Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 32 (21.4.1938)
- Date
- 1938-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3?, zi. 1v, 1y.ro Wache in Galiläa Von unserem palästinensischen Korrespondenten Räsonnieren derer, die Mißerfolge oder Verluste hatten, ge* ringer geworden, denn man denkt wieder mehr daran, daß auch anderswo Juden unverhofft um ihre Existenz gekommen sind, ohne das seelische Gegengewicht, das in Palästina vorhanden ist. Denn hier empfindet man gerade in geschichtlich bewegten Zeiten stärker als je, was Ereiheitsgcfiihl und Selbstbestimmung bedeutet. Auch liier im Lande ist ja keineswegs Ruhe und Friede, eine Gefahr schwebt beständig über allem, aber die Men- «chen bejahen ihre eigene Existenz und den Kampf um sie, die Verteidigung von Haus und Hof ist eine sinnvolle Selbst- Verständlichkeit geworden. Entschlossenheit und Furchtlosig- Feit charakterisieren das Lehen auch an den Punkten der Gefährdung. Es ist eine Spannung und doch auch innere Hube. Die Nachrichten von Verlusten durch den Terrorkrieg werden mit Trauer und tiefer Teilnahme, aber ohne Bestürzung aufgenommen, so wie die Vachrichten über Gefallene im Kriege, beweinte, aber unvermeidliche Opfer einer geschichtlichen Situation. Es ist hier (dies soil nicht mißverstanden werden) nicht von einer politischen Würdigung die Rede, sondern wir stellen fest, wie sich die Vorgänge im Bewußtsein der großen Masse des Jisclmw abspiegeln. Es ist nicht möglich, nach einer ersten Streife durchs Land auch nur annähernd eine Aufzahlung des Gesehenen oder neu Gewordenen zu geben. Es übersteigt an Quantität und Buntheit den Rahmen solcher Schilderung. Ueberall im Lande, in Nord und Sud, wird gebaut, gesiedelt, befestigt, Neues geschaffen, liier gibt es -- im Gegensatz zu anderswo — nicht die Scheidung /wischen dem Leben der Welt und dem ״jüdischen" Leben, sondern das!.eben schlechthin ist jüdisch, alles Lebendige, aller Stolz und alle Not, nicht ein einzelner, abgcgreiizter Bezirk. Um hier Jude zu sein und sich ab solchen 711 fühlen, biaucht man nicht etwas Bestimmte- 7:1 treiben oder 7u denken, sondern das Leben im Volke und 1 n dic-em Lande stellt mitten hinein in jüdisches \h!1 mal und Dum in (damit soll natürlich nichts über weitan whatmehe \ ragen ausgesagt sein). Mitten in diesem Wirken einer hochgespannten Vitalität stehen auch die Juden aus I) c;1 ts e h I;1!1 d. Es ist überraschend, welchen gewaltigen PI.!1/ sie c'miehmcn, obwohl numerisch in der Statistik keineswegs \ ״;herrschend. Manche Stadtteile aller Städte sind völlig bcherr.-cht von den Einwanderern aus Deutschland, auch ihre Sprache herrscht vor, herrscht teilweise ausschließlich. Sie haben vieles mitgebracht und geschaffen und die Aufzahlung ein/elner Erlebnisse konnte kein Linie nehmen. Aus jeder Stadt und jedem Lamlcsteil Deutschlands trifft man Juden an, ein kurzes Gespräch zeigt die Zusammenhänge, auch äußerlich im Privatleben wie in der Aufmachung der Geschäfte sind sie kenntlich. Zuweilen ist cs ganz unerwartet. Auf einer f ahrt durchs Land wird das Auto am Spätnachmittag plötzlich von uniformierter I’olizci anfgehalte״: Wegen g ewiger Ihirnbc/eicltcn müssen gegen Abend alle Autos gemeinsam mit ״(ionvnv'j d. h. mit polizciliclier Bedeckung, die Strecke vor Haifa passieren. Man muß warten, bis die Patrouille eintrifft und alle beisammen sind. W ir überlegen, ob der junge Polizist, der uns angehalten hat, ein Araber sei und beginnen eine hebräische Unterhaltung mit ih!n; es ergibt sich, daß er ein Jude aus Mainz ist, vor drei Jahren eingewandert. In der Gruppe, die sielt aus Insasseu der wartenden Autos bildet, sind Juden, Siedler, Kaufleufe, Beamte, aus allen Teilen Deutschlands stammend, ein lebendiges Abbild der seltsamen Wandlung dieser Zeit, Oder kommt mau in Siedlungen wie Ranioth •Haschawim (int Scharon), das neu begonnene Kfar Jedidja (im Emck Uhcfer) oder Naliaria (bei Akko), sicht man die Akademiker aus Deutschland, die sieh in Landwirte und Hühnerzüchter verwandelt haben, und die meisten fühlen sieh glücklich und erlöst. In einer dieser Siedlungen sagte ein Herr: ״Wir könnten hier eine eigene Universität ambauen, vom Zoologen bis zum Kantianer Kt alles ,I,■־ Aber sie hauen keine Universität, sondert! e:!1 neblige- Dorf. I in oijahriger ehemaliger Amu alt aus einer Middeiit-cheu Stadt zeigt mit Stolz seine rauhen I binde: cs i-t un Mann, der nach seiner eigenen Aussajr, er stellt zu seiner Vergangenheit, 20 Jahre lang den Zioni-mus bekämpft hat. heute ist er allen voran in jugendlicher Begeisterung für die Sache, liier ist ein Pioniertum, eine Gesinnung, eine Entschiedenheit. die selbst den Ge!ui1!k»e.-lcn sofort empfinden laß!, was Palästina für die Juden, und zwar für alle Jaden, für das Gesa 111 t judentum, bedeutet. Solche Erscheinungen gibt es nirgends .sonst im ganzen Umkreis des jüdischen Lebens. In einer noch jüngerer!, erst beginnenden Dorfsiedlung findet man dieselbe Zuversicht und dasselbe Selbstvertrauen. Nach all den Klagen und den vielen negativen Berichten, die man in der letzten Zeit erhalten hat, wirkt diese Stimmung fast überraschend. Es ist eine Bejahung, ein Ja-Sa gen, ein bewußtes Stehen zu dieser Wc-It, die man erwählt hat und die das eigene Leben so grundlegend wandelte, Ja, hier allein empfinden wir, daß im jüdischen Volk etwas erwacht ist, Was nicht mehr verstummen kann, * Eirt einziger palästinensischer Tag kann mehr über diese eigenartige Lebensenergie lehren als viele Wochen des Studiums jüdischer Verhältnisse anderswo. Man bedenke: Um 5 Uhr früh mit den Rexingern (Dorfjuden aus Württemberg) bei der Okkupation ihres Rodens, mitten in herrlicher Land* Schaft, ein Dorf wird in 12 Stunden fertig hingestellt, Hunderte jüdischer Hände regen sich, alles verläuft in eiserner Disziplin und Organisation, alle sind erfüllt von der Bedeutung des Werkes, landfremde Menschen rüsten sich zur Siedlung, die Nachbarn helfen mit, die Hilfspolizei trifft alle Sicher* heifsvorkclmingen. Während alle beschäftigt sind, fährt man hinauf hoch in die Berge des Nordens, an der syrischen Grenze, wo festungsartig der nette Siedlungspunkt Cha- 11 utah entsteht, erst zwei Wochen alt, und der obere Teil des Berges erst seit gestern als Stützpunkt ausgebaut. Eirt reges Treiben, Befehle, Rekognoszieren, cntbelmmgsreiches Leben, abgeschnitten von Bequemlichkeit und Kttltur. Wieder zurück nach Naliaria, zu den schon cingcrichteten Siedlern (ehemaligen Akademikern, zionistischen OrtsvereiniguiigsVorsitzenden usw.) mit ihren vorbildlichen Betrieben, der von Fachleuten aus Deutschland errichteten Wurstfabrik und Backerei, deren Erzeugnisse mit Recht schon weithin im Lande berühmt sind. Inzwischen ist ,,Schawe Zion“, das Dorf der Rcxinger, fertig aufgebaut. Rückfahrt nach Haifa, und abends das erste Konzert Toscaninis mit dem Palästina-Orchester. Der schöne Saal (auch von ihm war vor vier Jahren noch keine Spur) bis zum letzten Platz gefüllt, der Meister hinreißend und bezwingend, das Orchester von größter Präzision und Klangschönheit. Der Würdigung g I. T e I A v i v, 15. April Wache in Galiläa! Warum trägt sie diese intensive Atmosphäre, wie kaum an anderen Steilen im Land? Auch in Satnaria spielen die Blinkzeichen; auch auf dem bis vor kurzen! so friedlichen Wege nach Haifa sammelt die Polizei schon am frühen Nachmittag die Autos itt laugen Reihen unter Bedeckung. Und nach Sonnenuntergang ist die Haifa anliegende Strecke überhaupt für den Verkehr gesperrt. Aber erst im Norden spürt man die intensive Luft des Kampfes und der Gefahr, Auf den so friedlichen, frisrlt asphaltierten Straßen von N’nhariah schon rollen die zahlreichen Militärautos, denn in der Nähe, mehr nach Süden zu, wird eins neue Camp gebaut. Und biegt man ab von der Beiruth-Chatissee auf die Militärstraße, die nach Mctullah hinübergeht, so tritt man wie in ein anderes Land. Diese Straße ist für den normalen Verkehr gesperrt, sie dient nur Patrouillenzwecken. An ihr liegen in dichter Folge die neuen Poli/cisfationen, mit Acroplanzciehcn auf den rasch errichteten Dächern wie kleine offene Forts. Von der Miiitiirstraße biegen eben in den Fels gesprengte Serpentinen den Hügel hinauf ab. Wir fahren die gerade fcrtiggcstclltc Straße nach Chamitah, dem neuen Punkt, die, in höchster Eile gebaut, diesen Vorposten ans seiner gefährlichen Abgeschnittenheit erlöst hat. Mit uns fahren auf einem großen Lastauto I.eilte, die den Dienst in dieser Gegend versehen. Unsere Wächter, wie wir sic überall haben, liier aber bereits völlig militärisch formiert, cingeklcidct, bewaffnet — die Grenz w a c h e. Innerhalb der Mauer von Chamitah, die auch am Tage von allen Seiten von Posten bewacht ist, ist es voll von Menschen. Auf diesem winzigen Feispiateau, das in fieberliafter Arbeit zu eitler Art Festung ausgebaut ist, liegen dauernd an hundert fünfzig Menschen, alle entsprechend ausgebildet, zugleich für die Wache als auch für die Arbeit. Alles ist da, was zu dem l eben einer Kwti/ah iri ihren primitiven Stadien notwendig ist, der Eßsaal mit den Anschlägen und dem Radio in der Ecke, die Küche, das Magazin. Auf den kleinsten Raum /usammengedrängt die Baracken, daneben eine Reihe von Zelten, jedes besonders durch Erdwall und Sandsäcke geschützt. Zwei große und einige kleine Turme dienen als Auslug und Blinkposten. Und während ein Teil der Männer und Mädchen die Vorarbeiten für die richtige Ansiedltmg machen — Vermessungen, Ausarbeitung von Pfianztingsplüncn usw. — hat der andere militärische!*fliehten. Die Assoziationen drängen sich so heftig auf, daß man sie kaum auszusprechen wagt — hier ist die engste Verhindung von Schwert und Pflug, die man sich nur denken kann. Und die I luitdcrtfüiifzig, die dort leben, scheinen all dies so selbstverständlich zu finden, wie heute die gesamte palästinensische Jugend ihr Dasein von Arbeit und Wache. des Musiksachvcrstiincligeti soll nicht vorgegriffen werdet], aber wer dieses Orchester ztun erstenmal hört, ist fassungslos über soviel Vollendung und muß sich erst erinnern, daß wir in Kolonialland sind, daß 40 Minuten Autofahrt von hier die Rcxinger Juden zum erstenmal in ihren Holzharackcn (ohne Fenster) auf groben Betten oder auf dem Erdboden schlafen, daß das Befahren der Straße, V4 Stunde von hier, nach 7׳! נ Uhr abends verboten ist, daß alles gerade erst beginnt, von unten, vom Boden, und zugleich von oben, aus jenen Sphären, itt die uns ein großes Orehester, ganz aus Juden, nur aus jüdischen Künstlern bestehend, entführt. Als der Applaus Toscanini umbrandet und er sofort die Musiker daran teiliteltmei! läßt, steht in der mittleren Rangloge ein blasser Mann im Frack und klatscht lächelnd mit; und als Toscanini sich vom Podium zurückzit l!t, dreht die Gemeinde (das Wort Publikum erscheint hier dt placiert) sich um und w inkt diesem Mann in der Loge, jubelt ihm zu: es ist Hubernt an, der Schöpfer des Orehestem, der Mann, dessen fanatischer Begeisterung — gegen alle Zweifler — das Gelingen dieses einzigartigen Werkes zu danken ist. Durch ihn haben wir ein edles Instrument des Geistes, dessen Wert kaum zu überschätzen ist. Er ist einer der Baumeister des neuen Judenwerkes, er baut mit von oben, und zu den vielen Paradoxen unseres Daseins gehört offenbar auch dies, daß ein solches Werk nicht nur von unten nach oben wächst, sondern auch von oben nach unten gesegnet werden muß. Ein palästinensischer Tag mit seinen Kontrasten vermag den Glauben zu geben daran, daß das jüdische Volk die Kraft zum Leben hat. Bodenkäufe im Beerscheba- Distrikt Jerusalem, 8. April. (Palcor.) Die Palestine Land Development Company führte in den letzten Tagen eine Transaktion zu Ende, durch die 9000 Dunam Land im Beerscheba-Gebiet in jüdischen Besitz gelangten. Das Gebiet wurde im Namen einer Gruppe von Käufern erworben, an deren Spitze Mosche Smilansky steht. Die Palestine Land Development Company hat seit vielen Jahren in diesem Bezirk Käufe vorgenommen. Die neuen Käufe erweiterten den jüdischen Bodenbesitz in dieser Gegend auf 59 000 Dunam. Die Schwierigkeiten, in diesem Bezirk Land zu erwerben, haben besonders seit dem Ausbruch der Unruhen im Jahre 1936 bedeutend zugenommen, da der frühere Mufti von Jerusalem eine heftige Propaganda gegen die Juden führte und bei Versammlungen von Führern arabischer Stämme bei mehreren Gelegenheiten Ansprachen hielt, bis er von ihnen das feierliche Versprechen erhielt, daß sie keinen Fußbreit Land an die Juden verkaufen würden. In der arabischen Presse wurde eine ähnliche Propaganda geführt, die von Drohungen begleitet war. Die Palästina-Regierung bemühte sich seit langer Zeit frstzustellcn, ob cs in der Beerschcba-Gegend Quellen gibt und hat verschiedene Bohrungen zu diesem Zwecke angestellt. Diese Versuche wurden kürzlich wieder aufgenommen, und positive Resultate sollen dabei erzielt worden sein. Sollte sielt diese Meldung bestätigen, so wurde dies einen besonders günstigen Einfluß auf die Entwicklung in diesem Bezirk ausüben. In Tel Aviv wurde am 18. April der Kinuß des pa*!ästinen sische 11 Makkabi eröffnet. Unter den Anwc* senden bemerkte man Mitglieder des Oberrabbinat«. Toscanini, Hubcrman und viele ausländische Gäste. Der Distriktskom* missar des Süddistrikts, Gros bi e, hielt eine Begrüßung*• ansprache. Gestern war dieses Channtah der vorgeschobenste Außen- Posten mit besonderer Disziplin, besonderer Bewachung — man braucht sogar besondere Erlaubnis, um den Platz besuchen ztt dürfen. Heute schaut mau bereits höher. Das Auto windet sich einen eben gesprengten Serpentinenpfad bis auf den Berggipfel hinan. Hier liegt ein einsames arabisches Haus, das vorgestern erst von seinem Besitzer geräumt, gestern von den Leuten aus Chanutah übernommen wurde. Ein neuer Punkt. Hier sicht man noch nichts von Pflug, hier herrscht vorläufig nur das Schwert In den zwei Räumen des Hauses mit seiner gewölbten Decke sicht es aus wie in einem vorgeschobenen Militärlager. Eine Gruppe von Männern sitzt auf dem Lehmboden in einer Ecke und löffelt aus den Kochgeschirren. Ueberall Matrazen und Decken, auf einigen die Nachtwachen, die ihren Schlaf nachholen. Die Tür- und Fensteröffnungen mit Sandsäcken geschützt. Waffen lehnen überall an den Wänden. Man wird sehr ernst durch den Besuch dort oben. Zu* erst kommt ein Gefühl der Sicherheit, das aus der selbstverständlichen Hingabe dieses Menschenliäufleiris an ihre Sache stammt. Zugleich überkommt uns das Sinnen über das sonderbare Schicksal des zionistischen Werkes, das die friedliche Entwicklung dieses Landes wollte und heute gezwungen ist, nicht nur den Boden zu bearbeiten, sondern sich gegen Angriffe zu halten. Im Moment aber, wo man auf das baufällige Dach dieses einsamen Hauses klettert, ist neben dieser Landschaft alles andere wie ausgelösclit. Hier sicht man hinunter auf Galiläa in all seiner Herrlichkeit, goldgelb, blau und rot blühend^ von grünen Olivenwäldern bedeckt, von alten Johannisbrotbäumen überschattet, in einem läuft und einer Frühiingsfülle, die atemberaubend und sinnverwirrend ist. In sanften Wellen senken sich die Hügel an die vorn Mittelmeer bespülte Ebene, voll von Frieden und Fruchtbarkeit. Direkt unter uns liegt Chamitah, eine enge Festung, mit spitzen Zelten, Wall und Türmen, w eiter zum Meere das arabische Naclth.'trdorf Bassa?. Hinter »ns türmen sich die Hiigel zum Libanon hinauf. Die Gruppe bewaffneter Männer auf dem Dache macht ihre Vcrteidigungspläne und zugleich ihre Siedluugsvorbereitungen. Diese neue Gegend muß gründlich erforscht, von allen Seiten untersucht, richtig itt Besitz, genommen werden. Die Agronomen in unserer Gruppe streiten sich über die Obstsorten, die man hier ׳ziehen soll; ein Botaniker ist völlig vertieft in die besondere Flora der Hügel. Alle aber sind sich darüber einig, daß hier ein idealer Platz ist für ein Sanatorium, mit dem prachtvollen Hintergrund der Berge, dem Ausblick aufs Meer, der reinen und kühlen Luft. Sonderbare Pläne bei der Wache in Galiläa! Und doch die einzig bodenständigen. Die Wache geht vorüber, der Kampf um die Entwicklung des Landes, seiner Täler und Berge bleibt. Erste Passagierlandung in Tel Aviv Jerusalem, 12. April. (Palcar.) Gestern abend ging der Dampfer ״Polonia“ mit 330 Einwanderern und Passagieren in Tel Aviv vor Anker. Morgens legte der italienische Dampfer ״Egitto“ in Tel Aviv an. Der erste jüdische Passagier, der an Land ging, war Eliezer S t c i ti h 0 11 ein Jude, der seit fünf Jahren in Tel Aviv ansässig ist utt'9 von einem Auslandsbestich zurückkehrte. Steinholt/ wurde als dem ersten in Tel Aviv landenden Juden eirt festliches Willkommen bereitet. Vertreter des Finwanderungsdepartements der Jewislt Agency sowie Mr. Rokacli und Mr. Hoofien waren anwesend, und der Hafen war festlich geschmückt. Die 330 Passagiere der ״Polonia“ gingen heute früh in Tel Aviv an Land. Unter ihnen befand sich Dr. Arthur Ruppin, der von einer Europareise zuriiekkehrte, und eine zionistische Abordnung aus Rumänien, die von Oberrabbiner Dr. Nicmirower geführt wurde. Der Hafen war von Tausenden gefüllt, die die Passagiere begeistert begrüßten. Das jüdische Schiff ״R a h a f“ traf ebenfalls gestern im Hafen von Tel Aviv ein und brachte fünf Passagiere. Ein zweites im Lande hergestclltes Motorboot zum Transport der Passagiere lief heute vom Stapel. Neue Arbeiter - Siedlung 37 Arbeiter aus Pctach Tikwah besetzten eine neue Kleinsiedlung, die zu Ehren des verstorbenen Mosche Beiiirtson gegründet wurde, in der Siedlung, die in der Nähe von Petacii Tikwah liegt, wurden 78 Häuser gebaut. Jedem Siedler wurde ein kleiner Bodenanteil zugewiesen. Der Kibbuz Akihah, bestehend aus Mitgliedern des Ver- Bandes Allgemeiner Zionisten Gruppe B, besetzte einen neuen Siedlungspunkt auf Keren Kajemcth-Roden. Die Siedlung befindet sich im Lmek Cltefer in der Nähe von Afne Jehuda. Ihr Name ist Beth Jose hu ah, zur Erinnerung an Dr. Joschuah Thon, Krakau. Mordechai Baer Eine schwere Lücke ist durch den Heimgang von Mordechai Baer, der einem arabischen Angriff zum Opfer fiel, in unserer kleinen Gruppe inmitten des Karmelgebirges entstanden. Jeder, der Mordechai Baer kannte, weiß, mit welch unermüdlichen Eifer und Energie er für die Anerkennung seines Ideals kämpfte. Ihm verdanken wir es zum größten Teil, daß das religiöse Leben in unserer kleinen Gemeinschaft blühte., und nicht nur im Scherze hatten wir ihn ,,unseren Raw“ genannt. Er war uns auch Lehrer, richtete Schinrim in Gentara und Misciinajo! ein und erwarb sich durch seine echte Frömmigkeit auch bei allen andersdenkenden große Sy inpathien. Bei der Arbeit schaffte er zielbewußt und mit Verantwortung. in dem, was er für die Gemeinschaft leistete, ■war er uns allein ein Vorbild. In seinen Taten bewies er, daß sein religiöses Wollen in allen seinen Handlungen bestimmend war. Auch seine schöne und aufrechte Gestalt, die wir immer vor Augen halten werden, spiegelte seine Seele wider. Bevor er zu uns kam, lebte er im Kibbuz. ״Cliofcz Chajim‘• in Gcdera; auch dort hat er sich durch die Errichtung der Schlosseret einen bleibenden Namen geschaffen. Abraham (Fritz) Fley mann, Jaaroth Hakarmel fn Tel Aviv wurde am 18. April eine Konferenz des palästincnsischcn Misrachi eröffnet. Rabbi Meir Berlin sprach über die Lage in der Diaspora, während Secw □old über das Abkommen zwischen Misrachi und Agudah referierte.