Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1938)
- Date
- 1938-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Salt» i JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28, 8. IV. 1938 Begriii! Wirklichkeit 1 Politik Zum Themas ״Erneuerung der jüdischen Begriffsbildung“ Wir veröffentlichten in Nr. 4 unter der Ueberschrift ״Good will und Common sense" einen Aufsatz, der einen kritischen Standpunkt gegenüber einer Reihe von Begriffen zum Ausdruck brachte, die in der jüdischen und speziell in der zionistischen Diskussion eine große Rolle spielen. Die nachstehenden Ausführungen setzen diese Erörterung fort und decken einen unseres Erachtens wichtigen psychologischen Ansatzpunkt der Kritik auf, die in dem Artikel geübt wurde, der den Ausgangspunkt der Debatte bildete. Wir glauben jedenfalls, daß die Fortführung dieser Diskussion nicht nur unter dem Gesichtspunkt der geistigen Klärung, sondern auch im Hinblick auf viele praktische Erwägungen von großem Interesse ist. (Red.) IN ALLER KURZE Eine Bombe explodierte im Gebäude der Vereinigung der jüdischen Studenten an der Warschauer Technischen Hochschule. Es wurde Sachschaden angerichtet. Isaak Frieclmariu, einer der jüdischen Hauptangeklagten im Prozeß wegen des Pogroms 111 Przytyk, wurde vom Lubliner Berufungsgericht freigesprochen. Friedmann war ursprünglich zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Juden Albaniens haben beschlossen, König Zogu I. in das Goldene Buch des Jüdischen N'ationalfonds anläßlich seiner Vermahlung einzutragen. Nach einer Mitteilung des High Coimnissioner für Emigranten aus Deutschland unterstehen seinem Arbeitsbereich nicht Auswanderer aus Oesterreich, sofern er vom Völkerbundsrat nicht andere Instruktionen erhalt. ln Manchester findet eine Ausstellung jüdischer Bücher, Kunst und Musikalien statt, Anläßlich des 73. Geburtstages von Morris Rosenleid veranstaltete die New-Yorkcr Hauptbibliothek in der 5th Avenue eine Ausstellung von Büchern, Erstausgaben, Korrekturen und Manuskripten des Dichters, dazu den Uebersetzurigen seiner Gedichte ins Englische, Französische, Polnische, Ungarische und Rumänische. Emst L u h i t s c h s neuer Film ״Rlnebcnrd’s F.ighth Wife" (Blaubarts achte Frau) mit Glaudette Colbcrt lind Gary Cooper in den Hauptrollen wurde in New York erfolgreich uraufgeführt. Offene Ausiandsstellen. (( icnclimigt durch das l.andesarbeitsamt Brandenburg). Fs werden gesucht: 1. Für ein Werk in Polen cm jüdischer iugenmi!, Spe/ialtaehinami in der Metallindustrie, der mit der Herstellung von Drahten, Bandern und Rohren in Mf"1ag, Kupfer und Bronze und Aluminimnlegimmgcn vollkommen veitr.uit!st und alle in Frage kommenden Abteilungen awib.׳n!en h/w, leiten kann. Arbeitegfncbn1!j׳img liegt \־>r, . 2. I 11 r I itauen eine jüdische Oberwhu cstcr, duz das I elirpersoiial der Krankenschwestern- Kurse bei der praktischen Ausbildung der Teilnehmerinnen in jeder Hinsicht unterstützen kann. < ileich/.eitig soll sie auch die Stelle einer Ohers.huester des betreffenden jüdischen Krankenhauses übernehmen, um diu Ausbildung der kehr- *chwestem dort zu leiten. In I rage kommen nur gut ausgebildete Schwestern, die bereits als < )hersvhw estcrn’in ahnliehen Stellungen tätig waren. Fmreisc um! •Arbeitserlaubnis werden beantragt. — Ausführliche Bewerbungen nur auf I uffpostdünnpapier, Zeugnisabschriften und Paßphoto werden weiterg richtet durch die Jüdische < icineiinle, Berlin SW öS, Lindenstr, 4$— 30, Von der Kölner Jawne - Schule. Der Reichs- und Preußische Minister für \\ isscnsehaft, Fr/ieluing und Volksbfldung hat im Lirivcistiindnis mit dem 1 ׳reinhsdieii Finanzmitiister genehmigt, dal! die anerkannte Jüdische Oberschule Jawne in Köln wieder zur Vullaiistalt ausgebaut wird, Spezialhaus für moderne Damen- und Herren-Strümpfe, Handschuhe, Trikotagen, Wäsche und. Strickwaren Strumpf haus Metzger Nachf. BENNOSTRUPP BERLIN NW7, FRIEDRICHSTRASSE 91/92 nachdem ln den letzten Jahren der Anstalt keine Oberstufe mehr angegliedert war. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird der Jawne eine weitere Englische Oberklasse zur Vorbereitung auf das Gamhridge School Certificate angegliedert, in die Absolventen der ft. Oberschulklasse aufgenommen werden. — Die zur Zeit stattfindende Ausstellung von Schiilerarheitcn des Zeichen-, Werk- und Haudarbeits- Unterrichts sowie die Ausstellung neuerer Werke von I udwig Meidncr ist nur noch bis 10. April, IS Ohr, zu besichtigen. Jüdische Bibliothekare. Hm einen t’überblick über die vorhandener! Kräfte zu gewinnen, bittet die Mittelste!!(‘ für jüdische l'rv. a 0|s,.”enbil('l!mg in Frankfurt a. M.-Ginnlu-im, FuchshoW 67, die für den Dienst an wissenschaftlichen Bi bl iotheken oder an Volksbüchereien ausgcbildctci! Bibliothekare und Bibliothekarinnen um Meldung ’ unter Beifügung eines Lebenslaufes bis zum 10. Mai. Neuer Prospekt der Mittleren-Hachseharah der religiösen Jugend. Der Bnt G!1ah;/1m D.itiim hat einen instruktiven Prospekt über Jtigend-Hachscharah heratisgegcben, der unter der Adresse Berlin \V 50, Augsburger Str, 60, zu beziehen ist. Der Misrachi in Kopenhagen hielt seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, J. M. Schild, hob in seinem Bericht die ausgezeichnete Zusammenarbeit hervor, die zwisehen .Misrachi und dem allgemeinen Zionistenverein in Kopenliagcn besteht. Nach kurzer Debatte wurde der V'orstand wtc der gewählt. Jüdischer Kulturbund für die Pfalz. Das am 20, und 30. März in^Kaisersl,intern und Pirmasens stattgefundene Kon- Isaak brachte den zahlreichen Zuhörern einige erhebende Stunden. Das ,Jiid. Landheim in Bad Flinsberg, eine Einrichtung des Jud. Frauenbundes Breslau, nimmt nach Re Bach — und zwar auf die Dauer von drei Wochen — erholungsbedürftige Frauen und junge Mädchen zu 111 älügen Pflegesätzen auf. Vom 23. Mai bis 22. September werden Kinder für jeweils vier Wcschcn aufgenommen. Die Wirtschaftsführung ist streng rituell. Anmeldungen an Jiid. Frauenbund, Breslau, Wallstr. 911. Der berühmte polnische Dichter Andrzej Strug ist vor einiger Zeit in Warschau gestorben. Der Tod" des Dichters hat auch in jüdischen Kreisen das tiefste Bedauern ausgelöst, die polnischen Juden haben in Strug einen wahren Freund verloren, und die jüdischen Schriftsteller-Organisationen haben diesem Gefühl in ihren Beileidstelegrammen Ausdruck verliehen. Die jüdischen Figuren, die Strug in seinen Romanen gelegentlich auftreten läßt, sind mit kluger Kenntnis und schlichter Sympathie gezeichnet. Die letzte Reise, die Strug vor seiner Todcskraukheit vor zwei Jahren machte, führte ihn nach Palästina, und fortan rühmte er mit hewunderndcn Worten die konstruktive Kraft des jüdischen Aufhaus, Todesfall. Am 21. März starb plötzlich der in Breslau una über seine Grenzen weit hinaus bekannte Ohrenarzt Dr. Max (ioerke (Primararzt i. R. AUerheiligcn-Hospital), ein Arzt von hohem wissenschaftlichen Ruf. Seine hmgehungs volle Pflichterfüllung der jüdischen Aerztescliaft gegenüber bewies er dadurch, daß er seit 1933 die Leitung der Fortbildungskurse der jüdischen Aerzte Breslaus und Schlesiens übernahm. Diejenigen Begriffe, die unser Handeln lenken, immer wieder mit der Wirklichkeit zu vergleichen und an ihr zu orientieren, ist eine der Hauptnotwendigkeiten politischen Wirkens, Wie sollte es nicht heute unerläßlich sein für das Judentum, dessen gesamte geistige und materielle Grundläge sich so plötzlich und radikal geändert hat, daß es nur allzu begreiflich wäre, wenn die Revidierung seiner Begriffe nicht Schritt zu halten vermöchte mit dem Tempo, in dem seine Wirklichkeit sich verändert? Von diesem Gesichtspunkt aus verdient der Versuch zur ,,Umwertung aller Werte", den ״Am Haarcz“ in diesen Spalten unternommen hat, alles Interesse. Dieses wird noch dadurch erhöht, daß es gerade grundlegende zionistische Begriffe sind, die er im Lichte der neuen Wirklichkeit für revisionsbedürftig hält. Begriffe also, von denen wir von jeher geglaubt haben, daß sie einer besseren Einsicht in die wahre Lage des Judentums entsprachen, als sie die große Masse inshesondere der Westjuden früher besaß. Gerade diese Begriffe sollten heute revisionsbedürftig sein? Bei näherem Hinsehen erweist sich, daß von ״Am llaarez“ mehr offene Türen cingcrannt als Begriffe revidiert werden. Wer in aller Welt würde es wohl je als ״Assimilation“ perliorreszicren, wenn es den östlichen Juden Europas gelänge, sich durch eine normale Berufsgliederung dem ökonomisehen Gefüge ihrer Wirtsvölker reibungslos cinzugliedcrn? Welcher Zionist hat je ein Wort gegen das schlechthin Selbstverständliche gesagt, daß Juden, die nach den Vereinigten Staaten, nach Argentinien, nach Brasilien auswandern, Englisch, Portugiesisch und Spanisch lernen? Daß Juden da, wo aus dem Zusamnienströmen verschiedenartigster Elemente eine ,,neue Staatsnation“ entsteht, sieh in dem gleichen Ausmaß ,,absorbieren“ lassen, wie die Angehörigen anderer Völker? Notabene: wo in der Welt (mit Ausnahme vielleicht der INA.) entstehen denn neue Staatsnationen, die fällig und gewillt wären, jüdische Einwanderer in nennenswerter Zahl zu ״assimilieren"? Sowohl in Südafrika wie in Südamerika scheinen die Verhältnisse nicht danach angetan zu sein, um sich den Kopf darüber zu zerbrechen, oh dort noch von ״Gohis“ oder schon von ״Diaspora“ — ohne ״negative“ Be- Wertung -- die Rede sein sollte. Nun ist das Seltsame an dem Artikel von ,,Am llaarez“, daß er mit falschen Beispielen in! Grunde etwas sehr R i c h t i g e s u!1 d W i c 111 i g e s sagen zu wollen scheint. Fr will offenbar sagen: da machen sieh jetzt Tausende und aber lausende von Juden auf, die ausWandem müssen, lind die nun auf der Suche nach einer neuen Unterkunft Zwangsläufig genau dieselben verhängnisvollen Feh- 1 e r. m a c h c n, die dort, wo sie Herkommen, zur Katastrophe geführt haben! Sie wandern aus Ländern stärksten in solche minderen Drucks — mit dem Erfolg, daß sie dort den Druck vermehren! Und rum seid um Gottes willen vernünftig und barmherzig und belastet diese armen Menschen nicht auch noch dadurch, daß ihr ihr aus N'ot geborenes Handein mit einem Stigma belegt. Nennt ihre verzweifelten Versuche, um den Preis der Anpassung irgendwo Atem holen zu dürfen, nicht verächtlich ״Assimilation“. Wenn sie ein Land gefunden haben, in denen man ihnen halbwegs eine Chance gibt, raubt ihnen nicht alle Hoffnung, indem ihr ihnen erklärt, es sei doch mir wieder ein neues Stück ״Golus“. Und hütet euch, Hoffnungen auf eine endgültige .,Lösung der ludcnfrage durch Erez Israel“ zu wecken, die nicht erfolgen kann — deren trügerische Behauptung aber jeden anderen Rettungsversuch als Irrweg erscheinen läßt.“!st dies, wie ich glaube, der Sinn der Ausführungen, so kann man ihnen in jeder Hinsicht z 11 s t i 111 r!1 e n. Aber der Verfasser irrt, wenn er glaubt, eine Revision der zionistischen Grundbegriffe sei nötig. Nötig ist die richtige An wendüng dieser Begriffe, deren Kriterium sich nicht gegen die zuang'läufige Nothniullting Fin/elner wendet, sondern gegen die Politik — oder besser: den Mangel an Politik — der jiidisclien Gesamtheit. So sinnlos es ist, dem einzelnen Juden, der wie ein Ertrinkender um sein Leben kämpft, vorziiwerfen, er rette sich auf ein floß, das durch sein Gewicht dem Untergang nahegebracht wird, so notwendig ist es gerade jetzt, den zionistischen Grundbegriffen, die sich in so tragischer Ucbercinstimmung mit der Wirklichkeit von heute befinden, den ihnen gebührenden Einfluß a u f di e Wirklichkeit von morgen zu gehen — soweit diese von uns beeinflußt werden kann. Was beim Einzelnen nur allzu begreif!icli und deshalb verzeihlich ist, die ״Rettung für den Augenblick“, das ist hei der Gesamtheit unentschuldbare Torheit. Wir wissen heute sicherer als je: die zionistischen Erkenntnisse über das Verhältnis zwischen den Juden und ihrer Umwelt sind fundamental richtig! Was uns nottut, ist nicht Revision zionistischer Begriffe, sondern die An wendüng zionistischer Prinzipien! Und d as nicht nur in bezug auf Erez Israel, sondern in bezug auf die gesamte Neuordnung des Verhältnisse« zwischen den Juden und der übrigen Welt. Das Judentum muß in denjenigen Grenzen, die ihm dafür geblieben sind, eine Politik machen, die der Haupterkenntnis des Zionismus gerecht wird: daß nämlich die anormale Lage der Juden sozusagen um jeden Einzelnen von ihnen jene Atmosphäre der ״G r e n z - S p a n n u 11 g e n“ schafft, die bei normalen Völkern nur peripher, nur an den Wirklichen Grenzen vorhanden ist. Nun kennen wir Ursache und Wirkung dieses Spannungsfeldes, und wenn wir auch kein Allheilmittel dagegen wissen, so doch genügend Möglichkeifen, die Spannung dort, wo sie besteht, abzu schwäche 11 und ihr Neuentstehen zu verhindern. Wo aber — von Palästina abgesehen — wird von den Juden auch nur der kleinste Versuch unternommen, diese Möglichkeiten zu einer neuen jii disehe Politik auf lange Sicht anzuwenden? Wir tun heute nichts anderes, als was wir seit jeher getan haben: um den Preis einer wahrscheinlich nur seiir kurzen Atempause verschleppen wir das Uebel von dort, wo es ausgebrochen ist, dorthin, wo es bisher nicht bestand oder wenigstens latent geblieben ist. Es gibt heute wieder bedeutende jüdische Wanderströme. Aber es sind Ströme atomisierter Massen ohne Führung, ohne ein an der Wirklichkeit orientiertes Ziel ihrer Wanderung. Wo man sie aufnimmt, kommen sie in Länder, die ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet sind, an die sie keinen Anspruch haben. Aber irgendwo leben heißt an sich schon, Ansprüche stellen zu müssen, wie es an sich schon heißt, Verpflichtungen zu übernehmen. Nirgends sieht man, daß die Juden als Gesamtheit den Versuch machen, mit ihren neuen Wirtsvölkern zu einer Art kollektivem Uebereinkommen zu gelangen, in dem ״good will“ von der Seite der Anderen und ״common sense“ auf der unseren zu einer Ordnung der Dinge führt, die die Kardinalfehler des bisherigen Verhältnisses zwischen Juden und Umwelt nach Möglichkeit vermeidet. Wieder sehen wir die Konzentrierung der jüdischen Einwanderer in den Städten, ihre Massierung in bestimmten Be• rufskategorien, ihre geringe Anpassungsfähigkeit auf der einen, ihre übertriebene Ässimilationssucht auf der anderen Seite — Fehler, die der Einzelne in seiner Zwangslage meistens gar ,nicht vermeiden kann, die die Gesamtheit aber zum mindesten in einem gewissen Grade abstellen könnte, wenn es so etwas wie eine an der Wirklichkeit orientierte jüdische Politik gäbe. Eine solche Politik müßte zwei hervorstechende Eigenschäften haben: sie müßte sehr elastisch sein und sehr mutig. Sie müßte ein unverrückbares Ziel haben: Grenz- Spannungen zu beseitigen oder doch zu mildern. Die Mittel hierzu werden in jedem Lande verschieden sein und — hierin hat wieder ״Am llaarez“ ganz richtig empfunden — nichts wäre falscher, als mit starren Begriffen und Prinzipien zu arbeiten. Die Leiter einer Politik, wie wir sic meinen, dürfen keine Doktrinäre sein. Das aber heißt, daß sie großen Mut haben müssen — nach allen Seiten. Daß sie — um gleich die beiden Extreme zu nennen — einen hohen Grad von Asslmilation in dem einen Land gutheißen, das sie verlangt als Gegenleistung für einen sehr hohen Grad wirklich durcliführbarer Gleichberechtigung, und zur gleichen Zeit von den Juden eines anderen Landes die Revision ihres Emanzipation*- heg ri ff es verlangen, eine freiwillige Aufgabe bereits erworbener Schein Positionen, falls diese die Gefahr in sich tragen, eine immanente Spannung zum katastrophalen Ausbruch zu bringen. Sie müßten dem einen Land vorschlagen, eine wohlerwogene Anzahl von Immigranten nach einem bestimmten Schlüssel, der ihre Eingliederung in den bestehenden Wirtschaftsorganismus erleichtert, zu verteilen und sich dabei durch nichts irre machen zu lassen — am wenigsten durch den Widerspruch der jüdischen Nächstbeteiligten. Sic müßten in einem anderen Land mit allem Nachdruck auf die Konzentration der jüdischen Massen auf bestimmtem territorialen Gebiet liinwirken, um auf diese Art die Grcnzspanming zu vermindern, weil sie in diesem bestimmten Fall das geeignetste Mittel ist. Und sie müßten bei alledem immer jenes Minimum an materieller und geistiger Wohlfahrt im Auge behalten, ohne das das Leben weder Wert noch Sinn hat. Von all dem sehen wir heute — nichts. Keine Konzentration derjenigen Kräfte auf jedem Gebiet, die uns immer noch geblieben sind und, richtig angewandt, unser Schicksal beeinflussen könnten. Keine klare Zielsetzung über den Tag hinaus, über die allerprimitivste Vorsorge der ״Rettung für den Augenblick“. Nur — Erez Israel! Aber — auch darin hat ״Am llaarez“ recht — Palästina allein genügt nicht. Lassen wir Aehad Haam aus dem Spiel. Eines ist klar: ein Zentrum, das dem jüdischen Volk draußen in der Diaspora sein soll, muß substantiell sein, muß an Größe, Zahl, Leistung ein beträchtliches Schwergewicht haben, muß in sich die Möglichkeit haben, sich ständig zu vergrößer 11. Ein Erez Israel, das nicht auch in hohem Grade [!nmigrationsland ist, wird in allen seinen Leistungen für das Judentum schwächlich bleiben. U!1d so wenig man im Hinblick auf Palästina draußen in der Welt auch nur das Geringste versäumen darf, was den Notstand des Judentums zu mildern vermag .- nicht einen Augenblick darf vergessen werden, daß Erez. Israel, wenn es auch nicht im wörtlichen Sinne die materielle ״Lösung“ der Judcnfragc bedeutet, so doch den weitaus wichtigsten, den c!1t sch eid enden Beitrag im Kampf um diese Lösung gibt. Auch in dieser Hinsicht heißt cs nicht, unsere zionistischen Begriffe zu revidieren, sondern unsere zionistischen Prinzipien zur Anwendung zu bringen. Wer aber sollte sie in Anwendung bringen — wenn nicht der Zionismus? Vor ihm stellt eine ungeheure Aufgabe, an die er sich nicht recht heranzugetrauen scheint, und die ihm doch niemand abnehmen kann noch wird. In der festen Uebcrzeugung, daß die wahre Erkenntnis der Dinge bei ihm liegt, muß er sich zum Vorkämpfer einer ״j ü d i sehe n Politik der Wirklichkeit“ machen — nicht nur in und in bezug auf Erez. Israel, sondern hinsichtlich des jüdischen Lebens in der ganzen Welt! Das bedeutet freilich einen riesigen Kampf gegen tausend Widerstände. C. Z. Klötzel, Jerusalem 25 Oft faß farüfrvi Am der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU" v. 11. 4.1913 ln Russisch-Polen tauchten fetzt wieder Gerüchte i’on einem Ritualmord auf, die Anlaß zu großer Erregung unter der Bevölkerung gaben. Nach eingehenden Vorbereitungen fand am 21. März d.J. im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eine Vorbesprechung von Vertretern des Deutsch-Israelitischen Gemeindehundes und des Jüdischen Frauenbundes unter Mitwirkung eines Vertreters des Deutschen Rabbinerverbandes und des Verbandes der jüdischen Lehrervereine statt, in der beschlossen wurde, am Sonntag, dem 4. Januar 1914, in Berlin eine Erziehungskonferenz zu veranstalten. JUWELIER Ankauf von Brillanten, Gold und Silber Ank.0.11/4854! LIPOWETZKI BERLIN W B, FRIEDRICHSTRASSE 193• (ECKE LEIPZIGER STRASSE) FERNSPRECHER IS 4« 39