Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1938)
- Date
- 1938-03-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22 18. III. 1938 Mit den Augen eines Zwanzigjährigen gesehen Wir sind uns wohl bewußt, daß die nachfolgende Acuße• fung nicht die Meinung aller 20jährigen im Lande dar• stellt. Doch glauben wir, diesem ernsten Appell eines Jugendlichen, der sicher, trotz der Schwierigkeit seiner Durch• jührung, hei vielen Lesern Zustimmung finden wird, Raum geben zu sollen. (Red.) Tel Aviv, im März Wenn wir Jugendlichen gefragt werden würden, wie wir über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft denken, würde Unsere Antwort vielleicht beitragen zum Frieden und zu der Lösung der Probleme, die heute vielfach als unlösbar bezeichnet werden. Zu diesen gehört das Nationalitäten- Problem in Palästina, die Ursache des Blutvergießens Unschuldiger Menschen, das Problem, auf dessen Lösung zwei Völker mit Sehnsucht warten und welches herbeigeführt wurde durch Fehler beider Völker. Es ist nicht richtig, wenn man von uns Jugendlichen Schweigen verlangt, wo doch nur wir diejenigen sind, auf denen die Gegenwart und Zukunft unseres Volkes lastet. Und wir Jugendlichen haben einen Vorteil der älteren Generation gegenüber, und der ist, daß uns eines mit denen verbindet, die gegen uns gehetzt werden, etwas, was über Kasse und Religion steht: Die Jugend! Und diesen Vorted auszunützen zum Wohl und gedeihlicher Zukunft beider Völker, diese Aufgabe ist uns Vorbehalten, denn diesen!Wunsch nach Frieden und Ruhe, nach Sonne und Frohsinn kann vielleicht so mancher der alten fanatischen Leiter der Volksgcschicke, sei es in religiöser oder nntionalpolitischer Hinsicht, nicht verstehen. Die Tatsache, daß wir, dieses Land bewohnende ar stolze und historische Aufgab Völker immer wahrzunehmen 1 liehe Voraussetzung und Bas bare, dem Frieden gewidme handltingsbasis unter der Fa barste Besitz der Völker ist” bedeutet: die lugend Wir müssen den Weg der Verständigt! *eben d er Jugend beider Völker suc die Jugend, die ins Leben tritt, will sich entwi lernen, fröhlich sein, die Jugendzeit genießen! Wer die Seele der Jugend kennt, weiß, daß die beste Garantie für den Frieden, die freundschaftliche Beziehung zwischen den Jugendliehen verschiedener Nationalitäten ist! Hier in Palästina haben wir auf der einen Seite die ie jüdische Jugend und die Ische Jugend, die natürliche haben,^ die Interessen unserer für chic" historische, frucht- Propaganda, für eine Verc, die der Stolz und kost-!ereil Name schon ״Frieden“ Demi europäische (jüdische) J1 nie kannte, dessen Romantik sie nur ah weiß, daß sie hier bleiben und ihre hier aufbauen wird. Auf der anderen < talische (arabische) lugend, die das Büchern bewundert, 'die sich danach kenncnzulcrncn. So stehen sich beide J14 unbeinflußten neugierigen Sympathien verschiedenen Lebensanschauungen, die Orient, den cinwanderte und!künftige Heimat steht die orien- ״illand in seinen 11t, dieses einmal 'gruppen mit noch jenüber, und die ■ngesetzten Gesetze und Gebräuche, all das treibt sie einander ״,^ Arme, und die Voraussetzungen für das sich gegenseitige Ver- Stehen und Kennenlcrnen sind gegeben. Man soll gemachten Fehlern nicht nachtrauern, aber man muß aus ihnen lernen und die Erkenntnis ziehen, auch wenn es einmal nicht angenehm ist. Denn wenn wir weiter die Einwanderung der jüdischen Jugend aus der ganzen Welt nach Palästina fordern und moralisch unterstützen sollen, haben wir eine moralische und historische Verant wortung, müssen wir uns verantwortlich fühlen für die Zukunft und das Leben unserer jugendlichen Brüder und Schwestern! Man sieht ״singende, hoffnungsvolle, dem sicheren Elternhaus entlassene Scharen von Jugendlichen“, die ins Land kommen, vertrauend auf ihre Führer und bereit, mit der schon im Land aufbauenden Jugend mitzuarbeiten. Dies erzeugt wichtige Probleme. Und einmal möchte ich fordern, daß dieses ganze Problem vor allem mit den Augen eines ״Menschen“ gesehen und gelöst wird! Denn über allem steht der Mensch. Die Jugend sieht Palästina mit seinem der Lösung harrenden Problem anders, als viele glauben' Wir sehnen uns nicht nur nach dem Frieden, wir müssen 111 r i h n k ä m p f c n. Der Weg der Verständigung wird gefunden werden' Aber nicht mit Waffen' Nicht in ׳Genf! Nicht durch Beihilfe von intervenierenden Staaten' Und nicht durch Fanatismus und Erziehung zum gegenseitigen Haß! Wir müssen die Jugend b e i d e r V ö I k e r organisieren. Sie müssen den Weg zueinander finden, denn wenn die Jugend heute zu 111 Haß erzogen wird, wird sie sich einst" im schönen Palästina zerfleischen das Blut wird den Boden den sie heute bearbeitet, durchtranken und das Ergebnis aller Kämpfe und Leiden wird ..zu späte Erkenntnis“ und schmerzliche Erinnerung an die Zeiten sein, in denen man dies alles verhüten konnte. Die Jugend baut auf! Die Jugend soll für den Frieden, nicht mit Worten, mit Taten eintreten, denn ihr gehört die Zukunft! Die Verbindungen sind da. Die Sehnsucht nach dem Frieden ist aut den Höhepunkt ihrer Macht angelangt! Es fehlen nur noch diejenigen, welche organisieren und mutig fiir dieses Ideal eintreten wollen. Victor Fried Ein« Versammlung der Industriellen in Tel Aviv bewies das große Interesse, das die Industriellen der Mittel- Standsaktion (Mifde Esrachi) entgegenbringen. Der Sitzungssaal des Verbandes war voll besetzt, als der Vorsitzende A. Schenkar die Sitzung eröffnete. In seiner Rede begrüßte Herr Schenkar sowohl die Gäste als auch die Mitglieder und erklärte, die Industriellen ständen mit ganzem Herzen hinter dem Mifde Esrachi. Führende Personlkhkeiten des Mifde Esrachi, wie Frau S. Per sitz und die Herren Joschua S 11 p r a s k i und Emanucl N e w m a n sprachen über die Ziele der Aktion. Ferner sprachen die Industriellem L i c ht e ״ s t e i n, Schohcm, A 1 d u b i n, Levin stein und Goldmann, die die Unterstützung der Mittclstandsaktion durch die Industrie in Aussicht stellten. Die Versammlung wurde mit einer Rede des Präsidenten des Industriellenverhandes, Schenkar, abgeschlossen, der die Sympathie der Industriellen für die Ziele des Mifde Esrachi eindeutig zum Ausdruck brachte und die Mitarbeit der Industrie zusichertc. Di« Extra-Hafengebühren in Tel Aviv sind mit Wirkung vom 15. März BBS beseitigt worden. Damit ist ein Wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung des Tel-Avivcr Hafens getan worden. Der Tel-Aviver Hafen wird somit die gleichen Rechte bezüglich der Zahlung von Hafengebühren durch ausländische Schiffslinien genießen wie Haifa und Jaffa. Kinder und Religion Im ״Dawar" klagt, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, ein Einwohner von Kfar Wltkin (Emek Chefer) über den Verlust, den die palästinensischen Kinder dadurch erleiden, daß ihre Eltern die unmittelbare und aufrichtige Beziehung zur Religion verloren haben und es nicht mehr verstehen, die Feste zu verklären. Wir selbst müssen auf die Feste verzichten, weil wir sie nicht mehr gestalten können, weil wir ״das Geschlecht der Wüste“ sind, das vom Leben der Juden der Galuth abgeschnitten ist, ohne daß es ihm gelungen ist, in Palästina eine neue Lebensform zu schaffen. Aber was sollen wir unseren Kindern erzählen, die nicht wie wir die Erinnerung an Feste im EIfcrnhatise haben? Wir brauchen nur den Gesprächen der Kinder an Festtagen zu lauschen, um zu verstehen, wie sehr ihren zarten Seelen die Festlichkeit und das Zeremoniell fehlt. Viele Kinder im Dorfe gehen an Festtagen abends und morgens in die Synagoge ohne ihre Eltern. Halb neugierig, halb beeindruckt stehen sie da und beten bedeckten Hauptes und betrachten gleichzeitig ihre betenden Großväter und die vielen Lichter. Ueber diese Synagogenbesuche sprechen sie weder mit Eitern noch mit Lehrem. Niemand weiß, was in ihren Seelen vorgeht. Vielleicht suchen sie einen Weg, vielleicht sind sie verwirrt und ohne Helfer. Tief ist der Eindruck, den die Kinder empfangen, wenn sie Festtage bei ihren Großeltern verleben. Sie wundern sieh dann, warum es ihre Eltern nicht ebenso halten, und fangen an, die Eltern mit Fragen zu bestürmen. Warum liegt der Vater an Festtagen auf dem Sofa und liest die Zeitung, statt die schönen Bräuche zu üben, die sie beim Großvater gesehen haben? Gibt der Vater ihrem Drängen nach und führt dies und jenes Zeremoniell ein, so verlangen sie mehr, jedes Gebet und jede Melodie, genau wie sie es bei den Großeltern gesehen haben. So bleibt nichts übrig als sich zu fügen. Die Aufgabe der Erklärung der Feste und ihrer Bräuche fällt der Schule zu. Ein Teil dieser Aufgabe ist schon erfüllt, besonders hat das Schawuothfest, an dem die Erstlinge dem Keren Kajemeth dargebracht werden, in den Schulen eine feste Gestalt gefunden. Zurückgesetzt aber sind Rosch Haschanah, Jom Kippur und Ssukkoth, die bisher in die Ferien fielen. Auch sic müssen in den Lehrplan aufgenommen werden. Es würde sich sogar lohnen, wegen dieser Feste die Ferienzeit um einen Monat vorzuverlegen, damit die Feste in die Schulzeit fallen. Es bleibt natürlich noch das schwere Problem, in welcher Weise den Kindern die Feste nahegebracht werden sollen. An dem Interesse, das die Kinder dem Gebetbuch entgegenbringen, zeigt sich die Notwendigkeit, mit ihnen das Gebetbuch durchzugehen und auch den musikalischen Teil der Gebete ihnen nahezubringen. Es gibt unter den Gebeten die herrlichsten Dichtwerke. Die Lehrer könnten auch Freitag-Abend-Feiern für die Kinder einrichten. Im Hause aber müßte man die Feste im Geiste der Tradition mit einigen Auslassungen und Abänderungen ausrichten. Wichtig ist der Schabbattiscli init Leinen, Lichtern, Schabbatbroten und Blumen, um den die festlich gekleidete Familie sitzt. Wir dürfen unseren Kindern dieses Glück nicht vorenthalten. Die Grenzwacht im Norden Von einem Einwanderer aus Deutschland Der nachfolgende Bericht über die Polizeitruppe im Xorden des Landes geht uns von einem jüdischen Einwanderer aus Deutschland zu, der jetzt in der Polizeitruppc Dienst macht. (Red.) Im Frühjahr 1937 beschloß die Palästinaregierung, durch den dauernden Zustrom von Menschen und Waffen über die syrisch-palästinensische Grenze während der Monate 1936 aufmerksam geworden, die Aufstellung einer besonderen Abteilung innerhalb der Palästina-Polizei, der sogenannten ״Northern Frontier Division“ משטרת הגבול Diesem Teil der Polizei wurden spezielle Aufgaben gemäß ihrem. Pflichtenkreis als Grenzpolizei gegeben. Die wesentlichsten sind: Kampf gegen Schmuggel, hauptsächlich Waffen und Rauschgifte und gegen illegale Einwanderung und illegales Uebersehrcitcn der Grenze. Die Stärke wurdo auf 200 Mann ungefähr festgesetzt utvd folgendermaßen gegliedert. 40 0״ Engländer, 40 °,!> Juden, 20 ו■״ Araber; den Befehl erhielt ein hoher englischer Polizeioffizier. Zur Rekrutierung der Juden wurde die Jewisli Agency weitestgehend herangezogen. Eins der wesentlichsten Merkmale dieser Truppe ist, daß sie mechanisiert wurde, d. h. Autos erhielt; im Laufe dieses Sommers sollen dann noch berittene Abteilungen hinzukomnien. Die Truppe ist ungefähr folgendermaßen stationiert.: Als Hauptquartier wurde S a f e d genommen und strahlenförmig nach vier Seiten ca. 15 Po'izeistationen errichtet, die z. T. in der Nähe arabischer Dörfer oder einfach an wichtigen Punkten sich befinden. Jede Station besteht jedesmal aus zehn Mann nebst einem Auto, das in letzter Zeit bei den meisten Stationen gepanzert wurde. Es gibt auch verschiedene mit Radio ausgerüstete Wagen, die dadurch ständig mit dem Hauptquartier in Verbindung stehen. Die Zusammensetzung der Abteilungen ist überall dieselbe. Ein britischer Sergeant, drei englische Polizisten, vier jüdische Polizisten (davon zwei Chauffeure) und zwei arabische Polizisten. Jede Station besitzt außer der nötigen Anzahl von Gewehren und Revolvern (die Chauffeure tragen Revolver) ein Maschinengewehr, das sowohl stationär als auch bei Patrouillenfahrten verwandt wird. Jede Station, oder wie sie offiziell heißen ״Police-Post“, hat ein bestimmtes Gebiet regelmäßig zu patrouillieren. Es gibt daneben noch eine Menge anderer Aufgaben, hauptsächlich bedingt durch die Un- Sicherheit der letzten Monate, wie z. B. einige Stationen regelmäßig mit jüdischen Autobussen ״Eskorte“ fahren. Außer* dem wurde für die neue Grenzpolizei eine spezielle Chaussee gebaut, die sogenannte ״Frontier-road“ (Greuz-Straße), die im Lande selbst noch nicht sehr bekannt ist. Diese Chaussee zweigt von der Chaussee Rosch-Pinah—Mctullah ab und führt über das Gebirge bis ungefähr zu dem arabischen Dorfe Bassa, das in der Nähe der Grenzstation Ras-el-Nakura liegt. An dieser Straße liegen auch einige Stationen und bekämpfen dadurch den Schmuggel in einem Gebiet, das bisher geradezu dafür prädestiniert war. Was gerade uns Juden daran interessiert, ist, daß die Juden innerhalb dieser Abteilung einen so hohen Prozentsatz einnehmen, außerdem befinden sich im jüdischen Sektor viele Olim aus Deutschland. Es war bei den meisten nicht gerade der Reiz einer sicheren Regierungsstellung, die sie dazu bewog, sich zur Polizei zu melden, obwohl heute der Wert eines kleinen, aber krisenfesten Einkommens größer eschätzt wird, als in der schon beinahe vergessenen Zeit er Prosperity. Nein, die meisten, und viele kamen aus Kibbuzim, glaubten, eine jüdische, eine zionistische Pflicht zu erfüllen, wenn sie sich zu diesem Grenzdienst meldeten. Für den Galil spielt diese Polizeitruppe, neben dem ideellen Wert der Erhöhung des Sicherheitsgefühls, auch als Konsument eine Rolle, was man, z. B. in Safed, deutlich sehen kann. Kongreß der Fürsorger Der erste Kongreß der Fürsorgerinnen und Fürsorger fand vor einiger Zeit in Tel Aviv statt. Die junge Vereinigung, die der Histadruth angeschlossen ist, hatte den Wunsch, einige Berufs- und Arbeitsprobleme zu klären. Es nahmen an diesem Kongreß etwa 70 Fürsorgerinnen und 3 Fürsorger, für die bisher nur ein geringes Wirkungsfeld in Palästina besteht, teil. Die junge Vereinigung gab sich ein eigenes Statut, das an Ausbildung und Leistung hohe Forderungen stellt und einen gewissen Schutz im Aroeitsverhältnis in bezug auf Arbeitsvermittlung, Gehaltsfestsetzung und Urlaubszeit festlegt. Interessant war die besondere Tatsache, daß diese Fürsorgerinnen in etwa 20 verschiedenen Ländern nach 20 verschiedenen Methoden ihre Ausbildung erhalten und in Palästina sich einer einheitlichen N ac h sc h ul u!1 g unterzogen hatten. Sie sind vertraut mit den Notschicksalen, aller. Art aus eigener Erfahrung und stehen unter der einheitlichen Zielsetzung des nationalen und sozialen Aufbaus, der Juden in Palästina. Die Verhandlungen standen, da es sich um eine ausgezeichnete Fachgruppe handelt, auf einem sehr hohen Niveau. Die Themen waren: 1. Das rabbinische Recht in bezug auf Frauen- und Kinderschutz (Riwa Aaronsohn, von der Abteilung für Jugendwohlfahrt in der Stadtgemeinde Tel Aviv). 2. Zusammenarbeit mit den Organen der freiwilligen Wohlfahrtspflege (Histadruth Naschim und Irgun Imahoth Öwdoth) und der Selbsthilfe der Histadruth (Mifan) (Jenia Twersky, vom Wohlfahrtsamt der Kehillah in Haifa, und Dr. Mirjam Hoffert von der Wohlfahrtsstelle für Einwanderer aus Deutschland in T<j! Aviv). 3. Die Fortbildung der. Fürsorgerinnen (Siddy Wronsky von der Abteilung für soziale Arbeit im Waad Leumi). Die Fragen des rabbinischen Rechts, die für die Fürsorgerinnen im Hinblick auf die zahllosen religiös getrauten. Familicri außerordentlich wichtig sind, wurden sachkundig behandelt, und es wurde darauf hingewiesen, daß durch verständnisvolles Verhandeln mit dem Rabbinat die Fürsorgerin sich einen Vertrauensposten in dieser Arbeit schaffen und damit wesentliche Hilfe für ihre Schützlinge leisten kann. Es wurde gezeigt, daß in keinem anderen Lande der Welt die Schwierigkeiten dieser Arbeit so groß sind, da die verschiedenen Eheschließungsformeu in den Auswanderungsländem die Frage der illegalen Einwanderung, der verschiedenen Sprachen und Stämme, und besonders die Fragen des Frauenrechts tausende von Variationen mit sich gebracht haben, denen nur mit wirklicher Sachkenntnis begegnet werden kann. Die Frage der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher, freier und Selbsthilfe ist bei der verhältnismäßig junen Arbeit in Palästina noch ein sehr wesentliches Prolern, da die einzelnen Organisationen besonders im Hinblick auf ihre Werbetätigkeit und die individuelle Behandlung, der Fälle sich schwer der Forderung der zentralen Familienpflege durch die öffentlichen Wohlfahrtsämter in den Gemeinden anpassen können. Die Erkenntnis der Fürsorgerinnen, daß sie sich aller Kräfte und Mittel, die im Lande für die soziale Arbeit zur Verfügung stehen, bedienen müssen, war der wichtigste Inhalt der Referate. Die Frage der Fortbildung der Fürsorgerinnen zeigte die unendlich reichen Quellen, die in den vielseitigen Kenntnissen der Fürsorgerinnen aus den verschiedenen Ländern vorhanden sind und gegenseitig fruchtbar gemacht werden können. Es wurde ferner gezeigt, wie notwendig die Er- Werbung neuer Kenntnisse in bezug auf die Sprachen (vor allem Hebräisch, Arabisch, Jiddisch, Englisch), auf Soziologie, Psychologie, Folkloristik und Pädagogik fiir die Fürsorgerinnen in Palästina ist, und daß ihnen für diese Fortfcildung eine umfassende Bibliothek, eine kleine Fachzeitung und vor allem die eigenen Forschungsmöglichkeiten in Verbindurig mit dem sozialen Institut beim Waad Leumi zur Verfügung stehen müssen. Siddy Wronsky (Soziale Abteilung im Jüdischen Nationalrat Jerusalem) Orchester-Konzert unter Dobrowen Dobrowcns Stärke liegt in der effekt- und temperamentvollen Ausdehnung romantischer Musik aller Zeiten. Aus der Folge ״Von Mendelssohn bis Rimsky-Korsakov“ gelang am prunkvollsten des letzteren ״Tzar Saltan Suite“. Anfang und Schluß der Sommcrnachtstraum-Ouvertiire gelangen ebenfalls durchsichtig und konzentriert in Klang und Rhythmus. Die Orchestersuite ״Chansons Populaires Juives“ des jungen rumänischen Komponisten Alexander Boskovitch instrumentiert geschickt und mit modernen Mitteln bekannte ostjüdische Volkslieder. Stellenweise ist die Stimmung des Liedes durch diese Orcliesteruntermalung nicht übel und sicher nicht auf die gewohnte Art angedeutet. Es muß auch hervorgehoben werden, daß an den Melodien selber nichts verändert wurde. Alice jacob-Loewcnson Todesfall. Wie das Bulletin der Wizo mitteilt, ist durch einen unglücklichen Sturz Frau Ora (Blanka) Schapiro, älteste Tochter von Frau Anita Mü Iler-Cohen, in jungen Jahren aus dem Leben geschieden. Die Gruppe Bat- Gaiim der Hist. Nasch. Zionioth, deren aktives Mitglied die junge Frau war, ist durch dieses Unglück in tiefe Trauer versetzt worden. Das allgemeine Mitgefühl wendet sich der Mutter zu, die der europäischen und der palästinensischen Judenheit durch ihre hervorragende soziale Arbeit bekannt ist. Frau Müller-Cohen sucht, so heißt es im Wizo-Bulletin, ihren Schmerz durch verstärkten Dienst an Leidenden zu ertragen. So wird eben jetzt ihre billige Mittelstandsküche, die seit vorigem Jahr in Tel Aviv für 203 Personen eingerichtet, Hunderte arbeitsloser Mittelstandspersonen und intellektueller vor dem Hunger schützt, für die doppelte Anzahl von Personen erweitert. JUWELIER LIPOWETZKI BERLIN W 8, FRIEDRICHSTRASSE 193a (ECKE LEIPZIGER STRASSE) FERNSPRECHER I* 48 39