Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JÜDISCHE Pli CHAU Nr. 18 4 III. 1938 Hier ist der lange gehegte Traum einer weitläufigen Stadtramisicdlung Wiiküehkeit geworden. Aus kleinen Anfängen, ein paar I läuserzügen da und ein paar Blocks dort entstanden, schlichen sich heute jenseits des langgestreckten Industrie- Viertels drei ähnliche und doch verschiedene Vorstädte aneinander. Da ist Kirjath C h a j i 111, ein großes Arbeiter- Wohnviertel, von der Ballgesellschaft der Arbeiterorganisation ,,Schikim“ gegründet. Daran schließt sich K i r j a 111 Motz- «In, ein Mittelstandsquartier, hauptsächlich aus Einwanderern aus dem europäischen Osten bewohnt. Und schließ.ich rechts von der Strafte nach Norden Kirjath B i a 1 i k, eine Siedlung der Einwanderer aus Deutschland mit einem größeren Wonnrevier und einer kleineren landwirtschaftlichen Abteilung. Die drei ״Kirjoth“*) wie man in Haifa sagt, bilden eine Art eigener neuer Stadt. Der größte Teil ihrer Einwohner arbeitet in Haifa und fährt täglich mit dem Autobus und der Bahn dorthin. Es hat sich, den Notwendigkeiten entsprechend, neben der Akkoer Eisenbahnstrecke ein lebhafter Aufobusverkehr entwickelt, der die ganze Bay mit ihren verschiedenen Punkten bedient, an den immer wachsende Anforderungen gestellt werden, die er heute noch mit Schwierigkeifen erfüllt, vermutlich aber unter dem Druck des gutgelaunten und dabei temperamentvollen Publikums und mit der für Palästina charakteristischen elastischen Anpassung®- fähigkeit bald völlig befriedigen wird. In den drei Stadtvierteln kann man lernen, was Wasser und menschliche Arbeit aus diesen früher eintönig gelb und trostlos anmutenden S ה n 11 d ü n e n iierau .holen können. In den älteren Reihen von Kiriath Chajim, die schon vor etlichen Jahren entstanden sind, stellen die kleinen Würfelhäuser im Grün schöner Gärten. Bei den neuen Blocks, die erst in den letzten Jahren entstanden sind, gähnt noch der unfruchtbare Sand. Hier fehlt das Geld und die Energie, die Hausgärten einznridifen. Die Arbeiter, die hierherzogen, schleppten die Last ihrer Schulden, die sie für den Haustau auf/ nomtm 1 I 1! 1 in <1 u / / 1t^ d r Arbuts- Vk tr*M 1V 1.!K| 's! m " , /Vr'm nun K i r j a t 11 M 0*1 7 k'i n 'daneben1 trägt’ eäm1l״viälf,'lügeren, aber auch etwas verwirrteten Charakter. Hier herrscht Baufreiheit und < iewerbefreiheit, d. h. jeder kann sich sein Haus nach seinem (nochmaek einrichten und sieh seinen Laden aufmachen. So fimiet man in Kirjath Motzkin die verschiedensten Stile nebeneinander und so viele Geschäfte an den Straßenecken, daß man an der Rentabilität des Einzelnen zu zweifeln beginnt. Im benachbarten Kirjath Bialik wehrt sich die Leitung — vorläufig noch mit Erfolg — gegen ,,(iewerbefreiheit'‘ und hat dadurch dem Viertel einen ruhigen Wohncharakter und seinen Kaufleuten einen höheren Verdienst erhalten. In Kirjath Bialik kann man beobachten, wie die Juden aus Deutschland sich einrichten. Die Siedlung trägt einen besonderen Charakter. Sie wirkt dadurch, daß die einzelnen Parzellen vom Keren Kajetneth etwas größer berechnet wurden, als in manchen anderen Quartieren — jede dreiviertel Dunam - ״, weiträumiger, und der Liebhaber von Grün freut sich an den bescheidenen Anfängen der neuen Gärten, die aus dem Sand mit Hilfe von Düngung und Bewässerung eine buntere und wohltuendere Landschaft hervorbringen. Am hinteren Rande der Siedlung bemühen sich 25 Landwirte aus Deutschland, die hier angesiedelt sind, um ihren Betrieb. Die flachdachigen Häuser des älteren Teils verbinden sich jetzt mit einer Wohngruppe von roten Ziegeldächern, die die Rassco (Rural and Suhurban Settlement Company) fertigstellt. Eine weitere Insel von Juden aus Deutschland bildet der große zum Kinderheim ״A 11 a w ah“ gehörende Komplex’ Der Palästinenser findet in der vorbildlichen Sauberkeit und dem glatten, geordneten Ablauf des Betriebes eine aus Deutschland stammende Note, (vgl. Bild S. 11). Hier spürt man ■— ebenso wie an manchen anderen Steilen der von Einwanderern ans Deutschland beset/tui Stellungen — .schon e ne ׳״.!*» sinke V erblinden- I.Vbendontien^ KhnDrn^iis'PalädiM. die Nahariah Jenseits von Kirjath Bialik nach Norden ni kommen wir fn den Teil der Haifaer Bucht der noch ״unberührt“ aussieht. ' Es ‘ist ganz lehrreich, durch das Stück jenseits der neuen jüdischen Siedlung zu wandern tun! 711 fahren, denn man vergißt im Lande überaus schnell, wie die Dinge und die Landschaft noch vor wenigen (altrcti aussahen. Richtig, so war ja alles, der ganze weite Ronen, wie es jetzt hier nördlieh von den ״Kirjofh‘‘ ist, kaum behaut, kaum bewohnt, verlassen, versumpft. Da sind heute rto״h die Ländereien um den Naamen-Fluß, versumnft und von Malaria voll, eine Gefahr für die Umgehung, der man aber nur nach neuen Käufen in durchgreifender Wwse wird begegnen können. Da sind in der Ferne die arabischen Dörfer an den Bergen, wohin sie vor der Malaria der Ebene flüchteten. Da sind die verkommenen und gerunften Dvteioalmcn, wie sie früher bis dicht nach Haifa standen und die der Silhouette von Akko ihr charakteristisches Gepräge (׳eben. Die Silhouette von Akko! Da ist sie — unverändert, mit ihrem bieistiftsoitzen Minarett und der schöngeschwun״enen Kunpel der grünen Moschee, den Befestigungen im Meere und der ungewöhnlichen Klarheit aller Umrisse. Aber Akko ist heute kein Ziel für schönheitsuchende Touristen. Die Stadt wird von luden nur aufgesucht, wenn es unbedingt nötig ist, denn sie ist ein Zentrum der nationalistischen arabischen Propaganda und beherbergt das Hauptgefängnis des Landes. Hinter Akko läuft die Straße nach Beirut durch jene von den benachbarten so verschiedene, schon kultivierte, von großen Zypressen überragte Landschaft, die schon stark syrischen Charakter hat. Bald hinter der schön gelegenen Versuchsstation der Regierung sieht man eine große neue Siedlung mit jenem großen Turm, der schon vom Karmel aus als ein neues Wahrzeichen in der Landschaft auffiillt. Das ist Nahariah, die von Josef Loewy und Soskin begonnene Siedlung, die ebenfalls von Einwanderern aus Deutschfand besetzt ist. Ich weiß genau, daß Nahariah ebenso wie die gesamte palästinensische Landwirtschaft unter der wirtschaftliehen Depression, unter schlechten Preisen und verengtem Markte leidet und dazu noch eine ganze Reihe Kinderkrankheiten zu überstehen hat. Aber dieses Wissen kann das Erstaunen über die große Veränderung, die in den kurzen letzten fahren liier vor sich gegangen ist, kaum vermindern. Man fährt über ein gut aiisgebautes glattes Straßennetz und zeigt mir dabei die Stelle, wo ich in den Anfangstagen von Nahariah beinahe in dem tiefen Lehm dieses Landstrichs versank. Heute besteht die Oefalir nicht " ■■ *) Kirjoth ~ Mehrzahl von Kirjah, Stadt (Stadtviertel). - ״Vorwärts-, nicht zurückschauen!“ Die Abschiedsrede Sir Arthur Wauchopes 1m palästinensischen Radio sprach am 28. Februar Sir Arthur wauchope Abschiedsworte an die Bevölkerung Palästinas. Politische Fragen wurden darin nicht berührt, sondern der scheidende High Comrnissioner sprach — wie die ״Times“ es ausdrückt — ״wie *zu Freunden“, an die seine letzte Boischaft lautete: ״Vorwärts- und nicht zurückschauen; daran z.u danken, daß Haß und Bosheit dem Vorurteil und der Unwissenheit entspringen und daß die beste Hoffnung für das Volk d'eses Landes in dem Vertrauen 7.u Eng'and Fegt.“ ״Wir befinden uns in Palästina auf stürmischer Sec“, so sagte Sir Wauchope weiter, ״und die Tatsache, daß das Land so tiet geliebt wird und Moslems, Juden und Christen heilig ist, ist eine der Ursachen für die Zuspitzung in den politischen Auffassungen und für die Befürchtungen, die so viele für ihre und ihrer Kinder Zukunft hegen.“ Der Redner erwähnte, daß viele sehr trübe sehen, aber er zitierte in diesem Zusammenhang das arabische Sprichwort, das Geduld empfiehlt als Schlüssel zur Heilung von den Uebeln, die uns in dieser Welt befallen. Er glaube, daß alle mit wenigen Ausnahmen verstünden, daß Morde nicht der richtige Weg seien und daß der wahre Fortschritt nur über den guten Willen und die Verständigung führe. ,,Nicht Hitze, sondern Licht möge in allen Erftrterungen über das, was not tut, sein, und ich vertraue darauf, daß die kommende Technische Kommission für die Teilung viel begrüßenswertes Licht auf die Lösung dieses schwierigen Problems werfen wird.“ Zum Schluß ‘dankte der High Comrnissioner auch dem Emir Abdullah für den Frieden und die Sicherheit, die in ganz Transjordanien bestehen. Am 1. März um 12.55 Uhr fuhr Sir Arthur Wauchope im Auto nach Ramleh, wo ein Flugzeug wartete, um ihn nach Aegypten zu bringen. Vorher fand eine militärische Abschiedszeremoriie in Jerusalem statt, der zahlreiche Persönlichkeiten von Rang zusahen. Diejenigen, die der Feierlichkeit beiwohnten, sahen, daß Sir Arthur Wauchope von tiefer Rührung übermannt war und die größten Schwierigkeiten hatte, seiner Gefühle Herr zu werden. Sir Arthur Wauchope ist Dienstagin Kairo in der britischen Botschaft abgestiegen. Von Aegypten begibt er sich auf eine lange Urlaubsreise, die ihn nach Ceylon und dem Fernen Osten führen wird. Die hebräischen Zeitungen brachten anläßlich des Scheidens von Sir Arthur Wauchope ausführliche Würdigütigen seiner Persönlichkeit. Zwar habe seine Amtsführung mit Enttäuschungen geendet, aber der Jiscliuw werde nie das Anwachsen der jüdischen' Bevölkerung in Wauchopes Zeit vergessen. Zur Zeit der Ankunft Wauchopes habe es 170000 Juden im Lande gegeben, während jetzt die jüdische Bevölkerang des Landes 4(0 000 Seelen betrage. Auch wisse der Jiscnuw Sir Arthurs tiefes Verständnis für die Bewegung der jüdischen Wiedergeburt zu schätzen. Die arabischen Zeitungen preisen besonders Wauchopes vornehme und edle Gesinnung. ״Islamia“ hebt hervor, daß Sir Arthur, obwohl er kein Helfer der Araber war, es doch abgelehnt habe, gegen sie mit Gewalt vorzugehen. Am Tage seines Scheidens von Palästina vollendete Sir Arthur Wauchope sein 64. Lebensjahr. Ein Jude getötet Abraham G o 1 d s c h I a g e r, einer der Gründer der Siedlung Mischmar-Hatmek, der seit 17 Jahren im Lande lebte, wurde zwischen Jiara und Mischmar-Haemek von Arabern überfallen und getötet. Goldschlager befand sich in Begleitung eines Polizei- Korporals namens Joseph Eisen berg aut dem Rückweg nach Mischmar Haemek von einem Empfang, der von den Sicolern des jüdisch-amerikanischen Kibbuz Juara zu Ehren von Arabern in der Nachbarschaft gegeben wurde, als vier Araber aus dem Hinterhalt ungefähr zwanzig Schüsse airf die beiden Männer feuerten. Ooltischlager wurde von vier Kugeln in der Brust getroffen. Er zog noch im Fallen seinen Revolver, konnte jedoch keinen Schuß mehr abgeben. Fisenberg, der nicht getroffen wurde, feuerte auf die Angreifer, ohne sie jedoch zu treffen. Die Banditen stahlen Goldsclilagers Revolver und 60 Kugeln. Kurze Zeit nach dem Ueberfail trafen Polizisten am Tatort ein und nahmen die Verfolgung der Terroristen auf. Goldschlager war 38 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und zwei Kinder sowie einen bejahrten Vater. Er kam im Jahre 1921 von Polen nach Palästina. Eine Bande bewaffneter Araber überfiel fn der Nacht zum 1. März die Siedlung Tirath Z w i. Den Siedlern gelang es, die Angreifer in Schach zu halten. Nach einem dreieinhalbstündigen Gefecht ergriffen die Araber die Flucht. Es wurde ein toter Araber gefunden. Man glaubt, daß den Arabern bei dem Gefecht noch weitere Verluste zugefügt wurden. Kleinhandel in Tel Aviv Aus Tel Aviv wird uns berichtet: In der Wirtschaftsbeilage des ״Haarez“ berichtet R. Feldmann über die Lage des Kleinhandels in Tel Aviv: Im Jahre 1935 gab es in Tel Aviv 300 Lebensmittelgeschäfte, jetzt aber, wo der Umsatz etwa 11m die Hälfte gesunken ist, gibt es deren 650. Außer dieser ungerechtfertigten Vermehrung wurde in der Zwischenzeit noch der Handel auf bestimmte Straßen verwiesen und für •viele Straßen verboten. So gibt cs jetzt fanze Straßen ohne Läden, und dieser Zustand begünstigt ie unkonzessionierte Handelstätigkeit. Gegen die unkonzessionierten Läden will die Stadtverwaltung jetzt Vorgehen, aber sie kann es nur bei völliger Zerstörung der Existenz ihrer Resitzer. Andererseits ist in den Geschäftsstraßen die Konkurrenz groß, ein Laden liegt neben dem anderen. Diese Konkurrenz führt einerseits zur gegenseitigen Unterbietung, andererseits zur Gewährung unbegrenzten Kredits an den Kunden. Zu fordern wäre Aufhebung der konzessionierten Geschäftsstraßen und Konzessionserteilung für einen Laden alle 100 Meter in jeder Straße. Die Konzession sollte an den Ladenbesitzer persönlich, nicht aber an den Hauswirt erteilt werden, um Mißbrauch von seiten des Hauswirts zu verhindern. Eine weitere Schwierigkeit für viele Ladenbesitzer liegt in der Höhe der Abgaben für die Konzession für den Verkauf von Spirituosen, die seit 1935 von £ 4'.-'s aut £ 10 gestiegen sind. Früher wurden sie halbjährlich entrichtet, seit diesem Jahr müssen sie auf einmal gezahlt werden. Die Abgaben für alle Konzessionen zusammen (Verkauf von Spiritnosen, Petroleum, Tabak und Lebensrnittel) betragen pro Laden etwa £ 13 und bringen den Besitzer tiefer in Schulden hinein. Dabei werden die Mög'ichkeiten für das Lebensmittelgesehäft immer mehr verengt. Schon befinden sich überall Spezialgeschäfte für Schokolade, Brot, Butter, Eier und Käse usw. Jetzt will man den Lebensmittelgeschäften auch noch das Recht nehmen, Obst und Gemüse zu verkaufen, während die Obst- und Gemüsegesehäfte alle möglichen anderen Lebensmittel nebenbei verkaufen. — 80 °ö des Geschäftsvermögens der Lebensmittelhändler befindet sich in der Form von Kredit i!1 den Händen ihrer Kundschaft. Sie aber müssen die Großhändler bezahlen, und so kommt es häufig zur zwangsweisen Eintreibung der Schuld und zu Zwangsverkäufen, ja, da die Schuldhaft in Palästina nicht abgeschafft ist, muß sich der Kleinhändler nach dem Zusammenbruch seines Unternehmens häufig verborgen halten, um nicht seiner Freiheit beraubt zu werden. Kurze Nachrichten Die Regierungen von Trans Jordanien una Saudi- Arabien haben einen ״Vertrag der guten Nachbarschaft“ abgeschlossen, der am 21. Februar in Kraft trat nnd eine freundsch&ftliche Beilegung aller Streitfälle zwischen Beduinenstämmen vorsieht. Das Todesurteil gegen Mustafa Mansour wurde von Generalmajor Wavell zu lebenslänglichem Gefängnis umgewandelt. Mansour hatte einen jüdischen Autobus am 13. Dezember 1937 beschossen. Ein jüdischer Polizist mit Namen Mosche Mowilowski erlag seinen Wunden, die er zufällig im Jerusalemer Polizeiquartier erhalten hatte. Vom Haifaer Militärgericht wurde eine Frau aus dem Libanon wegen Waffenbesitzes zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein bekannter arabischer Terrorist mit Namen Kassem Hass ad wurde in der Gegend von Nablus bei einem Gefecht mit Truppen getötet. Saad al Hussein i, der Schatzmeister des Obersten Mohammedanischen Rates und Direktor der Arabischen Bank, wurde verhaftet. Subhi el Khadra aus Safcd, Direktor der Wakf im nördlichen Bezirk des Landes und Anwalt des Obersten Mohammedanischen Rates, ist auf Grund des Erlasses, demgemäß die Regierung alle Beamten, die sich aufrührerisch betätigen, entlassen kann, seiner Aemter entsetzt und in Akko interniert worden. Sir Arthur Wauchope ermäßigte die über Pinchas Segal, einem Wächter der Egged Company in Haifa, vom Bezirksgericht verhängte Strafe wegen Besitzes eines Revolvers von fünf Jahren Gefängnis auf ein Jahr Gefängnis. In dem Bezirk von Nablus und Dschenin wmrden umfangreiche militärische Operationen ausgeführt, und ein allgemeines elfstiindiges Ausgchverbot, beginnend um sechs Uhr nachmittags, wurde über die Gegend verhängt. Eine bewaffnete Araberbande überfiel ein Dorf bei Safcd und tötete einen Dorfbewohner, der Widerstand leisten wollte. Die Banditen stahlen Vieh und Geld. Die Militärbehörden begannen mit dem Bau einer strategischen Landstraße im Norden, die von Ras el Nakura nach Metullah führen soll. Bei einem D y n a rn i t - A 11 c n t a t wurde eine Brücke zwischen Dschenin und Afulc zerstört und die Straße gesperrt. Der Dampfer ״P o I o n i a“ traf am Sonntag mit 486 Passagieren in Palästina ein. Wegen starken Sturmes konnte das Schiff jedoch nicht, wie beabsichtigt war, im Hafen von Tel Aviv landen, sondern mußte in Haifa vor Anker gehen. In den Siedlungen ist jetzt das Orangenpfliicken in vollem Gange. Hunderte von Arbeitern aus den Städten wurden in die Siedlungen gebracht, um beim Pflücken zu helfen. In Amman in Transjordanien richteten Ucberschwemmungen großen Schaden an. Zahlreiche Telephon- und Telegraphendrähte sowie Eisenhahngeleise und Häuser wurden beschädigt und teilweise zerstört. Das Erziehungsdepartement der Palästina-Regierung ernannte Dr. S. D. Goitein vom Institut für orientalische Studien an der Hebräischen Universität in Jerusalem zum Inspektor der jüdischen Schulen. Dr. Goitein, der einer bekannten zionistischen Familie aus Deutschland entstammt, ist der Nachfolger von Joseph Bentw i c h, der zum Oberinspektor der jüdischen Schulen an Stelle des ermordeten Avinoam Yellin befördert wurde. Der amerikanische Filmschatispieler Paul Muni gab in Tel Aviv eine Vorstellung der Gerichtsszene aus dem Film ״Emile Zola“, in dem er Emile Zola darstellte. Die Einnahmen der Vorstellung, der 3000 Menschen beiwohnten, sollen armen Kindern in Tel Aviv zugute kommen. Der Künstler verließ Palästina, um sich nach Griechenland zu begehen. Beim Abschied sagte er, er hoffe, nächstes Frühjahr nach Palästina zurüekzukehren. mehr, das Ist ailes drainiert und gut mit Straßen durchzogen und ein Durcheinander von Baustilen zieht sich an diesen Straßen hin, von denen einige aus sehr anderen nördlicheren Landstrichen Hier eingebrochen scheinen. Schnell ist die Ent- Wicklung in Nahariah gegangen, die landwirtschaftlichen Par- Zeilen reihen sich aneinander, die ersten Bungalows direkt am Strand bieten einen ungewöhnlichen Ausblick aufs Meer, hinunter zur Seite von Akko und hinauf zu den weißen Kreidefelsen von Ras el Nakura. Die jüdische Siedlung streckt ihre Fühler stärker nach der Nordgrenze. Wo sind eigentlich die Unruhen? Wandert man so durch die Stadt Haifa mit ihrer Mischung von Juden und Arabern, geht durch die arabischen Basare, diuchürcift die große Bay, über deren Straßen ein relativ großer Verkehr rollte, so" fragt man sich gelegentlich: wo sind eigentlich die Unruhen? Gerade in diesen Tagen wird wieder von neuen Kämpfen Im Norden berichtet von neuen Strafexpeditionen, über die Straße nach Akko rollen gelegentlich große Lastautos mit Militär, die auf den Dächern Maschinengewehre montiert haben. Aber von diesen Dingen abgesehen, macht alles einen so friedlichen Eindruck, sieht das Land so frisch aus in seinen Farben und seinen in Ruhe der Arbeit iiachgelienden Menschen, rollt sich der Verkehr mit solcher Selbstverständlichkeit ab, daß es fast schwer fällt, an Terror und Unruhen zu glauben. So vergehen die Tage. Gegen Abend jedoch, sobald die Dunkelheit einbricht, spürt man den Unterschied zu den normalen Zeiten. Gastgeber außerhalb der Stadt mahnen ohne viele Umstände vor Einbruch der Dunkelheit zum Aufbruch. Es hat sich ein gewisser Brauch herausgebildet, nach dem bestimmte nichtjüaische Gebiete wenn möglich gar nicht, andere nicht nach Dunkelheit betreten werden. Nur in den rein jüdischen Gegenden bewegt man sich Tag und Nacht unbekümmert. Una so eingewurzelt hat sich dieser Brauch, daß ihn kaum jemand kommentiert. So leben wir heute, so arbeiten wir heute wir tun, was notwendig ist, wir treffen unsere Vorsichtsmaßregeln und halten Wache. Wir reden nicht vid darüber und wissen, daß auch diese Zeit einmal vorbeigehen wird.