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Jüdische Rundschau · 1938-03-08 · Heft 19 (8.3.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 19 (8.3.1938)
Date
1938-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 19, 8. MÄRZ 1938 wr Jr\ 1 M. iL TH JrV .11כ m + j. m Der Wechsel im Oberkommissariat Abschied von Wauchope — Begrüßung MacMichaels Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, 27. Februar 1938 Die Abschiedsbesuche des scheidenden High Commissioner Palästina steht im Zeichen der Abschiedsfeiern für den abtretenden High Commissioner Sir Arthur Wauchope. Seit mehreren Wochen ist der Oberkommissar tagsüber unterwegs, um in den verschiedenen Gegenden des Landes von der Bevölkerung und von den vielen Freunden, die er sich im Laufe seiner siebenjährigen Amtszeit geschaffen hat, Abschied zu nehmen. Eine Reihe von besonderen Zeremonien werden mit diesen Touren verbunden, die Grundsteinlegung von öffentlichen Gebäuden wie das Hospital in Natania, das dem Andenken des ermordeten Bezirkskommissars Andrews gewidmet ist, die Brücke über den Jarkon, die der Stadt Tel Aviv den Weg nach Norden frcimacht, und vor allem die Eröffnung des Passagicrhafens in Tel Aviv, die von den Juden als ein besonderes Ereignis gefeiert wurde. Die Behörden treffen alle Vorbereitungen, um Sir Arthur das geziemende Geleit bei seiner Abfahrt aus Palästina zu geben, und am Jerusalemer Bahnhof wurden Proben ftir die Feier bei der Abfahrt abgehalten (die sich am 1. März programmäßig vollzog — A. d. R.) Zugleich mit den Abschiedsfeiern bereitete die Palästinaregierung die Begrüßung des neuen High Commissioner Sir Harold Mac Michael vor, der am 3. März über Aegypten im Lande erwartet wird (und inzwischen eingetroffen ist). Die Einzelheiten der Empfangszeremonie wurden genau einstudiert, von der Landung im Haifaer Hafen auf einem Kriegsschiff bis zu der Vereidigung des neuen Vertreters der englischen Krone im Heiligen Land durch den Oberrichter. Palästina bereitet sich auf eine neue Arnfspcriode vor, eine Zeit, in der entscheidende Beschlüsse über sein politisches Schicksal erwartet werden. Eine politisch ־ menschliche Tragödie Während dieser Wochen, in denen Sir Arthur durch das Land fährt, um noch einmal alle die Stellen wiederzusehen, die er im Laufe seiner langen Amtazcit so oft besucht hat, und noch einmal mit den Menschen zu sprechen, die ihm in diesen Jahren so manchen Aufschluß über Palästina gegeben und so manchen Vorschlag zu seiner Entwicklung unterbreitet haben, flammt das Interesse, das das Land seit jeher an dieser auffallenden Persönlichkeit nahm, noch einmal aufs stärkste auf. Kaum ein High Commissioner ist in Palästina so heftig kritisiert .worden wie Sir Arthur wegen seiner Kompromiß- Politik in den letzten zwei Jahren. Und doch begrüßt die jüdische Bevölkerung diesen Mann auf seiner Abschiedsreise überall mit großen Ovationen, überall bereitet sie ihm Geschenke zum Andenken vor, und die Kommentare, die in der hebräischen Presse erscheinen, sind keineswegs unfreundlich, die Wertungen seiner Person- Iichkeit tragen den Stempel einer fast freundschaftlich zu nennenden Sympathie. Geht man dieser Einstellung, die fraglos ehrlich ist, auf den Grund, so findet man in der Hauptsache zwei Ursachen: dieser künstlerisch veranlagte General mit seinem weiten Horizont hat sich als Persönlichkeit überall große Achtung erworben, noch mehr, er hat sich im Lande eine Reihe von Freunden geschaffen, trotz der politischen Meimmgs- Verschiedenheiten, die siel! in den letzten Jahren zwischen ilnn und der jüdischen Leitung und Oeffentlichkeit ergaben. Und das jüdische Publikum bat darüber hinaus die Empfindung, daß hier ein Mann Abschied nimmt, der sich stark darum bemüht hat, das jüdische Problem in Palästina richtig zu verstehen, die geistigen und ökonomischen Quellen kennenzulernen, aus denen das Aufbauwerk gespeist wird. Die Freundschaft mit dem verstorbenen Shmaryahu L c v i n, die enge Verbindung mit Chajim Arlosoroff hat man hier im Lande nicht vergessen. Ebensowenig wie es irgendjemand übersehen kann — obwohl es in der Hitze der politischen Kontroverse der letzten Jahre manchmal so scheinen wollte —, daß in die Amtszeit Sir Arthur Wauchopes eine Massenein- Wanderung und ein wirtschaftlicher Aufschwung fiel, wie ihn Palästina noch nie gesehen hätte. Uebcrdics machen die letzten Reden des High Commissioner allgemein den Eindruck, daß hier ein Mann spricht, der an der Entwicklung dieses Landes das größte Interesse nimmt, daß er hier tief Wurzeln geschlagen hat und es für ihn weit mehr bedeutet hat als nur eine seiner zahlreichen Amtsstcllen. Mit der Beurteilung der einzelnen Oberkommissare im Lande hat es seine besondere Bewandtnis. Palästina, das noch mehr als andere Länder sein Antlitz von heute auf morgen ändert, in dem politische Leidenschaften eine ungewohnliche Intensität aniiehnien, liefert keinen guten Boden für die objektive, wohlabgewogene Beurteilung historischer Geschehnisse. Ein High Commissioner, der das Glück hatte, das Land in einer ruhigen Periode zu verwalten, wird eo ipso glorifiziert, auch wenn er wie Lord Plumer zum Beispiel das Land so stark von Verteidigungskräften entblößte, daß sein weniger glücklicher Nachfolger Sir John Chancellor dem Aufstand von 1929 anfangs hilflos gegenüberstand. Und wie wäre das Urteil über Sir Arthur Wauchope ausgefallen, wenn er sein Amt nach der üblichen Periode von fünf Jahren verlassen hätte, anstatt der Aulforderung Londons zu folgen und eine weitere fünfjährige Amtsperiode anzutreten? Dann wäre dieser Mann ohne Zweifel als der beste Exponent Englands seit dem Beginn der Zivilverwaltung gefeiert worden, als derjenige, der eine bisher unerhört große Einwanderung ermöglicht, dem Land Entwicklung und Wohlstand \erschafft, seine Landwirtschaft verbessert hätte. Dieses strahlende Bild wäre noch weiter verschönert worden durch die vielen einnehmenden menschlichen Züge dieses Administrators: sein Bemühen, unmittelbaren Kontakt mit der Bevölkerung zu bekommen; seine Großzügigkeit, die ihn sein ganzes Gehalt öffentlichen Zwecken der Juden und Araber zuwenden ließ; sein Interesse an allen künstlerischen Bestrebungen, seine Bemühungen um die Modernisierung der Landwirt- Wirtschaft. Aus den Wertungen der jüdischen Oeffentlichkeit Wauchopes Abfahrt Der High Commissioner verabschiedet sich von Ihm Zwi am Jerusalemer Bahnhof Foto: 1,״״- Ummer jetzt beim Abschied wird deutlich erkennbar, daß alle diese positiven Seiten von den Juden nicht vergessen werden. Aber sie genügten nicht, um den High Commissioner sicher durch die zweite Periode seiner Amtszeit hitidurclizuführen. Wauchope, der die stärkste Entwicklungsperiode Palästinas geleitet hatte, mußte auch seine schwerste Zeit mifmachen, Jahre politischer Unruhen, die auch heute noch nicht beendet sind. Hier liegt die große Trag ö die des Lande s, die auch die Tragödie des Menschen Wauchope ist. Im fünften Jahre seiner Amtszeit brachte er - - übrigens wie fast alle* seine Vorgänger — den Vorschlag eines Gesetzgebenden Rates, dessen scharfe Kritik im englischen Parlament das Vorspiel zu den Unruhen des Jahres 1936 wurde. Die Absicht Wauchopes war klar, er wollte die ökonomische Entwicklung des Landes mit politischen Fortschritten krönen, drängende arabische Forderungen wenigstens teilweise befriedigen, eine Landesvertretung schaffen, die Bahn für eine jüdisch-arabische Kooperation ebnen. Das Schicksal w andte alles umgekehrt. Und die Haltung des Oberkommissars und Oberkommandierenden während des arabischen Streiks und des folgenden Terrors zeigte dieselbe markante Linie und den gleichen, wenn nicht noch größeren Mißerfolg. Wauchope, der aufgeklärte General, lehnte blutige Gewalt als Mittel gegen blutigen Aufstand a b. Er formulierte diese seine Ansicht mehrmals in unmißverständlicher Weise. Die Juden haben von Anbeginn an diese Haltung verurteilt, weil sie von ihr eine weitere Ausbreitung der Gewalttaten befürchteten. Die englische Regierting und viele Mitglieder des Parlaments haben in weitem Maße der jüdischen Kritik recht gegeben; vom 1. Oktober diesen Jahres an schlugen London und Jerusalem eine völlig entgegengesetzte Richtung ein. Sir Arthur jedoch hat seinen Standpunkt nicht geändert und verläßt jetzt das Land, als der High Commissioner, der die Periode der Prosperity und der Unruhen gleicherweise gesehen hat. Und sein Nachfolger wird die Resultate beider Perioden vorfinden und mit beiden zu rechnen haben. Der neue High Commissioner So findet Sir Harold MacMichael die schwersten Problemc zur Lösung vor und man stellt jetzt schon Befrachtungen darüber au, wie er sich wohl bei dieser Aufgabe verhalten wird. In den Buchladen der großen Städte sieht man überall sein Werk über den Sudan, seine Biographie wird eifrig studiert, jede Mitteilung über ihn, jede seiner Aeußeruiigcn mit Interesse beachtet. Zwei Dinge werden allgemein als festdie Wied e r h e r s teil 11 n g d cm- O r d n 11 n g im Lande als nächste und wichtigste Aufgabe setzen, und er wird eine Reihe von Aenderungen in der Administration vornehmen. Für beide Voraussagen bieten die an der jerusa- ]einer Administration im Parlament geübte Kritik, sowie die Ausführungen und Vorschläge der Königlichen Kommission ge-!lügend Unterlagen. Im übrigen sind die Prophezeiungen über die neue leitende Figur der Palästina-Administration ebenso ungewiß wie die über das politische Schicksal des Landes. Die Beobachtung der palästinensischen Entwicklungen wie auch der benachbarten Länder hat uns jedoch eines gelehrt, was inan gerade heute gegenüber der starken Betonung des persönlichen Momentes in der Verwaltung niemals vergessen darf: Politisch-wirtschaftliche Schicksale beruhen auf zu tiefen und verzweigten Grundlagen, als daß sie in ihrem Kern durch Personen entscheidend bestimmt werden könnten. Die Ent- Wicklung Palästinas beruht auf der Beziehung der im Lande wirkenden Kräfte und darüber hinaus auf den i n t e r 11 a t i onaien Einflüssen, die heute stärker wirken als je. Die Entscheidung über die schwebenden Fragen wird in London getroffen, nur ihre Ausführung liegt in Jerusalem. Diese Ausführung freilich hängt zu einem hohen Malle davon ab, wie die leitende Beamtenschaft diese Beschlüsse versteht und sie unterstützt, und gerade unter diesem Gesichtspunkt sind die administrativen Reformen, die man von dem neuen High Commissioner erwartet, von besonderem Interesse. Ibn Saud Uber Palästina Der König gegen den Terror Mohammedanische Pilger, die von Mekka zurückkehrten, berichten, daß bei einem von Ibn Saud zu Ehren der palästinensischen *Araber gegebenen Empfang •der König er- Klärte, er täte sein Bestes, um den Arabern in Palästina zu helfen. Der fortgesetzte Terror mache es ihm jedoch unmöglich, mit Großbritannien zu verhandeln. König Ibn Saud sagte weiter, der ehemalige Mufti von Jerusalem weigere sich, einen Aufruf zur Beendigung der Gewalttätigkeiten zu veröffentlichen. Ealis sich die gegenwärtigen Umstände niclu ändern würden, sei es proinin e n t e n Mohammedanern unmöglich, sich t ü r die palästinensischen Araber einzusetze 11. ״Die Stadt der weißen Würfel“ ia‘vJE% 2* üj? PÄI ln Nr. 18 der ״Jüdischen Bundschau" berichtete unser palästinensischer Korrespondent über einen Besuch in Haifa und schilderte das rapide Wachstum der Siedhn’t in der nördlich angi, ׳; 'ca Ebene, die vor kurzem noch eine leere Sandwüste war, und wo jetzt eine ganze Reihe dicht besiedelter Vororte (״Ki j-yh") ent st ■1:1 len sind. Unser Bild zeigt dieses Gebiet (Kirjalh Bialik) im Werden. Im lii ■,'ergründ links der Kar.tiel und die sich immer weiter den Abhang hinanziehende Neustadt von Haifa; im Hintergrund (Mitte) die Tanks der Irak Petroleum Co. i'oto: r. w«i«1e>n1eiD, T.1 Aviv

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