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Jüdische Rundschau · 1938-04-05 · Heft 27 (5.4.1938) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 27 (5.4.1938)
Date
1938-04-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PAL'ÄSTINA-B IATT Nr. 27, 5. APRIL 1938 In der Jordansenke Die Aufnahme zeigt die älteste Kwuzah des Landes, Deganiah A, im Jordantal inmitten der ebenso schönen wie großartigen Landschaft. Links vom Wohnhaus der Tiberiassee, im Hintergrund die Berge des Ostjordanlandcs. Fo>°; xh una XXL lililS *ייייוי ' TV ׳יי. ״* ' ״ Die erste jüdische Landwirtschaftsschule Aus der Geschichte Mikweh Israels Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, 27. März 1938 Die Leitung der landwirtschaftlichen Knabenschule hatte die jüdische Presse an einem der letzten schönen Frühlingstage auf ihren Besitz draulien an der Chaussee Tel Aviv— Jerusalem cingcladen, um ihr in einem längeren Rundgang die Anstalt zu zeigen und über den Stand des Instituts zu berichten. Die Presse folgle der Einladung mit Freuden. Es tut in der heutigen Zeit, wo sowohl in Wirtschaft als auch in Politik nur über schwierige Probleme zu berichten ist, besonders gut, sich mit einer Anstalt zu befassen, die jenseits aller dieser Tagesfragen liegt und uns darauf hinweist, daß an den Grundaufgaben unserer Arbeit weitergearbeitet wird. Daß Mikweh für den Stadtbewohner besonderen Reiz hat durch seine großen Bäume, die die alten Gebäude beschatten, durch die schönen Alleen und üppigen Pflanzungen, erwies sich in dieser Frühlingszeit, wo alles unter einem Blumenteppich verschwindet, aufs neue. Mikweh Israel, auch dem eiligsten Besucher Palästinas durch den Blick bekannt, den die Jerusalemer Chaussee auf seinen alten Baumbestand freigibt, hat unter den palästinensischen Institutionen einen eigenartigen Platz. Es ist unter all den frischgebackenen, kaum noch fertigen, dauern« in Um- Wandlung und Ausbau begriffenen Anstalten, die für das Land typisch sind, ein Veteran, nach palästinensischen Begriffen fast eine Antiquität. Mikweh Israel wurde gegründet, als es in Palästina noch keine einzige jüdische Siedlung, keinen Ansatz zu dem modernen Jischuw, geschweige denn eine Zioliistische Organisation gab. Karl Netter, der Gründer der Schule, der auch in Mikweh begraben ist, erlangte vom türkisehen Sultan eine Bodenfläche von 2600 Dunarn und begann das — damals phantastisch anmutende — Werk jüdische Landwirte im Namen der Alliance Israelite Universelle heranzubilden. Das war damals im Jahre 1S70 etwas geradezu Unerhörtes, und es ist typisch für jene Zustände, die man sich heute in Palästina kaum mehr vorstellen kann, daß das Institut große Mühe hatte, um Schüler zu finden. Denn wer unter Juden wurde damals Landwirt, und wer ging damals nach Palästina, einer der verwahrlosten Provinzen der Türkei, die von Europa unendlich weit weg lag? Es gab zwar einen jüdischen Jischmv im Lande, aber er war in den wenigen Städten konzentriert und er kam hierher^ um zu beten und zu sterben, und wurde durch die frommen Spenden der Juden aus aller Weit um dieses religiösen Zweckes willen erhalten. So hatte Mikweh Israel in den ersten 20 Jahren seines Bestehens, von 187Ü—00 nur 20—40 Schüler. Dann begannen unter den größten Schwierigkeiten und zögernd die Ansätze der jüdischen Kolonisation im Lande. Der Boden für Petach- Tikwah wurde erworben, Rischon-Le-Zion, Sichron Jaakow und Rosch-Pinah gegründet. Von 1800 an bis zum Ausbruch des Krieges stieg das Interesse der Oeffentlichkeit an der ersten landwirtschaftlichen Schule und damit auch die Zahl der Schüler. Das Unternehmen war jedoch bis zum Kriege noch völlig anders gestaltet als heute. Die Unterrichtssprache ■ war französisch, dig Arbeiter, die neben den Schülern den Betrieb versorgten, waren Araber. Noch immer war die Nachfrage nach Plätzen so gering, daß kaum Schulgeld gefordert wurde. Die ״Alliance“ erhielt nicht nur den Betrieb, sondern auch in der Regel die Schüler. Die große Wandlung in der Anstalt kam nach dem Kriege und ging parallel mit dem erwachenden jüdischen Leben im Lande. Die Unterrichtssprache wurde hebräisch, die Arbeit jüdisch, die Z a h l der Schüler wuchs dauernd an, und der Unterricht wurde modernisiert. Es wurde ein Lehrerstab zusammengestellt, der den vergrößerten Anforderungen genügte und sich nach Lehrfächern gliederte. Das Budget wuchs, während die finanziellen Möglichkeiten der Alliance geringer wurden. So wurde auch hier eine Umwandlung erzwungen, indem ein immer größerer Prozentsatz des Budgets aus dem Lande selbst kam, zum Teil aus den Sch 11 Igeldern, die jetzt obligatorisch wurden, zum Teil aus den Erträgnissen der Wirtschaft, die sich unterdessen gut entwickelt hatte. Mikweh Israel ist heute eine landwirtschaftliche Schule für Jungen, die in einem dreijährigen Kursus in samtliehen landwirtschaftlichen Fächern ausgcbildet werden und in einem Internat untergebracht sind. Die Anstalt steht seit langen Jahren unter der Leitung von Krause, einem Agronomen von langjähriger Palästinacrfahrung. Heute umfaßt die Schule 292 Schüler, die aus aller Herren Länder zusammengekommen sind. Nach Erdteilen geordnet, weisen die Schüler folgende Herkunft auf: Europa 174; Afrika 10; Asien 5; Amerika 5. Dazu kommen 98 Palästinenser. Unter den 174 Europäern sind 53 Schüler aus Deutschland, ein Teil davon aus der Jugendalijah, ein Zeichen dafür, welch großen Prozentsatz heute die Juden aus Deutschland für den landwirtschaftlichen Nachwuchs liefern. Mikweh Israel gibt außer der normalen Ausbildung innerhalb der Anstalt von Zeit zu Zeit A ti s b i 1 d u n g s k u rs e in landwirtschaftlichen Spezialgebieten, wobei es sein Personal und seine grolle entwickelte Wirtschaft für Unterrichtszwecke zur Verfügung stellt. Es werden neben der praktischen und Instruktionsarbcit auch Versuche, insbesondere über Düngung und Bewässerung, durchgeführt. Mikweh Israel verkörpert in sich ein Stück Palästinageschichte. Es gibt nur sehr wenige Institutionen im Lande, die auf eine fast 70jährige Arbeitszeit zurückblicken können und es verstanden haben, mit der Entwicklung Schritt zu halten und sich in die moderne Kolonisationsarbeit hineinzustellen. Die Tatsache allein, daß Mikweh am Anfang seine Schüler suchen mußte, während es heute meist nicht genug Platz für alle Anwärter hat, ist ein Zeichen für den Um- Schwung, den Erkenntnis und Zwang zugleich in der Stellung der Juden zum Bcrufsproblcm hervorgebracht haben. Diese Stellung auch unter günstigeren Verhältnissen im Publikum zu erhalten, und zwar innerhalb und außerhalb des Landes, ist eine der wichtigsten Aufgaben der zionistischen Bewegung. Rein jüdische Polizei in Tel Aviv Tel Aviv hat das Recht erhalten, eine rein jüdische Polizeitruppe zu halten. Die Verfügung ist von Sir Charles Tegart, dem Polizeiberatcr der Palästinaregierting, ausgegangen. Die britischen Polizisten der Tel Avivcr Pdlizei- Streitkräfte werden in Spezialabteilungen zusammengefaßt, die nur bei besonderen Gelegenheiten eingesetzt werden. (Diese Anordnung beendet einen alten Streit, der um den Charakter der Tel Aviver Polizei geführt wurde. — Red.) Vom Tel Aviver Arbeitsamt Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ bringt eine ausführliche Darstellung der Zustände im Tel Aviver Arbeitsamt, in der es u. a. heißt: Das Problem der Beamtenschaft ist ein schweres, in guten wie in bösen Zeiten. In guten Zeiten findet man schwer Menschen, die bereit sind, diese (gering bezahlte) Arbeit zu übernehmen, und in schlechten Zeiten brechen die Menschen unter der Last der Arbeit zusammen. Unter den Beamten sind wenige, die eine langjährige Dienstzeit hinter sich haben. Der Typus des Beamten, der sich für seine Aufgabe spezialisiert hat, ist bei uns noch nicht erstanden. Abgesehen von einigen zufälligen Seminaren ist für die Ausbildung dieser Beamten noch nichts geschehen. Bis heute ist man sich bei uns noch nicht darüber klar geworden, wer besser für einen Bcamtenpostcn geeignet ist, der ausgebildete Fachbeamte oder ein Mann aus den Reihen der Arbeiterschaft, der das Leben des Arbeiters aus eigener Erfahrung kennt. — Nicht nur die Arbeit vom frühen Morgen bis in die späte Nacht ermüdet den Beamten, auch das Bewußtsein, daß seine Leistung hinter den Notwendigkeiten Zurückbleiben muß, daß er in vielen Fällen keine Hilfe bringen kann, zehrt an seinen Kräften, Gerade Menschen, deren Herz offen und deren Gemüt weich ist, versagen an dieser Stelle am ersten. Aerzlliche Untersuchungen und die Tatsachen beweisen, wie schnell sich die Beamtenschaft hier verbraucht, wie die Gesundheit der Menschen durch die schweren, ungeordneten Arbeitsbedingungen erschüttert wird. Das liegt natürlich nicht nur an der geringen seelischen Widerstandsfähigkeit der Beamten, sondern auch an verbesserungsbedürftiger Organisation der Arbeit und ihrer Bedingungen. Die Hetze und Nervosität, die nie abreißende zeitlich nicht be- Jüdische Zeitungen in arabischer Sprache Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Im ״Dawar“ berichtet Michael Assaf über den ersten Jahrgang der von ihm geleiteten arabischen Zeitung ״Hakikat el Amr“. Die Zeitschrift ist eine Wochenschrift. Sie begann ihr Erscheinen im Frühling 1937 in einer Zeit hoffnungsloser Spannung zwischen Juden und Arabern. Viele Jahre hindurch waren die zionistenfeindlichen arabischen Blätter die einzige Informationsquelle über den Zionismus für die Araber. Trotzdem sehen die Herausgeber schon nach diesem ersten Jahre die Lage nicht als verzweifelt an. Der anfängliche Pessimismus führte sie dazu, die Auflage der neuen Zeitschrift aut 1000 Exemplare festzusetzen. Von jeder Nummer aber sind durchschnittlich 3500 Exemplare verbreitet worden, 500 unter Juden und die restlichen 3000 unter den Arabern Palästinas und der benachbarten Länder, Noch weitere 1000 Stück könnten leicht unter den Arabern verbreitet werden, wenn sich mehr freiwillige Helfer finden würden. Die Zeitschrift hat das jüdisch-arabische Problem wahrheitsgetreu behandelt. Sie hat weder die Forderungen nach großer jüdischer Einwanderung noch die nach jüdischer Arbeit verschwiegen. Die arabische Presse hat das Erscheinen der jüdischen Zeitschrift in arabischer Sprache unfreundlich aufgenommen und von der Regierung Einstellung der Verbreitung unter ihren Beamten verlangt. Trotzdem wird die Zeitschrift von den arabischen Zeitungen zweifellos benufzt, und zuweilen werden ihre Ausführungen ohne Nennung der Quelle dort abgedruckt. Nur wenn die arabische Presse die Zeitschrift angreift, nennt sie auch ihren Namen. Besonders beglückt über das Erscheinen des Blattes waren die orientalischen Juden im Jemen, in Syrien und in Aegypten. Juden aus dem Jemen schrieben einen Dankbrief an die Redaktion, in dem sie aut die Wichtigkeit der Veröffentlichung für die jüdisch-arabische Auseinander- Setzung hinwiesen. Aber es ist nicht leicht, die Zeitschrift unter den Juden arabischer Länder zu verbreiten. Nach dem Irak dürfen überhaupt keine jüdischen Zeitschriften, in welcher Sprache auch immer, versandt werden, ln anderen Ländern ist das Palästinainteresse oft gering und.auch die Verbreitung der Zeitschrift oft schwierig und sogar nicht ungefährlich. Sogar in Beirut stößt die Verbreitung auf Schwierigkeiten. Man muß nur die in Beirut erscheinende jüdische Zeitung in arabischer Sprache lesen, um zu wissen, wie sehr die retute Arbeit ohne Ruhe und ohne Alleinsein stellen einen aubbau an Nerven und Arbeitskraft dar, und sie nützen niemandem. Der ständige Andrang des Publikums im Zimmer, an der Tür, auf dem Korridor und auf den Treppen zerstört die Möglichkeit 7.U fruchtbarer Arbeit. Niemand wird hier bürokratischen Formen das Wort reden, aber der übermüdete Beamte würde sich manchmal etwas mehr Bürokratie wünsehen, d. h.: geordnete Arbeit und feste Empfangsstunden. Die wichtige Aufgabe, die hier gestellt ist, verlangt das, auch wenn manche dann über ״Bürokratie“ Klage erheben sollten. Die Ausnutzung dieser Beamten zeigt ihre Spuren nicht nur im medizinischen Befund, sondern im kulturellen Abstieg der Beamtenschaft. Viele sind in dieser Arbeit nicht verwurzelt, es findet ein dauerndes Abwandern zu andern Posten statt, und nur selten findet einer, der diesen Posten verlassen hat, wieder zu ihm zurück. Auch die finanzielle Lage dieser Beamtenschaft ist nicht leicht. Sie bekommen eine geringere Be- Zahlung als die Beamten paralleler Institutionen, und ihr Gehalt wird nicht regelmäßig bezahlt. Vielleicht ist darin auch etwas Positives — eine größere Nähe zu den von den Beamten betreuten Arbeitsuchenden. Aber im täglichen Leben wirkt sich das nicht gerade beruhigend aus, Dabei arbeitet das Büro teurer als ähnliche Einrichtungen in anderen Städten, denn Tel Aviv hat nicht ein einziges Industrie- Zentrum, das ein Großteil der Arbeiterschaft absorbiert, und so ist die Betreuung der Arbeitsstellen hier viel schwieriger. Eine Unzahl kleiner und kleinster Unternehmungen, die sich in den verschiedensten Teilen der Stadt befinden, dürfen nicht vernachlässigt werden. Auch die Spaltung der Tel Aviver Arbeiterschaft in viele Organisationen — z. B. gibt es eine eigene Organisation der Jemeniten -- erschwert und vertciiert die Arbeit, Juden in arabischen Ländern mit ihrer Meinung zurückhalten müssen. Sehr wenige orientalische Juden sind schließlieh bereit, für die Zeitschrift zu zahlen. Sie verstehen den Wert des Unternehmens, verstehen auch, daß die Araber, an die sich die Propaganda wendet, die Veröffentlichung umsonst erhalten, aber sie sind nicht zur finanziellen Unter- Stützung bereit, wenn auch zur Hilfe durch Verbreitung unter ihren arabischen Freunden. ״Vereinigte Staaten von Palästina“ Die ״Palestine Post“ bringt folgenden Vorschlag von Richter Bernhard Rosenblatt: Der Teilungsplan soll dadurch verbessert werden, daß man eine Föderation innerhalb des neuen palästinensischen Staates Vorsicht. Teilnehmer sollen der Judenstaat und die arabischen Staaten, die unter britischem Mandat stellen, sein. Das Muster geben die Vereinigten Staaten von Amerika ab. Jeder der drei angeschlossenen Staaten (Judenstaat, arabisches Palästina und Transjordanien) erhält seine eigene Regierung, daneben aber wird eine zentrale Regierung geschaffen, deren Vorsitzender der Hohe Kommissar des britischen Mandatsgebietes ist. Die Föderation schließt einen Freundschaftsbund mit Großbritannien, das die Führung ihrer Außenpolitik übernimmt. Das Heer zurrt Schutz des ganzen Gebietes ist gemeinsam, während jeder der angeschlossenen Staaten eine eigene Miliz, zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung haben soll. Jeder der Staaten hat seine eigene Legislatur und entscheidet selbst über die Einwanderungsfrage seines Gebietes. Die Staaten gestehen den Bürgern der übrigen Bundesstaaten gegenseitig gleiche Rechte zu. Die im Judenstaat ansässigen Araber können sich an den Wahlen für das arabische Parlament beteiligen, und das gleiche gilt für die im arabischen Gebiet lebenden Juden. Auch über Zollangelegenheiten und sonstige Fragen allgemeinen Interesses muß eine Ucbercinkunft unter den Bundesstaaten bestehen. Das Zentrale Arbeitsbüro der Histadruth teilt mit, daß die Histadruth in den vergangenen zwei Monaten 2490 Arbeitslose in Arbeit gebracht hat, während die. Arbeitsämter in den Kolonien in der vergangenen Zitrus-Saison Kontrakte über zwei Millionen Kisten abgeschlossen haben, d. h. ein Viertel des gesamten jüdischen Zitrusexportes.

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