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Jüdische Rundschau · 1938-03-15 · Heft 21 (15.3.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 21 (15.3.1938)
Date
1938-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 15. III. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Leo Hertmann 50 Jahre Ein ehemaliger Redakteur der ״Jüdischen Rundschau“ Wenn ein Mensch, der im Schatten der täglichen aufreibenden Arbeit steht, ein persönliches Fest feiert, ist dies nicht nur ein Anlaß für seine Freunde und Mitarbeiter, ihm ihre Sympathie auszusprechen, sondern auch für die weitere Oeffentliehkeit tritt ein solcher Mann, so bescheiden er auch sein mag, in das volle Rampenlicht. Leo Herrmann, der am heutigen Tage 50 Jahre alt wird, ist einer von denen, die ohne große persönliche Prätentionen, oft als unsichtbare ״Drahtzieher“, im Stillen für die Sache arbeiten, der sie ihr Leben gewidmet haben. Seine ersten offiziellen Positionen erlangte Herrmann als Sekretär der Zionistisehen Exekutive in Berlin im Jahre 1913. Als dann der Krieg ausbrach, und Herrmann (wegen seiner starken Kurzsichtigkeit) einer der Wenigen war, die nicht eingezogen wurden und in der aktiven zionistischen Arbeit verbleiben konnten, wurde er die Hauptstütze des Berliner Zionistischen Büros und vor allem der Chefredakteur der ״Jüd. Rundschau“. In der Jubiläumsnummer, die wir im April 1935 anläßlieh des vierzigjährigen Be- Standes der ״Jüd. Rundschau“ herausgegeben haben, erzählte Herrmann Erinnerungen aus dieser Zeit, in der die ״Jüd. Rundschau“, schon als ein Bindemittel für Tausende von jüdischen Soldaten im Felde und wegen der erhöhten Aktualität der Judenfrage in der Kriegszeit, eine besondere Bedeutung gewann und nach Aufhören der ״Welt“ zum führenden zionistischen Organ wurde. Nach dem Kriege nach London übersiedelt, wurde Herrmann 1920 Generalsekretär des Keren Hajessod. Er war die rechte Hand von Berthold Feiwel, die Seele der ganzen Organisationsarbeit, über die ganze Welt spannte er das Netz von Zweigstellen und Vertrauensleuten, die für die Aufbringung der Gelder zu sorgen hatten. Wenige Menschen in der Zionistischen Organisation besitzen wohl diese Personenkenntnis wie Leo Herrmann, der mit seinem Reichtum an Einfällen und Ideen jede Beziehung für die Sache Palästina auszuwerten wußte. Einer größeren Oeffentliehkeit ist Herrinanns Name vor allem als der des Produktionsleiters des großartigen Keren Hajessod-Films ״Land der Verheißung“ bekannt, und aut dem Gebiet der Film-Propaganda liegen auch seine neuen Versuche. Was aber ist gesagt, wenn man diese Aemter und Leistungen und noch einige mehr aufzählt? 25 Jahre Arbeit, oft Kleinarbeit und eine unübersehbare Menge publizistischer Niederschläge kennzeichnen diesen Weg. Aber das Wichtige ist hier das Intime, Persönliche. Herrmann hat schon in seiner Jugend einen neuen Stil der zionistischen Arbeit und Propaganda erfunden und viele fernstehende Menschen in deren Bannkreis gezogen. Aus eigener Kenntnis mit der Nationale täten-Politik des alten Oesterreich und ihren Problemen vertraut, wurde er auch für manche Aspekte der Judenfrage scharfsichtiger. Und durch sein Verständnis für die geistigen Notwendigkeiten und menschlichen Erfordernisse der jüdisehen Renaissance wurde Herrmann in der Vorkriegszeit bahnbrechend für eine zionistische Auffassung, die später einen großen Teil der Jugend erobert hat; der Name Martin Buhers ist damit verknüpft. Von diesen und anderen Perioden aus Leo Herrmanns Tätigkeit berichten hier zwei Freunde, die ihm in der Arbeit und persönlich besonders nahestehen. Das Bild wäre aber unvollständig, wenn man nicht ein Wort über den Menschen hinzufügte. Es wird wohl keinen Widerspruch geben, wenn man Leo Herrmann als den vorbildlichen zionistischen (oder schlechthin jüdischen) Beamten bezeichnet. Niemals kannte er den Begriff der Aintsstunden, sei es während seiner Redaktionsführung in der ״Jüdischen Rundschau“ in Berlin, sei es in London oder in seinem Büro in Jerusalem; in später Abendstunde, wenn alle längst das Haus verlassen haben, trifft man Herrmann noch bei der Arbeit. Und wer ihm in der Arbeit oder im Leben nahesteht, dem ist er der beste Gefährte. Leo Herrmann hat einmal während des Krieges ein jüdisches Saminelhuch herausgegeben und an die Soldaten im Felde vorsandt, dem er den Namen ״Treue“ gab. Nichts könnte besser seinen eigenen Charakter kennzeichnen als dieses Wort. Und darum werden ihm an diesem Tage auch die herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche Zuströmen. ln seiner Studentenzeit war Leo Herrmann mit Hugo Bergmann, dem jetzigen Rektor der Universität Jerusalem, eng verbunden. Kurt Blumenfeld ״entdeckte“ ihn 1913 für die Zionistische Weltorganisation und ist heute sein Kollege im Keren Hajessod. Indem wir die Beiträge, die die beiden uns anläßlich des 50. Geburtstages von Herrmann senden, gekürzt wiedergeben, schließen wir unsere eigenen herzlichen Glückwünsche und die der ״Jüdischen Rundsohau“ an. ־«f' Prager Lehrjahre ... Am 17. Oktober 1908 wurde Leo Herrmann für das 32. Semester des ״Vereines Jüdischer Hochschüler Bar Koch ha in Prag“ zum Obmann gewählt, am 14. Februar 1909 für das 33. Semester wiedergewählt. Für die jüdisch-nationalen Studenten Oesterreichs war dieses Jahr kein leichtes. Zu Beginn des Wintersemesters kam es an der Wiener Universität zu schweren Zusammenstößen zwischen deutschen und jüdischnationalen Studenten, weil die deutsch-völkischen Studenten die jüdischen für ״nicht satisfaktionsfällig“ erklärt hatten. An ailen Hochschulen Oesterreichs kämpften die zionistischen Studenten um die Anerkennung der jüdischen Nationalität und ihres Status im akademischen Leben, ln Prag schlossen sich die jüdischnationalen Studenten, trotz der Differenzen, die zwischen ״Vereins“- und ״Verbindungs“studentcn bestanden, zur ״Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler“ zusammen, welche eine Einheitsfront der zionistischen Studenten ermöglichen und zugleich den Boden abgehen sollte für den Kampf gegen die reiche und mächtige ״Lese- und Redehalle deutscher Studenten“, die zum großen Teile aus (assimilatorischen) Juden bestand. Am 24. Oktober 1908 sprach eine Abordnung der neu gegründeten jüdischen Lesehalle beim Rektor der Prager deutschen Universität, dem Germanisten Prof. August Sauer, vor, um ihm die ideologischen Grundlagen der jüdisch-nationalen Studentenbewegung darzulegen. Leo Herrmann gehört als Obmann des ״Bar •Kochba“ dieser Delegation an. Es ist auch heute noch interessant, das Dokument zu lesen, das die jüdischen Studenten dem Rektor überreichten (״Selbstwehr“ vom 30. Oktober 1908). Die Abfassung des Memorandums war keine leiciite Angelegenheit. Auf der einen Seite mußte ehrlich erklärt werden, daß die jüdisch-nationalen Studenten dem Volkstum nach sich nicht für Deutsche halten, auf der anderen Seite mußte klargemacht werden, daß der Zusammenschluß der jüdischnationalen Minorität keine Beeinträchtigung des deutschen Charakters der Hochschule bedeuten wolle. Das Memorandum, das sich auf der Formel aufbaut ״Wir sind jüdische Studenten an einer deutschen Hochschule“, bringt den Standpunkt der Jüdischnationalen in einer ehrlichen und würdigen Weise zum Ausdruck. August Sauer erwiderte der Deputation, daß er den Stolz der jüdischen Studenten auf ihr Volk, das als älteste Kulturnation betrachtet werden müsse, berechtigt finde und daß er beim Unterrichtsministerium wegen einer definitiven Regelung ihrer Forderungen intervenieren werde. Wenige Tage später wurde eine Abordnung vom Rektor der Technischen Hochschule empfangen, dem Leo Herrmann (nach dem Berichfe der ״Selbstwehr“) sagte: ״Unsere Bewegung hat seit ihrem verhältnismäßig kurzen Bestände so viele Hindernisse überwunden und sich bei allen ehrlich denkenden und konsequent handelnden Männern die gebührende Achtung erworben, daß uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein braucht.“ In diesem Tone pflegten jüdische Studenten bis dahin wohl kaum zum Rektor zu sprechen. Soviel Zeit und Kraft dieser Kampf nach außen erforderte, er war den Bar Kochbanern nur eine Episode. Das Wichtige war für sie die innere Arbeit. Hans Kohn hat in seinem Buche ״Martin Buber, sein Werk und seine Zeit“ (S. 314 bis 316) die innere Geschichte des Prager Bar Kochba darestellt. In einem Semesterberichte des Vereines aus jener eit heißt es: ״Wir glauben unsere Kräfte nicht so sehr der Propaganda, als vielmehr der uns ungleich schwieriger aber aucn wichtiger erscheinenden Arbeit der Vertiefung des Zionismus widmen zu dürfen.“ Es ist bekannt, und jetzt, gelegentlich des 60. Geburtstages Bubers, wieder betont woraen, daß in diesem Kampfe um eine Vertiefung des Zionismus und um eine ״Besitzergreifung von all dem, was es heute von einer jüdischen Kultur gibt“ (wie es in dem Bericht heißt), für die Prager Studenten die Berührung mit Buber das entscheidende Ereignis war. Es ist weniger bekannt, daß Leo Herrmann der Initiator war. Herrmann hat in den Tagebuchblättern, die er im Buberheft des ״Juden“ 1928 veröffentlichte, erzählt, wie er im November 1908 an Buber schrieb, ״daß wir um die Antwort auf unsere wichtigste Frage bemüht sind: wie setzt sieh bei den Westjuden der Rest des jüdischen Wesens in Eigenes um?“ ״Ich erzählte ihm“, schreibt er, ״von unserer Isolierung im Westen zwischen Deutschen und Tschechen, zwischen deutschen Juden und tschechischen Juden. Buber sagte herzlich und erfreut zu und aus unserem Briefwechsel entwickelte sich Titel und Inhalt seiner Rede: Der Sinn des Judentums.“ Jene ״Besitzergreifung von all dem, was es heute von einer jüdischen Kultur gibt“, die im Programme des Bar Kochba gefordert wurde, blieb freilich_ zunächst nur Progratnm. ... Leo Herrmann seihst hat in jener Zeit seine Autsätze über Nathan Birnbaum geschrieben (seine Studie über Birnbaum war wohl die erste, die geschrieben wurde) und den Weg verfolgt, den dieser ״ins Wcstjudentum verschlagene Ostjude“ wählte, um den Anschluß an das Ostjudentum wiederzufinden. Er warf Birnbaum vor, daß er, der ein Revolutionär der Zielsetzung gewesen war, sich zum Glauben an die langsame organische Evolution zurückbekehrt hatte und deswegen den Rückzug vor der revolutionierenden Kraft des radikalen schöpferischen zionistischen Ideals angetreten hätte. Rückschauend müssen wir heute diese Worte Herrmanns auf uns seihst beziehen. Wir haben damals die ganze Forderung des zionistischen Ideals an uns, die volle Verwurzelung in der jüdischen Kultur, nicht verstanden. Eine Welt mußte untergehen, ehe wir für die Erkenntnis unserer eigenen Forderung reif wurden. Sie zu erfüllen wird erst Sache der Kinder und Enkel der jetzt Fünfzigjährigen sein. Hugo Bergmann Wie Ich Herrmann entdeckte Als ich Herrmann 1911 kennenlernte, wußte um seine Fähigkeit nur der Kreis der Prager Bar Kochbaner, der sich ernsthaft mit dem Problem des Zionismus beschäftigte. Da wir alle aus Jugendverbänden kamen, von denen jeder sein eigenes Leben führte, jeder mit eigener Sprache und besonderen Formen, war es nicht leicht, sich in einer anderen Atmosphäre heimisch zu fühlen. Der Prager Bar Kochba war so reich an interessanten Persönlichkeiten, daß er auch für den anziehend sein mußte, der zum Widerspruch bereit war. Leo Herrmann, der als Präsidc des Bar Kochba eine große Aktivität entfaltet hatte, wirkte wie ein verbindenes Glied zwischen seiner Gruppe und jungen Zionisten aus anderen Bezirken. Seine helle Klugheit, seine geistige Elastizität, seine verblüffende Fähigkeit, Vorgänge zu beschreiben und Gedanken zu formulieren, machten auf mich großen Eindruck. Ich merkte, daß die zionistische Bewegung in ihm einen Publizisten von ganz besonderm Rang gewinnen könne. Ein neues Talent und zugleich ein Mensch von echtem zionistischen Charakter. Wir im Berliner E. A. C. waren damals (nach dem X. Kongreß 1911) auf der Suche nach neuen Kräften. Auf meine Veranlassung entschloß sich Dr. Hantke, der damals das Organisationsressort der Exekutive (sie hieß in jenen Zeiten ״Engeres Aktionskomitee“) leitete, Leo Herrmann zum Sekretär der Exekutive zu machen. Leo Herrmann brachte eine Fülle von neuen Anregungen nach Berlin. Was er schrieb, war lebendig und schlagkräftig, und vor allem beschleunigte er das Tempo unserer puhlizistisehen Arbeit. Im ״Sprachenkampf“, der das Jahr 1913 ausfüllte, wurde er der Exekutive zu einem unentbehrlichen Flelfer. Seine Broschüre ״Im Kampf um die hebräische Sprache“ trug viel dazu bei, um der jüdischen Ocffcntlichkeit zu zeigen, daß die zionistische Bewegung alle opportunistischen Rücksichten überwinden müsse, um gegenüber dem offiziellen Judentum das Recht auf eigene Sprache und eigene Kultur in Erez Israel durchzusetzen. Leo Herrmann wurde ein ausgezeichneter Redakteur der ״jüdischen Rundschau“. Unter seiner Leitung hat die ״Jüdische Rundschau“ besonders in den beiden letzten Kriegsjahren außerordentliches geleistet. Der Zionismus wurde mit Mut und Würde vertreten. Das Schicksal der Judenheit fand damals einen neuen erregenden Ausdruck in den Artikeln von Leo Herrmann upd den von ihm herangezogenen Mitarbeitern. Leo Herrmann konnte seine glänzende organisatorische Fähigkeit vor allem im Keren Hajessod bewähren. Er wurde der Mittelpunkt der Leitung des Keren Hajessod, die Ste'Ie, die alle Teile der Arbeit übersah und betreute. Er hat die Fülle der Erfahrung, kennt die Menschen und die Länder und ist seiner Arbeit ganz verbunden. Der Palästina-Fiim ״Land Die ״Jüdische Ilundsdiau“ im Ausland 111111111 tun 11 im 111 mim im imimn m 1111111!1111 וו .1!111111111!1 m 111 [ 1 m 111111: n 1 n 11111 ו1ו■ Das ohenstehende Bild gehl uns■ aus ״eif>l fünf treue Leser der ,,Jüdische ihres Hauses de Chile Bunds( h< Carlen der Verheißung“ )ffenbart• :11 da in :11 vollbracht( Tat. V ־he 1.( iber di Kräfte di Yehudi Menuhin in London London, im März 1938 Am 6. März trat Yehudi Menuhin nach fast zweijähriger IGuse mit einem streng romantischen Programm vor das Londoner Publikum. Fast 10 000 Menschen füllten die Albert-Hal! voll erregter Erwartung, ob das vielversprechende Wunderkind von einst als nun 2!jähriger Jüngling die Hoffnungen nicht enttäuschen würde, die man auf ihn gesetzt hatte. Menuhin spielte das erst kürzlich wieder aufgefundene D-Moll Konzert von Schumann; zu wahrhaft enthusiastischein Beifall aber vermochte er seine Hörer erst mit den Yehudi und llephiihah Menuhin Konzerten von Mendelssohn und Brahms hinzureißen. Die meisterhafte Beherrschung aller technischen Sclnvierigkeiteil paart sieh jetzt neben der wunderbaren Süße des Tons mit einer gereifteren Interpretationsfälligkeit und einer leidenschaftlichen Hingabe an das Werk, che .Menuhin zu dem großen Künstler stempeln, der alle Herzen zutiefst bewegt. Mit Spannung werden die beiden weiteren Konzerte Menuhins erwartet; in dem letzten wird er von seiner Schwester H e p 11 z i b a h Menuhin begleitet werden. Barbara G. Bernstein Lord Winterton im englischen Kabinett Lord Winterion Im Zuge der Umbildung des englischen Luftfahrtministeriums ist Lord Wint e r t o n in das britische Kabinett eingetreten. Er übernimmt im Kabinett das Gebiet der Zivilluftfahrt. Lord Winterton, ein früherer Unterstaatssekretär für Indien, der auch im Weltkrieg den Orientfeldzug mitmachte, ist auch durch Aeußerungen in den Fragen der Palästinapolitik hervorgetreten. Fr hat auch im Unterhaus in den meisten Palästina-Debatten gesproeben. Er gehört zu jener Gruppe konservativer Politiker, die einen pro-arabischen Standpunkt einnehnieii und ist ein Gegner des Zionismus. Winterton war seit der Uebernahme des Ministerpräsidiums durch Cliamberlain Mitglied der Regierung, aber nicht des Kabinetts.

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