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Jüdische Rundschau · 1938-03-08 · Heft 19 (8.3.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 19 (8.3.1938)
Date
1938-03-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 19 8 III 1938 JODISCHF RUNDSCHAU Seite 3 IN ALLER KURZE Das neue lettische Gesetz über die Beteiligung des Staates an wirtschaftlichen Unternehmungen, bei denen dies im Stantsintcresse liegt, berührt stark die Lebensverhältnisse der lettischen Juden, da das Gesetz eine Tendenz der Lettisierung der Wirtschaft enthält. Es sind bereits eine Anzahl jüdischer Fabrikanten veranlaflt worden, ihre Unternehmungen aufzugeben. Die Warschauer A e r z t e - O r gan i s a t i on hat beschlossen, den Arierparagraphen einzufünren. Sic hat ferner eine Resolution angenommen, die den Numerus nul'us für jüdische Medizinstudenten an der Warschauer Universität enthält. Der Termin für die Einreichung der Dokumente zwecks Nachprüfung der rumänischen Staatsbürgerschaft wurde bis zum 1. April hinausgeschoben. Zur Ablegung des Eides auf die neue rumänische Verfassung sind diejenigen Anwälte, die von den Anwaltskammern endgültig oder vorläufig von der Anwaltsliste gestrichen worden sind, nicht zugelassen worden. Die jugoslawische Regierungspa r.t ei ließ bei einer Konferenz Belgrader Juden durch ihr Mitglied, den Vizebürgermeister von Belgrad, M. Tocodrovic, versichern, daß die Regierungspartei keinerlei antijüdische Strömungen unterstütze. Von offizieller italienischer Seite wurden Gerüchte, wonach Italien kolonisatorische Erleichterungen für Juden in Abessinien angeboten habe, als Phantasien bezeichnet. Der zweite Kongreß des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens wird in Rom am 21. und 22. März stattfinden. Bei der Mctallgesellschaft AG. in Frankfurt am Main legte der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Dr. K. Merton sein Amt nieder, mit ihm verließ der frühere Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft Dr. O. Jeidels den Aufsichtsrat. Aus dem Vorstand schied zur gleichen Zeit K. Erlanger aus. Nunmehr befinden sich im Aufsichtsrate und im Vorstände der Metailgesellschaft keine Juden mehr. Im Kreis Garmisch-Partenkirchen haben samtliehe Bürgermeister eine Erklärung erlassen, in der es die Gemeinden ablehnen, Aufträge an Firmen zu erteilen, die mit Juden in Verbindung stehen. Weiter wurden von den Gemeinden die Kurvcrcine und Fremdenverkehrsvereine darauf hingewiesen, an Häuser, die Juden aufnehmen, keine Gäste mehr zuzuteilen. Im Radiumbad Oberschlema werden künftig an Juden keine Kurmittel mehr verabfolgt werden. In München war durch eine Anordnung der Stadt- Verwaltung den Juden schon bisher der Zutritt zu den Sommerbadeanstalten und dem Müllerschen Volksbad verboten. Dieses Verbot ist nunmehr auch auf die städtischen Brause- und Wannenbäder ausgedehnt worden, so daß den Juden die Benutzung sämtlicher städtischer Badeanstalten verboten ist. Senator Justin Godart gab in Paris einen Empfang für die Komitee-Mitglieder des Palästina-Pavillons bei der Pariser Weltausstellung. Der bekannte jüdische Sozialarbeiter Sabatino Lopez in Mailand beging den 70. Geburtstag. In Wien starb Arnold Bakay, der Gründer und erste Präsident des Internationalen Musikerverbandes. Auf einer Reise starb in Kapstadt Schalom Schwartzbard, der ukrainische Jude, der den Attaman Petljura in Paris im Jahre 1926 getötet hatte. Franz Kafkas Werke in Uebersetzungen. Wie wir erfahren, sind Werke Franz Kafkas in letzter Zeit in mehrere Sprachen übersetzt worden. Der Roman ״'Amerika’‘ wurde von Routledge and Sons (London) erworben, nachdem schon vor mehreren Monaten ״Der Prozeß“ bei Gollancy (London) und Knopf (New York) hcrauskam. In literarischen Magazinen Englands und Amerikas erscheinen zahlreiche kleine Erzählungen Kafkas, ebenso in ״Bonniers Literäre Magasin“ (Stockholm). Die Pariser surrealistische Revue ״Minotaure“ reklamiert Kafka als einen der ihren, bringt Kafkas ״Sorge des Hausvaters“. In Buchform erscheinen sukzessive samtliehe Werke Kafkas französisch bei Gallimard (Paris), ebenda Max Brods Kafka-Biographie. Ein Zeichen des außerordentliehen Interesses ist es, daß sogar Kafkas ,^Tagebücher und Briefe“ (Band VI der Gesamtausgabe) bereits einen fratizösischen Verleger gefunden haben (Grasset) und daß ein Buch Kafkas spanisch in Buenos Aires erscheint. Der norwegische Ingenieur Albert Hiorth, über dessen Vortrag in Oslo, dem auch König Haakon beiwohnte, wir kürzlich berichteten, hat seine Gedanken über die technische Durchführung einer großen Bewässerung in Palästina und Syrien in einem kleinen Privatdruck in englischer Sprache zusammengefaßt, den er einer Reihe von offiziellen Stellen, darunter auch dem englischen Koloniahninister und den Gesandtschaften der intercssierten orientalischen Staaten in London, vorgelegt hat. Die interessante Eigenart der Pläne von Ingenieur Hiorth besteht darin, daß er an die biblischen Prop h e t e n anknüpft und aus diesen Büchern eine große Menge von Anregungen schöpft, nicht nur in bezug auf spirituelle Dinge, sondern in ganz konkreten technischen und kolonisatorischen Angelegenheiten. Eine der Grundideen von Ing. Hiorth ist die Verwertung der Wasser des Orontes in Syrien, jenseits der Nordgrenze Palästinas, die er durch einen Tunnel in das Jordantal leiten will. Die Kosten des aufzuführenden Stauwerkes und der Tunnels würden sich, wie er meint, mit Leichtigkeit durch die erzeugte elektrische Kraft bezahlt machen. Anschließend werden noch eine ganze Reihe von anderen Bewässerungsprojekten und Sicdlungsprojekten entwickelt, vor allem auch eine Regulierung des Euphrat- Gebietes, 220 000 qkm umfassend, das durch entsprechende technische Eingriffe so bewohnbar gemacht werden kann, daß es wieder die alte Dichtigkeit seiner Bevölkerung wie zu biblischen Zeiten erreicht. Die mit vielen Bibelzitaten belegten Ideen Hiorths machen durch ihre Kühnheit und ihren Gedankenreichtum einen tiefen Eindruck. Wirkung: der Unentschlossenheit Zu zwei englischen Büchern H. J. Simson: ״British Rule, and Rebellion“. (Verlag: William Blackwood & Sons Ltd., Edinburgh and London 1937.) Herbert Sidebotham: ״Great Britain and Palestine“. (Verlag: Macmillan and Co., Limited, London 1937,) Die Irrtiimer der englischen Verwaltung in Palästina sind bisher niemals so überzeugend dargestellt worden, wie in dem Buche von H. J. Simson, das nur indirekt der Palästina-Frage gewidmet ist. Der Hauntzwcck des Buches ist es, dem englischen Leser gewisse Begriffe von ,,Regieren" wieder geläufig zu machen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte infolge eines mißverstandenen Liberalismus abhandengekommen sind. Die Tatsache, daß britische Herrschaft überall mit dem Gedanken verbunden ist, die Bevölkerung zur Selbst- Verwaltung zu erziehen, hat dazu geführt, daß die beherrschten Völker diesen Anspruch auf Selbstverwaltung mit Beschleunigung durchsetzen wollen, ungeachtet der anderen Verpflichtungen, die England zu berücksichtigen hat. Als Methode für diese Erlangung der Selbstverwaltung ist eine kriegsähnliche Empörung gegen die Regierung üblich geworden, die der Verfasser mit einem charakteristischen Wort ״Unter-Krieg‘‘ (״sub-war“) nennt. Diese Form des Krieges, der kein wirklicher ist, stellt die Engländer offenbar vor unlösbare Probleme, weil der Fall sozusagen nicht vorgesehen ist: Weder ist es ein wirklicher Krieg, bei dem man Militärgewalt bis zum letzten einzuset/.en hat, noch ist es eine zivile Unhotmäßigkeit, bei der die Mittel der Polizei und Gerichtsbarkeit zur Abwehr genügen würden. Dazu kommt noch, daß viele Leute mit den Zielen der Rebellen sympathisieren. Die Folge ist eine Haltung der Unentschlossenheit und Schwäche, die dem Gegner schließlich das Gefühl gibt, daß er durch Gewalt alles erreichen kann. Ein solches Gefühl aber bedeutet das Ende aller bürgerlichen Ordnung. Das Musterbeispiel eines solchen Unter-Krieges, wahrscheinlich zugleich das Vorbild für alle unzufriedenen Völker innerhalb des englischen Reiches, war Irland. Die irischen Methoden wurden anderswo nachgeahmt, und das letzte Beispiel ist Palästina. Als ein Mittel gegen die Rebellion wird die Verhängung des Kriegsrechtes bezeichnet, aber auch liier müsse man unterscheiden zwischen dem echten Kriegsrecht, das die absolute Willkiirhcrrschaft des Militärherrschcrs ist, und dem bedingten, aut Gesetzesvorschriit beruhenden Kriegsrecht, das ein sehr komplizierter Mechanismus ist und darunter leidet, daß immer nur die Sache abgeurteilt werden kann, die in der betreffenden Verordnung vorgesehen war, während im übrigen die ganze Bevölkerung ihr Leben weiter lebt wie im Friedenszustand. In einer modernen Rebellion, die das ganze Volk ergreift, sind aber die reinen Akte des Aufstandes von der übrigen Tätigkeit und Bewegung der Bevölkerung nicht zu trennen! Wer einen Aufstand bekämpfen will, so sagt Simson, kann nicht warten, bis die Führer aut der anderen Seite sich der Uebertretung einer bestimmten Verordnung deutlich schuldig machen. Er muß vielmehr seihst die Initiative ergreifen. Es ist auch ein Irrtum, sich auf die Besetzung einiger wichtiger Verkehrspunkte zu beschränken und im übrigen das Land sich selbst zu überlassen. Vielmehr müßte das Land Stück für Stück wieder unter die Gewalt der Ordnungsinacht gebracht werden. Die vier Gewalten: Militär, Verwaltung, Polizei und Gerichtswesen müssen, wenn sie schon nicht in einer Hand vereinigt sind, zuverlässig zusammenarbeiten mit dem klaren Ziel, die Ordnung wiederherzusteilen. Die' Schwierigkeiten der Vergangenheit ergehen sich aus dem Mangel eines schnellen Ztigreifens der vereinigten vier Gewalten oder gar aus deren Gegeneinander. Das schlimmste aber ist, so fährt der Verfasser fort, daß England hei der Behandlung solcher Aufstände so etwas wie Waffen- Stillstand und Kompromiß überhaupt zuläßt und dadurch nur zu weiteren Gewalttaten ermutigt, da der Gegner den Eindruck hat, daß England den Angreifern Konzessionen macht. Wenn die Zivilgewalt nicht darauf besteht, daß jede Oewalttat eingestellt werden muß, bevor über Beschwerden verhandelt wird, dann ist es für Polizei und Militär vergebliches Bemühen, eine Wiederherstellung der Ruhe erreichen zu wollen. Per ״Unter-Krieg“ wird ein schleichendes Uebel. Während der erste Teil des Buches diese Anschauungen als allgemeine Regeln diskutiert, befallt sich der zweite Teil ausführlich mit dem palästinensischen Aufstand des Jahres 1936. England, so meint der Verfasser (übrigens offenbar ein Nichtjude), muß die Gefahr von inneren Wirren in Palästina vorhergesehen haben. Balfour selbst, der die bekannte Deklaration gab, batte eine große Erfahrung in Irland, und die Deklaration kam im Jahre 1917, ein Jahr nach dem großen Aufstand in Irland. Aber als 1918 Palästina erobert wurde, hat die Heeresleitung ganz unnötigerweise eine Deklaration an die Araber erlassen, daß Englands einzige Sorge sei, mit ״ihrer Hilfe und Unterstützung Regierungen cinzusetzen, die von der Bevölkerung selbst gewählt sind“. ״Wir leiden“, so bemerkt Simson hierzu, ״an zu vielen Deklarationen, sie hindern das Regieren eher, als sie es erleichtern.“ Der Verfasser betont auch, daß die Juden vollständig berechtigt waren, eine volle Unterstützung von England zu erwarten, denn England tat alles, um sie in ihrem politischen Glauben zu bestärken: nach der Balfour-Deklaration kam die Ernennung der Zionist Commission, dann 1920 die Ernennung eines Juden zum High Commissioner, und so ging es weiter bis zu der gewaltigen Einwanderung 1933—1935. England hat nicht verstanden, daß es unmöglich ist, Einwohn er eines Landes zur Selbstregicrimg zu erziehen, wenn sie einander so hassen, daß keiner au die Unparteilichkeit eines der anderen Nationalität angeliorendeii Beamten glaubt. England hat nicht die für einen Herrscher unerläßliche f ällig* keit besessen, mit Entschiedenheit ״nein“ zu sagen. Dabei war die Form der Regierung in Palästina geradezu ideal für den Zweck geeignet, denn der High Commissioner hatte unbegrenzte Macht. Aber die Regierung ließ zu, daß sich innerhalb von Palästina N e b c n regier u n g e n bildeten; der Verfasser hält sogar die Jcwish Agency, deren Haupt* quartier in Jerusalem weit besser gelegen sei als der Regierungssitz, für den mächtigsten Faktor im Lande. Auf der anderen Seite stand die Regierung des Mufti. Bei jedem der vier Aufstände der 15 Jahre erwies sich die Schuld des Mufti, trotzdem blich er in Amt und Würde. Im einzelnen führt dann der Verfasser an, wie die Regierung ungesetzliche Handlungen zuließ, ein oder beide Augen zudrückte und nur nach außen den Schein zu wahren strebte. Bei jeder Unbotnüißigkcit wurde versucht, durch Entgegenkommen eine Ver* Sühnung herbeizufiihren, was aber stets mißlang. Ls kam dann zu dem Aufstand von 1936 und der geradezu imbegreifliehen Unfähigkeit der Administration, diesen Aufstand niederzuschlagen. Die einzelnen Phasen der Versäumnisse werden von Simson klar aufgedeckt. Fs wird gezeigt, daß die rebellierenden Araber nicht an den Ernst des Willens der Regierung glauben konnten. Schließlich wird die Komödie der Verhandlungen, des sogenannten Waffenstillstandes und des ehrenvollen Abzuges der aufständischen Truppen unter Fauzi geschildert. Aber noch nach dem Ende des Streiks im Oktober 1936 unterließ es die Regiirimg, klare Bedingungen zu stellen, sie ließ den Mufti im Amt. sie tat nichts zur Entwaffnung der Bevölkerung, sie gab den Arabern das Gefühl, daß sic Zugeständnisse erreicht haben und ließ es zu, daß sie wieder eine offene revolutionäre Propaganda entfaitetcii. Der Verfasser, dessen Buch im Sommer 1937 abge* schlossen ist und der daher die Verbannung der arabischen Führer nach dem Andrews-Mord am 1. Oktober meht mehr einbezieht (was aber an seinem Urteil init Recht sicher nichts geändert hätte), kommt zu dem Ergebnis, daß die britischen Regierungsmefhoden up to date gebracht (zeitgemäß gemacht) werden müssen. ״Unsere Methoden, mit einem modernen Aufstand fertig/uwerden, sind geradezu komisch“, sagt er. England müsse endlich einsehen, daß mau in der heutigen Weit mit einer solchen Mischung von Nach geben und Nichtstun nicht regieren könne und müsse seine Politik in dieser Hinsicht vöTlig um stellen. Die Fehler und Versäumnisse der palästinensischen Verwaltung werden auch in dem Buche von Sidebotham scharf kritisiert. Sidebotham ist einer der ältesten Pro-Zionisten in England. Im Jahre 1615 bereits hat er, damals Redakteur des ״Manchester Guardian“, in einem Artikel dieser Zeitung sieh für die Gründung eines ״jüdischen Puffer- Staates“ in Palästina zum künftigen Schutze Aegyptens eingesetzt. Der Artikel war der Ausgangspunkt einer politischen Tätigkeit, die ihr Zentrum in dem ״britischen Palästina-Komitee“ iii Manchester hatte, in dem Sidebotham die zentrale Figur war. Dr. Weizmann war damals Universitätsprofessor in Manchester, und es gab einen kleinen Kreis von zionistisehen Freunden, alles damals Männer unter 30, die den kühnen Plan faßten, die englische Regierung für eine Rcalisicrung des Zionismus zu gewinnen. Es waren dies vor allem Simon Marks, Israel Sieff und Harry Sacher, die später durch Heirat alle miteinander verschwägert wurden. Sidebotham erzählt die Geschichte dieses Komitees und seiner Bestrebungen; auch die Zeitschrift ״Palestine“, die in der Nachkriegszeit eingestellt, aber vor einigen Jahren wieder erneuert wurde, ist zur Propagierung der Ideen des Komitees damals während des Krieges herausgegeben worden. Sidebotham ist ein überzeugter Anhänger des Gedankens der Solidarität zwischen England und dem Zionismus in bezug auf die Politik im Nahen Osten. Er vertritt diese Linie konsequent seit mein־ als 20 laliren und auch das vorliegende Buch ist im wesentlichen ihrer Propaganda gewidmet. Ausgehend von den Verhandlungen während des Krieges beschreibt der Verfasser in diesem im wesentlichen für die englische Oeffentlichkcit geschriebenen Ruch die jüdische Aufhauarbeit dm letzten zwanzig Jahre, für die er die größte Bewunderung hat, und geht dann über zu einer Darstellung des britischen Anteils an der Entwicklung Palästinas, den er sehr kritisch beurteilt. Schließlich erörtert er die Vorschläge der Peel-Kommission und spricht sich für den Teilungsverschlag aus unter der Voraussetzung, daß die Grenz- Ziehung eine entsptechende Ausdehnung des jüdischen Staates gestattet. In dieser sowie mancher anderen Frage der Palüstinn-Politik hängt freilich vieles von der Beurteilung von Einzelheiten ah, bei der nicht jeder Leser mit Sidebotham übereinstiiiimen durlte. Die Vorteile der Teilung gegenüber der Aufrechterhaltung des Mandates sieht er /. B. darin, daß nacli seiner Meinung in den ]Liebsten fünf Jahren unter Mandat nicht mehr als 601)00 Menschen einw,andern würden, im Falle der Teilung aber iO.MKr! bis 500 IKK). Wie immer dem sei, Sidebothams Buch wird gewiß dazu beitragen, das Bewußfsein der Bedeutung Palästinas für England in der engljschen Oeffentlichkcit zu verstärken und die Rolle, die die Juden im neuen Orient der Zukunft spielen müssen, ais einen entscheidenden Faktor für die englische Politik begreifen zu lassen. f. Bruno Walter bleibt in Wien Der bekannte Dirigent Bruno Walter, der im ahre 1036 gleichzeitig mit der Bestellung Dr. Kerbers zum Direktor der Wiener Staatsoper als k ii n s 11 e r i s c 11 e r Berater ins Opernhaus berufen wurde, war in dieser Eigenschaft für zwei Jahre verpflichtet worden. Die osterreicliisclie Unterrichtsverwaltung hat mm in den letzten Tagen den Vertrag mit dem Künstler tim weitere drei Jahre bis 1911 verlängert. Walter wird auch im kammenden Sommer in Salzburg tätig sein. In der letzten Woche erst ist Walter in der Staatsoper mit der Neuemstudierung von Smetanas ״Da I i ho r“ ein großer Wurf gelungen. Der von Walter geleiteten Premiere wohnten Bundeskanzler Dr. Sc!1 11 s e 11 n i g g, der als Gast in Wien wii'eude Prager Unterrichtsminister I)r. Franke, sowie der österreichische Kultusminister Dr. Pernter bei. Die Regie dieser Neuinszenierung hatte der Oberregisseur der Staatsoper, Regierungsrat Dr. Lothar Wallerstein inne. Die Zahl der jüdischen Anwälte. Eine Uebersicht der Reichs-Reclitsauwaltskammer über die zahlenmäßige Entwichlung der Anwaltschaft im Jahre 1937 ergibt, daß die Gesamtzahl der Anwälte, die am 1. Januar 1937 18 002 betrug, am 1. Januar 1938 aut 17 3(10 zurückgegangen ist, und von diesen letzteren Anwälten 1 7 5 3 jüdisch sind, tm Bezirk Berlin sind am 1. Januar 1938 von 2718 Anwälten 761 jüdisch gewesen, in Breslau von 938 155, in Frankfurt a. M. von 435 102, in Hamburg von 902 72. Nachweis arischer Textilvertreter. Die Fadnmtergriippe Textilerzeugung der Fachgruppe Handelsvertreter und Handelsmaklcr hat, um den Umsfelluiigsbestrebungen arischer Textilunternchniungen Rechnung zu tragen, seit einem Jahre einen Nachweis d e u t s c 11 s t ii 111 m i g e r Handels- Vertreter eingerichtet. Dieser Nachweis, der nach den Adefa-Beschlüsscn vom 15. November 1937 besondere Bedeutung erlangt hat, wird von der Industrie rege benützt. Dr. Georg Josephthal zu ״Fünf Jahre Hilfe und Aufbau“. Bcrufspr 01111 kt 1 Vierung, Aus wandertingslen kling, jüdische Erziehungs- und Bildungsarbcit und Winterhilfswerk waren die Pfeiler der jüdischen Gemeinschaftsarbeit der letzten fünf Jahre. Zu ihnen tritt mit der wachsenden Liquidation die Fürsorge für unsere Alten. Mehr Menschen sind auf uns angewiesen, die Gebenden sind weniger geworden. Es ist unsere Ehrenpflicht, diesen Prozeß mit Würde und Umsicht zu meistern. Der Zentralausschuß als Träger der Planung hat es vermocht, unserem Schicksal einen' Sinn zu geben. Daß wir vor uns und vor der Geschichte in Ehren bestehen können, ist von dem Werk von ״Hilfe und Aufbau“ abhängig. Mögen die Juden in Deutschland wach bleiben gegenüber ihren Pflichten, spürbare Opfer bringen gegenüber ihrer Gemeinschaft und sich dadurch die persönliche Erfüllung verschaffen, die wir nur auf diesem Lebensgebiet heute finden können. Der jüdische Philosoph Dr. Jakob Fromer starb in Prcßburg im Alter von 72 Jahren. Von ihm stammt u. a. eine deutsche Uebersetzung von Teilen des babylonischen Talmuds.

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