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Jüdische Rundschau · 1938-04-26 · Heft 33 (26.4.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 33 (26.4.1938)
Date
1938-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄS TI NA-BLATT Juden aus Deutschland siedeln ln der Arlikclreihe über Sicdlungsl>unhtc von Einwanderern aus Deutschland bringen wir heute einen weiteren Bericht (siehe die früheren Aufsätze in Nr. 93, 98/1937, 2, 18, 19, 20, 22, 28/1938). (Red.) Toscanini in Jerusalem Den meisten klassischen Werken ist bekanntlich das Tempo durch den Komponisten exakt ״auf den Leib“ geschrieben. Die wenigsten Interpreten richten sich danach: sie haben ihre ״persönliche“ Auflassung, d. h. in den meisten Fällen: eine objektiv völlig unkontrollierte temperamentmäßige Reaktion auf die Musik. Bei einigen wenigen Interpreten hat man in manchen seltenen Momenten auch das Gefühl: hier hat er es erfaßt. Oder manchmal: er hat sich die Metronomzahl angesehen. Bei Toscanini ist jedes Tempo überzeugend. Absolut riehtig, auch wenn es nicht mit dem vorgeschriebenen Tempo übereinstimmt. Vieles bereits Abgedroschene erhält ja seinen Ursinn dadurch wieder zurück, daß das ursprünglich gemeinte Jempo wieder hergcstellt wird. Selbst die Musiker sind immer wieder von neuem hingerissen. Man begreift, daß das Finale einer Symphonie von Schubert ein anderes Tempo (also einen anderen Pulsschlag) hat wie das Finale einer Symphonie von Mendelssohn, obwohl sie ungefähr zur gleichen Zeit (vor etwas mehr als hundert Jahren) entstanden sind, ln beiden Finalen und ihrer gipfelhaften Steigerung (die das Orchester herrlich mitmachte) zeigte sich acr Maestro des Theaters. Vor der italienischen Symphonie von Mendelssohn und der C-Dur-Symphonie von Schubert spielte Toscanini die Ouvertüre zu ״Baruffe Chiozotte“ des Turiner Komponisten Leone Sinigaglia — die als Werk niemandem als besonders schön, charakteristisch oder wertvoll aufgefallen wäre, wenn nicht Toscanini sie mit Grazie, Esprit und Vitalität erfüllt hätte. Alice Jacob-Loewenson (Jerusalem) Toscanini-Konzert in Tel Aviv Das erste Tel Aviver Toscanini-Konzert fand vor überfülltem Saale bei etwa 3000 Besuchern statt. Ein festlich gestimmtes Publikum bereitete dem Maestro und am Schluß auch Huberman stürmische Ovationen. Unter den Anwesenden bemerkte man Dr. Chaim Wciztnann, Bezirks- Kommissar Crosbie, die Richter Edwards und M a n i, Distriktoffizier Epstein, Ben G urion, Schertok, Bürgermeister Rokach und Vizebürgermeister Flos, sowie den Dirigenten H. W. Steinberg, der die vorbereitenden Konzertproben geleitet hat. Das Orchester übertrat sich selbst, besonders tn der hinreißend interpretierten Schubertschen C-Dur-Symphonie, die ebenso vollendet und technisch einwandfrei auch aus dem Jerusalemer Konzertsaal vom palästinensischen Rundfunk übertragen wurde. Manfred Geis Doktor-Promotion in Jerusalem Jerusalem, 10. April. (Palcor.) Fleute nachmittag wurden im Freilichttheater auf dem Skopus zum siebenten Male akademische Grade der Hebräischen Universität an Studenten verliehen. Unter der großen Versammlung, die sich eingefunden hatte, befand sich der Bezirkskommissar von Jerusalem, Keith Rokach. Weiter waren Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency anwesend, sowie Vertreter aller jüdischen Nationalinstituten und der Konsulate. Elf Studenten, darunter eine Frau, erhielten verschiedene akademische Grade in Geistes- und Naturwissenschaften. Ein Student namens Mordcchai Margulcs wurde zum Doktor der Philosophie graduiert. Dr. J. L. Magnes, Präsident der Hebräischen Universität, und der Rektor, Dr. Hugo Bergmann, hielten Ansprachen. Kfar Iwrl Ls sind noch keine zwölf Jahre, als 7 km von Jerusalem entfernt, auf dem Wege Jerusalem—Haifa eine Siedlungsgesellsehaft gegründet wurde, Chewrat Hakfar Haiwri, um hier in nächster Nähe der heiligen Sfadt jüdisches Leben neu erstehen zu lassen. Und so waren im Lauf der Jahre 23 Steinbauschen entstanden, die den Ortsnamen N'cwe Vakob Kfar 1 wri trugen. Es waren alles Leute aus dem Milieu derChassidim, die teils als ״Milchbauern“ die Milch ihrer paar Kühe in die Stadt lieferten, teils als Chederlehrer früh zum Unterrieht in die Stadt fuhren und abends in ihr Eigenheim in Kfar Iwri zurückkehrten. Die Schwierigkeiten für diese neuen Siedler waren freilich nicht gering. Elektrisches Licht gab cs nicht, doch vermißte man es auch nicht so sehr;1 denn die Petroleumlampe brennt ja auch und war vielen dieser ersten Pioniere ein von Jugend auf gewohnter Lichtspender. Schwer wurde dagegen der Mangel an Wasser empfunden. In der brennenden Sommerhitze Eimer fiir Eimer Wasser über V2 Stunde weit herbeizuschleppen, ist eine gewaltige Anstrengung. Noch schlimmer jedoch muß es im Winter gcwesen sein, wo es oft vorkam daß der hier überaus starke Gebirgswind die Menschen einfach umriß und ihnen zugleich auch die Eimer aus den Händen wand, so dal! das mit großer Mühe lierbeigetragene Naß oft genug auf den Boden floß und man wieder umkehren mußte, um die Eimer aufs neue zu füllen. Der Idealismus allein befähigte die damaligen Einwohn er des Ortes atiszuharren und die allmähliche Entwicklung der Siedlung abzuwarten. Wenn auch ein Teil der Bewohner die schwere Arbeit nicht schaffen konnte und nach dem nahen Jerusalem zog, so trafen doch andere Kräfte wieder an iltre Stelle, so daß Kfar Iwri sich hielt, ja sich langsam durch Zuziige noch etwas vergrößerte. Da kam das Jahr 1933. Ein junger Student aus Deutschland, früherer Schüler des Breslauer Rabbinerseitiinars, stieß zufällig auf diese kleine Siedlung in der Nähe der Universität, und mit jugendlichem Idealismus schloß er dieses schön gelegene Fleckchen in sein Herz. ״Hier kann sich etwas Nettes gestalten“ — dachte er — ״eine religiöse Siedlung so nahe bei Jerusalem, das gibt es noch nicht. Hier liegen Anziehungs- und Zukunffstnöglichkeiten!“ Und gleich schritt er auch zur Tat. Zunächst schlug er seinen Wohnsitz hier auf. Bei einem ״gelernten“ litauischen ״Miichbauertt“ trat er in Dienst, besorgte die Wirtschaft, lernte die Kühe pflegen und melken und verdiente sich so zunächst einmal so viel Geld, um sein Studium damit zu bezahlen. Doch bald erkannte er mit klarem Blick, daß Erez Israel vor allem eine starke Landwirtschaft braucht, um sich in zionistischem Sinne erneuern zu können. Und aus dieser Erkenntnis zog er seine praktischen Folgerungen: er gab sein Studium auf, widmete sich vollkommen der Landwirtschaft und zog nach seiner Verheiratung als erster Siedler aus Deutschland in eines der Häuschen der Kolonie. Sein Beispiel erweckte rasch Nachahmung, und so zogen allmählich weitere Juden aus Deutschland in den Ort, der jetzt im ganzen 115 Seelen zählt. Der Zuzug dieser Juden brachte neues Lehen in die Entwicklung: die Wasserversorgung wurde sofort verbessert, ein Lastauto- Besitzer lieferte nun regelmäßig Wasserfuhren aus der Jerusalemcr Wasserleitung, der Personenverkehr in die Stadt mit ״jüdischem Autobus“ wurde regelmäßig und vergrößerte sich, eine Milchlicferungs-Koopcrafive mit aus eigenen Mitteln erbautem Milchhiiuschen wurde von den Mikh״fabrikanten“ gegründet und ein günstiger Milchüeferimgs-Vertrag mit der größten Milchvenverlungsgesellschaft des Landes, der ״Tnuva“, wurde abgeschlossen. Der Ort stand an der Schwelle einer schnellen Aufwärtsentwicklung. Da begannen die Unruhen des Jahres 1936, die allgemeine Wirtschaftskrise des Landes und damit auch der Milchwirtschaft, und fast sali es so aus, als sollte Klar Iwri ein Opfer der Krise werden. Da begann auf einmal sich neues Lehen zu zeigen: der Waad des Dorfes ließ keinen Pessimismus aufkominen; die Wasserversorgung wurde neu organisiert, Leitungsröhren von der Wasserleitung Jerusalems führen nun Wasser für jeden Bedarf in den Ort, elektrisches Licht wurde neu eingerichtet, eine Polizeistation zum Schutze der Einwohner gegründet und eben ist ein neuer Bau i■11 Werden, der Bcth Hakncsseth und Schule, Polizeiunterkunft und Wachtturm enthalten wird lind so dem Schutz wie den religiösen um! geistigen Bedurinissen der Bewohner dienen soll. Der Wand hat es ferner verstanden, die Organisation der Poale Misradu zu interessieren. Die Poale Misrachi Italien dicht am Ausgang des Dorfes einen Steinbruch eröffnet, bei dem jetzt schon -I -6 Arbeiter regelmäßig arbeiteil, der aber in nächster Zeit bedeutend vergrößert und ausgebaut werden soll. Das Steininatenal ist ausgezeichnet und wird nach Jerusalem und lei Aviv geliefert. ln letzter Zeit hat sich nun auch der Keren K a j c in e t h fiir die junge Siedlung interessiert. Dank den Bemühungen der allzeit optimistischen früheren Rabbinatskamlidatcn und jetzigen Milchprodu/cntcn hat der Keren Kajemcth von dem ihm gehörigen Gelände am Rande des Dorfes zunächst sichen Siedlern Land zugeteilt. Diese Siedler erhalten vom Keren Haje.ssod Anleihen zum Anlegen von Stallen und zum Anbau von Grnnfuttcr, und es ist zu hoffen, daß die Zahl der Siedler rasch steigen wird. Boden ist noch vorhanden und die Näht* der Stadt bietet noch besondere Vorteile. Hier ist also ein neuer Punkt im Lntstelien, dem eine gute Zukunft vorausgesagt wird. Die Vorarbeiten sind bereits im Gange, ein neuer Weg wird angelegt, eine S'acheldrahttimzäunuilg begönnen, und in einigen Monaten wird ein neuer Siedhmgsblock Zeugnis ablegen von dem festen Willen der jungen Generation, das Land der Vater allen Hindernissen zum Trotz neu atifzubauen. _ L. E. * Keren Kajemeth-Konferenz Jerusalem, 19. April. (Palcor.) Heute abend wurde in Tel Aviv eine Konferenz des Keren Kajemcth eröffnet. Zahlreiche Abgeordnete und Gäste waren anwesend. Ussischkin präsidierte und gab in seiner Begrüßungsansprache seiner Zufriedenheit über den Fortschritt der Keren Kajemeth-Eiukünfte in den letzten Jahren Ausdruck. Er sagte, das Einkommen des KKL habe sich auf mehr als 400 000 £ jährlich erhöht. Bezüglich der Bodenkäufe führte er aus, daß der KKL in den vergangenen zwei Jahren 56000 Dun am Land erworben habe, und es wäre möglich gewesen, zehnmal soviel zu kaufen, wenn die notwendigen Gelder zur Verfügung gestanden hätten. Von Dr. \V c i 7 m a n n traf eine Botschaft ein, in der er die Konferenz begrüßte und schrieb, dal! die Erlösung des Bodens die eigentliche Basis aller jüdischen Arbeit in Palästina sei. B c n G 11 r i 0 n betonte in einem Schreiben an die Konferenz die Funktion des KKL in der heutigen Zeit. Ferner sprachen Rabbi Meir Berlin, Rav A m i c 1 und Bürgermeister I. Rokach. Jüdische Arbeit in den Plantagen Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ berichtet, daß es nach der letzten Zählung in den Kolonien 26 7SO jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen gibt, von denen etwa 15 000 als Landarbeiter anzuspreeheii sind. Diese 15 000 Landarbeiter bearbeiten etwa 100 000 Dunam Plantagen (OOOOf) Dunam davon werden nur von Juden bearbeitet: 20 000 Dunam, die sich in jüdischem Besitz befinden, werden ausschließlich von Nichtjuden bearbeitet). Die l äge in bezug auf die jüdische Landarbeiterfrage wird am besten durch folgende Angaben illustriert: Im Jahre 1936 arbeiteten 5000 arabische Arbeiter in jüdischen Plantagen und jetzt, wo sich der jüdische Plantagenbesitz mehr als verdoppelt hat, arbeiten etwa 6600 arabische Arbeiter hei Juden. Die Zahl der' jüdischen Planfagenarhciter aber ist in dieser Zeit von 5246 auf 15 000 gestiegen. Pie jüdische I andnrheiterschaft lebt unter schweren Bedingungen. Viele wurden erst durch die Ereignisse des Jahres 1936 aufs Land gebracht. Zu dieser Zeit sorgte die Regierung vielfach seihst dafür, daß aus Gründen der Sicherheit arabische Arbeiter gegen jüdische ausgetauscht wurden. Jetzt sind die Bedenken wegen der Sicherheit vielfach geschwunden, und es bedarf großer Mühe von seiten der jüdischen Arbeiter, um die erworbenen Posi* tionen zu halten. Durch bessere Organisation der Plantagenarheitcr ist es gelungen, die Arbcifsmöglichkeiten für sie zu erweitern. 80 wurde ungefähr ein Drittel der Orangenernte von jüdischen Landarbeitern in eigener Regie durchgeführt Rassco-Mitteilungen. Das zweite Heft der von der Rassco, Tel Aviv, herausgegebenen Mitteilungen in deutscher Sprache ist soeben erschienen und enthält eine Anzahl von instruktiven Aufsätzen und Mitteilungen, die für alle Siedler in Palästina sowie für diejenigen, die dort zu siedeln beabsichtigen, von Bedeutung sind. Wir verweisen besonders auf den Aufsatz ״Landwirtschaftliche Hilfswirtschaften für ältere kapitalistische Einwanderer", in dem gezeigt wird, wie auch ältere Mittel- Ständler auf dem Wege der Siedlung ihren Lebensbedarf zu decken vermögen. Die Palestine Agricultural Settlement Association Ltd. veröffentlicht ihren Jahresbericht für 1937, der mit einem Rcinübcrschuß von rund!: 803 absehlicßt. Die Ge- Seilschaft hat 1937 Anleihen für landwirtschaftliche Zwecke im Werte von £ 150.581 ausgegeben. ״Ichud Schiwath Zion“. Die von Olim aus Deutschland in 4 el_ Aviv gegründeten Synagogen-Vcrcinigungen ״Ichud'1 und ״Schiwath Zion“ luden in die vor kurzem in der Ben Jehudah-Straße von ״Schiwath Zion“ erbaute Synagoge zu einer Mitgliederversammlung beider Vereine, bei der unter dem Namen ״I c h u d Schiwath Z i o n“ ihre Fusion beschlossen wurde. Anschließend fand eine Mitsrliederver* Sammlung des fusionierten Vereins statt. Passagiere der ״Polonia“ verlassen das Schiff Foton Z, Kluger Das ersle Motorboot mit Passagieren wird an der Hajen• einfahrt von Hafenarbeitern begrüßt Die Passagiere gehen an Land Die Passagiere an der neuerbaulen Hafenkantine

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