Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-04-29 · Heft 34 (29.4.1938) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 34 (29.4.1938)
Date
1938-04-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653573--32100-2683801
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 34, 29. IV. 1938 JOD I S C H E RUNnscHAU , Seite 3 Anpassung Es ist nicht erstaunlich, daß es in der jüdischen Oefferitlichkeit eine sich immer wieder erneuernde Diskussion über den Sinn der Auswanderung und der Neubildung jüdischen Lebens in anderen Teilen der Welt gibt. Dies ist ein Zeichen für einen guten Instinkt, wenn die Beurteilung des Effekts der Auswanderung nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgt, sondern wenn immer wieder die Frage gestellt wird, welche Bedeutung der Weg in fremde Länder für die Erleichterung des Judenproblems als solchen besitzt. Es wäre ja auch in der Tat eine schwerwiegende Unterlassung, wenn gerade wir nach all den Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren machen mußten, uns blindlings von den ökonomischen Notwendigkeiten treiben ließen, ohne die Frage zu steilen, weiche Bedeutung die Auswanderung für die Erhaltung des Judentums im Kampf gegen die atiflösenden Tendenzen und zugleich zur Erleichterung oder Erschwerung der Judenfrage besitzt. Bei diesen Erörterungen spielt der, Umstand eine große Rolle, daß, wohin immer jüdische Menschen ihr Wandcr* ziel richten mögen, sie überall — mit der einzigen Ausnahme Palästinas — sich an eine nichtjiklische Umgebung a n - passen, assimilieren müssen. Man folgert daraus, daß auch in Uchersce die Gefahr der Auflösung jüdischer Zusammenhänge besteht, und daß zugleich die Möglichkeit einer Verstärkung des dort schon bestehenden Judenproblems beziehungsweise seiner Neuentstehung gegeben ist. Diese Beobachtung ist sicherlich richtig. Es ist ja eine Grunderkenntnis des Zionismus, daß nur durch Neufundicrung des jüdischen Lebens in Form einer weitgehend unabhängigen Nation auf dem Boden Palästinas all jene äußeren und inneren Gefahren ausgeschaltet werden können, die das Leben der Judenheit und das Judentum in den Ländern der Zerstreuung bedrohen. Wer auch nach seiner Auswanderung in der Diaspora verbleibt, kann dem Judenschicksal nicht entgehen, und er soll und muß es wissen, bevor er seine Entscheidung trifft. Auf der anderen Seite kann aber nicht übersehen werden, daß ein sehr großer Teil derer, die auswandern und Europa verlassen wollen, in Länder außerhalb Palästinas gehen m u ß, teils weil Palästina sie nicht aufnehmen kann, teils weil die Menschen ihren persönlichen Verhältnissen nach für das Lehen in Palästina gar nicht geeignet sind. Diesen Menschen gilt es, eine möglichst lebendige Verbundenheit mit dem Judentum und dem jüdischen Volk zu geben, damit sie in der Weit draußen Träger jüdischen Lebens und für ihre Kinder Vermittler einer jüdischen Zukunft sein können. Es ist nun recht wenig damit getan, wenn man diesen Menschen, die in vieler Hinsicht einen besonders schweren Weg gehen, das Stigma der Assimilation anheftet und auf diese Weise ihre Bemühungen um Existenz und neue Lebensformen diskreditiert. Abgesehen davon, daß die Anpassung an neue Lebensverhältnisse nicht unter allen Umständen zu dem Versuch der Angl-eichung mit all seinen Gefahren für den inneren und äußeren Bestand des Judentums fuhren muß, werden gerade jette, die nicht leichten Herzens in die weite Welt hinausziehen, oft in Länder, in denen es bisher nur eine kleine jüdische Gemeinschaft gibt, deren Wunsch es ist, auch dort ein Leben als Jude zu führen, aufs tiefste deprimiert, wenn ihnen die Aussichtslosigkeit all dessen v'orgehalten wird, was sie beginnen, falls man ihr Leben unter jüdischen Gesichtspunkten wertet. Demgegenüber erscheint es nicht nur pädagogisch besser, sondern auch den Tatsachen weit entsprechender, ihnen allen das Gefühl zu geben, dal! sie in Uebersee eine große jüdische Aufgabe haben: Sie sollen sich cingliedern in die dort lebende jüdische Gemeinschaff oder, wo es 110t tut, sie zum Leben erwecken, und geistig wie mit der Tat an den großen Bestrebungen der jüdischen Renaissance Anteil nehmen. Ihr Selbstbewußtsein darf von uns nicht erdrückt werden, sondern auch sie sollen sich durch die Liebe und Anteilnahme des ganzen Volkes an ihrem Schicksal gestärkt fühlen. Wer von ihnen nachdenkt und nicht in den Tag hinein lebt, wird ganz von selbst bemerken, daß es kein volles, ungebrochenes Judentum ist, das in der Zerstreuung existiert, er wird spüren, daß die Grenzen des Judeseins in der Welt mehr oder weniger eng gezogen sind. Dennoch aber wird er nicht aufhören, in seinem Leben ein Stück Judentum zu bewahren und cs seinen Kindern zu überliefern. Dieses Judentum hat heute 11m so größere Bedeutung, als die Zentren der jüdischen Diaspora in Europa zu wanken scheinen und es die Judenheiten der neuen Weltteile sind, auf denen eine immer mehr wachsende Verantwortung auch für das Schicksal unserer nationalen Zukunft in Palästina liegt. Es geht hier nicht um den Streit darüber, welche Funktion die Diaspora — auf lange Sicht betrachtet — für die Zukunft des jüdischen Volkes hat, ja ob ihr eine solche Zukunft überhaupt zukommt. Es gilt vielmehr zu erreichen, daß unsere heute auswandernden Menschen all ihre Erfahrungen und Erlebnisse in eine positive Kraft umformen, die dem jüdischen Volk als ganzem zugute kom- Die Rolle der Kritik Je enger der Lebensraum' ist, der einer Gemeinschaft zur Verfügung steht, desto härter stoßen sich die Dinge im Raum. Wir spüren dies auf vielen Gebieten des jüdischen Lebens, wenn wir um uns blicken, und auch wenn wir unser eigenes Verhalten beobachten. Besondere Beachtung verdient unter diesem Gesichtspunkt naturgemäß die Frage, wie das Verhältnis der Juden zu ihren eigenen, von ihnen selbst geschaffenen und geführten öffentlichen Institutionen ist. Ein immer mehr wachsender Kreis bedarf dieser Institutionen, sei es direkter materieller Hilfe, sei es zu haben in den guten Fachgeschäften I3&\ ) wmn/t* Tussbekleidunq VienatHrqemässe ״////// der Beratung auf dem Gebiete der Auswanderung, der Wirtsehaft, der Erziehung der Kinder usw. Es ist nicht zu vermeiden, daß hierbei eine Fülle von Reibungen entsteht, da naturgemäß nicht alles erfüllt werden kann, was die Mensehen sich wünschen und auf dem Herzen haben. Trotzdem besteht die Frage, ob über das Maß an Kritik hinaus, das aus diesen Reibungen entspringt und das sozusagen im natürlichen Ablauf der Dinge unvermeidlich ist, vielleicht noch andere Quellen für Beschwerden vorhanden sind. Spricht man mit ruhig denkenden Menschen, so hört man auch von ihnen oft die Ansicht, daß das Verhältnis der Institufionen und der Menschen, die in ihnen tätig sind, zu denen, die zu ihnen kommen, um Rat und Unterstützung in Anspruch zu nehmen, nicht immer so ist, wie man es sich vorstellen könnte. An diesen Beschwerden ist sicherlich etwas Wahres, und wer selbst einmal im Vorzimmer jüdischer Or- Im Judenviertel von Venedig Viele, mit denen man über ihre Eindrücke von Venedig zu sprechen Gelegenheit hat, haben das dortige Judenviertel nicht gesehen. Der Hauptgrund hierfür liegt wohl darin, daß es abseits liegt und man daher nicht darauf stoßen muß. Die jüdischen Reisenden, die Italien aufsuchen, kommen auch gar nicht auf den Gedanken, daß es dort ein Jmlenviertel geben könnte. Und doch ist ein Besuch des jüdischen Viertels überaus interessant und lohnend. Nachdem ich bei einem Einkauf in einem Geschäft in einer der vielen engen Straßen der Stadt davon überzeugt war, daß die Besitzer des Ladens Juden sein müßten, fragte ich teils französisch, teils hebräisch, wo sich der Tempel hefände. Diese Frage war anscheinend auch für die Geschäftsinhaber das Erkennungszeichen, daß wir Juden sein müßten. Es entwickelte sich zwischen uns eine kleine Unterhaltung Kindergruppe aus dem Ghetto in Venedig '; I über die örtliche Lage der verschiedenen Synagogen, über den jüdischen Bevölkerungsanteil in dieser Stadt und über die Juden in Italien überhaupt.,,. Am nächsten Vormittag besuchten wir, bewaffnet mit der Kamera, das Judenviertel. Kaum, daß wir in glühendster Sonne die ersten Straßen dieses Viertels passierten, kam uns eine Anzahl jüdischer Kinder entgegen, denen mein Photoapparat anscheinend viel Abwechselung versprach. Tin freier Platz, den man bei den vielen engen Straßen der Stadt als besonders bemerkenswert empfindet, bildet das Zentrum und auch den Spielplatz der vielen Kinder. Auch in diesem Viertel ist das Zusammentreffen von Orient und Okzident das Charakteristische. Gerade in der heutigen Zeit ist man innerlich bewegter, als es vielleicht früher der Fall gewesen wäre, wenn man in ein solches Viertel kommt. Man sicht die zum Teil schlecht gekleideten Erwachsenen und Kinder mit größerer innerer Anteilnahme an und freut sich besonders über das Spiel der vielen Kinder, das dem südlichen Temperament entsprechend noch lauter als hei uns vor sich geht. Auch in diesem Stadtteil ist, wie überall in dieser vielleicht eigenartigsten Stadt der Welt, viel Armut schon rein äußerlich erkennbar. Ein Junge von fast 13 Jahren bietet sich uns gleich als Begleiter an und führt uns, immer umringt von einer Kinderschar, zu dem 400 Jahre alten spanischen Tempel. Der Tempeldiencr erscheint sogleich mit den Schlüsseln. Da er nur Italienisch versteht, ist die Erklärung bei der Besichtigung nur brockenweise mit einzelnen hebräischen Wörtern möglich. Das Innere des Tempels ist nach sephardischer Art gestaltet, wobei man am Al’mernor besonders viele Kerzen bemerkt. Die starken Sonnenstrahlen, die trotz der Vorhänge durch die Fenster brechen, lassen den Raum nicht, wie man es sonst zu sehen pflegt, im Halbdunkel, sondern ganz hell erscheinen. Die Synagoge scheint aus der Zeit zu stammen, wo die spanischen Juden nach ihrer Vertreibung schon wieder einen gewissen Wohlstand ihr Eigen nennen konnten. Nachdem wir dann noch den Tempel des aschkenasischen Ritus besichtigt hatten, wechselte ich größere Münz.en in kleinere um. Als dieser Vorgang von den Kindern, deren Zahl sich zusehends vergrößerte, bemerkt wurde, gab es für sie kein Halten mehr. Ich begann die Münzen der Schar zuzuwerfen und kam mir wie eine belagerte Festung vor. Nur dem Umstand, daß ich infolge der heißen Witterung leicht gekleidet ging, habe ich es zu verdanken, daß ich bei dieser Art der Geldverteihmg nicht auch mein Kleid hätte einbüßen müssen. Innerlich ,jedoch war ich so glücklich, daß ich diesen Vormittag niemals vergessen werde. Der erwähnte 13jährige Junge brach dann endlich freie Bahn für uns und begleitete lins in einen anderen Stadtteil. Die Verständigung mit ihm bestand nur darin, daß er mir auf meine Frage, die ich deutsch an ihn richten mußte, da er Französisch nicht verstand, ob er schon Barmizwoli sei, antwortete: ״Barmizwo si“(ja). Diese Worte bekräftigte er noch, indem er uns die Brache aufsagte. Edith Frise h, Berlin Jehudi und Hephezibah Menuhim wurdet! im überfüllten Saal des Palastes des Beaux Arts in Brüssel in einer Weise gefeiert, wie es wohl selten Künstler erleben. Sie spielten die dritte Sonate von Bach, die siebente Sonate op. 30 von Beethoven und eine Sonate des früh verstorbenen beigischen Komponisten Lckeu. Als Zugabe erhielt das Publikum auf sein stürmisches Drängen noch das Rondino von Beethoven und ein kleines modernes Stück. Das Leiden Einer, der von schwerem Siechtum helmgesucht war, klagte Rabbi Isserdal, das Leiden versföre Ihm Lernen und Gebet. Der Rabbi legte ihm die Hand auf die Schüller und sprach: ״Woher weiht du denn, Freund, was Gott wohlgeffilliger Ist, deine Lehre oder dein Leid?" Aus Martin Bubet ״Der große Maggid', men kann, und die ihnen selbst die menschliche Haitung und W ii r d e zu gehen vermag, die sie draußen in einer fremden Umwelt noch weit mehr gebrauchen. An uns ist es, ihnen dabei zu helfen, indem wir ihnen das Bewußtsein geben, daß gerade diejenigen, die die Judenfrage in all ihren Aspekten durchschaut haben, nicht nur die Tragik des Weges in die Welt empfinden, der nicht zum Zcntralpunkt jüdischen Lebens in Lire/ Israel führt, sondern ebenso sehr die G r ö I! c der A u f g a b e, die vor den Wandernden steht, und den Wert dessen, was diese Generation zu leisten vermag, wenn sic die Kraft und den Willen dazu in sich spürt. K. L. ganisationen gesessen hat. wird empfinden, daß manches verhesscrungsbedurftig ist. Wie könnte es auch anders sein, sind doch die Menschen, die an diesen Stellen arbeiten, sehr oft früher in ganz anderen Berufen tätig gewesen und nicht speziell für die Aufgaben vorbereitet, die sie beute zu erfüllen haben. Daß es dabei also Mißgriffe gibt, ist nicht erstaunlich, und es tut not, Geduld zu üben, zumal inan bedenken muß, daß die meisten jüdischen Stellen und Instanzen heute unter einem Uebcrmaß an Arbeit leiden, das an die Nerven und Arbeitskräfte ihrer Mitarbeiter außerordentliche Anforderungen stellt. Es entsteht dabei also die Frage, bis zu welcher Grenze die Kritik gehen kann, ohne ungerecht zu werden, wie auf der anderen Seite die Gefahr vermieden werden muß, daß ohne eine sachliche Kritik (an der es wir gestehen es offen — heute hei uns vielfach mangelt) das Arbeitsniveau der jüdischen Institutionen herabgedruckt wird. Uns scheint ein wichtiges Regulativ hierfür durch die d atsache gegeben zu sein, daß die Mehrzahl aller jüdischen ()rgauisationen auf freiwillige B c i t r ä g e angewiesen ist. Wurde an irgendeiner Stelle ein Zustand cinreißen, der vom Publikum selbst als unerträglich empfunden wird, dann mußte sieh das zwangsläufig in einem Schwinden der materiellen Kräfte bemerkbar machen. Solange dies nicht der Fall ist, muß die jüdische Oeffentlichkeit aber das Fmptinden haben, daß bei aller Kritik in! einzelnen die Leistung der von ihr selbst geschaffenen und getragenen Institutionen den an sie zu stellenden An- Sprüchen mehr oder weniger genügt. Fs tut daher not, nicht allein nur die Mangel zu sehen, sondern zugleich auch die großen Aufgaben ins Auge zu fassen, die von den verschiedcnen jüdischen Institutionen zu lösen sind, und anzuerkennen, welches Maß an Leistung im Laufe der vergangenen Jahre auf allen Gebieten des jüdischen Lebens erzielt worden ist. Ben Briefe aus Uebersee Sehr viele Juden erhalten heute mehr oder weniger häufig Briefe aus Uebersee. Wir selbst sind Empfänger zahlreicher Schreiben aus unserem überseeischen Leserkreis, und wir veröffentlichten gelegentlich auch diesen oder jenen Brief, der eine besonders interessante Schilderung vom Leben der nach Uebersee Ausgewanderten enthalt. Es ist interessant, wie selten in all diesen Briefen ein nach rückwärts gewandter Gedanke auftritt, lind wie sehr die große IJeherzahl all jener Menschen, die schreiben, mit dem Aufbau ihrer neuen Existenz und mit der Einordnung in die neuen Lehensbcdingungen, die sie vorgefimden haben, innerlich beschäftigt ist. Manchmal wird der Vorwurf erhoben, daß sich Menschen aus unserem Kreis nicht ganz leicht in die neuen Lebensbcdingiingcn eingewöhnen, die sie vorfinden, daß sie Vergleiche zwischen der Vergangenheit und ihrer jetzigen Gegenwart ansteilcn, wobei sie geneigt sind, dem Altgewohntten den Vorzug zu geben. Nun mag es gewiß Einzelne geben (und vielleicht gerade solche, die nicht häufig schreiben), die den Schmerz um das Verlorene nicht loswerden können, und andere, die mit einer gewis ett europäischen Ucbcrheblirhkeit auf manche ihnen zunächst p-imitiv erscheinende Dinge ihrer Elegante Damen- und Herren -Schuhe BERLIN W U fl •f-ß •J Ruf: 913131 KurfOrilendsmm M jU2■ tWiUUi’ Inh. G, HORENCZYK neuen Lehenswelt hcrabblickcn. Dennoch sehn neu uns diese die Ausnahme zu sein; die große Mehrheit der von hier Ausgewanderten ist bereit, das, was sie sehen, positiv zu werten als etwas, was man anerkennen muß, als eine Lebensform, in die man sich als Neuankömmling einzugliedern hat. Damit sind allerdings noch nicht alle Schwierigkeiten überwunden, Gerade die erste Zeit nach der Ankunft ist so voll der Eindrücke, daß sie verhältnismäßig leicht und rasch vorübergeht, und es kommt erst später eine Periode, in der gerade seelisch empfindliche Menschen den Schmerz des Prozesses der Neuorientierung, den jeder Einzelne durchmachen muß, tiefer empfinden. Das Schicksal des Auswanderers ist nicht leicht, ob es ihm nun äußerlich glückt oder oh er Schwierigkeiten in materieller Hinsicht zu überwinden hat; er bleibt ein Angehöriger jener Ucbergangsgcneration, deren Lebenssinn nur in der Vorarbeit für die Kinder gefunden werden kann, die es nicht nur ״einst besser haben sollen“, sondern die wieder zu einem in sich geschlossenen Leben kommen sollen, in dem es Werte über den Tag hinaus zu verwirklichen gilt. Diese Aufgabe steht vor allen Teilen der jüdisehen Auswanderung, nicht nur vor den in Uebersee Lebenden, sondern ebenso sehr vor den Menschen in Palästina. Der Unterschied liegt nur darin, daß die nach Palästina Ausgewanderten sich an ein Milieu anzugleichen haben, das in den Orunilkräften selbst jüdisch bestimmt ist, daß dort der Prozeß daher leichter ist als anderwärts. Dazu kommt natürlieh die weitere Tatsache, daß das Land der Väter, wie man heute formuliert hat, zu einem ״Land der Kinder“ geworden ist, d. I1. zu einem Ort in der Welt, wo junge jüdische Mensehen eine Zukunft aus ihren ureigensten Kräften heraus gestalten können, ohne Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen, und daß sie so überhaupt erst zu einem vollen, in sich geschlossenen Lebenskreis gelangen können, ek. Gouverneur Lehman forderte die Juden in New York auf, die Campagne des ORT zur Aufbringung von 9 450 000 zu unterstützen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.