Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 33 (26.4.1938)
- Date
- 1938-04-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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JDDtSCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 26. IV. 1938 Kurznachrichten aus aller Welt S«it8 4 jm------,- Wetter die Scbnecgipfel der Zentralkordilleren — Tolima, Ruiz. Cisrtf ■— s-elirn. Wie l>ernt< erwähnt, wechseln in der Innenstadt kleinere!Wolkenkratzer mit den alten, meist schon recht baufälligen einstöckigen Hausern ah, Zu bewundern und sogleich ms Auge lallend ist die außerordentlich starke Bautätigke!t, die sich überall bemerkbar macht. An allen Ecken und Lndri] verschwinden die kleinen Häuschen und stattliehe, durchaus europäische Hauser treten an ihre Stelle. Und wahrend sich in der Innenstadt die großen Palaste der hiesigen und ausländischen Banken, der großen Fabriken und Handelshriuser breitniachcn und das .Straßenbild verschönern und modern gestalten, wachsen in der! Vororten reizend angelegte, moderne Garten-Wohnviertel empor. Das Leben in der City!nutet durchaus großstädtisch an. Dieser Lindruck wird noch verstärkt durch die engen früherer Zeit entstammenden Straßen, von denen seihst die 7. und 8. keine Ausnahme machen. So ist es besonders in den Stunden des (jeschält.sbeginns, der Mittagszeit und des Geschaftssclilusscs fast lebensgefährlich, sich auf den engen Bürgersteigen, auf den belebten Da nun, /wischen Autos, Straßenbahnen und Fußgängern himlurch/uwindcn, und es kommt oft vor, daß man um diese Zeit /u Fuß schneller vorankontnit als mit der elektrischen Bahn. Die Straßenbahnen verkehren in Abständen von 2-3 Minuten und sind in den angegebenen Zeiten ständig überfüllt. Das Fahren ist billig: 5 Centavos für jede beliebige Strecke, eine Ficke oder, die ganze Fahrt von etlichen Kilometern. Billetts gibt cs nicht, sondern zwei Beamte kontrollieren genau die Zahl der neu cinstcigenden Fahrgäste mul kassieren, auf den Trittbrettern laufend, sofort ein. An den Hauptpl.it/en sit/en die 1mu’n;11’1(l!iehcn ״Bnlos״, die Sclmhput/erjungcn, die bei dem billigen Preise von 5 Cmta'os recht gut /u tun haben. Dann die hier in stattlicher Zahl vertretenen I osveik.iufer und ferner die ebenso zahlreich vertretenen Zeitungshandicr. Wohnverhältnisse 1 in noch einmal aut die I l.uiser /unickzukommen und danut gleichzeitig cm aii'chaiiliclics Bild der hiesigen W o 11 n Verhältnisse zu geben: Die Hauser der Innenstadt sind zwar auch fast sämtlich aus Stern und Zement erhallt, aber die allen ein- und zweistöckigen Häuschen sind derart geb;u!t, (lall nur ein oder zwei nach der Straße gelegene Ziimm r 1 ciister besitzen. Die anderen Zimmer gehen alle nach dmn ״Patio״, dem liincnhof, sind aber meist ganz dunkel, so (laß man :!;ich M;1!«׳lvr I ich! niniiim nitili und, um elr.igi r- Uta (len gute Luft hereln/nhassem fa-t stm-, du* * 1 ur \'.mt offen ],־(!'•!. Die na, ח der Miahe g ein geilen Zimmer \w-rden iHinter vom Vdobmingsmltaber silb-t bewohnt, so daß man beim Va!::;rn!11 -oh, Ion I i :;o׳:׳!! immer mit <׳!!nm dunklen intienzimrner sieh begnüge» muß. Anders in den neueren flau-rni, du,' nie!»! ־-,'hu!! nach e:1: op!!11■!!! »;11 und Muster ei baut sind. Da liegen la-t nhe Zimmer nach vorn heraus, besonders an frcihegrmivn oder Eckhäusern, haben I.nft und Sontie durch orelLve 1 cnster mit Glas, die Toilftien sind meist gekachelt und cs gibt and) vielfach Badewannen, Ls ist aber sehr schwer,!11 solchen Hausern Zimmer zu bekommen, da diejenigen, die sich solche modernen Wohnungen leisten körnten,' gewöhnlich auch nicht abver-!nieten. Noch schöner 11 ml besser ist es natürlich im Gartenviertel, aurh nie 11t teurer, wenn man das (duck hat. ein Zimmer zu finden. Da ist alles ganz modern, 1 odette, Bad, Gartuibeiiut/ung umv. Cohuuhiani.sche Pensionen findet man häufig und auch recht billig; aber die Finrichtimg der Zimmer ist mehr als primitiv und auch das Essen mich unseren Begriffen nicht gut. Wenn man aber ein Zimmer nur mit Frühstück braucht, das noch dazu einigermaßen möbliert ist, muß man tagelang suchen, f alls mau also das Geld hat, sich die entsprechenden einfachen Möbel zu kaufen, kommt man gut dabei weg, sich eine moderne Wohnung in der Stadt zu nehmen und dann ein oder zwei Zimmer mit Frühstück abzuvermieten. In diesem Zusammenhang noch etwas Eigentümliches. Milch wird durch, kleine Wagen ins Haus gebracht. Aber auch das — W a s s e r z ti m Trinke n. Das Leittmgswasser ist nicht baktcrienfrei, also nur 7um Waschen und Kochen geeignet, also wird destilliertes Trinkwasser in großen Glasgcfaßen gegen billige Berechnung täglich ins Haus geliefert. Geschäfte and Kleidung Die I äiien und NchaufeitGer sind meist Jtatiz eilropäiscb amgcni.iclu, nrniipn n-!11 der ( itv, der 7. und S. Carrant mit ihren hr.tpt' * JE!, l:-teu Ncben-nalEm. I'ml mehr ist1', sagt sie mit ihrem crnsthalten Kindergcsic hl, .,erst dann ist c.s das wahre Leben ווו der Gemeinschaft, Den Kibbuz, td ״> Ga n/.es ln iien -- ni, 11t einen einzelnen Mensehen; das Lß/tmmer voller Menschen.!oder essend, ,jeder da. lcbtndtK, zu allen Stunden lebendig,., Mast du sehon gesehi n. ])uw׳, «u,11« ׳•;:wra tanzen' Bionik und Mil ja. mit geschlossenen Auoen. und uusccU'sen, und vej'/iickt, und jeder au! »,me An, und jeder■ tanzt steh...“ ,,Im Ki i>11 uz. gibt es mir wilde Ehen oder Kamerad- Schaft? Weither l!11!,!סס Die Mehrzahl ist verheiratet, und du mul't wissen, Ituth. an Innigkeit und moralischer F.inpfindlieh keil geben die Ehen hier keiner eu mpiiischcn Bauernfamilic etwas mich! Kein Mädchen braucht ־zu heiraten, um ״versorgt“ zu sein — ihr Kind erzieht der Kibbuz. Und der Schabbat gehört der Familie.“ Aber die Kameradschall? ״Die Mädchen, mit denen wir seit zehn Jahren Tag für Tag arbeiten, essen, sprechen, froh und traurig sind, Nächte der Arbeit, Wochen auf der Chaussee verbracht und Krankbeiten thirchgemacht haben, sind wie unsere Schwestern“, sagt David nachdenklich. ״Wir können mit ihnen im selben Zimmer schlafen und sie bleiben nur Schwestern. Warum? Gewohnheit. F.inc Heirat /.wischen zweien, die viele Jahre zusammen im Kibbuz, sind, kommt fast nie vor. Aber wenn der eine neu kommt — da wird schnell geliebt und schnell geheiratet. Und es kommen immer weiche nou!“ * Fönes Abends kommt Selilomo erst um halb /eho von der Arbeit. Don ganzen Tag hat er die große Combine repariert. Seine Anne sind schwarz von Schmieröl, sein beschmierte» Gesicht sieht erschöpft aus — aber er erzählt, lacht, ein Kreis bildet sich tim ihn, während er seine Suppe ißt, und hört ihm zu. Dann rauft er ein bißchen mit Awram, schubst Jizchak und voll führt einen Heidenlärm. Und zu guter Letzt sti>■1111 sich doch ein Blick unter den blonden Wimpern in die Ecke, wo die Mädchen ihren Arbeitsplan für den nächsten Tag empfangen. Line hallte Stunde später bringt er den drei Mädchen in der Baracke ein kostbare» Geschenk: zwei große, süße Milchbrötchen, im Kibbuz mit Anerkennung Kurilen gen&nnl. ״Willst du die Combine sehen?“ fragt er kurz. Natiirlieh! Eine halbe Stunde durch die Aerkcr zur Kwuzah Kinnereth. Dort steht sie unter einem oifenen Dach. Sie ist SeWomos ganze Liebe, Sclmra, der Rcparaturgena»*e, bastelt noch' beim Schein der Pet roleumlampe an ihr herum. Ein mächtiges Gebäude Commander L o c k c r - L a 111 p s o n hat niitgctcilt, daß er nicht beabsichtige, vorerst das Gesetz über die Verleihtmg der palästinensischen Staatsbürgerschaft an Juden außerhalb Palästinas irn Unterhaus weiter behandeln zu lassen. Der Gcsetzcsantrag, der in zweiter Lesung am Dienstag behandelt werden sollte, ist daher für unbestimmte Zeit vertagt worden. In Montreal fand eine große Kundgebung für den United Palcsfine Appeal in Canada statt. Hauptredner war Leib J a f f e. Der*״" polnische Sejm-Abgeordncte Budzinski, auf dessen Initiative das Gesetz über das vollständige Verbot der Schecliita in Polen zunickzuftihren ist, schied aus dem polnischeu Regierungslager aus. Der Reichstuinisfcr des fn 11ern hat in einem Erlaß nähere Bestimmungen darüber getroffen, wann aus dem Melder e g i s t e r Auskünfte an Privatpersonen erteilt werden können, Auskunft ist weiter, soweit es aus dem Melderegister ersichtlich ist, darüber zu geben, ob eine Person Jude ist, während über die Mischlingseigenschaft keine ,Auskunft zu erteilen ist. Durch die vorgeset/ten Dienststellen ist es den p r e 11 ß i - sehen VE c i n b a u d o m ii 11 c n verboten worden, Weine an Niclitaricr ab/usct/cn. Der Verband deutscher Nkiturwein- Versteigerer e. V. in Trier hat nunmehr bestimmt, daß die Mitglieder von jetzt an gehalten sind, nur über den Weg des arischen Vermittlers oder Händlers ihre Weine auf den Verteilerweg zu bringen. Verkäufe an N'iciitarier bedeuten, für das betreffende Mitglied, daß es damit nicht mehr weiter Mitglied des Verbandes sein kann. Li:׳ das Sebastian- und IE iliggeist-Spital in Nürnberg sowie für das Norisstift, für das Stadtarchiv, die Stadt״■!';blii öüi k, die städtischen Volksbüchereien und die Musikhin Itci 1 i sind neue Satzungen in Kraft getreten. Sic enthalten n. a, die Bestimmung, daß die Aufnahme von Juden;;1 die genannten Spitäler ausgeschlossen ist und daß man bekommt alles, was das Herz begehrt, braucht also auf nichts zu verzichten, was man von früher gewohnt ist — natürlich wenn man cQs nötige Geld hat. Besonders zahlreich sind Drogerien und Apotheken, da die Columbianer fast stets etwas eiuiiehmen. Die Preise sind ganz verschieden. Besonders teuer sind Möbel, obwohl sie im Lande hergestellt werden, und dann alle Waren, die cingcfiihrt werden müssui, wie vor allem Porzellan und sonstiges Geschirr. Ls i»; also auf alle Lalle ratsam, sich das Gesellin־ aus Ihutsdiland init/uhringen; die Mehrfracht lohnt sich aut j(den Fall. Kleidung bekommt man liier, von der *Stange und nach Maß, zu normalen Preisen; wenn man die rechten Duellen weiß, sogar relativ billig. Gute Anzüge von 30—40 Peso», Damcukleider. ganz elegant, ebenso ein heller Mantel, sagui. Trcnch-Coat. für 15, llalbschuhe für Herren für 6—8, gute Herrenhüte für 4—7 Pesos usw. Wenn man also jeden Monat etwa 10* für Kleidung zurücklegt, kamt man sich (aut zwei Personen berechnet) stets anständig kleiden. Dann gibt es hier auch Reinigungsanstalten, Dampfbiigeleieit usw,, so daß nian sieh für wenig Geld seine Sachen instand halten kamt. Alle anderen Waren, besonders die Lehens- und Genußmittel, sind recht billig, so daß man auch mit wenigem Gehalt auskommen und bekömmlich leben kann. Geselliges Leben Was das gesellige Lehen betrifft, so hat Bogota eine Reihe von Klubs, den englischen, den jüdischen, den polnischcn usw., die natürlich im allgemeinen nur für Mitgl jeder offen sind; dann eine Reihe von Sportklubs, in denen man auch geselliges Leben pflegt, die dann aber auch wieder recht teuer sind. Für Abwechslung sorgen ein Theater, in welchem auch Konzerte und Vortragsabende stattfinden, die Stierkampf-Arena, einzelne Tanzbars, dann natürlich viele Kinos, teilweise elegant eingerichtet und fast jeden Tag ein anderes Programm spielend (bei den erschwinglichen Preisen von 13—60 Cents) und vor allem eine ganze Reibe von Kaffees. Davon gibt es zwei Arten, die sogenannten Kaffeebars, in denen bei weiblicher Bedienung mir Miinner verkehren, und dann die besseren Kaffees, meist von Schweizern bewirtschaftet, in denen das gute Publikum verkehrt, auch Damen allein hiugehen können und wo man für 3 Cents seinen ,,Perieo", einen kleinen Kaffee, oder für 15 Cents ist solche Maschine, kompliziert, vielteilig, verschiedenste Bewegungen zur gleichen Zeit ausführend. Selilomo setzt sie voll 111 Betrieb und die mannigfachen Reellen, Zinken, Greifer und Gitter arbeiten im Leeren. Ohne Ingenieur und ohne Ausbildung haben »ich die Beiden an Hand einiger Pläne, vor allem aber durch eigene Beobachtung und Ueberlcgung langsam zu Herren dieser Mechanik gemacht. Sie sind stolz, darauf. ״Wir wollen noch etwas trinken gehen“, sagt Sehura auf Russisch und schlägt den Weg in das nahe .Araber- (lorf ein. ״Du sprichst nicht hebräisch?“ wundert sieh Ruth, ״wie lange bist du denn im Land?“ ״Sieben Monate“, antwartet Sehura treuherzig und braucht für die beiden hebräisehen Worte eine halbe Minute wie alle Anfänger. AI» er später beim Karmelwein ein fließende» Hebräisch und sieben Jahre eingesteht, ist die Freundschaft schon geschlossen. Der Wirl, ein kleiner Kneipcnwirt aus Galizien, setzt sich dazu und erzählt Witze auf Jiddisch'. Der vierte ist ein arabischer Polizist. Er ist in (Amerika groß geworden, kennt Paris und London, hat in Persien und Irak gearbeitet und spricht englisch, französisch und einige Brocken hebräisch. Vor der neuen Baoliura kokettiert; er ein wenig mit seiner Weltkenntnis, später betont er seine Bewunderung für die Kibbuzim. Nach der zweiten Flasche Wein ist man zu einlieimisch'cm stißen Bier ftbergegangen. Sehura verträgt eine ganze Menge. Er knabbert Erdnüsse nnd raucht eine von den arabischen Zigaretten des Polizisten. Aber er verträgt nichts im Vergleich zu Selilomo. Der kann ein halbes Fäßchen austrinken und seine hellen Augen werden nicht um, einen Schein weniger klar. ״Der Körper braucht hier viel Flüssigkeil I“ stellt et’ sachlich fest und schiebt Ruth ermunternd ein neues Glas hin. Sie muß an die Bahnfahrt von Haifa nach Kinncrefh denken, auf der er buchstäblich auf jeder Station hinausgcklettert ist, um an der Stationsleitung Wasser zu trinken. ,,Das ist noch gar nichts, ün Sommer trinke ich sechs, sieben Eimer pro Tag —“ ״w־ie eine mittlere Kuh“, hatte sic ernsthaft geantwortet. Auf dem Rückweg nachts um zwei haben sie ein langes Gespräch. ״Ich fand diese letzte Schubbat-Sitzung so niederdrückend“, bekennt Rütli, ״als darüber debattiert wurde, ob (He siebzig Chawerim, die noch' unten im alten Hof wohnen, zu Pcßacli hierher ziehen wallen, damit alle wieder heisaminen sind. Natürlich wird es vorübergehend eng sein, bis neue Häuser gebaut sein werden. Aber wenn die siebzig jetzt immer eine Stunde früher aufstehen und den weiten Juden die Büchereien wie das Archiv nicht mehr benutzen dürfen. Der Bürgermeister von Bad Schandau hat eine Polizeiverordnung erlassen, die Juden in Zukunft den Aufenthalt in dem Kurort unmöglich macht. Juden dürfen nach der Verordnung in Bad Schandau nicht aufgenommen werden, da keine Privathätiser, Gaststätten und Fremdenheime vorhanden sind, in denen sich nur deutschblütige weibliche Personen über 45 Jahre aufhalten. Der Bund der österreichischen Gewerbetreibenden machte darauf aufmerksam, daß alle Gewerbetreibenden in Oesterreich, die sieh um öffentliche Arbeiten oder Lieferungen bewerben, von nun au den Nachweis der arischen Ab• stamm iing zu erbringen haben. Durch eine Verfügung des österreichischen Unterrichtsministeriums können inländische Juden zur Fortsetzung des Hochschulstudiums nur nach Maßgabe einer Verhältniszahl von zwei Prozent für die einzelnen Fachgebiete zugelassen werden. In der Nähe von Susak wurde eine neue Hachscharahstelle für Seefahrt eröffnet. " In Zagreb wurde in feierlicher Weise ו in Nafionaltheatcr eine Büste des verstorbenen jüdischen Schauspielers Josip Papic aufgestellt. Der langjährige Präsident der Budapcster orthodoxen Gemeinde, der Schöpfer ihrer Institutionen, Oberregierttngsrat Abraham Freudiger de Obuda, wurde am Pcßachfest 70 Jahre alt. Dr. Claude G. Montefiorc hat mitgeteilt, daß er im Juni den Vorsitz des Council der jüdisch-liberalen Synagoge in London niederlegen will. Er wird im Juni 80 Jahre alt. Zur Durchführung der diesjährigen Aktion für die Hebräische Universität Jerusalem ist Dr. Wj W. Kaplun- Kogan in Holland cingctroffcn. eine große Tasse Kaffee oder eine Portion Tee trinkt und dann nach Belieben — Stück für Stück 5 Cents —- seine ״Biscochses“, Kuchen der verschiedensten Art, ißt. Wenn man sparsam ist, kann man sich also für nur 10 Cents täglich Kaffee und Kuchen leisten. Dem kulturell Interessierten bietet die Hauptstadt weiter ein Museum mit Schätzen aus alter (Indianer) und neuerer Zeit, die vielen prächtigen Kirchen, eine große Nationalbibliothek und dann die vielen sehenswerten Regierungs• gebäude. Umgebung; Und dann hat Bogota, wie alle colmnbianlschen Städte, eine schöne Umgebung. Der schon erwähnte, mit der Draht- Seilbahn zu erreichende Monserrat mit seiner weiß-leuchtenden Kapelle, der noch etwas höhere Guadeloupe, eine Reihe bequem mit Bahn oder Autobus zu erreichende Ausflugsortc, so vor allein den prächtigen Wasserfall I equendama. Die Ausflüge führen teilweise in die Berge hinauf, in Höhen von 3000-4000 Metern, teilweise aber ins ״wärmere“ Klima, ins liefere Gebiet hinunter, was für den die wechselnden Jahreszeiten gewohnten Mitteleuropäer aus Gesundheitsrücksichten besonders wichtig ist. Alle diese Ausflüge sind יזומות zu teuer, so daß man sie sich — gutes Wetter natürlich׳ vorausgesetzt — fast jeden Sonntag leisten kann. Und dann׳ hat man in der nächsten Umgehung, zu Fuß oder für 5 Cents Straßenbahn- oder Omnibusfahrt zu erreichen, ganz hübsche Landschaften, ab und zu auch (eine Seltenheit) _ mit einem kleinen Gartenlokal, in dem man gut und billig seinen Kaffee *trinken kann. So ist 711 sagen, daß Bogota eine Stadt_ ist, in der es sich ganz angenehm leben läßt, wenn man Arbeit und Verdienst 11at, und die Aussicht, sich mit der Zeit _ alle die Annelimlichkeitcn verschaffen zu können, die eine Hauptstadt bieten kann. £war!miß sich der Einwanderer, der hier für immer zu leben gedenkt, sehr umstellen, muß auf manches Liebgewordene verzichten, muß sich den Lebensgewohnheiten und Sitten anpassen (was besonders für die Frauen gilt!); dann aber kann er hier gut leben und sich seines Daseins freuen. Und er wird die Entwicklung der Stadt mitansehen und bestimmt in etwa 10 Jahren den Kopf darüber schütteln was aus der columhianisclieu Landeshauptstadt geworden ist. Weg fahren müssen und sieh mittags nicht richtig ausruhen können —•“ ״Ja, das Ist alles richtig, aber warum bist du mit der Versammlung unzufrieden?“ ״Weil manche mich noch ihre Bequemlichkeit verteidigt haben, nachdem Mitja und Dow daran erinnert haben, unter wieviel schlimmeren Bedingungen dir noch vor ein paar Jahren gewohnt habt. Es ist so enttäuschend, wenn plötzlich in der Versammlung kleinbürgerlicher Eigennutz, zum Vorschein kommt, Angst, daß׳ vorübergehend ein Dritter im 7,immer wohnen soll, — ein• Rückfall in die Haltung, die die Gemeinschaft im Kibbuz eigentlich doch schon längst überwunden hat.“ _ 1( ״Ich fand gerade diese Versammlung ausgezeichnet!‘ sagt Selilomo und lächelt. ״Und besonders gut• daß sich manche so offen beklagt haben, wieder einen Dritten ins Zimmer zu bekommen. Du hättest cs schöner von ihnen gefunden, wenn sie sofort heroisch zugcstinunl hätten? Ich nicht! Denn dann hätten sie all die Einvviinde, die sie öffent-, lieh' geäußert halien, für sieh heimlich gemacht. Und was wäre die Folge? Die Menschen würden verbittert, ' erkrochen, sie verlören die Offenheit zueinander. Es gibt Kibbuzim, in denen herrseilt eine Persönlichkeit oder, eine kleine Gruppe so stark, (lat? die Mehrheit gegen ihre Beschlüsse offen nicht zu opponieren wagt. Aber ist das noch Freiheit? Nein. Eicher eine Diskussion mit kleinlichen Motiven — auch in einer Familie kommen die kleinen Fragen des. Alltags zur Sprache! — aber Irei heraus, ohne Heuchelei und ohne Zwang.“ ״Aber ist nicht gerade eines eurer Ziele, daß _ der Menschentyp selbst uingewandelt wird — freier von Eigen-, nutz, von 'selbst gemeinschaftlich denkend?“ ״Es sind doch Menschen! Die erste Generation! Denkst du, ich will Don Quijote sein? Das Paradoxe mit Gewalt verlangen? Diese Ziele des Kibbuz, die verwirklichen sieh nicht von heut auf morgen. Das ist Arbeit im harten Stein, Wasser bohren; tiefer, zwei Meter, fünf Meier — immer noch nicht». Und wir lassen nicht nach, und wenn es nötig ist, nehmen wir Dynamit. Denn in dem einen unterscheiden wir uns von Don Quijote: wenn wir bohren, wissen wir: tief genug — da ist Wasser!“ Nachbemerkung der Redaktion: H’ir haben aus Raumgründen nur eine Reihe von Kapiteln des Manuskriples veröffentlichen können, . bis dem gleichen Grunde wurden in den ersten Abschnitten einige, Kürzungen vor■ genommen.