Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1938)
- Date
- 1938-04-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLINER RUNDSCHAU Nr. 27, 5. APRIL 1938 Iwrith? — Iwrith I ״Warum soll das Kind eigentlich gar soviel Hebräisch lernen?“ fragen die Eltern. ״Wer weiß, ob wir je das Glück haben, nach Erez Israel tibersiedeln zu können — nicht alle kamt man ja dort brauchen! — und wenn uns nun das Schicksal nach Südamerika verschlägt — ist’s dann nicht wichtiger und allein erforderlich, die Landessprache zu lernen?!“ Immer wieder muß ihnen geantwortet werden: Gewiß ist Sprachcn-Lemen heute unser täglich Brot — und mehr noch: zur Erlangung des täglichen Brotes dringend er■ forderlich! — Aber dennoch: Kein Vater und keine Mutter weiß, was sie ihrem Kinde rauhen, wenn sie, wie es eine frühere Generation in irregeleiteter Fürsorge tat, die Nachkommen von der Berührung mit dem Mutterboden ihres Volkes trennen ... wenn sie ihnen nicht nur für ihr eigenes Leben den festen Halt entziehen, den ihnen ihr juchs«lies Volksbewufltsein, die Ueberzeugung, einem der ältesten und ehrwürdigsten Völker anzugehören, gibt — sondern warn sie ihnen auch die Brücke wegziehen, die sie einst irgendwo draußen in der Welt zu andern Juden, andern Stammes׳ und Schicksalsgenossen führt. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden — und mit hoher Anerkennung der Jüdischen Gemeinde in Berlin hezeugt werden! — daß allen diesen Kindern hier in Berlin die Gelegenheit gegeben wird, nicht nur ״Iwrith“ im Sinne der Alltagsspracbe zu lernen, wenngleich auch sie uns wert und geadelt erscheint durch den Dienst am neuen!.eben in Erez Israel — sondern mit wirklichem H e b r 8 i s c h vertraut zu werden, wie es uns in dem ewigen Buche überliefert ist, dessen sich unsere alte Gemeinschaft rühmt. Seit einer Reihe von Jahren schon lernt mau in der ״Hebräischen Lehranstalt“, die von der Berliner Jüdischen Gemeinde in verschiedenen Schulhäusern Jüdischer Schulen untergebracht wurde: im Augenblick ist die Anzahl der einzelnen Kurse bis auf fünfzig »!!gewachsen. Jeder, der etwa in den Nachmittagen oder den Abendstunden einmal bei dem Schulhause in der Klopstock־ straße oder in der Großen Hamburger Straße vorbei kommt, kennt diese Lerngemeinde: dorthin strömen Junge wie Alte, Kinder so gut wie bejahrte Männer und Frauen, die von den Ereignissen der letzten Jahre aus der früheren Bahn geworfen wurden — und nun zu neuem Leben und zu neuen Erkenntnissen streben. Hier lernen die Kleinen in der neuen bunten Fibel ״Dan we-Gad“ die Anfangsgriinde; dort lesen die Jugcndkursc in den neuen Lescheiten und den ״üiljonoth“, die ihnen Ieiditfaliliche Stücke aus der neuhebräischen Literatur vermitteln. Hintergrund all dieses Lernens aber bleibt itntncr. unser klassisches Schrifttum: die Bibel tritt den Kindem im Fi'mfbuch und im Samuel, den Größeren in den Propheten und Psalmen entgegen. Auch Miselma und Gemara werden in besonderen Kursen gelehrt, so daß auch die nachbiblische Entwicklung unserer alten Literatur zum Bewußtsein kommt. Die Erwachsenen, oder vielmehr die Schüler mit bereits erworbenen Sprachkenntnissen — nicht immer sind es die Erwachsenen, sondern öfter werden sie von den Kindern übertroffen, die sich spielend der alten Sprache be-!nächtigt haben, — werden dann auch mit neueren Schriftsteifem wie Achad Haam und Berdiczewsky, mit Dichtern wie Bialik und ' Tschcrnichowsky, mit Literaturhistorikern v.׳!c Lachower bekanntgemacht und gelangen in eigenen Lelirerkursen zur Unterweisung in den Unterrichtsmöglichkeiten der altneuen Sprache, — Auch ein arabischer Sprachkursus wurde von den Forderungen des Tages in Palästina diktiert und wird fleißig besucht. -s Makkabl-Abende Zu einer gesprochenen Zeitung mit dem Titel ״Unsere Rundschau“ hatte der Makkabi seine Berliner Mitglieder eingeladen. Der ״Leitartikel“, den Siddy Ooldschmidt unter der Ueherschrift ״Mut zum jüdischen Leben“ sprach, enthielt einen Grundriß der Situation und einen Ausblick auf die Zukunft des Makkabi und mündete in einen Appell zu gesteiger- 1er Mitarbeit. Ein feiiiempfinuieiies und geschmackvoll gesprocheues Feuilleton von Martha Wert heim er fand lebhaften Beifall. Dr. Kurt Lew in behandelte die Sorgen des Sportberichterstatters und beschäftigte sich mit Fragen unserer lugend, wobei er besonders auf die fugendalijah-Z.ertifikate nimvics. Georg Kopydlowski brachte einen Bericht über ״Wanderung ohne Mittel“. Im hebräischen Teil brachte Erich AHerthum eine humorvolle lujbriiische Kurzgeschichte aus längst vergangenen Makkabitagen. Günter Loewenstein erzählte im ״Letzten Telegramm“ Interessantes über Palästina, Wanderung und Makkabiarbeit. Ein ganz, anderes Bild bot die einige Tage später durchgefühlte Veranstaltung, in der der neueste Makkabifilm geboten wurde, ״Makkabijugend bei Sport lind Spiel“ war hier die Parole, An den f ilm anschließend sprach Dr, Hans F ri e d e n 111 a I über die Aufgaben des Makkabi in der Gegenwart, Er sprach von der Krankheit, die an unserem Volke frißt und die nicht eher gebessert würde, ehe wir nicht von unseren immer wiederkehrenden Assimilationsversuchen geheilt wirrden. Unser Schicksal würde überall in der Welt das gleiche sein, und nur die stetig weitergehende Aufbauarbeit des Zionismtus könne uns retten. Tröstlich waren seine Worte, daß der Judenstaat in nicht allzu ferner Zeit Wirklichkeit werden würde und sich dann vieles zu unseren Gunsten wenden würde,' Unser Schicksal sei nicht so hoffnungslos, daß wir den Mut und die Freude an unserer Arbeit verlieren müßten. Kein Mensch könne ohne Freude an einer Sache und ohne innere Zuversicht Leistungen vollbringen, und es wäre dringend notwendig, mit geeinten Kräften die Arbeit fortzusetzen. Zum Schluß sprach der Redner noch über einige vom Makkabi-Kongreß gefaßte Beschlüsse, deren Verwirklichung den Makkabi tim ein Stück in seiner Entwicklung weiterbringen dürfte. Familien - Nachrichten Fr;111 Amalie Ci ei sei, LieUmami-tr. 20, begehi am fi. Apnl den IOC, GetuirwUg. _____ , Barmiiwah-Tarmin«. Am 9. April (8. Nissan): Siegfried Nandor Breslauer, Sohn von 1,eiset Breslauer, Alt« Schönhauser Str. 3. — Ja!-et Itcriner, Sohn von Bernhardt llcimrr, Wcinlrcrgsweg 7. nicht vergesset!. Es gab für die Tänze von Nelly Hirsen und Ruth Gondel! lebhaften Beifall. Als eine Neuheit traten Singers Singer auf, ein Manncrcjiiartett, das nach Art der Revellcrs Gesangstücke vortrug. Es gab aber vor allein eine prächtige Repertoire-Schau, die Intendant Dr. Kurt deres launigen Worten einleitete. Max hatte lustige hierzu geliefn geschmackvolle und ti effettde Bilder Theater- und י >p iitlirungen der letzten Saison hatte \11slese gemacht. Jcdt Stück;len Kostümen Berliner Kulturbund zu sehen gewohnt ist. An diesein Abend sah mehr junge Menschen als sonst bei solchen gesellschaftlichen Veranstaltungen und als hei den Darbietungen des Kulturbundes, fm LTa ׳ z/y muan■ Brüdcrvcrcinshaus ן herrschte eine bcängstigende Fülle. *W amnWJHM ps ti 1 allsten sich die Paare, die Jngettd, und die ״reifere Jugend“ saß dabei. Relativ wenig vertreten war die Altersschicht derer um Dreißig. Fine reich beschickte Tombola, die u. a. eine Palästinareise enthielt, zog viele ..Interessenten“ an. Aber auch das Künstlerische wurde an diesem Abend ler mehreren Hauptdarstellern ken des Stuckes in karikieremieu Versen besungen. Der Golem hatte sogar ein Golrm-Icin mitgebracht, und in ״Amcha“ wurde man daran erinnert, daß man ,,durch das große Los die Kleine 105“ werden kann. Noch lange blichen die Besucher des Festes beisammen, nicht zuletzt auch an der Bic!■schwemme, der Camilla F. isner-Spir» in ihrer charmanten Art Vorstand. Es war ein vortrefflich gelungener Abend. a. h, t| ־־fF', ד*י׳ VH \ 0׳ K.'V4 Elternabend der Schule Rykestraße Es ist stets interessant, Kinder auch bei der iiichfailtäg:- liehen Arbeit zu beobachten; denn gerade die Freiwilligkeit, aus der das Tlicatcrspiclen und Konzertieren stammt, vermittdt einen Einblick in den Geist und die Zusammenarbeit der Schule. Der Elternabend, den die S c hule Rykestr a ß e am Sonnabend in der Aula Kaisersfraße gab, hiutcrlicß tiefgehende Eindrücke vom Gemeinschaftsgeist einzelner Klassen. Sehr viel Anklang Ta!Kien die hebräischen Lieder der 3. und 4. Klasse, besonders das hebräische ״Dudele‘‘, das außerordentlich innig vorgetragen wurde. Neben dein Cltnrsingcn standen zwei Gemeinschafts• leistungen, die sich sehen und hören lassen komiien. Die Klasse I b hatte das Wagnis unternommen, das dritte Bild aus Beer-Hofniatins ״Per junge David“ zu spielen — ein Wagnis vor allem, weil es sielt hier 11111 eine Partie aus dem Drama bandelt, die fast in metaphysische Hohen hinaufreidd. die nur wenig Handlung enthält, sondern den seelischen Kampf Davids zum Gegenstand hat, der sich entschließen soll, ob er den Philistern den Eid oder seinem jüdischen Volke die Treue halten soll. Der junge Darsteller des David legte die Rolle grüblerisch-melancholisch an. Er und seine Mitspieler schufen ein schönes Gemälde. Stürmischer Beifall belohnte die Jungen und Mädchen für ihre respektable Leistung. .- Nicht minder zu rühmen ist das Orchester, das ein junger Lehrer in mühevoller Kleinarbeit zusammengestellt bat, und das in einem Potpourri aus jüdischen Melodien zeigte, was cs kann. Einige Geigen, viel Mandolinen, eine Flöte und ein Schiffcrklavicr — diese Zusammenstellung erwies sich besottders bei den fortreißenden Horras als nicht schlecht. N, Die Jüdische Winterhilfe teilt mit: Auslieferung der Haßßadah durch den jüdischen Buch- Handel. Die jüdischen Buchhändler haben sieh bereitetklärt, die Auslieferung der Haggadah, die die Jüdische Winterhilfe ihren Spendern als Dank für einen besonderen Peßach-Beitrag überreicht, vorzunehmen. Alle Spender, die einen Gutschein besitzen, wollen diesen bei einer der folgenden Buchhandlungert vom 4. bis 14. April einlösen: C. Boas, Neue Friedriehst!60 ,־; Kcdein, Clinriottetiluirg, Dahlmannstr. 8; Gerhard Fuchs, Wormser Str. 6: M. Ganzer, Oranienburger Straße 26; Samuel Jurovicz, Wullcnwcberstr. 4,5; H. Lewin, Grenadierstr. 28; Rubin Maß, Charlottenburg, Pestalozzistraße 15; Philo, Pariser Str. •14; M. Poppelaucr, Neue Friedrichstr. 50; Kurt Rosenbaum, Meinekestr. 10; Wolf Salles, Grenadierstr. 3(1._ Rezitations-Abend. An Stelle des durch Krankheit verhinderten Willy Buschoff rezitierte im Kulturbund Otto Bernstein. Er sprach zwei Kapitel aus Werfels Verdi- Roman. Obgleich er־ dieselben Kapitel schon früher besproclten hatte, wirkten sie auch diesmal so stark wie ein Ersterlebms. Außerdem sprach Bernstein von Hesse ״Die blaue Ferne“, von Perez ״Die Zwiesprache“ u. a. R. M. Musikalisch-literarischer Tee Im Jüdischen Frauenbund. Auf einem musikalisch-literarischen T cf nachmittag der Bezirksgruppc Westend im Berliner Jüdischen Frauenbund wurden Schöpfungen der jungen Schriftstellerin Mala Laaser vor einem kleinen Kreise von Frauen vorgetragen. An Stelle der erkrankten Dichterin interpretierte hotte Holms mit großem Einfühlungsvermögen und st nt k er Aiisdrtuksfähigkcit Gedichte und Novellen: Gedichte mit fein erfühlten Natur- Stimmungen, Verse, die trotz aller Besehwingtbcit sieht dia Erdenschwere verlieren, und Novellen, dir dir Vielseitigkeif und Sprachgewandtheit ihrer Schöpferin zeigen. Rrsonders die Erzählung von ״Frkel (iawlicks letztem Tag“ fand mit ihrer etwas gruselig maeilenden Thematik großen Anklang. Die Erzählung von ״Hai,ו Mascha streckt sich nach den Decken" mit der Schilderung eines Waschtages hatte gerade hier ihr Publikum. . Hildegard I 1;י p s 1, ז d t (Limit) sang, von Dr. I!ermann Salomo ns ki begleitet, Arien von Taschaikowsky, Poncielli und Gourmet. a. h, Ankündigungen Fraucn-ArheitsßemcirnchJ’dt für Palästina. \\'ך״-!׳ ן׳־<«!יי {Tel. 03.90 31k’׳■-- V..r IV:: : h Hebräische Kurie der BZV. \! h n n׳; r ,**n die Kul!ural>־e'!ung' der H/A\, MrinricFMi. 10 (Id. 93 0!) und 79}. Sederahende der BZV. P.V H/V. v־!0?-■׳'!;׳-.״!־׳ Md•!־. Sederahende. Preis de■־ h׳־>rken1*n npdfTk« Vn:'!־Tr Bedienung 2,75 RVf. Aninddungen an die HAV-, Memrk ■ 91 90 31, App. 75 und 790 Hebräische Lehranstalt der Jiid. Gemeinde (f r, ii^mhu 10 (Tel Str. 27 In die bestehenden hebnmuhen und dido-riicn jvur-e werden Ted- Gr. Hamburger Str. 27 am 25. April, 20.30 Ihr; Klnp^nckstr." §S Jüdisches Lehrhaus. Kn^li wher Tuendvkuu, sp.miy her T,4£e?kuril \\ H'der'x'^in!!: 12. Apiii, 9 Ihr. l.n^Trlir, ־.|un,whe. pni 1<1jgip*Uch• Jüdischer Kulturbund. Die VcMiioabufi^en «m!0. I!nd 20. Apid! fa i b ■11 aus. Das Konzert vom 10. April wird auf den 21. April, 11.30 Uhr, Kuln1!11tm<|.Theater, veile״1,;•״-, Kom.cn vom 20. April auf den 13. Apnl im Kulm; bümU.1.T vorve!leg!. Uic 5 zilfgartg Johanna Meyer und Lotte Schwarz (Rnienhaum) 20.1.5 l’lir, *Marbuvger Sti. 5. ״ITancngfibmken 1 (Für den 5. April geh'mc K.ulcn!><■11.111 «•ri t;,,] Rahe! Ermnlnlknlt singt am 12. Mai, 20.15 Ul geirtluäie Kornpo,'״.״״״■״ <|cs n.uook’umi jm|i glciumg: ileinr, Fi,;.her. tu den vor .preehen am 25. April, n<1 T 1 aucngopueW‘, 1, Marbii.g׳ Sfr. I, che Vollnherler. lie■ /»BISCHER KULIURBUND BERLIN E.V. Veranstaltungsverlegung: UiHubzCH Sie■ bäte den S0Hdci--SäuteitdicHsi Laut behördlicher Anordnung mötsern die l'erentlallungert am io. und xo. April aus/allen. Da) Kontert vam Sormlna, dem 1a April, form., wird auf Sann• tag, dm 34. April, norm 11.10 Uhr, Kulturbund• Theater, verlegt Da) Kommet vom Mittvexh. dem 10. April, wird auf Miltwadi, den 13, April. 30 Uhr, bn Kulturbundiaal varverlegt Die Verlegung der gm 10. und 20. April ilattfindcnden Theater• vanleilgngen wird dm Mitgliedern direkt bekennt gegeben. Umtaaxmdieine behalten für die verlegten Termine ihre CtölHgkeU. für Familiennach richten und GelejenheiUanxeigen. Auf Anruf 91 90 31, Apparat 89, werden Sie besucht und fachkundig; beraten ANZEIG EN-VERWALTUNG, BERLIN W15 Klavierstimmer PEREZ I m. Klavierstimmer Ruf: 7219IQ lund Raparataur / T,u!8T804« Donnaratag, 14. April, 20.,5 Uhr, Joachimsthaler Straße 13 (Aula) DR. ARTHUR PRINZ Wanderungspolitlk als natipnaljüdischQ Aufgabe BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG