Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 32 (21.4.1938)
- Date
- 1938-04-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32, 2T. IV. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 11 Von Rexingen nach Schawe Zion In 12 Stunden entsteht ein Dorf Von unserem pa13s11 nensi8chen Korrespondenten gl. Haifa, 14. April Was ist das für eine sonderbare Welt geworden lind wie erstaunlich ist es, daß wir vieles daran gar nicht mehr sonderbar finden! Oder ist es vielleicht alltäglich, daß an einer Stelle, wo gestern nichts war als eine Düne und ein Drahtzaun, der einsam ins Land sah, heute ein ganzes kleines Dorf aus dein Boden gewachsen ist, das noch dazu einer Festung ähnlich sieht? Oder ist es alltäglich, daß matt bei der fieberhaften Arbeit, die in diesen Tagen geleistet wird, Juden aus Siiddcutschland findet, so schwitzend, vergnügt und ruhig, wie man _es sonst nur bei hartgesottenen Palästinensern gewohnt ist? Oder ist es alltäglich, daß aus dem württembergischen Dorf Rcxingc n, dessen behagliche zusammengedrängte Giebeldächer vor kurzem in der ״Jüdischen Rundschau“ abgebildet waren, heute ein guter Teil seiner jüdischen Bevölkerung in die Akkoebcne verpflanzt sind? Die Zeit aber, in der wir leben, ist so voll dieser Sonderbarkeiten, daß wir sie hinnehmen, ais wäre das immer so. Das Neue, das Ungewöhnliche ist unser tägliches Brot — manchmal auch das Heroische. Ein neuer Punkt auf der palästinensischen Landkarte, ein neuer Scheinwerfer gegen den palästinensischen Nachthimmel, ein neuer Name iin Munde der palästinensischen Juden und der Juden in der Golah. Aus Rcxingen wird Schawe Zion (die nach Zion Zurückkehrcnden). Im letzten Jahre haben wir eine ganze Reihe solcher Punkte geschaffen, eine ganze Reihe von Türmen aufgerichtet, die im Mittelpunkt der neuen Siedlungen die Gegend ahleuchten. Zum ersten Male aber stellt in dieser Reihe seit gestern die Siedlung einer geschlossenen Gruppe von Juden aus Deutschland und zum ersten Male setzt sich der mittelständisclie Einwanderer auf unserem Boden fest als eine Koilcktivgruppe, als eine Art Kwuzah, Die Vorgeschichte dieser neuen Siedlung ist zu verstehen aus den besonderen Verhältnissen Deutschlands und Palästinas. Die Juden, die in Rcxingen in Württemberg saßen, suchten Wege zur Auswanderung. f)r, l: o e r 11 e r, einer der Direktoren der Rassco, zeigte ihnen den Weg dazu. Man suchte ein Stück Boden im Lande für landwirtschaftliche Ansiedlung und fand es in der Akkocr Ebene, ein paar Kilometer südlich von Nahariah. Die Juden ans Rcxingen, die dort zusammen gearbeitet und gelebt hatten, beschlossen, auch in Palästina zusammen zu arbeiten und zu leben. Sie nahmen die Form dafür aus der palästinensischen Kolonisation, die den Gedanken der Kwuzah entwickelt hatte, und legten ihre Kräfte und ihr Geld zusammen. Wer hier mitmachen wollte, mußte Arbeit oder Geld einhringen, wenn möglich beides; mit diesen Mitteln wurden die Vorbereitungen für eine Ansiedlung gemacht und wird eine Siedlung ungefahr in der Form einer Pro d y kt i v ge n os s cn sc 11 aft angelegt werden. Ls stellen ca. 050 Dunam Boden des Keren Kajeineth zur Verfügung, auf denen gemischte Landwirtschaft getrieben werden soll. Die Rassco hat die Siedlungspläne im einzelnen ausgearbeitet, für die Uebersicdlung der Mensclicn und ihres Kapitals gesorgt. Da aber im Lande äugenblicklich keine normalen Verhältnisse herrschen und vielleicht noch einige Zeit nicht herrschen werden, folgte man dem Vorbild der früheren neuen Punkte und nahm die Besetzung des Bodens mit einem Schlage, mit den gebührenden Sicherheitsmaßnahmen nach bewährtem Muster vor. Als die Araber zum ersten Male eine solche in einem Tage aufgebaute jüdische Siedlung in der (iegend von Beth- Schau sahen, glaubten sie ernsthaft an Zauberei. Wie sollte es sonst zu verstehen sein, daß da, wo gestern nichts als Disteln und Gestrüpp zu sehen war, pDl/lich eine befestigte Siedlung stand? Nun — die Zauberei liegt nicht in der großen Anstrengung dieses einen Tages, so eindrucksvoll sie auch sein!nag, sondern in der gründlichen, alle Möglichkeiten vorher überdenkenden, mit Zwischenfällen rechnenden, Der Wachtturm wird gebracht (10 Uh'r) Ein Hilfspolizist aus Rcxingen (mit Pistole ausgerüstet); das Dr. Förder (Rassco) begrüßt den englischen Polizeioffizier Motorrad trägt noch das Kennzeichen IIU (von Schweinfurt) Die Polizeiposten am Eingang des Lagers Nach Ankunft der ersten Lastautos (5 Uhr früh) Die erste lläuserwand steht (6 Uhr) ■, m*«• ~P■ 1/ 1 : i SM . •־ Ml Eine Gruppe von Gästen, darunter Pressevertreter und ein Noch eine Gruppe eon Gästen, in der Mille Kurl Blumenfeld Beratung der Sicherheitsfragen mit dein Potizeioffizier. Links aus Deutschland stammender Hilfspolizist am Tisch sitzend der Führer der Hexingcr, Dr. Scheuer Line weitere Gruppe von Gästen Fo%«at R. Weltieb Der Turm steht die Wassertanks werden aufmontiert, der Die Vereidigung der neuen (aus Rexingen stammendenJ kugelsichere Zaun ist fertig , Hilfspolizisten in hebräischer Sprache Der Turm steht, die Wassertanks werden aufmontiert, der