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Jüdische Rundschau · 1938-04-12 · Heft 29 (12.4.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 29 (12.4.1938)
Date
1938-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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jüdische Rundschau PALÄSTINA-BLATT Nr. 29, 12. APRIL!938 Die landwirtschaftlichen Arbeiter Zu den Wahlen fdr die Konfereni Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, 3. April 1938 In jedem anderen Lande der Welt würden die Wahlen zu der Konferenz der landwirtschaftichen Arbeiter nur in sehr beschränkten Interessentenkreisen Beachtung finden. Das große Publikum wäre vermutlich mit Recht der Meinung, daß es sich hier um eine Berufsgenieinschaft handelt, deren Horizont und Aufgabenkreis beschränkt ist. ln Palästina liegen die Dinge völlig anders. So wie die allgemeine Arbeiterorganisation nur zu einem Teil eine Gewerk- Schaft war, auf der anderen Seite jedoch wichtigste nationale und kolonisatorische Interessen vertrat, war auch die landwirtschaftliche Arbeiterorganisation nur zu in geringeren Teile eine Berufs- oder Interessenvertretung. Hier, in der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation, sammelte sich in den Anfängen der zionistische Stoßtrupp jener Chaluzitn, die es auf sich nahmen, eine jüdische selbständige Siedlung von Anfang bis zu Ende in eigener Regie und eigener Verantwortung aufzuhauen. Sic war fiir die mannigfachen Experimente verantwortlich, die im Laufe von Jahrzehnten zu den verschicdcncn Koloiiisationsfornieii führten, die heute jeder kennt, der sich für das jüdische Werk im Lande interessiert. Um die landwirtschaftlichen Arbeiter und Siedler herum kristallisierte sich auch lange Jahre ein guter Teil der wirtschaftlichen und politischen Initiative des Jiscluiw. Es ist kein Zufall, daß die Arbeiterführer von heute es sich nicht nehmen lassen, immer wieder öffentlich hervorzuheben, dal! es einmal eine Zeit gab, wo sie selbst landwirtschaftliche Arbeiter waren. Bis vor kurzer Zeit galt eine bestimmte Periode der Arbeit auf dem Lande oder beim Wegebau geradezu als eine Aktivlegitimation für jeden, der über öffentliche Fragen in der Arbeiterschaft mitreden wollte. So waren noch vor zehn Jahren die landwirtschaftlichen Arbeiterkonferenzen eine Versammlung aller Kräfte, die unter der Arbeiterschaft politisch oder wirtschaftlich etwas zu sagen hatten. Heute hat sich das erheblich geändert. Im letzten Jahrzehnt haben die Städte einen so starken Auf- Schwung genommen, daß auch die betonteste Ideologie ihnen ihren berechtigten Platz nicht mehr absprechen kann. Das Wachstum des jüdischen Palästina und damit seiner Arbeiterschaft brachte zudem eine wachsende Verzweigung der Arbeitsgebiete und der ■Interessen mit sich, und eine landwirtschaftliche Konferenz ist heute mehr als früher das, was ihr Name besagt. Immer noch trägt jedoch eine solche Versammlung eine!! besonderen Charakter, weil hier alle jene allgemein interessierenden Fragen zur Diskussion kommen, die mit der Siedlungsarbeit Zusammenhängen. Sieben Jahre seit der letzten Konferenz Es ist eine der Sonderbarkeiten Palästinas, die aber hier niemand merkwürdig findet, daß seit der letzten landwirtschaftlichen Konferenz, der vierten, die überhaupt zusammentrat, sieben Jahre verstrichen sind. Dieser Umstand wird dazu beitragen, daß die Konferenz, eine Uebcrsicht über eine lange und sehr inhaltsreiche Periode der Sicdlungsarbeit wird abstatten müssen. In diese Zeit fiel die große Expansion, die sich auch in der Landwirtschaft bemerkbar machte und neben der Basierung und Erweiterung der bestehenden Siedlungen zu einer umfangreichen Kolonisation ohne wesentliche Unterstützung aus nationalen Geldern führte. Da Tausende auf Ansicdlung warteten und sich Gelegenheit bot, gut bei Außenarbeit zu verdienen (insbesondere bei der fieberhaften Anlage neuer Zitruspflanzungen), gingen immer neue Gruppen aut den Boden und begannen, sich aus eigenen Kräften eine Wirtschaft aulzubauen. Der K e rc n Ka j c m e t h stellte in der Regel das Land zur Verfügung, oft mit Hilfe von Vorschüsse!!, die ihm die Siedler seihst gaben, der Keren Hajessod gab ein Minimum an Ausrüstung, aber cs!)lieben große Summen übrig, die die Siedler aus eigener Kraft zuzusteuern hofften. Diese Hoffnung erfüllte sich solange, wie viel u!1d gutbezahlte Außenarbeit zu finden war. Sobald diese Quelle schwächer floß oder versiegte, begannen schwere f i n a n 7. i e 11 c Nöte. Die Lage dieser Siedlungen ist ein Punkt, mit dem sieh die Konferenz wird beschäftigen müssen. Ein anderer betrifft jene zahlreichen ganz neuen Punkte, die im letzten Jahre, vielfach aus strategisch-politischen Gründen, begonnen wurden und die gehalten und ausgcbaiit werden müssen, wenn ihre Griindüng einen Sinn haben soll. Dazu kommen jene allgemeinen Probleme der Landwirtschaft, die wir von Zeit zu Zeit in Spezialberichteu berührt haben: die volle Ausrüstung der bestellenden Betriebe, die Regelung des Marktes und die Beschaffung billiger Kredite. Die Konferenz ־ Probleme In den sichen Jahren, die seit der letzten Konferenz verflössen sind, hat sich, der Einwanderung und Kolonisationsarbeit entsprechend, auch der Umfang der landwirtschaftlichen Organisation stark vergrößert. Zur Zeit der vierten Konferenz zählte man an 10000 Mitglieü" ״•י*; Alls Brandenburg a. d. Havel Dieses Mädchen, das noch vor drei Jahren in Brandenburg a. d. Havel in die Schule ging, arbeitet jetzt in Kirjat Bialik bei einem Landwirt und verdient als Landarbeiterin ly3 Pfund im Monat. Sie fühlt sich sehr wohl bei ihren Tieren, wie das Bild zeigt. Attilioddot» Aus der Wizo-Arbeit 800 Säuglingsschwestern Absolventinnen von Wizo-Institutionen. Mit den 20 Schülerinnen, die in diesem Februar ihr /Diplom als Säuglingsschwestern bekamen, sind bis jetzt 800 Säuglingsschwestern in Wizo-Institutionen ausgcbildet ln einem Wizo-Kindergartcn Foto•; w;״, ־*V tr > worden. Der Beruf der Säuglingsschwester ist einer der wichtigsten Frauenberufe im Lande. Die Pflege des Sanglings im subtropischen Klima setzt eine besonders sorgfältige Schulung des Pflegepersonals voraus. Die Kurse in den beiden großen Säuglingsheimen der Wizo in Tel Aviv und in Jcrusalem geben in zehn Monaten eine ausgezeichnete Schulung in allen Fragen der Ernährung und Pflege des Säuglings. Das Neuseeland-Haus (das nun so umbenannte Mothcrcraft Training Centre) vermittelt vor allem Spczialerfalirung in der Behandlung Frühgeborener und gefährdeter Neugeborener. Sechs Monate erhält die Kursteilnehmern! theoretischen und praktischen Unterricht in der Wi/.o-lnstitution, während drei Monaten erlernt sie in der Kinderabteilung des Hadassah- Spitals die Pflege kranker Kinder und Säuglinge, und einen Monat lang betreut sie gesunde Babys in den Tageskrippen der Ff ist adrut 11 Nasch im Zionioth. Das Schulgeld beträgt £P 10. Man plant, die Kurse aut zwölf Monate auszudelincn. Hygienische Säuglingsnahrung. Seit zwei Jahren ist in der Tnuvah in Tel Aviv eine besondere Abteilung für Säuglingsnahrung eingerichtet worden. Die Tel- Aviver Wizo subventioniert diese ausgezeichnete Einrichiung für Mütter bedürftiger Volkskreise, denen alle Vorbedingungen zur Herstellung tadelloser Nahrung für ihr Kleinkind, besonders im Sommer, fehlen. Nach ärztlicher Vor- Schrift und unter ärztlicher Aufsicht wird Säuglingsnahrung nach individuellen Rezepten hergestellt und au die Mütter abgegeben. Die Städtischen Säuglingsheime werden an erster Steile damit beliefert. Derzeit werdet! ihnen im Monat gegen 4000 Portionen zugestellt. Ein zweiter Milchkiosk in Jerusalem. Im Nachlath-Achim* Viertel wird ein zweiter Milchkiosk der Jerusalemer Wizo eröffnet, der 1000 Gläser Magermilch täglich an Hilfstbedürftige abgeben wird. Der Milchkiosk befindet sich im Bucharischen Viertel. Eröffnung einer Volksküche in Jerusalem. Im Februar wurde in Jerusalem eine billige Volksküche eröffnet. Zum Preise von 1!2 Piaster werden täglich 100 Mittagessen ausgegeben — Eintopfgerichte mit Brot und Oranger! oder Tee. Das Essen wird von den Teilnehmeriniicn des Wizo-Kochkurses bereitet, so daß die Verwattungskosten minimal sind. Neue ״Zertifikatsmädchen“. Weitere 16 Schülerinnen. alle aus Deutschland, 13 auf Wizo- und 3 auf Moazath - Hapoalotl! - Zertifikate, trafen im Februar ein. Die Mädchen sind in der Mehrheit zwischen 17 und 19 Jahre alt. Mit Ausnahme von eine!־, die Hauswirt- Schaft als ßerut erwählt, erstreben alle eine landwirtschaftliehe Ausbildung; sie wurden dementsprechend verteilt. Die Mädchen waren mindestens ein halbes Jahr auf landwirtschaftlichcr tlaclischarah und sechs Wochen in einem Vorbereitungslagcr, in dem sie ihre Eignung für körperliche Arbeit und ihre F.inordmingsfähigkeit zu erweisen hatten. Die Zahl der Wi/o-Schulennnen-Zeitifikatc für das laufend« Schuljahr bis Marz betragt 119, für die Moazath-Hapo* aloth 50, Landwirtschaftliche Ausbildung in einer Wizo-InstitutioH der, jetzt gegen 30 000. In diesem Zeitraum sind bestimmte wichtige Institute der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation neu entstanden bzw. ausgebaut worden. Hier sind insbesondere zu nennen die Gesellschaft ״Nir“, eine Art Sicdlungsgesellschaft, die ,,Misradim Kahlaniim“, besondere Büros in den Kolonien, die größere Arbeiten in eigener Verantwortung übernehmen und der ״Britt! Pikuach“, eine Art Kontroliverband, der bei den Siedlungen die Buchprüfungen vornimmt, die Bilanzen untersucht, reichhaltiges Zahlenmaterial über die einzelnen Betriebszweige zusammenstcllt und eine immer größere Bedeutung für die wissenschaftliche lieber- Prüfung der Arbeitersiedlung erhält. Sämtliche Einrichtungen der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation sind in diesen Jahren außerordentlich angewachsen und bilden heute ein verzweigtes Netz, das vielfach für den Neuling auf den ersten Blick verwirrend wirkt. Die Fragen, die mit der Kolonisation Zusammenhängen, sind nur ein Teil des Konferenzprogranunes. Die landwirtschädliche Arbeiterorganisation umfaßt ja nicht nur die Siedler, sondern auch die landwirtschaftlichen Arbeiter in den Kolonien. Dali zwei Typen mit so verschiedenen Interessen, also der Bauer und der Tagelöhner, in einer Organisation sind, hängt damit zusammen, daß in Palästina der Tagelöhner von heute der Siedler von morgen ist oder wenigstens zu sein hofft. Die (iren/ei! sind liier sehr flüssig, Mitglieder von Siedlungsgruppen erscheinen bei Außenarbeit aut dem Arbeitsmarkt der Kolonien, eine Gruppe, die heute in Petach-Tikwah auf Arbeit geht, erscheint morgen hei der Ansicdlung in! üalil. Dennoch stellt die landwirtschaftliehe Arbeiterschaft als solche ein Spe/ialproblem dar. Insbesondere kämpft sic seit Jahrzehnten den im Lande und außerhalb berühmt gewordenen K a m p f 11 m die jüdische Arbeit, und dieser Punkt wird auch wieder aut der Konferenz eine bedeutende Rolle spielen. Nach let/tei! Zählungen haben wir gegen 15 (WO landwirtschaftliche Arbeiter in der! Kolonien, fliese verteilen sich auf die 140 000 Dunam Pflanzungen, die in jüdischen Händen sind. Davon beschäftiget! 90 000 Dunam nur Juden, in 30 000 arbeiten Juden und Araher zusammen, 20(MW beschäftigen auch heute nur Araber. Während wir 1930 gegen 5000 arabische Arbeiter in den Kolonien beschäftigt haben (damals umfaßten die jüdischen Pflan- Zungen nur 54ÜÜ0 Dunam), haben wir heute 6000 Araber. Das Anwachsen der Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien ist also einerseits zu erklären durch die vielen neu angelegten Pflanzungen, andererseits durch die folgen der Unruhen. Sowohl die dauernde Bedrohung, die arabische Arbeiter und Wächter liir Leben und Besitz der Pflanzer bedeuten, als auch die scharfe Campagne, die mit Unter- Stützung weiter Kreise der Ocffentliehkeit gegen arabische Arbeit geführt wurde, hat zu einer weitgehenden — wenn auch keineswegs durchgehenden — Zurückdrängung des arabischen Arbeiters geführt. Seit dein Beginn der Wirtschaftsdepression ist freilich die Lage des jüdischen Arbeiters' in den Kolonien von neuem um vieles schlechter geworden. Die Pflaiizer wollen sparen und wenden sich daher entweder von neuem dem arabischen Arbeiter zu oder versuchen, die Löhne der Juden so zu drücken, daß sie sich gefährlich dem Lxisteiizininiimim nähern. Die Arbeitslosigkeit tut das ihre dazu, um das Problem zu verschärfen. Die Heilige Grabeskirche in Jerusalem wurde wegen Einsturzgefahr geschlossen, nachdem festgestellt wurde, daß das Erdbeben im Oktober 1937 das Gebäude erschuftert hat. Zwei Chaluzim getötet Jerusalem, 7. April. (Palcor.) Der 21jährige Etiezer Krongold und der 21jährige Ephraim Ti kt in, zwei kanadischc Chalu/irn aus der amerikanisch-jüdischen Siedlung juara, nordwestlich von Dschenin, wurden heute am Spätnachmittag, als sie von der Feldarbeit nach Juara zurückkehrten, von Terroristen erschossen. Der I eherfall wurde in der Nahe des arabischen Dorfes Rihania, ungefalir zwei Kilometer von dem jüdischen Dorf Am Haschophet entfernt, ausgeubt, das zu Ehren von Richter Brandeis gegründet wurde. Vier der Siedler befanden sich mit zwei Karren auf dem Heimweg, als eine ungefähr dreißig Mann starke Terroristenbände sie überfiel und tmgefährt 2!Kl Schüsse aus nächster Nahe aut sie feuerte. Den zwei Siedlern in dein ersten Karren' gelang cs zu entkomme!!, wahrend die beiden Insassen des zweiten Karrens sofort g e t (5 t c t wurden. Die Terroristen rauhten '1 iktins Revolver sowie seine Schuhe. Die Der amerikanische Kibbuz Juara, von dessen Mitgliedern zwei einen arabischen Leberfall zum Opfer fielen Foto: KB and Ui! Zugpferde der Karren rissen sich los und liefen nach' Juara, wodurch die Siedler von dem Vorfall benachrichtigt wurden und sich gleich auf die Suche begaben. Polizei sowie ein Flugzeug trafen in kürzester Zeit an der Ueberfallstclle ein, jedoch halten sich die Terroristen bereits zerstreut. Das Flugzeug wechselte Signale mit den Siedlern von Mischmar Haemek, um die Banditen ausfindig zu machen, jedoch konnte bi« jetzt noch keine Spur von ihnen entdeckt werden. Polizeihunde nehmen an den Nachforschungen nach der Bande teil. Krongold stammte aus Toronto, während Tiktin, der eine Witwe in Juara!unterläßt, aus Detroit stammt. Das Begräbnis fand unter großer Beteiligung statt. Juden aus dem ganzen Land, besonders aus dem Emek, nahmen an der Beisetzung teil. Bei einem Gefecht mit einer arabischen Bande in der Nähe von Nablus wurden ein arabischer Polizist und eine arabische Zivilperson getötet sowie ein britischer Polizeibeamter und zwei arabische Polizisten verwundet. Die Polizei begleitete den Bürgermeister von Nablus auf einem Weg in ein arabisches Dorf. Gegen den Bürgermeister waren bereits früher mehrere Anschläge versucht worden.

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