Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1938)
- Date
- 1938-03-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 19, 8. III. 1938 Sagen aus Palästina Chajim Bloch: Das geliebte Land, Sagen aus Palästina. — R. Löwit Verlag, Wien 1937. Chajim Bloch, dessen Frager Sagen — Sippurim — bekannt geworden sind und der auch sonst als Erforscher des jiidisehen Sagcngtitcs einen Ruf besitzt, hat in diesem Bande eine Sammlung von Sagen, Legenden und Erzählungen vereinigt, die er in Palästina selbst aus dem Munde altein* ftädten‘'trje1״s.V׳ Dazu fügte er Erzählt:!! und so' sammelte siel Sagen, aus der er eine daß diejenigen aufgeno׳ den alten Quellen fand, grolle Zahl palästinensischer I traf unter dem Oessichtspunkt, vurden, die vom Spätmittelalter ujs zur rvtine ues 1*1. jannninderts entslanden sind. Darunter gibt es auch eine große Zahl von Sagen, die sich an die Ein- Wanderung von Cha*sidim nach Palästina knüpfen. Im Anhang werden Briefe des Rabbi Menacbem Mendel von Witebsk an »eine in Rußland zurückgebliebenen Anhänger abgedruckt. So ist eine Sammlung entstanden, die einen Spiegel des r Judcnheit Palästinas in den Jahrhunderten wieder* nen sie entstanden sind, all ihrer Leiden und Sorgen, ihrer vielen Freuden i!1 der Verbundenheit mit des heiligen La mies und ihrer Me*siassehnsucht. ch den vier ״heiligen Städten“ geordnet, in denen sie jeweils spielen b/w. wo die Persönlichkeiten, an die sie sich knüpfen, lebten. Den Geixt dieser Erzählungen und damit des ganzen Buches mag cm Zitat beleuchten, das der ״Die suite״ Leiden“ entnommen ist. Es heißt Rabbi Jakob Samson von Spitowk; Lebens gibt, in aber aucti dem Bode! Erzä dort, scher Rabbi, Rabbi Wolf kam. Er tra schwerer Arl arbeiten sah daß sie ihre Frau des Ra ist nicht m Leute um! w Lande bist.1 kommen sei! Jung, Rabbi Anekdote, w beleuchtet s. Zeit, die in hinüberstrelu ihren Motiv«, mystischen I: Jahrhunderte überhaupt g luder! unsere Zbr 1 hi Ziot.s ein chassidim Hause des •er Maggids Re;!!:• diesen nichtji'n Eier sind, Geschichte und Kunde' Das Buch von Bio es seines Inhaltes weg wesen, diese oder ietx um gewisse Ibieberihei aber ein mehr äußer reichen Stoff, der hier im! üiibdck ׳ auf die Erforschung kulturellen Sphären cingedrungen sondern zugleich ein Beitrag zur irtl gewiß den Anklang finden, den erdienf. Vielleicht wäre es gut ge* /ählimg stilistisch zu überarbeiten, der Sprache zu beseitigen. Das Ist r Einvniid, der gegenüber dem Rablnowlt; Redakh der ’ 1 des' V, der So Zcderh buch-Bi: Feuille Dr. Ali. des Z.i jüdisch. schaffen können. Monatsschrift ,,Palästina“ (Herausgeber Adolf Rohm, Wien), ln Nr. 2 schreib‘ Dr. E. Hrombcrner ober ״Die Triebkräftc der jüdischen Wirtschaft“ und wägt die äußeren und Inneren Faktoren ab, die auf die Wirtschaft in Palästina einwirken. Dr. Erwin Wittkowski berichtet über die ״Zionlstische Industriepolitik". Ing. Maikus Reiner stellt an Hand einer Spr/ialkartc Betrachtungen darüber an, wie ״Die Haupt- Stadt für den Jndenstnat“ gelegen sein müsse, um den admi* nistrativen, strategischen und ökonomischen Bedürfnissen zu genügen, A. b. liespricbt ״Die Frage der Unabhängigkeit Syriens“ (mit Karte) und zeigt, welche inneren Probleme dieser neue Staat zu lösen hätte. L. m. r. schreibt über ״Politische Literatur“. Dr. Alfred Michaelis stt-uert wie allmonatlich einen sachkundigen Bericht!!her den Stand der Wirtschaft bei, der mit reichem Zahlenmaterial illustriert ist. Nachrichten und Daten sowie Biirhcrbcspredningen schließen das lieft. (Administration: loset Hajeks Nach'flg, Friedrich Holzer!'< Co., Wien, XVI!., Kalvarienberggasse 32.) ״Wizo-Revue“. Die Londoner Exekutive der Wlzo hat Ihre bisherige offizielle Zeitschrift ,.Pioniere und Helfer“ wesentlich erweitert und in eine Halbjahresschrift mit dem Titel ״Wizo-Revue“ urngewamleit. Das erste Heft Ist soeben erschienen; es enthält Aufsätze 11. a, von Gerda Luft, Jennv Rath, Frieda Weiureirh, Grete Turnowsky; Mitteilung ״ ״ts der Arbeit in Palästina und der Cialuth von Hanna Steiner, Nadja Stein, Else Bodenhcimer-Blntm u. a.; sowie schließlich allgemeine Beiträge, so von Marta Hofmann über ״Humanlsmus und Nationalismus״, von Samburskv über ״Das hebräische Volkslied“ und von Miriam Rosenthal über ״Die hehr«- Ische Presse von heute••. Das Heft ist ein Beweis für die Intensität der Arbeit der Wizo, und die Zeitschrift wird sicher bald einen großen Leserkreis finden, besonders in der deutschsprachigen Judcnheit. Zweimal Franz Werfels Jeremias-Roman und Es kann nicht Zufall sein, daß sowohl der Dichter Franz Werfel, dem wir ein inneres Aufgerufensein wohl glauben dürfen, als auch der Historiker Josef Kastein fast gleichzeitig Werke über die Gestalt des bittersten und düstersten aller Wahrheitskiinder — über den Propheten Jirmijahu — veröffentlichen. Sei es, daß beiden Autoren unsere Zeit 80 sehr als Weltenwende erscheint wie jene, von der sich die tragische Gestalt des Gottesmannes abhebt, sei es, weil sich nirgend so zwingend wie an den Worten und den wenigen überlieferten Handlungen dieses Propheten etwas vom Wesen unbeirrbarer Geistigkeit und Wahrheit überhaupt darstellen läßt. Dies rechtfertigt vielleicht das Wagnis, eine Figur voll solch gewaltiger Symbolik zu beschwören. Bekannt ‘ist Stefan Zweigs dramatische Jeremiasdichfung, geschrieben 1915—1917, erschienen 1922. Dieses (aus den Auf* fütirungcn im Berliner Kulturbund bekannte) Werk zeigt un* gleich den vorliegenden neuen Jeremias-Büchern nicht den Werdegang des Mannes Jirmijahu, sondern ausschließlieh den unerschrockenen Friedenskämpfer, welcher zur Demut und Hinwendung an das innere Reich der Seele inmitten der kriegerischen Leidenschaften mahnt. Und nun, an der Schwelle des Jahres 1038, zwei Jeremias-Bücher, die das ganze Leben des Propheten umfassen. Gewiß ist eine Dichtung wie Werfels Roman ״Höret die Stirn m e“ (Faul Zsolnay-Verlag) etwas wesenhaft ander es als ein um Historisches bemühtes Buch, wie das von Josef Kastein (Verlag R. Lövit). Dennoch gibt es gewisse auffällige Parallelen zwischen den beiden Werken. Beide Autoren bringen uns die gleichnishafte Bedeutung dieser Gestalt zum Bewußtsein, wir sehen eine Reihe von. ideellen Berührungspunkten — und doch: wie ungleich sind die beiden Werke in allem übrigen. Um es sogleich zu charakterisieren: Kastein spricht über den Seher und seine Epoche, er sucht ihn uns aus eben dieser düster-tragischen Zeit begreiflich zu machen, er streut, nach zweifellos gründlicher Untersuchung und Ueberlegung,_ ab und zu ein Wort des Propheten in den Gang der Geschichte ein und bringt an mehreren Stellen eine grötäere Anzahl von Versen aus der biblischen Buchrolle Jeremia in schöner, eindringlicher Ucbertragung. Werfels Werk dagegen hält sich nicht durchaus an hisiorische Ueberlieferung, sondern strebt mit dichterischer Freiheit nach der leibhaften Vergegenwärtigung des Propheten, nach seiner Vermenschlichung, damit er uns innerlich deutlieber werde. Er bemüht sich namentlich, uns das Wesen des geheimnisvollen Raunens und Kündeijs aus seinem göttlieh inspirierten Munde ahnend nachfiihlcn zu lassen, So lernen wir den Reiner selbst und Gottes noch nicht bewußten Jüngling kennen, zu dem in der Vision des blühenden Mandelbaunies ’ eine Ahnung von ״Gotte« Freude“ dringt, seiner Schöpferfreude, an die der Mensch zu seiner Unseligkett ver״ gessen hat, an die ihn nur eine große innere Erschütterung ahnend zu erinnern vermag. In aas letzte Geheimnis dieser ganz geisferfüllten, engelhaft jauchzenden, überirdischen Freude gelangt aber auch der Prophet nach langen Leiden und Wanderungen, erst in der vernichtenden und verwandelndcn Stunde, da er, alles zeitliche Leben hinter sich lassend und vergessend, in das innerste Heiligtum des vonNebukadnezar zerstörten Tempels cintritt, wo ihn auf einem vergessenen Splitter der geraubten Bundestafeln das offenbarende wort zuteil wird: ״Damit Du lebest...,“ ״Du“ — das heißt: Deine Seele, Dein unsterblicher, unzerstörbarer Geist, Vorher aber begleiten wir den Jüngling, wie er — ein Einsamer, Umhergetriebener — auf der Suche nach der sich nur zögernd, nur ungeraten nähernden göttlichen Stimme das Land Juda durchstreift; namentlich folgen wir ihm durch die Gäßcheit und Wege, Basare und Tore Jerusalems und befreunden uns an seiner Seite mit dem edlen und starken König Josia, der mit so viel Verlangen zu Gott hinstrebt und dennoch im Dunklen tastet, unfähig, das Gotteswort von billiger Liigenbotscliaft zu sondern. Wir erleben die blutige Trn!׳öclie dieses beklagenswerten Königs in der Schlacht von M.V'ido, welche von Werfel mit gewaltiger Wucht und Kühnheit der Darstcllungskraft gestaltet ist. Mit derselben bildhaften Eindringlichkeit 'zeichnet der Dichter die Vision vom Jeremias das Jeremias-Budi von Josef Kastcin ״Taumelbecher", das Ist ein Becher blutigdunklen Weine», den Jeremias den symbolischen Gestalten der antiken Nationen im Traume überreicht. Die Nationen sind in den Formen heraldischer Wappentiere (also als Löwe, Pardel, Adler, Bär usw.) verkörpert, und der Trunk Weines läßt sie vor Schmerz der inneren Wandlung stöhnend aufbrüllen, Denn durch diesen Trunk schrumpft das Tierische in ihnen ein, dasjenige, was sic voneinander so sinnfällig geschieden hat, und — das gemeinsam Menschliche dringt unter ungeheuren Wehen vor. Diesem Leitgedanken: der Wegbereitung des Menschentums durch den Geist des Propheten, dient auch die symbolische Gestalt des heidnischen Mädchens Zenua (d. h. die ״Keusche“), welche uns der Dichter als Braut des Propheten während dessen ersten ägyptischen Exils vor Augen führt. Jeremia hat Josias jüngere Söhne nach Aegypten begleitet, wo sie von Pharao in königlicher Gefangenschaft gehalten wurden. Dort lernt Jeremia die junge, halb-jüdische Heidin kennen, bekehrt sie zu Gott und verliert sie bald danach durch den Tod, da die zarte Seele der jungen Zenua den Zwiespalt zwischen ihrem alten und dem neuen Glauben nicht bewältigen kann. E)a fällt Jeremia in ungeheurem Hader von Gott ab und begibt sich in das Totenreich des Osiris — eine Vision in der Vision, In der tiefsten Tiefe der ewigen Nacht aber findet er, unzerstört und unzerstörbar, die reine Seele wieder, welche — Symbol der harrenden Seele aller Völker — für die Zeit der Qottcserkenntnis aufgespart bleibt. Eine ähnliche Vision wird in Werfels ungeheuer phantastischer Darstellung dem Proplicten später in seinem zweiten kurzen Exil in Babylon zuteil, wo er in Begleitung des königlichen Josia-Enkels Jechonja nach der ersten Eroberung Jerusalems durch Ncbukadnezar — 10 Jahre vor der Zerstörung des Tempels — inmitten des Trubels der jungen Großmacht mit Ihren ungeheuren Hochbauten und menschenwinimelnden Straßen weilt (ein Anklang an das heutige Amerika) und das letzte Mysterium des babylonischen Sfcrnenktilts in der ״Schieksalskammer“ erfährt. Gerade aber angesichts der geheimnisvoll anlockenden und vorführenden Kulte von Aegypten und Babel drängt sich immer wieder das unbeirrbare Bekennerwort ״Der Ewige ist einzig“ auf die Lippen des Propheten. Oewaltig und bedrückend zugleich sind die nun folgenden Kapitel, die von dem jüngsten der Josiasühne, dem letzten König von Juda, Zidkiah, handeln, von seinem Trotz, seinem Verzweiflungskämpfe, seiner Hinwendung und seiner Abkehr vom Propheten Gottes, von den letzten Tagen und dem Falle Jerusalems. Fürchterlich und gewaltig zugleich die tragische Täuschung des Königs, der in einen Hinterhalt gerät und in furchtbarem Gericht genlendet wird — m!n erst sehend nach aller Verblendung. Und dann, da Jirmijahu vor seiner letzten Ausreise zu den Ueberlebenden des Volkes noch einmal das Aeußerste wagt und in die unbetretbare innere Kammer des geschändeten und zerstörten Heiligtums zurückkehrt, einen wahren ״Aeserweg“ hindurch — da wird ihm jenseits des modernden Fleisches das Geheimnis des ewigen Lebens zuteil. Jauchzender als durch die rosenfarbenen Blüten des Mandelbamns offenbart sich dem, der alles Leiden überwunden hat, hier ״Gottes Freude“. Gewiß ist auch manch übersteigerte Symbolik In Werfels Buch, es gibt überladene Bilder (wie die vom Sternenpalast in Babel mit seinen Planetenaitären und dem übermäßigen Gezwitscher der Seelenvögel), Dazwischen ragc-n in ihrer Kargheit und Größe die der echten Jereinla-Rolle entnommenen Gleichnisse, wie das vom ״Ton in Töpfers Hand“ oder das vom ״zerschmetterten Kruge“. Etwas mehr Sparsamkeit, etwas weniger Glcichnispracht hätte man oft vom Dichter erbeten. Die Sprache erdrückt bisweilen — aber das Thema Jeremias ist auch weder freundlich noch allegorisch-lieblich. Es zerschmettert — und tröstet doch durch den unbedingten Glauben an die Erhebung im Geiste, es ״reißt nieder und zerstört“, wie cs in einem der berühmtesten Worte Jirmijaiuis heißt, dem freilich die aufiichtende Zusicherung unmittelbar nachfolgt: ״um zu bauen und zu pflanzen“. — Die Erfüllung unseres Bewußtseins mit dem Geiste einer der größten prophetischcn Gestatten unserer Geschichte haben wir beiden Autoren zu danken. ״r M a r t h a H o f m a n ״, Wien Jizdwk Lamdnn kam aus den Wäldern der Ukraine, deren grüne Schatten manchmal noch durch seine frühen Gedichte ziehen. Aber seit fast zwanzig Jahren schon lebt er in Erez Israel und hat sein Leben und seine Kunst ganz und gar der Sache des Volkes und des Landes geweiht. Unter großen materiellen Schwierigkeiten gibt er die interessante Monatsschrift ״Giljonoth“ heraus, wo von Zeit zu Zeit seine eigenen gedankenreichen Aufsätze erscheinen. Sein großes Gedicht ״Massada“ hat man In Petach Tikwali kürzlich dramatisiert und aufgeführt. Von seinen Gedichten brachte die kürzlich erschienene Anthologie dm• neue״ hebräischen Dichtung (מבחר השירה העברית התדשח von Ascher Barasch, Verlag Schocken, Jerusalem) manche bezeichnende Proben, Ihr entstammt auch das hier übertragene Gedicht. B. B. St. Jisrnel / Von Jlrehak Lamdan I 1 u t tu t Dir 1 / 1 n M״r cn — dann!יי b ich allen zurück Und wieder N'crlit — alle in hin ich — und wieder naht (irr Hern [Uebertragen von Bertha Badt-StraußJ Ein neuer Herzl-Kupfcrstich. Der Dresdener Kupferstecher Gurt itepner hat einen 1 lerzl-Kupferstich geschaffen, der in einem sehr geschmackvollen und von Herzl-Aussprüclien au»ge(üllten Rahmen gehalten ist. Anläßlich des 30jHhrlgen Bestehens des Maccabf Prag gab die Cellistin Regina Schein in Prag Ihr zweite* Cellokonzert. Das Programm umfaßte Werke Beethovens und Schuberts sowie Kompositionen der jüdischen Komponisten Achron und Stutschewsky, Jüdische Jugend Günter Frlcdländers Jüdische Jugend zwischen Gestern und Morgen. — Vortrupp, Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938. ln dieser Broschüre erörtert Günter Friedländer die Probleme der jüdischen Jugend in Deutschland, insbesondere der Schicht der Schulentlassenen. Das Bild, das er entrollt, ist ein äußerst trübes, denn er glaubt, daß die große Mehrheit der jüdischen Jugend einem völligen gesellschaftlichen, geistigen und moralischen Verfall entgegengeht. Die Schilderung, die Friedländer von dem Raum, in dem die jüdische Jugend lebt, und von den Problemen ihrer Raumlosigkcit gibt, ist sicher für gewisse Teile der Jugend, besonders in den Großgemeinden zutreffend, und insofern weist die Broschüre auf eine drohende Gefahr hin. Friedländer scheint aber . lieh behüteter Jugendlicher, als Friedländer annimmt, deren Bildung*- und Berufsweg vom Elternhaus reguliert wird und die wenigstens in gewissen Grenzen ein von Werten bestimmtes Leben anstreben. Auf der anderen Seite ist die Zahl der in den Jugend- und Sportbünden sowie in den Hachscharah- Organisationen erfaßten Jugendlichen, die in der Hauptsache ihre berufliche und lebensmäßige Ausrichtung auf Palästina einstellen, ebenfalls erheblich größer, als Friedländer glaubt. Und so groß auch die Schwierigkeiten der Jugcnabünde infolge Ihres Führermangels auf Grund der dauernden Ab- Wanderung ihrer leitenden Menschen lind, sie stellen dennoch auch heute den wichtigsten Faktor Innerhalb der jüdischen Jugend Deutschlands dar und sind für die Jugend weitgehend repräsentativ. So ergibt es sieh, daß die beiden positiv zu wertenden Gruppen der jüdischen Jugend quantitativ weit bedeutsamer sind, als es ln dieser Broschüre dargestellt wird. Dennoch bleibt ein Rest von Jugendlichen, für den die Darstellung Friedländers zutreffen mag. Eine Antwort auf die hierbei auftauchenden Fragen will Frii-dl.'indcr in dieser Bioschiirc nicht gehen. Uns scheint, daß sie einzig auf dem Wege liegen kann, der sich zwanggläufig aus der Wcrtelosigkeit der bisherigen Lebensvorstellungen dieser Jugendkreise ergibt, und das Ist, menschliche und jüdische Werte und Ideale ihnen einzupflanzen und den richtigen pädagogischen Weg zu finden, der dies möglich macht. Hier liegt eine große Aufgabe national -jüdischer Erziehung Innerhalb der jungen Generation vor uns. Ihre Aufgabe ist es, weitere Teile der jungen Qeneratian für ihren kommenden Lebenskampf wirklich reif zu machen und sie so derjenigen Gruppe der jüdischen Jugend aus Deutschland einzugliedern, die draußen in der Welt, in Pallstina wie auch in anderen Ländern, als arbeitende Auswanderer bewiesen hat, daß sie ihren Mann zu stehen weiß und ein wertvolles Glied des jüdischen Volk« bildet. ׳—n.