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Jüdische Rundschau · 1938-04-21 · Heft 32 (21.4.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 32 (21.4.1938)
Date
1938-04-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 Nr. 32, 21. IV. 1938 Peßach in Palästina Die Peßaclitage sind in Palästina sehr bewegt verlaufen. Das Zusammenfällen des jüdischen Peßachfestes mit den Christlichen Osterfeiertagen und dem islamischen Nebi Musa bringt immer die Gefahr erhöhter Spannungen im Lande mit sich, und selbst in friedlichen Zeiten war die Poli/ei in diesen Tagen in erhöhter Bereitschaft, um Zusammenstöße zu verhindern. Nach den vorliegenden Nachrichten ist cs zu Reibnngen, die sich direkt an die Festveranstaltungen knüpften, in diesem Jahr nicht gekommen. Dazu mag beigetragen haben, daß die üblichen arabischen Aufzüge in Jerusalem infolge der Streitigkeiten zwischen den Anhängern des Mufti und seinen Gegnern, die sicli auch auf dieses Gebiet auswirkten, nicht stattgefunden haben. Gerade diese Aufzüge sind bekanntlich nicht nur religiöse Manifestationen, sondern zugleich Gelegenheiten, bei denen die nationalen Leidenschaften aufs.heftigste angefacht werden. / Trotzdem war das Land selbst in den Feiertagen zum Peil sehr unruhig. Es kam zu großen Gefechten und einer /Reihe von schweren U e b c r f ä! I e n, in deren Verlauf neben einer erheblichen Zahl arabischer Toter auch vier Junge Juden ihr Lehen hergeben mußten. Wir empfinden diese Meldungen aus dem Heiligen Lande um so'schmerzlicher, wenn sie in deii Tagen der Festtagsstimmung zu uns gelangen, sind doch gerade diese Tage eine deutliche Mahnung daran, mit wie tiefer Liebe alle Völker und Religionen an diesem Stück Erde hängen, und wie tief insbesondere die fest« Rrnie bis Lebensende, varnntieH!«1111 uVCl uUI I! 1111*1 durch erste Ver«,-Ge.. Auskunft״ durch Ptlillpl» Ucko, Berlin• Wilmersdorf, Brandenhurjfische Straße 22 / R||f 92 7443 beiden streitenden Völker Palästinas mit dem Lande, seiner Geschichte und seiner Gegenwart verbunden sind. Welch ein Symbol wäre es, wenn gerade die Tage der Besinnung auf die Vergangenheit Anlaß dazu gewesen wären, die Waffen ruhen zu lassen und die Stunden der Feier in Freude zu begehen! Es ist nicht so gewesen, und vielleicht ist es auch noch nicht so weit; es mag noch manches Opfer erforderlich sein, ehe ein Weg aus der Sackgasse heraus gefunden wird, ehe auch in den Herzen der Menschen selbst der Wunsch nach Frieden überhand nimmt, so daß hinter ihm Rachedurst und Kampfesmut zurücktreten. Das jüdische Palästina ist gewiß frei von solchen Gefühlen der Rache und des Kampfes und es versucht, selbst in den Tagen der Erregung sich auf auf bauende Arbeit, auf die Freude am Geschaffenen und auf die Planung des Zukünftigen zu konzentrieren. Zu Peßach sind trotz allen Schwierigkeiten eine große Zahl jüdischer Touristen ins Land gekommen, die die schönen Frühlingstage im Lande benutzen, um den Fortschritt der jüdischen Siedlung zu sehen und um draußen in der Welt, in den Ländern, denen sie entstammen, über ihre Eindrücke vom neuen jüdischen Leben zu berichten. Sie können gerade in diesen Tagen Zeuge eines Ereignisses sein, das mehr als viele Worte das innerste Weser! unseres Werkes zeigt, seine Beziehung zu den Gütern der Weltkultur und zu dem Geist des Friedens, der sich in der Kunst offenbart. Wieder Lst Toscanini in Palästina erschienen, wieder wurde er wie bei seinem ersten Besuch Ende 1936 überall enthusiastisch begrüßt, wohin er kam, als ein Fürst des Geistes gefeiert, und wieder waren die Konzerte, die er leitete, ein Höhepunkt jüdischen Lebens im Lande. Zugleich Hranwen-uersiclierung Philipp ucho mit ihm kam der Schöpfer des Palästina-Orchesters, Bronislaw Huber man ins Land, der von seinem Unfall wieder genesen ist. Der Jischuw begrüßt in ihm einen großen Kirnst- Ier und Menschen, der sich eng mit dem Aufbau Erez Israels verbunden hat. In diesem Ereignis zeigt sich die Eigenart des jüdischen Menschen aller Schichten, des Bürgers wie des Arbeiters, des Siedlers wie des Städters, die in den Klängen der Musik den Ausdruck ihres Wesens sehen und im Erleben dieser Art eines der wirklichen Ziele erblicken, dem das jüdische Aufbauwerk in Palästina zustrebt. Pie uralte Sehnsucht des jüdischen Volkes nach Leben im eigenen Lande und nach Verbundenheit mit den immateriellen Gütern, ״denen, die vom Himmel stammen“, schwingt auch in diesen Aeußcrungcn mit. Möge die Zeit nicht fern sein, in der diese Klänge den Lärm des Kampfes ühertönen, in dem unser Werk, das zugleich ein geistiges Neuwerden ist, auch zu dem anderen Volke Palästinas und zu den Völkern seiner Umwelt spricht! K. L. 175000 Pfund Aus London kommt die Nachricht, daß es dem Vertreter der Exekutive der Jewish Agency, Eliescr Kaplan, gelungen ist, auf dem Londoner Markt bei der Llovds-Bank eine Anleihe von £ 175000 zu placieren. Dieses Ereignis beleuchtet die Tatsache, daß die jüdische Arbeit in Palästina trotz allen Schwierigkeiten der letzten Zeit und trotz der auch heute noch vorhandenen Unsicherheit über die politischen Ziikunftsperspcktiven grelles Vertrauen genießt. Dazu mag insbesondere der Umstand beigetragen haben, daß eine früher an der gleichen Stelle aufgonommene Anleihe pünktlich zurückgezahlt worden ist. Darüber hinaus aber bedeutet diese Tatsache ein wichtiges Ereignis für die Entwicklung der Palästina Wirtschaft, besonders in ihrem nationalen Sektor. Eine Summe von C 175(KM) spielt im Rahmen der (jegebenheiten Palästinas eine erhebliche Rolle, und es ist daher anztmehmen, daß es dem Keren Hajessod als dem Träger dieser Arbeit möglich sein wird, wichtige an kurbelnde Maßnahmen einziileiten, die imstande sein werden, hei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mitzuwirken. Es kommt ja in Palästina darauf an, eine Art von ״Iniüal/üiidung“ herbeizuführen, um zunächst einmal an einer Stelle die Kaufkraft wieder zu lieben, durch ihren Einfluß auch andere Erwerbszweige stärker zu beschäftigen und so den Kreislaut der Wirtschaft wieder rascher in Gang zu setzen. Man darf gewiß annehmen, daß mit Hilfe der Mittel, die von außen her ins Land strömen, auch eine gewisse Anregung der I!1 v e s t i f i o 11 s 1 u s t in Palästina selbst eintreten wird, und daß es insbesondere möglich sein wird, aus den in Palästina vorhandenen Kapitalien z u s ä t z 1 i c 11 e M i t t c I für die verschiedenen Zweige der Arbeitsbeschaffung heraimi/ieheii. Ohne Zweifel befindet sieh Palästinas Wirtschaft jetzt in einem Stadium, in dem es darauf ankommt, den nationalen, d. h. halbstaatlichen Sektor der Wirtschaft nach Möglichkeit zu aktivieren, um so auf die Konjunktur belebend ciu/uwirken. Palästina ist in dieser Hinsicht in einer ähnlichen Lage wie sehr viele andere Länder, nur daß hier leider die Staatliehe Gewalt wirtschaftspolitisch nicht das tut bzw. auch z. T. nicht tun kann, was anderswo von staatlicher Seite zur Wirt- Schaftsführung geschieht. Hier müssen die Jewish Agency und der Keren Hajessod 111it allen ihren Institutionen eingreifen, und es ist daher ein besonders hervorstechendes Ereignis, daß durch die in London aufgenommene Anleihe hierfür zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt wurden. Die Weiterentwicklung des Landes geht indessen vorwärts, und es ist in der letzten Zeit wiederum ein neuer Bodenkomplex in Besiedlung genommen worden. Nördlich von Haifa gab es bisher nur die von Juden aus Deutschland angelegte Kleinbauernsicdlung Naharia. Nachdem bereits vor kurzem an der Grenze des Libanongcbietes die Siedlung Chanutah gegründet worden ist, sind nunmehr die jüdisehen Einwanderer aus dem württembergischen Ort R e x i 11 - gen in der Nähe von Naharia auf den für sie bestimmten Wo bleibt das Territorium? Die Diskussionen über den sogenannten ״Neo-Territorialismus‘• gehen in der jüdischen Ocffcntlichkeit und gewiß auch in vielen privaten Gesprächen weiter. Die ״Jüdische Rundschau“ hat auf dieseFrage zuletzt in Nr. 23 hingewiesen. Uns scheint, daß diese Erörterungen einen berechtigten Kern haben, da es darauf ankommt, mehr, als es in der Vergangenheit geschehen ist, die Kräfte des jüdischen Volkes aut dem Gebiete der Auswaiiderungsplaming lind -regulierung zu organisieren, Ohne Zweifel ist der gegenwärtige Zustand unbefriedigend. Die Organisationen, die hierfür tätig sind, mögen Gutes leisten, leiden aber daran, daß sie die Dinge mehr bürokratisch als planend behandeln. Es gibt keine jüdische Instanz in der Welt, die in dieser Hinsicht für alle Juden verantwortlich sprechen und 11.111 dein kann, und es wäre gewiß gut, wenn eine solche Instanz — in einer gewissen Analogie zur jewish Agency, die für die Palästinafragen zuständig ist — auch für das gesamte Wanderungsproblem geschaffen würde. Eine große Schwierigkeit, die hierbei zu überwinden ist, liegt allerdings darin, daß die• vorhandenen Organisationen zum Teil in einer gewissen Rivalität miteinander leben und gewiß nicht leicht unter einen Hut zu bringen wären. Dazu kommt, daß gerade auf diesem Gebiete zu einen! erheblichen Teil Kräfte maßgebend sind, die die Jmlenfrage in erster Linie unter philanthropischen Gesichtspunkten behandeln und nicht bereit sind, nationale Maßstäbe anztilegen. Dies aber ist die Voraussetzung׳ dafür, daß überhaupt mit Aussicht auf Erfolg gearbeitet werden kann. AusderHaftarahfürden 7.Tag Peßadi Treufrommem zeigst du treu dich, Untadlig Wackerm du untadelig, Mit Lauterm bist du lauter, Mit Krummem ungerade. Bedrücktem Volke hilfst du, Senkst nieder, kommt dein Blick auf Stolze. Denn du bist meine Leuchte, Ewiger, Der Ewige erhellt mein Dunkel. Denn mit dir renn ich Scharen an, Mit meinem Gotte setz ich über Mauern. Sdiemuet 11, Kap. 22, 26-30 (Danklied David)) Uebersetzi von Hatrv Totczyner Boden gegangen und haben dort die neue Siedlung Schawfl Zion gegründet. Auch hier erfolgte die Besetzung des Bodens und die provisorische Anlage des Sjedlungspiinktes nach den Methoden, die sich während der Unruhen bereits eingebürgert haben, so daß also im Laute eines Tages die wichtigsten Oebäude und Vcrfeiiligiingsniöglichkeitcii geschaffen wurden. Dia Rtxingcr Gruppe wird gerade von hier aus mit besonderem Interesse beobachtet, ist es doch der erste Versuch einer (iruppensicdlung in eiein Sinne, daß eine schon in Deutschland in einer Gemeinde zusammengefaßte Gruppe von Mensehen nach Palästina üborsiedelt und dort ein gemeinsames Werk in Angriff nimmt. Bei der Betrachtung der neuen Kolonisation, die im Laufe der letzten zwei Jahre a ,olgte. muß einmal auf eine Tatsache liitigewiesen werden, die wenig bekannt ist, daß uämlidi an dieser Ausbreitung der jüdischen kolonisatorischen Arbeit in Palästiria, durch die der Siedlung erheblirhe l.amlgebiete erschlossen worden ritul, (', h a I u z i m aus Deutschland in hervorragendem Maße beteiligt vea.cii. Wir heben diese Tat- Sache nicht deshalb hervor, weil wir in ihr ein bc-omkres Verdienst sehen, sondern aus dein (minde. weil in einer frühereu Periode dei zionistischen Arbeit, ,11nur sehr wenige Menschen aus Deutschland in Palästina lebten und arbeiteten, gelegentlich an der Eignung gerade der juhbehen Jugend aus Deutschland f!1r die kolonisatori-che Pionierarbeit gezweifclt wurde. Nun i״-t gewiß die jetzige Sieillimgspeiiode in gewisser Hinsicht nicht mit den Schwierigkeiten verbunden, die noch für die Periode der Alijali kurz nach dem Kriege charakterisliseh waren, als noch nicht all die Eriahrungen gemacht worden waren, über die wir beute verfugen und die bei der Xeuan-iedhmg berücksichtigt werden können. Aber man darf nicht tibersehen, daß die Neuschaffung von Siedlungspunkten auch heute keine leichte Sache ist, noch dazu unter den Bodingiuwen de״ Unruhe/eit mit ihren Aniordcrungen an Wache und Verteidigung. Wenn die Geschichte der jüdischeii Siedlung in I,aläs.ina einmal geschrieben werden wird, dann wird darauf hinzuweiscn sein, daß die jetzige Ausbreitung des Netzes jüdischer Siedlungen im Lande zu einem erhebliehen Teil ein Werk der Einwanderung aus Deutschland war. ek. Das Problem einer territorialen Konzentration großer jüdischer Massen außerhalb Palästinas, noch dazu in Form landwirtschaftlicher Siedlung, erscheint uns demgegenüber zweitrangig, und zwar schon deshalb, weil nach Lage der Dinge kein Land auf der Welt vorhanden ist, das für ein derartiges Unternehmen in klimatischer, wirtschaftlicher und sonstiger Hinsicht geeignet ist und dessen Regierung oder Eigentümer bereit wäre, eine derartige Arbeit zu zu lassen. Es gibt gewiß in einer ganzen Anzahl von Ländern die Möglichkeit, Juden in kleinerer oder größerer Zahl unterzubringen, ja vielleicht in einer Reihe von Gebieten oder noch heraiiziiziehenden Ländern die Chance, klei•!1 e r e jüdische S i e d I u n g s v c r s 11 c 11 e zu unterneh« men. Die Suche nach dem ..großen Territorium" jedoch, das in ähnlicher Art, wie es in Palästina der Fall ist, große Massen von Juden aufnelimcn könnte, hat sich in der Vergangenheit stets als ein Irrweg erwiesen, der nur geeignet ist, die Energien des jüdischen Volkes von den eigentlichen Möglichkeiten seiner Konsolidierung abzulenken. Die heutige Weltlage macht eine derarlige Suche noch viel aussichtsloser, als sie es in der Vergangenheit bereits war. Es gilt auf dem Gebiete der Wanderung noch mehr als in allen anderen Z.weigeu der jüdischer, Volksarbeit, die (iefahr von Illusionen zu ver nie ulen, Wunschträumen nachzulcben, ist gewiß leicht, aher gefährlich. Die Zusammenfassung der vorhandenen Kräfte zur Realisierung der wirklich vorhandenen Möglichkeiten, ohne daß diese in unseren eigenen und vier Weh Augen durch pltantastische Projekte diskreditiert werden, ist aher eine Aufgabe, deren Lösung unser aller Interesse erfordert, Ren 5. Fort**t*un£!!•«■י•1 -*ZKHLUNG VON CtfjrH c4'flig£K 5. Fort*«t*uns־ Die Arbeitsstunde ist die Kosteneinheit. Drei Chawerim arbeiten ständig im Büro. Mindestens jährlich einmal wird eine gründliche Kontrolle vorgenommen, Abschreibungen und Zinsendienst werden auf die Betriebsabteilungen aufgcgliedert. Interessant sind die negativen Abschreibungen für die Viehställe, in denen sich das Kapital durch die nacliwachsenden ■Jungtiere reproduziert. Auf dem Pardess liegen noch Hypotheken. Trotzdem gab eine Bank nach drei Jahren erfolgreicher Wirtschaft bereits einen Kredit zu freier Verwendung. Jeden Abend empfängt das Büro von allen Wirtschaft»- zweigen Aufzeichnungen der Gruppenführer über die täglich geleisteten Arbeitsstunden jedes Einzelnen. Für jedes Mitglied gibt es im Büro ein Blatt in der Kartothek, auf dem »eine täglichen Arbeitsstunden verzeichnet werden. In gleicher Weise werden die Arbeitsleistungen für jeden Wirtschaft»- zweig gesondert registriert. Da die Unterhaltskoslcn eines Mitglieds im Durchschnitt genau errechnet sind, 80 kann man am Ende der Rechnungsperiode sofort feststellen, hei welcher Arbeit ein Gewinn und bei welcher ein Verlust entsteht, ob sich der Chawer gerade erhält, wo er verdient und wo er Verlust bringt. Ebenso gestattet die Statistik nach Kostenstellen ein sofortiges Urteil darüber, ob z. B. die Tischlerei Gewinn bringt, ob der Gemüsebau Zuschuß braucht, ob es sich lohnt, Schafe zu züchten. Bctriebsvergleicho mit anderen Kwuzoth werden vorgenommen, die Lebenshaitungskosten mit denen in Ejn Charotl und Kfar Gileadi verglichen. ״Aber ist es nicht viel schwerer, eine Ernte vorauszuschätzen als eine Absatzkurve zu bestimmen?“ ״Warum? Ea gibt doch Erf ah rungssä tre aus den Vorjahren, wir wissen doch, wieviel Tomaten ein Dunam Boden hei bestimmter Bewässerung, Düngung und normalem Fruchtansatz bringt. Selbstverständlich treten immer Schwankungen auf, aber sind sie vielleicht in der Industrie zu vermeiden?“ Typische Zuschußbetriebe sind Küche und Kindcrhaus. Wo stecken die großen Verdiener? Da sind an erster Stelle die Traktorfahrer, die auf Außenarbeit fremde Felder gegen Bezahlung beackern, Bauplätze einebnen und hohe Spezialistenlöhnc heimbringen. Die Tischlerei, die Kisten für Obst und Tnuva53)-Produkte herstellt, bringt ebenfalls Geld ins Haus, ebenso Bauarbeiter und Handwerker, die in Haifa oder bei Ruthenberg arbeiten. Die Mädchen aus dem Gcmüsegarten verdienen in diesem Jahre zum erstenmal täglich die fünfunddreißig Piaster, die sie den Kibbuz kosten, und nächstes Jahr wird der Gemüseverkauf schon einen kleinen Gewinn bringen. Bananen waren recht profitabel, obwohl sie starken Schwankungen der Marktpreise unterliegen. Obstbau wird noch auf Jahre hinaus nur kosten und nichts einbringen; die Molkerei hat hohe Ueberschüsse. in den ersten drei Jahren waren fast alle Zweige noch' unrentabel •— Aufbau! Aber auf die Ergebnisse des letzten Jahres werden die Kredite schon zu wesentlich besseren Bedingungen aufgenornmen werden können als im Vorjahr, um so mehr, als die Rückzahlungstcrmine pünktlich eingehalten wurden. ״Wir kommer wieder, — nächstes Mal darfst du dich hier einschließen!“ Mit dem Leiterwagen zur Jordan-Schleuse. Sie sehen hinab in den Schaum und denken daran, wie man als Kind beinahe schwindlig wurde von dem starren 1 littabselien. Die Schleuse, den Stausee weiter oben, den Kanal, das ganze Buthenbcrg-F.lcktrizitätswcrk haben Chawerim des Kibbuz, mitgebaut. Bis zu den Schultern haben sie im Wasser gestanden, gebaggert, Böschungen zementiert, und eilten ganzen Fluß, den Yarmuk, aus seinem Bett verlegt. Es gab Zeiten, in denen die Dämme za brechen drohten und die Arbeiter achtzehn Stunden hintereinander schafften und untfielen vor Erschöpfung. Hundert Meter weiter kommen sie zu einem Wäldchen aus Kiefern. Eine Quelle rauscht, Hähne krähen verschlafen u) Absat zgcnossensclinlt der Arb eiterwirteclv n f ten. in der Nacht. Von ferne russische Tanzlieder. Lnd Heimfahrt, müde und übervoll. Feldweg, Bananonwcg, Apielsincnwcg. Die Pferde ausgespannt, ein Händedruck, und noch vier Stunden Schlaf. Was sprechen die jungen Hachurot 11 um Freitag morgen auf dem Weg zu (len Mohrrüben.׳' . . und ich wollte doch für Schaltbat die weiße Polobluse halten, aus dein Magazin, mit kurzen Aermeln“ — ״in Degania Aleph haben sie jetzt einen neuen Schnitt für kurze Hosen...“ Genau so kokett und weiblich sind sie wie hübsche Frauen in der ganzen Welt, und die Männer empfänglich und dankbar. Und nickt weniger eitel. Vielleicht ist es schwerer für junge Frauen, reizend auszusehen, wenn harte Arbeit sie vorzeitig müde macht, und wenn die kleinen Kniffe und Hilfsmittel wie Kosmetika Wegfällen, weil ein gemeinsames Magazin alle versorgt. Aber gerade hier äußert sich viel darin, wie ein Kopftuch geknotet wird, ein Kragen!ungebunden, eine Blume angesteekt. Und Creme, Kau de Crtiognc und Gymnastik sind längst Selbstverständlichkeiten geworden, denn gerade in der Abgesehlossenhcit des ländlichen Lebens bedeutet, die Frische, Gepflegtheit, Jugend der Frauen eine größere Kostbarkeit als im wechselnden Betrieb des Lebens ,,draußen“. Die besondere Stimmung über dem Sohabbat-Abend! Sie beginnt schon nachmittags, wenn die Arbeit zu Ende geht. Aus dem Duschrmtin tönt rauher Männcrgcsnng: lei —lei—lei — es ist nicht direkt ein Text, aber es klingt ungemein orientalisch. Vor dem Kleidermagazin stehen lange Reihen nach Wäsche an. Frische Blusen, Russenjacken mit schmalen Bcirtelion am Hals, Strümpfe, Sporthemden — blitzschnell greift die Magazin-Verwalterin die passende Größe heraus, sie weiß, was die einzelnen kleidet, was ihnen paßt, selten irrt sie sieh. Ein Stück Seife, neue Rasierklingen liegen aut der gewaschenen Hose, ein neuer Gürtel auf dem gebügelten Leincnkleid. Das Abendbrot beginnt etwas später, weil die Titern ihre Kinder seihst »11 Bett bringen wollen und immer noch eine Geschichte, einen Gutenachtkuß finden. Der Speisesaal ist festlich verändert. Tischtücher! Blumenvasen! Und die Tische glänzen und die Gesichter darüber strahlen blank-

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