Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1938)
- Date
- 1938-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653563--31949-2683640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 23, 22. III. 1938 ״Wege nach Zion1״ Wie man 1883 nach Palästina reiste Unter dieser Ucberselirift veröffentlicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, der ״Dawar“ Bruchstücke aus der jüdischen R e i s c 1 i t e r a t u r der Vergangenheit. Das folgende Stück ist der Rcisebcschreibung des Jechiel Michael Pines entnommen und bezieht sich auf eine Paliistinareise aus dem Jahre 1883: Wann macht inan sich auf Jen Weg? Bis zum Monat Aw ist es zu heiß, und von Aw bis Kislew gibt es viele Krankheiten, und wer das Klima nicht gewöhnt ist, kann Malaria oder Augenkrankheit davontragen, von Kislew bis Purim ist die Regenzeit, es ist kalt, und in die Häuser dringt das Wasser ein, auch ist das Meer stürmisch und die Seefahrt gefährlieh, deshalb pflegt man im Frühling nach Purim nach Pa- Jästina zu fahren. .Man kann nach Palästina sowohl durch das Adriatische Meer von Triest aus, wie durch das Schwarze Meer von Odessa aus gelangen. Wem seine Gesundheit lieber ist als sein Geld, der fährt über Triest. Die Fahrt von dort ist teuer und schnell. Die Armen aber oder jene, die sparen wollen, fahren über Odessa langsam, aber für geringen Preis. Das österreichische Schiff geht einmal in II Tagen von Odessa nach Jaffa. Das russische Schiff geht jede Woche. In der Woche aber, in der auch das österreichische Schiff geht, fährt das russische am Dienstag, bleibt 3 Tage in Stambul und läuft noch alle möglichen Mittelmeerhüfen an, bis es nach 14 Tagen nach Jaffa kommt. Das russische, das Odessa in der anderen Woche am Schahbat verläßt, ist nach einer Woche in Alexandria, und von dort aus bringt ein anderes Schiff die Passagiere in zwei Tagen nach Jaffa. Vor der Abreise schreibt jeder Passagier seinen Verwandten oder Bekannten in Palästina das genaue Datum seiner Abfahrt von Odessa und seiner voraussichtlichen Ankunft in Jaffa, damit man sie in laffa abholt und vor Schaden bewahrt. Arme Leute schreiben einen .Monat vorher, und Reiche schicken ein Telegramm. Findet er bei seiner Ankunft den Verwandten nicht in Jaffa, so vertraut sich der Reisende dem Agenten an, der sich durch ein Dokument der Kollelini (Hilfsorganisationen des alten Jischmv - Red.) in Jerusalem ausweist. Er tut alles, was der Agent ihm rät und behandelt den Agenten sehr gut und vermeidet jeden Streit mit ilun, aber er hält die Augen offen. Die Wagen nach lernsalem stehen vor einer Ruine, wo es Wasser für die Pferde gibt. Der Reisende bekommt dort Kaffee vorgesetzt und zahlt dafür ohne Widerrede den geforderten Preis. Gegen Abend verlassen die Wagen Jaffa und in der Nacht gelangen sie nach Bah el Wad. Dort ist eine große Herberge. Man kann eintreten und dort für einen^Fran* rittgeren!3reis draußen in einer Hütte Kaffee trinken. Von hier an wird der Weg nach Jerusalem gebirgig, und so müssen die Reisenden vielfach absteigen und Strecken zu Fuß gehen. Frauen und verwöhnte Reisende, die das nicht wollen, müssen sich mit dem Wagenlenker gut stellen. Bis vor kurzem gab es noch keine Gasthäuser in Jerusalem, und man war auf private Gastfreundschaft angewiesen. Seitdem aber die Zahl der Reisenden zu- und die Gastfreundschaft abnahm, wurde ein Gasthaus errichtet, in dem man für geringen Preis Unterkunft und Verpflegung finden kann. Von der Woche Der neue High Commissionen empfing eine arabische Abordnung, die aus Ragheb Naschaschibi, Jacoub Faradsch und Said el Hussein! bestand, in arabischen Kreisen ver* laufet, Sir Harold MacMichael habe der Abordnung gesagt, seine erste Pflicht werde sein, Ruhe und Ordnung im Lande wiederherzustellen, und daß er die arabischen Führer aufgefordert habe, ihm bei seinen Anstrengungen Beistand zu leisten. Mahmoud El tu na di, ein führender arabischer Rechtsanwalt, wurde in einer Straße in Haifa von Terroristen angeschossen und s c h w e r v e r w ti n d e t. Die Angreifer entkamen. Elmaadi, der der radikalen Arabergruppe angehört und als Verteidiger der arabischen Terroristen vor den Militärgerichten auftrat, ist ein wohlhabender Mann; der Ueberfall auf ihn soll auf seine Weigerung zurückzuführen sein, sich erpressen zu lassen. Montag vormittag wurde Scheich Aref H 11 s s e i n i in der lerusalemer Altstadt von unbekannten Tätern angeschossen. Er wurde von vier Revolversohiissen schwer verletzt. Bei Nablus drnnuen arabische Terroristen in ein Haus ein, um Geld zu rauben, und töteten zwei Araber. Ein unbekannter Araber warf eine Bombe auf einen jüdischen Omnibus gegenüber der Fgged-Oinnihus-End- Station in Jerusalem. Fm weiblicher Passagier des Omnibus wurde schwer verwundet und andere Passagiere leichter. Bei einem Bo m b c n a h w ״ r f auf der Jaffastraße in Jerusalem wurden zwei jüdische Passanten verwundet. Mohammed ii am da 11, ein?.?jähriger Araber, wurde vom Militärgericht in Jerusalem wegen Tötung eines arabischen Hilfspolizisten am!. Februar 1938 in der Nähe von Jericho zum Tode verurteilt, Meldungen zufolge wird für die transjordanische Grenztruppe eine zusätzliche Rekrutierung ausgeführt, um die Grenzpatrouillen zu verstärken. Lord Llovd, der frühere ägyptische High Commissioner, trat in Palästina zu einem kurzen Besuch ein. Der High Commissioner gab für ihn einen Empfang, bei dem unter anderen Lord Samuel und Mosche Schertok als Gäste anwesend waren. Die Meinungsverschiedenheiten, die seit einiger Zeit in der Tel-Aviver Stadtverwaltung herrschen, sind jetzt beigelegt worden, und es wurde ein Abkommen geschlossen bezüglich der Verteilung der Funktionen zwischen dem Bürgermeister Rokach und dem stellvertretenden Bürgermeister Dov Hos. Rokach wird in Zukunft in allen Angelegenheiten sich mit Dov Hos beraten, auch bei Verhandlungen mit der Regierung. Prof. David Y e II i n wurde zum Ehrenpräsidenten der Jerusalemer jüdischen Gemeinde gewählt. Mitglieder des Präsidiums wurden A. Eliasher, Chain! Solomon und Dr. Jacob Thon. Ein Kostümfest in Jerusalem. Trotz der ernsten Zeiten lud das Jerusalemer Musik-Konservatorium zu einem großen Kostümfest in seine Räume. Kostümfeste sind für Palästina im allgemeinen, besonders aber für Jerusalem ein Novum. Dieser erste Versuch aber brachte — nach jeder Seite hin — einen vollen Erfolg. Der Tel-Aviver Maler David Scheuer hatte die Räume des Konservatoriums mit heiteren Wandmalereien geschmückt, die beschwingte Stimmung allerorten aufkommen Heß. Besonders hübsch war Scheuers Idee, einen Raum als ״Kunst-Ausstellung“ zu gestalten. Witzige Parodien aut Werke berühmter jüdischer Maler wie Chagall, Modigliani und anderer machten den Freunden und Kennern jüdischer Kunst viel Spaß. Lehrer und Schüler des Konservatoriums bildeten selbst die schmissig spielende Jazz-Band. Unter den zahlreichen Gästen des Festes sah man auch die Tochter des High Commisskmcrs, Mitglieder der Leitung der Jewish Agency und bekannte Jerusalemer Künstler und Schriftsteller. Die Höhle Vor einiger Zeit erschien in der ״ Jüdischen Rundschau“ ein Artikel von Arnold Wiener ״Die Höhle Machpela“, in dem bezweifelt wird, daß die heute in Hebron gezeigte Höhle Machpela die wahre Grabstätte der Erzväter sei. Demgegenüber sei hingewiesen auf die Aiisführungen, die Dr. Bernh. Neumann, ehemaliger Chefarzt des Krankenhauses ״Mayer Rothschild“ zu Jerusalem, in seinem 1877 erschienenen Buche; ,,Die Heilige Stadt" über die Höhle Machpela macht. Da heißt es: ״Die Richtigkeit der während zweier Jahrtausende fortlaufenden Ueberlieferung, welche die in Hebron gezeigte Stelle als die in der Bibel bezeichnet?, unterliegt nicht dein mindesten Zweifel.“ Entgegen der Ansicht Wieners, daß Josephus nichts von der Höhle Machpela bei Hebron erwähnt, schreibt Dr. Neumann: ״Von Bauwerken über der Doppelhöhle findet man in josephus Erwähnung. Er berichtet, daß Abraham und seine Nachkommen über den Gräbern der Höhle Monumente errichteten, und daß die Gräber der Patriarchen ... noch zu seiner Zeit in Hebron zu sehen waren. Ein Pilger im Jahre 333 beschreibt das Monument Abrahams als ein aus Steinen von bewundernswerter Schönheit erbautes Viereck. Dies bezieht sieb ohne Zweifel auf das gegenwärtige äußere Gebäude, das schon in den Tagen des Josephus vorhanden war.“ So sind in allen Jahrhunderten Besucher von Namen in dem Buche von Dr. Neumann aufgeführt. Aus dem ltinerar des Antonius Mart geht hervor, daß gegen das Jahr 600 eine Basilika dastand, die er als ein Viereck mit einem inneren Hofe ohne Dach beschreibt, in welches Juden und Christen von verschiedenen Seiten eintraten. Areulfus sah gegen 700 das Innere der Grab- Stätte und erzählt, daß die Häupter der drei Patriarchen nach Norden gerichtet waren. Benjamin von Tudela fein geschiehtlieh bekannter Reiseschriftsteller) sah im Janre 1165 das Innere der Machpela und erzählt, daß zur Zeit der Araber Machpela vor den Kreuzzügen die Israeliten daselbst eine Synagoge gehabt hätten. B. v. T. beschreibt das Innere der Höhle ausfiihrlicli und erzählt, daß er erst durch zwei leere Höhlen in eine dritte geführt wurde, ln der letzteren liegen die! Sepulcra. Alle haben Inschriften. Aut Abrahams Grab stehen die Worte: ״Dies ist das Grab unseres Vaters Abraham über der״ Friede sei“, und ähnlich bei den anderen. Ebenso naben Rabbi Petachja aus Regensburg im Jahre 1176, der berühmte Rabbi Jonathan b. David Hakohei* im Jahre 1210 freien Zutritt zur Höhle erlangt. Erst im Jahre 1833 spricht ein Reisencfcr, Vere Mero, von Scheingräbern, die über der eigentlichen Höhle errichtet sind. Interessant ist auch, daß im Jahre 1862 der Prinz von Wales mit einem großherrlichen rirman versehen den Hof und die Moschee besucht habe, ohne auf Schwierigkeiten seitens der Mohammedaner zu stoßen, aber auf ihre Bitten davon Abstand genommen habe, die unterirdische Höhle zu besuchen. Es soll auch erwähnt werden, daß die äußere Ringmauer des Haram aus sehr großen Quadersteinen erhaut ist, die den ältesten Teilen der Westwand zu Jeru- Salem aus der salomonischen Zeit ähnlich sind. — Wenn iri der Bibel davon gesprochen wird, daß die Höhle vor“ Hebron lag־, und die jetzt gezeigte Stelle j n Hebron ist, so wird dieser Widerspruch in dem zirka jm Jahre 1844 von dem in Jerusalem lebenden Rabbi Israel Chaim ha- Cohen in hebräischer Sprache verfaßten Büchlein ״Chibbath Jeruschalaim“ erklärt. Danach befand sich das alte Hebron etwa V* Meile von dem heutigen. Noch heute heißt der Ort Chebra. ״Zu Ehren der Erzväter wurde das heutige Hebron um die Grabstätten derselben erbaut.“ Damit glaube ich klargestellt zu haben, daß wir keinen Grund haben, daran zu zweifeln, daß die Höhle Machpela bei Hebron die Mearath Hamachpela der Bibel ist. Philipp Silberpfennig (Allenstein) Die Aufnahme der neuen Schedule Jerusalem, 16. März. (Palcor.) In ihren Kommentaren zu den neuen Einwanderungsbestimmungen erklären die heliräischen Zeitungen, obwohl die politische Höchstgrenze in manchen Kategorien abgeschafft wurde, wie für Studenten, Angehörige und Jugendalijah, bliebe diese Höchstgrenze für die wichtigsten Kategorien aufrecht erhalten, wie die Kapitalisten- und Arbeiterkategorie. ״Flaarez“ fühlt in einem Leitartikel aus, daß, obwohl die neuen Bcstiinmiingen im Vergleich mit den früheren über die politische Höchstgrenze eine Verbesserung bedeuten, sie doch im Gegensatz zu den Mandatsbestimmungen ständen, die für die Einwanderung das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes vorsähen. Die arabischen Zeitungen erklären, daß die Araber die vollkommene Sperrung jüdischer Einwanderung verlangten. ״Adifaa“ schreibt, der Kolonialminister befinde sich in einem Irrtum, wenn er glaube, daß die neuen Be- Stimmungen eine Kompensation für die arabischen Forderungen seien. Große öffentliche Arbeiten in Tel Aviv Die Tel-Aviver Stadtverwaltung begann mit Genehmigung der Regierung die Ausführung von großen ö ffentlicncn Arbeiten, die 1300 Arbeitern für sechs Monate Beschäftigung geben werden. Feiner soll in Kürze mit Kanalisationsarbeiten begonnen werden, für die eine Summe von einer halben Million Pfund ausgesetzt wurde. Bei diesen Arbeiten werden 1000 Arbeiter für drei Jahre beschäftigt. Segelschiff überfällig In Haifa beunruhigt man sich über das Segelschiff der Naclischon-Gesellsehaft ״R a h a f“, das am 10. März in Haifa fällig war. Es ist 195 Tonnen groß und hat eine Diescl-Hilfsmaschine, besitzt jedoch kein Radio. Es sollte eine Ladung Schwefel von Kreta nach Palästina bringen. Der Kapitän des Bootes ist der ehemalige erste Schiffsoffizier des Dampfers ״Tel-Aviv“, Rosenthal. Weiter befinden sicj! acht jüdische Seeleute auf dem Schiff. Die Hafenbeamten erklären jedoch, es bestände noch kein Grund zu Besorgnis, da die See’ nicht stürmisch ist. ״Die Erlösung der Gefangenen“ Die ״Erlösung der Gefangenen“ (Pidion schwujim) ist ein in der hebräischen Literatur sehr geläufiger Ausdruck. In! Mittelalter, wo es sehr häufig vorkam, daß Juden in die Sklaverei verschleppt wurden, war die Geldsammlung für den Loskauf der Gefangenen in allen Gemeinden eingeführt. Nunmehr wird m Palästina dieses Schlagwort in einem neuen Sinne gebraucht. Anläßlich des 84. Geburtstages des hebräischeu Erzählers A. S. Rahbino witsch veröffentlicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, ״Dawar“ einen Aufruf: A. S. Rabbinowitsch macht seit mehreren Jahren Propaganda für den Gedanken, den großen Reichtum der Wissenschaft des Judentums, der in allen möglichen Sprachen verstreut ist, in hebräischer Sprache zu sammeln und herauszugeben. Auf diese Weise würde der hebräischen Literatur ein großer Ver- Inst ersetzt werden, der dadurch entstanden ist, daß seit einigen Generationen die judaistischen Forscher auf gehört haben, hebräisch zu schreiben, und gleichzeitig würde ein großes Werk der Sammlung und der Konzentration der Wissenschaft des Judentums statthaben. ״Dawar“ tritt insbesondere dafür ein, daß die Werke auf dem Gebiete der Geschichte ins Hebräische übersetzt werden. Es soll ein Ausschuß eingesetzt werden, der einen Plan für die Ueber- Setzung der wichtigsten Geschichtswerke ins Hebräische entwirft. Mit einem solchen Werke könnte zugleich ein Unterstiifzungsvverk für erwerbslose Schriftsteller geschaffen werden. Der Urheber des Planes dieser Sammlung, der greise Schriftsteller A. S. Rabbinowitsch hat die letzten Jahre daran gearbeitet, das große Buch W, Bachers ״Die Aggada der Tannaiten und Amoräer“ ins Hebräische zu übersetzen. Der zwölfte Band des Werkes, der das Buch abschließen wird, ist schon im Druck. Die Bedeutung der Tradition. In Erwiderung auf einen Angriff, den der ״Bustenai“ gegen einen vom Kibbuz meuchad herausgegebenen Fest- und Gaieiik-Kalcnder gerichtet hatte, schreibt M. Braslawski im ״Dawar“: Wir können uns nichts vonnachcn: viele Formen der Tradition sind für uns unbrauchbar geworden. Unsere Generation fand für ihr jüdisches, menschliches und ihr palästinensisches Leben keinen gebahnten Weg. So wenig wir wußten, wie wir den Boden bearbeiten, Straßen bauen und Schiffe lenken sollen, so wenig wußten wir, wie wir den Schabbat feiern sollten. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Abgrund zwisehen körperlichem und geistigem Leben zw übcrbrücken. Wir haben uns dadurch nicht au unserem Judentum vergangen. Wir sehen in unserem Leben ein Glied in einer langen Kette. Es war uns nicht darum zu tun, ein Jod! ,abzuwerfen, die Forderung nach einer Umwertung der Werte erfolgte nicht im luftleeren Raum, sondern sie war auf Tatsachen gegründet. Wir verstehen nicht, was man von uns verlangt. Wir können nicht einfach zur peinlichen Beobaehtung aller Gebote zurückkehren. Wir wollen ein tiefes und treues Verhältnis zu den geistigen Werten unseres Volkes, aber alles muß neu geläutert werden im Schmelztiegel unseres Lebens in diesem Lande. Familien - Nachrichten Frau Berta Jonas, Haifa. Kmcrcthstr. 6/1II, bei Siegfried Bcsmann (früher Limburg und Marburg), begeht am 27. Mars den 70. Ce- Barmlzwah-Termin. Am 9. April (8, Nissan): Usiel (Ignaz Heinz) Ellern, Sohn von Hermann Eller״, Ramat-Can, Haus Ellern. Purim in Tel Aviv Die traditionellen Purimfestliclikeiten wut-den nicht in so großem Maßstabe wie vor 1936 in Tel Aviv gefeiert. Trotzdem zeigte die Stadt festlichen Schmuck. Die Megillah wurde in der Großen Synagoge verlesen und durch Laut- Sprecher in allen Straßen übertragen, wo Tausende zuhörten. Weiter fanden zahlreiche Vorstellungen unef Tanzveranstaltungen in Tel Aviv statt. Tel-Aviver Kunstnotizen. Außer dem in Nr. 18 der ״Jtidisehen Rundschau“ bereits gewürdigten Konzert unter Leitung Eugen Szenkars fand — nur in Tel Aviv — gleichfalls unter seiner Stabführung ein Sonderkcmzert statt, das dem Dirigenten und Orchester stürmische Ovationen eintrug. Das Programm: Webers ״Oberon-Ouvertüre“, Beethovens 7. Symphonie, Präludium von Liszt, ״Zauberlehrling“ von Dukas und Ravels ״Bolero“, wurde auf der anschließenden Aegypten-Tournee, die i!1 Kairo und Alexandrien mit größtem Erfolg bei Publikum und Presse absolviert wurde, wiederholt. Ein zweites Konzert in Aegypten dirigierte, ebenfalls erfolgreich, lssay Dobrowen, der anschließend in Palästina seine Tätigkeit als Leiter einiger Konzcrtserie!! aufgenommen hat. Die Nachfrage nach Abonnements zu der angekündigten Serie von fünf Jugendkonzerten des Palästina-Orchesters in Tel Aviv war so stark, daß jedes Konzert zweimal zur Aufführung gelangen wird. Vor einer Zuhörerschaft von 1000 Jungen und Mädchen fand das erste Programm unter Leitung von Wolfgang Friedläncfer, das Werk von Rossi, Bizet, Rossini, Beethoven und Wipiawski (mit der Violinistin Schulamith Silber als Solistin) brachte, starken Beifall. — Elsa Jüli sch-Taube und Michael Taube traten — im Saal ihres Konservatoriums — mit einem Gesangs- und Klavierabend vor das Publikum. Taube interretierte feinfühlig Klavierstücke von Schubert und Debussy, rau Jiilisch erfreute besonders durch mit hervorragender Gesangkultur und strahlendem Sopran zum Vortrag gebrachte Lieder von Brahms, Ravels ״Nicolette“, sowie mit einer Arie aus ״Othello“. — Gleichfalls im Taube-Konservatorium führte Dr. Peter Graden witz ein Schallplattenprogramm ״Ballett und Tanz in drei Jahrhunderten“ vor. fm Rahmen der 20״ Minuten Kleinkunst“, die allwöchentlich in dem Kino ״Schderoth" vorgeführt werden, traten in den letzten Wochen als Conferenciers und Mitwirkende in kleinen Szenen die Herren Donath und Berlinski auf. Weitere Mitwirkende waren Harry Lind, Alina Rußländer, Rose Sarnow, Margot Feinzak. M. Geis Konzert in Rechowoth. Issay Dobroivcn dirigierte das einzige unter seiner Leitung für die Moschawoth vorgesehene Konzert in Rechowoth. Diesmal wählte Dobrowen unter anderen! zwei Meisterwerke der Romantik: Felix Mendelssohns Ouvertüre zum ״Sommernachtstraum״ und Robert Schumanns erste Symphonie in B-dur. — Der rumänisch-jüdische Komponist Alexander B o s k 0 w i t c h stellt« sich mit einer interessanten Bearbeitung populärer jüdischer Volkslieder für Orchester in Form einer Suite vor und errang einen Achtungserfolg. Die selten gehörte ״Tzar Saltan״-Suite von Rimsky- Korsakov bildete einen wirkungsvollen Abschluß des Konzerts. — Mit dem steigenden Bedürfnis nach guter Musik in Rechowoth ist auch der Wunsch entstanden, die reichhaltige Kammermusikliteratur kenncnzulernen. Anfang Februar konslituierie sich die ״Gesellschaft der Musikfreunde“, die zunächst drei Abonnements-Konzerte für diese Saison in Aussicht genommen hat, in der Kammcrmusikwerjce zu Gehör gebracht werden sollen. Im ersten Konzert, einem Sonatenabend, hörte man Haendcls Sonate in D-dur, Mozart A-dur, ״Les Adicux“ von Beethoven und schließlich die Kreutzersonate, Ausführende waren: Frau N. Reichert-Eitingcm (Klavier) und Herr Fliederbaum, Mitglied des Palästinaorchesters (Violine). (Schluß des Palästinateils) Seew Eisner