Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-03-22 · Heft 23 (22.3.1938) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 23 (22.3.1938)
Date
1938-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653563--31948-2683639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT Nr. 23, 22. MÄRZ 193t ״Made In Palestlne“ Erzeugnisse des Landes, die man kaufen soll Von Dr. F e 1 i א A. T h e i 1 h a b e r, Tel Aviv In der Zeit der ersten lugend der palästinensischen Irdustrie konnte man häufig beim Publikum gewisse Vorurteile gegen ihre Qualität feststellen. Jedes Land hat eben seine Experimentierperiode, und das Sammeln von fcrfanrungen kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Der Käufer, der erste und vielleicht weniger gelungene Versuche des jüdischen Fabrikanten einmal mit seinem Portemonnaie unterstützte, wurde unfreundlich gegenüber den einheimischen Prodükten und hält sich jetzt häufig lieber an die erprobten ausländischen Markenartikel. Zu unrecht. Denn viele heimisehe Erzeugnisse sind einwandfrei und sogar besser als die fremde Ware, die in großen Mengen den Markt überschwemmt. Ein kleiner Ueberblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit soll das zeigen. ״Das Land, In dem Milch und Honig fließt“ Trotz des herrlichen, vitaminreichen Honigs von den Blütenfeldern des Scharon wird minderwertiger ausländischer Honig eingeschleppt. Nährwcrtlose Marmelade aus fernen Ländern unterbietet zu Schleuderpreisen die heimische und teilweise wirklich erstklassige Ware. Schutzlos wie die palästinensische Landwirtschaft ist, kann sie nicht einmal ihre Produkte in Ruhe absetzen. Natürlich denkt kein Konsument daran, daß er beim Gebrauch von ausländischer Büchsenmilch den heimischen Bauern brotlos macht. Das El des Cotumbus ״Ich soll jüdische Arbeiter einstellen“, sagte zu mir ein Kolonist, ״die dann dänische Butter essen.“ Wie in einem Rattenschwanz sind die Probleme miteinander zu einem fürchterlichen Knäuel verwickelt. Nun sollte man denken, daß wenigstens das jüdische Ei, wenn ebenso preiswert, von den Einheimischen gekauft würde. Das jüdische Ei ist größer und gehaltvoller als das mindere syrische, der Preis entspricht genau dem Mehrgewicht, so daß eigentlich der Käufer des Eies aus den jüdischen Kolonien finanziell besser fährt. Aber der Cafütier z. B, bevorzugt das syrische, das um 1—2 mills weniger kostet. ״Ich liefere jedem Gast zum Frühstück ein gekochtes Ei und muß sparen. Es tut mir leid, ich kann die jüdische Landwirtschaft nicht gegen mein Interesse unterstützen.“ Und man sieht schon hier, wie die Wirtschaft des Einzelnen dem Gesamtinteresse entgegensteht. In allen Kulturländern nimmt sich in solchen Fällen der Staat der Interessen der heimischen Bauern an. Armes Palästina Sprechen wir schon nicht vom Käse, von der Butter, die aus der ganzen Welt hierhergeschleppt wird, von lebendem Geflügel, deren Transport den Schiffsverkehr mit Rumanien rentabel macht, von Nüssen, sogar von Datteln, die 1m Werte von 20 000 Pfund die Landesgrenze passieren. Wir wollen von einfachen A e p f e I n sprechen, die in ganzen Schiffsladungen aus Amerika zu Spottpreisen, insgesamt für 157 000 Pfund, aut den Märkten verhökert werden. 157 000 Pfund, das ist eine gewaltige Summe für einen Jischuw von 400 000 Juden, eine gewaltige Ausgabe für ein Land, das selbst die herrlichsten Früchte zieht, fast das ganze Jahr frisches Obst gewinnt und mit dem Absatz seiner Orangen und Trauben die größte Mühe hat. Wer seelisch mit dem Lande verbunden ist, wird die Lektüre der Ziffern, die sich für den Import von Lebens- und Genußmitteln ergehen, nicht mit großem Vergnügen vornehmen. Man fühlt förmlich einen Schmerz, wenn man z. B. erfährt, daß 70000 Pfund ans Ausland fließen für fertige Schokolade, Bonbons Biskuits und Kakao, obwohl die heimische Industrie unbestritten erstklassige Waren herstellt, deren Verpackung geschmackvoll ist und die auch den verwöhntesten Ansprüchen genügen können. So aber finden sich in den Läden der Allenbystraße ausländische Waren, in deren Herkunfts- Länder auch nicht für ein Pfund palästinensische Erzeugm'sse eingeführt werden dürfen! Kann man sich wundem, daß im Lande des Olivenbaues und der Pottasche fremde Seifen feilgehalten werden, obwohl es in der Seifenher- Stellung Firmen mit Weltruf gibt, wie die Fabrik Schemen^ und daß Schuhcreme, Margarine, Hefe, Makkaroni in fertigem Zustand eingebracht werden, deren Herstellung den schwer um ihre Existenz kämpfenden industriellen Werken zu gönnen wäre. Eulen nach Athen »ragen Jetzt überrascht uns auch nichts mehr nicht daß wir in Erez Israel für 25000 Pfund Weine und Saftgetränke aus dem Ausland beziehen, obwohl infolge Ueberflusses Weinberge ausgerodet wurden und'der Wein gut und billig ist und der verwöhnte Weintrinker einen guten Tropfen wählen kann. Aehnlich liegen die Dinge beim Konsum vom Bier, Likören, von Zigaretten und Zigarren. Der hiesige Zigarettenfabrikant muß bei der Einfuhr von Tabak Zoll bezahlen und nach der Herstellung der Zigarette eine weitere Steuer; der Ausländer, der sein Fertigprodukt ins Land schickt, hat nur einmal Zoll zu zahlen und wird also weniger belastet als der palästinensische Industrielle, der einigen Hundert Menschen Arbeit gibt. Eine solche Zollpolitik dürfte in der Welt nicht leicht wieder Vorkommen. Kennt schon die Regierung keine Ausfuhrprämien, so müßte sie loyalerweise dem Fabrikanten, der Rohprodukte verarbeitet und sie ausführt, den Zoll wenigstens teilweise zurückvergüten. Aber wer mit solchen Zumutungen an sie herantritt, predigt tauben Ohren. Noch eine bittere Erkenntnis: Salzt Um das Bild der Absurdität und der Paradoxie vollzumachen, sei noch angeführt, daß man wohl im Salzmeer und am Mittelländischen Meer Anlagen zur Salzgewinnung hat, was aber nicht verhindern kann, daß man auch Salz hereinschleppt. Uebcr das Vermahlen des Getreides, das zu Hunderttausenden von Pfunden imfjortiert wird, ist noch ein Streit und man hofft, daß die Jewish Agency den 30 Mühlen des Landes diesen Verdienst zuführen kann. Seit einiger Zeit bemüht sich die Ag ency, der heimischen Industrie den Markt zu erobern. Was sonst Aufgabe der Regierung ist, muß hier eine Stelle versuchen, die keinerlei Machtmitte! besitzt und statt zu verordnen, durch Verhandeln und Bitten dem Prinzip des ״Tozeret haarez“ praktische Durchföhrung gewährleisten will. Tatsächlich ist es ihr gelungen, alle jüdischen Schuhgeschäfte zu verpflichten, nur mehr Landeserzeugnisse zu verkaufen und damit 20 Fabriken, die für etwa 300 000 Pfund Waren erzeugen, leistungsfähig ni erhalten und einer größeren Arbeiterzahl seine Dauerbeschäftigung zu sichern. Ebenso wurde die Verwendung im Lande erzeugter elektrischer Drähte, von AutomotorbaLerien, von Kinderspielzeug (Puppen) u. ä. bei den Abnehmern gesichert. Die Kreise, die sien mit der Frage des ״Tozcret Haarez“ ernsthaft ahgaben, konnten feststellen, wie leistungsfähig die Zweihunderttausend Jahre Palästina Ein Besuch Im Rockefeller ־ Museum Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, 11. März 1938 Ein aktuelles Problem Jerusalems Die Hauptstadt hat seit einigen Monaten eine neue große Attraktion bekommen. Das große Museum, das die Palästinaregierung aus der Millionenspendc Rockefellers gebaut hat, ist dem Publikum seit einiger Zeit geöffnet (siehe hierüber den Bericht in Nr. 5/1938). Gibt man jedoch in Jerusalem seine Absicht kund, diese neue interessante und wichtige Institution zu besuchen, so fragen die ״Einheimischen“: ״Ja, aber wie kommen Sie denn da hin?“ Es ist ein Zeichen der anormalen Zeiten, in denen wir leben, daß, während von außen her gesehen sich das Leben in der Hauptstadt ganz geregelt abspielt, jeder seiner Arbeit und, soweit er kann, auch seinem Vergnügen nachgeht, die Stadt sich in zwei Teile zerspalten hat: Es gibt Gegenden, die sicher sind und Gegenden, die man besser aus Vorsicht nicht aufsucht. Und diese Gegenden liegen oft ganz nahe beieinander, und man bekommt eigentlich nicht recht heraus, warum das eine Viertel erlaubt ist und das andere nicht. Aber die Erklärung ist einfach. Seit der Terror herrscht, konzentrieren sich die Juden mehr und mehr in die jüdischen Gegenden und auch, wo Juden und Araber gemeinsam wohnen, gibt es bestimmte Straßen und Straßenzüge, die nur ungern betreten werden. Macht man die Probe aufs Exempel und bewegt sich, als wäre nichts geschehen, so schadet das in den meisten Fällen auch nichts. Aber es bleibt ein unterbewußtes Unbehagen, und das bestimmt die spürbare Begrenzung der Bewegungsfreiheit, vor- .anlaßt auch Geschäfte in bestimmten Gegenden dazu, sich immer mehr nach den jüdischen Zentren zu verpflanzen. Gegenüber der Mauer Die geringe Unbequemlichkeit des Zugangs wird mehr als aufgewogen durch die prachtvolle Lage des Museums. Von dem breiten Eingangspodest hat man einen überwältigenden Blick auf die gelb verwitterte Sarazenenmauer, auf den skopus und Oelberg und die altvertraute Kette der judäischen Hügel. Keine schönere Stelle hätte man sich für ein Museum wünsehen können, das bestimmt ist, die reichen archäologischen Funde aus palästinensischem Boden zu beherbergen. In einer solchen Umgebung ist es nicht leicht zu bauen. Die Hügel und die Stadt, ■die alte Mauer und die Linien der Berge stehen jedem neuen Gebäude, das sich ihnen beigesellen will, zuerst feindlich gegenüber. Sie sind zu einem Ganzen zusammenewachsen, in dem jede neue Mauer und Kuppel als ein Einringling erscheint, an den man sich erst langsam gewöhnen muß. Beim Rockefeller-Museum ist das Wagnis des Baues jedoch geglückt, obwohl der weiße Stein, aus dem es erbaut ist, gerade durch seine Weiße und Unberührtheit noch stark blendet und die Sehnsucht nach der Zeit erweckt, wo Regen und Sonne ihm einen matteren und durchscheinenderen Ton verliehen haben werden. Aber es ist gut, die schweren und glatten Formen zu betrachten, und vielleicht noch besser, aus der blendenden Helle des Podestes in die kühle Wölbung der Innenhalle zu treten. Hier faßt uns zuerst das Staunen des ״Provinzlers“. Es ist verblüffend, daß wir plötzlich in Palästina ein großes und richtiges Museum haben, mit allem was dazu gehört, daß man jetzt im Lande die besondere Luft einer solchen Insiitution atmen kann mit Galerien mit geordneten Vitrinen, daß hier ein Bau entstanden ist, bei dem man nicht zu sparen brauchte, sondern aus dem Vollen wirtschaften konnte. Denn wir besinnen uns ja noch gut auf die kleinen ungeeigneten Zimmer nicht weit von der jetzigen Museumsstelle, wo das Antiquitätendepartement auf engem Raume das Wenige auszustellen suchte, was bereits ausstellungsfähig war. Jetzt zum ersten Male kann man einen Begriff von den vielen und wichtigen Funden bekommen, die in Palästina gemacht wurden und gemacht werden. Freilich ist die Einrichtung des Museums längst nicht fertig. Dem Publikum ist nur eine der großen Galerien und einige Nebenräume, sowie die Bibliothek zugänglich. Massen von Material warten noch auf Bearbeitung und Aufstellung, es ist noch gar nicht zu übersehen, welche Ueberraschungen unserer warten, sowohl aus den bestehenden Vorräten als auch aus neuen Ausgrabungen. Ist doch Palästina übervoll an Stellen, die reiche Beute aus den verschiedensten Zetten versprechen. Was Technik und Bearbeitung anbetrifft, macht das Mu• seutn einen hervorragenden Eindruck, der um diese Jahres• zeit einzig durch die barbarische Kälte beeinträchtigt wird, die in den Hallen herrscht. Der Bau hat keine Heizung und seine Steinwände und -Böden strahlen eine wahrhaft arktische Kälte aus. Der einzige Trost ist, sich vorzunehmen, möglichst viele heiße Sommervormittage in diesen Steinwän* den zuzubringen. Von zweihunderttausend bis — Eine Wanderung durch die Hauptlialle ist für den Laien ein aufregendes Erlebnis, das durch die Erklärungen eines Fachmannes noch vielfach gesteigert wird. Die ausgestellten Objekte beginnen mit dem berühmten, bei Athlith gefundenen Neandertaler Schädel und der ersten Periode im Jahre 200000 vor der gegenwärtigen Zeitrechnung. Hier sind nicht etwa einige Nullen zu viel, sondern die Zahl steht richtig in Stein gehauen an der weißen Wand. Palästina hat ein Klima, das anscheinend für die Konservierung besonders gut ist, und das Museum leitet uns von einein Elefantenzahn (der beweist, daß hier in jenen Zeiten ein viel wärmeres Klima herrschte als jetzt), von den ersten Menschen dieses Landes und ihren Instrumenten langsam durch die Jahrhunderttausende. Ire Zeiten, die uns völlig dunkel erscheinen, stoßen wir auf uitgewöhnliche Erzeugnisse, unter anderem auf den Kopf einer Göttin, der aus der Zeit um 501)0 v. Chr. datiert wird, einem Kopt von solcher Schönheit im Ausdruck, daß er auf eine hochentwickelte Zivilisation hindeutet. Die Ausstellung wird reicher und mannigfaltiger, sobald sie sich den uns bekannteren Perioden nähert. Man findet alte Bekannte wieder, die aut ägyptischen, auf syrischen, auf griechischen Einfluß oder Ursprung deuten. Schon bei einer flüchtigen Uebersicht prräsentiert sich Palästina als das klassische Dnrchgangsland, das von den verschiedensten Einflüssen befruchtet und verändert wurde, immer neues aufnahm und immer neue Vcrwandlungen durchmachte. Die bisher aufgestellte Sammlung bricht ungefähr um 1500 v. Chr. ab. Weiter ist die Ordnung der Materialien, die Katalogisierung, die Aufstellung noch nicht vorgeschritten. Bei der Fülle der vorhandenen Objekte ist hier noch eine ungeheure Arbeit zu leisten, die Jahre dauern kann. Ein Blick in die Säle, wo die ungeordneten Materialien lagern, erinnert stark an die Berichte von Gertruds Bell aus der Zeit, wo sie ihr Museum in Bagdad einrichtete und mit all den komplizierten Techniken einer derartigen Einrichtung sich ahinühte. Wo sind die jüdischen Stücke? In der Tatsache, daß das Museum noch längst in allen seinen Teilen nicht fertig eingerichtet ist, liegt auch die Antwort aut die oft gestellte Frage, warum so wenig jüdisch e Ausstellungsobjekte zu finden sind. Es ist sehr einfach: die Ordnung ist erst bis zu der Periode hergestellt, wo die Juden Palästina eroberten. Die Juden kamen ins Land um 1500—1400 v. Chr. und das Museum hat, bei den An• fangen beginnend, die Zeugnisse jener Zivilisationen dargestellt, die bis in diese Zeit führen. Mit der weiteren Fertig- Stellung der Ausstellungen wird auch die jüdische Zeit zu ihrem Recht kommen. Heute findet man als Zeichen jüdischer Zivilisation eine Sammlung von Elfenbeinarbeiten aus Samari-a. Ein Internationaler Treffpunkt Das Museum, obwohl heute der anormalen Zustände wegen schwächer besucht als wünschenswert, ist doch in den wenigen Monaten seines offiziellen Bestehens zu einem internationalen Treffpunkt geworden. Man findet Engländer dort und Juden, Mitglieder der verschiedenen Missionen, die archäologisch stark interessiert sind, und gerade jetzt auffallend viel Araber, die vermutlich durch die Ausstellung früher islamischer Kunst angezogen werden, die in der Eingangshalle aufgestellt ist. Je mehr sich das Museum entwickelt, desto stärker wird es zu einem Anziehungspunkt für alle Kreise im Lande werden. Es liefert außerordentlich viel Stoff zum Nachdenken und einen Querschnitt durch Oeschichtsabschnitte von so außergewöhnlicher Länge, daß sie unsere gewohnten engen Begriffe von Zeit und Zivilisationen ausweiten. Ein guter Platz zum Lernen, eine Stätte der Sammlung gegenüber der verwirrten Lebensweise unseres Heute. Industrie von Erez Israel bereits ist. Die gute Qualität ist in den wichtigsten Artikeln bereits gesichert. Die Hauptgründe, die die Händler bewegen, nicht ihre Waren zu führen, sind fast ausschließlich Preisprobleme. Fehlende Handelspolitik Vielfach kann der Händler fremde Waren zu Preisen abgeben, wie ihm beliebt. Bei den heimischen Erzeugnissen ist er an einen festen Preis gebunden. Der jüdische Händler hat noch nicht den Vorteil eines gebundenen Preises verstanden. Er muß dazu noch erzogen werden. Aber wie kann man es ihm übelnehmen, wo große Auslandsfirmen ihre Waren zu besonders billigen Preisen anbieten, was angesichts des Fehlens eines Zollschutzes sehr ins Gewicht fällt. Denn ist es nicht auch einzigartig, daß die palästinensische Industrie in vielen Staaten ihre Waren nicht absetzen kann, da dort Zollsätze von 50 und mehr Prozent des Wertes bestehen, während die palästinensische Regierung 12 ״/o für ausreichend hält? Die Regierung ist allen industriellen Belangen gegenüber so apathisch, daß es ein wirkliches Wunder ist, wenn es trotz fehlender Kredite, bei dem Mangel an Spezialarbeitern mit besonderen Fachkenntnissen und der sogenannten Hilfsindustrien zu einer schon so leistungsfähigen Fabrikation gekommen ist. Die Agency greift ein Ein letztes Beispiel mag das Bild abrunden. Für den Orangentransport werden Kisten benötigt, deren Holz fertig geschnitten aus Polen bezogen wird. Man hat berechnet, daß allein 500 Arbeiter Beschäftigung hätten, wenn das Rohmaterial im Lande verarbeitet und daß die Zahlungsbilanz entsprechend verbessert würde. Michaelis bezifferte die gesamte Summe, die sich aut industriellem Gebiet ersparen ließe, auf 4 Millionen, so daß auf Grund der heute bestehenden Wirtschaft bereits 35 000 Arbeiter mehr ihr Auskommen finden könnten; ungefähr ebenso groß ist die Zahl der landwirtschaftlich Tätigen, die durch einen Schutz der bäuerlichen Wirtschaft mehr Absatz fände. Mit Familienangehörigen handelt es sich also um 300000 Mensehen, zu denen dann das große Heer der von diesen Lebenden käme, also weit mehr als eine halbe Million Personen, eine Zahl, die auch r ein politisch von enormer Bedeutung ist. Nun verstehen wir, daß diese Tätigkeit der Jewish Agency die wichtigste im Augenblick im Inland selbst ist. Normale Wirtschaft Die Oeffnung der Tore für die Alijah ist sicher wünsehenswert. Aber die Fortentwicklung des Landes hängt von einer Immigration ab, die Dauerwerte für das Land schafft; eine Gründung von ländlichen und fabrikationstechnischert Produktionsstäften hat nur dann einen Sinn, wenn der Absatz gesichert ist. Bei einem Import von lfi Millionen gegenüber 6 Millionen Export ist es wohl nicht nötig, eingehende Begründungen zu geben. Die Befreiung der Wirt- Schaft von den Konjunkturschwankungen, die die verschieden große Immigration mit sich bringt, kann nur eine geordnete nationale Wirtschaft mit sich bringen, die jedem Einzelnen die Sicherheit seiner wirtschaftlichen Existenz verbürgt. Diese Erkenntnis muß zum Allgemeingut des jüdischen Volkes werden. Hilfe für Juden aus Oesterreich Lord Samuel verließ Palästina, um sich über Port Said nach England zu begeben. Vor seiner Abreise empfing er eine Abordnung von Juden aus Oesterreich, die von Miß Henrietta Szold begleitet wurde und ihn bat, eine Kampagne zur Hilfe für die Juden Oesterreichs zu organisieren, Lord Samuel sagte, daß er sogleich nach seiner Rückkehr nach London die Frage der Möglichkeit diskutieren werde, die Arbeit des Councils for German Jewry auf die Österreich!- sehen Juden auszudehnen. Die Hitachduth OleJ Austria wird voraussichtlich mit der Hitachduth Oie) Germania verbunden werden. Miß Henrietta Szold sprach die Hoffnung aus, die Arbeit der J u g e n d - A 1 i j a h auf dfc jüdische Jugend in Oesterreich zu erweitern. Die Jewish Agency hat das Inurr;rations-Departement angewiesen, diejenigen Juden zu registrieren, die wünschen, ihre Angehörigen aus Oesterreich nach Palästina zu bringen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.