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Jüdische Rundschau · 1938-04-15 · Heft 30-31 (15.4.1938) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 30-31 (15.4.1938)
Date
1938-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Saite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30/31. 15. IV. 1938 des 13. Tapes ihrer Gründung (1. April 1925), und sie begeht diesen Ta״ als das Fest ihrer ״Baf'Mizwah“, ihrer Mündigsprechung. Es ist gewiß ein glücklicher Oedanke gewesen, gerade jetzt in einer Zeit der politischen Ungewißheit an jenes Ereignis vor 13 Jahren zu erinnern, das vielleicht der schönste l ag in der (ieschichte der jüdischen Palästina-Arbeit in der Nachkriegszeit gewesen ist. Es war eine ilhMre (iesellschaft des Geistes, die sieh damals auf dem Skopus versammelte und durch ihre Anwesenheit dem Genius des jüdischen Volkes seinen Tribut zollte. Worte wurden in jener Stunde gesprechen, die sich nur /um Teil verwirklicht haben, wenn auch vieles seitdem zur Realität geworden ist. Darnals sagte Lo rd 11 ,11׳ f o u r!1. a.: ״Was hatte dieses grolle Auditorium von Menschen au* allen Enden der Welt zusammengeführt, Menschen, die eine verschieden«' Sprache sprechen? I)och nur das Interesse an dem grollen geschichtlichen Ereignis in diesem Lande, wo jeder Stein' (ieschichte ist. Nicht die Pracht dieses herrlichen Ausblickes, das Bewußtsein, daß hier eine große Epoche intellektuellen und moralischen Wiederaufbaus beginnt. Die kommenden Oemwationen werden an diesen Tag zuriiekdenken. Von diesem Hügel hat man einen Ausblick aut die stelle, wo das Volk Israel das ihm verheißene 1 and betrat. Auf diesem Hügel lagerten die Römer unter dein Feldln'im Titus und wollten Israel vernichten. Aut diesem gelben Hügel aber beginnt heute ,Was seitdem auf dem Skopus gv-ehaficn wurde, ist ein großes Werk gei-tiger Arbeit, das sich!gewiß sehen lassen kann, wenn auch bei weitem noch nicht alle Aufgaben erfüllt mini. Im im ein Anfang, ein guter Anfang, der gen!acht wurde, und wir 'vertrauen darauf, daß dort nicht nur eine Platte der Wissenschaft und der Forschung entmehen wird, sondern ein Ort der menschlichen Vertieft!!! g. an dem die besten Kräfte des jüdische;! (jeistes und Herzens zusammenströmen und wie in einem Brcnnspiegel sich zu einer lebendigen Kraft vereinen, imstande, das 1 lerz des Jüdischen Volkes im lande und in allen Teilen der Welt zu erwärmen und zu befreien. Dr. Weizmann deutete diesen Gedanken tu•! der 1 ruf!mm ׳stVicr in den Sätzen an. ״Will die I ’!!iversitiit wahr sein gegen sich seihst wie gegen die jüdischen Traditionen, so darf sie rächt allein für die Juden, nicht allein auch für das I and Palästina, sonder» für den ganzen erwachenden Orient, ja für die ganze ,Menschheit da sein. Jedoch wenn die Universität der Ausdruck unseres Wesens sein soll, wenn sie das Mittel sein soll, durch welches wir unseren Blick auf die Welt richten, so muß die Sprache der Universität Hebräisch sein. Denn jüdischer Geist und hebräische Sprache sind nie voneinander zu trennen.“ Diese Aufgaben, die Wei/niann vor 13 Jahren so prägnant umrifi, bestellen auch heute fort und werden immer größer werden, je mehr das Werk der jüdischen Wiedergeburt in Palästina fort schreitet. Sie werden auch immer dringlicher, je schwerer die Not des jüdisehen Volkes in den Länden! der Welt wird, gilt es ja, Not nicht zur Verelendung, Armut zur Entseelung werden zu lassen, sondern ein Eicht;uifmiriehtm, chm < )riniticrnng-ptinkt, zu dem das Volk in seiner Zerstreuung blickt, der ihm Rückhalt und Ziel aller Hoffnungen ist. * Zerstreuung über die Erde. Wir glauben nicht daran, daß in ihr der Sinn unserer Geschichte liegt. Sie ist ein Schicksal, das über das jüdische Volk gekommen ist und das die Mehrheit der luden auch in unserer Zeit tragen muß, ja das sich durch die Ungrinst der Verlrdnimw jסרן ן ״ in unseren Tagen noch mehr verstärkt. Aber nicht in ihr vermögen' wir die Aufgabe unserer ( ic-ehichte zu erblicken, nicht in der Vereinzelung des Juden unter den Völkern, sondern in der Zusammenfassung von l eib und Geist, von Vergangenheit und Zukunftswillen in dem Rahmen einer großen Aufgabe, die wir uns nicht Willkürlieh stellen, die uns vielmehr aus dem Ablauf unserer ganzen Geschichte gestellt ist. Auch heute empfinden große Teile des jüdischen Volkes noch nicht diese Notwendigkeit, weil sic — unter gün- Stigen äußeren Verbaltni •seil lebend ~~ den .Schlag ihres eigenen Herzens überhören und Auge und Ohr dem zuwenden, was lauter auf sie einwirkt, aber von außen kommt. Seit Iheodor llerzl in einer Stunde tiefster innerer Bewegung zu sieh selbst, zu seinem Volke fand und die Lehre, die er selbst erlebte, den Juden in der Welt verkünde!e, ist gewiß vieles besser geworden, und besonders aus der jungen Generation fand sich ein neuer Kern zusammen, der auf den Pelden! und in den Werkstatten Palästinas arbeitet. Dennoch bestellt die Aufgabe auch heute noch fort, die Scharen der Versprengte!!' ui- Amerikas Nichizionisten gegen Teilung Von unserem Berichterstatter New York, Anlang April Die Antizioniden Amerikas führen ihren Kampf gegen das Teilungsprojekt für Palästina fort, um jede Möglichkeit eines jiidiselien Staates ein für allemal zu zerschlagen. An der Spitze dieses Kampf« stellt Dr. Maurice K a r p t, das amerikanische Mitglied der Exekutive der Jcwisli Agency, der in Zusammenarbeit mit den! American Jewish Committee eine ausgedehnte rednerische und publizistische Tätigkeit entfaltet mit dem Ziel, de» Gedanken zu verbreiten, daß die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina die jüdischeu Interessen in anderen Ländern ge fahrden würde. Da die amerikanischen Zionisten in bezug auf die Teilungsfrage unter sieh gespalten sind, können sie dieser Kampagtie keine einheitliche Front entgegenstellen. Bei einigen S ZIGARREN WOLF I ff Frankfurt a. M., teil 49 1 SS Groß- und Klalnvarkauf. Veriand ab UM. 20,- frei Hau« =SI zionistischen Teilungsgegnern besieht eine geheime Sympathie mit der Taktik der Äntizionisten, weil sie mit deren Endziel übereinstimmen, obgleich nicht mit den angewandten Methoden oder den verwandter! Argumenten. Einige Antizionisten drohten vor mehreren «Monaten im Falle der Fortführung der Teilungserörterungen durch die Jewish Agenev damit, daß sich viele Gemeinden von den (ichlsammhuigen für Palästina zurtickziehen würden. Dieser!־"all ist nicht eingetreten. Wenn die wirtschaftliche Lage keine Verschlechterung erfährt, Ist es sehr wahrscheinlich, daß der United Pa lest ine Appeal in diesem Jahr in Amerika ebenso viel, wenn nicht mehr erhalten wird als 1Ü17. Es ist bemerkenswert, daß der Leiter der Palästina- Sammelaktion in diesem Jahr Dr. A. H. Sil ver ist, ein radikaler zionistischer Neinsager. Silver hat jedoch ausdrücklich betont, daß die persönliche Ansicht über die Teilung nichts mit der Unterstützung der Fonds zur Fortsetzung ihrer konstruktiven Arbeit iri Palästina zu tun hat. Die letzte Sitzung des Zionistischen Aktions-Comit/s trug leider nichts dazu bei, die Differenzen zwischen den attierikanisclien Zionisten hinsichtlich der Teiiungsfrage atiszijgleidien. Stephen Wise ist noch unentwegt gegen die Teilung, ebenso die I! a d a s s a 11. Louis L i p s k v, der hervorragendste Vertreter der Teilungspolitik — nicht weil er sie für besonders weise hält, sondern weil er glaubt, daß es unter den jetzigen Umständen der einzige realistische Schritt ist •— repräsentiert den überwiegenden Tei! der zionistischen^ Bewegung Amerikas in seinen Ansichten. Dies war der Stand der Dinge im Jahre 1937 und es ist der gleiche heute noch. Der Palästina - Pavillon Bei der großen Weltausstellung in New York 8011 auch ein Palästina-Pavillon errichtet werden. Der Direktor de« Pavillons ist «Meyer W e i s g a I, der noch von seiner Auffnhrnng des ״Roman eines Volkes“ bei der Chicagoer Weltausstellung im Jahre 1933 und von seiner Inszenierung von Werfels ״Weg der Verheißung“ in Erinnerung ist. Die Pläne für den Palästina-Pavillon erfordern Ausgaben von mindestens 250 000 Dollar. Den größeren Teil der Ausstellungskosten wird die palästinensische (iesellschaft ״Mis’char w'Taasia“ tragen; der Rest wird in Amerika aufgebracht werden. Angekündigt ist bereits eine große Karte Palästinas, die durch eine Anzahl wechselnder Lichter und anderer technischer Mittel das Wachstum des modernen Palästina illustrieren soll. Präsidenten des Ausstellungskomitees sind Harold Jacobi, einer der leitenden Männer des United Palestine Appeal, und George Bäcker. Peraonalia Dr. Maurice Mexter, Mitglied der Ageucv-F.xekutive ln Jerusalem, hat sein Amt uiedergdegt und soll bald nach Amerika zurückkehren, um Dr. Solomon Low enstein, dem Leiter der New Yorker jüdischen Wohlfahrtsarbeit, zur Seite zu stehen. Man nimmt an, daß Hext er der Nachfolger Löwensteins werden wird. Hcxtcr war früher Leiter der jüdischen Sozialarbeit in Boston. Edward M. War bürg, ein Sohn des verstorbenen Felix Warburg, ist der Vorsitzende der Nevv-Yorker Sammelaktion des Joint Distribution Committee. Die Krankheit von Benjamin Cardozn, dem f!7jährigen Mitglied des Obersten ßmulesgerichfs, hat große Bcsorgnis ausgelöst. Nach «Monaten des Krankseins soll er sich jetzt wieder auf dem Wege der Besserung befinden. Wie man liört, hatte Cardozo seinen Rücktritt angebofen, aber Präsident Roosevelt bat ihn, nicht zurückzutreten und bis zu seiner Wiederherstellung zu warfen. Das ungarische Judengesetz Von unseren! Berichterstatter Budapest, 11. April Her M o t i v e n b e r i c 111 des Entwurfes zu dem neuen Judcugvsetz ist — abweichend von der allgemeinen Regel — nicht gleichzeitig mit dem Text dem Abgeordnetenhaus überreicht worden und soll in den nächsten Tagen durch die Presse der ()Öffentlichkeit übergehen werden, Auffallenderweise hört man nichts mehr vom Motiv der Fremdcnein- Wanderung, das anläßlich der ersten Ankündigungen des Ministerpräsidenten im Vordergrund stand. Die ungarische J 11 d e n h e 11, bar jeder einheitlichen Auffassung oder Organisation, reagiert bereits seit einiger Zeit auf die Zuspitzung ihrer Lage mit einer ״«Massenflucht“. Wie ״EgyenlüsAg“ meldet, haben in den drei ersten Monaten des Jahres allein beim Bester Rabbinat an 1000 Peraonen ihren Austritt aus dem Judentum angemeldct, in Ofen sollen es fast 200 gewesen sein. Ob der im neuen Gesetzentwurf festgesetzte Stichtag (August 1919) oder ein vom Pester Rabbinat und Gemeindevorstaud an alle Tauflinge versandter Aufruf die Flut eindämmen wird, bleibt abzuwarten. Als eine besondere Erschwerung wird die neue Schacht- Ordnung empfunden, die einem Schächtveibot für Großvich gleichkommt und die noch vor dem Pelkichfest in Kraft treten soll. Man erwartet von dein derzeit einzigen offiziellen Vertreter des Judentums im ungarischen Oberhause, dem greisen Oberrabbiner von Szeged, Dr. Immanuel Löw, daß er dem Standpunkt des Judentums Ausdruck verleihen wird. A. P. ritckzuführen und ihnen zu zeigen, daß nicht allein äußere Erlebnisse zum Volke machen, sondern daß eine viel stiirkere Kraft als alles äußerliche Geschehen in uns wirkt und uns miteinander verknüpft. Dieses Erlebnis haben in den letzten Jahren Zehntausende von Juden aus unserem eigenen Kreise in Deutschland gehabt, und wir sind gewiß, daß auch dort, \v0׳ in der letzten Zeit die «äußeren Bedingungen des jüdischen Lebens sich wandelten, sehr viele und nicht die schlechtesten eine echte Umkehr, die eine Rückkehr ist, erleben werden. So schreibt uns ein Wiener Jude: ״Ich weiß, für die vielen, die Herz! vor Jahren nicht hören wollten, wird es Wegen der kommenden Feiertage erscheint die nächste Ausgabe am Donnerstag» dem ZI. April Familien-Anzclgen werden bis 20. April, 16 Uhr, angenommen vielleicht jetzt die einzige innere Rettung sein, seine Stimme zu hören und zum Judentum zurückzufinden. Sie sind Rufer in diesem Bestreben, und was mir in den letzten Tagen nicht ganz, klar wurde, jetzt wird es mir leicht, und ich werde stolz sein, wenn ich wieder zu meinen Stammesgenossen kommen werde und ihnen werde sagen können: Ich bin wieder einer von euch.,.. Ich will, was ich viele Jahre versäumt, wieder gutmachen. In erster Linie Jude sei n.“ In der Tat: In erster Linie Jude sein — darauf kommt es an, mit all seinen Konsequenzen, mit seiner Schwere und dem tiefen Glückgefühl, das dieser Entschluß uns geben kann. Eingebettet leben in die Kette einer großen Vergangenheit, verbunden mit den Sorgen des Tages und dienendes Glied an den großen Zielen der jüdischen Zukunft, deren Basis heute vor unseren Augen, von unseren eigenen Händen geschaffen wird — das ist die wirkliche Aufgabe unserer jüdischen Generation. Tage des Aufbruchs, Jahre des Aufbruchs sind es, in denen wir stehen. Wohin geht der Weg? Wir glauben, daß es an uns als Gesamtheit, an jedem von uns zu seinem Teil liegt, daß der Weg des Volkes dort״ hin führt, wohin es von jeher strebte, womit sein Herz und sein Gemüt verbunden sind: Ins Gelobte Land. K. L Der französisch-syrische Vertrag. In den letzten Wochen hat in Frankreich eine Diskussion um den französisch-syrisehen Vertrag sfattgcümden, der bekanntlich die Grundlage für die Unabhängigkeit des neuen syrischen Staates bilden Wird. Es waren von verschiedenen Publizisten erhebliche Einwendungen gegen Bestimmungen des Vertrages erhoben worden. Der syrische Ministerpräsident Mardain Bey hatte versucht, diese Bedenken zu zerstreuen, doch konnte auch er im Hinblick auf die starke Opposition der radikalen Nationalisten im Lande keine weitergeiienden Verpflichtungen in der Frage (Per M i 1! d e r I! e i t e n übernehmen. Trotz dieser Schwierigkeiten hält man aber in Frankreich grundsätzlich an der bisherigen Syrien-Politik fest und will den syrischen Vertrag noch vor Abschluß der laufenden Parlamentssession — wahrscheinlich Ende Mai (Hier Anfang Juni — zur Ratlf i z i e r u n g verlegen. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Welt sch, Berlin-Chart 9 (auch veantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreters Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1036. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meiiiekeatr. 10. D.A. 1/1938: 26 043. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. ג DAS DAUS für Stoffe, Wäsche Kleidung, Teppiche Gardinen, Möbel Seit 181S im Jentcum Berlins fttRUN C I י SPAM»A»4 t »1 I AS t I י lOMIQSfgASlf JSIAIL

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