Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-03-11 · Heft 20 (11.3.1938) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 20 (11.3.1938)
Date
1938-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653560--31898-2683586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6 jüdische Rundschau Nr. 20, 11. III. 1938 Die Kultur der Hebräer Erzählendes Katharine Mansfield: Das Gartenfest und andere Erzählungen. — Herbert Reichner Verlag Wien. — Auswahl und Lieber- Setzung aus dem Englischen von Herbert E. Herlitsehka. Die zarten, kleinen Erzählungen Katharine Mansfiekls, der englisch-neuseeländischen Dichterin, die nur 35 Jahre alt wurde und im ganzen zwei Bände veröffentlicht hat, sind von besonderer Feinheit. In kurzer Form, oft auf nur wenigen Seiten zusammengedrängt, zeichnet sie Menschen- Schicksale, greift tief hinein in die zartesten Verästelungen der menschlichen Seele, gibt eine Art Seelenanalyse, so kirnstvoll und meisterhaft, daß man stets gepackt wird. Ihre Menscheu wählt sie aus allen Gesellschaftsschichtcn; ob sie uns mm das trostlose Schicksal einer Putzfrau schildert, die ihr geliebtes Enkelehen verloren hat und nicht weiß, wohin *ie mit ihren. Schmerz fliehen soll, oder eine alt gewordene Schauspielerin auf ihrem Sonntagsspaziergang, der für sie qualvoll und erniedrigend endet, immer füiiit man sich selbst angesprochen um! genießt die Kunst einer großen Erzählerin. Die Uebersetzung ist ausgezeichnet. James Hilton: Wir sind nicht allein. - Herbert Reichner Verlag, Wien. Aus dem Englischen von Herbert E. Herlitsehka. Das starke Erzählertalent Hiltons gibt uns in diesem neuen Roman eine großartige Probe seines Könnens. Im Mittelpunkt steht die rührend gezeichnete Gestalt des ״kleinen Doktors״, der seine Praxis in einer englischen Provinzstadt Kleinste Man li Haituiu -d lein -b. E. 1 Aristok strickt der Epoclu Adel k dir halt( Verfall* di alti Manchmal Schilderung( von ihm g so vielen F׳< höfisch( Epoche ka E, P. O’DoncII: Das große Delta. Roman. — Bermann-Fischer Verlag, Wien 1937. Aus dein Amerikanischen von Hans Reisiger. Dieser großangelegte Roman führt uns in das Europäern meist unbekannte Delta des Mississippi. Man muß die Fremdheit der Atmosphäre überwunden hauen, die am Beginn des Buches dem Leser entgegenströmt; dann aber liest man sich hinein, und die Menschen des Deltas weiden bald zu vertrauten Bekannten. Es ist ein interessant« Gemisch von Völkern, die sich hier an der Mündung des großen Stromes zusammenfinden. Franzosen, Neger, Slawonen, die die Sprache ihrer Heimat beibehalten haben, oft heruntergekommene wilde Gesellen, die das unerbittliche Klima des Deltas aufsaugt und zerbrechen laßt. Und zwischen ihnen kranken Deltahaticrn, die durch viele Bitternis himiurehmuß, bis sie endlich sich seihst findet und ihr Lehen an der Seite des Mannes, den sie selbst sich erobert hat, meistert. Die Franz Körmendi: Begegnung. Roman. — Bermami - Fischer Verlag, Wh 11 1״J7. Ans dem Ungarischen von Mirza von Schücking. rte Ri :h Capr tausch ginn ihr bald das Bi :ht. De! niedergelassen, die so eigenartige Gaste beherbergt, daß man sie sich näher anseinm muß. Da ist der alte Pensionsinhaber, ein Gelehrter, der seine Gäste allabendlich vorsammelt, um mit ihnen gemeinsam hinter ״die Wissenschaft der menschlichen Geheimnisse" zu kommen. ״Denn Geheimnis ist alles, was im Menschen ist und was mit ihm und um ihn geschieht.“ Dieses Geheimnis wollen sie erforschen. Leider mißglücken die Versuche. Dann ist die junge Frau dieses Gelehrten da und die Tochter aus erster Ehe, welche dem Alter nach ihre Mutter sein könnte. Und hier ergibt sich die Mystik einer ״Begegnung“. Der junge Schriftsteller liebt die junge Frau des Gelehrten, sie kann sich aber nicht von ihrem alternden Mann trennen, da ihretwegen der Mann einen Mord an seinem eigenen Sohn auf dem Gewissen hat. Der Held der Erzählung resigniert und verläßt die Insel. — Das ist etwas viel auf einmal, und man ist am Ende froh, daß das ״Idyll‘•' auf der Insel ein Ende hat. Trotzdem ist die Er- Zahlung in manchen Partien besonders vom psychologischen Standpunkt aus reizvoll. Ch. F. Franz Molnar: Der grüne Husar. Aus dem Ungarischen von Käthe Caspar. - Herbert Reichner Verlag, Wien 1937. Die Erzählung Molnars behandelt die merkwürdige Liebe zwischen einem jungen Journalisten und dem ״grünen Husar“, einer Theaterstatistin, deren Leben hart jenseits der Grenze der Bürgerlichkeit verläuft — eine Liebe, deren Einseitigkeit das Mädchen in den Tod treibt und ihr den jungen Mann durch eine seelische Verkettung beinahe nachzieht. Die Stärke des Erzählers Molnar in der Verknüpfung und Entwirrung psychologischer Feinheiten zeigt sich auch hier. Karl Escher: Der Sohn des großen Königs. — Erwin Loewe Verlag, Berlin 1937. Karl Escher hat in seiner Erzählung die Geschichte von Absalom, dem Sohn Davids, in Anlehnung an den Text der Bibel dichterisch behandelt. Die Novelle, die er aus diesem Stoff gestaltet hat, ist von eindrucksvoller Kraft, besonders auch durch die Zeichnung des Kolorits der Landschaft. —n. Progress and Catastrophe: An Anatomy of Human Adventure. By Stanley C a s s 0 n. Hamish Hamilton, London 1937, Der englische Archäologe Stanley Casson gibt in diesem Buche eine Darstellung des Aufblühens und Zusammenbrticlies menschlicher Kulturen. Die einzelnen Kapitel sind den alten Völkern gewidmet, so z. B. den Sumerern, Aegypfern, Kretern und Hetitern usw. In einem besonderen Kapitel wird die Kultur der alten Hebräer behandelt. Als ihre Eigentümlichkeit sieht der Gelehrte eine überaus entwickelte moralische und religiöse Kultur, eine große Energie und Unabhängigkeit auf dem Gebiete des Denkens und der f’hantasie, ein tiefes religiöses Bewußtsein, aber all dies eiligebettet in eine höchst rückständige materielle Zivilisation. Die soziale Organisation und das politische Denken der Hebräer stehen, wie er sagt, in starkem Kontrast zu ihrer allgemeinen geistigen Vorgesehrittenheit. Jede Zivilisation aber stellt immer vor zwei Gefahren: die erste ist, wenn die materielle Entwicklung der geistigen und moralischen weit vorauseilt (wie es heute der Fall sein mag), die zweite, wenn die moralische und geistige Entwicklung viel weiter vorgeschritten ist als ihre materielle Unterlage (dies der־ Fah des antiken Judentums). 111 beiden Fällen, so sagt er, ist die betreffende Kultur auflöseuden Kräften preisgegeben. Die Juden wurden in den Zustand von Nomaden zurückvcrsetzt, aus dem sie hergekommen sind, weil ihre staatlichen Institutionen nicht genug innere Stärke hatten, um sie gegen ihre Leinde zu schützen. Der Autor, dem es mehr auf prin- /ipicüe Feststellungen als auf Wiedergabe von (ohnedies bckannten) Details ankommt, beschränkt sich im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen auf die Feststellung, daß der Zur religiösen Problematik Hans Joachim Schoeps, ״Zur religiösen Gcgcnwartslage“. — Schriftenreihe ״Jüdische Wirklichkeit heute“ Nr. 1 im Vortrupp-Verlag Berlin. Die Schriftenreihe, die der Vortrupp-Verlag mit diesem Heft beginnt, soll nach dem Vorwort von Schoeps den ..Brägen heutiger Existenz, ihrer Bestandaufnahme und ihrer Konfrontation mit der biblischen Wirklichkeit‘‘dienen. Schoeps selbst beginnt mit einer Analyse unserer religiösen Gegenwartssituation, in der sehr nüchtern und offen gezeigt wird, daß wir ״in einer postjüdischen Situation leben, das soll lieißm, die Wirklichkeit unserer Tage ist so gebaut, daß in ihr jüdische Erfahrungen gar nicht mehr unmittelbar gemacht werden können". Einmal, im Jahre 70, gelang es, das Judentum in eine fiktive Welt hinüberzuretten, in der cs tatsächlich bis zur Emanzipation gelebt hat. Dann aber tritt nach Schoeps Meinung das große Verhängnis der jüdischen Geschichte ein: daß sich nicht wieder die ״Notbrücke fand, die über den Abgrund führte“. Was bleibt für uns vom Judentum übrig? das ist die entscheidende Frage unserer Zeit. ״Her Jude mit modernem Bewußtsein steht nicht mehr zur Bestimmung seines ursprünglichen Seins, verläßt das ihn von der Welt sondernde Gesetz seines Ursprungs, um sich in dieser Welt als Mensch wie andere Menschen auch wohn- Haft einzurichten.,..“ E)ie Folgerung, die Schoeps zieht, ist: Rückkehr zum Gesetz und zum Glauben an die ewige Offenbarung. Dabei kann er nicht umhin, den Standpunkt des 19. Jahrhunderts wieder aufzunehmen, daß die ethische Forderung über den Zeremonialgesetzen steht und daß es Geschichte der talmudisdien Zeit Nahum Norbert Glatzer, ״Geschichte der talmudisdien Zeit“. — Nr. 81'82 der Schocken-Bücherei, Berlin 1937. Die Periode zwischen dem Jahre 70 und dem Jahre 500, deren Darstellung dieses Buch gewidmet ist, gehört mit zu den am wenigsten erforschten Zeiträumen der jüdischen Geschichte. Mit gutem Reciit betont Glatzer in seiner Einleitung, daß in dieser Periode mehr der Talmud, das Werk dieser Zeit, im Vordergrund stehe. Es ist darum ein besonderes Verdienst Glatzcrs, wenn er in diesem Buch aus dem Talmud und aus den übrigen zugänglichen Quellen ein Bild vom Leben und der E n t w i c k 1 u 11 g d e r Juden in der I Diaspora entwirft, das nicht nur meisterhaft klar gezeichnet ist, sondern vor allem auch in seiner fast unheimlich wirkender! Aktualität auf das Gemüt jedes Juden wirken muß, der etwas vom Zusammenhang der Generationen ahnt. Wir durchleben in den ersten vier Kapiteln noch einmal die letzten verzweifelten Versuche der Juden, in Aufständen gegen Rom ihre Freiheit wiederzugewinnen; immer wieder vergießen sie um dieser Freiheit willen ihr Blut, obgleich sie wissen, daß zuletzt doch das mächtigere Rom Sieger bleiben muß. Und aus diesem Gefühl heraus entwickeln sie dann jene andere Komponente des jüdischen Wesens, die dann immer mehr zur lebenscrhaltenden geworden ist: die Vertiefung in die Lehre, durch die sie sich zugleich mit den Gedanken der Zeit auseinandersetzen und ihren eigenen jüdischen Standort gewinnen. Und dann konsolidiert sich nach und nach das jüdische Leben in Babylonien und der übrigen Diaspora; aber die Verbindung mit dem Mutterlande Palästina reißt nie ah. Die Gallith leistete regelmäßige Abgaben an die vom Patriarchen geleitete zentrale Behörde in Palästina und setzte so die Tradition des Schekels fort, bis diese freiwillige Steuer Ende des 4. Jahrhunderts aus der Furcht vor Separatismus verboten wurde. Aber die Liebe zum Heiligen Lande blieb so stark, daß selbst in einer Zeit, in der die babylonischen Lchrhäuser geistig sehr viel bedeutender waren als die palästinensischen, Rabbi Abaje den Ausspruch tun konnte, ein Palästinenser sei so bedeutend wie zwei Babylonier. Gerade von diesem Gesichtspunkt des Zusammenhanges zwischen Diaspora und Heimatland ist Glatzers Darstellung besonders aufschlußreich, weil sie zeigt, daß die Entfremdung zwischen beiden erst ein spätes und künstliches Produkt ist. Nicht minder wertvoll sind die Kapitel über das wirtschaftliehe und gesellschaftliche Leben der Juden in den verschiedenen Ländern der Diaspora; zuweilen meint der heutige Leser sein eigenes Schicksal darin wiederzuerkennen — so ewig gleich bleiben sich die Bedingungen, unter denen Juden innerhalb fremder Völker leben müssen. Nicht neu im Material, aber sicher wichtig für jeden Juden, der bisher noch nicht allzu gründlich mit der jüdischen Geistesgeschichte vertraut war, ist das Kapitel über das jüdische Lehr- II a 11 s, das einen vorzüglichen Einblick in das Werden des Talmuds und die Denkweise der Rabbinen gibt. Ein Stück jüdischer Geschichte wird in diesem Werk lebendig — und nicht ihre schlechteste Zeit. N. Professor Meir ßalaban hat nach 25jähriger Arbeit seine ״Geschichte der Juden in Krakau und Kuzmir 1304 bis 1868“ vollendet. Es ist ein zweibändiges Werk in polnischer Sprache mit zahlreichen Illustrationen und Karten. Der erste Band, von dem jetzt die zweite, erweiterte Aufläge erfolgt, erschien 1913 polnisch und später auch in deutscher Uebersetzung. Beitrag der alten Hebräer zur Menschheitskultur sehr bedeutend ist und ihre Anschauungen über göttliches und menschliches Wesen die dunklen Zeiten, die den Rest der Levante befielen, überlebten. Freilich dürfe man nicht verf' sprechung des Zusammenbruches der römischen Kultur erwähnt der Verfasser u. a., daß im späten römischen Kaiserreich Sidonius Juden Empfehlungsbriefe an Freunde gegeben hat mit der einleitenden Bemerkung: ״Auch wenn der Mann, den ich Ihnen schicke, ein Jude ist, ist er doch ein anständiger Mensch.“ Daraus kann man, wie Prof. Casson hinzufügt, schließen, daß das Los der Juden nicht rosig war. Beim Vergleich des heutigen Zeitalters mit dem alten Rom meint der Verfasser, daß die heutige Zivilisation nicht in Gefahr des Zusammenbruches ist, sondern bereits vor einigen Jahren tatsächlich zusammengebrochen ist, so wie die römische Welt schon um das Jahr 400 zusammengebrochen war, auch wenn sie noch ein Jahrhundert weiter bestand. Interessant bei einem Engländer ist die Feststellung, daß der chauvinistische Nationalismus unseres Zeitalters zuerst in England, und zwar während des Burenkrieges ausgebrochen sei, als unter der Führung von Rudyard Kipling eine lächerliche Form von Selbstbeweihräucherung um sich gegriffen habe, was, wie er sagt, in Europa mit Recht Widerwillen hervorrief. Der Ausblick dieses etwas pessimistisch ausklingenden Ganges durch die Jahrtausende ist insofern tröstlich, als der Leser erkennt, wie aut Zusammenbruch einer Kultur immer wieder ein neuer Aufschwung folgt und die wahrhaft echten geistigen Elemente der Menschheit in neuer Form wiederkehren. R. dem modernen Menschen nicht mehr möglich ist, das biblische und talmudische Gesetz in seiner Ganzheit zu erfüllen. Er erkennt selbst, daß wir damit früheren Epochen gegenüber wenig groß gegenüberstellen; aber er glaubt, daß wir zu unserer Glaubensschwäche ״als der Wirklichkeit unseres Lebens stehen müssen und vorn Gesetz der Thora das zu verwirklichen suchen, was je nach der Wahrhaftigkeit des einzelnen getragen und soviel immer mit lebendigem Glauben getan werden kann.“ Aus der Verwirklichung dieses Willens zum Alöglichen glaubt Schoeps, daß der jüdische Glaube ״bei allem Mangel an Gesetzesverwirklichung aus der Tradition noch nicht herausgefallen ist“. Zum religiösen Problem, das unsere Zeit viel mehr bewegt, als sie es selbst zu sagen wagt, ist diese Schrift ein interessanter Beitrag. Lösungen gibt es hier nicht — nur das Leben selbst kann sie schaffen. Aber genügt die Grundpösition von Schoeps, die Abschiebung der Entscheidung auf den Einzelnen? Kann man die religiöse Problematik ohne Zusammenhang mit der nationalen Wiedergeburt unseres Volkes sehen? Diese Einwände drängen sich bei der Lektüre auf. Schoeps argumentiert von der Aussichtslosigkeit der religiösen Position des Individuums aus. Geht man aber von der religiösen Lage der Gesamtheit aus, so bleibt wenigstens die Hoffnung auf eine volksmäßige Erneuerung des religiösen Lebens, das heranwächst aus natürlicher Volksexistenz, vielleicht auch aus tragischen Volkserlebnissen und losgelöst ist von den Beengungen der Galuth. Schoeps lehnt solche Anschauung ab: Israel kann nicht sein wie andere Völker. Aber erlebtes ״Volkstum“ muß Israel nicht notwendig ״wie andere Völker“ machen. N. Frankfurter Chanukkahleuditer Die beiden Kunsthistoriker des Frankfurter Rothschild- Museums, Dr. Hermann Gundcrshcimer und Dr. Ouido Schönberger, veröffentlichen eine kleine, sehr (*ute und wichtige Schrift, die als ״Notizblatt“ der dortigen Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler erschienen ist. Gerade durch die Enge des abgesteckten Gebi et es war die Möglichkeit gegeben, mit philologischer Exaktheit vorzugeiien, d. h. die Leuchter genau zu beschreiben, zu gruppieren und vor allem nach ihren Verfertigern zu fragen. Dabei ergab sich unter Zuhilfenahme archivaüscher Forschungen eine ganze Anzahl von Namen Frankfurter Zinngießer und Silberschmiede; unter den letzteren manche, die Mark Rosenbergs Goldschmiedewerk noch nicht verzeichnet hat. Unter den Gefundenen ist kein Jude. Die Qualität der behandelten Leuchter steht durchweg auf hoher Stufe, sowohl jene, die sich bankartig ausbreiten und eine mit jüdischen Emblemen geschmückte Rückwand zeigen, als auch jene vom zweiten Typus, der in Anlehnung an den siebenarmigen Leuchter geschaffen wurde. Unter diesen hat ein Prachtwerk, die silberne Mcnora des Rothschild-Museums mit der krönenden Judith, endlich ihren Meister — Valentin Schüler — und damit ihre Datierung — um 1680 — gefunden. An dieses Stück schließt sich der schöne Leuchter im Musee Cluny an, den noch Cohn-Wiener für ein italienisches Renaissancevverk hielt, während er in Wahrheit die Arbeit eines Frankfurter Silberschmieds namens Sandrart ist und um 1700 geschaffen wurde. Es wäre wünschenswert, wenn aut eine gleich gründliehe Weise auch die Silberschmiede anderer Städte nach ihrem Anteil an der Herstellung jüdischen Kultgeräts befragt würden. Nur durch solche mühevolle Kleinarbeit kann der Grund gelegt werden, um dereinst zu einer jüdischen Kunstgcschichte zu kommen. Franz Landsberger Saul Lilienthal: ״Jüdische Wanderungen in Frankfurt a. M., Hessen, Hessen-Nassau“. — J. Kaufftnann Verlag, Jüdischer Buchverlag, Frankfurt a. M. 1938. Dieses hübsch illustrierte Büchlein füllt eine wirkliche Lücke aus. Es ist das erste jüdische Wanderbuch, das über einen bestimmten Bezirk erschienen ist, noch dazu über einen solchen wie Frankfurt a. M. und seine Umgebung, der so reich an jüdischen Stätten und Erinnerungen ist. Der Verfasser hat die hier beschriebenen Wege zum großen Teil selbst erwandert und führt uns an jedem Platz an die jüdisehen Sehenswürdigkeiten bzw. schildert, soweit es sich um allgemeine Sehenswürdigkeiten handelt, ihre Bedeutung unter jüdischen Gesichtspunkten. Es wäre wünschenswert, daß ähnliche Wamlerbiicher auch über andere Bezirke von sachkundiger Seite geschrieben würden, nicht nur um für den jüdischen Wanderer eine Anleitung zu geben, sondern auch um manches festzuhalten, was in einer Zeit der Auflösung zahlreicher Kleingemeinden sonst sehr bald der Vergessenheit anheim fallen würde. Nicht zuletzt bleiben für die jurigo Generation, die ausgewandert ist oder den Weg in die Welt hinaus sucht, diese jüdischen Wanderungen eine wertvolle Erinnerung an die alte Heimat. Im Verlag Rubin Maß, Jerusalem, erscheint eine Sammlung von Erzählungen aus Erez Israel unter dem Titel ״Miwchar Hasipnr Haerez-Israeli“, herausgegeben von Dr. Raphael Patai und Zw! Wohlmut.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.