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Jüdische Rundschau · 1938-04-01 · Heft 26 (1.4.1938) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 26 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 26, 1. IV. 1938 IN ALLER KURZE Der polnische Senat hat das Gesetz über die Ent• Ifehung der polnischen Staatsangehörigkeit ingenommen. In Tarnopol kam es zu antijüdischen. Ausschreitungen; •Ine Anzahl von Juden ־wurde verwundet. Eine Verfügung des Präsidenten des rumänischen Anwaltsverbandes bestimmt, daß nur diejenigen den Minoritäten angehörigen Rechtsanwälte einer Prüfung in der rumänischen Sprache unterworfen werden sollen, die nicht im alten Königreich geboren sind. Im Unterhaus teilte Sir Samuel Hoare auf eine An•!rage schriftlich mit, daß vom 13. bis 20. März 442 Per- •onen mit österreichischen Pässen in England gelandet seien, iron denen 61 nicht eingelassen wurden. Die Palestine Crown Colon y Association hielt eine Versammlung im Unterhause ab, bei der Colonel Wedgwood präsidierte. Die Eingliederung Palästinas als Kronkolonie in das Britische Reich wurde von ihm als eine bessere Lösung der Palästinafrage als die Teilung bezeichnet. Das österreichische Unterrichtsministerium hat Weisunrm über die Einschränkung des H oc h sch u 1 stu - lums von Juden erlassen. Sie bestimmen, dal! neue Einschreibungen inländischer jüdischer Studenten für das laufende Sommersemestcr nicht mehr angenommen werden sollen; bereits angenommene Einschreibungen werden für jederzeit widerrufbar erklärt. Für die Zukunft wird die Festsetzung einer Verhältniszahl (Numerus clausus) für jüdische Studenten anfekündigt. Das Studium der ausländischen Juden regeln rmdervorschriften. Fenier wird eine Verfügung angekündigt, daß alle akademischen Lehrer, die aus rassischen oder politischen Gründen den Fiel nicht a hl egen durften, sowie Jene, die im Zuge der Machtergreifung verhaftet oder ihres Amtes enthoben worden sind, sich bis auf weiteres jeder Dienstleistung zu etilhalten haben. Wladimir Jabotinskv traf in Südafrika ein. Der Franqui-Preis von einer halben Million Francs wurde dem jüdischen Professor an der Brüsseler Universität, N. Jacques E r r e r a. fur seine Untersuchungen über die Natur der Moleküle zuerkannt. Bei Warner Brothers wird ein Film hergestellt, der das Lehen Chain! Solomons schildert, des amerikanischjüdischen Finan/mannes, der in Polen geboren wurde und im Jahre 1772 nach Amerika auswanderte, wo er die amerikanische Sache während des Revolutionskrieges unterstützte. Gewerbliche Zuverlässigkeit. Der Wandergewerbeschein kann nach § 57 b Ziffer 2 der Gewerbeordnung (geändert durch Gesetz vom 3. 7. 34) versagt werden, wenn Tatsachen vorliegen, aus denen hervorgellt, daß der Naclisuchende die für die Ausübung des Gewerbebetriebes im Umherzichen erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzt. Nach der Rechtsprechung der obersten Verwaltungsgerichte bildet die Zugehörigkeit eines Gewerbetreibenden zur jüdischen Rasse für sich allein noch keinen Grund für die Annahme *einer gewerbepoli/cilichen Unzuverlässigkeit. (Vgl. hierzu ״J. R.“ v. 1. u. 4. 6. 37). Im Gegensatz hierzu hat das Bezirksverwaltungsgcricht Schneidemühl in einem Urteil vom 14. 12. 37 ausgesprochen, daß die Judcncigenschaft als Tatsache im Sinne von § 57 a. a. O. anzuerkennen und Juden eine Legitimationskartc für den Wandcrhandel grundsätzlieh zu versagen ist. Der Widerruf von Namensänderungen. Ein Runderlaß des Reichsministers des Innern klärt einige Fragen im Zusammenhang mit dem Gesetz über die Aenderung von Namen. Danach kann, wenn die Namensänderung nicht als erwünscht anzusehen sei, jede behördlich genehmigte Aenderung eines Namens widerrufen werden. Auf den Zeitpunkt der früheren Genehmigung komme es dabei nicht an. Gleichgültig ist auch, ob die Person, deren Name geändert worden ist, noch lebt oder bereits verstorben ist. Unerwünscht sind insbesondere Na m e n s ä n d e r u n g e n, durch die der jüdische Name eines Juden in einen anderen Namen geändert worden ist. Namens- Änderungen von Mischlingen werden regelmäßig nicht widerrufen. Alle Behörden, die vor dem 30. Januar 1033 Namensänderungen genehmigt haben, müssen die bei ihnen noch vorhandenen Unterlagen umgebend darauf prüfen, ob sie Namensänderungen genehmigt hatten, deren Widerruf nun mehr als angezeigt erscheine. Der Widerruf einer Namensänderung könne nur gegenüber deutschen Staats, ange hörige 11 ausgesprochen werden, gegenüber Staatenlosen mir dann, wenn sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort im Deutschen Reiche hätten. Zum 20. Todestag von Hermann Cohen (4. April) Dai Leiden Ist die Vorbedingung der Erlösung. Diese aber ist die Befreiung von allen Schlacken der empirischen Menschenzelt und der Aufstieg tu dem Idealen Moment, in weldiem der Mensch *um Selbst wird , ,. Da wir an der Geschichte Israels das typische Leiden des Menschen uns gedeutet haben, darf nun auch an diesem Beispiel die Erlösung der Menschheit erspäht werden. Es kann nldit an Ihr fehlen, denn das Leiden ist immer nur Vorspiel, auch wenn es Jahrtausende dauert. Durchaus liegt es Im Begriffe des Monotheismus, dafj die Erlösung Israels nicht abgetrennt von der aller Menschen und aller Völker gedacht werden kann. Aber die Erlösung gilt uns Ja nur als ein Moment, das daher nicht nur als Schlubglfed In der Entwicklung des Menschengeschlechts seine Bedeutung zu haben glaubt, sondern diese auch völlig schon in Jenem Momente der geschichtlichen Entwicklung In Vollzug bringt. So können wir auch in der gesamten Geschichte Israels die ununterbrochene Verbindung erkennen, die zwischen dem Leiden und der Erlösung besieht. Die Erlösung braucht gar nicht hinausgeschoben zu werden auf das Ende der Tage, sondern sie hattet schon an Jedem Momente des Leidens und sie bildet an Jedem Momente des Leidens einen Moment der Erlösung. ifus dem Kapitel Ober den Versöhnungslag in Cohens ״Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums.״ Feiert den Seder! Ein Aufruf des Preußischen Landesverbandes Wie in früheren Jahren hat auch in diesem Jahre der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden einen Aufruf erlassen, der die Bedeutung des Scdcrabcnds hervorhebf. Es heißt darin u. a.: ,,Im Frühling beginnt Israel, schon im Monat Adar, das P e ß a c h - F e s t würdig, unter Beobachtung seiner geheiligten alten Bräuche, zu rüsten. Diese treue Arbeit findet in den Sederabcndcn ihre Krönung; sie stellen unsere schönste religiöse Familienfeier dar, die arm und reich, Verwandte und Fremde, um den jüdischen Tisch vereinigt und in Gedanken und Gebet Jahrtausende überbrückt. Schon während mehrerer Jahre hat daher der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden a!1 alle ihm angcschlossenen Gemeinden in Deutschland und einen großen Kreis IFESTfl Strümole. Strickwaren / wasctie. Hanascnune / Fin.-Schönobg. I Grunewaldstr. 56 ■ a. Bay.PI. Tel. 71 31131 vereinsamt lebender Juden die Bitte gerichtet, dem Peßaeh- Fest hohe Aufmerksamkeit zu widmen und den Alten, den Müden, besonders aber unseren Jugendlichen, die Sederfeier zu bereiten, denn nichts unterstützt uns ja mehr als das Festhalten an der Ueberlieferung unseres Volkes. Darum richten wir auch heute an alle jüdischen Gemeinden und an jede jüdische Familie die Bitte, Peßaeh so zu feiern, wie es unsere Väter durch die Jahrhunderte stets begangen haben. Wir dehnen diesmal unsere Bitte aus aut alle, die von uns gegangen sind, um eine neue Heimat auf dem heiligen Boden E r c■ z Israels oder sonstwo draußen in der weiten Welt zu finden. Der Preußische Landesverband bittet Gemeinden, Verbände, Rabbiner und Lehrer, dafür Sorge zu tragen, daß möglichst kein Jude ohne Sederfeier bleibe. Groß- und Mittelgemeinden mögen die Menschen der kleinen Gemeinden zu sich bitten, und wir werden, wie immer, bereit sein, jeden Erreichbaren zu stützen; helfen wollen wir, den Ruf der Ha״gadah wahrzumachen: ״Jeder Hungrige komme und esse, jeder Bedürftige komme und feiere mit uns Peßaeh“. Der Aufruf ist auch zum ersten Male an die jüdischen Gemeinden in Oesterreich gegangen. Das jemenitische Ballett Nikowa besuchte auf seiner Europa-Tournee auch Kopenhagen. Der künstlerische Erfolg, den die Gruppe bei ihrem ersten Auftreten hatte, war bei Publikum und Presse ein außergewöhnlich großer. Durch Volks- und religiöse Tänze (teilweise mit Gesang) fühlte man sich in den Orient versetzt. H. R. Judeu aus Deut schland in Ica-Kolonien Aus einem Bericht, den die Ica über die Lage der jüdischen Siedler aus Deutschland in den Iea-lColonien in Argentinien veröffentlicht, geht hervor, daß zur Zeit 66 Familien in der KolonieAvigdor leben, die 1936 gegründet wurde und ausschließlich von Juden aus Deutschland besiedelt wird. 21 Familien wurden 1936, 31 im Jahre 1937 und 9 im' Januar und Februar 1938 angesiedelt. Insgesamt umfaßt die Kolonie 393 Menschen, und während der kurzen Zeit ihres Bestehens gab es bereits acht Heiraten und sieben Geburten. Die 1936 angesiedelten Kelonisten haben 32 ha von den ihnen insgesamt zur Verfügung stehenden 75 ha urbar gemacht. Sie hatten gute Ernten an Weizen, Flachs, Reis, Sorgenfreier Lebensabend durch I.KIRKRKTK bei «r»t«r Gmlltrhaft. Günitlgit« Tarif• JAKOB (SEiaiR / FRANKFURT a. M. Bodtenheimer Und.trafie 73. Tel.fon 71814. Mais und anderen Früchten. Viele sind bereits in der Lage, mit den Rückzahlungen der Anleihen zu beginnen, die ihnen von der Ica gegeben wurden. Die im Jahre 1937 angesiedelten Kolonisten konnten bereits 13 ha urbar machen; auch sie haben bereits gute Erfolge zu verzeichnen. Außerdem hat die Ica noch 34 Familien aus Deutschland in ihren Kolonien L. Cohen — L. Ouugre und Moisesville angesiedelt. Auch von dort werden erfreuliehe landwirtschaftliche Erfolge gemeldet. Zionistische Arbeit In Frankreich. Unser Pariser K.־ Berichterstatter schreibt uns: Der Abschluß der Londoner Aktions-Comite-Tagung hat eine Anzahl führender Zionisten nach Paris geführt. Zwar mußte eine bereits angekündigte Massenversammlung, in der Dr. Wcizmann über die zionislis'che I nge berichten sollte, abgesagt werden. Dagegen sprach Jizchak Grün bäum im Rahmen der ״Organisa'.ion Sioniste de France“ über das Thema ״Wie steht es um Palästina und den Zionismus“. Kurt Blumenfeld gab vor der Pariser Gruppe deutschsprechender Zionisten ״Ost tind West“ einen Bericht über die Ergehnisse der Londoner Tagung. Ende März kommt Professor Harry Torczyner nach Paris. Torczyner wird vor der französischen Akademie der Wissenschaften über die ״Briefe von Lachisclt berichten und einen öffentlichen Vortrag über das gleiche Thema an der Pariser Universität halten. Der hebräische Dichter Nathan Bistritzky kommt gleichfalls Ende des Monats nach Paris und wird vor der zionistisch interessierten Ocffentlichkeit über die Entwicklung des geistigen Lebens im Jischmv und über die hebräische Kultur in Palästina sprechen. Bistritzky spricht ferner über ״die palästintnsische Jugend, ihre Kämpfe und Freuden“ und über Brenner, und wird außerdem an der bevorstehenden Konferenz der jüdischen Jugend in Frankreich tcilnchmen. — Der französische Keren Kajemeth hat in den letzten Wochen eine besonders aktive Kampagne in Französisch- Nordafrika durchgeführt. Senator Justin Godart hat anläßlich einer Reise nach Tunis im Rahmen einer Keren Kajemeth-Veranstaltung einen Vortrag über die Lage in Palästina gehalten. Schließlich sei noch auf eine zionistische Veranstaltung auf der an der tunesischen Südküste gelegenen Insel Djerba hingewiesen, die bereits aus Homer als ״Insel der Lotophagen“ bekannt ist. Die dort sehr stark an die Araber assimilierten Juden sind der jüdischen Tradition treu geblichen und besitzen noch zwei Synagogen. Kürzlich hat sich dort eine zionistische Vereinigung gebildet, in deren Rahmen der französische Delegierte des Keren Kajemeth, Fisher, über die Lage in Palästina sprach. ¥25 cfafoic foüftesL ■■■■I Au! der ״Jüdischen Rundschau־׳ v. 4.4.1913! In Wien wurde ein ״Jüdischer Wanderbund Bl n u-W ei ß“ nach dem Muster der Berliner Ver■ einigung gleichen Namens gegründet. T ii rke i. Die jüdischen Hilfsgesellschaflen hatten bereits durch ihre Delegierten.... Vorsorge getroffen, daß der notleidenden jüdischen Bevölkerung Adrianopels, die mit 18 000 Seelen fast ein Viertel der Entwöhnet- Schaft ausmacht, sofort nach dem Fall der Festung rasche Hilfe gebracht werden könne. Seil einiger Zeit wurden für 65 600 Frcs. Lebensmittel, Heizmaterial, Kleidungs■ stücke usw. bercitgehalten, die einen Tag nach dem Fall der Festung Adrianopel gebracht wurden. ״Paß a kommen Zig Bretterwand Zwi. Sie hi Wand bewe Dun 11 c und Regen zwanglc Und durch ein Astloch Über dem Bett teil und Bonbons gewandert Wenn die dtlnno -11t wäre, schliefe Riwka Bett an Bett mit .seine leisesten Atemzüge, sein Husten, die .ich, wenn er sich räkelt. der Außenwand kommen Wind lie Chawerim zu Besuch. Nachts es sehr kalt im Jorduntal. Zwei Wolldecken, Mäntel, Jumper, und immer noch kann man vor Kälte nicht einschlafen. Am Tage brütet die Hitze, summen unzählige Fliegen. Das Dach ist aus Wellblech. Wenn es regnet, prasseln die Tropfen wie Maschinengewehrfeuer, erregend auch noch für solche, die seit Jahren im Zrif wohnen. Die Wände biegen und verschieben sich im Sturm; das ganze Haus wackelt, die Tür schwankt hin und her, es kracht in allen Balken. Eine Kuh vor dem Fenster in der Isolierbaracke schreit laut, und durch die Lattenwand tönt es verzweifelt: ,,eten, tifen, titni — I cannot see the nieudoth even with my glaases!“ Wohin mit den Sachen aus dem Koffer? Schränke gibt es Sicht, Stühle, Kommoden auch nicht. Unter jedem Bett steht ein Handkoffer. Ein paar Nägel nehmen Arbeitshose, Jacke und Schwnmmheutel auf. Die Schuhe stehen vor der Tür. Wie gut läßt sieh ohne all die überflüssigen Dinge wohnen und leben, mit denen die Stadtmenschen ihre Zimmer voll- «topfen. Das Bett ist die private Sphäre. Jede freie Minute liegt pinn langgestreckt. Abends empfängt man auf ihm Besucher. Beim Abendbrot saß die neue Rachura neben dem Bachur Vom Tomatenfcld. Rasiert und gewaschen sah er so verändert Pas, daß sie ihn unter den Traktorführern kaum erkannte. Er sagte kein W’ort. Aber als ihre Suppe kam, schob er ihr einen Löffel zu und beugte sich über den Tisch, um eine Schnitte Brot herüberzureichen. ״Eingewöhnt?“ fragte er Später und nahm sie mit aufs Dach des Kinderhauses. ״Dort die Lichter sind Dogam.ih beth, und drüben der leuchtende Turm ist Delamiah. ״So nah?“ ״Nah genug — wenn sie mal die Telephonleitung *er- «chneklen —, daß wir uns durch Leuchtfeuer von Wasserturm Zu Wasser»!׳■!!! verständigen können!“ ״Gibt cs denn ausgearbeitete Signale?“ fragt sie ungläubig, denn all das scheint ihr in dem tiefen Abendfricden! nt Februar 1936, wie aus Indianerbüchern hergeholt. Er lächelt nur. ״Und Waffen? Moderne?“ ״Nicht soviel fragen, ani agid lach...“ Ani agid lach — das hört sie noch oft, ״ich sage dir...“ ״Drüben siehst du den freien Platz für die Garage. Daneben wird eine Reparaturwerkstatt gebaut werden. Sieben Lastautos haben wir in den drei Jahren, in denen wir den Meschek haben, schon angeschafft, drei Traktoren und eine Kombine. — Dgr Lesesanl ist jetzt nur provisorisch, dort wird die neue Bibliothek hinkommen. Jedes Jahr geben wir 50 Pfund nur für Neuanschaffungen aus, jedes Buch, das hebräisch erscheint, kaufen wir. Davor, siehst du, dort, werden wir dichten grünen Rasen haben, wie in England, und Rosen. In Jawnel gibt es rote Rosen,“ er spricht davon wie von einer großen Kostbarkeit. ״Und auf der anderen Seite wird das neue Chadnr ochel6) stehen — und weiter unten vielleicht noch eine eigene Schule für unsere Kinder — jetzt sind erst elf von unseren vierundfünfzig so groß, daß sie schon in die Schule können, sie fahren jeden Morgen nach Deganiah.“ Eine merkwürdige Besichtigung, die meisten Dinge, die man vom Dach au« sieht, sieht man gar nicht. Aber sie werden sein! So liebevoll deutlich bis ins kleinste werden sie vorgestellt, so intensiv gewollt, daß man sie anderen zeigen kann, als stünden sie bereits da. ״Jiieh!“, es wird sein! Das ist das prometheische Wort des Kibbuz. Es gibt noch ein zweites Wort von ähnlichem Zauber: ״Ezlenu , bei uns. Ezlenu: Stolz, Abgrenzung, Selbstbewußtsein. Aber auch Heimweh, Zärtlichkeit für den Meschek, die Felder, die Stein für Stein sclbstaufgebaute Heimat. Als sie am Abend eines Schabbat aus Beth Gan zurückkehrten, als plötzlich die Wegbiegung von der Höhe den Blick ins Jordantal freägab, war es nicht die weiche Geigenkurve des Kinerethsees und nicht der schneeige Hormon, auf den Schlomoh schweigend mit dem Peitschenstiel wies. Sondern die winzigen, schimmernden Klötzchen um einen schmalen, schneeweißen Turm, weit entfernt, dünn wie Nebel. Und nicht die historischen Stätten, nicht die fremdartigen Berglandschäften, sondern dieser Moment des Heimkommens, der Blick aufs Eigene, die vertraute Silhouette. Das ist ״Ezlenu“. Sie steigen die Treppe des Kinderhauses hinab. Auf der untersten Stufe stehen sauber aulgereiht die vielen kleinen י) Speisesaal. Ueberschuhe. Winziges Garlcngcrüt lehnt an der Wand. Die Fenster haben sie so niedrig eingebaut, daß ein Kind auch wirklich hindurchschauen kann. Alle Wasserhähne und Lichtschalter sind den kleinen Händen erreichbar, Badewanne und Brausen aus dem Zwergcnrcich, Toiletten mit abriegelbaren Türen, über die die Erwachsenen hinüberblicken können. Säuglingsstation, Kleinkindhaus, Kindergarten — autonome Reiche. In den allzu bunten, kitschigen Oeldruckcn an der Wand meldet sich noch die nicht ganz überwundene Provinz, seltsamer Kontrast zum streng modernen Baustil, ebenso wie in den bunten Kunstseide ־ Kissen und Wollpuppen in einigen Zimmern der Großen. Rudimente, unwichtig. ״Werden die Kinder nicht sehr verwöhnt?“ Im Essen — sie bekommen Schlagsahne, Geflügel, Obst ia Ueberfülle, Dinge, die sich die Eltern seit Jahren nicht gönnen; in der Kleidung — englische unper-class-Kindcr geben nicht sorgfähiger gekleidet im Hydepark spazieren. ״Natürlich werden sie verwöhnt! Viel zu sehr! Wir haben ständig Auseinander- Setzungen darüber. Es ist richtig, ihnen alle Chancen zu geben, sich für das schwere Klima und die harte Arbeit körperlich gut aufzubauen, aber auch ich glaube, daß man hier übertreibt. Wird ihnen später das einfache Leben geniigen? Werden sie für den Kibbuz richtig vorbereitet? Werden sie überhaupt hier bleiben?“ Das Experiment in all diesen Dingen, die Fragwürdigkeit des Weiterbestchena in der nächsten Generation. ״In Degania sind sie doch so stolz darauf, daß die erste Generation der Jugend nach einem Europa-Aufenthalt in den Kibbuz zurückgekehrt ist und sich freudig entschlossen hat, dazubleiben und die Arbeit der Eltern, die vor 25 Jahren dort angefangen haben, weiterzuführen.“ ״Weißt du denn auch, wie groß diese ״Generation“ dort ist?" ״Zwei junge Leute 1" Fragen, Fragen — ״wenn du länger hier sein wirst, wirst du sehen, wie viele Fragen es gibt, von denen du jetzt noch, nichts ״hnst — Sie sind am Fußballplatz vorbei zur Chaussee, dem Kwisch, gegangen. Auf der andern Seite öffnet sich das Yarmuk-Tal. Das Mondlicht fällt auf Lupinenfelder and schwarze Beduinen zelte. (Forts, folgt)

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