Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 11. III. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 ״Ein Tag — Ein Werk“ Ein neuer Film des Keren Hajessod Der Keren Hajessod hat durch die Palästina-Fiimstelle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einen neuen Kurztonfilm herstellen lassen, der unter dem Titel ״Ein Tag — Ein Werk“ von einem einzigartigen Eriebnis berichtet: dem Aufbau eines neuen Sicdlungspunktes im Laufe eines Tages. Unsere Leser wissen, daß seit Beginn der Unruhen beträchtliche Landstrecken, die zwar schon erworben, aber noch nicht besiedelt waren, in Besitz genommen werden mußten, um das juristisch verbriefte Anrecht auf diesen Boden durch die Tatsache seiner Besiedlung und Bearbeiturig zu bekräftigen. Es handelt sich dabei zum Teil um Gebiete wie die im Jordantal und in der Ebene von Beth Schan, deren Sicherheit gerade in der Zeit der Unruhen viel zu wünschen übrig ließ, so daß die Besiedlung nur unter Beobachtung großer Vor- Sichtsmaßnahmen durchgeführt werden konnte. Sie spielte sieh jeweils so ab, daß die Gruppe der Ansiedler in benachbarten Siedlungen alles vorbereitete, was zum Bau der ersten provisorisehen Unterkünfte und zu ihrer Verteidigung notwendig war, und daß sie dann an den Ort ihrer Ansiedlung zog, unterstützt von jüdischen Siedlern aus der Nachbarschaft. Mit vereinten Kräften wurden dann Baracken, Wachttürm und Umzäunung an einem Tage aufgerichtet, so daß die Siedler bereits die erste Nacht in Sicherheit verbringen konnten. Diese Art der Bodenbesitznahme hat sehr viel von der Romantik des Vorstoßes in ein unbekanntes und unsicheres Land an sich, und so war es gewiß eine vorzügliche filmi Tages י••'־ י Wiederaufbaus aus dem 9. Kapitel des Propheten Arnos erreicht der Film seinen eindrucksvollsten Höhepunkt, während als Abschluß während der Zusammenfassung der Bilder ein schönes hebräisches Lied erklingt. Der Film, dessen Bilder zum Teil auch photographisch und landschaftlich sehr eindrucksvoll sind, ist unter der Gesamtleitung von Leo Herrmann (Jerusalem), von Georg Engel und Manfred Epstein hergestellt worden. An der Kamera stand S. Alexander (Tel Aviv), die w Luftbild der Siedlung Tirath Zivi; das hohe Gebäude innerhalb der Siedlung ist das alte arabische Haus, außerhalb der Siedlung erkennt man die für Verteidigungszweckc vorgetriebenen Laufgräben Foio•: Keren H.jeeeod Verlauf ״ .. ... _, . .. . solchen Bilde zu zeigen. Der Ernst der Lage in Palästina dieser Handlung sprechen, nicht weniger aber auch die Tatkraft, der unerschütterliche Aufbauwille und der jugendliche Mut jener Menschen, die das Werk eines Tages als ein sicheres Zeichen jüdischen kolonisatorischen Könnens vollbringen und damit die ersten Wurzeln einer neuen Siedlung in die Erde senken. Das Beispiel der Siedlung Tirath Zwi im Jordantal, das in dem Film des Keren Hajessod gezeigt wird, hat nun noch die besondere Eigenart, daß es sich hier um eine Gruppe junger, zum großen Teil aus Deutschland stammender Chaluzim handelt, die selbst der Misrachijugend angehören und religiös leben. Dadurch bekommt ihr Werk eine besondere Note, glaubt man doch vielfach, daß gerade die arbeitenden Menschen Palästinas nur eine lose Beziehung zum religiösen Judentum haben. So wird dieser Film nicht allein zu einem Dokument des Aufbaus und der Pionierleistung, sondern auch zu einem solchen religiöser Verbundenheit arbeitender Menschen. Daß darunter ihre Beim Aufbau der neuen Siedlung Tirath Zwi: eine alle Wand wird niedergerissen und eine neue aufgebaut Fähigkeit zu handeln nicht gelitten hat, zeigte sich erst vor wenigen Tagen, als gerade aut diese Siedlung in der Nacht zum 1. März mehrere heftige Ueberfälie von Arabern unternommen wurden, die mit erheblichen Verlusten für die Angreifer scheiterten. Die junge Siedlergruppe wurde für ihr tapferes Verhalten von den britischen Behörden beglückwünscht. Der Film führt uns in seiner Handlung vom morgendliehen Erwachen der Chawerim, die sich zur Arbeit gerüstet haben, über ihr Morgengebet zum Aufbruch selbst, bei dem sie die Wünsche ihrer künftigen Nachbarn begleiten. Durch die unkultivierte Steppe holpern die mit den Arbeitsgeräten und mit den noch zerlegten Zäunen und Baracken hoch beladenen Wagen. Am Siedlungsort sehen wir ein altes Araberkastell, um das herum als Mittelpunkt die neue Siedlung entstehen soll. Die Siedler begrüßen Araber aus der Nachbar- Schaft, und dann beginnt der Aufbau, der alle ihre Kräfte bis zum Abend in Anspruch nimmt. Wir sehen, wie die Baracken aus dem Boden wachsen, wie die Umzäunung der Siedlung entsteht. Wir finden die Siedler während ihrer kurzen Rast und sehen zum Schluß, wie bereits am nächsten Morgen die Arbeit beginnt, wie der Pflug über die seit langem vernaclilässigten Felder zieht. Mit der berühmten Verheißung des kungsvolle Musik von Vera Slonsky (Tel Aviv) wurde von Orchestermitgliedern des Jüdischen Kulturbundes unter Leitung von S. Friedmann-Petruschka gespielt. Der Film wird als Dokument. einer schweren Zeit in Erez Israel, als Symbol jüdischer Tatkraft überall aufmerksame Zuschauer und Hörer finden und über diese Zeit hinaus Geltung beanspruchen dürfen. Die Erstaufführung Die Erstaufführung des Films fand im Berliner Brüdervereinshaus im Rahmen eines T e e a b e n d s am 9. März statt, der von der Jcwish Agency und dem Präsidium des Keren Hajessod veranstaltet und sehr stark besucht war. Er fand den begeisterten Beifall des Publikums. Eingeleitct wurde der Abend mit dem Spiel des Orches'ers des Jüdischen Kulturbundes unter Leitung von Kape'lrncistcr Rudolf Schwarz, das Handels Concerto gross G-dur zum Vortrag brachte. Es folgte eine Begrüßung durch den Vorsitzenden der Reichsvertretung, Rabb. Dr. L Baeck, der das Thema der Veranstaltung ״Erbe ur Erfüllung“ umschrieb und darauf binwies, daß es Judentum beides stets zusammen geben müsse, nämlich ein Erbe, das sich im Leben erfüllt, und eine Erfüllung, die wirklich aus dein jüdischen Erbe stammt. Uebcr das Thema des Abends seihst sprachen sodann Rabb. Dr. Max W i ner und Dr. Robert Weltsch. Dr. Wiener schilderte die Geschichte des messianischen Gedankens in der jüdischen Vergangenheit und charakterisierte den jüdischen Geist als denjenigen, der den Gedanken der Weltgeschichte konzipiert hat. Heilte sehen wir im Gegensatz zu einer vergangenen Periode der Irrtiimer die Erfüllung unseres Wese in Palästina, und es komme darauf an, daß sich alle Juden dieser überindividuellen Aufgabe eingliedern. _ Weltsch wies auf die völlige Neugestaltung der jüdischen Lebensverhältnisse in unserer Zeit hin und gab in einer Analyse der geistigen und soziologischen Tatbestände des Judentums im 19. Jahrhundert einen Ueberblick über die Kräfte, die zu der modernen Renaissance-Bewegung des jüdischeiK Volkes geführt haben. Geist und Materie gelte es in dieser Renaissance miteinander zu vereinigen und die gemeinsame Hoffnung und das gemeinsame Wollen durch die Tat zu realisieren. Der Film selbst wurde durch eine Ansprache von David Schloß borg eingeführt, der auf die Tatsache hinwies, daß dieser Film die Entstehung eines von religiösen Chaluzim geschaffenen Siedlungspunktes schildert. Seit Beginn der Unruhen sind 23 Siedlungspunkte auf diese Art geschaffen worden. Er schloß mit einein eindringlichen Appell zur Mitarbeit am Palästina-Aufbau im Rahmen des Keren Hajessod. Nach der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Film- Vorführung rezitierte Fritz Grünbaum vom Jüdischen Kulturbund in hebräischer Sprache und anschließend in deutscher Uehersetzung das neunte Kapitel aus dem Propheten Arnos, dessen Verheißungen den Film selbst krönen. Das Orchester schloß den Abend mit Felix Mendelssohn- Bartholdys Ouvertüre op. 32. Das Publikum ging bei a" Reden und Darbietungen mit lebhaftem Interesse mit, so daß dieser Abend nicht nur als Erstaufführung des neuen Films, sondern auch als ein Versuch, die geistigen Probleme der jüdischen Renaissance-Bewegung aufzurollen, bedeutsam v ischen Weltfand in London statt. Es wurde beschlossen, eine Sitzung des Councils des Weltkongresses im August i Amerika abzuhaRen. Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Gäste aus Palästina in Polen Von unserem Berichterstatter Warscha u, 9. März Polen hatte in den letzten Tagen wiederum Gäste aus Palästina. Dr. Arthur Kupp in, welcher vor 35 Jahren auf einer Studienreise Galizien besuchte, kam jetzt aut Einladung des Keren Hajessod und hat in Krakau, Kattowitz und Bielitz mit großem Erfolg für die Palästinasache geworben. Ueberall wurde Ruppin herzlich empfangen, kam in Berührung mit Vertretern verschiedener Schichten der jüdischen Bevölkerung, mit Delegierten sämtlicher zionistischer Verbände und Institutionen. Dr. Ruppin hat in der ihm eigenen sachlichen und überzeugenden Form über das gegenwärtige Palästina berichtet und die nächsten Perspektiven in Erez Israel besprochen. Die zionistische Oeffentlichkeit, insbesondere im ehemaligen Galizien und Schlesien, ist für solche sachgemäßen und instruktiven Darlegungen sehr dankbar. Dr. Ruppin bekam auch Gelegenheit, die jüdische Situation in Polen, besonders auf wirtschaftlichem Gebiet, unmittelbar kennenzulerncn und sich zu überzeugen, daß die Ali ja hnotwendigkeiten der polnischen Judvnhcit unermeßlich groß sind. Fast gleichzeitig mit Dr. Ruppin traf in Polen eine Delegation der Hebräischen linivrrsii.it in Jerusalem ein. ln Warschau fand die L a n d e s k o n f e r e 11 z d e r Ge- Seilschaft der Freunde der He 1) 1־ ä i s c h e n U 11 i - versität statt, der Professor T o r e / v 11 e r und von der Propagandaabteiluiig dev Universität Abraham Lewin son beiwohnten. Der polnische Zweig der Gesellschaft entfaltet seit Jahren eine erfolgreiche Tätigkeit, die sieh im Anfang auf Fürderung der Nationalh/w. Universitätsbibliothek beschrankte und in den letzten Jahren das gesamte Universitätswcrk unterstützt. Der vorjährige Besuch des Rektors Prof. Bergmann in Begleitung von Alfred Berger hat gute Früchte getragen und in diesem Jahre haben es Prof. Torczvner und Lcwinson unternommen, die Verbindung der polnischen Judenheit mit der Lehrstätte auf dem Skopus noch enger zu gestalten. Prof. Torczvner besuchte Warschau, Lodz, Bialystok, Kattowitz, Lemberg, hielt dort Vorträge über die ihm naheliegenden Themen und gab so den Zuhörern einen guten Einblick in die Forschungsarbeiten und Methoden der Hebräischen Universität. Besonders spannend und belehrend waren seine mit meisterhafter Kirnst vorgetragenen Darstellungen der Ausgrabungen in Lacliisch. Abraham Lewinson hat in manchen der aufgczäliiten und vielen anderen Städten in geistreicher Weise die Probleme der hebräischen Kultur und die aktuellen Fragen unseres geistigen Lebens im Zusammenhang mit den Leistungen und Aufgaben der Hebräischen Universität vor einem großen Publikum aufgerollt. Etwas später kam die ״H a b i m a h“ nach Polen und spielt seit zehn Tagen in Warschau vor einem besonders interessierten Haus, vor luden und Nichtjuden. Bisher sah man ״Uriel Acosta“. Die polnischen Theaterkritiker sind voll Lobes und Anerkennung für die einzigartigen Leistungen dieser hebräischen Bühne. III« Makkabiah im Frühjahr 1939 Der Weltkongreß des Makkabivcrbandes, der in Paris stattfand, hat beschlossen, daß die 111. Makkabiah in Palästina im Frühjahr 1939 abgehalten werden soll. Kapitän Umberto Steindler Als am 16. Fcbru; tica (Lloyd Triestino) j3j Führung des )1111 Er tritt Alters ht hat. Steindl t Jahren in den Flotnst eingetreten und hat in den letzten zehn Jahren als Kapitän drei Schiffe des Lloyd Triestino, zuerst das Schiff ,,Adria“, dann die ״Italia“ und zuletzt die ״Galilca“ befehligt. Tausenden und Zelmtausenden von Juden, die als Etnigran« Umb. Steindler Am«t«ur10ta ten oder Touristen von Triest nach Palästina fuhren, ist er eine bekannte Figur geworden. Mit seiner hohen. Gestalt, seinen jovialen Umgangsformen, seiner guten Laune und seiner steten Hilfsbereitschaft hat dieser Jude für sie den idealen Typus des Schiffskapitäns verkörpert. Er hat sein Judentum nie verleugnet und für den Aufbau Palästinas immer das lebhafteste Interesse gezeigt. Wir wünschen ihm, daß er sich auch im Ruhestand der Rüstigkeit erfreut, die er in seiner bisherigen Tätigkeit gezeigt hat. GEMEINDEABEND aus Anlaß der Anwesenheit von Dr. Arthur Ruppin - Jerusale IW, Leiter der Zentralstelle für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina SYNAGOGE PRINZREGENTENSTRASSE, Montag, 21. März, 20.30 Uhr Begrüßungen: Direktor Heinrich Stahl, Rabbiner Dr. Leo Baeck DR. ARTHUR RUPPIN: UNSER PALÄSTINA / Von Aufbau, Kampf und Zukunft Dr. Michael Traub* Bericht Ober die jüngste palästina-politische Entwicklung VORSTAND DER JÜDISCHEN GEMEINDE BERLIN JEWISH AGENCY FOR PALESTINE