Besiedlung des heiligen Landes kommt jedem anderen Gebot gleich. In neun Kapiteln werden danach die einzelnen Vorschriften behandelt, auch die über den Schuldenerlaß. Ein Anhang von 26 kürzeren Kapiteln behandelt Sonderfragen. Rabbiner Dr. A. Pos n er, Jerusalem Religion und RcIigionsM'issensdiaft Davin Schönberger: ״Betendes Judentum“. — Verlag Joseph Jastrow, Berlin 1038. Der Verfasser, Rabbiner in Aachen, mochte sowohl suchende Juden, die bisher keinen Antrieb zur Gläubigkeit finden konnten, als auch verirrte, die die Sehnsucht nach rertieftem Innenleben verloren, auf die unvergänglichen Gemütsschätze und Geisteswerte in 11 ns cm Gebeten Hinweisen. Dr. Schönberger bekundet ebenso reiche Grschiclitskcnntnissr wie durch starkes Gegenwartsbcwußtsriri erfreuliche Lebensnahe; seine Darlegungen 11. a. über Form. Sinn und Inhalt unserer Gebete und über die Entwicklung des (icbetskultcs werden daher nie Selbstzweck, sondern stets Dienst am Dasein. Gelehrsamkcit, Uebcrzeiignngskraft und Freimut sind die wesentliebsten Vorzüge dieses Werkes. Die Geruhsamkeit des wertenden Seelenforschcrs findet man 11. a. in Betrachtungen über Bctcreinsamkcit und -gcmeinscliaft sowie über Gestalt und Gehalt des Gebetsdienstes. 7.11 hymnischer Hingerissenheit und zu demselben festlichen Sprach glanz, der seinen zuweilen eingestreuten eigenen Versen seelische Leuchtkraft schenkt, steigert Dr. Schönberger im Kapitel ״Ocbetsdichtutig" seine sonst schlichte und gelassene Darstellungsart. t. Ein Predigtbuch. Wie stark sich Tradition halfen und durchsetzen kann, zeigt ein Büchlein des Oberrabbiners von Nviregyliäza (Ungarn), Dr. Bela Bernstein, der ״Sabbath-Predigten“ in deutscher Sprache herausgab. (Verlag Jos. Schlesinger, Budapest—Wien 1937). Er spricht in seiner Status quo-, also nicht orthodoxen Gemeinde immer ungarisch, doch die zwei traditionellen tahnudischen Vorträge am Schabbat Haggodol und Schahbat Scliuwo werden deutsch vorgetragen. An diese knüpft der Redner nun anregende Gedanken, vorwiegend über das zeitgegebene Thema des Schabbat und des Peßachfestes, wobei er auch die alte Form der ״Derascha“ beibehält, Karl Kerdnyi: Apollon. Studien über antike Religion und Humanität. — Verlag Franz Leo ft Co., Wien 1937. Der Budapester Professor für Altphilologie legt in diesem beachtlichen Hand eine Reihe von Aufsätzen vor, die um das Thema antiker Religion und Dichtung kreisen und vor allem manche neuen Brücken zu Landschaft und Mythos schlagen, zu denen Kerenyi wichtige Beziehungen findet. Das Studium der antiken Religion dient nach Ansicht des Verfassers ״dem Interesse an unserer eigenen Kultur und dem Interesse an Religion überhaupt“. —nn. llMIM|IIIMMIMIIIIHtlIIIII!IIIMIMIiHiHlHlllilll1nitlillMillllllMUIIHiiltlltin1IIIMMItMIHHfn111ll!n1ntltllltlfHIHHtMn1Ml!fllllilHlllMHII||l!lllln!lll(lll|!MIII1ni|jlt1|M1iii!i|||!ili||1|lliin1ll111illllllllll||lllilllll!fll1n1l)nMIIIMIIUIIIl[!l1lllllI1n1lllHlflllillllI!!iHlllllHtM ... V1? T\l? fLf Jüdischer Buciweririeü mariin saiomon BÜCHER JC#JBTA Bsriin-Charlottanburg, DihlmannatraBe 8 / Ruf: 8811 <1 RITUALIEN - SCHALLPLATTEN Versand n- und Aui’ind