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Jüdische Rundschau · 1938-03-04 · Heft 18 (4.3.1938) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 18 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 4 ו JÜDISCHE RUNDSCHAU״ Nr. 18 4 III. 1938 Siedlungen entstehen Ptivaibriefe von Juden aus Deutschland /lws Briefen, die aus Palästina an Angehörige und Freunde nach Deutschland geschrieben wurden, bringen wir nachstehend einige charakteristische Abschnitte zum Abdruck. Sie geben ein Bild von der äußeren und inneren Umstellung dieser Juden und zeigen, daß trotz aller Schwere der Arbeit und trotz ungünstiger Momente diese Menschen ihr neues Lebert bejahen — eine Hoffnung für eine bessere Zukunft unseres Volkes. Wir haben den privaten Stil der Briefe unverändert gelassen. (Red.) Nach vier Monaten Aus einem Schreiben von A. A. (Kfar Hanoar Hadati, früher Berlin) an seine in Deutschland wohnende Mutter. ...Du hast verschiedentlich nach Tirath Z w i*) gefragt, so will ich dir einiges von dort erzählen, denn ich bin schon zweimal dort gewesen. Das erstemal war ich mit dabei, als ״Kibbuscli hamakom“ (die Besetzung des Ortes) gemacht wurde, das haben wir dir doch wohl berichtet. Ich habe also noch in Erinnerung, wie verwahrlost und dreckig alles war, wie die Mauern des Khan, in dem die Siedlung wohnt, eingefallen waren, die Wände der Zimmer ohne Kalkbewurf, die Türen aus den Angeln gefallen und die Fenster vom Staub der Jahre blind waren. — Jetzt war ich nach etwa vier Monaten wieder dort und fand alles kaum wieder erkennbar vor. Die Mauern sind alle ausgebessert und von innen mit doppelten Holrwänden, in denen Schottersteine sind, so daß sie kugelfest sind, verkleidet. Die Quelle, die am Khan vorbeiläuft, schon zum Teil gefaßt, ein großes Badebecken angelegt, in das das Wasser aus halber Mannshöhe hinein fließt, so daß man sich daruntersetzen und eine Naturdusche nehmen kann. Im Hof stellen zwei große neue Holzhäuser (Zrifim), je fünf Zimmer für je vier Personen, in einer Ecke eine große Sukka, die jetzt noch als Speiseraum für alle dient. Ein großer Frigidaire wird von eigenem Motor, der auch das elektrische Licht gibt, betrieben, so daß sie kaltes Wasser und Gelegenheit, ihre Speisen gut aufzubewahren, haben, und ihr Stolz, eine richtige, gekachelte Mikwa, die etwa 15 Stufen tief ist und in die das Wasser direkt aus dein Flüßchen hineinfließt. Und dann die Felder und der Garten und der Pardeß! Vor vier Monaten alles wiist und öde, mannshohe Disteln überall, z. T. versumpft, da der kleine Muß sich manchmal ein neues Bett sucht und einfach über das Feld weiterläuft. Nichts unter Kultur, alles nur brauchbar für Schaf- und Ziepenweide. Und jetzt — Hunderte von Dun,am durch den Traktor bearbeitet, Wasser zu den Fel- (lern in Gräben ztigeleitet, so daß sie regulär täglich bewässert werden, die Felder mit Griinfutter bestellt, das schon bald schnittreif ist, die Gärten mit allerlei Gemüsen besetzt, von dem der Kibbuz, schon ißt und die auch schon auf den Markt kominen, alles Sachen, die anderswo entweder nicht mehr oder noch nicht gereift sind. Und ein Pardeß war da, den der Vorhedtzer seit fahren angelegt, aber völlig vernachlässigt hatte. Jetzt sind alle Bäume neu gepflegt, z, T. neu veredelt, beschnitten und die Obstfelder vom wuchernden Unkraut betreit, die Bewässerung hineingeleitet — kurz, alles ist in Kultur und verspricht, herrlich zu gedeihen. Denn das Klima ist wie in einem Wintergarten. Wenn man Wasser geregelt zuführt, wächst es einem unter der Hand, während man zuguckt. Im Sommer war es gehörig heiß, denn das ganze Oebict liegt etwa 200 m unter dem Meeresspiegel, 2 km vom Jordan entfernt. Eine wundervolle Gegend, auf der einen Seite, nach Osten, sieht man die transjordanischen Berge, nach Norden zu steht groß und deutlich der schneebedeckte Hermon, nach Westen die Ausläufer des Gilboagebirges, da wo die Berge Efraim anfangen und eine so klare Luft, daß alles aussieht, als wäre es zum Greifen nahe. Jetzt ist die starke Hitze vorbei, tagsüber so etwa 25—30 Grad im Schatten, also angenehm kühl und nachts kühlt es sich tüchtig■ ab. Die Malariasaison ist vorbei und schon in der letzten Zeit, als sie noch nicht vorbei war, hatte man kaum noch Malariafälle, da man schon allerlei dagegen getan hat und vor allem sehr vorsichtig geworden ist mit Kleidung und Moskitonetzen und Verbot, sich abends ins Freie zu setzen. Daß sie soviel Wasser haben, ist ein Segen für sie, wenn sie es nati'rlich auch erst unter ihre Botmäßigkeit bringen müssen, daß es ihnen nicht die Böden versumpft und Fieber bringt. Aber laß den Winter mal vorüber sein und sie werden so viel Neues geschaffen haben, daß man es nicht mehr erkennen kann, wenn man wiederkommt. Natürlich arbeiten sie wie die Wilden, es gibt keinen 8-Stundcn-Tag, denn es soll doch alles fertig werden und wenn man abends nach Hause kommt, gibt cs noch Besprechungen und Schiuriin und arabische Stunden und allerlei sonst Wichtiges. So ist mein Sohn Efraim jetzt der Redakteur der Lagerzeitung geworden. Du fragst, Mutter, ob er das auf Deutsch macht? l aß dir erzählen, daß Efraim zu den konsequentesten Hebrarsten gehört, der überhaupt nicht anders als hebräisch spricht, auch mit mir hat er kaum ein Wort anders als hebräisch gesprochen und wenn er uns schreibt, so ist es auch *) Der Aufbau der neuen religiösen Siedlung Tirath Zwi im Jordantal wird in dem neuesten Kurzfilm des Keren Hajessod gezeigt. Vor einigen Tagen wurde ein arabischer Angriff von den Siedlern erfolgreich abgewehrt. — Red. stets Iwrith, so daß sogar seine Mutter sich veranlaßt fühlt, ihm so zu antworten. Er ist ein tüchtiger Landarbeiter, der mit Begeisterung seinen Acker bestellt, mit Kühen hat er äugenblicklich nients zu tun, aber abends arbeitet er dauernd, entweder arabisch oder hebräisch oder auch Gcmara. Er hat uns jetzt gebeten, ihm das Dalmann-Wörterbuch zu schicken, da er es zur Gemara gut gebrauchen kann. Glaubst du nicht auch, daß sein Großvater sich freuen würde, wenn er wüßte, daß sein Dalmann in den Kibbuz wandert, auch wenn er, was anzunehmen ist, dort nicht so lange so gut ausschend bleibt, wie hier bei mir in der Bibliothek? Und nun die Frage der Sicherheit. Ich bin mit der Eisenbahn nach Beth-Schan gefahren und von dort mit einem arabischen Auto eine halbe Stunde bis nach T. Z. Beduinen, die man unterwegs traf, grüßten uns und der Chauffeur bot mir an, bis abends umsonst zu warten, wenn ich mit ihm zurückfahren wollte (was ich aber nicht akzeptierte). Auf der Rückfahrt mit dem Lastauto des Kibbuz, nahmen wir Araher, die uns darum baten, mit nach Beth-Schan. Als einer von Ihnen abstieg, gab er uns die Hand (leicht angegraut) und sagte Schalom. Die Beduinen, die rings um Tirath Zwi ihre Lager hab-n, kommen täglich zu F., um sich verarzten zu lassen. Manche bezahlen sogar dafür. Araberscheiks aus Transjordanien waren neulich dort, um über Landverkäufe zu verhandeln. Gelegentlich gibt es dann auch einmal eine Keilerei, und aufpassen muß man natürlich gehörig. Wachdienst wird in jeder Nacht auf allen Seiten gemacht und der Projektor beleuchtet den ganzen Umkreis bis an den Jordan und bis zum Gilboagebirge hinüber. Zur Arbeit auf die Felder geht man unter Gafir-Bedeckung (d. h. mit Hilfspolizisten), aber bisher ist noch nichts passiert. In der Burg ist man ganz sicher, da kann ihnen nichts passieren. Das ist Arbeit, die man dort tut, dein Enkel ist glücklich zu preisen, daß er da mittun kann. Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, wüßte ich auch, wo mein Platz ist. Es ist doch schöner an der Front als in der Etappe, wo die Jubelgreise sitzen. Im Land ist es etwas unruhig, aber man geht seiner Arbeit nach, ohne sich viel zu kümmern. Man macht auch hier Schmira (Wache), aber eigentlich mehr, damit die Araher wissen, daß man auf alles vorbereitet ist und nicht überrumpelt werden kann. Man ist in festem Kontakt mit den Naclibarsiedlungen und ist für den Notfall, der aber kaum eintreffen wird, gewappnet. Ueberfälle kommen vor, die können sporadisch immer einmal eintreten, es ist aber anzunehmen, daß sie bei der jetzigen starken Haltung der Engländer abflauen werden. Das Wetter ist hier tagsüber noch htfrrlich, abends Ist es recht kühl. ״Die Kinder haben Europa vergessen“ Aus einem Schreiben von E. P., Rechowoth (früher Kassel). 19. Januar 1938 ... Infolge der politischen Unsicherheit und der Ungewißheit der politischen Zukunft des Landes ist die Wirtschaftliehe Lage sehr schlecht. Hier in den Kolonien leiden wir alle unter den schlechten Orangenpreisen, die Poalim haben sehr wenig Arbeit, jetzt im Katif (Orangenernte) sogar nur ein- bis zweimal in der Woche. Ein großer Teil der Pflanzer beschäftigt weiter ״seine“ Araber und so ist die Not schon recht groß. Trotz aller Enttäuschungen, die jeder hier erlebt, glaube Ich an die Zukunft des Landes und hoffe, daß sich die Situation bessern wird, wenn wir politisch klar sehen. Für uns mittlere Generation ist ja die Einordnung wirklich schwer, und ich habe feststelien müssen, daß man uns aus Deutschland Eingewanderte nicht gerade mit Glacehandschuhen anfaßt. Man behandelt uns ähnlich, wie die Juden in Deutschland früher die Ostjuden behandelten. Vielleicht ist das die gerechte Strafe, aber leider müssen auch die, die früher anders handelten, jetzt darunter mitleiden. Ganz anders ist es bei meinen Kindern, die haben Europa Gott sei Dank vergessen und gehen in dem Gesamtjischuw auf. Die Kinder haben Freunde bzw. Freundinnen aus allen Kreisen und ich glaube, daß die Verschmelzung in der nächsten Generation vor sich gehen wird, ein Ziel, das uns ja immer vor Augen schwebte. Mein Junge von 18 Jahren z. B. spricht mit seiner zwölfjährigen Schwester nur hebräisch. Meine Frau arbeitet jetzt in einem Cafe mir halbtägig, nachdem sie vorher im Kalif und Packhaus gearbeitet hat. Sie kann jetzt nicht mehr ganze Tage fort, was sie sehr bedauert. Mein Junge arbeitet als Poel, die Tochter geht zur Schule. So haben wir uns auch gehörig umstellen müssen... Radio Jerusalem Neue M erke jüdischer Komponisten Karl Wiener: Klaviersonate Op. 29. Die Sonate ist von fließender herber, unkonventioneller Schönheit. Sie ist nicht fm gewöhnlichen Sinne klaviermäßig, und doch aus dem Instrument heraus konzipiert. Pianistisch vieldeutig und doch Jestgclegt, linear oder harmonisch ausdeutbar. Pianistisch empfunden ist ebenfalls die klangliche und bewegungsmäßige Ausnutzung des Klaviers. Das viersät/ige Werk hat mehr Suitenals Sonatencharaktcr. Besonders die beiden ersten Sätze haben wenig Sonatenhaftes an sich, dagegen vertritt der dritte Satz, ein typisches Scherzo und der vierte ein eben- (0 modernes wie charakteristisches Marschfinale. Abraham Schwadron» Meditation. Die Grundlage des Werkes bilden chassidische, nicht svnagogale, rezitativische Motive. Ein besinnlich klagendes, weit aiisgcsnonncnes Geienthema erzeugt durch hartnäckige Wiederholungen den indruck einer großzügigen Rondoform, innerhalb derer die Einzclsätzc absichtlich nicht mit äußerster Konsequenz durchgeführt sind. Die Grundidee ist ein Zwicgcsang zwischen Violine und Klavier. Jonas Feuer! Jesajah. Diese Konzertphantasie, ebenfalls Bus der Geige heraus komponiert, wertet das Instrumentative nicht expressiv (wie bei Schwadron), sondern konzertant. Man merkt dem Stück a!1, daß es von einem Geiger und flicht von einem Komponisten geschrieben ist. Jüdische Motlve werden zu virtuosen Floskeln Samuel Feinbera;: Phantasie Op. 9. Ein dumpfes, melancholi«ches ^klagendes Thema entwickelt sich zu breitem, Wellen zu versinken. Fine Totenklage, 'slawisch, romantisch, pastös und orchestral in das Klavier eingebettet; mit viel koloristischer Chromatik. Karol Rathaus: Suite Op. 27. Eine vierteilige Phantasie für Klavier und Geige: jeder Satz ist im wesentlichen ein dynamisches Charakterstück und statischer üegenhalt des anderen. Abraham Daus: Legende und Scherzo für Kammer- Orchester. Die I egende hat im Oesamtklang etwa« Episches, empfundener Mimik. Man wird noch zu viel an Ueherkomfcelt von modi'chc’t Absfrnk-ionon. * Karl Salomon: Phantasie über ein palästinensisches Volks- Ifcd. Ein Mittelding /wischen Fantasie vr.d Variationenform über das bekannte palästinensische Lied ״Ali be’er•׳. Alice Ehiers spielt beim High Commlssloner. Aus dem Palaste Sir Arthur Vauchones wurde ein Kammerkonzert übertragen, dessen Ausführende die Cembaüstin Alice Ehlers sowie das Hauser-Quartett waren. Das Programm enthielt Johann Sebastian Bachs F-.Mol!-Konzert und C-MoU-Fantasie, Pachelbels ״Magnificat“-Eugen und ein selten gespieltes Werk von Couperin. Karl Salomon sang mit viel Intensität Handels Arie ,.Dank sei Dir, Herr“, ein Volkslied eigener Komposition, ״Jehudi chofschi ani“ sowie zwei Rachel-Lieder Abranam Schwadrons, die er selbst bearbeitet hat. Der Geiger Parnes spielte ausgezeichnet Schumanns neuaufgefundenes Violinkonzert, das jetzt die Runde durch die Konzertsäle der ganzen Welt macht. Gedenkfeier für Maurice Ravel. Jehudit Boroschek sang mit viel Kultur und Einfühlungsfänigkeit in den besonderen französischen Stil des Komponisten die selten gehörten ״Volkslieder aus Madagaskar“. Die Begleitung führten William v. Bl,äse (Flöte), Albert Stühgen (Cello) und Erich Sachs (Klavier) mit viel Verständn's zu gutem Effekt. Weniger geglückt schienen die Orchesterstücke, die die Gesangnummer umrahmten. Sie mußten sich wohl aus technischen Gründen mehr oder weniger durchgreifende ״Radia“-Arrangcments gefallen lassen, die ihre Ursprünglichkeit teilweise entstellten. Gedächtniskonzert für Daniel Friedländer. Dem Gedachtnls des unlängst ve׳sto׳ benen jungen POnDten Danie’ Fr i e il- Gtinipertz spielte drei kleine Klavierkompositionen des Achtzehnjährigen. Sie zeichnen sich durch große Zartheit aus und stehen no;h stark unter dem Einfluß Chopins. Beate Goldsteiii-Omnpcitz spielte formrein und mit klangvollem Anschlag. Das ״Lied von der Erde“, jetzt in d׳-r Inte-pretation Bruno Walters auf Platte׳: konserviert, wurde auf diese Weise dem Paläsfinn-Radead Fi! er in ()riuinailvsetznng, wenn auch in technisch ungleicher Wiede:gäbe, zugänglich. Frank Pollak, ein vorzüglicher Pianist, spielte vertraute, Wirkung-sichere Werke, 1. ii. ,,Die Wut über den verlorenen Groschen“ von Beethoven, eine ״Soiree de Vienne“ von Schubert-Liszt und anderes LcichtvcrständUche mit viel Piastik und gesundem Anschlag, mit unantastbarer akademischer, etwas konventionelle־, jedoch gesunder Auffassung. Werke palästinensischer Komponisten nannte sich eine Veranstaltung des Stndio-Fnsembles, von denen als konzertreif, wenn auch etwas süßlichen Charakters, nur ein Werk• eben ״f־Tühl:11g«ge!uhl“ von M. Krausmann, ein zart empfundencs Idyll, auifiel. Alice Jacob-Loewcnson Konzerte in Palästina Konzert Fügen Szenkar mit dem Palästina - Ordiester Das Orchester hatte wohl seinen größten Abend, Eugen Szenkar gab vielleicht mit seinem Konzert das repräsentivste musikalische Ereignis, das Palästina bisher beschießen war, und er konnte sich eines eminenten Publikumserfolgs erfreuen. In der Tat hat das Orchester bisher kaum jemals 10 blühend, gesanglich und frei gespielt; insbesondere die Bläser haben Erstaunliches geleistet. An der überaus wirkttngssichcren, farbenreichen und te m p e r a me nt g 1■ 1 ad e n e n Darstellung ist Szenkar als Operndirigent par excellence zu erkennen: den Gipfel der dingentischen Leistung erreichte er denn auch mit der geradezu fulminanten Interpretation der beiden Meisterwerke des ImprefMonismus: dem ״Zauberlehrling“ von Paul Dukas und dem ״Bolero“ von Maurice Ravel. Die vierte Brahms-Sinfonie hat man wohl selten in so unakademischer Ueberbeleuchtung vernommen. Audi Handels Concerto Grosso (in b-moll) verlor alles Konventionelle. Als Ucbergang von Brahms zu Dukas spielte Joseph Bernstein mit viel Virtuosität Glazounovs Violinkonzert, dessen orientalisch parfümierten Romantizismus auch er nicht genießbarer machen konnte. Klavierabend Jacob Gimpel Daß Jacob Gimpel ein Chopinspieler par excellence Ist, war schon nach seinem ersten Auftreten mit dem Palästina- Orchester klar, ln seinem Klavierabend bestätigte er die Vorzüge eines solchen in glänzendem Maße; er hat die nötige Differenziertheit des Anschlags, das Glänzende und Schimmernde, das Pastose und das leidenschaftliche Temperament, ohne jemals ins Süßliche zu verfallen. Nur von seiner Chopin-Interpretation her läßt sich aber sein Beethoven- und Bach-Spiel restlos goutieren. Gewiß ist alles groß und männlich angelegt, es gibt keine toten Punkte, alles wirkt neu, glanzvoll und vital zusammengepackt — nur erscheint etwa das Adagio aus der C-Dur-Toceata von Bach-Busoni um eine Nüance zu romantisch und Beethovens Es-Dur-Sonate op. 31 läßt bei allem zugestandenen übermütigsten Galoppieren eine Nuance zu wenig Zierlichkeit und Zartheit vermissen. Klavierabend Irma Sdioenberg und Joseph Grocnthal Dieses Konzert, da« auch durchs Radio übertragen wurde, kann den Anspruch erheben, eins der interessantesten zu sein, das man hier seit langem gehört hat. Nicht nur wegen der beträchtlichen pianistischen Qualität beider Künstler, wegen des hohen stilistischen Niveaus und wegen des seltenen 06nttsscs, Werke für zwei Klaviere konzertmäßig dargestellt zu hören, sondern in der Hauptsache wegen des Kernstücks: ״Marsch und Variationen“ von Stefan Wolpe. Man kann hier eigentlich nicht von einer melodischen, sondern nur von einer rhythmischen Thematik sprechen, von einem unerbittlichen, ehernen Grundrhythmus, der immer wieder durch reich verschiungene, nicht immer bis zur letzten formalen Klarheit durchgeführte, bisweilen zu ausführliche, bisweilen in diesem Zusammenhang unverständlich romantische LyrLsmen hindurchbricht. Stefan Wolpe und Irma Schoenberg-Wolpe sind ganz Intellekt und Dynamik — die Struktur wird geradezu skelettartig herausseziert — während Joseph Gruenthal — wenn auch ira Virtuosischen schwächer — mehr das lyrische Element zum Ausdruck bringt. Alice Jacob-Loewenson Kapital - Investitionen Das ״American Economic Committee for Palestine" in Tel Aviv teilt mit. daß auf Grund einer Analyse vom Kommittee die in Palästina im Jahre 1937 von Juden vorgenommenen Kapitalinvestitionen insgesamt auf nicht weniger als £P. 5 849 000 geschätzt werden. Das ״American Economic Committee“ betont, daß diese Summe mir die er mitte'- baren Investitionen darstellt und daß, so wie in früheren Jahren, auch in 1937 bemerkenswerte Investitionen gemacht wurden, die nicht festzustellen waren. Das American Economic Committee klassifiziert die jüdisehen Investitionen im Jahre 1937 wie folgt: Bau: Neubauten und zusätzliche Bauten zu bestehenden Gebäuden £P 2 881 700 Industrie und Handwerk: Neugriindungen und Erweiterung bestehender Industrien 717 300 Landwirtschaft einschließlich Zitruspflanzungen: Nette Ansiedlungen und weitere Investitionen In landwirtschaftlichen Unternehmungen, die noch keinen Ertrag bringen 1 130000 Bodenkäufe in Stadt und Land durch Juden von Nichtjuden 560 000 Handel, Transportunternehmen, Hotels, Restaiirants usw. 560 000 £P 5 849 000 Damit wäre erwiesen, daß auch dl« durch den Terror erzeugte Unsicherheit im Lande die Judenhdt nicht von der Fortsetzung der Aufbauarbeit an ihrem Nationalheim abgeschreckt hat. Famitiennachrlcht. Herr Benjamin Levi, Haifa. Arlosorofistr. 37 (früher Eichwege), begeht am 15. Märt den 75. Geburtstag. (Schluß de! Palästinateils)

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