Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1938)
- Date
- 1938-03-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22, 18. III. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Eine jüdische Schule in Wien Der nachstehende Bericht über das Chajes-Realgpmnasium ist längere Zeit vor dem politischen Umbruch in Oesterreich geschrieben worden. Durch die letzten Geschehnisse bekommt das Problem des jüdischen Schulwesens in Wien eine gevoaltig gesteigerte Bedeutung. Denn bis vor kurzem gab es unter der dortigen Judenschaft, ungeachtet der Lehren der letzten Jahre, noch viele prinzipielle Gegner eines jüdischen Schulwesens, das sich, statt vergeblicher Assimilationsvcrsuche, auf den Boden des nationalen Judentums stellt. Die Vorarbeit, die durch diese bewußt jüdische Schule in Wien geleistet wurde, ist angesichts dar neuen Notwendigkeiten besonders hoch einzuschätzen. Infolge der Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Leben erwächst der Oeffentlichkcit die Aufgabe des Aufbaus eines j iidi s che n Erzichungs- Wesens, als dessen Kern das ״Chajes-Realgpmnasium“ betrachtet werden kann. (Red.) Besuch im Chajes• Realgymnasium Von Dr. Jakob Rosenthal, Wien Chajes und die jüdische Schule Das Chajes-Realgymnasium in Wien ist eine der wichtigsten pädagogischen Institutionen in dieser alten großen Judengemeinde. Nur wenige Institutionen gibt es im Wiener Judentum, die über eine solche geistig-kulturelle Quelle verfügen, aus der ständig, im Wege einer autwachsendcn Jugend, neue Ausstrahlungen auf die Gestaltung des kulturellen und geistigen Lebens des Wiener Judentums wahrzunehmen sind, wie dies bei diesem einfachen Schulhaits im 20. Wiener Gemeindebezirk, auf dem die schlichten Worte ״Chajcs-Realgyninasiutn“ stehen, der Fall ist. Der verstorbene Oberrabbiner Chajes hat mit prophetiscliem Auge die Notwendigkeit der jüdischen Schule zu einer Zeit erkannt, als diese Bedingung noch durch keinerlei äußere Erscheinungen oder Erschütterungen den meisten Juden als Bedürfnis zu Bewußtsein gebracht war. Er sah die Zeit kommen, da die jüdische Schule sich als eine Notwendigkeit erweisen werde und er wollte für diese Situation Vorsorgen. Gleichzeitig war es aber das Streben dieses jüdischen Führers, mit der Schaffung der jüdischen Schule die Verbindung und Rückführung des jüdisehen Kindes zu den Urquellen jüdischen Seins und Lebens zu bewerkstelligen. ״Die jüdische Schule ist die Zukunftsfrage des Judentums“, sagte Professor Chajes in einem Vortrag im Jahre 1920. Dem Einwand gegen die jüdische Schule, als wollten durch sie die Juden selbst die Kinder wieder in ein Ghetto bringen, hielt Chajes folgendes entgegen: ״Wird unter Ghetto der innige, intime Zusammenhang mit dem Judentum, mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, was für Jahrhunderte für uns gut war, verstanden, meint man unter Ghetto die Erhaltung unserer Eigenart, die Gaben der Seele und des Geistes, so sage ich offen: Ja, ein solches Ghetto wollen wir errichten. Verstehen Sie unter Ghetto, das Niclitjüdische als etwas Belangloses hinzustellen und nur Jüdisches zu lehren, so sage ich: Ein solches Ghetto woIWl wir nicht schaffen.“ Auch diese Worte sprach Oberrabbiner Chajes in einem Vortrage, als man noch 1920 schreib. Dr. Viktor Kellner — der Leiter Daß die Anstalt des Gymnasiums nicht nur den Namen des Gründers Chajes trägt, sondern daß dessen Geist das Werk der Heranbildung einer ganzen jüdischen Generation in positiver jüdischer Lebenshaltung und Weltanschauung erfüllt, ist dem Umstande zu danken, daß die Schule in der Person des Professors Dt. Viktor Kellner vom ersten Augenblick des Sehulbeginnes an jenen hervorragenden Schulleiter gefunden hatte, der, wie kaum ein zweiter, alle Eignung mitbrachte, diese Schule den Intentionen ihres Gründers entsprechend, zu einer weit über die Mattem dieser Stadt hinausragenden mustergültigen Lehranstalt empoTzufüliren. Die Komponenten dieses Erfolges liegen nicht allein etwa in den rein schulmännischen Fähigkeiten oder dem direktcrialen Organisationstalent Professor Kellners, sondern vor allem — und das ist das Entscheidende — in der tief-sittliehen Persönlichkeit dieses Lehrers, der sein Wirken als eine hohe Mission auffaßt. Dies erst macht ihn zu dem idealen Jugendführer einer heranwachsenden und, wie man leich sagen muß, ganz ausgezeichneten jüdischen Jugend, iesc Eigenschaften machen aber auch Dr. Kellner zu einer der bedeutendsten geistigen Gestalten des Wiener Judentums von heute. Das Wachstum des Gymnasiums von einer einzigen Klasse mit, sage und schreibe, 110 Schülern in einem kleinen Raume im alten Wiener Judengfietto bis zur bedeutenden achtklassigcn Lehranstalt des Chajes-Realgvmnasiums mit zahlreichen Parallelklassen, mit einer Schüleranzahl von insgesamt 485 Schülern und einem Lehrkörper von 35 Personen in einem schönen geräumigen Schulgebäude und einem Monatsbudget von S 14 000 — diese Meilensteine der äußeren Entwicklung dieser Schule sind auch die Etappen der inneren Entwicklung und Zeichen der Tatkraft ihres Leiters. Eine Schale wird gegründet Am 21. November 1919 erschien in der früheren Wiener ״Jüdischen Zeitung“ ein bescheidener Aufruf unter dem Titel ״Ein jüdischer Schulverein in Wien“, in dem der jüdischen Oeffentlichkcit die Gründung des jüdisehen Schulvereins und die gleichzeitig erfolgte Eröffnung der ersten Klasse des jüdischen Gymnasiums zur Kenntnis gebracht wird. In dem Aufruf, der u. a. von Oberrabbiner Chajes, Adolf B ö h m, Bankdirektor E p p 1 e r, Anita Müller, Universitätsprofessor Dr. Bernhard Geiger, Dr, Schallt, Ing. Robert Stricker, Gemeinderat Dr. P o 11 a k - P a r n a u, Chskar Rosncr und dem Vizepräsidenten der Türkisch-Israelitischen Gemeinde in Wien, Leo H a i m. gezeichnet war, wird weiter darauf hmgewiesen, daß die I. Klasse infolge der großen Zahl der Anmeldungen gleich in drei Parallelklassen geteilt werden mußte, womit zur Oentige unter Beweis gestellt wäre, daß die Errichtung einer jüdischen Mittelschule in Wien die Erfüllung eines dringenden Verlangens weiter Kreise der Wiener Judenschaft bedeute. Die Gründung des Schulvereins und des Gymnasiums selber ist durch das Wirken des damaligen ״Jüdischen Nationalrates“ unter der aktiven Teilnahme Adolf Böhms wesentlieh beeinflußt und gefördert worden. Die geistige Struktur der Schale Auf mein Befragen äußert sich Direktor Kellner über diese Seite mit folgenden prinzipiellen Erklärungen: ״Das Chajcs-Gymnasium ist nicht aus äußerem Zwang, sondern freiwillig aus dem starken jüdischen Kulturwillen seines Gründers Wirklichkeit geworden. Die Aufgabe der jüdischen Schule ist, ihre Zöglinge sowohl in den Kreis der jüdischen, der hebräischen, national-religiösen Kultur der Vergangenheit, als auch in den Zusammenhang der jüdischen Schicksalsgcmeinschaft unserer Tage hineüizuziehen. ßaa Chajes-Realgymnasium ist eine nationale Schule; da diese nationale Schule eine jüdische ist, so ist sie auch eine religiöse Schule. Als eine der wesentlichsten Aufgaben des jüdischen Gymnasiums wird daher die Pflege der sittlichreligiösen Tradition des jüdischen Volkes erblickt, mit der der junge Jude erfüllt werden muß, damit er sich im Leben als Jude behauptet und die unerschütterliche Kraft gewinnt, alle Opfer auf sich zu nehmen, die das Jude-Sein von ihm verlangt. Das jüdische Gymnasium erzieht die ihm anvertraute Jugend dazu, daß sie leidenschaftlich Anteil nimmt am Aufbau eines neuen jüdischen Volkstums in Palästina. Ein weiteres Ziel der Schule ist, den Teil der Jugend, der nicht selbst nach Palästina gehen kann, durch Kenntnis jüdischer Werte, jüdischer Lebensformen und Tradition dazu zu befähigen, daß er sich hineinstellt in das Leben seiner Gemeinschaft und bereit ist, jüdische Existenz und jüdische Ehre zu wahren und zu verteidigen. Dies, betont Professor Kellner, ist auch mit den Pflichten gegenüber dem Staat Gemeindeobend aus Anlaß der Anwesenheit von Dr. A. Ruppin-Jerusalem Leiter der Zentralstelle für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland In Palästina Synagoge PrinzregentenstraDe Montag, den 21. Mürz, 20.30 Uhr Begrüßungen: Direktor H. Stahl Rabb. Dr. L. Baeck Dr. ARTHUR RUPPIN UNSER PALÄSTINA Von Aufbau, Kampf und Zukunft Dr. Michael Traub, Bericht Ober die jüngste Palästinapolitische Entwicklung Vorstand der JQdlschen Gemeinde Berlin JewishAgency for Palestine vereinbar, zu dessen loyalen Bürgern wir unsere Zöglinge erziehen. Sie werden erzogen im Sinne der Worte des Propheten Jeremia: ״Suchet aas Wohl der Stadt, die ich euch zum Wohnen bestimmt habe, denn ihr Wohl ist euer Wohl,“ Der äußere Aufstieg Fm ersten Jahre (1920) hatte die Schule, wie erwähnt, 110 Schüler, die in einem engen Raum untergebracht waren. Das zweite Schuljahr machte die Errichtung von drei Parallel- Zügen der ersten Klasse notwendig. Das Jahr 1927 brachte der Anstalt die erste 8. Klasse, womit das Gymnasium den vollen Betrieb — organisch gewachsen und entwickelt — einer achtklassigcn jüdischen Mittelschule ( höheren Schule) erreicht hatte. Die ersten Maturanten, die zum größten Teil mit ganz außerordentlichen guten Qualifikationen ihre Reife- Prüfungen bestanden, schlossen sich dann auch auf der Universität in einer Vereinigung zionistischer Studenten als ״Absolventen des Chajes-Realgymnasiums“ zusammen. In der Zwischenzeit aber machte sich die Raumnot des Gymnasiums immer empfindlicher bemerkbar. Im Jahre 1923 erfolgte die Uebersiedlung der Anstalt aus der Drahtgasse im ersten Bezirk in das Pollak-Rudinschc Stiftungshaus, einem mehrstöckigen Gebäude in der Castellezgasse in der Leopoldstadt. Hier standen nun der Schule fünf große Räume zur Verfügung. Je zwei weitere Zubauten in den Jahren Die neue Palästina - Kommission fm Unterhaus hat Ormsby-Gore mitgeteilt, daß die neue technische Kommission für Palästina im Monat April nach Palästina abreisen wird. Unser Bild zeigt die Kommissionsmitglicder, und zwar links A. P. Waterfield vom englischcn Finanzministei ium und rechts Sir Alison Russell, der verschiedene Aemter im Kolonialjustizdicust versehen hat. A & Waterji$Ui §«1U1>d,!oto1 Alison RusseM Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorfer Sfr. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe 1926 und 1928 erweiterten die Räumlichkeiten auf das doppelte Ausmaß. Aber gleichzeitig wuchs auch die Schülerfrequenz immer mehr an, so daß der Betrieb wieder unter großer Raumnot zu leiden hatte. Der Schule standen kein Physiksaal und kein geeigneter Zeichensaal zur Verfügung. Ein ebenerdig gelegener Raum mußte als Turnsaal verwendet werden. Auch hier konnte der immer steigenden Schülerfrequenz nur durch die Installierung eines Nachmittagsunterrichts einigermaßen entsprochen werden. Erst als 1935 die Ucber- Fassung eines städtischen Schulgebäudes erfolgte, hörte die Raumkalamität auf. ln der Tat präsentiert sich heute das neue Heim des jüdischen Gymnasiums in der ruhigen Staudinger Gasse der judenreichen Brigittenau (XX. Bezirk Wiens) als ein stattliches Schulgebäude, das mit allen Einrichtungen einer modernen Mittelschule ausgestattet ist. Auf der Tür eines jeden Raumes prangt in weißen Lettern die nähere Bezeichnung desselben in deutscher und hebräischer Sprache. Rein äußerlich schon ist diese Atmosphäre für die jüdische Schuljugend von nicht hoch genug eiiizuschützendem günstigen Einfluß. Gegenwärtig besuchen etwa 500 Schüler das Chajes- Realgymnasiums, das sind etwa rund 10 "0 aller in Wien schulpflichtigen jüdischen Kinder. Das Gymnasium hat sehr zahlreiche Parallelzüge, so insbesondere in den unteren Klassen. Insgesamt gibt es heute 13 erste Klassen, 3 vierte Klassen usw. Die Verlegung der Schule aus 11 er Castellezgasse, wo jetzt die jüdische Volksschule untergebracht ist, in einen anderen, wenn auch ebenfalls judenreichen Bezirk, hat keinen Rückgang der Schiilerfreqnenz gebracht. Intcressanterweise ist in der letzten Zeit auch ein Zustrom ״westjudischer“ Kinder festzustellen. Die eigentliche Absicht des Gründers war es ja, diese Schule vor allem für die westindischen Kinder zu schaffen, um sie so vor dem gänzlichen Verlust der jüdischen Substanz zu bewahren. Zunächst aber war das ״ostjüdische״ Element vorherrschend, d. h. zumeist in Wien geborene Kinder von aus den östlichen Provinzen Vorkriegs- Oesterreichs stammenden Eltern. Hierbei vollzieht sich, wie Direktor Kellner sagt, ein gesunder Ausgleich zwischen Ost- und Westjuden. Die innere Struktur Die Schule ist eine koeduktive. Insgesamt machen die Mädchen ein Drittel der Schiller aus. Die Anstalt unterscheidet sich von den allgemeinen Mittelschulen mir durch die national-religiöse jüdische M ehr leistmig auf dem Gebiete des Unterrichtes an Religion und Hebräisch. Hcbräisch wird als lebende Sprache gelehrt. Die Absolventen beherrschen denn auch die Sprache in Wort und Schrift. Anläßlich des seinerzeitigen Aufenthaltes Bialiks in Wien fand ein Empfang des Dichters im jüdischen Gymnasium statt; Bialik selbst zählte diesen Bestich und seine Eindrücke von dem Geist dieser Anstalt und ihrer Zöglinge zu seinen stärksten Erlebnissen in Wien. Das Gymnasium vermittelt eine systematische Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur, sowie der jüdischen Geschichte. Das Lehr- Programm entspricht dem Programm des österreichischen Bundes-Realgymnasiums. Von der ersten Klasse an wird Latein, von der dritten an Englisch unterrichtet. Als weitere Fremdsprache fungiert im Lehrplan Französisch, Hebräisch und Religion — in hebräischer Unterrichtssprache — werden in sechs Wochenstunden unterrichtet. Samstag ist die Anstalt geschlossen. Selbstverständlich sind auch alle anderen jüdischen Feiertage schulfrei. Der Lehrkörper des Chajes-Realgymnasiums umfaßt 35 Lehrer, darunter 5 für Hebräisch und Religion. Unter den 35 Lehrkräften sind 10 Lehrerinnen. 15 Lehrer sind an der Anstalt in Hauptstellung tätig. Die Verwaltung Obwohl die Schule von der Wiener Kultusgemeinde subventioniert wird, hat sie doch einen finanziellen Kampf 211 führen. Die Hälfte des Budgets wird durch die Leistungen der Elternschaft gedeckt, wobei auch hier das Prinzip der Weitherzigkeit gegenüber minderbemittelten Familien geübt wird. Im ganzen zahlen 8״>! der Schillerschaft das volle Schulgeld. Die ständige Subvention der Kultusgemeinde beträgt 4000 Schillinge, der Rest muß vom Verein ״Chajes-Realgymnasium“ durch Spenden aufgebracht werden. An der Spitze der Schule steht ein Kuratorium mit Bundeskulturrat Hofrat S. Frankfurter als Vorsitzendem. Dem Kuratorium gehören Vertreter der Kultiisgenieimle, der Zionistischen Organisation, der Elternschaft, gewählte Mitglieder des V'ercins ״Chajes-Gymnasitim“ und schließlich Vertreter des Lehrkörpers, sowie der jeweilige Oberrabbiner von Wien an. Ausblick Interessante Einzelheiten weiß im Laufe unseres Gespräches Direktor Kellner über die Berufswahl der Absolventen zu erzählen. Ein großer Teil geht nach Palästina und erfüllt somit eine der wesentlichsten Funktionen der Schule. Einige Dutzend Abiturienten befinden sich auf Hachscharah mit der festen Absicht, in Palästina sich der landwirtschaftlichen Arbeit zuzuwenden. Die Mädchen, die nach Palästina gehen, bereiten sich gewöhnlich für die Hauswirtschaft und Säuglingspflege vor. Soweit die Absolventen in Europa bleiben und nicht praktische Benife ergreifen, studieren sie meistens Medizin, die Mädchen zum Teil auch Philosophie. Eine ehemalige Schülerin des Gymnasiums ist heute in der Anstalt als Lehrerin tätig. Die jüdische Lehrerfrage, meint Professor Kellner, sei übrigens ein recht schweres Problem. Wohl gibt cs zahlreiche Lehrer jüdischer Herkunft, ohne daß aber die jüdische Schule mit ihren speziell jüdischen Bedürfnissen aus diesem Reservoir senöpfen könnte. Hier eröffne sich vielmehr ein weites Gebiet der Lehrererziehung, der Heranbildung des jüdischen Lehrers in jüdisch-positivem Sinne. So werden im Gymnasium auch Lehrerkurse für Hebräisch abgehalten, die von Kollegen geleitet werden. Man verläßt die schöne Lehr- und Lernstätte nach Gesprächen mit diesen für alles Große und Schöne im Judentum aufgeschlossenen Knaben und Mädchen mit dem Bewußtsein: Wenn diese Jungens und Mädels auch nur einen Teil von den ewigen Kulturwerten, zu deren Quellen sie Professor Kellner und seine Mitarbeiter während der acht Jahre ihrer Studienzeit leiten, beim Verlassen dieser Schule mit ins Leben nehmen, haben sie Wertvollstes mitbekommen aut den harten Weg, als Jude zu leben. Dann hat die Schule das vollbracht, was sie nach dem Willen ihres Gründers sein sollt Heimat für die jüdische Jugend und Pflegestätte jüdischen Geistes, Erzieherin einer neuen jüdischen Jugend, die, erfüllt von den großen Werten der Vergangenheit, bereit ist, ihre beste Kraft herzugeben für den Aufbau ihres Volkes.