Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1938)
- Date
- 1938-04-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653568--32025-2683721- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 28 8. IV. 1938 JODISCHE RUM T) S C H Ä11 Seife 11 Prag, jüdisch gesehen / Notizen von einer Reise Das Bild, das eine Stadt heim flüchtigen Besucher hinterläßt, unterscheidet sich oft erheblich von dem gegründeten, das der Historiker von der Bedeutung dieser Siedlung entwirft. Weil die Auswahl dessen, was der Reisende erblickt oder vernimmt, doch immer stark dem Zufall überlassen ist, empfängt er zwar nicht selten recht bestimmte, aber dabei oft schiefe und gar nicht bezeichnende Eindrücke. Der Vorzug, schärfer Charakteristisches zu sehen, wird also in Frage ge- Back auf die Allneuschul und das Jüdische Rathaus •g יו stellt von der Gefahr, daß private und subjektive Erlebnisse verallgemeinert werden. Es wäre ein besonders anziehendes Unterfangen, einmal Prags jüdische Sonderstellung und Eigenart in einer umfassenden .Schau erfassen zu wollen. Was wir an Beiträgen zur Geschichte seiner Jndeniieit besitzen, sind eine reiche Zahl fleißiger und fruchtbarer Einzclarbeiten, von denen noch keine versucht oder vermocht hat zu deuten, worin die ganz überragende und einmalige geschichtliche Bedeutung dieser Gemeinde begründet ist’). Was einige mittelalterliche Zeiten hindurch vielleicht rheinische Judcngemeinden darstellen, was viel später Frankfurt lind Wien wenn auch nicht mit jener Ausgcbiidcthcit verkörperten: das war Prag durch lange Jahrhunderte. Typ und Abbild einer idealen Diaspora-Gemeinde, ideal und typisch in ihren Vorzügen wie in ihren Fehlern und Verfallserscheinungen. Die in dieser Vollendung seltene Verbindung tiefster jüdischer Gelehrsamkeit (in ihrer talmudischcn und in ihrer mystischen Prägung) mit bürgerlieber Wohlhabenheit, mit (übers Ghetto weit hinauslangcndem) Gemeinsinn und mit einer weltbejaheiulen Aufgeschlossenheit gegenüber der Umwelt und ihrer Kultur, hat dein jüdischen Prag nicht erst seit der Mitte des 16. Jahrhunderts (wenn auch von da ab besonders nachdrücklich) zu einer beherrschenden Stellung in der abendländischen Gallith verholten, wie sie auf die Dauer keine andere Kchilla besaß. Es ist kein Geheimnis, daß diese Bedeutung als ״Ir vvo’em b’lsrael“ (Mutter-Stadt in Israel) nicht unerschüttert die Stürme einer neuen Zeit überdauert hat. Die Judenheit Prags war zumeist reicher als viele andere Gahith-Gcmeinden, dabei aber keineswegs von glücklicherem Geschick. Auch hier haben Juden-Verfolgungen und -Austreibungen sich in von nur gelegentlichen und kurzen Atempausen unterbrochener Folge abgelöst. Aber gerade darum kann man auch an der Geschichte der Prager Kehilla mit besonderer Klarheit, ja Rührung ablesen, wie sehr irn Kern mittelalterliche Judcngemeinden (es sei denn, sie wurden restlos auszuinerzen gesucht) davon unberührt blieben. Und es ist ein tief symbolischer Vorgang, daß im Jahre 1512, fünf Jahre nach dem Austreibungsversuch von 1507 (dem bis 1524 noch drei andere, nicht weniger harte folgten), also mitten in einer Zeit ärgster Bedrüngung, in Prag der erste hebräische Druck die Presse verließ, die Druckerei der Gersonidcn, die nun für Generationen hindurch ihren führenden Rang behalten sollte.... Wer kann sich dem tiefen Eindruck entziehen, wenn er im prächtigen und erinnerungserfüllten Rathaussaal zu Prag in die!lecke des Raumes drei *) Es wäre hier auf das von Prof. Samuel Steinberg herausgegebene wissenschaftliche Sammelbuch ״Die Juden in Prag“ zu verweisen, aber auch auf das besonders lebendige und vielseitige Sammelbucii ״Das jüdische Prag“, das Dr. Siegmund Kaznelson 1918 herausgegeben hat und worin sich 11. a. viele der aus dem modernen Prag hervorgegangene Schriftsteller, Künstler, Zionisten und Personen des jüdischen öffentlichen Lebens über die Stadt und ihre jüdische Ausstrahlung äußern. — A. d. Red. schwere Ketten eingelassen sieht, mit denen früher die Judenstadt abgeschlossen wurde. Heute hat der Jude die Möglichkcit, als Gleicher unter Gleichen, selbstbewußt und ungebrochen in der Hauptstadt zu!eben. Ob er davon immer den rec'1ten Gebrauch macht, kann der flüchtige Besucher nicht entscheiden. Aber für die Umwcltshaltung gibt es mannigfache Symbole, angefangen von dem Rabbi-Löw- Denk mal, das mit dem eines katholischen Ritters am Eingang des früheren Ghettos steht, über die Zeitungsstände mit jüdischen Blättern in deutscher, jiddischer oder tschechischer Sprache bis zu dem vor wenigen Monaten enthüllten Denkmal für Moses vor der Altneuschul, das eben jener berühmte tschechische Bildhauer Bilek schuf, von dem auch ein Kruzifix im St. Veits-Dom stammt.... (Dali sowohl das R. Löw-Mommient im Jugendstil, wie auch das moderne für Moses nicht durchaus kiinstlerisch zulänglich scheinen, steht aut einem anderen Blatt: hier gellt es ja nicht um künstlerische Wertungen, sondern um Beweise von ״gutem Willen“ der Prager Bürgerschaft.) Es wäre unaufrichtig, leugnen zu wollen, daß Prag heute in jüdischer Hinsicht häufig museal und abgestorben wirkt, und der seit IG Jahrhunderten nicht mehr in Benutzung befindliche Friedhof, durch den Touristen geführt werden, erscheint als ein Symptom. Bei ihm und bei der berühmten ״Altneusehul“ (dem ältesten Gotteshaus der Juden auf mitteleuropäischem Boden) wird man sich, wenn man das erste Gefühl des Staunens und der Befremdetheit angesichts der reinen Gotik, die man sonst so nur in Kirchen sah, überwtmden hat, einem bestimmten Zauber nicht entziehen: einem Zauber, der vielleicht nicht zuletzt in einer zuweilen erstaunliehen Formlind Pathos-Armut der Beter (die durchaus echt jüdisch wirkt — mag man sich ihrer nun freuen oder sie beklagen!) bei einem Freitagabend-Gottesdienst begründet liegt. Der Raum der Altneuschul ist klein, und dennoch faßt er (einschließlich zahlreicher Schaugäste) — und mit einigen wenigen noch kleineren orthodoxen Betstuben zusammen — nur allzu leicht die gesetzestreuen Beter dieser Gemeinde. Der Niedergang in jüdisch-religiöser Hinsicht ist in Prag weit radikaler vor sich gegangen als in den meisten anderen westliehen Gemeinden. Es scheint, daß jedes jüdische Schicksal dort bis zu Ende durchgekämpft werden sollte.. .. Wenn es auch nicht vollkommen zutrifft, daß — wie man öfter hört — ״nur die Familie Lieben“ streng gesetzestreu geblieben ist, so ist doch der Anteil der Orthodoxie in dieser immerhin 37 000 Juden umfassenden Gemeinde auch relativ weit kleiner als anderswo. (Erst seit der Gründung des tschechosiowakisehen Staates 1918 und der Vereinigung mit der vormals zu Ungarn gehörenden Slowakei ist ein gewisser Zuzug orthodoxer Elemente der Slowakei, wo die Mehrheit der Juden orthodox ist, zu verzeichnen. — A. d. R.) Die Zahl der Synagogen ist nicht gering. Wir weilten am Schabbat in der größten und angeblich schönsten: der Gottesdienst wirkte ebenso prunkvoll, auf Repräsentation bedacht und blutleer wie der in einer kuriosen Mischung von Neo-Romantik und byzantinischem Stil ausstaffierte Raum.... Nachdem es ums jüdische Prag endgültig still geworden zu sein schien, hat es mit dem Aufleben der jüdischen Re- .uaissaucc-Bewegung wieder besonders Gewicht bekommen. Der Kreis um den Studentenverein ״Bar Kochba“ (vor dem Bubcr seine ersten ״Reden über das Judentum“ hielt und der den unvergessenen schönen Sammclband ״Vom Judentum“ 1913 hcrausgab) hatte eine Zeitlang für den westlichen Zionis- 11111s eine geistig führende Bedeutung. (Zu den Mitgliedern des Das Denkmal des Hohen Das neue Moses-Denkmal vor Rabbi Löw der Allneuschul . CH :3* ־ %*■ ' <־' Oppenheim Dos bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 115116־ Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Vereins gehörten 11.;1. Hugo HcTginann, Victor Kellner, Leo und Hugo llerrmann, Angela Goldstein, der jetztige jüdische Abgeordnete im Prager Parlament, Hans Kolm, u. a.) Von diesen hoflnuiigsvollcii Ansätzen ist nicht allzu viel übriggeblieben; die völlig veränderten Naelikriegsverhaltnisse ließen eine geradiinige Fortführung dieser Bestrebungen nicht zu, und die meisten früher führenden Mensehen dieses Kreises wirken jetzt in Palästina oder in anderen Gallith- Zentren.!’rag als Tumniel- und Kamp': platz vieler und ׳;״und'.ersehndener Bezwingt gerade auch den "117 treib!ul * 'die ' SUT .s ״_,.h..eil Nationen־' in seinem Aufsatz ״Entschwundene Zeilen" eliarakteri-iert. Di׳ sc außerord ent helle Situation hat heute nocli keine ^befriedigende zur tschechischen, etwa 6000 zur jüdischen uml die restlichen zur deutschen oder einer anderen Nation bekannt, in der Zwischenzeit trat wohl eine starke Verschiebung zugunsten der Tscheclieil ein. Auf diesem Boden ist. heute zionistische Arbeit nicht immer leicht. Die L a g c d e r J 11 d c n. die ans Deuts e 11 1 a n d . im einheitlich zu beurteilen. Soweit es ihnen gelang, wirtschaftlich Fuß zu fasse״, haben sie zumeist uenigMens eine bescheidene Existenzgrundlage finden können. Soweit sie - und das war wohl die Ueberzahl — durch das Verweigern der Arbeitserlaubnis nicht dazu gelangen konnten, waren sie aut die zwar bewundernswerte aller nicht uiHrschopf i he Wohltätigkeit der Hilfskomitees angewiesen, und gerade 1:1 diesen Wochen, da sie großenteils in Provinzstädte abgeschoben werden sollen, hat ihre an sich schon tragische Lage eine weitere Ver- Schärfling erfahren. Aber auch soweit ihnen eine Wirtschaftliehe Verwurzelung einigermaßen gelang, scheint dies nicht restlos im gleichen Maße menschlich und kulturell gelungen zu sein. Eine Persönlichkeit beispielsweise, die früher in einer orthodoxen Gemeinde des Reiches gewirkt hat, beklagte uns gegenüber nicht nur wehmütig die Schwache der orthodoxen Schichten, sondern auch die ihr nicht nur ungewohnt, sondern auch mangelhaft dünkende Organisationsforn! der Gesamtgemeinde. Daß der vorübergehende Besucher auch in solchen Streitfragen sein Urteil zurücklialt, ist selbstverständlich. Die Fülle der Erinnerungen und lebendigen Eindrücke, der Sagen und modernen jüdisch-politischen Probleme, die sielt für den Besucher dieser wundersamen Stadt ergeben, ist so gewaltig־, daß er sieh zur Beschränkung zwinget! muß. ,Aber wo immer er in ihr wandelt, tritt jüdische Geschichte an ihn heran, eine Geschichte der Not so gut wie des geistigen und niateriellcn Reichtums, eine Geschichte, deren Besonderheit vielleicht wieder ihre svmbolische Prägung fand in dem wohl einzigartigen Brückenkrcu/, das von den goiiiencn hebräischen Lettern ״Kadoseh, Kadoech. Kadosch . . ." gekrönt ist. . . . Groß- Prag, Oh 'die Judenheit Prags j!1 neuem ( lewaud, aber in alte r Hingabe fähig sein wird, vlch^ zu der _ alten die wie wenige amlcil Schönheiten 1111/11111״ Denken Zwingendes in ihren Mauern birgt. f I a 11 s Lamm, Berlin Die Turmuhr des jüdischen Rathauscs in Trat* hat ein alles ZUjernhlatl mit hebräischen Huchstaben als Ziffern. Die Zeiger hewegen sich von links nach rechts. \l g־ Jakob W ei ßl it z hat nach einem neunmonatige״ Gastgeben und in |ol1an״esburg Seil.dem Alerlnins 200״ IKK)“, (iottesfekis ..ihirnoße'־ und ״Das Leben ruft'־ atifgelulirt hat, angenommen und wird dort mit dem gleichen Repertoire auf- Jxutereflt *ZXHLUNC VON O^urtl cA'Ell B £ fl R 5. Fortsetzung• In einer Atempause muß die KUchenwasche des Vortages ausgewaschen werden. In einem Blecheimer werden dreißig Schürzen, im 7,weiten zwanzig Handtücher in .Seitenlange aufgekocht, dann in der fließenden Wasserrinne vor der Wiese gespült. Es kann passieren, daß ein Puch“) während des Aufhüngens hinter deinem Rücken wegstiebitzt wird. ״Ein Fach hat Füße!“ seuf/.t Ghana. Sie sortiert die Küchenwüsche im' Magazin. Laut surrt der Küchenmotor, in dickem Strahl fallen die Mohrrübenstücke, die ReUiehbänder, die Flcischstrflhncn. Warum das Fleisch, sei es was es wolle, am Schluß immer die Form von Klops annimmt, weiß der Himmel. Der Ilenl ist eine einzige glühende Platte, von unten durch Holzfeuer beheizt. Tria kocht. Sie hat Kurse im Ausland besucht, weiß Auberginen auf acht verschiedene Arten zu bereiten, beherrscht gleicherweise die Wissenschaft von der modernen Ernährung und die Gcheimlchrc franz.ösischer Spezialitäten und zaubert aus eintönigen Zutaten pliantasicvolle Gerichte. Sic reibt Karteilelkiiiße an und unterhält sich mit Ghana, der Frau des ״Außenministers“, die Rüben putzt, ״... das ist eine rein psychologische Frage“ schnappt man auf. Ghana macht einen Rekord auch aus Topfseheuern und Abwaschen und ist eine. Schriümuchcriii der Arbeit. Wenn sie da ist, ist abends eine Stunde früher Schluß. Ihr Geheimnis? Disposition, Tempo, und kleine, vv ohkhir.l!dachte Tricks. Immer Irisches Wasser auf dein Herd haben, kräftig *) Blecheimer. mit dem Handballen auf den verstopften .Ausguß schlagen, Aufstellung der Geräte in der Reihenfolge der Handgriffe. Zwischendurch wird der Schrank naß ausgewischt, das Brot eingeräumt, Müll hinausgetragen. Um neun gibt es auch für die Küchenarbeiterinnen Frühstück. Sie lösen einander ab. ״Hast du schon gegessen?“ diese Frage bedeutet nicht etwa nur liebende Fürsorge, und wird sie nur mit ״ja“ beantwortet, so hat sie ihren Zweck verfehlt. Sondern sie heißt: Nun frage auch mich — ich habe nämlich noch nicht gefrühstückt, aber ich kann doch nicht einfach vom Geschirr weglaufen! Und so fragt man verständnisvoll zurück: ״Du auch?“ und mit leisem Vorwurf: ״Warum noch nicht? Geh, ich werde jetzt abwaschen. . .“ Mit andern Augen sieht man nun die raren Tassen an, sic brennen in den Fingern, schnell trinkt man aus, ״fertig!“ Schon stapeln sich die Töpfe, die Siehe, Durchschläge, Reiben, Maschinenteile auf dem Abwaschtisch. Fs dampft und riecht nach Fett, Töpfe mit Puddingresten und Schüsseln mit mißlungenen Klößen stehen am Boden, die Verständigung geschieht־ nur noch in Kommandorufen; halb zwölf, um zwölf läutet cs Mittag. Die Parade der Salz-AJpslrich-Zuckerfüsser wird abgenommen, Blechzylinder sind mit Gabeln und Löffeln zu füllen, Tabletts werden hervorgeliolt, die Suppe für Vcgetarier brodelt im Riesenbottich neben dem Puppentöpfchen mit Eiern für den Diättisch, sieben Suppenterrinen stehen bereit, das Gemüse wird zum letzten Male umgeschaufelt, Salz, und Pfeffer darangerührt, der .Streit über pommes frites oder chips bricht unter der Vorahnung des nahenden Sturms zusammen. Zwei Bachuroth teilen mit großen Kellen Portionen aus und reichen die gefüllten Teller durch das Speisenfenster; für die nächste halbe Stunde dürfen sie sich nicht vom Platz, rühren, auch wenn es vom Abwaschtisch um Hilfe wimmert und die Brotschneidemaschine verwaist steht. Die Serviermäddien ziehen die Schürzen gerade und die strammen Höschen zurecht, streichen die Haare unters Kopftuch und geloben jeden Tag dreimal, einander nicht ins Handwerk zu pfuschen; der letzte kleine Betriebsunfall, eine gesprungene Schüssel, ein verbrannter Pudding, werden schweigend liquidiert — und dann läutet esl Ablösung! Schürze n 11, Hände waschen bis zum Eilbogen, und wenn man Glück hat, ist noch ein Flat/, im Speisesaal frei. Am Tisch für Vegetarier sil/.t die ,Iiigcnd-Alijnh. Bei Ghamsin ist der Diättisch ühcrliillt. \ ich■ stellen an den Wänden und w arten, daß Plätze irei werden. L rsprünglich waren Küche und Fßraum für fünfzig Leute berechnet — inzwischen hat sieh die Monschenznhl \ ervierfacht! Aller wartet nur, in kurzer Zeit bauen wir ein neues Gliatlar ochel, groß, mit moderner Küche, ״jijch“ — es wird sein! Von der Runde der Traktorführer dröhnt Gelächter, Blitzschnell verschwinden die Brotpvrmnideii, nur durchgebrochene Scheiben werden nullt angerührt. Warum nicht? Das Brot ist doch tadellos, auch wenn eine Scheibe kleingebrochen ist? ״Sie wollen dicke, große Scheiben“, erklärt Malka, ״sie wollen das volle Essen fühlen!“ Merkwürdig kleinbürgerliche Rudimente gibt es in dem rationalisierten Spcisesnal. \\ in/.ige rote Buttertellerehcn, die ewig nneinanderkleben und im Abwaschwnsscr verloren sind, umfallencle Becher für Papierservietten, zerbrechliche GlaskaralTen für Oel, Geduldspiele in Gestalt von Salzfässern, das Füllen dauert eine viertel Stunde — das sind die Dinge, in denen sich die Phantasie der Einkäuferinnen austobt, denn wer würde sonst derartig unpraktische, unschöne Dinge gebrauchen! Glaser! Gabeln! Diffel! Rasch! Noch im Traum winken die ausgestreekten Hände. Mir eine Portion! Noch einmal Gemüse*. I'änmnl ״bimkom“ (anstelle) — eine Krsatzspeise wird stets für solche bereitgelialten, die das Tagesgericht nicht gern essen. Und unermüdlich füllen die Kellnerinnen die Platten und Krüge, wischen die Tische rein, räumen Geschirr ab. Was gibt es z.u essen? Morgens Tomatensalat, Rettich und Zwiebeln, Brot, locker, kräftig und frisch, Butter oder ein Ei, Marmelade, Fee und Grießbrei. Mittags und nbends Gemüse oder Fleisch, Brot, Suppe oder Milchkaffee, Pudding oder Kompott. Den Teller wischt man sich mit einem Stück Brot sauber, Reste kommen in einen Aluininiuinnapf, den ,,Kol-bo“. Brotkanten heißen nisdiikoth (Küsse) und sind begehrt; Schabbat ist das Essen besonders gut. Immer wird