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Jüdische Rundschau · 1938-03-08 · Heft 19 (8.3.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 19 (8.3.1938)
Date
1938-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLINER RUNDSCHAU Nr. 19, 8. MÄRZ 1938 Von Malern und Dichtern ״Schule Ist schön" Eine Ausstellung In der Theodor<Herzl•Schule ״Ich gehe gern in die Schule, weil mir das Hebräische Spaß macht.“ — ״Die Schule ist schön, da singen wir immer, und die Lehrerin erzählt uns Geschichten." Nicht ohne Neid liest man solche und zahlreiche ähnliche Aeußerungen kleiner und auch größerer Kinder in den Aufsätzen, die man in der am Sonnabend und Sonntag dargebotenen Ausstellung der Theodor-I lerzl-Schule bewundern konnte. Welche pädagogischen Folgerungen aus dieser Ausstellung zu ziehen sind, mag der Diskussion der Fachleute überlassen bleiben. Uns schien hier vor allem eines besonders bedeutsam: der Geist und die Gesinnung, die diese Schule beseelen. Hunderte von Arbeiten aus allen Klassen und aus allen Gebieten legen beredtes Zeugnis davon ah, daß an dieser Anstalt jüdische Jungen und Mädchen heranwachsen, denen mit dem Willen zur Arbeit zugleich auch ein höchstmögliches Maß von Lebensfreude mitgegeben wird, die überall, von den anheimelnden Klassen bis zu den buntbebildertcn Aufsätzen, ihr Daseinsrecht zu beweisen scheint. Mit besonderer Freude schreitet man durch die Klassen, in denen die Arbeiten der Grundschule zu sehen sind. Dort kann man verfolgen, wie das Kind immer stärker in Anschauung und Gestaltungsfähigkeit hineinwächst; Talente beginnen schon früh, sich zu entfalten, indem sie Wirklichkeit und Phantasie in Tor! zu kneten suchen — zum Teil so entzückend, daß man sich kaum von diesen Arbeiten zu trennen vermag. Man beobachtet, wie die Kinder ziemlich rasch deutsch und hebräisch schreiben lernen und schon im zweiten Schuljahr die hebräische Schreibschrift beherrsehen. Ganz zu schweigen, daß durch zahlreiche Hilfsmittel die Umgebung so stark hebraisiert wird, daß das Kind sehr bald schon die alltäglichsten Worte und Redewendungen gebrauchen lernt. An den ausgestellten Arbeiten der obersten Klassen ließ sich ablesen, welche Erfolge die hebräische Arbeit der Schule zeitigt: Klassenaufsätze und Jahresarbeiten über schwierige, zum Teil wissenschaftliche Themen, vor allem auch Arbeiten über Palästinafragen in hebräischer Sprache zeigen, daß diese Menschen mit guter sprachlicher Ausrüstung nach Palästina kommen werden. Die Ausstellung bot vieles, und es kann nicht einmal andeutungsweise alles erwähnt werden, Der Gesamteindruck war bei allen Besuchern, deren Meinung sich in Erfahrung bringen ließ, der gleiche: gute Erziehung, gute Leistungen und guter Gemeingeist. Kann eine Schule mehr verlangen, als daß ihre eigenen Schüler ihr bestätigen, daß sie gern hinkonunen? Nachdem wir Erwachsenen diese Ausstellung besichtigt hatten, konnten wir sehr wohl verstehen, daß Kinder so denken. _ N. Neue hebräische Anfängerkurse der BZV. Zentrum! Dienstags 20.30 Uhr, Kurs für Anfänger mit geringen Vorkenntnissen, Rosenthaler Straße 44 (Leitung: D. Kantor). Western Ein neuer Anfängerkuss beginnt denmächst (Leitung: Dr.^ Broseij. — Demnächst beginnt k״lln,'&iägcr!tr. 0 (Up.: E. Stern). Anmeldungen an die Kulturabteiking der BZV., W 15, MrinekiMr. 10 (91 00 31). Eine neue Ausstellung (im Klubhaus Marhurger Straße) \ ermittelt die Bekanntschaft mit Werken des Bildhauers und Graphikers Dr. Großberger sowie der Maler Otto Schloß, Lisel Wetzlar und Marta Zade. Großbergers Werke vereinigen starkes Gefühl mit nicht minder starker Ausdruckskraft und künstlerischem Können. Sowohl seine Plastiken wie seine graphischen Arbeiten sind sehr eindrucksvoll. Von den Bildern Lisel Wetzlars sind vor allem ihre Stillleben hervorzuheben; auch als Porträtistin ist sie beachtcnswert. Die beiden Bauerngemälde zeigen ein starkes Talent. Von Ihren Zeichnungen ist vor allem eine Familiengruppe plastisch gesehen. Marta Zade zeigt zwei gute Porträts; die Landschaften gelingen ihr weniger. Bei Otto Schloß scheinen die Zeichnungen und Graphiken das Hauptgebiet seiner Begabung. Er ist ein ausgesprochenes illustratives Talent beschwingter Graphik und sicherlich ein begabter Landschafter. Das schönste seiner Bilder ״Der Hafen von Blankenherghe“ ist bereits verkauft und wurde leider schon bald nach Eröffnung der Ausstellung fortgenommen. Jakob Picard las bei einem Vortragsabend des Jüdisehen Central-Vereins aus eigenen Werken, und zwar hörte man außer Gedichten die Erzählung ״Der Ruf“ una Teile aus der Novelle ״Der Gezeichnete“. Seine schlichte Art schlug rasch die Hörer in den Bann. Eine wirkungsvolle Umrahnntng fand die Veranstaltung durch die Darbietungen des Trios Helene Lach nt ans ki-$chau i, God fried Zeclander und Hansjürgen R o n i s. Der Rezitationsabend von Otto Bernstein im Kulturbund wurde zu einer Weihestunde großer Dichtung. Im Mittelpunkt stand Balzacs Novelle ״Die Messe des Gottesleugners“. Der Ahend, der mit einer Legende des Baal Schern begonnen hatte, klang mit der Legende ״Die große und die kleine Menschenliebe“ von Emil Bernhard Cohn aus. Die Rezitatoren Erna Leonhard (Feld) und Leo Merten (Menter) widmeten den vierten Abend ihrer Vortragsreihe: ״Ungehörte Stimmen“ lyrischen Schöpfungen jüdischer Dichter, die der Tod im Frieden oder auf den Schlachtfeldern des Weltkriegs vor Beendigung ihres dreißigsten Jahres ereilte. Mart folgte also den Spuren zahlreicher künstlerischer Verheißungen und einiger Erfüllungen. Die bedeutsamste blieb Walter C a 1 € in seiner romantischen Traumverlorenhcit und in seiner Bezauberung durch ganz schlichte Seelenweisen, deren verinnerlichte Wiedergabe der Vortragskünstlerin ebenso glückte wie ihrem Partner die Einfühlung in die schwermuttiefen, von Kurt Mayer übertragenen Verse der palästinensischen Dichterin Rachel (Bluwstein). Den allzufrühen Heimgang von George A. ü o I d s c 111 a g empfand man abermals als besonders schmerzliehen Verlust. Mertens geistige Eindringlichkeit gestattete ihm auch das Wagnis, Prosastücke von Franz Kafka seiner Hörer- Schaft näherzubringen. Der gleich seinem Vorgänger durch einen gedankenreichen Spruch von Jakob Picard eingeleitete zweite Teil des Programms galt den Schöpfungen der im Weltkrieg Gefallenen:!lern grüblerischen, ringenden Kurd Adler sowie Alfred L i c h t e n s t c i n, dem bezaubernden Melodlker und innigen Bruder der Lyrik durch leichte Lied* liaftigkeit, dem jauchzenden Lebensbejaher Hans Ehrenbäum-Deg eie sowie Walter Hey mann in einer leider nicht hinreichend charakteristischen Strophenwahl. Den vorletzten Abend der Vortragsreihe ״Ungehörte Stimmen“ widmeten Erna Leonhard (Feld) und Leo Merten (Menter) fünf lyrischen Begabungen und einem Erzähler. Als ersten Gewinn seelischer Bereicherung hieß man die Sclnvermutweisen der auch gedanklich bedeutsamen Dichters* gattin Anna Beate Nadel willkommen. Der grüblerischen Natur von Hertha Rosenfcld wünscht man mehr Selbst- Kritik. Gerda Seuser vermag im ״Vorfrühling“ die Stirn* mung einer Landschaft mit zarten Worten wie mit Pastellfärben wieder/ugeben; die Dramatikerin nach zwei Szenen aus ihrem Bühnemverk: ״Saul, König in Israel“ zu beur* teilen, wäre leichtfertig; doch fesselten diese Proben durch ihr sprachliches Kolorit. Lotte Michaelis-Adam verdient als emnfimfungstiefe Romantikerin durch die dichterischc Art ihrer Weltbetrachtung sowie durch die Innigkeit ihres Oefülilstons durchaus Beachtung. Mit seinen eigenen Worten: ״Wohin führt der Weg?“ könnte man Fritz Rosenthal (Ben-Chorin) nach seinen künstlerischen Zielen fragen. In seinen Versreigen religiöser Stimmungen und biblischer Gestalten läßt er bei erstaunlicher Ausdrucksgewandtheif in seiner Anlehnung bald an Rilke, bald an Wolfskehl eine unverkennbare Sonderart leider vermissen. Nach so zahlreichen Gedichten von oft strenger Thematik kostete man den Heiterkeitsrciz des Prosamärchens von Georg Zivi er: ..Der Sohn des Himmels und sein Volk“ um so freudiger aus. Die Jüdische Winterhilfe teilt mit: Eintopf- und Purim-Spende. Die Eintopf-Spende am 13. März steht im Zeichen des Purimfestes. Jeder gebe daher außer der Eintopf-Spende noch eine S o n d e 1־ s p e 11 d e / u Purim! Für eine Souderspende von 50 Rpf. an erhält der Spender eine Megillah mit Widmung der Winterhilfe. Die Sammler geben jedem Spender, der mehr als 50 Rpf. besonders gibt, einen Gutschein, auf Grund dessen die Megillah frei ins Haus geliefert wird. Musikalische Matinee. Als letzte repräsentative Veranstaltung zugunsten der Hübschen Winterhilfe findet am 20. März, 11.30 Uhr, eine musikalische Matinee des Mayer- Mahr-Trios unter Mitwirkung von Susanne Lnewenstcin, Hermann Schey, Maximilian Hüttner und Josef Glal’l statt, handlung, Parker Str. Tt'rVoppelViu'V'Neuc Fric1trirhstr.l‘59, und bei der Jüdischen Winterhilfe, Heidereutergasse 5/6 (4167 11). Ausgabe für Betreute im März. Die Einzelheiten über die Ausgabe von Pfiindspendenpaketen, sowie von Lebensrnittel- und Kohlengutscheinen im März sind aus dem Gemeindeblatt zu ersehen. Postscheckkonto der Jüdischen Winterhilfe: Berlin 03446. Bezirks-Veranstal;ung<an der BZV Eröffnung! Ereitag, den 1■ April J93S Privat-Mittags- und Abendfisch JfjS Ernst Herschthal Berlin W 50 Marburger Straße 9 Tel.: 24 <57 31 Erke Augsburger Straße 3 Minuten von der Toiwntziemtrnfk Gedecke: RM — .öO, RMJ,-, RM 1,20 ■ Tageszeitungen gemeinsam mit der Lehrstätte Ch. N. Bialik der BZV. Lassen Sie sich Ihre Anzeigen jüü. Klavierstimmer Klavierstimmer PEREZ Perser-Teppiciie u. Brocken <־״>> w.«! Kann FESTDICHTUNGEN aktuell e Individuell E. 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