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Jüdische Rundschau · 1938-03-04 · Heft 18 (4.3.1938) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 18 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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jüdische Rundschau PALÄSTINA-BLATT Nr. 18, 4. MARZ 1938 Haifaer Tagebuch Besuch in der werdenden Großstadt — Ausdehnung nach Norden Frühlingspracht — ״Wo sind die Unruhen?“ Von unserem palästinens gl. Tel Aviv, Februar 1938 Ein anderer Weg Im Lande herumreisen war seit jeher in Palästina üblich und beliebt. Bemittelte und Unbemittelte hielten, soweit es ihnen ihre Arbeit nur irgendwie erlaubte, an der lieben Gewohnlieit fest, einmal im Jahre, wenn möglich zur Frühlingszeit, durch das so abwechslungsreiche Land zu fahren, Freunde zu sehen, die überall in Dörfern und Städten verstreut sind, und selbst nachzusehen, wie weit das Werk des Aufbaus, das im Mittelpunkt aller Gedanken steht, nun wieder vorgeschritten sei. Auch heute trotz der immer noch herrschenden Unsicherheit, fahren viele um ihrer Abwechslung willen und selbstverständlich alle, von denen es ihre Arbeit erfordert Weil man jedoch heute sich immerhin seltener als Der Haifaer Kingswav, die Hauptstraße des Hafenviertels, am Abend bei Regenwetter Foto: z. 1.0ew«nbeim, u־u. sehen Korrespondenten fängt, seine unveränderten winkligen, so pittoresken Gassen, seine bunt gehäuften Gemüse und Früchte, seine oricntalisehen Waren, die — heute fast alle aus den Massen- Produktionen Europas kommen. Hier im Basar gibt es keine Veränderungen, jedenfalls keine, die man von außen auf den ersten Blick sieht. Haifa, mit seiner gemischter! Bevölkerung, mit seinem Geruch des internationalen Handels, ist ebensowenig wie die anderen palästinensischen Städte dem Zuge dieser sclnvereu Zeiten entgangen, die Juden und Araber zwingt, sich mehr als je voneinander zu entfernen, sich in abgeschlossenen Vierteln zu sammeln. In Haifa sind im letzten Jahrzehnt die rein jüdischen Viertel stark angewachsen. Aber zugleich wuchsen auch die gemischten Viertel und es gab bedeutende und schöne Wohngegenden, wo Jude neben Araber saß und wo vor allem jüdische Mieter in arabischen Häusern wohnten. Auch jetzt kann man das noch an den verschiedensten Stellen finden, aber die dominierende Tendenz ist eine weiter fortschreitende Separierung der beiden Völker, es bilden sich immer stärker ״nationale" Wohnblocks. Der größte j ii d i s c 11 e dieser Art ist Hadar H a k a r - m e I, das immer wieder wie ein in Haifa eingesnrengtes ״kleines Tel Aviv“ anmutet, in seiner rein jüdischen Bevölkerung, seinen relativ engen Straßen, seinen Betonblocks, seiner Lebhaftigkeit und Belebtheit. Aber das Hadar von vor fünf Jahren ist heute nicht wieder zu er kennen. Auch hier hat wie überall in Haifa und überall im Lande die Krise die Bautätigkeit auf ein Minimum gesenkt. Aber hier wie überall hat der Schwung der Prosperity so ausgegriffen, daß man noch jetzt seine letzten Ausläufer spürt. Hadar Hakarmei ist nach beiden Seiten den Hügelrücken entlanggckrochen, bis es auf der einen Seite auf bereits bebautes Gebiet, auf der anderen Seite auf den trennenden Wadi stieß. Ls ist den Berg bis über seine halbe Höhe hinauffgeklcftert und der ״Utopist“, der bereits ein Haifa sieht, das von der Bucht ohne Unterbrechung bis auf den Karmel reicht, wi.d vielleicht in etlichen Jahren als Realist dastelien. Der Freund von Steinfassaden wird traurig darüber nachdenkeii, wie schön dieses Viertel von Hatlar Hakarmei hätte werden können, wenn seine Häuser mit Stein verkleidet wären, an Stelle ihres nüchternen Betons. Und er wird sich über die nein: Ladenstraße freuen, die den vorderen Teil der Realschule flankiert und in glatter schöner Steinliiiic dem neuen Hadar Hakarmei eine wiirdigc und gediegene Note liefert. Die Entwicklung der letzten Jahre hat auch in dieser Gegend gezeigt, wie die Einwanderung mit ihren Impulsen immer wieder das Neue in das Alte schachtelt, alte Begriffe und Wertmaßstäbe nmformt, an Stelle von baufälligen Baracken — wie man noch einige in Hadar Hakarmei finden kann — kleine bescheidene Häuschen setzt, an ihre Stelle bequemere Gebäude, um diese dann wieder durch ganz moderne imposante Bauten zu ersetzen. Jetzt ist in dieser Entwicklung ein Stillstand eingetreten. Viele der Wohnungen in Haifa, viele seiner Büros sind leer, man wartet hier ebenso wie überall auf die ״Ankurbelung“, auf die besseren Tage, auf eine neue Prosperity. Von der Höhe Blick in den Speisesaal der ״Ahawah‘‘ (siehe S. 12) üppiges, daß man leicht das vollgcrüttelte Maß von Sorgen, das jeder in diesen Tagen mit sich herumschleppt, in dieser paradiesischen Gegend vergißt. Die Vielfältigkeit des Blicks, die sich von oben bietet, die Buntheit dieser weichen und doch herben Gegend, wird jetzt, seitdem ein weitm,aschiges Wegenetz die ausgedehnten llugel immer weiter überzieht, noch stärker spürbar. Hier oben ist eine der wenigen Stellen in Palästina, wo man gut und ohne Ermüdung Spaziergänge machen kann, angeregt durch den immer wechselnden Blick in die Ebene und aufs Meer. Auch hier oben haben die Jahre der Proaperitv ihre sehr deutlichen Spuren hinterlassen, in weiten au-gebauten Wegen, in neuen Wohnvierteln. Nicht alles freilich.' was man liier sieht, entspricht der großartigen Gegend, es fehlt nicht an manchen blickrekln " Ausv Gegend, besam diesen mißlungenen arc! die Bucht. Die liegt tnr den Glanze. Der Hern! große Schneckappc auf, liegt im selben runder! ii n (! c der Buc! Mar irender Hafen, von 1 :itsgesellschatt bewilü . Die Tanks der Mo irklicli t.... .. Haifa nach Akko ohne Weg immer ein bißchen im Was einer Besiedlung dieser sei merken? Da unten liegt lager etwas südlich. Vor der R u t h e n b e r g - S t a t i o n!!egt ein anderer, zu diesem Werk g. ' gierung in aller Stille der Llektn ihr in ebensolcher Stille ausgefü Petroleum leitun g haben . . .., _ ... bern angestrichenen dicken Zylinder stehen wie sonderbare Gewächse in der Landschaft. Das eigentlich neue große aber liegt jenseits davon, hinter dem vergrößerten, stattlich anmutenden Industrieviertel, da liegen die großen Stadtrand- Siedlungen, die sich weit in die Bucht hineinziehen, und darüber hinaus greift die Stadt ins westliche Emek, in die Anfänge der heute im prächtigen Grün liegenden Ebene Jesreel. Und auf der anderen Seite des Bogens, ien* seits von Akko, ragt ein Turm als Wächter über die Straßenziige neuer Häuser. Da liegt Nahariah, eine Siedlung von Einwanderern aus Deutschland, ein vorgeschobener Posten tn der von Akko sich nördlich an die Grenze streckenden Ebene. früher zu auswärtigen Besuchen entschließt, genießt man sie in ungewöhnlichem Maße. Die Jerusalemer betrachten einige Tage in Tel Aviv, wo man sich überall völlig unbekümmert und frei bewegen kann, wo die Straßen, Kinos und Cafes am Abend voll sind, als ein Fest, da in der Hauptstadt, die auch in normalen Zeiten nicht übermäßigen Betrieb kennt, jetzt die meisten ihrer Bewohner abends in den Häusern bleiben. Der Tel Aviver wiederum, der nach längerer Ab- Wesenheit die Luft Haifas atmet, fühlt sich aus der einheitliehen jüdischen Atmosphäre seiner Heimatstadt mit einem Schlage in eine aridere Welt versetzt. In der großen neuen Bahnhofstraße, die ihn gleich bei der Ankunft empfängt weht ein anderer, freierer großzügig anmutender Wind. Das neue Viertel, das auf 3er dem Meere beim Hafenbau abgcrimgenen aufgesclüitleten Fläche entstanden ist, trägt einen Schwung und eine ins Weite greifende Linie an sich, die in dem kleinen Ländchen Palästina nur an wenigen Stellen zu finden ist. Die Breite der Straße, die gut angelegten, in großen Linien aufgeführten Bürobauten, die Verbindungsstraßen, die durch (las Gewirr alter Gäßchen durch gebrochen sind, zeugen von ausgreifendem Unternehmergeiste und kühnem Neuerungswillen. Durch die Verbindung mit den größten Hafen des Landes, durch die Mischung jüdischer und arabischer Bevölkerung, erhält das Viertel einen internationalen u!1d bunten Charakter. Das rasche Wachstum der Prosperity-Zeit hat freilich hier und da auch zu falschen Berechnungen und zu gewissen Auswüchsen geführt. Einrichtung und Aufmachung mancher Bauten wirken übertrieben und daher falsch am Platze, in manchen Lokalen findet man — früher etwas in Palästina kaum bekanntes — den unbeschäftigten, kartenspielenden, alle anderen Sprachen, nur nicht hebräisch sprechenden Typus, bei dem man das Gefühl nicht los wird, daß er nicht nach Palästina eingewandert, sondern zufällig hierher verschlagen wurde. Wir wissen seit langem, daß solche Erscheinungen von Wellen der Prosperity mit angeschwemmt werden und daß wir mit ihnen fertig zu werden haben wie mit so vielen Nachteilen der großen Einwanderungszeit. Immerhin drängen sie sich an bestimmten Steilen so auf, daß sie unter den vielen Neuerscheinungen der letzten Jahre registriert werden müssen. Wie schnell veralten in Palästina die Dinge! Steinbauten an der Hauptstraße, die noch vor wenigen Jahren besonders stattlich erschienen, sehen klein und ärmlich aus neben den großen Fassaden auf der anderen Seite. Sie werden fraglos von der nächsten Prosperitywelle fortgespült werden, um neueren größeren Unternehmungen Platz zu machen. Die Planung der Stadt setzt das Moderne zwischen das Antike und oft unter größten Schwierigkeiten. Ziehen sich doch in der Hauptstraße zwei Friedhöfe hin und niemand weiß heute noch zu sagen, ob man sie an andere Stellen wird verlegen können, um die Häuserflucht auszubauen! So rasch wie das Neue auch im Lande vordringt, stößt es doch bei jedem Schritte auf das Alte, das nicht ohne Kampf seine Rechte aufgeben will. Und dieses Alte findet man in seiner vollen Buntheit und Anziehungskraft unmittelbar neben den imposanten Neubauten. In zehn Minuten vom Handelszentrum ist man iin arabischen Bazar und sieht mit gemischten Gefühlen, mit alter Anhänglichkeit an die bunte Welt des Orients und mit Verwunderung, wie sie den europäischen Besucher heute emp- Unbekümmert um politische Wirrnisse und ökonomische Bedrängnis hat der Karmel oben bereits sein schönstes Festklcid angelegt. Seine Schonungen sind stärker eingewachsen, Zyklamen und Anemonen stellen zwischen Felsen und auf den Abhängen, die Landschaft hat etwas so friedliches und strahlendes, nach den starken Winterregen dieses Jahres fast Die Stadt der weißen Würfel Das stärkste Charakteristikum der neugestaltefcn Haifaer Bucht sind die zahllosen kleinen H ä 11 s e r w ü r f e I, die nach der Länge und Breite die Sandstreifen der Düne bedecken und bis an die schweren Böden der Ebene aus greifen. Von Waudiopes Abschiedsreise **i Sir Arthur Wauchope stattete u. a. in Kfar Shmarpahu einen Abschiedsbesuch ab. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm ein Album mit Bildern von der Entwicklung der Siedlung überreicht. Wauchope hat bei vielen Gelegenheiten betont, daß er den verstorbenen Shmarpa Levin als seinen persönlichen Freund schätzt. Unser Bild zeigt von rechts nach links■ Dr. Alfred Landsberg, Sir Arthur Wauchope, Agronom Jizchah Wilkanskp und Dr. Herbert t'oerder Am.umrfoü

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