Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20 11. III. 1938 Von der Woche Viscount Samuel und Lady Samuel trafen auf ihrer Rückfahrt von ihrem Indienbesucli in Palästina ein. Der Tel Aviver Bürgermeister Rokach teilt mit, daß der Kolonienminister nur eine Anleihe von 50000 Pfund für die Tel Aviver Stadtverwaltung genehmigt habe, jedoch den Plan einer Anleihe von weiteren 50 000 Pfund zur Ausdehnung der öffentlichen Arbeiten ab ge lehnt habe. Mosche Schertok, Leiter des Politischen Departements der Exekutive der Jcwisli Agency in Jerusalem, und seine Kollegen von der Exekutive, Hexter und Senator, sprachen Montag bei dem neuen High Cornmissioner, Sir Harold Macmichael, vor. Auf Grund von Informationen von Mustapha Alhindi, dem Banditen, der des Mordes an Abraham Goldschlager am 28. Februar geständig ist, durchstreiften Polizisten und Truppen ein weites Gebiet im Norden und verhafteten vier bewaffnete Araber, die bereits von der Polizei gesucht wurden und für deren Festnahme eine Belohnung ausgesetzt worden war. Zwei libanesische Gendarmen wurden in der Nähe der palästinensischen Grenze im Norden von Terroristen getötet und ein dritter verwundet. Die Terroristen, die in einem Auto über die Grenze wollten, wurden von den Gendarmen angehalten, worauf sie sofort Revolver zogen und die Gendarmen niederstreckten. Es stellte sich heraus, daß die Banditen im Begriff waren, Waffen über die Grenze nach Palästina Zu schmuggeln. Auf der Landstraße zwischen Akko und Safed kam es zu einer Schießerei zwischen einer Araberbande und Polizisten in Panzerwagen, wobei zwei Terroristen getötet wurden. Vor dem Jerusalemer Militärgericht wurde ein Prozeß gegen einen arabischen Tenoristen amerikascher Staatsangi hür.gkcit wegen Teilnahme an einem Bombenattentat eröffnet. ‘ kt tut < 1 11' 1 1 ' 11 ' ז י'd'1 im ht '\1111 Hain um 1 335 238 1 Personcm Mwu noch'1 die' Nomadeul‘hü1zukom1ne11. Ende des Vorjahres betrug ־de 1000 131. Die Prozentyerhält- und 0,0׳׳,, andere, dai unter’ die Drusen. ׳Die nomadische Bevölkerung wurde zuletzt PHI mit Ob 533 gezählt. Raw Meir Berlin zur Araberfrage In der orthodoxen Tageszeitung ״Ha/ofe“ vertritt der Redakteur Raw Meir Berlin seine Ansicht über die Lösung der Araberfrage, die in Anbetracht des Schreibers, der der offizielle Führer des Misrachi ist, besonderes Interesse verdient, auch wenn man von ihr abweicht. Raw Berlin schreibt: Line Araberfrage wird es unter allen politischen Bedingungen in diesem Lande geben, denn wir werden hier immer mit Arabern zusammen leben. Es kann darum nichts schädlicher sein, als diese Frage opportunistisch, unter dem Gesichtspunkt der heutigen Konstellation zu behandeln. Unser Felder war, daß wir immer nur an zeitliche Therapie dachten und über die eigentliche Lösung des Problems nicht nachdachten. Wir meinten: Welche Bedeutung haben schon die Araber? Wir werden das Land in Besitz nehmen. Von der anderen Seite sali der Brith Sehalom die Araber in Palästina für bevorrechtigt an. So kam es zu dem Unglück, daß die Zionistische Organisation in Hinsicht auf dieses Problem vor einer versperrten Tür steht. Die Verkennung des Problems führte zum Selbstbetrug und die Nachgiebigkeit des Brith Schaloin zum Betrug an den Arabern. Demi wir wollen ja hier herrschen und das' Land hesit/en, wahrend nach den. Erklärungen des Brüh Sclialom das Land uns und den Arabern gemeinsam gehört. So aber haben die luden nie gedacht und auch die Araber glauben das nicht. Die Araber sehen nicht im selben Maße wie die Juden das Zentrum ihrer Nation in Palästina. So ist es falsch, von einem hi-nationalen Staat auch von tler 'jüdischen Arbeit. Warum sollte e.s unmöglich v.? Dort könnten auch Araber ab- Beamte, Arbeiter, Chauffeure beschäftigt werden, arabisches Kapital konnte sich beteiligen, die Energien und Lrtahrungcn der Araber könnten verwertet werden. Dabei soll die seelische und historische Wahrheit unseres Ziels in Palästina nicht verwischt und abgeleugnet werden. Die Kantonisiertuig ist keine bessere Lösung als die Teilung, denn sie macht einen Dnier.sciiicd zwischen unseren Anrechten in den verschiedenen Teilen des Landes. Aber auch ohne gesetzliche Bestimmungen wird das Land praktisch in verschiedene Siedlungsgebiete zerfallen, wie etwa die Schweiz. Ls wäre sehr nützlich, wenn wir den Arabern dies in arabischer Sprache durch eine eigene Zeitung klarmachen könnten. Unser Ziel ist der Frieden, und ihm müssen wir aktiv nachgehen. Selbst wenn es zur Teilung und zur Errichtung des Jmlenstaates im geteilten Palästina kommen sollte, wird das Araberprohlem für uns foribe-dehen. W'ir müssen uns selbst dies Problem verstehen lehren, wir dürfen nicht stolz sein mul meinen, es sei unmöglich zusammen mit den Arabern zu leben. Das!.eben eines Volkes wird nicht durch eine augenblickliche Situation bestimmt. Die Arahcrfrage muß im Zentrum unseres Denkens sein. W'ir können die Rechte der Araber anerkennen oder sie ablehnen, die Existenz der Araber aber müssen wir anerkennen. Unter den Einwanden, die u. E. gegen diese Darstellung zu machen sind, steht 11. E. folgendes obenan: Jede Erörterung, die daran vorbeigeht, daß a u c 11 für die Araber Palästina in erster Reihe eine politische Frage darsfellf. führt zu Selbsttäuschungen, die sich in der praktischen Pohtik rächen müssen. Im Jahre 1038 festzustelien, daß in Palästina zwei Völker wohnen, ist keine Entdeckung; der Ausgleich zwischen ihnen hängt aber von dem politischen quid pro quo ab. Persönliches. Am 1. März wurde Rechtsanwalt Dr, Wolff Salomo n, Tel Aviv, 50 Jahre alt. Seit seiner Studentenzeit Zionist, war er der Bewegung allezeit ein treu ergeheuer Mitarbeiter. Er ist der Gründer der zionistischen Ortsgruppe Landsberg a. W. Gleich nach der Gründung des Keren Hajessod warb er ihm die ersten Freunde und Spender in Landsberg. Nach seiner Ucbers:etllung nach Berlin wurde er Leiter der neubegründeieu Bezirksgruppe Tempelhof. Seit einigen Jahren lebt er in Tel Aviv, wo er die Anwalts- Praxis ausübt und sich im national-religiösen Verein ״Ichud“ führend betätigt. Juden aus Deutschland siedeln Beer-Tuwiah* Eine Aufforderung nebst wohldisponiertem Thema der Redaktion und die unfreiwillige Muße eines Regennachmitlages sind gute Unterlagen für einen Rückblick aut fast dreijährige Arbeit. Wir, fast 20 Familien aus Deutschland, haben mit der Wahl Beer-Tuwiahs eine glückliche Hand bewiesen, Wir sind in ein gut organisiertes Dorf gekommen, fanden Einkauf- und Absatzregefimg vor, Schule und Kindergarten, ärztliche und tierärztliche Versorgung. 50 Siedler und zirka 20 andere Familien, damals schon seit zirka sechs Jahren ansässig, zeigten bereitwilligstes Entgegenkommen. — Mit uns wurden noch 35 Familien aus vorwiegend öffentlichen Mitteln neu angesiedelt, die nicht aus Deutschland kamen. Planung und Durchführung des Aufbaues der neuen Wirtschaften klappten vorzüglich. Für den Boden brauchten wir, da es sich um KKL-Boden handelt, nichts zu zahlen. Zu unserem Nutzen hat man uns zu einem knapp aber ausreichend disponierten billigen Typenhaus gezwungen. Für die voll ausreichende Wasserversorgung unserer '25 bewässerbaren Dunam wurden große öffentliche Mittel angelegt. — Trotzdem erwies sich unsere — wie alle andern N’euausiedlungen im Lande — als erheblich unterfinanziert (sowohl bei den 1000-Pfundlern wie bei den andern). Es fehlten außer den Zusatzmitteln für die ersten Jahre. Mittel für den zweiten Hühnerstall nebst dazugehöriger Aufzucht, fehlte Geld für Bewässerungsanlagen, für Vollendung des Kuhstalles und -auslaufes, für zusätzliche Pflanzungen und manches mehr. Daraus folgt, wem! nicht eine weder wirtschaftlich noch psychologisch untragbare Nicht•vo!l־Ausnutzung des Besitzes geschehen soll, ein erheblicher Kreditbedarf, d. 11. eine für jede bäuerliche insbesondere aber jede Anfangswirtschaft erdrückende Verschuldung. Es kommt hinzu, daß wir in unruhige Zeiten hineingeritten. Im vorigen Jahre sechs Monate Araberaufstand mit Kraft lind Nerven zerstörenden Tag- und Nachtwachen, Schießereien, Futternöten und mehr; in diesem Jahr Teitungsplane mit wirtschaftlicher Depression, ein Preissturz für unsere Produkte hei gleichhleibenden Produktionskosten, der jede Rentabilität ausschließt. Besonders für uns Anfänger bedeutet dies Verschuldung und Not ohne jede Beschönigung Einschränknng in der Lebenshaltung über das zulässige Maß hinaus, Not-Viehverkäufe und was es dieser Art mehr gibt. Einige besonders Yorgcbildetc (Handwerker) können sich gelegcntlieh mit Außenarbeit ein wenig helfen. Den andern geht cs schlecht — sehr schlecht — trotz aller höchst anerkennenswerten Bemühungen der Selbsthilfe durch die Organe und Institutionen des Dorfes und der Hilfe von außen durch die Einica, durch die ״Deutsche Abteilung“, durch die Ranken der Sochnttih ttsw. Und unsere ״wirtschaftlichen Pläne“? Das Futter für unser Vieh und für trns für diese Woche und mögliehst auch noch für die nächste? Darüber hinaus dringt allmählich die Meinung durch, daß wir zusätzlich größere Flächen unbewässerten Bodens brauchen, um Kuh- und Hühnerfutter billiger, d. h. mit der Bewässerung Gottes, *) Siehe die früheren Berichte über Siedlungen von Juden aus Deutschland in Nr. 93, 98/1937, 2, 18, 19/1938. dem Regen, anbauen und so Milch und Eierproduktion billiger gestalten zu können. Unsere Wirtschaften kranken an den hohen Futterpreisen, und soweit Griinfutter in Frage steht, am zu teuren Wasser. Dasselbe gilt für den Gemüsebau, es kommen die zu hohen Transportspesen hinzu. So, wie es jetzt ist, wird das Bedürfnis nach ständiger Hilfe nicht enden. Man gewährt sie bislang durch Darlehen. Darlehen aber sind deprimierend, demoralisierend una ruinös für den Einzelnen wie für den ganzen Stand. Man wird zur Subvention (bei Wasser und Transport) übergehen müssen. Bei Punkt 3 der Disposition, ״gesellschaftliche und psydialogische Situation“, kommen wir sehr stark ins Subj e k t i v e, was nachdrikklichst vorausgeschickt werden muß. Gesellschaftlich hat sich die Einordnung der Juden aus Deutschland hier reibungslos vollzogen, was den Alltag anlangt. Gleiche Arbeit, gleiche Sorgen, gleiche Ziele, absolute kameradschaftliche Hilfe und Bereitwilligkeit gegenseitig und beiderseits. Die spärlichen Stunden der Entspannung, des Schabbat-Nachmittags hingegen, werden von uns meistens mit Familien aus Deutschland geteilt. Das ist der von dem Ausruhbediirfnis geforderte Weg der größten Bequemlichkeit, des geringsten Widerstandes, ohne Sprachschwierigkeiten, ohne fremde andere Voraussetzungen. Auch bei gemeinschaftlichen Festen tritt diese Separation aus den gleichen Gründen hervor. Uns fehlt gegenseitig die Kenntnis der Voraussetzungen, des ersten Aktes. Die Tonart vor fünf Jahren in Hamburg oder Berlin war eben anders als vor 25 Jahren in einem kleinen Ghetto zwischen Warschau und dem Ural. Aber das ist nicht sehr wichtig. Wir kommen glänzend miteinander aus. — An dem gemeinde-politischen Leben usw. nehmen wir entsprechenden Anteil, soweit nicht die sprachlichen Schwierigkeiten entgegenstehen, an dem sonstigen geistigen Leben jedoch aus sprachlichen Gründen gar nicht. Außerdem konsumiert uns die unerhört schwere Arbeit so sehr, daß uns keine Kraft frei bleibt. — Mit dein Zustand des Bauernlebens, dem Uebermaß der schweren Arbeit, ihrer Primitivität und Endlosigkeit haben wir uns abgefuttden, sind wir sogar zufrieden geworden, obschon ich mir noch oft vorkomme wie im Krieg, so mit einer halben Ahnung, es gäbe irgendwo noch etwas anderes, und dies sei nur vorübergehendes Schicksal. Aber es müßte das Lebensnotwendige mit Sicherheit einbringen. Wir sind unserer Entwicklung nach keine Proletarier. Es deprimiert uns bis zur Verzweiflung, wenn es — und daß es immer wieder — nicht reicht; wenn ein Paar Schuhsohlen ein unlösbares Problem werden, oder ein Nachbar einige Marmeladengläser verkaufen muß, um eine Unze Margarine zu kaufen, wir ertragen es auch körperlich nicht lange, wenn wir Abend für Abend meistens vergeblich zum Arbeitsamt laufen müssen, um einen Tag für uns 40jährige zu schwere Arbeit zu erwischen, damit unsere Kühe wieder 2—3 Tage zu fressen haben. — Es ist ein sehr hartes Leben, aber es ist doch irgendwie noch ein Gentleman-Leben. Und das versöhnt. Wir haben wenigstens unser Haus. Wir leben Gleiche unter Gleichen. Und meine fünfjährige Tochter sagt: ״Papa, wie gut ich es habe, weiß überhaupt keiner auf der Welt.“ Kann ein Vater sich mehr wünschen? Dr. Cantor (Beer-Tuwiah) Auf Geselischaftsfahrt in Palästina Erste PalSstinareise der BZV und des Kulturbundes Eilt Teilnehmer an der ersten Gesellschaftsreise der BVZ. und des Kulturbundes, die Ende des vergangenen Jahres veranstaltet wurde, übersendet uns den nachfolgenden Berieht, (Red.) Schon lange wollte ich eine Informationsreise nach Palästina unternehmen, doch immer schreckte ich vor den vielen dabei zu erledigenden Formalitäten zurück. Als ich dann im Spätsommer 1937 die Ankündigung einer Informationsreise der Berliner Zionistischen Vereinigung und des Kulturbundes las, schwankte ich noch, ob diese Reise für mich das Richtige sein würde. Aus früheren Reisen schwebte mir das Bild von gelangweilt durch Museen und Kirchen ziehenden Mctischenschlangen vor, die uninteressiert den auswendig gelernten Vorträgen des berufsmäßigen Reiseführers zuhörten. Auch fürchtete ich, zeitlich und örtlich zu sehr gebundeti zu sein, um meinen persönlichen Interessen nachgehen zu können. — Als ich mich trotz dieser Bedenken entschloß), an der Gesellschaftsreise teil/tinehmen, geschah es zuerst mit ein wenig gemischten Gefühlen. Bei der Abfahrt betrachtete man seine Mitreisenden, denen man?tun Teil gleich vorgestelit wurde. Schon recht vergnügt bestiegen wir in Triest das Schiff und hatten bald Gelegenheit, mit einigen bereits seit langem in Palästina lebenden Persönlichkeiten in zwangloser Unterhaltung die Probiente des Landes zu erörtern. Nach einem kurzen Landausfhtg in Cypern kam der von allen ersehnte Tag, an dem wir morgens vor Sonnenaufgaitg die Umrisse der palästinensischen Berge und die Küste zum ersten Male erblicken durften. Bei der Ankunft i n H a i f a zeigte es sich wieder, wie gut es war, daß ich mich der Gesellschaftsreise angeschlossen hatte. Die meisten Reisenden hatten nur noch Sinn und Auge für ihr Gepäck, das wahllos und ohne jedes System vom Schiff ausgeladen wurde, mußten sich tun die Gepäckträger kümmern, hatten Schwierigkeiten bei der Verzotlung, kurz, sie mußten sich auf die äußerlichen Sorgen konzentrieren, während für uns, genau wie schon vorher in Triest, gesorgt wurde. Ungestört konnten wir das Gefühl auskosten, endlich das Land unserer Väter zu sehen, nach dem uns zeitlebens unsere Sehnsucht zog. Die wichtigste Voraussetzung, ■ein Land richtig zu erleben und zu erfassen, ist die Art und Weise, in der einem das Land, seine wirtschaftlichen und kulturellen Erscheinungen und Menschen nähergebracht werden. Diese Frage wurde durch die Bestellung unseres Reiseführers auf das allerglücklichste gelöst. Bereits vom Hafen in Haifa atts wurden wir in schon bereit stehenden Autos rns Hotel gebracht, das mit dem besten Komfort aasgestattet war. Kurz, es war für jede Bequemlichkeit des Einzelnen gesorgt, so daß wir manchmal ein wenig Scheu empfanden über all das, was uns so großzügig geboten wurde. Schon nach kurzer Zeit fanden sich aus der Gesellschaft schnell diejenigen zusammen, die nach ihrer ganzen Lebensauffassung, Veranlagung, in ihren geistigen und Wirtschaftliehen Interessen miteinander harmonierten. Trotzdem konnte man, wenn die Gesellschaft beieinander saß, den Eindruck haben, es sei eine große, zusammengehörige Familie, da durch die Kunst des Führers und das gemeinsame tägliche Erleben die Verschiedenartigkeit der Einzelnen und ihrer Interessen doch zurücktrat. Durch gegenseitige Rücksichtnähme und kleine Gefälligkeiten wurde die Reise für jeden der Teilnehmer zu einer täglich sich erneuernden Freude. Von Haifa, von Tiberias, Jerusalem und endlich von Tel Aviv als Ausgangspunkt fuhren wir in bequemen Gesellschaftsautobussen durch das Land. All diese Erlebnisse hätten wir nicht so intensiv genießen können, wenn uns nicht unterwegs durch die Gesellschaftsreise in jeder Weise Erleichteningen geboten worden wären, und die Führung mit Sicherheit für ständige Abwechslung gesorgt hätte. Man hatte das unbedingte Gefühl von Zuverlässigkeit, wenn man mit dem Autobus auf bergigen und kurvenreichen Straßen von unserem bewundernswert sicheren und kühnen Fahrer geleitet wurde. Da gab es nicht ״soviel Wünsche wie Teilnehmer“, kein unnützes Diskutieren aller über die Möglichkeiten von Besichtigungen. Jeder wußte genau, daß der Leitung ebensoviel wie uns selbst daran lag, uns mögliclist alles im Laqde zu zeigen. Die Fahrt durch Erez Israel war eine Kette der stärksten Eindrücke, nie ermüdend, im Gegenteil, anregend, nnterhaltend und interessant bis zur letzten Minute. Schon nach dem ersten Tage war ich wie timgewandelt. Trotz des ungewohnten Klimas war ich aufnahmefähig wie selten. Alan behielt stets die Spannkraft trotz der Fülle der Erlebnisse. Am Abend hatten wir Gelegenheit, an Empfängen, Begrüßmigett und Besprechungen mit den führenden Personlichkeiten der zionistischen Organisationen teilzunehmen, unsere Eindrücke zu verarbeiten, persönliche Fragen zu stellen und uns über alles Wissenswerte zu orientieren. Die Reise war von vornherein so organisiert, daß man schon bei der Rundreise seine Verwandten und Freunde in den Städten, auf dem Lande, in den Kwuzoth und Kibbuzim besuchen konnte. Die meisten nahmen noch Gelegenheit, nach dem Abschluß der gemeinsamen Reise bei ihren Kindern, Brüdern oder Freunden zu verweilen, da die Rückreise für jeden Teilnehmer der Rundfahrt nach freiem Ermessen vorgesehen war. Ich blieb nach der Trennung von meinen Reisegeführten noch über eine Woche im Lande und machte dabei die Erfahrung, daß der gute Allgcmeinüberblick, den wir über alle Dinge bei der Rundreise gewonnen hatten, für den weiteten Aufenthalt eine wertvolle Grundlage bildete. Ueberhaupt glaube ich, daß diese Kombination zwischen Rundreise und späterem Privataufenfhalt sehr glücklich ist. Zählung der arbeitenden Bevölkerung. Aus Palästina wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ veröffentlicht einen Leitartikel über die letzte, dritte Zahlung der jüdischen palästinensischen Arbeiterschaft. Die Zählung wurde im März 1937 durchgeführt, und ihre Resultate werden jetzt veröffentlicht. Seit der letzten, zweiten Zählung des Jahres 1926 hat sich die Zahl der jüdischen Arbeiter von 25 MO aut 104OM vermehrt. Das Verhältnis der Zahlen der Stadt- und Landarbeiter* schaff hat sich gebessert. Im Jahre 1926 waren 72 0/0 der Arbeiter städtische Arbeiter, im Jahre 1937 nur 61 0/0. Allerdings hat sich inzwischen der Charakter der großen Kolonien geändert, und viele der Arbeiter, die dort wohnen, sind in städtischen Berufen tätig. Aber auch die Zählung nach Berufen ergibt eine prozentuale Vermehrung der Landarbeiterschaff. 1922 waren 17 0/0 der Arbeiter in der Landwirtschaft tätig, 1926 — 20 0/0, 1937 — 24 «/o. Der Prozentsatz der in landwirtschaftlichen Betrieben aogesiedelten Arbeiter stieg von 12 0/0 auf 13,5 0/0. Die Transportarbeiterschaft nahm seit 1926 von 2,7 0/0 auf 6,3 0/0 zu. Ihre Gesamtzahl beträgt jetzt 6550. von denen mehr als 10M Hafenarbeiter sind und mehr als 700 bei der Eisenbahn und bei der Post arbeiten. Im Jahre 1930 arbeiteten 76 °/0 der Arbeiter nicht über 8 Stunden pro Tag, jetzt sind es 82 0/0. Auch der Prozentsatz der Arbeit», die m Eigenheimen wohnen, hat sich vergrößert. Von der Firma ״Assis“. Gegenüber Gerüchten, daß die Fruchtsäfte- und Konservenfabrik ״Assis“ geschlossen worden ist, wird uns von der Firma mitgetciTt, daß trotz der schwierigen Lage, in der sich das Unternehmen befindet, die Arbeit fortgesetzt wird. Die Leitung der Firma hofft, daß die Fabrik auch weiterhin bestehen bleiben wird.