Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1938)
- Date
- 1938-03-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÖDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 23, 22. MÄRZ 1938 Hamburg! Die Bernstein-Schaffer spieltScribe Von unseren Berichterstattern Eugen Scribes Komödie ״Ein Olas Wasser“ erlebte eine wohlgelungene Aufführung im Kulturbund. Die meisterliche Regie Hans Buxbaums stellte den Kampf der beiden Rivalen treffend heraus. Das Ereignis des Abends war Jenny Bernstein ■Schaffer in der Rolle der Herzogin. Sie gestaltete die Rolle bezwingend und mit kraftvollem Temperament, ihre Sprache und Mimik waren schlechthin vollkommen. In jeder Phase der Handlung der Rolle der willensstarken, intrigant kämpferischen, dabei echt weiblich fühlenden Herzogin glutvolles Leben verleihend, war sie durch ihre vitale Persönlichkeit jederzeit Mittelpunkt des Geschehens, ln der Feststellung, daß Fritz Melchior als ihr Gegen- Spieler Boiinghrcke ihr gegenüber bestehen konnte, liegt die Anerkennung für seine Leistung. Vortrefflich war aucn Ruth Man heim er (Reimer) in der Rolle der weniger an Regicrungsgeschnften als an ihrer Liebschaft anteilnehmenden Königin, für die sie stets den echten Ton fand. Für die weniger ergiebigen Rollen des Liebespaars Abigail und Masham setzten sich Ursula Lieblich und Hans Heinz Friedeberg mit gutem Erfolg ein. In Nebenrollen waren Kurt Schindler und Max Wächter gut am Platz. Volles Lob gebührt Heinz C o 11 d e 11 für die prächtigen Bühnenbilder und Käte F r i e d 11 e i m für die Kostüme. Das Publikum unterhielt sich vorzüglich und dankte mit stürmischem Beifall. Der erste Konzertabend im neuen Gemeinschaftshags gab dem Tempelchor unter seinem Dirigenten Georg de Haas Gelegenheit, eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung zu zeigen. In Gesängen von Rossi, Mendelssohn, Lewandowski, Heule und Koriiitzer erwies sich der Chor hohen Ansprüchen gewachsen. Aus der Vortragsfolge seien hervorgehoben: die glanzvolle Wiedergabe der Rossischen Gesänge und der in Dynamik und Agogik wundervoll ausgeglichene Vortrag des Haschkiwenu von Kornitzer. Lobend zu erwähnen sind Walli Henschcl, die das Sopran-Solo im Lewandowskisehen Psalm 84 sang, und Hermann C e r i n i, der den Chor am Flügel begleitete. — Im zweiten Teil des Abends kam Kammermusik zum Vortrag: das D-Moll-Trio von Mendelssohn und Heinrich Schalits Chassidische Tänze. Ausführende waren Annie Steiger-Bet'zak (Violine), Erwin Palm (Klavier) und Dr. Jacob Sakom (Cello), die in technischer und künstlerischer Vollendung spielten und eine höchsten Lobes würdige, kammermusikalisch gereifte Wiedergabe boten. Dr. Jacques Abramo witsch Aus der Gemeinde, Seit dem 1. Januar ist die Verfassungsänderung in Kraft getreten; die Gemeinde heißt jetzt ״Jüdischer Rcligionsverband Hamburg“. In seinen Vorstand wurden zur Wahrnehmung der Interessen des ״Synagogenverbandes Altona“ dessen Vorsitzender Paul Möller gewählt. Gleichzeitig trat Dr. Hugo Zuntz, der Vorsitzende des ,,Synagogenverbandes Hamburg“ in den Vorstand des Religionsverbandes ein, während zwei Vertreter der Orthodoxie ausscheiden mußten. Die beiden neuen Herren gehören dem Misrachi an, so daß in dem zehnköpfigen Vor- Stand nunmehr vier Sitze von Zionisten eingenommen werden. Am 3. März fanden die Abschlußprüfungen an der Talmud Thora-Oberschule statt. Das Abschlußzeugnis, das dem früheren Reifezeugnis für die Obersekunda entspricht, wurden allen 51 Schülern der beiden Obertertien und allen 38 Schülern der Untersekunda zuerkannt. Die Abiturientenprüfung bestanden sämtliche 13 Schüler und Schülerinnen der beiden Primen mit gutem Erfolg. Die WIZO in Oberschlesien Der Oberschlesische Wizo-Distrikt veranstaltete, wie bereits kurz berichtet, am 20. Februar eine Arbeitstagung in Beuthen, die von Vertreterinnen der Wizo- Zweigstellen in Beuthen, üleiwitz, Hindenburg, Oppeln besucht war. Dr. Berent-Berlin referierte über die Lage in Palästina und hob in seinem Referat die wertvolle Unterstützung der Wizo in Deutschland bei der Fondsarbeit hervor. In manchen Orten werde die Fondsarbeit fast ausschließlich von den Frauen der Wizo geleistet. Die Leiterin des Wizo-Bezirksverbandcs, Fräulein Weißenberg, gab den Arbeitsbericht und sprach den Wunsch aus, den Distrikt in seiner Propaganda durch die Entsendung von Propagandistinnen in verstärktem Maße zu unterstützen. Kundgebung anläßlich der Anwesenheit von DR. ARTHUR RUPPIN (Jerusalem) Leiter der Zentralstelle zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina in HAMBURG am Mittwoch, dem 23. März, 20.30 Uhr, im Jüdischen Gemeinschaftshaus,Hartungstr. Dr. ARTHUR RUPPIN UNSER PALÄSTINA Von Aufbau, Kampf und Zukunft Dr. Michael Traut), Bericht Ober die jüngste Palästina ־ politische Entwicklung Jüdischer Religionsverband Hamburg Ortskomitee Hamburg der Jewish Agency for Palestine Die Vertreterinnen der Zweigstellen berichteten über ihre Arbeit und die Situation der Gruppen. Im Schlußwort nahm die Leiterin Veranlassung, im Namen der oberschlesischen Wizo Frau Pinczower, Ratibor, die jetzt zur Alijah kommt, den Dank für die von ihr geleistete Arbeit abzustatten und ihr alles Gute für ihre Uebersiedlung nach Erez Israel zu wünschen. In einer Abendveranstaltung sprach Frau Alexander, Breslau, über neue Wege der Wizo zur Erziehung der Jugend und behandelte im besonderen die mit der Jugena-Alijah, Mittleren-Hachscharah und den Wizo-Zertifikaten zusammenhän- ״enden Fragen. _ Rabl'. Dr. Grünewald nimmt Abschied von Mannheim Zionistisches Leben. Vom 4.-6. Februar fand in Wilhelminenhöhe ein Gruppenverbandstag statt. Referate hielten Dr. Walter Groß, Walter Tempel, Daniel Broch es und Meir Gärtner. — Am 16. Februar veranstaltete die HZV. eine ״Gesprochene Illustrierte Zeitung“, die großen Anklang fand. — Die HZV. leitete die Hachscharah-Aktion mit einer Kundgebung ein, bei der Dr. Georg Ltibinski über das Thema ״Was wird aus unserer Jugend?“ sprach. Auch der Landesausschuß der jüdischen Jugendorganisationen nahm diese Aktion zum Anlaß eines öffentlichen Ausspracheabends, bei dem Hans Gärtner^ Berlin, und Frau Tilly Zutiz, Hamburg, referierten. — AGR. Otto May, Köln, behandelte in einem Vortrag, veranstaltet vom ßildungsatisschuß des Jüdischen Religionsverbandes der Franz-Rosenzweig-Gedächtnisstiftung una dem Zionistisch-Akademischen Klub, die Fragen der Hebräischen Universität. Am 4. März verabschiedete sich im Gottesdienst in der Hauptsynagoge Rabbiner Dr. Max G r ii n e w a 1 d und wurde gleichzeitig Rabbiner Karl Richter als sein Nachfolger eingeführt. Der Vorsitzende der Gemeinde, Hauptlehrer a. D. Karl Stiefel, begrüßte den neuen Rabbiner und nahm mit herzlichen Worten des Dankes Abschied von Dr. Grünewald. Rabbiner Richter gab in seiner Ansprache einen kurzen Umriß seiner Auffassungen, betonte vor allem, daß es den Kampf gegen die drohende geistige und seelische Vereinsamung zu führen gelte, und daß allein jüdische Erziehung zu einer Anerkennung des Sinnes des jüdischen Lebens führen müßte. Nach dem Abendgottesdienst hielt Dr. Grünewald seine Abschiedspredigt, die die Gemeinde tief erriff. Er gab seiner in zwölfjähriger Arbeit entstandenen Vcrundenheit Ausdruck und legte die gestaltenden Elemente seiner Leistung dar. Die Predigt war ein von Leidenschaft erfülltes persönliches Bekenntnis, das in eine Darstellung der Aufgaben einmündete, die vor uns liegen. Famflien-Nachrichten Herr Sigmund S ii ß - S c h ü le in, Halberstadt, Fischmarkt 12, begeht am 25. März den 70. Geburtstag. Barmizwah-Termln. Am 9. April (8. Nissan): Ludwig Tavid Stein, Sohn von Synagogenrat Dr. Berthold Stein, Mannheim. Ankündigungen Frankfurt a. M.: Gesellschaft für jüdische׳ Volksbildung. Vortrag Dr. Willy Cohn (Breslau), 28. März, 20,30 Uhr, über: ״Die jüdische Geschichte, eine stolze Erinnerung und eine Verpflichtung für die Zukunft“, Zionistentag in Mannheim Der Gruppenverband Siidwestdentschland und Baden- Württemberg-Pfalz hielten in Mannheim eine Tagung ab, die schon dadurch besondere Bedeutung hatte, daß Dr. Grünewald im Schlußreferat Abschied von seinem bisherigen Wirkungskreis nahm. Ein Oneg-Schabbat am 12.!Mürz unter Leitung von Dr. Kaleko brachte Rezitationen, von Herrn Koninski stimmungsvoll vorgetragen, ferner Ansprachen von Rabbiner Richter und Dr. Flesch und zeigte eine außerordentlich stark betonte hebräisch-kulturelle Note. Das Hauptreferat am 13. März hatte Dr. J o s e p h t a 1, Berlin, über ״Jüdische Situation und zionistische Politik“. Fr 'legte dar, daß die kulturelle Mission des Zionismus eine so stark historisch verwurzelte Simiesrichtung beim einzelnen Juden verlangt, daß beim Durchschiiittsjudon in Deutschland diese Voraussetzungen in der Regel nicht vorhanden sind. Nur bei einer stark jüdisch zu erfassenden Jugend kann diese Kulturmission sich noch erfüllen. Es tagten dann verschiedene Kommissionen, so die Lehrer unter Leitung von Dr. Kaleko, K. H. unter Leitung von Dr. Flesch, Mannheim, und KKL. unter Leitung von Dr. Licht. In der Nachmittagssitzung sprach Rabb. Dr. Grüne wald über ״Zionistische Idee in unserer Zeit“. Er zeigte, wie die innerlich starke Stimmung, die Zionisums bedeutet und die ein Handeln verlangt, sehr oft sich wund stößt an Hemmungen vielerlei Art. Die so oft gehörte Behauptung, daß der Zionismus uns zum aktiv schaffenden Faktor unseres Geschickes macht, ist mit den Tatsachen der Geschichte nicht immer konform. In Worten, in denen die Sorge für die Zukunft durchklang, schloß Dr. Grünewald und nahm Abschied. Die Vorsitzenden der Taeuing, Dr. Pom e ranz, Frankfurt, und Dr. ü r 0 ß b e r g e'r, Heideiborg, bezeichncten in ihren!)ankesworten an Ihr. Grünewald diesen als den vorbildlichen I eh rer mul Frager jüdischen Zukunftswillens in Palästina. Line Spende für den Max- und una Techesaknah wirkungsvoll und .-.innig abschloß. — Am nächsten Tage bildete eine Arbeitstagung der Wizo den Abschluß, die vor allen Dingen die praktischen Aufgaben der Wizo-Arbeit behandelte,' nebst einem Teuacli-Lernen von Rabbiner Richter und einem Schlußvortrag von Dr. Flesch über ״Palästina-Wirtschaft“. ' Dr. O. S. Künstlerisches und geistiges Leben Halberstadt. Das zionistische Lehen in dieser Gemeinde, das früher recht rege war, leidet seit vielen Monaten empfindlich unter der 7atsache, daß der agudistische Gemeinde- Vorstand der Zionistischen Vereinigung einen gemeindeeigenen Saal vorenthält, in dem allein größere Vorträge veranstaltet werden können. Die Haltung des Gemcindevorstandes wirkt unverständlich und ist dringend einer Revision bedürftig. Keilbronn. Die Orchester- und Chorvereinigung gab unter Leitung Kapellmeisters R y p i 11 s k i und unter Mitwirkung der Gemeindemitglieder Reis, Frau Kahn, Frau Reis, Frau Eisig und Herrn Kern, sowie des Orchesters einen Abend, an welchem neben verschiedenen Soli aus klassischen Opern auch Kompositionen jüdischer Komponisten dargeboten wurden. — Im Kulturbund gaben Paula Lindberg- Salomon und Erna Klein einen Liederabend. — Rabbiner Dr. Heimann hielt einen Vortrag über: ״Das Ringen der jüdischen Seele“, gezeigt an Wassermann, Heine und Mendelssohn. Schließlich fand noch ein Konzert des Prüwerorchesters viel Beifall. In der Zionistischen Vereinigung sprachen u. a. der Vorsitzende Dr. Kern über die wirtschaftliche Struktur der Siedlungen Naharia und Ramot Haschawim, Dr. Scherek für den Keren Hajcssod über aktuelle Palästina- Probleme. Sehr interessant verlief ein Diskussionsabcnd über das Thema: ״Muß ein Zionist nach Palästina gehen?“, sowie ein von Dr. Scherek abgehaltener Oneg Schabhat, bei dem er über die jüdische Gottcsauffassimg an Hand des midrnschischen Schrifttums sprach. —- Die Seelenzahl der Gemeinde beträgt noch ca. 510, was einem Verlust von ca. 30 0/״ seit 1933 bedeutet. Vom Winterhilfswerk wurden ca. 12 <V0 der Gemeindemitgiicder unterstützt. Zionistisches und ßemeindeleben Altenburg Vk.1M.lu1t/ \ 1 ז > k t >!!'. Freund Bochum. Am 12. M;kz sprgeh Erich F. rank (Dortmund) über: Borken.. Am. 13. Märr hielt Erich Krank (Dortmund)^ auf Düsseldorf. Ai» 14. Mürz veranstaltete die Zionistische V«- der Humoresken und Kurzgeschichten vortrug. Wanne-Eickel. Auf einem Vortragsabend der Gemeinde sprach Erich Frank (Dortmund) über: ״Berlin 1799 — Paris 1808 — Damaskus 1840“. NÜRNBERG/F0RTH Teppiche Möbelstoffe Gardinen Perser Teppiche * Brücken Das leistungsfähige Spezialhaus BLUM ENFELD NÜRNBERG. Adlara«ra6e 36 ^Kleider, Mäntel, Pelze, Maßanfertigung^ Seidenhous LCSll Iflcllf 11 Nürnberg j:b!.März 1938 JosepKisplatz 3^ Herde u. Oefen ERLE S:5: Niirnberg-N, Johannistraße 9/11 Wir beraten und bedienen Auswanderer!:!verlässig und gut M. WEINHEBER FUrlt* LB.V Hlndenburgeiroße 3-5 Dm Spezialhau* für Wäsche-Ausstattungen und Gardinen Spezialität: Handgearbeitete Tisch• und Bettwäsche ®!?ener Herstellung Jüdischer Buchvartrleb Marie Rosenberg FUrth i. Bayern Gabelsbergerstr. 4 — Telefon : 70 869 Reichh. Lajfer jüd. u. hebr. Bücher, a. Anti* quariat. Allg. Literatur jüd. Verfasser. Sendungen innerhalb Deutsch!, portofrei Adolf Biermger&C0. 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