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Jüdische Rundschau · 1938-03-18 · Heft 22 (18.3.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 22 (18.3.1938)
Date
1938-03-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-B latt Nr. 22, 18. MÄRZ 1935 Juden aus Deutschland siedeln In der Artikelserie, die den Siedlungen der aus Deutschland nach Palästina eingewanderlcn Juden gewidmet ist, veröffentlichen wir heute einen weiteren Beitrag. Wir verweisen auf die früheren Darstellungen einzelner Sicdlungspunkte (Kibbuz Jolmeam, Naharia, Ramoth Hasclmvim, Gan Ilaschomron, Herzlich, Bcer-Tuwiah, Kirjath Bialik) in Nr. 93, 9811937, 2, 18, 19, 20, 21/1938. (Red.) die Atmosphäre nicht eine rein ״deutsche“. So gelang es auch' durchzusetzen, daß alle offiziellen Veranstaltungen der dörf• liehen Gemeinschaft in hebräischer Sprache stattfinden. Innerhalb der Siedler haben sich schnell Gruppen gebildet, sind Freundschaften geschlossen worden und es entstand der Wunsch, aus der Isolierung herauszukommen und in allgemeine Zusammenhänge, die den Anforderungen des neuen Lebens gerecht werden, hineinzuwachsen. So ist denn nach längeren Diskussionen innerhalb der Siedlerschaft beschlossen worden, daß Kfar-Jedidjah als Gruppe der Moschaw-Owdim-Bcwegung beitritt, die ihre Mitglieder auf Selbstarbeit und gegenseitige Hilfe verpflichtet. Der Beginn der Siedlung fiel für den größten Teil der Siedler in die Zeit der Unruhen des Jahres 1036, denn die erste Zeit, bis etwa März. 1036, war dem Aufbau der Grundlage der Ansiedlung (Häuserbau, Bau der Wirtschaftsgebäude, Hauptwasserinstallation usw.) gewidmet. Trotz der Brief aus Kfar-Jedidjah Kfar-Jedidjah, eine Gründung der sogenannten Deutschen Abteilung der Jewish Agency, liegt im E mek -Chef er, jenem schmalen, dem Keren Kajcmetli-Lejisracl gehörigen Landstreifen an der Meeresküste zwischen Nathania und Chcderah. Es ist dies die letzte landwirtschaftliche Siedlung, welche unter Leitung und Planung der Deutschen Abteilung im Herbst 1034 in Angriff genommen wurde. Zur Ermöglichung der Siedlung haben Juden aus Aegypten durch Schaffung besonderer Geldmittel beigetragen, aus denen Anleihen an Siedler gegeben wurden und durch die allgemeine Vorbereitungs-Arbeiten finanziert wurden. Daher auch der Naine ״Jedidjah“ — der hebräische Name des jüdischen Philosophen Philo von Alexandria. Zu Kfar-Jedidjah gehört ein Boden-Areal von zirka 800 Dunam, von dem für jeden Siedler — es sind im ganzen Gesamtansicht von Kfar Jedidjah 42 Vollsiedler- und einige Hilfssicdler-Stellen vorgesehen — 17 Dunam zur Verfügung gestellt werden. Den Mittelpunkt dieser Bodenflächen bilden die Parzellen, die für die Häuser und Wirtschaftshöfe vorgesehen sind und um welche in einem Halbkreis die Felder gelagert sind. Die Hauptparzelicn liegen aut einer Hügelkette eng zusammen. Auf dieser Fläche sind unter einheitlicher architektonischer Leitung bisher 40 einfache, aber zweckmäßig schöne Siedlerhäuser gebaut worden, um welche sich schon heute zum größten Teil hübsche Hausgärten ziehen. Von fern und nah bietet Kfar-Jedidjah den Anblick einer architektonisch gut geordneten Siedlung. Lage, Wasserreichtum und Bodenqualität ließen für Kfar- Jedidjah den Typ der intensiven gemischten Wirtschalt als den gegebenen erscheinen. In dieser Wirtschaft sind alle Wirtschaftszweige bis auf den Getreidebau vertreten: Kuhstall mit Futteranbau, Hühnerstall, Pflanzung, Gemilse usw. So war der Wirtschaftsplan, den die an der An- Siedlung beteiligten öffentlichen Stellen den Siedlern für den Aufbau ihrer Wirtschaften vorschlugen. Nach Kfar-Jedidjah kam keine organisierte Sicdlcrschaft, sondern es kamen Menschen, die einander zum großen Teil noch nicht kannten und erst hier am Ort allmählich zu!einer Gemeinschaft zusammenwuchscn. Die Siedler von Kfar-Jedidjah sind auch nicht zu einem Zeitpunkt zur Ansiedlung gekommen, sondern erst allmählich hat sich der Ort entwickelt. Noch im Herbst 1935 gab es nicht mehr als zehn Siedler und heute befinden sich am Ort 28 Vollsiedler und ein Hilfssiedler (der Sekretär des Ortes). Die Siedler sind durch öffentliche Stellen, z. B. durch die landwirtschaftliche Beratung der Hitaehduth Olej Germania, auf Kfar-Jedidjah geworben worden und hier nach einer gewissen Probezeit durch Beschluß der Siedlerversammlung aufgenormnen worden. Der Siedlertyp in Kfar-Jedidjah unterscheidet sich etwas von dein in den anderen Siedlungen der Alijali aus Deutschland. Einmal sind die meisten Siedler j t!!1 g. Das Durchschnittsalter wird noch heute zirka 28 Jahre sein. Außerdem handelt es sich um eine nicht rein ״deutsche‘־' Siedlung. Es sind auch Siedler aus anderen Ländern (Holland, Polen, Jugoslawien) aufgenommen worden und entsprechend ist auch Bauernhof in Kfar Jedidjah Schwierigkeiten, die in der ersten Zeit der Unruhen bestanden (Fehlen einer sicheren Verbindung zur Stadt, Absorbierung der Siedler durch Nachtwachen) ist der Aufbau in dieser Zeit planmäßig unter Anleitung von Instruktoren der Jewish Agency vor sich gegangen. Heute ist der größte Teil des Bodens der Siedlung bearbeitet (Futterflächen, Gemüsp, Pflanzung). Es befinden sich zirka 40 Kühe am Ort, es werden in diesem Jahr über 7000 Legehennen vorhanden sein. Die dörfliche Gemeinschaft wird durch eine eigene Kooperative zusammengehalten, welche den Einkauf aller für die Wirtschaften erforderlichen Futtermittel, Saatgut usw. übernimmt und welche andererseits den Verkauf der Produkte in die Stadt leitet. Diese Kooperative steht in Verbindüng mit der ״T’nuwah“, die alle Produkte des Ortes aufnimmt. Kfar-Jedidjah leidet, wie alle landwirtschaftlichen Siedlungen, im Augenblick unter der wirtschaftlichen Krise der jüdischen Landwirtschaft. Hinzu kommen Schwierigkeiten, die im Anfang einer jeden Ansiedlung begründet sind, wie Mangel der genügenden Erfahrung der Siedler, Tierkrankheiten usw., ferner ist der Typ der gemischten intensiven Wirtschaft alls solcher noch ’ nicht genügend erprobt, so daß auch die beste Anleitung für unerfahrene Siedler kein klares Bild einer fertig ausgebauten Wirtschaft zeigen konnte. Hinzu kommen aber außerdem noch besondere Schwierigkeiten. Ein Teil des Bodens — es handelt sich um zirka ein Drittel der Gesamtbodenfläche — ist zur Zeit einer intensiven Bearbeitung noch nicht zugänglich, sondern muß erst drainiert werden. Dadurch ist die volle Entwicklung der Wirtschaften stark gehemmt und insbesondere konnten Pfianzungen in größerem Umfange noch nicht angelegt werden. In Kfar-Jedidjah ist eine größere Zahl von Siedlern zur Ansiedhing gekommen, die nicht das zum vollen Ausbau der Wirtschaften erforderliche Eigcnkapital besaßen, und trotz mannigfacher Hilfe seitens der Jewish Agency durch Zur- Verfügungstellung von Anleihen sind diese Siedler auch heute noch in schwieriger Lage, Sie haben nur einen Teil des Ansiedlungsplanes zur Ausführung bringen können und müssen den fehlenden Teil der Einnahmen durch Außenarbeit bestreiten. Außenarbeit ist aber — wie in der ganzen Welt — zur Zeit nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Der Ort als ganzer leidet infolge des ungenügenden Ausbaus einer Reihe von Einzelwirtschaften. Denn der größte Teil der allgemeinen Ausgaben der Kooperative, wie z. B. Unkosten der Lagerhaltung von Futtermitteln, des Versandes der Produkte, Stierhaltung usw., werden durch mangelnde Vollausnutzung für den Einzelsiedler stark verteuert. Dies gilt um so mehr, als auch heute noch vierzehn Siedlerstellen unbesetzt sind. Doch sind hier Verhandlungen im Gange, die eine schleunige Besetzung der freien Parzellen als aussichtsreich erscheinen lassen. Trotz all dieser Schwierigkeiten ist es dem größten Teil der Siedler gelungen, sich fest im Boden und in der Arbeit zu verwurzeln. Der Probleme, die die Um- Schichtung zum Leben in der Landwirtschaft und die der Aufbau eines neuen Wirtschaftstyps mit sich bringen, hofft man schrittweise Herr zu werden. Schon heute sind wesentliche Fortschritte in den einzelnen Wirtschaften erkennbar und es ist in einer Reihe von Wirtschaften gelungen, sie planmäßig, soweit dies objektiv möglich war, auszubauen. Die Siedlung hat stets die Unterstützung der öffentlichen Stellen, namentlich der Deutschen Abteilung der Jewish Agency, genossen, und es besteht die Hoffnung, daß dies auch weiterhin der Fall sein wird. 1 J- Alte Frage in neuer Form Zur Terrorbekämpfung Von unserem palästinensischen Korrespondenten Nach 5 Monaten gl. Tel Aviv, 8. März 1938 Es wird im Lande allgemein angenommen, daß sich mit der Neubesetzung im Oberkommissariat auch so manches in der Terrorbckämpfung, und zwar in der Richtung einer noch resoluteren Politik ändern werde. Wenn damit gemeint ist, daß der neue High Commissioncr mit der Londoner Richtung der Politik einig ist und die Wiederhersteilung von Ruhe und Ordnung im Lande als die erste Aufgabe der Administration betrachtet, so ist das zweifeilos richtig, und Sir Harold MacMicliael hat auch keine Zeit verloren, diesen Punkt bei seiner ersten Rede in Jeru- Salem besonders zu betonen. In der Aktion des Militärs und der Polizei jedoch wird sich in den großen Richtlinien in der Periode MacMicliael nichts besonderes ändern, einfach aus dem Grunde, weil hier bereits seit Monaten die Linie der ״Starken Hand“ mit Bewußtsein Ungehalten wird. Es sind zur Zeit ungefähr 6000 britische Soldaten im Lande, abgesehen von der Polizei in ihren verschiedenen Formen. Und diese Zahl genügt, um die projektierten Aktionen durchzuführen. Dennoch ist es in den letzten Monaten noch nicht gelungen, den Terror auszurotten, und auf Zeiten relativer Ruhe folgten immer wieder Weilen neuer Attaeken. Die letzten Ereignisse zeigen, daß die Bildung größerer Banden immer noch möglich ist, und auch die großen Kämpfe bei Dschenin in der letzten Woche keineswegs abschreckend gewirkt haben. Man wird eher richtig gehen, wenn man die letzten Kämpfe bei Dschenin dahin deutet, daß es liier dem Militär gelang, eine größere Anzahl von Terroristen zum Kampfe zu stellen und sie so weit wie möglich einzukreisen. Daß jedoch mit diesem Treffen keineswegs auch nur für einige Tage die Aktionen an anderen Stellen stillgelegt wurden, bewiesen verschiedene kleinere Vorfälle der letzlen Tage. Man wird sich vielleicht noch erinnern, daß kurz nach der Deportation der Mitglieder des Arabischen Rates und bei Beginn der scharfen Terrorbekämpfung angenommen wurde, daß die Regierung diese Aufgaben in einigen Monaten, spätestens jedoch in einem halben Jahre bewältigt haben würde. Unterdes sind fünf Monate verstrichen und niemand wagt zu sagen, ob wir in absehbarer Zeit wieder normale Zustände haben werden. Es lohnt sich unter diesen Umständen, den Faktoren nachzugehen, die den Terror lebendig halten. An erster Stelle ist selbstverständlich die Entschlossenh eit der arabischen Radikalen zu nennen, ihren Kampf nicht eher aufzugeben, als bis ein Minimum ihrer Forderungen befriedigt ist. Jedoch sieht es außerhalb jedes Zweifels, daß diese kämpferischen Elemente sich nicht gegen die vereinigte Macht der Polizei und des Militärs würden halten können, wenn sie nicht von außen her dauernd Zuström an Menschen und Mitteln erhielten. Im Lande selbst versuchen die Behörden mit allen Kräften, der Lage Herr zu werden. Sowohl die militärischen Aktionen wie auch die polizeilichen Maßnahmen werden mit Energie durcligcführt, und der Geheimdienst, der bekanntlich im Bericht der Königliehen Kommission als ungenügend dargestellt wurde, ist reformiert worden und beginnt wieder besser zu funktionieren. Sir Charles Tegart, der als Expert für Terror- Bekämpfung vor einigen Monaten herkarn, hat einen Bericht erstattet, und sobald seine Anregungen durchgeführt werden, wird sich vermutlich in der Technik des Gesamtapparates noch so manches bessern. Es scheint, daß die Tendenz dieser Aenderungen darin besteht, die Ara b e r noch stärker als früher für Wachtdienste heranzuziehen; vielfach sieht man heute bereits auf den Chausseen arabische Ghaffirim, die für die Sicherheit verantwortlich sein sollen. Jedoch ist es trotz aller Bemühungen offensichtlich, daß sich die Reihen der Terroristen immer wieder auffüllen, und es ist ebenso klar, daß die Reserven nicht aus Palästina kommen (oder nur zu geringem Prozentsatz), sondern von außerhalb. An den Grenzen und jenseits Einer der Schlüssel zu der Situation liegt also an d c!1 Grenzen, die ja in Palästina reichlich lang und uniibersichtlich sind. Man hat schon längst von einer gründlicheren Grenzkontrolle gesprochen, und anscheinend enthalten auch die neuen Vorschläge besondere Maßnahmen dieser Art. Heute jedoch ist sowohl die Nordwie die Südgrenze nicht entsprechend gesichert, und auch die Wege von und nach Transjordanien sind für unternehmende Gruppen nicht zu schwierig. In richtiger Erkenntnis, wo die stärkste Gefahr droht, haben die Behörden ihre Aufmerksamkeit der Nordgrenze beim Uebergang nach Syrien zugewandt, aber die Maßnahmen, die bisher getroffen wurden, waren ungenügend, um die ״Einfuhr“ von neuen Mitgliedern der Terroristenverbände und von Geldern zu unterbinden. Der Schlüssel zur strategischen und organisatorischen Unterdrückung des Terrors liegt heute nicht in Palästina, sondern in Syrien. In Damaskus liegt die Zentrale, in der die neuen Gruppen für Palästina angeworben, zusammeiigestcllt und nach Palästina transportiert werden. Außerdem haben der in Beirut ansässige Mufti und seine Assistenten anscheinend ein gut arbeitendes Propagandasystem eingerichtet, das sowohl in Syrien wie im Irak, in geringerem Maße auch in Aegypten für die Verbreitung von entsprechenden, der terroristischen Bewegung dienenden Nachrichten sorgt. (Als Beispiel: eine syrische Zeitung brachte im Zusammenhang mit den Dschcniner Kämpfen die — falsche — Nachricht, daß die Stadt sich in den Händen der Aufständischen befunden habe und erst nach einem Tag von den Engländern zurückerobert wurde.) Eine wirksame Bekämpfung des Terrors ist demnach nur möglich, wenn entweder die Grenzen effektiv für gefährliche Elemente gesperrt werden oder bereits in Syrien die Bildung der Gruppen, ihr Transport und ihre Finanzierung verhindert wird. Dazu ist eine Kooperation der syrischen und palästinensischen, also der französischen Und englischen Behörden notwendig. Bisher scheint man jedoch auf diesem Gebiete wenig vorwärtsgekommen zu sein. Ohne Zweifel ist cs den französischen Behörden, die jetzt daran interessiert sind, den Vertrag mit den Syrern auf einer möglichst günstigen Basis abzuschließen, nicht besonders angenehm, Maßnahmen zu ergreifen, die ihre Stellung dort erschweren können, wenn es sich nicht um momentan dringliche Dinge handelt. Wie man durchzugreifen hat, ist recht klar, denn die Arbeitsmethoden der Terroristen sind offensichtlich. Solange jedoch diese Kooperation mit den französischen Beliörden nicht durchgeführt wird und die Situation in Syrien und an den Grenzen bleibt wie sie ist, werden die Maßnahmen in Palästina selbst nur teilweise wirksam. Aber das Wichtigste: Es gibt selbstverständlich einen zweiten Weg zur Liquidierung des Terrors. Er liegt auf politischem Gebi et. Sobald die Politik der Londoner Regierung völlig klar ist, wird sich auch die Sicherheit im Lande bessern. Da die Lösung der politischen Fragen sehr stark — so stark wie nie zuvor — mit der internationalen Politik verbunden ist, werden auch im Zusammenhänge mit der Befriedung des Landes die politischen Entwicklungen mit größtem Interesse verfolgt.

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