Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 29 (12.4.1938)
- Date
- 1938-04-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
- Haifa 1× ep/1047930
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 29, 12. IV. 1938 Ein neuer Grenzvorschlag Wie die ״Times“ berichtet, machte James Male o 1 m soeben in der englischen Ocffentlichkeit einen neuen ürenzvor* schlag für den jüdischer! Staat, der vor allem die t e g i 5■ ר־' 1' verlaufen, beruhen seine Vorschläge auf dem Plan, dies mögliehst durch ״Hügel und sonstige Hodenerhehungen zu ersetzen, die die nateidigende Grenze bilden und daher die geringste Wahrsclirmlichkcit darstellen, Zwischenfälle hervorzurufen oder zu Angriffen zu ermutigen oder daß England nnlitaro Von der Woche Im Monat März kamen 2S00 jüdische Einwanderer nach Palästina. Ein (Jeherfall aut eine Militärpatrouille wurde auf der Landstraße Nablus—Dschenin verübt. Die Soldaten erwiderten das Feuer und töteten einen Terroristen. Ein zweiter wurde mit einen! Gewehr in der Hand gefangen genommen. Auf dem Flugplatz von Ramlch wurde ein englischer Fliegeroffizier erschossen. Nachts wurde ein Attentat auf Amin Abdul Ha di, einem Mitglied des Obersten Mohammedanischen Rates und des kundtunkaussdiusses in Ramallah verübt. Drei Schüsse Wurden auf ihn abgefeuert, denen er jedoch ohne Verletzung entkam. Zwischen Rasel Ain lind Kalkilieh wurde nachts ein Güter 7. ug beschossen, wobei beträchtlicher Schaden verursacht wurde. Mehrere Oeltankwagen sowie andere Guterwagen fingen Feuer und brannten aus. Die Bewohner der seit alten Zeiten bestellenden jüdischen Siedlung 1׳ e k 1 i 11 in der Nähe von Safed, die schon in der talnmdischeii Zeit erwähnt wird, wurden durch arabische Terroristen gezwungen, den Ort zu verlassen. Vier Häuser in dem arabischen!Torf Majd-Al-Kurum und eine Anzahl von Häusern in dem Dorf Naliab bei Akko wurden als S t r a f m a ß 11 a 11 m e für den arabischen Heberfall auf einen jüdischen Autobus bei Safed, hei dem sechs Juden gerötet winden, von Truppen niedcrgerisseii. Eine K o I 1 c k t i v s t r <1 f e von ü 500 wurde dem Dorf Dalit auf dem Karmel wegen der in der Nahe vorgekommenen Ueberfallc autcrlegt. Die Polizei \ eröffentlkdite einen i'rlatk demgemäß samtliehe P a s s a g i e r - O ni n i I! 11 s s e, die auf der lenisalcm— Jaffarr (:11.111-,,• tnluen, t a 11 b e 11 g r a u;1 11 7 ״ s t r e tc 11 c 11 sind. Ferner sollen alle I nrliter 1m Inneren der Omnibusse, Marktprobleme der Industrie Jeder, der sieh überhaupt mit Palästina beschäftigt hat, weiß, daß die palästinensische Wirtschaft klein, der Markt eng ist. Aber was diese Tatsache konkret bedeutet, wird zum Schaden der Beteiligten häufig nicht mit genügender Schärfe erkannt. Das kommt zum guten Teil daher, daß derjenige, der im mitteleuropäischen Wirtsschaftskreis attfgewachsen ist, unwillkürlich bei einer ״kleinen Wirtschaft" an die ihm bekannten Vorbilder etwa der Schweiz oder der Nordischen linder denkt und nun annimmt, daß im großen ganzen die dort geltenden WirtschafUbedingimgcn unter Vornahme einiger Abstriche auch für Palästina Geltung haben müssen. Möglich ist, daß eines nicht allzu fernen Tages sich diese Vorstellung realisiert. Für die Gegenwart aber macht man schwere Fehler, wenn inan glaubt, daß die palästinensisclie Wirtschaft einfach eine verkleinerte europäische sei. Der Hauptunterschied liegt darin, daß sie in wesentlichen Schichten noch gänzlich unentwickelt ist. Zur Beantwortung der Frage, wie der Entwicklung*- stand konkret ist, soll auf einige besonders charakteristische Symptome hingewiesen werden, deren Berücksichtigung für den Erfolg wirtschaftlicher, speziell gewerblicher Unternehmungen hier von ausschlaggebender Bedeutung ist, — Ein sehr großer Teil der arbeitenden Bevölkerung hat einen geringen Bekleidungs bedarf, speziell die Arbeitskleidung ist überaus dürftig. Abgerissene, vielfach geflickte, aber auch nicht mehr fliekfänige Arbeitssachen sind überall zu sehen. Gut gehaltene Schuhe und Strumpfe sind bei der arabischen, aber auch bei der orientalisch-jüdischen Arbeiterschaft niciit häufig. Bezeichnend für den niedrigen Bekleidungsstandard ist, daß eine dürftige, mehr oder minder bunt zusainmcngestcllte Arbeitskleidung auch unter den 11011er qualifizierten Arbeitern nicht zur sozialen Deklassierung führt. Mehr Wert wird bei den Juden auf die feiertägliche Kleidung gelegt, die gut gelialteu ist und in der Regel auch modischen An- Sprüchen genügt. Bei den Arabern und bei großen Teilen der orientalischen Juden ist es noch so, daß ihre Feiertagskleidung in der althergebrachten Tracht bestellt, die nur einem geringen modischen Verschleiß unterliegt und daher keinen großen Bedarf auslöst. Anders ist es mit der Fuß- Bekleidung bei Frauen. Jüdinnen wie Araberinnen legen Wert auf moderne Schuhe mul Strümpfe, so daß in diesen Artikeln auf einen gewissen Massenkonsum zu rechnen ist, wenn normale Verdienstinögiichkeiten bestehen. — Ebenso gering wie der Massen-Bekleidungsbedarf oder vielleicht noch geringer ist der Bedarf nach E i n r i c h t u n g s - und Haushaitun gsgegenständen in den unteren Schichten. Zum Teil ist diese Bedürfnislosigkeit eine natürliche Folge der Armut, zum Teil aber hängt sie mit anderen Lebensgewohnbeiten und Zielsetzungen zusammen. Das zentrale Wirtschaftsstreben des orientalischen, zum Teil auch des aus Osteuropa stammenden Juden und auch des Arabers gilt dem Erwerb eines eigenen kleinen Hauses. Der (irundstückscrwerb ist ein Lebensziel, dem die ganze Wirtschaftsführung sich unterordnet. Alle Familienmitglieder tragen ihre Verdienste zusammen, um den Grund- und Baiimateriaiienkauf zu ermögliehen. Sind die ersten Anzahlungen zusainmcngcspart, werden Anleihen, außerdem noch Hypotheken aufgenortimen, mit denen der Bau finanziert wird. Da die Verdienste schmal sind, ist es ganz selbstverständlich, daß bei diesen Dauerlasten für das Haus weitere Kousumausgaben außer für Nahrung überhaupt nicht oder nur in ganz geringem Umfang in Frage kommen. Ganz zweifellos ist, daß diese Neigung der unbemittelten Schichten zum eigenen Grundstück ihre guten Seiten hat, die sich besonders in der Krise erweisen; denn wer im eigenen Häuschen wohnt und die Abzahlung einigermaßen hinter sich hat, hat eine gewisse Krisenfestigkeit, die zum Teil wenigstens die fehlenden Reserven 7.u ersetzen vermag. Aber auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, daß die in weiten Schichten übliche Dauerfestlegung der Einkommen für Zwecke des Hausbaus die Absatzmöglichkeiten der Konsumindustrien — speziell Textil, Möbel, Hausrat — doch weitgehend ein• schränkt. Dieser durch die objektive Einkommenslage und subjcktive Neigungen stark eingeengte Bedarf an Massenkonsum• artikeln erschwert natürlich die Kalkulation einer auf Massen• bedarf beruhenden Maschinenproduktion. Maschinen •mit hoher Kapazität und gleichzeitig hohen Investitions- und Erhaltungs• kosten werden sich nur in denjenigen Industriezweigen rentieren, die für den'd r i ri g e n d en Massenbedarf arbeiten — billige Speiseöle, Margarineproduktion usw. Ebenfalls Aussicht auf Erfolg■ haben billigste Luxusartikel für den Massen• konsum — Süßigkeiten, billigste kosmetische Artikel usw., aber nur wenn die Maschinenkosten nicht hoch sind. Man muß sich also darüber klar sein, daß bei der Jetzigen Struktur des Binnenmarkts Fertigind 11 strien mit um• f a n g r e i c h e n M a s c 11 i n e 11a 11 i a g e n, deren Einführung an sich produkfionstechnisch möglich ist, keine günstigen R e n t a b i I i t ä t s a u s s i c 111 e n haben, weil die große Maschinenausstattung zu einem Prodtiktionsiinifang zwingt, der die Absorptionsfähigkeit des Markts überschreitet. Ein günstigerer Aspekt ergibt sich allerdings, wenn man die Export• anssichten in die Betrachtung einbezieht. Als Exportmärkte kommet! für die junge palästinensische Industrie in der Haupt- Sache nur die Nachbarländer in Bctractit. Ganz sicher ist, daß es für Palästina nicht leicht ist, auf diesen Nach harnt ärkten Fuß zu fassen. — Uebcrail, in Äcgvpten, in Serien und im Irak bestellt die Tendenz, die eigenen gewerblichen Unter• nehmungen gegen die fremde Industrie zu schützen; überall trifft die junge palästinensische Industrie auf mächtige Konkurrenz. Aher _ trotz allem bestehen auf den Nachbarmärkten gewisse Möglichkeiten. Palästina kann, durch die Nähe begünstigt, seine Nachbarn mit solchen liiiiustrieerz.eiignissen versorgen, für die ein weiter Transportweg aus den fernab liegenden Industriestaaten entweder nicht lohnend oder quali• tätsmindernd ist; ferner kommen solche Artikel in Betracht, bei denen individuelle Ausstattung und weitgehende Berück• sichtigung der Konsumwiinsche eine Rolle spielt. Die Auswahl der 1 n d 11 s t r i e e r 7. c 11 g n i s s e, mit denen _Palästina erfolgreich in den Nachbarländern auftreten kann, ist also nicht sehr umfangreich und betrifft auch kaum Erzeugnisse, bei denen große Verdienste abfallen. Aber bei dem geringen Umfang der palästinensischen Industrie bedeutet es schon einen Gewinn, wenn durch den Export die Pro• duktion einiger neuer Artikel lohnend wird. Jenny Ra dt, Tel Aviv wenn sie im Fahren begriffen sind oder außerhalb der Stadtbezirke a 11!1 alten, gelöscht werden. Abdul Majid Raja aus dem Dorf Meithatun hei Dschc• iiin, der am 5. März im Besitz eines Gewehres verhaftet wurde, ist vom Militärgericht in Haifa zum Tode verurteilt worden. Er wurde seinerzeit bei einem Gefecht zwischen Terroristen und Polizei verwundet. Eine jüdische Gesellschaft, die seit einiger Zeit im Reerschcha-Rczirk Nachforschungen nach Wasser anstellte, ist jetzt aut einen reichen Wasserbestand in diesem Gebiet gestoßen. Feier der Universität fn der Peßachwoche wird die Hebräische Uni• versität in Jerusalem den Ti. Jahrestag ihrer Gründung als ״Bar Miz.wali“ feiern. Die ״ßarmizwah“ wurde am 7. April voll einer großen Versammlung auf dem Messeplatz in Tel Aviv gefeiert. Professor Martin Bube r, der seit kurzem an der Universität tätig ist, befand sich unter den Rednern. Dr. Hugo Bergmann teilte mit, die Universität bemühe sich, Fimvaniic-iuigs-zertifikate für jüdische Studenten aus Oesterreich zu erhalten. Toscanini und Huberman eingetroffen B,fmilwgh.Tcrmln. An, 3a Ai,;i: (29. N1..,1n): (;״n!11cr liesmann< Tos c an i n i traf am Sonntag in Palästina ein, Bronisiav Solm.von S;v1״ri(׳<l Hr.1n.1nn, Halm. Kim-rctl!,!!•. 6/111 (früher Lim- Huberman an Bord der ״Mariette Pascha" am Montag. burg a, d. F.1. ״Die Pforte Gan Kdens“ Zur Lrsdiließiintf liiaroth-l liuarmels gestellt wird, entnehmen wir die folgende Schilderung: fSied.) Ich will wenig über den Terror berichten, keine gefäiir- Arbeit' erzählen. Von unserer Arbeit in Jaaroth ilacarmel. Sie ist härter und aufregender als Terror und Nachtwachen. Heber den Roden, den wir liier oben pflügen, ist bestimmt seit zweitausend Jahren kein Pflug gegangen; und die Burgruine, die uns erste Behausung wurde, und die sich später, als die Ucberfalle eirisct/ten, noch immer als vorzügliche Bastion erwies, ist noch aus den Tagen erhalten, da die Kreuzfahrer das׳ Land eroberten. Noch bis vor zwanzig Jahren war der Karmel eine unwegsame, wilde Bergfläche, stellenweise mit Urwaldcliarakter. Jüdischer Aufhauwiile schlug die erste Straße hinauf. Heute ist der Har-Hacarmei mit dem iladar durch zwei asphaltierte Hauptstraßen verbunden, von denen der Bau der einen erst vor drei Monaten trotz des Terrors vollendet wurde. Wir haben alle daran mitgearbeitet. Jetzt leben auf dem Har-Hacarmcl, auf einer Fläche von 15 000 Dunam, schon an 2000 Einwohner, und der Ort ist wegen seines günstigen Klimas bereits zum Kurort erklärt. Ich stelle mir für komniemle, friedliche Zeiten einen behagliclicn, palästinensischen Biirgcrtvp vor, so wie es einen französischen gibt. Den sehe ich hier, nach einem arbeitsreichen, fleißigen Leben, ein hübsches Betonhäuschen besitzen, im ländlichen Vorgarten seine Radieschen pfücken und am Schabbat in den gepflegten Anlagen spazieren gehen, oder das herrliche Panorama des Hadars und des Flaifaer Hafens genießen. Ja, bei sonnenklarer Luft kann er jedes Schiff, das einläuft und jedes, das in Ree sticht, genau erkennen, und während er gemütlich aufs offene Meer starrt, rollt Hinter ihm alle funt Minuten der Omnibus aus Haifa weiter, hinauf bis nach Jaaroth Hacarinel. Es ist schon ein sonderbares Märchen, alles, alles ist bereits vorhanden: die herrliche breite Autostraße, die hübschen Betonhäuschen mit Vorgärten, die Allee mit den jungen Bäumchen und den frisch gestrichenen Gartenbänken, das Sanatorium, das Zauberhafte Meerpanorama und die Großstadt zu unseren Füßen, nicht zu vergessen das heitere, frische Klima im steten Meereswind, nur dieser behagliche, gemütvolle Bürgertyp fehlt. Und bis er einmal sein wird, werden noch viele, viele Schiffe in Haifa anlaufe,ן müssen. Wir indes steigen höher. Achusat heißt der nächste Ort, eigentlich Achusat Sir Herbert Samuel. Mit Har-Hacarmei durcli die alte Aus• fallstraße verbunden, hat der schon erwähnte Omnibus hier seine Endstation. (Ich weiß nicht, ob mau wünschen sollte, daß er einmal bis nach Jaaroth hinaufrattere.) Achusat ist ein Flecken mit großer Zukunft. Sobald seine Wasservorsorgung befriedigend gelöst ist, wird es rasch von seinen 500 Einwohnern zu 5000 ansteigen. Man wird es bald die wahre ״Pforte des Gau Eden'• bezeichnen: sowohl was die Schönheit seiner landschaftlichen I aip lind seines Klimas anbetrifft, als auch wegen seiner Nähe ztim Hadar und Haifa und der damit gegebenen günstigen wirtschaftlichen Bedingung, liier oben befindet sich auch ein Erholungsheim der liistndruth und das F.inwnndererheim der Oie,. Germania. Die Siedlung ist sauber und gartemuäßig angelegt. Von liier aus beginnt erst der richtige Start nach Jaaroth Hacarmci. Unser Boden, zugleich der höchste des Karmel überhaupt, hat ungeheuren Reiz: Er ist bewaldet, fast etiropäiscli bewaldet, die Erde ist schwarz, wasserreich und hält die Luft trocken. 8000 Dunam solcher Art, während ringsum das Gelände steinige Abhänge und weite, kahle Flächen aufweist, werden hier ein zähes und beherztes Bauerntum ermöglichen. Die Initiative dazu ging von der Carmcl Investment Trust LTD. Haifa, einer jüdischen Privatgesellschaft, aus, die Eigentümerin des Bodens ist. Ihre Leiter schickten uns vor vier Jahren hinauf, um mit der Kultivierung des Bodens zu beirinnen. Wir zogen damals, kaum ein Dutzend Chawe* rim, alle Angehörige einer Misracliigrtippe aus Deutschland, nach Jaaroth hinauf. Nicht nur, weil wir die Wälder des Karmel erobern sollten, sondern hauptsächlich darum, weil unsere Firma uns ihre Hand zu einer echten sozialen Tat entgegengestreckt hatte: Für jedes abgclaufene Arbeitsjahr ging auf jeden von uns zwangsläufig ein Dunam Boden als eigener Besitz über, und für die Zukunft war uns der Boden• erwerb zu den günstigsten Bedingungen versprochen. So fühlten wir 1ms von Anfang an keineswegs als bloße Lohnarbeiter, sondern als Pioniere auf eigenem Grund. Wir waren wenige auf einem wunderbaren F.rdenflecken, der unser sein sollte. Wir hausten in einer sagenhaften Burgruine und in Zelten, inmitten einer geschichtlichen Landschaft voller Erinnerungeu und Spuren an biblische, hellenistische, römische und mittelalterliche Vergangenheit. Jahrhundertelang lag der Boden brach. Wir ließen den Pflug nicht eher los, als bis er uns aus der Hand sprang, wir tanzten vor unseren Zelten wie besessen Horra und beteten mit cliassidischer Inbrunst. Einmal und zweimal waren wir Gäste unseres arabischen Nachbarstammes. Der Scheich ließ vor unseren europäischen Augen eine morgenländische Phantasie aufführen. Wir rauchten mit ihm die Freundespfeife, und einer von uns unterhielt sich mit ihm m fließendem Arabisch über die Weisheit des Korans. Das waren unsere ersten mit Schweiß und Romantik getränkten Arbeitsjahre auf Jaaroth Hacarinel. In manchen Romanen beginnt ein Kapitel fast regelmäßig mit dem Satz: Und dann kam der Krieg. Bei uns wird es einmal heißen: Und dann brachen die Unruhen aus. Unsere Burgruine wurde im wahrsten Sinne des Wortes unsere Festung, und die Araber holten sich jedesmal blutige Köpfe. Wir waren inzwischen an Zahl gewachsen, und trotz der 1 leberfälle ging die Arbeit mit Hochdruck weiter. Felswände wurden gesprengt. Brücken gebaut, die Bewässerung wurde planmäßig wci;ergcführt und Straßen angelegt. Wir pflanzten Schönungen, mühten uns um die Anlegung einer Ohstkiiltur. Wir kamen monatelang nicht von Jaaroth hinunter, vergaßen fast die Unruhen, da die Terroristen hei uns eine Zeitlang Ruhe gaben, bis jener schwarze Tag kam, wo auf dem Wege zu uns, aut der Straße nach Jaaroth, vier jüdische Opfer zu beklagen waren. Die Regierung erkannte daraufhin unsere Bemannung als zu gering und befahl uns, Jaaroth zu räumen. War der vorherige Tag schwarz au (gegangen, 80 erschien uns dieser fast noch schwärzer: nach fast zweijähriger Erschließung dieses wertvollen Gebietes unter den mannigfachsten Entbehrungen sollten wir die Siedlung einfach räumen, auf wer weiß wie lange untätig zuschen, wie Banden jeden gepflanzten Baum wieder umlegen und jedes errichtete Dach wieder niederreißen! Zum Glück kam es nur im geringen Umfang dazu. Unser Leiter riß an den Regierungstoren gehörig die Schelle, und sein Sturmgeläut hatte Erfolg. Nach viermonatiger fieberhafter Erwartung bezogen wir wieder unsere alten Stellungen. Diesmal aber mit Reserven und einer ständigen Polizeistation von acht Hilf*• Polizisten. Unsere Arbeit führten wir mit verstärktem Eifer fort. Hatte man doch das Versprechen eingelöst und uns zur Bodenständigkeit verholten, indem jeder von uns Boden zu billigem Preis erwerben konnte und Zeit hatte, ihn von seinem Verdienst in vier Jahren abzuzahlcn. Wir alle begannen sofort, unseren eigenen Grund zu beackern und für ihn Wasser zu erschließen. Schon ist fast alles in Parzellen eingeteilt und unsere Siedlung wächst mit jedem Tag. Für unsere jungen Ehe* paare wird die alte Burg wohnlich hergerichtet. Zwar sind wir noch immer auf der Hut vor Ucberfällert und unsere Transporte gehen mit geladenem Gewehr vor sich, aber unser ist doch die Zukunft. Im vergangenen Schwat pflanzten wir auf Jaaroth wieder 3000 Obstbäume. Hier soll europäisches Obst gut gedeihen. Wir treiben im großen Umfang Gemüsezucht, und eine ansehnliche Hühnerfarm ist Int Entstehen. So geht, wenn auch nicht mehr mit dem romantischen Impuls der ersten Jahre, doch unbeirrt und fleißig unser Werk zu gutem Gelingen weiter. Stolzer und Siegesgewisser denn ie selten wir heute von Jaaroth Hacarmel aut unser Land und auf das Meer hinab. (Schluß des Palästina-Teils)