Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20, 11. MARZ 1938 Die Grenzen der Physiognomik ״Die Tage des Messias“ Nach seinem humorvoll-realistischen Werk ״Menachem- Mendel in Erez Israel“, das einen blcjbenden Wert als literarisches Denkmal der Prosperity-Periode in Palästina bchalten wird, läßt J. D. Berkowitz einen neuen hebräischcn Roman ״Die Tage des Messias“ (״ימות המשיח״ \ erlag ,,D\vir“, Tel Aviv, 1937) erscheinen, dessen Handlung in die Epoche des arabischen Terrors fällt. Dieser Terror weckt in der amerikanischen Judcnhcit — diese Judenheit, in deren Mitte der Verfasser einige Jahre nach dem Weltkriege lebte, liefert ihm immer wieder Stoff und Menschentypen — zunächst Verzweiflung und Gefühle des Zornes und des Profestes gegen die englische Mandatsmacht. Die britischen Schiffsgesellscliaften, deren Dienst gleichsam ein getreuer Seismograph Palästinas ist, stellen die Vergnügungsreisen von den Staaten nach dem Heiligen Lande ein. Dann aber ändert sich die Stimmung. Der Mut und die Standhaftigkeit des Jischuw beeinflussen das amerikanische Judentum aufs stärkste. Und inzwischen kommt ja in den Staaten selbst die große Wirtschaftskrisis. So erwacht hier in der Judenheit wieder die Sehnsucht nach Palästina — und die Schiffahrtsgesellsehaften, informiert durch ihre jüdischen Agenten — nehmen ihren Reisedienst aufs neue auf. Eine recht bunte Gesellschaft kommt nun auf dem ersten nach Palästina abgelienden Schiffe zusammen. Da sind ״Reverends“, langbärtig und schwarz gekleidet, mit Käppchen auf dem Haupt; daneben glattrasierte Juden mit Reisemütze und Touristennosen; poschefe Juden, ehemalige Zionisten, aber jahrelang in busmess versunken und jetzt, nach der Krise, den letzten Rest ihres Vermögens nach dem ״Nationallleim“ als letzter Zuflucht rettend; eine Gruppe junger, lebenslustiger amerikanischer Chaluzim beiderlei Geschlechts usw. Je weiter das Schiff fährt, desto mehr beginnen sich die jüdischeu Passagiere als miteinander verbunden zu Sühlen durch ״ein neues, aufregendes, noch unklares und nur wie ein Licht aus der Ferne blinkendes Schicksal“. Aus dieser Stimmung heraus bildet sich in dem Hauptredner des Decks, dem hebräischcn Lehrer Zederbau m, der sich mit den vom Essen abgesparten Groschen einen Pardess gekauft hatte, den in Arbeit zu nehmen er jetzt unterwegs ist, die Vor- Stellung, die dem ganzen Roman seinen Titel und sein Kolorit gibt; ״Kinder, wir sehen ja mit eigenen Augen, daß die Tage des!Messias angebrochen sind!“ Neben den Gesprächen über das Land ihres Zieles knüpfen sieh aber unter einem Teil der Passagiere auch zarte, menschliche Beziehungen an. Daß es so kommen wird, ahnt man beinahe, wenn man die Schilderung der beiden jugendlichen Helden liest, die sich auf dem Schiffe kcnnenlcrnen: einerseits der ebenso gelehrten wie schönen Sulamith, der einzigen Tochter des vorhin erwähnten Zederbaum, der sie in alle geistigen Schätze des Judentums, einschließlich Maimonidcs’ einführt; andererseits des.feurigen Enthusiasten Amos, der, durch die tragischen Ereignisse in Palästina nufgerüttelt, von einem exaltiert-triiumerischen Innenleben erfüllt ist. — Allein im Vordergründe der ganzen Handlung des Romans steht ein anderes, weit reiferes Menschenpaar: Dr. metl. Menuchin, aus einer vornehmen russisch-jüdischen Gelehrten-Familic stammend, wo ihm in der Jugend eine gediegene hebräische Bildung zuteil geworden ist; nach einem Studium in Berlin durch den Weltkrieg aus der Bahn geworfen, läßt er sich schließlich nach mancherlei Fährnissen in New York als Frauenarzt nieder und kommt im Laufe der Jahre zu Ruhm und Reichtum. Jetzt, ein alternder Junggeselle, reist er nach Palästina zu seiner Schwester, herbeigerufen durch das tragische Schicksal, das sie getroffen: ihr einziger Sohn ist in einem Kibbuz von Araberu ermordet worden. Auf dem Schiff führt ihn das Schicksal — oder der Steward — mit zwei Menschen zusammen: dem alten Gordon, der nach dem Tocle seiner Frau den Rest seiner Tage in Palästina zubringen will, und seiner Tochter Judith. Das Aeufkre Judiths und ihr ruhiges, konzentriertes Wesen verfehlen ihren Eindruck nicht aut Menuchin. Doch er kommt sich bereits zu alt vor. Und eine Eifersuchsszene •- er überrascht Judith in einem koketten Gespräch mit einem mexikanischen Offizier — droht vollends, die beginnende Freundschaft zu zerstören. Dazu kommt noch das Auftreten einer Rivalin auf dem gleicheil Schiff: es ist Miß Sack he im, die einzige Tochter eines ״Jahudi“ (d. 11. alteingesessenen amerikanischen Juden aus Deutschland), der in USA. Millionär geworden ist. Diese Millionärstochtcr, ewig mit einer roten Wildlederjacke bekleidet und init einem hebräischen Lehrbuch in der Hand, will zu den Chaluzim in Palästina. Einstweilen jedoch zeigt auch sie reges Interesse für Menuchin und erweckt dadurch die Eifersucht Judith־•. So überzeugt sich Menuchin immer stärker von der Anhänglichkeit Judiths für ihn. Ein gemeinsamer Ausfing nach Monte Carlo unterwegs führt die beiden noch enger zusammen, und als das Schiff sich dem Heiligen Lande nähert, haben sie so gut wie einen Bund fürs Leben geschlossen. Die Schilderung der landschaftlichen Nähe Palästinas, die sich den Augen der Passagiere in der Morgendämmerung enthüllt, gehört zu den besten und einprägsamsten Stellen des Buches. Das Lehen Tel Avivs erwiekt in Menuchin mannigfache Gefühle: Die Lebenslust dieser Stadt bezwingt ihn und erzeugt in ihm zugleich eine tief romantische Stimmung — der Wiedergeburt, des Bandes dieser Gegenwart mit einer Jahrtausende zurückliegenden Vergangenheit. Dieser freudige Zustand wird aber zerstört durch ein Geständnis, das weder Judith noch ihr Vater unterdrücken können und wollen, und das Menuchin aus dem Munde des alten Gordon hört: Judith hatte bereits einem Mann gehört! Es war das ein russischer Student, dein sie in Liebe folgte, und der während der Oktoberrevolution im Kampfe gegen die Bolschewik! in den Straßen Petersburgs fiel. Mejuiehiii ist wie aus allen Himmeln gestürzt. Er flieht aus dem Hause Gordons. Es kommt zu einer Aussprache zwischen ihm und Judith, einer realistischen Auseinandersetzung über die Beziehungen zwischen den beiden Geschlechtern, in deren Verlauf er zugeben muß, daß auch er nicht fleckenlos ist. Aber noch muß er sich sammeln, neue Eindrücke gewinnen. Fr unternimmt eine Reise durchs Land, aut der alle unsere Schiffsbckanutcn wieder auftauchen: Miß Sackheim, bereits tätig in einer Kwuzah, Sulamith und Amos, Zederbaum, seine erste Pflückarbeit eigenhändig im eigenen Pardess verrichtend, u. a. Gebannt von dem neuen Aufblühen des alten Landes beschließt auch Menuchin, sich endgültig in Palästina niederzulassen. Bei dem Besuch in einer Kolonie erlebt er eine Ueberraschung: er sieht sich plötzlich Judith gegenüber, die ihm nacligereist kam. Und nun kommt es vollends zur Versöhnung, und alles löst sich schließlich in reinstem happy end auf: Menuchin stellt mit Judith unter dein Brautbaldachin, und die der Bibel entlehnten traditionellen Worte des Trauungsrituals, in denen der Segen des Brautstands mit dem der Wjedererneuerung des Landes ver- Seit dem achtzehnten Jahrhundert ist von Berufenen und Unberufenen viel über Physiognomik geschrieben worden. Max Picard muß in seinem neuesten Werke, ״Die Grenzen der Physiognomik“ (Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Ziirich), geradezu davor warnen, daß .,alle Physiognomik, die auf eine abgekürzte Weise, Bädeker-artig, eine Erkenntnis des Menschengesichts vermitteln will, nicht mir falsch, (sondern) auch ohne Würde und ohne Ehre“ sei. Darum geht er von einer Stelle aus Ciceros Ttiseulum-Gespräclien aus: ״Als Zopyrus, der sich damit brüstete, den Charakter eines jeden Menschen aus dessen Acußerem erkennen zu können, dem Sokrates begegnete und viele Laster aus ihm herauslas, wurde er von allen ausgelacht — denn keiner hatte noch eines jener Laster bei Sokrates bemerken können —, nur nicht von Sokrates selbst. Sokrates gab dem Zopyrus recht: er, Sokrates, sei allerdings mit jenen Lastern auf die Welt gekommen, aber mit Hilfe der Vernunft habe er sich ihrer entledigt.“ In Picards erstem physiognomischen Werk ״Das Menschengesicht“ (1929), in dem er die Klage ausstößt, daß das Dutzendgesicht heute vorherrsche, daß es nicht mehr Träger einer göttlichen Idee sei, ward die Physiognomik zur Zeitkritik, ins Positive gewendet durch die religiöse Inbrunst, mit der er an letzte Dinge rührt und im Fragen Bescheid gibt. Wenn er in seine neue Schrift Graphologie und Psychoanalyse einbczicht und als Rand-Erkenntnisse des menschlichen Seins bewertet, ordnet er sie, in die Zusammenhänge seiner letzten Veröffentlichung ein, in der er das Bild unserer Zeit unter dem Zeichen einer einzigen ״Flucht vor Gott“ entwirft. Man höre, was er über die Astrologie sagt: ״Erst wenn der Mensch abfällt von Gott und das Ebenbild durchlöchert wird, erst dann vermögen die dämonischen Kräfte der Sterne einzudringen durch die Löcher des Ebenbildes in den Menschen und Besitz zu ergreifen von ihm. Dann stimmt ein Horoskop. Die Propheten Prof. Dr. Ignaz Ziegler: Ein Volksbuch über die Propheten Israels. — Verlag Julius Kittls Naclif., Mährisch-Ostrau 1938. Prof. Ignaz Ziegler, seit 50 Jahren Rabbiner in Karlsbad, bekannt nicht nur als Rabbiner eines Ortes, der durch seine Stellung als Weltbad Juden aus allen Teilen der bewohnter! Erde sieht, sondern auch als Wissenschaftler und als aktiver Arbeiter auf dem Gebiete jüdischer Sozialfürsorge, veröffentlicht ein Buch, das schon durch seinen Titel als ״Volksbuch über die Propheten Israels“ außerordentliche Ansprüche erhebt. Der Autor schildert in einem dem Buch vorangestellten Lebenslauf seine menschliche, jüdische und wissenschaftliche Entwicklung und benutzt diesen Anlaß, um aut seine bisherige Lebensbahn zurückzublicken. (Das Buch selbst ist von der Karlsbader Jüdischen Gemeinde anläßlich Prof. Zieglers 50jährigem Amtsjubiläum als dortiger Rabbiner lierausgegeben.) Ziegler hat bereits früher zwei Bünde seines Werkes ״Die sittliche Welt des Judentums“ veröffentlicht und sieht das neue Buch als eine Ergänzung dieses Werkes an. Es soll kein wissenschaftliches Buch sein und enthält sich daher des wissenschaftlichen Apparates, sondern ein Buch für das Volk, das den Juden unserer Tage die Gestalten, die Zeit und die sittliche Welt der jüdischen Prophetie, soweii sie Schriftliehe Zeugnisse hinterlassen hat, von Mosche bis Jona nahebringen soll. Denn Ziegler, der aus der Welt eines radikalen jüdischen Liberalismus, dem er in der Anfangszeit seines Wirkens angehörte, herkommt, ist ein glühender Bekenner jüdischen Volkstums. Darum glaubt er, \vie er in den abschließenden Ausführungen des Ruches sagt, daß Israel ohne die alte Heimat seinen Weg im Dienste der sittlichen Welt Gottes nicht gehen kann. Nur im eigenen Land mit eigener Kultur könne ein Volk mit seiner Religion der ganzen Menschheit dienen. Darum, so sagt er, sind sämtliche Propheten unbeschadet ihrer universalistischen (jottesidee national, und das jüdische Volk dankt seine Erhaltung ausschließlich seinen Propheten. Aus -dieser Grundhaltung heraus sind die einzelnen Kapitel über die Propheten geschrieben. Ziegler folgt dabei den Erkenntnissen der modernen Bi bei kritik, ohne sich im einzelnen an alle ihre Ergebnisse zu binden, und sagt selbst, daß er zu jenen sprechen wolle, die glauben, daß ״auch unsere Religion Menschcnschöpfting ist, Schöpfung von Mensehen, deren Seelen visionär die höchste Gotteserkenntnis erreicht oder sich ihr genähert haben“. Er wendet sich gegen eine übertriebene Bibelkritik, steht jedoch aut dem Boden einer pietätvollen Bibelforschung. Die einzelnen Propheten, die er in ihrer wahrscheinlichen schmilzt, werden von ihm als Wirklichkeit des eigenen Schicksals empfunden. In dem weitgespannten Rahmen seines Romans gelingt cs Berkowitz, manche Einzelheit!ebenstreu festzuhalten: den Lebenspuls Tel Avivs, die Sommernächte in dieser Stadt, den Kotei Hamaarawi, die Szenen des Pfliickens im Pardess. Eine tiefe Liebe ist bei ihm spürbar zu dem kleinen Lande, ״über dem irgendein verborgener Zauber schwebt, unfaßlich, breit lind tief wie der Himmel, unaussprechlich, es sei denn in alten Gebeten“. Allein der allzuweit gespannte Bogen der Handlung beweist es, daß man oft eine Konstruktion und eine Stilisierung fühlt an Stelle einer organischen, zwingenden Entwicklung, ln dieser Hinsicht stellt der neue Roman dem überaus realistischen, lebenssprühenden ״Menachem- Mendel in Erez Israel“ nach. Elias Hurwicz Die Emamipationszeit in Briefen Franz Kobler: ״Jüdische Geschichte in Briefen aus Ost und West. Das Zeitalter der Emanzipation.“ — Saturn-Verlag, Wien 1938. Vielen wird noch der Vorläufer dieses Buches in Erinnerung sein: jene vor wenigen Jahren erschienene Zusammen- Stellung von Briefen, die ein Bild des Judentums innerhalb des deutschen Kulturkreises in der Frülizeit der Emanzipation vermittelten. Das neue Buch steht dem ersten an bildhafter Klarheit nicht nach. Das Zeitalter, in dem das Judentum aus dem Ghetto heraus drängt, wird in dieser Sammlung von Briefen klar. Das persönliche Erlebnis wird zum beherrschenden Eiement dieser Darstellung (wobei die großen Entwicklungslinien von Kobler sorgfältig nachgezogen werden): wir sehen den einzelnen Menschen mit seinen Nöten und Hoffnungen ganz Das aber ist kein Beweis dafür, daß die Sterne über den Menschen herrschen, das ist ein Beweis dafür, daß bei einem solchen Menschen das Ebenbild schadhaft, durchlöchert war. Auf dämonische, die Materie der Erde aufwühlende Menschen hat die dämonische Materie der Sterne am meisten Einfluß, und bei diesen stimmen auch die Horoskope am meisten.“ Uralte jüdische Forderungen bestimmen ans ihm vielleicht unbewußten Erbe da des Verfassers Standpunkt. Metaphysisch, nicht rationalistisch betreibt Max Picard seine Physiognomik: seiner intuitiven Schau entspricht eine biblische Klarheit des Ausdrucks. Jüdisch ganz gewiß ist seine theologische Problemstellung: ״Das Menscheugesicht ist viel mehr Gott!ungehalten als den Menschen, es ist zu allererst Antwort an Gott, es antwortet dem Schöpfer... Der!Mensch hat nicht das Recht, Gott in Frage zu stellen, denn er ist ein von Gott in Frage gestellter. Er ist auf der Ebene der Erde senkrecht als ein Fragezeichen aiifgerichtet, als das Frage• Zeichen Gottes, der den Menschen fragt: Adam, wo bist du?“ Von so hoher Warte geht Picard an die Lösung des Problems heran, mit der er seine frühere Schritt ergänzt und vertieft: warum das Innere eines!Menschen so sein kann, wie das Gesicht aussieht, daß es aber nicht so sein muß. Und es war für diese kurze Anzeige wohl wichtiger, den Rahmen seiner Ausführungen anzudeiiten, als durch Beispiele zu belegen, wie er über'das schlechthin böse (icsiciit und jenes, hinter dem noch Gutes zu entdecken ist, über das Maskengesiclit des Filmstars und das perverse des ..Ae-theicn“, starrte des ״Sexuellen“, über das gefährliche Anlagen in sich überwindende und über das noch nicht in allem seinen Teilen vom Laster ergriffene Gesicht zu dem Schluß kommt, daß der Mensch die Freiheit habe, anders zu sein als sein Gesicht. Dr. Lutz Weltmann historischen Reihenfolge behandelt, stellt Zieglern nun in der Regel so dar, daß er zunächst eine Skizze des äußeren Ablaufs ihrer Zeit gibt, woran sieh ein Bild der religiösen Lage anschiießt. Es folgt eine Darstellung des Lehens des Propheten, soweit wir darüber im Einzelfalle orientiert sind, und schließlich die Darstellung der von ihn: vertretenen .religiösen unil insder prophetischen Ideen hervorgehoben wird. Dabei belegt Ziegler die Darstellung mit sehr ausführlichen Zitaten ans den verschiedenen Propheten, für die er in der Hauptsache diQ Bubcrsche Uebersetzmig benutzt. Es ist hier glicht der Ort, den Versuch Zieglers wissen.• schaftlich zu kritisieren. Unsere Frage ist vielmehr, ob ei« solches Buch geeignet ist, als Ganzes seinen Zweck zu erfüllen, d. 11. einem jüdisch wenig vorgcbildeten Leser die jü« disclie Prophetie naliezubririgen. Und dies scheint uns, wenijrstens für weite Partien des Buches, gelungen zu sein, ho nennen wir besonders die Darstellungen des Propheten Ezechiel und des 2. Jeschajahti als Beispiele für sehr klare und eindrucksvolle Bilder. Es gibt gewiß manches, was man in diesem Zusammenhänge bemängeln könnte, und was nun Teil mehr an der Art des Stiles als in der Sache selbst liegt. So scheint uns die allzu häufige Heranziehung von Parallelen mit der Gegenwart für eine so ferne und in ihrem Wesen anders geartete Zeit, wie es die Periode der Propheten war, unzulässig und beschwört die Gefahr herauf, daß hei einem unvorbereiteten Leser schiefe Vor- Stellungen entstehen. Das gilt besonders für Ausdrücke wie diese, daß etwa der 2. jesehajalm ein ״Her/.l des (>. vorchristliehen lahrhunderts“ gewesen sei, oder wenn Ziet.der von de« .,Großstädtern“, den ״Demokraten■• imw. einer ’ fernen Vergangenheit spricht. So notwendig es gewiß ist. in einer auf einf!וclien und'1;!'״’ Vorstellungen annlkmipD!”‘dm' dem״l '8er geläufig sind, so wenig empfelileiwwert i-t es, dies allzu weit zu treiben und Begriffe einzufnlireri, die für eine ferne Vergangenheit keinesfalls Geltung haben können. Tage dazu an regt,'den Weg zu den Uuellmi seihst zu beim Original die' voriu-h niste''Aufgäbe. all der Hilfsmittel, die wir Heutigen brauch!■n, uns in 'tieferen seelischen Srhicluen zu verankern. ' oe. unmittelbar; wir spüren den Herzschlag der Generation, die um eine Neugestaltung des Judentums ringt und dabei oft bewußt oder unbewußt aus der Kontinuität der Geschichte heraustritt und als Bekenner des LorUchiittglaubens darin keine Schwierigkeit sah. Die Teinpenimentsuinerschiedö zwischen Ost und West werden besonders deutlich: das westliehe Judentum scheint mit größerem philosophischen Gleichmtit dem Leben gegenüberzustehen: im östlichen Judentum explodieren die Temperamente ständig. Die eine Welt sucht, bereits nach ihrem Ruhepunkt, die andere sucht erst ihren Ausgangspunkt. Diese Geschichtsschreibung vom Persönlichen her ist besonders reizvoll. Selbsterkenntnisse brechen durch. Die großen Juden des 19. Jahrhunderts sprechen zu uns: Montefiore, Zunz, Cremicux, Disraeli — und man weiß: solange das Judentum solche Männer hervorzubringen ve1־ma|T ist es nicht verloren. Die Anfänge der Zionsbegeisterung' c . wachen hier nochmals: von Luzatto über M. M. Noah bis zu Smo• lenskin und Elieser ben Jehuda. Jede Seite dieses Buches ist voll von Sorgen und Nöten — aber jede Seite gibt auch Mut und Glauben an die Zukunft des jüdischen Volkes. Ger 11 a r d t N e 11111 a n n Ein neues hebräisches Lesebuch fiir die ganz Kleinen unter dem Titel ״S i f r i II arisch 0nספרי הראשון ״ ״)Mein erstes Buch“) ist in dem Verlag Dwir, Tel Aviv, erschienen. Die Redaktion von P. Auerbach und Aiula Piukerfeld mit netten Gedichten und Verteil scheint uns sehr gelun״ gen, ebenso sind die meisten Bilder, die von H. Glücksberg stammen, durchaus zweckentsprechend, einprägsam uni lustig. KEDEM jUdlscnerBochuertriBD martin saiomon Berlln-Charlottorburg, D&hlmannstraOe 8 / Ruf: 961141 BÜCHER - RITUALIEN - SCHALLPLATTE[!