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Jüdische Rundschau · 1938-04-05 · Heft 27 (5.4.1938) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 27 (5.4.1938)
Date
1938-04-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27. 5. IV. 1938 ZumTode von RosaBodenheimer Die Nachricht vom Tode Rosa Bodenheimers wird »dele_ Frauen des Auslandes, die in ihr seit Jahrzehnten eine tatkräftige und gescheite Kameradin im Kampfe Sur die Rechte der trau kannten und achteten, sdimer/iich berühren. Unter den jüdischen Frauen wissen nur noch die Aäteren, daß mit ihr eine der Lrsten, weiche die Frauen zur Teilnahme am palästinensisehei! Aufbauwerk organisierte, dahingegangen ist. Rosa Bodenlieiiner, deren Leben — neben der Sorge für Haus und Familie — ausgefüilt war mit dem Kampf für Frauenreehtcg wurde frühzeitig durch ihren Gatten Max Bodenheirner, den Freund und Mita nieder Theodor Hcrzls, in den zionistischen Kreis hincingc/ogen. Wohl so'lte cs noch jahrelang dauern, bis ihr Herz sich ganz der zionistischen Idee ergab, aber das Ahscitsstehen der jüdischen Frau empfand sie als unwürdig. Ermutigt durch die ersten Frauen, die nach Palästina gegangen waren, berief sie zusammen mit der Gattin von David Wollfsohn und einigen jungen Zionistinnen im Jahre 1907 eine Konferenz jüdischer Frauen nach dem Haag. Dort wurde der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina gegründet. Der Name war typisch für die Unklarheit, in der stell damals die Frauen gegenüber der neuen Bewegung befanden; noch wagte man nicht, offen unter der Losung des Zionismus aufzutreten. War die Tätigkeit des ״Kulturverbandcs“ auch bescheidenen Umfanges, so soll es doch als eine historische Tatsache anerkannt werden, daß zu einer Zeit, als die praktische Palästina-Arbeit der Zionistischen Organisation kaum noch begönnen hatte, gerade die Frauen den Mut zu saldier Arbeit fanden. Ihr erstes kleines Werk war die Ausbildung einer jüdischen Krankenschwester — eine Vorläuferin der jüdischen Schwestern aus Amerika, welche die ״fladassah“ ein Jahrzehnt später ins Land sandte. Dann entstanden die Werkschulen für Mädchen in Jaffa, Lkron, Jerusalem, Tiberias und Safed. Je mehr es Rosa Bodcnlieimer und ihren Mitarbeiterinnen gelang, die Organisation des Kulturvcrb,indes zu stärken, desto mehr Arbeiten konnten in Palästina begonnen werden: im Anschluß an Dr. Auerbachs Klinik in Haifa wurde ein kleines Entbindungsheim geschaffen, dem ein!.weites in Jaffa folgte. In Zusammenarbeit mit Palästina-Amt und Keren Kajemeth wurde kurz vor dein Kriege die erste Schulfarm für Palästina unter Ghana Maiscls Leitung geschaffen. Kurz nach dem Kriege entstand — als organisatorisch und finanziell weit stärkere Fraucnorganisalinn — die Wiza, in die der Kulturverband allmählich rmimieic. Audi der neuen Organisation wandte Rosa Boden heim er sofort ihr Interesse zu. ln den Jahren nach dem Kriege, als der Kreis der zionlstisch arbeitenden!matten in Deutschland sich bedeutend andern und 7«g 5ich wieder vorwiegend aut ihren Kampf für Frauenrechto in der Welt-Frauenbewegung zurück. Nach der l 'ebersiedlung der I amilie Bodenheimcr nach Amsterdam nnlmt sie a:1,h dort an der allgemeinen Frauenlind als sie mit ihrem (bitten vor drei Jahren nach Jerusalem übersiedelte, wünschte sie innigst, ihre große Energie und Bodenheimcr fand bald den Weg zu'der'״Vereinigung palnstinensischcr Frauen für Gleichberechtigung“•, auch für die Vor- Sammlungen der I lisfadruth Nashim interessierte sie sich. Besonders aber war sie bestrebt, einen privaten kleinen Frauenkreis zu schaffen, der führende FrauCm und die Fraticnpresse des Auslandes über Palästinafragen informieren sollte. Eine der schönsten Leistungen, die Rosa Bodenheimcr gemeinsam mit ihrem Gatten in Palästina vollbrachte, war die Voranstaltung von Abenden zur Erörterung wichtiger Probleme des Landes in ihrem Hause. Helene Hanna Thon (Jerusalem) Ein jüdisches Dorf vor hundert Jahren Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: fm ״Dawar‘‘ herichtet J. ßen-Zwi über einen kurzen Versuch einer jüdischen landwirtschaftlichen Siedlung, der vor hundert Jahren auf dem Gipfel des Azmoii in der Nahe von Safed gemacht wurde. Der Gründer war Israel Beck, einer der Führer des alten lischuw in jenen lagen, und das Dorf bestand zwei Jahre,' von der Zeit des Erdbebens 1817 bis zu den Kriegen zwischen dem Sultan und dem Pascha von Aegypten 1830, d!e der Siedlung ein. Ende _ machten. Der!«1'ja'hren,'' und \ct/'te 1 ז':ose"Arhc-it V17t Dhre'lang'fort"'lnzwischen wurde Safed KM von den Drusen überfallen und lüTdlutigskind 'lind < rtueh'YiViidilich ' Boden" auf * de 07 GipfeJ des A/mnn?״geteilt. Ais Ende 1837 das große Erdbeben Safed heimsuclite und auch seine Druckerei zerstörte, ging Israel Beck an die Besiedlung der ihm 7r,geteilten Böden. Ftint asdikcnasiM'ke 1 amörm ließen sich dort nieder. Montef iores Iran schildert die Siedlung in ihrem Tagebuch näherte, kam ihnen der Sohn Israel Be. ks zu Pferde entgegen. Im Dorfe lud sie Israel Beck seihst in sein Hans, in dem gerade der Brill! an seinem jungst geborenen Sohne vollzogen wurde. Damals wohnten schon zehn Familien im Dorf, die Sir Moses ,Montefiore eine Denkschrift überreichten. Israel Beck beschreibt die Ansiedlung seihst folgendermaßen (gedruckt in ״Clmmazeleth“ 1871): ״Das Dorf steht auf der Spitze des Berges, umgeben von Quellen ... Vorher waren hier Gärten und Friichtgärtcn, jetzt aber gibt es dort nur Wald und große Steine ... Nach dem Erdbeben, das Safed lind Tiberias in seinem Grimme umkehrte, war ich gezwungen, in das Dorf zu ziehen, das mir der Pascha gegeben hatte. Ich baute dort Wohnhäuser, legte mir Gärten an, säte Felder, und noch i!n selben Jahre aß ich reichlich von dein Ertrag der Erde. Im zweiten Jahre hatte ich Großvieh und Kleinvieh, Pferde und Esel, und mit Gottes Hilfe hielt ich auch den Schabbat und alle Gebote, die mit dem Lande verknüpft sitd, und mein Haus stand den Menschen offen und der Segen Gottes ruhte auf allen meinen Werken, im Hause und aut dem Felde. Wenn der Ort auch für die Saat nicht günstig ist wegen der vielen Steine, so hatte ich doch Erfolg, und Gott halt mir. Und wäre nicht das viele Ungemach gewesen, das im Jahre 1839 durch den furchtbaren Krieg zwischen unserem Herrn, dem Sultan, und dem Pascha von Aegypten über uns kam und in dessen Verfolg ich gezwungen wurde, dieses liebliche Dorf zu verlassen, dann wäre ich glücklich gewesen! Jeder Einsichtige versteht, daß, wenn mir dies in Obergaliläa gelang, das ungünstiger ist als das son- *tige Palästina, und wenn es mir 1837 gelang, zu säen und zu pflanzen, Kleinvieh und Großvieh zu züchten, es lächerlich ist, wenn die Menschen sich heute fürchten, mir gleich zu tun, wo die Augen unseres Herrn, des Sultans, über das Land wachen. Wenn Gott uns wohl will und unsere Brüder zu dieser großen Sache bewegt, dann werden sie Frieden und Gutes genießen und Gottes Segen finden in all ihrem Beginnen.“ Araberterror hält an Wieder ein Jude getötet Der 22jährige jüdische Gaffir, Mordcchai Baer, wurde bei einem Ueberfall auf eine Gruppe von zwanzig jüdisehen Arbeitern, die im Waldgebiet des Karmel eine Straße bauten, erschossen. Die Angreifer feuerten ungefähr sechzig Schüsse auf die Arbeiter, die nur von zwei Uaffirim bewacht wurden, die sofort das Feuer erwiderten, wobei Baer getötet und ein zweiter Jude leicht verwundet wurde. Die Araber raubten vier Rescrvcgewchre und ergriffen die Flucht. Baer kam im Jahre 1936 aus Deutschland nach Palästina und war ein Mitglied der Arbeitergruppe der Agudath Israel. Der Leichnam eines Arabers wurde am folgenden Tage In der Nähe des Gefechtsortes gefunden. Noch zwei Opfer bei Safed Die Leichname von Allegra Mozeri und dem Chauffeur Shichrur, den beiden Vermißten des Atitoüberfalle» bei Safed, wurden gefunden und nach Haifa zur Beisetzung überführt. Bei diesem Ueberfall kamen also insesamt sechs Juden ums Leben, darunter ein acht Jahre alter nabe. Beide Leichen wurden 2 km von der Ueberfallstelle entfernt aufgefunden. Allegra Mozeri ist die 19jährige Toclitcr eines scphardischcn Rabbiners aus Haifa und sollte am Freitag heiraten. Ein Grenzpolizist, der am Montag mit einem Gewehr bewaffnet fortging, um die beiden Opfer zu suchen, ist noch nicht zurückgekehrt. Der innere Araberterror Eine Bande bewaffneter Araber fiel nachts in das Araberdorf Mujeidal ein und forderte Geld. Als ihnen dieses verweigert wurde, zündeten sie das Haus von Jusscf Schajit, der mit Frau und Kind im Hause war, an. Die arabischen Nachbarn trauten sich nicht, ihnen zu Hilfe zu kommen. Fünf jüdische Gaffirim, die Schreie hörten, eilten herbei, vertrieben die ungefähr zwanzig Mann starke Bande und retteten die Opfer, die schwere Brandwunden erlitten hatten. Das Dorf Mujeidal unterbreitete den Behörden ein Gesuch, unter den Schutz jüdischer Wächter gestellt zu werden. In dem Dorf Dair Scheik bei Jerusalem wurden zwei Araber von Terroristen ermordet; bei Dschenin verschleppte eine Terroristenhande zwei Araber, und zwei Banditen wurden von arabischen Wächtern erschossen, als sie versuchten, in einem Dorf bei Jerusalem Vieh zu stehlen. Ein Araber namens Ahmed lllayer wurde in Akko von Terroristen erschossen. Die arabische Zeitung ״Felcstin“ berichtet, daß in das Haus des Ministerpräsidenten von Transjordanien, lbrahint Haschern in Amman, eine Bombe geworfen wurde, die jedoch nicht explodierte. Die Rechtszustände in Palästina Ein palästinensischer Rechtsanwalt veröffentlicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird^ in der Rechtsbcilage des ׳,Haarcz“ in launiger Form seine Erfahrungen im palästinensischen Rechts wesen: Es gibt beim Gericht nicht nur Gewinnende und Verlierende, sondern noch die besondere Kategorie derer, die Vertagung beantragen. Die Verschleppung der Prozesse ist hier eine besondere Kunst, und es gibt darin Meister und Künstler geringeren Grades. Die letzteren arbeiten mit ärztliche!{ Zeugnissen und erreichen damit eine kurze Vertagung. Aber der wahre Künstler eröffnet die Verhandlung durch einen unerwarteten juristischen Einwand, der die Gegenscitc und das Gericht in gleicher Weise verwirrt. Dann bcschließt der Richter selbst eine Vertagung auf lange Frist, die ihm gestattet, den Fall in seiner Freizeit genau zu studieren. Wenn der Beklagte z. B. erklärt, daß das Gesetz, auf das sich die Klage stützt, im Gegensatz zum Mandat steht und daher keine Gültigkeit hat, so werden drei, vier Gerichtssitzungen über die Frage abgehalten, ob das Mandat in Palästina Gesetz ist 11 sw. Besonders die arabischen Rechtsanwälte sind Meister in der Verschleppung von Prozessen, und sie haben darin ihr eigenes erprobtes System. Zuerst leugnen sie die Unterschrift ihres Klienten auf der in dem Prozeß nroduzierten Urkunde und erklären sie für eine Fälschung. Natiirlieh wird die Verhandlung unterbrochen und der Kläger wegen Urkundenfälschung vor ein Kriminalgericht gestellt. Hat er dort nach sechs Monaten seine Unschuld erwiesen, so beginnt der Prozeß von neuem. Jetzt aber fordert der gegnerische Anwalt die Bestellung von Sachverständigen, die die Echtheit der Unterschrift seines Klienten bestätigen sollen. Neigen auch die Sachverständigen zur Anerkennung der Unterschrift, so zieht er ihre Qualifikation in Zweifel, und so gelingt cs ihm, die Angelegenheit weiter hinauszuschicbcn. Die Sachverständigen können dann noch verschiedener Ansicht sein oder ihr Amt direkt vor Beginn des Termins niedcrlcgeii, ein Gericht kann es dem anderen überweisen, bis schließlich der Fall so kompliziert geworden ist, daß niemand ihn mehr behandeln will. Schließlich fordert der Kläger einen britischen Richter. Wieder leugnet der Verklagte seine Unterschrift, wieder werden Sachverständige bestellt und einer von ihnen legt sein Amt nieder. Ein neuer Sachverständiger fallt seine Entschcidüng ohne Beratung mit dem anderen Sachverständigen. Der Anwalt des Beklagten erklärt deshalb sein Gutachten für ungültig. Der verzweifelte Richter verfügt, daß die Expertise jetzt sofort und in seiner Gegenwart erfolgen muß. Wieder gibt es Meinungsverschiedenheiten unter den drei neuen Sachverständigen. Der Richter aber widersetzt sich einer neuen Vertagung und verlangt, daß der Anwalt die Sachverständigen an Ort und Stelle auf die Probe stellt. Diese Prüfung geht so aus, daß der Beklagte den Einwand, seine Unterschrift sei nicht echt, nicht länger erheben kann. Aber der Anwalt kommt mit dem neuen Einwand, daß der Geldfordcrung keine Leistungen entsprächen und verlangt Vertagung. Der Richter aber besteht auf sofortigem Beweis. So vermag er es durch* zusetzen, daß der Prozeß an einem Tage beendet wird. Bestätigtes Todesurteil gegen einen Juden Jerusalem, 1. April. (Paicor.) Heute morgen fand die Berufungsverhandlung gegen den jüdischen Polizisten Schwartz wegen des über ihn verhängten Todesurteils sfatt. Die Entscheidung des Schwurgerichtes, daß es sich bei der Erschießung eines Arabers um vorsätzlieben Mord handelte, wurde aufrechterhajten. Die Richter Greene und Copland bildeten eine Mehrheit hierfür, während Richter Frumkin der Ansicht war, daß der Mord nicht mit Vorbedacht begangen war. Das Todesurteil ist demnach bestätigt worden. In Anhrtracht der Meinungsverschiedenheit unter den Richtern will jedoch der Anwalt von Schwartz gegen die Entscheidung Berufung einlegen. Von der Woche Im Monat März kamen 2700 Einwanderer nach Palästina. Die Tel-Avlver Stadtverwaltung stellte für das Jahr 1039 ein Budget von über einer halben Million Pfund auf. 44 Araber, deren Haftdauer fm Konzentrationslager von Akko ahgclaufcn war, sollen für weitere drei Monate dort zu r üc kb eh a 11en werden. Wegen der Ueberfälle auf Autos auf der Landstraße bei AfliTit ist dem in der Nähe gelegenen Araberdorf Igzem eine Geldbuße von £ 500 auferiegt worden. In einem Interview erklärte der polnische Konsul, daß die in Palästina lebenden Juden aus Polen nicht von dem neuen polnischen Staatsangchörigkeitsgcsetz betroffen würden, da die meisten von ihnen weiter mit Polen in Verbindung stehen. ״Beth Jisrael“. Unter dem Motto ״Emeth weemunah" — Wahrheit und Glaube — hat sieb in Tel Aviv eine Gruppe zusamincngeschlassen, die es als ihre Aufgabe betrachtet, den Jisclmw in einen lebendigen Zusammenhang mit der Entwicklung der hebräischen Kultur und Religion zu bringen. In der Uebetzeugung, daß gerade uns in Erez Israel die Aufgabe gesetzt ist, das religiöse Empfinden zu wecken und neue Ausdrucksformen dafür zu suchen, wendet sich Beth Jisrael an die Menschen, die den Wunsch haben, ihr Leben von den Werten jüdischer Tradition und jüdischen Fortschritts durchdringen zu lassen. Beth Jisrael arbeitet seit einem halben Jahre im kleinen Kreise und wird anläßlich der Peßachfeiertage mit einem Gottesdienst (in Tel Aviv, 11 Bialik Street) vor die Oeffentlichkeit treten, der dem jüdisehen Menschen das Erlebnis dieses religiösen und nationalen Festtags vermitteln will. Als Chasan fungiert Jehudah Riasanzew, die Ansprache hält Rabb. Dr. Meir M. Rosenberg. Am Abend des 15. April beginnt der Gottesdienst um 17.45 Uhr, am 21, um 18 Uhr, am Morgen des 16. und 22. April um 9 Uhr. Interessenten wollen ihre Adressen an Beth-Jisrael, Tel Aviv, 32 Schalom Alechem Street, senden. Pallatfna-Postkarten. Im Verlag ״Haolam“ erschien eine Serie Karmel-Landschaften in Postkartenform, die erste Künstlerpostkarte, die Palästina hcrausgibt. Es handelt sich um Reproduktionen der Aquarell-Oemälde von Esther Kleinmann, die kürzlich in der Karmel-Kunstausstellung das besondere Interesse des Publikums erregten. Deutschland — Palästina Deutschland und der Wirtschaftsaufbau des Vorderen Orients (Türkei, Aegypten, Iran, Irak, Syrien-Libanon, Palästina). Von Dr. rer. pol. Reinhard Hübet (Strömungen der Weltwirtschaft, herausgegoben von Prof. Dr. Ernst Schultze). — Ferdinand Erike Verlag, Stuttgart 1938. Reinhold Hiiber, der als Hauptschriftleiter der vom Deutsehen Orientvcrcin heratisgegebcnen ״Orient-Nachrichten“ über umfangreiche Informationen auf dem Gebiete der Orientfragen verfügt und insbesondere die wirtschaftliche Seite der orientalischen Probleme kennt, hat in der vorliegenden Schrift eine sehr instruktive Uebcrsicht über die gegenwärtigen Problcme der vordcroriciitalischcn Länder gegeben. Der erste Teil der Arbeit behandelt die Grundstruktur des orientalischen Lebens vor dem Kriege, zeigt dann den Wandel, der in der Nachkriegszeit eingetreten ist und weist in diesem Zusammenhange u. a. auch auf Palästina hin. Hübcr nimmt in diesem Zusammenhänge eine pro-arabische Stellung *ein und spricht von einer Vergewaltigung der Araber des Landes durch die Juden, der die Araber sich nicht anders erwehren konnten als durch Aufstände. Das demokratische England habe ständig Ausflüchte gebraucht, um eine gerechte Volks- Vertretung in Palästina zu verhindern. Huber behandelt sodann die Stellung des Orients im Straßennetz der Welt und die orientalischen Vcrkehrsprobleme. Der zweite Teil der Arbeit ist den einzelnen Wirtschafts־ gebieten des Vorderen Orients gewidmet, und hier erhält Palästina ein eigenes Kapitel. Darin wird die Bevölkerung, die Einwanderung, die Stellung der Jewish Agency, die wirtschaftliche Lage des arabischen Bevölkerungsteils, die wirtschaftlichen Vorschläge des Peel-Berichtes, die Frage der Währung, des Staatshaushaltes, des Bankwesens, der jüdisehen und arabischen Landwirtschaft, der jüdischen Industrie mit ihren gegenwärtigen Schwierigkeiten sowie der arabischen Industrie kurz dargestellt. Dabei sagt Hübcr u. a., daß ganz radikale Zionisten den Arabern Palästinas bereits ״die Holle des roten Mannes in Amerika“ zugedacht hätten. Wenn damit gesagt sein soll, daß man an eine Ausrottung der Araber Palästinas gedacht habe, dann muß das auf einem unerklärlichen Mißverständnis beruhen. Selbst diejenigen, die von Anfang an den Gedanken des Judenstaates vertreten haben, in den ganz Palästina umgewandclt werden sollte, haben niemals angedeutet, daß eine solche Idee mit eine׳/ physischen Vernichtung der in Palästina lebenden Araber verbunden sein sollte. Der letzte Abschnitt des Buches ist den Wirtschaft* liehen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Orient gewidmet. Bei Palästina wird auf die Schrumpfung des Gesamtvolumens des Wirtschaftsverkehrs gegenüber 1935 hingewiesen. Es wird die besondere Vielgestaltigkeit der in Palästina ein- und ausgeführten Waren nervorgelioben, was mit der eigenartigen Wirtschaftsstruktur Palästinas Zusammenhänge, sowie auf die wichtige Stellung, die Deutschland im palästinensischen Außenhandel cinnimmt. Dieser Teil der Arbeit ist mit zahlreichen instruktiven Tabellen ausgestattet. Das Buch dürfte als Uebcrsicht über die ־wirtschaftlichen Verhältnisse der vordcrorientaüschcn Länder für jeden Interessenten von Nutzen sein. Eine Drahtfabrik in Haifa hat am 13. März ein neue• Gebäude eröffnet. Das Werk, das auch nach Syrien und dem - Irak exportiert, stellt alle Sorten Nägel aus Draht und sogar Wellnägcl aus Blech, Unterlegscheiben und kleine elektrische Stanzartikel her. Das Werk wurde von Eugen Wilbushewich gegründet, der es technisch leitet, wfihrena die kaufmännische Leitung bei Hermann Seidel liegt. (Schluß de• Pallstlnateils)

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