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Jüdische Rundschau · 1938-04-01 · Heft 26 (1.4.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 26 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26, 1. IV. 1938 J0DISCHE RUNDSCHAU Seite S Einwanderer in Brasilien Die Gemeinde in Sao Paulo Nicht nur die jüdische Qeffentlichkeit Deutschlands, soudern fast stärker noch die jüdischen Zentren in England und Nordamerika nehmen lebhaften Anteil an der seit etwa l1 ״ Jahren bestehenden Gemeinde deutsch sprechender Juden in Sao Paulo. Ist doch die Congrcgacao Israelita Paulista mit Recht als die erste und ihren Leistungen nach, bedeutendste Auswanderergemeinde anzusehen. Sie wäre es nicht, hätten sich nicht von Anfang an unter der umsichtigen wie aufopfernden Arbeit des eingesessenen Arztehepaares Dr. Lorch Männer und Frauen gefunden, die mit viel Zeit und Liebe, trotz des Kampfes um eine Existenz, ihre Pflicht gegen die Gemeinschaft erfüllen. Heute nach noch nicht l'/a Jahren kann man bereits feststellen, daß die In Frankfurt a. M. Herrenkleidung preiswert und gu t bei ISpezlol /lngebole j ttlr Auswanderer | Gegenüber dem Hnuptbalinhof Oemeinde zu einem Faktor im öffentlichen jüdischen Leben Sao. Paulos geworden ist, der nicht mehr wegzudenken wäre. Weit über den Kreis der deutschsprechenden Juden hinaus ■wird sie in Anspruch genommen. Die Gottesdienste erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit, da sie, mit großer Sorgfalt vorbereitet, in würdigem Rahmen durchgciührt werden. Die unter der Leitung des früheren Frankfurter Chewramitgliedes Albert Hof mann stehende und von diesem gegründete Chewra Katlischa ist in ihren Leistungen Vorbildlieh; leider mußte sic allzu oft in Anspruch genommen werden. Der jugendunterricht erfreut sieh im zweiten Schuljalir, das nunmehr begonnen hat, wachsenden Zuspruches. Unter der Leitung von Dr. Lorch ist der Gemeinde eine Beratungsstelle angegliedert. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit einer Reihe eingesessener Familien wird sowohl Berufsberatung als auch Steilenvermittlung und Wohlfahrtstätigkeit ausgeübt. — Handelt es sieh um Fragen der Sicherung des Aufenthaltes, die vor der endgültigen Lösung stehen, um Krankenbeihilfen angesichts des Fehlens von Krankenkassen, immer steht die Gemeinde zur Verfügung. Oft sind es weit mehr als 100 Menschen, die die Sprechstunden aufsuchen. Daß ein solch großzügiges Sozialwerk aufgebaut werden konnte, ist dem Präsidenten der Gemeinde zu verdanken und den großen nordamerikanischen llilfs- 'Organisationen, die für die ersten Jahre die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt habe״. Neben der sozialen Arbeit des Wohlfahrtsamtes stellen eine Reihe von Einridi-‘ tungen, die ebenfalls von der Gemeinde — besonders von den Frauen — geschaffen worden sind. Es ist ein Kinderheim entstanden, das allen Eltern, die berufstätig sein können, wenn sie ihre Kinder gut untergebracht wissen, die Sorge um die Erziehung und Betreuung der Kinder abnimmt. Eine S ä 11 g I i 11 gs fürsorgcstclle wird von einer Anzahl von Frauen der Gemeinde in ihrer Arbeit unterstützt. Rahb. Dr. P i n k u s s (früher Heidelberg) ,LUDWIG Der neue Jude (Fortsetzung von Seite 1) Seitdem ist eine lange Zeit verstrichen, eine neue Generation ist im jüdischen Volke herangewachsen, und jene, die dio Chaluzbewcgung schufen, sind heute bereits zu Vätern geworden, deren Söhne in ihren Wegen gehen. Das Bild des jiidisehen Lebens in der Welt, besonders in Europa, hat sich tiefgehend gewandelt, unzählige Sorgen sind hinzugekommen, weit größer wurde der Kreis derer, die am Aufbau Palästinas Interesse nehmen, und weit größer auch ist der Umfang jener Bewegung, die das Pionier ideal auf ihre Fahne schreibt. Wir hören manchmal aus Palästina Stimmen, die darüber klagen, daß das geistige und menschliche Niveau der heute nach Palästina kommenden jungen Arbeiter nicht mehr das gleiche sei wie (las der früheren Generationen. Aber alle diese Klagen müssen verstummen, wenn wir die Haltung betrachten, die sie alle, Alte und Junge, Menschen des Ostens lind des Westens, Fromme und Freidenker, in den letzten Jahren und Monaten der Arbeit und des Kampfes, des Baues und der Wacht gezeigt haben. Gewiß sind wir fern davon — und das jüdische Volk ist sich in dieser Frage wohl einig —, den Dienst mit der Waffe zur Verteidigung des eigenen Lebens imd des Werkes unserer Hände zu romantisieren und ihn als das alleinige Ideal, das der Jugend vorschweben soll, zu preisen. Aber wenn die Stunde es gebietet, dann hat auch diese Jugend zu zeigen gewußt, daß sie auf der Wacht steht, und sie hat genau so wie in der friedlichen Arbeit des Aufbaues bewiesen, daß sie wert ist, tmser Volk auf vorgeschobenem Posten zu repräsenfieren, daß das jüdische Volk aus seinem Blute ein neues, ein erneuertes Geschlecht zu zeugen vermochte. Unsere Leser finden in der heutigen Nummer den Bericht eines Augenzeugen über die Gründung einer neuen, sehr exponierten Siedlung an der Nordgrenze Palästinas, Chamitah, auf die gleich in der ersten Nacht ihres Bestehens ein Ueberfall verübt wurde, der leider auch Todesopfer forderte. Welch eine Verbindung von Wagemut und Disziplin, von planvoller Uebcrlegung und rase 11 e m Handein, von Wille zur friedlichen Arbeit und Entschlossen heit zur Verteidigung des besetzten Bodens drückt sich in diesem schlichten Bericht aus — ebenso viele Eigenschaften, die jenen jungen Männern und Frauen zu eigen sind, die an der Grenze des Landes siedeln. Und dieses eine Beispiel, das durch die Begleitumstände besonders markant hervortritt, ließe sich durch unzählige Fälle ergänzen, wenn wir die Geschichte der Siedlungen in Palästina in den vergangenen zwei Jahren betrachten; aus der letzten Zeit u. a. durch das in Palästina auch seitens der englischen zivilen und militärischen Behörden gerühmte Vcrhalten der jungen Siedler von T i r a 111 Z w i, einer aus Deutschland stammenden Gruppe des Misrachi im Jordantal — ein wahrhaft auf geistige und religiöse Dinge gerichteter Menschcnkreis, die es dennoch nicht weniger gut vorstanden, in gefahrvoller Stunde ihren Mann zu stehen. Zeigt sich in solchen Kämpfen die Haltung der Menschen auch besonders prägnant, so sollen wir niemals vergessen, daß unsere Siedler nicht zum Kampf nach Palästina gekommen sind, sondern zu friedlicher Arbeit. Auch hierfür ist Trumpeldors Beispiel hervor/.uheben, der gewiß in seinem Lehen zu fechten verstand, wo es nottat, der aber nichts so sehr ersehnte wie ein Leben der Arbeit und des Friedens. Es ist vielleicht das größte Ruhmesblatt des Jischuw in dieser schweren Zeit der Unruhen, daß er zäh daran festhielt, die Arbeit des Aufbaues fortzusetzen, wie immer die äußeren Bedingungen sich gestalten mögen, und daß er verstanden hat, neue wichtige Arbeitspositionen zu schaffen. Denken wir z. B. nur an das eine Werk des H af ens von Tel Aviv, der aus dem Nichts und ohne äußere Hilfe durch die Arbeitskraft und die Mittel der Juden Palästinas geschaffen wurde, dann sehen wir, wie sich der Wille zum Neuen durchsetzt, getragen von der großen Zahl der unbekannten Arbeiter, die durch ähr Leben einen neuartigen Mcnschcntypus verkörpern, den neuen, den schöpferisehen Juden unserer Zeit! Wir wissen, daß die Kraft dieser Menschen auch in Zukunft noch für lange Zeit in Palästina gebraucht und sehr oft auf eine harte Probe gestellt werden wird. Erst die letzten Tage wieder haben uns sorgenvolle Nachrichten aus dem Laude gebracht; der arabische Terror hat wieder Formen angenommen, wie sie seit längerer Zeit nicht mehr zu beobachten waren, und hat leider auch eine ganze Reihe j i d i s c 11 e r Opfer gefordert. Dabei w e i ß man im Lande genau, wie die Organisation der Terroristen funktioniert, und wir lesen z, B. in einem Artikel der ״Times'‘ sogar, welche Preise für die Ermordung eines Juden oder eines Engländers von den Drahtziehern der Banden ausgesetzt worden sind. Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe CHarlottenburg, Wilmersdorfer *Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Wir gestehen, daß es uns bei aller Abschätzung der besonderen Schwierigkeiten der Landesverhültnisse schwer fällt zu begreifen, warum auf der einen Seite die Einzelheiten der Terroraktionen und ihre 1 liiitergrümk׳ allgemein öffentlieh bekannt werden können, ohne daß zugleich ein Weg zur w i r k s a m e 11 U!1 ז e r d 1 11 c k 11 n g beschritten wird. Und wenn auch in den letzten Tagen die Palästina-Regierung wieder gegen eine Reihe von Personen, die in begründetem Verdacht der Unterstützung und Finanzierung des Bandenkrieges stehen, energisch Vorlegungen ist, so muß man doch die Skepsis verstehen, mit der diese Maßnahmen au{ jüdischer Seite nach den bisherigen Erfahrungen aufgeiioinmen werden, die mit all den groll angelegten Aktionen gegen die Unruhestifter gemacht worden sind. Mehrere militärische Oberkommandanteil, mehrere Po'.i/ciehels und zwei Oberkomtnissare sind in Palästina in dieser Zeit in Funktion getreten und haben verschiedenartige Maßnahmen beschlossen und durchgeführt - geblieben aber ist die Wellenbewegung des Terrors und die von Zeit zu Zeit sich häufenden Schrcckenskumlen über Morde an imschuldigen Menschen. Vor allen politischen Entscheidungen steht auch heute noch die Befriedung des Landes, die ohne eine r a d i k a I e A u s m e r / u 11 g des Banden- Wesens und der sie unterstützende״ Kreise im arabischere Lager nicht herbeigeführt werden kann. In diesen Tagen geht ein für die Zukunft Palästinas ohne Zweifel höchst bedeutsames politisches Zwischenspiel vor sich. Wie die Zeitungen melden,'mt im Rahmen der engdes Britischen Auswärtigen ׳Amtes für die Fragen des Nahen Ostens, Botschaftsrat Rendel, hat mit den italienischen Verorientiert sein, wie England den Teil 1111 gs P 1 a ח durehzuführen plant. Es scheint, daß auch E rank re ich gerade an diesem Punkte der Besprechungen interessiert ist, da seine Stellung in Syrien von einer Teilung Palästinas berührt wird. Mail wird ab/iiu arten haben, wie diese Verhandlungen verlaufen, deren Ergebnis ohne Zweitel von dem (iesamtveriauf der englisch-italienischen Verhandlungen abhängt, in deren Mittelpunkt ganz andere tragen stehen, denen gegenüber das Palästina-Problem nur untergeordnete Bedeutung hat. K. L. Die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden Nicht mehr Körperschaften des öffentlichen Rechts Im Rcichsgesct/blatt wurde ein Gesetz über die Rechtsv e r 11 ä 1111 i s s e d e r j ü d i s c 11 en K u 1111 s v e r e i n i - gungen veröffentlicht. Die jüdischen Kultusvereinigimgeii und ihre Verbände, die bisher auf Grund verschiedener landesrechtlicher Bestimmungen die Rechte von Körperschaften des öffentlichen Rechts besaßen, verlieren diese Stellung mit Ablauf des 31 März löiS für das ganze Reichsgebiet und haben nur die Möglichkeit, wie andere Vereine durch Eintragung in das Vereinsregister private Rechtsfähigkeit zu erlangen. Die Beamten der Kultusvereinigimgeii und Verbände verlieren gleichzeitig die Beamieneigensdiaft und treten in ein bürgerlich-rechtliches I)ienstvcrh.iltnis. Der (1cne 11 m i g 11 11 g durch die Aufsichtsbehörde bedürfe״ Beschlüsse der Kultusvereiiiigiitigen . bei Bildung, Veränderung n״d Aiifrilligen von Gegenständen mit wNscii-elialtlie■hem, geschiehtam"" L״' Jan mir' BGS 'in Kraft' tritt, können’ Rechts- und Verwaltliiigsvorsclnilten vom Pcich-miim-icr für kirchliche Ansettzes’״für,t01 e st'!■ rV'e i'c h bl ei bl ׳Vorbehalten1/'1 Kfun ereilt *Z XII LU NC *OH CRuTH (Afl4B׳EKQ Mit einem guten Empfehlungssehreihen, zwei Handkoffe-rn und mangelhaftem Hebräisch kam die Bachum1) an einem regnerischen Märztage ins Emek Ifajarden, Die Wege auf dem Gutshof waren so aufgciveicht, daß die Uebcrschuhe bis an den Band versanken. Ein Mädel, das gegen den Regen seine Lederjoppe über den Kopf gehängt trug, las das Schreiben, legte die Hände um den Mund und schrie: ״Mitja! Miiitja!“ Sogleich kam ein slruwwclköpfigcr hellblonder Russe durch den Schlamm gestapft, grüßte freundlieh, lächelte leise beim Anblick des schneeweißen Regenmantels der neuen Bachura und nahm ihren größeren Koffer auf die Schulter. Nach zwei Schritten 1-uUehtc sie aus und fiel der Länge nach in den Matsch. Mit ja prustete, und aus verschiedenen Fenstern kicherte cs; so eroberte sich die Neue die Herzen der Bevölkerung. ״Du schläfst zusammen mit Zippora, ihr Baehur-) ist krank und sein Bett ist frei. Gewöhn dich gut ein!“ Das Zimmer! Fünf Fenster, ein kreisrunder Raum: sie wohnt oben im Wasserturm, eine runde Wendeltreppe führt außen hinauf, die Berge von Syrien sehen zum Fenster hinein, der Jordan, die Hügel von Tiberias. Zippora, stramm, praktisch und gutmütig, hilft auspacken. Vor zwei Jahren kam sie aus Lettland. Ihr Baehur ist aus Damaskus. Ja, er hat etwas Malaria, schon zum siebentenmal. ״Typhus gibt es nur wenig. Was für ein hübscher Schwammbeutel ... Besuch mich nachher im Kuhstall. Du kannst wirklich melken? Aber am ersten Tag brauchst du noch nicht zu arbeiten, sieh dir lieber alles gut an. Wir treffen uns zum Abendbrot.“ Rundgang durch die Wirtschaft. Moderne Ställe, hell und blank wie Fabriksäle. Weißgekachelte Bade- und Duschräume mit blitzenden Nickelhähnen, frisch fertiggestellte ־) Mann. Betonhäusex, Werkstätten mit elektrischem Betrieb, Kinderhaus, Lesesaal. Kleine altmodische Küche, provisorischer Eßraum, ZrifinP), Schuppen. Ausgedehnter Bananenhain, Orangengiiricn, Felder mit Klee und Lupine. Die Sonne bricht durch und trocknet die Pfützen. Die Neue schlendert durch die Felder, der Mcschek*) wird kleiner, lieh glänzen die weißen Gebäude im Licht. Blumen und U11kraut wuchern einem bis zu den Hüften, die Luft ist schwer und feucht. Zwei junge Männer in blauen Leinenblusen und großen Hüten führen eine Herde Schafe, rote Kopftücher tauchen aus hohen Stauden, Gesang und Lachen klingt über die Gemüsefelder. Man könnte hier sehr glücklich sein. Tomaten, lange Reihen, an Draht gebunden, kräftige Pflanzen, regelmäßige Früchte. Der Regen beginnt, von neuem. Ein offener Packsehuppcn steht in der Nähe, sie stellt sich unter, von der anderen Seile kommt ein Baehur und sucht ebenfalls Unterschlupf. Er spricht mit ihr, der erste Mensch, der ihr ungefragt Aufschluß gibt, die Namen der Berge nennt, die Ordnung der Felder, die Frucht folge. Vor einer ßananenblüte bleibt er stehen; sie hängt an einem langen Stengel, um den schwarze Rippen geschmiedet liegen wie eine seltsam unbekannte Schrift. Er nimmt den Stengel schweigend in die Hand. Sein Gesicht und seine Hände sind verwittert und rillig wie ein Stück Baumrinde. Braun, fleckig, rissig, hart, ausgetrocknet von der Glut im Jordantal. Zerfurcht von Hunger, Entbehrung, verbissener Energie. Zerrissen von W ind und Regen. Zersprungen von eiskalten Nächten auf freiem Feld. Und zcrquält. Vier Jahre Rußland, drei Jahre Sibirien, das schreibt? sich um die Augen, das hämmert die Joehbögcn aus den Wangen heraus. Rotblonde Augenbrauen, struppig und zerwühlt, ein brennender Haarschopf, ungepflegte Haare wuchern den Nacken Und hinter der Verwilderung, hinter dem Grotesken auf den eisten Blick — ein Leuchten von innen 11er. Da meißelt sich der aristokratische Typus in der sehmalen Nasenkant 1• heraus, in den hoch ausgeschnittenen Nüstern und dem Profil. Helle, harte, runde Augen. Daß helle Augen so brennen können! Im Blick übertragen sie verschwenderisch einen breiten Strom von Kraft und Güte. Fältchen strahlen von ihnen in die Schläfen aus. י) Baracken. ‘) Wirtschaft. Aus der vermoderten Mütze, die im Nacken sil/.t, quillt das Futter. Kaum läßt sich unter den weilen, hängenden Lumpen Mensch aus, soviel1 Hegen und 1.11 Fi sind in ihn eingezogen und haben ihn der Erde so gleii h gemacht, als oh man gut ein Stück Feld mit ihm düngen könnte; nicht lange und er ist ganz zur Ackerkrume, zur brachen Scholle geworden. hat. Die andern sind es schon gew ohnt, daß .Neuankömmlinge Waschraum ihre Hemdhose auszuzichen. während alle andern splitternackt unter den Brausen stehen; daß sie noch Schwamm und Zuhnwasser benutzen, ihre Strandhosen und Ski-Kopfhänder auftrugen und in Gang und Arbeit noch das Tempo der Stadt verraten. Die Müll- und Wassevfüsser verwechselt, man nur einmal, — wenn man hinterher ins Wasserfnß kriechen muß, um es nuszuscheuern, und von dem strengen Müllgeruch fast umfüllt; die Kuh tritt einem nur einmal in den Melkeimer; und nur anfangs forscht man im Strohsaek nach, was einen gestochen haben mag. .Aher das gilvt sich. Am nächsten Morgen um fünf steht Zippora in dem schneeweißen Regenmantel, der ihr wie eine Wurstpelle prall 11m die Hüften klebt, or dem Bett: ,,Heut lnhre ich zu meinem Baehur in die Stadt abends bin ich zurück.■‘ Nach zwei Tagen ist der Baehur gesund — und das Turnvzimnver wird mit einem ../.vil" vertauscht. Drei leldbelten stehen in dem kleinen llolzmnn. Dio Wände sind rohe Bretter. Dünne Latten mit Astlöchern teilen drei Zimmer ab — Skihütte oder Militärkamp. Links wohnt; ein junges Paar aus Amerika, rechts schlafen drei kanadische Badvurirn, in der Mitte die drei Mädchen. Die «!)geteilten ״Zimmer“ sind — wie die Abteile eines D-Zugs — eine optische Täuschung. Akustisch sind sie ein Raum. Jedes Wort ist zu hören, als würde es im seihen Z,immer gesprochen. Wenn Zvvi schnarcht, wenn Chaim sich umdreht, wenn Miriam Hebräisch lernt — so haben alle daran teil. Darum kann es im Zrif keine Geheimnisse und keinen Klatsch geben. Das Gemeinschaftsleben hat hier auch eine höchst reale Voraussetzung. ״Schläfst du schon, Riwka?“ ״Nein.“ *) Mädchen.

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