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Jüdische Rundschau · 1938-03-04 · Heft 18 (4.3.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 18 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 4. III. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Verkümmerndes und erwachendes Judentum Zu Max Brods Kafka-Biographie Max Brod: Franz Kafka. Eine Biographie (Erinnerungen und Dokumente). — Verlag Hcinr. Mercy Sohn, Prag. Nach Abschluß der sechsbändigen Gesamtausgabe der Werke von Franz Kafka hat der Herausgeber Max Brod nun noch einen Ergäri/ungsband in gleicher Ausstattung erscheinen lassen, der eine Biographie Franz Kafkas enthält. Aus ihr erfährt man u. a. auch, daß außer den Veröffentlichungen der ersten sechs Bände noch eine große Menge von schriftlichen Aeußerungen Kafkas vorhanden ist, das einer späteren Herausgabc Vorbehalten wird. Nach den Frohen, die Brod zitiert, ist leicht zu erkennen, daß auch in diesen gelegentlichen Aeußerungen Kafkas sehr viel Wertvolles enthalten ist, was das Bild dieses ungewöhnlichen Menschen und seines Schaffens ergänzt. Die Biographie Brods führt den Untertitel ,,Erinnerungen und Dokumente“. Die ״Dokumente“, die gemeint sind, sind zu in großen Teil Zitate aus Aufzeichnungen und Briefen von Kafka selbst, die nicht nur als biographisches Material zur Erläuterung der äußeren Geschehnisfolge dieses Lebens dienen, sondern an sich, als Aeußerungen eines Mensehen, der seine Eigenart selbst in den kleinsten Zügen seines privaten Lehens bekundet, kleine literarische Kostbarkeiten sind. Die Biographie ist geschrieben von einem Mann, der Kafka im Leben sehr nahegestnnden hat. So verwandeln sich große Teile des Buches aus einer Biographie in die Geschichte einer Freundschaft, wobei es natürlich eine schwere Aufgabe des innerlich so stark mitbeteiligten Verfassers ist, den richtigen Trennungsstrich zwischen rein privaten und für die Allgemeinlieit relevanten Dingen zu ziehen. Dazu kommt aber noch die einzigartige Verantwortung, die Brod für das Zugängüclmiachen von Kafkas literarischem Schaffen hat. Wir erfahren aus diesem Buch noch klarer als aus vielen früheren Quellen, daß Brod es war, der durch fortwährendes Drängen, teilweise unter Anwendung von List, Kafka bewogen hat, seine literarischen Arbeiten zu veröffentlichen. Bekannt ist die schwere Gewisseusentseheidung, die sich für Brod daraus ergab, daß Kafka letztwillig die Vernichtung seines litcrarisehen Nachlasses angeordnet hatte, eine Bestimmung, der Brod entgegenhandeln mußte. Die Begründung für diese Tat hat Brod wiederholt gegeben, und auch dieses Buch ist neben allem anderen eine Rechtfertigung; denn Brod weist nach, daß das Verhalten Kafkas in seinen letzten Jahren die zeitlieh weiter zurückliegende Anordnung der Vernichtung seines Werkes Lügen straft. Ohne Brods Eingreifen wäre Kafka tutbekannt geblieben. Aus dieser eigentümlichen Beziehung ergibt sich die von Brod Kafkas Werken gegenüber bezogene Stellung, die neben der des Freundes und Bewunderers etwas von der Haltung eines Impresarios und — Vormundes hat. Man bekommt zuweilen das Gefühl, daß Brod Bedenken hat, den Leser mit Kafka sozusagen allein zu lassen. Beide wollen von ihm behütet sein, der Autor und der Leser, und so entsteht ein gewisser Mangel dieses Buches aus einem Zuviel. Dies ist ein Gefühl, das sich des Lesers bemächtigt und offen ausgesprochen werden muß, wenn man dieses so wichtige und in manchen Teilen — man denke z. B. an das Schlußkapitel — geradezu überwältigende Buch würdigen will. Der Lebensweg Franz Kafkas besieht nicht ans hesonders bemerkenswerten oder tragischen Ereignissen und Abenfeuern. Die äußeren Geschehnisse sind mir die Begleitung zur Entfaltung seines inneren Lehens. Ihm sind die Ursituationen des menschlichen Daseins zum Problem geworden, und er stellt sieh ihnen, er vermag mit einer nachtwandlerischen Treffsicherheit des Ausdrucks, mit souveräner Bildhaftigkeit der Sprache diese Tatsachen des inneren Lebens in ihrer metaphysischen Problematik zu erfassen. Dies ist immer spürbar, wenn Kafka spricht, und besonders reizvoll ist diese immer unkonventionelle Haltung in ihrer Mischung mit einer naiven Jungenhaftigkeit. Brod druckt eine Reihe von Briefen und Karten ab, die sachliche Mitteilungen enthalten (wir haben sie wohl der Tatsache zu verdanken, daß in Kafkas Jugend in einer Mittelstadt das Telephon noch nicht eine so allgemeine Einrichtung war wie heute); auch im kleinsten ist da eine fühlbare Eigenart. In großen Zügen und mit vielen Details schildert Brod Kafkas Jugend in Prag, die Hochschtiljahre, die Zeit der ersten literarischen Arbeiten und Veröffentlichungen, eine für Kafkas Leben wichtige verti 11 :׳liick;e Verlolmngsgeschichtc, die den Vergleich mit Kierkegaard schon äußerlich so naherückt, und schließlich Krankheit und Tod. Auffallend ist nur, wie wenig der große Krieg in diese Biographie hineinspielt. Neben der Zeichnung des äußeret Verlaufs des Lebens und eng verknüpft mit ihr steht die Darstellung der inneren Entwichhing Kafkas, und das wichtigste Kapitel des Buches ist wohl das sechste Kapitel, das einzige, das nicht nach einem Lcbensnh -clinitt genannt ist, sondern die Uebersclirift ״Religiöse Entwicklung“ trägt. Die Zeit und das Milieu, denen Kafka entstammt, erklärt manches in seinem Wesen, freilich nicht alles. Für den jüdischeu Leser findet sich hier auch allgemein Interessantes, z. B. eine Charakteristik der Prager Juden der Vorkriegszeit. Kafka hat, wie wir erfahren, im Jahre 1019 einen mehr als 100 Seifen langen ,,Brief an den Vater‘• geschrieben, eine große Auseinandersetzung und Abrechnung, denn das Problem der Familie (Eltern, Ehe, Kinder) war für Kafka sein ganzes Leben lang ein zentrales. Aus diesem ״Brief an den Vater“, der nach Brods Mitteilung sich zur vollständigen Veröffentlichttng noch nicht eignet, zitiert Brod einige Stellen, die sich auf Kafkas Kindtri’ beziehen. Schon aus diesen Bruchstücken erkennt man, daß es sich um ein für die moderne Pädagogik überaus wichtiges Dokument handelt; die Unterdrückung des Selbstbewußtseins im Kinde wird als der entscheidende Faktor der ganzen späteren Entwicklung dargestellt. In diesem Zusammenhang nun macht Kafka auch Ausführungen über das Judentum in seinem Elternbause. Es wäre, so schreibt er an den Vater, denkbar gewesen, ״daß wir uns beide im Judentum gefunden hätten, aber was war das für Judentum, das ich von Dir bekam.... Es war ja wirklich, so weit ich sehen konnte, ein Nichts, ein Spaß, nicht einmal ein Spaß. Du gingst an vier Tagen itn Jahr in den Tempel, warst dort den Gleichgültigen zumindest näher als jenen, die es ernst nahmen, erledigtest geduldig die Gebete als Formalität, setztest mich manchmal dadurch in Erstaunen, daß Du mir im Gebetbuch die Stelle zeigen konntest, die gerade rezitiert wurde, im übrigen durfte ich, wenn ich nur (das war die Hauptsache) im Tempel war, mich hcrumdrücken, wo ich wollte. Ich durchgähnte und durchduselte also dort die vielen Stunden (so gelangweilt habe ich mich später, glaube ich, mir noch in der Tanzstunde) und suchte mich möglichst an den paar kleinen Abwechslungen zu freiten, die es dort gab, etwa wenn die Rundeslade aufgemacht wurde, was mich immer an die Schießbuden erinnerte, wo auch, wenn man in ein Schwarzes traf, eine Kastentür sich aufmachte, nur daß dort aber immer etwas Interessantes herauskam und hier nur immer wieder die alten Puppen ohne Köpfe. Ucbrigens habe ich dort auch viel Furcht gehabt, nicht nur, wie selbstverständlich, vor den vielen Leuten, mit denen man in nähere Berührung kam, sondern auch deshalb, weil Du einmal nebenbei erwähntest, daß auch ich zur Thora aufgerufen werden könne. Davor zitterte ich jahrelang. Sonst aber wurde ich in meiner Langweile nicht wesentlich gestört, höchstens durch die Barmizwe, die aber nur lächerliches Auswendiglernen verlangte, also nur zu einer lächerlichen Prüfungsleistung■ führte, unu dann, was Dich betrifft, durch kleine, wenig bedeutende Vorfälle, etwa wenn Du zur Thora gerufen wurdest und dieses für mein Gefühl ausschließlich ge.-cllsc'iaftliche Ereignis gut überstandest, oder wenn Du bei der Scclcngedächfiiisfeier im Tempel bliebst und ich weggeschickt wurde, was mir durch lange Zeit, offenbar wegen des Weggeschicktwerdens und mangels jeder tieferen Teilnahme, das kaum bewußt werdende Gefühl hervorriet, daß es sich hier uni etwas Unanständiges handle. — So war es im Tempel, zu Hause war cs womöglich noch ärmlieber. ...Das war also das Glaubensmaterin!, das mir überliefert wurde. Wie man mit diesem Material etwas Besseres tun könnte, als cs möglichst schnell losniwerden, verstand ich nicht; gerade dieses Loswerden schien mir die pietätvollste Handlung zu sein.“ Die Gedankenlosigkeit einer Generation, die glaubte, daß der von ihr noch aus einer früheren Zeit übernommene Zusammcnhang mit einer wenn auch verdünnten jüdischen Tradition sielt aulo iia i-ch auf die Kinder vererben werde, ohne daß diesen ein Gcmiitsinhalt oder eine sie innerlich ergreifende Unterweisung zuteil wurde, ist hier treffend charakterisiert. Kafka spricht deutlich aus, was in allen jungen Menschen seiner Generation (besonders im damaligen Oesterreich), vorging: die Ucber Windung dieses wertlosen und entarteten Judentums, dessen Reste man vor sich sah, schien eine Selbstverständlichkeit. Damit war bei denen, die nicht später durch den Zionismus den Umschwung erlebten (wie Brod und zum Teil auch Kafka selbst), der Bruch mit dem Judentum subjektiv eine moralische Notwendigkeit geworden. Das Prager Judentum war dabei aber noch in einer hesonders eigentümlichen Lage, denn die Prager Juden standen nicht nur außerhalb eines wirklichen jüdischen Volkslebetis, sie waren in einem Maße, wie dies bei keiner assimilierten jüdischen Gruppe sonst de״ Fall war, außerhalb jedes Volkslebens. In anderen Ländern, z. B. auch im damaligen Deutschland, konnten die Juden m eine n, mit ihrer Umwelt eng zusainmcnz.ulebcn. ln Prag war das wirkliche Volk tschechisch, und die Prager Juden, Träger des dortigen deutschen Kulturkrcises, waren durch eine Mauer von diesem Volke getrennt. Aber auch mit dem deutschen Volk des Landes, das etwa in dem böhmischen Randgebiete leb♦« und schon damals sehr stark völkisch-antisemitisch war, hatten die Juden keinen Zusammenhang. Sie waren eine kleine bürgerliche Gruppe, die in einer Treibhau־--Atmosphäre lebte und sich mit einer verblüffenden Se'lrd i 11״rhcit eigene intellektuelle Maßstäbe erfand, an deren Richtigkeit man nicht zweifelte. Kafka charakterisiert es in dem ״Brief an den Vater“ wie folgt: ״Itn Grunde bestand der Dein Leben führende Glaube darin, daß Du an die unbedingte Richtigkeit der Meinungen einer bestimmten jüdischen Gcsellschaftsklassc glaubtest.. .. Auch darin lag noch genug Judentum, aber zum Weileriibcriicfertwcrden war es gegenüber dem Kinde zu wenig, es vertropfte zur Gänze, während Du es weitergabst.“ — Brod hat die Situation des Landvermessers in Kafkas Roman ״Das Schloß“ als jüdisches Erlebnis gedeutet: Der Mensch, der überall als Fremder angesehen wird, überall um Aufnahme bittet und zu jeder Anpassung bereit ist und doch nicht eingereiht werden kann. Unabhängig davon, ob Kafka das wirklich gemeint hat (das ist bei einer das Wesen so treffenden Deutung unwichtig), kann man diese Auslegung noch erweitern: In einem hesonderen Maße ist es die Situation des Prager Juden, der dauernd in einem ganz andersartigen Volksmilieu lebt und dieses Anderssein sozusagen als eines seiner Lebenselemente vo!1 Anfang an als gegeben empfindet. Diese Juden hatten aber auch keine Beziehung zum ostjüdischen Volksleben. Zwar gab es früher auch in Böhmen ein jüdisches Volksleben, dessen literarischer Niederschlag etwa die Dorfgeschichten von Kompert sind, aber dies verblaßte immer mehr, nachdem die Mehrzahl der Juden in die Theater in Wien Von unserem Berichterstatter J. R., Wie n, am 2.• März Das H a bi nt a h- G a $ t s p i e 1, das unter recht schwierigen Rühnenhedingungen und erst nach Ueberwindung von Schwierigkeiten zustande kommen konnte, brachte Anskvs ״Dy bu k“. Auch heute, wie vor 20 Jahren bei Begründung der Habimah, ist der Eindruck von Spiel und Aufführung überwältigend. Die gesamte Wiener Tagespresse würdigte mit höchstem Lob die künstlerischen Leistungen der Habimah, in deren Mittelpunkt das Spiel der Rowina stand. Die Mitglieder der Habimah waren während ihres zehntägigen Gastspiels in Wien auch außerhalb des Theaters Gegenstand herzlicher Ehrungen. So fand im ״Ring der Alten- Herren-Verhände“ ein Empfang statt, bei dem Vertreter der Wiener Theater- und Kunstwelt, sowie zahlreiche Kritiker und Schriftsteller anwesend waren. Felix Salten feierte die Habimah in einer Ansprache, in der er seine Verbundenheit mit dem Geist dieser Bühne zum Ausdruck brachte. Für den ״Ring der Wiener Bühnenkünstler“ überbrachte Direktor Oesterreicher herzliche Grüße. Zum Schlüsse dankte für die Habimah Tschemerinski in hebräischer Sprache. Das ״Jüdische Kulturthcater“ brachte als zweites Scholem- Alechem-Stück das Stück ״Das Große Los“ (im Berliner Kulturbund unter dem Titel ״Amcha“ aufgeführt — Red.) in der deutschen Uebersetzung und Biihnenbearbeitung von Dr. Jakob Rosenthal zur Wiener Erstaufführung. Stück und Darstellung erzielten bei der Premiere einen großen Erfolg. Anläßlich des 100. Geburtstages von Josef Popper- Lynkcus (s. ״J.R.“ Nr. 17) fand im Konzerthaussaale eine stark besuchte Gedächtnisfeier statt. Nach detn Adagio aus Mozarts B-Dur-Quartett sprachen der Obmann des Vereines ״Allgemeine Nährpflicht“, Direktor Felix Frankl, für die tschechischen Sektionen Ingenieur Viktor S a x 1 und als alter Freund Poppcr-Lynkeus Professor Heinrich Glücksmann, der frühere Dramaturg des Deutschen Volkstheaters in Wien. Den künstlerischen Teil bestritten Burgtheaterschauspieler Ferdinand Onno, Erika Wagner und Cantill Tyndall, die Kapitel aus den ״P 11 a n t a s i e!1 eines Realisten׳‘ rezitierten. Am Geburtstage selbst fand sich eine große Anbaugerschar Poppcr-Lynkeus' im Rat haus park ein und legte vor dem dort au fgestellten Denkmal des großen Philosophen einen Kranz nieder. Am 20. Februar dirigierte in Wien Bruno Walter ein Konzert der Wiener Philharmoniker. Das Konzert wurde eingeleitet durch Mendelssohns Ouvertüre zum ״Sommernachtstrauin“. — In der Wiener Staatsoper wird unter Bruno Walters Leitung Verdis ״Maskenball“ neu einstudiert. Im Mai gastieren die Wiener Philharmoniker unter Walter mit Gustav Mahlers ״Lied von der Erde“ in Prag. Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wllmersdorfer 5fr. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Städte ausgewandert war und sich dort ״assimilierte“. Das Ostjudentum war in diesen Kreisen fast unbekannt, so seitsam dies auch scheint, wenn man bedenkt, daß Prag und Galizien damals zu dem gleichen Staat gehörten. Ein mälirischer Jude, Bertliold Feiwel, hat um diese Zeit durch seine Ueberset/uiigen zum ersten Male den WcsijuJeit einen Begriff von osfjüdisdier Dichtung und jiddischer Literatur gegeben. Eine Begegnung mit Ostjnden war damals in Prag eine große Seltenheit. So erklärt sich die erschütternde Wirkung, die die Bekanntschaft mit einer jiddischen Theatertruppe im Jahre 1910 aviI Kafka ausgeübt hat. Er nahm sich vor ailem eines Schauspielers namens Loewy an, mit dem er enge Freundscliaft schloß und für dessen urwüchsige, volkstümliche Kunst er eifrige Propaganda machte. Zu jener Zeit war Kafka auch schon mit dem Z i o 11 i s m!1 s bekannt geworden. Er studierte jüdische Geschichte und Geschichte der jiddischen Literatur, und obwohl er gegen die Formen, in denen ihm der Zionismus entgegentrat, eine deutliche Opposition empfand, hat er sich von da an anscheinend dauernd mit jüdiselten Problemen beschäftigt. Sogar sein enger Freund Max Brod wußte nicht immer davon. ״So z. B. erfährt Brod, daß Kafka 11 e b r ״ i s c It lernt, erst nachdem dieser schon 15 Lektionen in dem daniaU populären Lehrbuch von Rath hinter sich halte. Brod schreibt etwas entrüstet in sein Tagebuch: ״Diese einsame Geheimnistuerei. Es ist etwas sehr Großes darin, doch auch Böses.‘■ Der Wunsch Kafkas, mit d:e=c•! Dingen selber t'ertig zu werdm, eiklärt vielleicht alieh die von dem Freund schon etwas früher (l'H'j) uofiiTU■ F11Ü1 c:1uiung, die JE״.! mit seiner eigenen Entwick- Kafkas'״Widerstand wandte’' ״eh’t ,י11'ך 'seiner TaVebudinotk hervor: ״Was habe ich mit Juden gemein-am '■׳ Ich habe kaum damit, dal׳, ich atmen kann, in einen Winke! stellen.“ Kafka wehrte «ich nicht gern•׳! den Zioni-musoliden! Stegen das, was Brod damals unter der Paio'e ,u■ tn.■i׳t-elוa! 1 “ verstand und was der um cm-ame Klärung rin׳ ende Kafka seinem eigenen Wesen widersprechend empfand. Sn.iter wurde Kafka gezogen. Wahrend sei ne- Aufenthaltes m Berlin 1923 kam in d< r D ״ ן ’,o V D 1 11 1 ' ן I ui eine abschließenden Anschauung in uHi eben Dm״en!זי er infolge gi ö'se Grundhaltung ist mir bedingt als ..jndi-clr zu * bezeichnen. Brod erkennt als ihr Weseuflicli-tcs das Erlebnis der fnkommensurabilitat der Welt Gottes und der Menschen, ähnlich wie dies im Buch Hiob aiisgc-pr•ocheii wird. Dies verwechsle man aber nicht mit der modernen ״Theologie der Krise“; für Kafka bestellt zwischen Gott und Mensch nicht Heteronotnie, sondern mir ״Undeutlichkeit“. Bei Kafka, so sagt Brod, sind Glaube und Skepsis zu einer höchsten Synthese gediehen. Kafka hadert mit Gott wie Hiob, denn was Gott tut, erscheint den Menschen absurd und ungerecht, und dennoch bleibt bei ihm das Grttndgefühl, daß auf geheimnisvolle Art der Mensch mit dem transzendenten Reich Gottes verbunden ist. Das Werk dieses Dichters der Nachwelt gerettet zu haben, dafür gebührt Max Brod unermeßlicher Dank; und nun wird man dabei den Dank für diese wichtige, klärende und zu denkerischer Auseinandersetzung anregende Biographie einbeziehen. R. Ausstellungen in New York In N k fanden des .Malers! ou:s k y b a k, der vor einiger Zeit in Paris gestorben ist. Die .New York Times■• gabt das nebenstehende li bi 1״ e; der, das in einer New Yorker Interesse ist ferner eine Ausstellung, bei der die Werke des verstorbenen Profcssors Boris Schatz, des Begründers und langjährigen Leiters der Beznlel-SchuU• in Jerusalem, gezeigt wurden. Außer Werken von Boris Schatz waren auch Werke seines Sohnes Bezalel und seiner Tochter Zahara ausgestellt. Die Kritik lobt die Bronze-Statuen und die jüdischcn Typen von Boris Schatz, während von den Werken des Sohnes palästinensische und französische f andschaffen und von der Tochter AquareHski//en hervorgehoben werden. Alexander Kipnis, der bekannte jüdische Bassist, hat sich am 26. Februar von Marseille auf eine Reise nach Australien begeben, wo er eine Reihe von Kc Aeit gibt. Aus diesem Anlaß berichtet Kipnis einem Zeitungs- Vertreter über die vielen Begrüßungen und Einladungen, die er bereits im voraus erhalten hat. Unter den Musikern, die sich mit ihm in Verbindung gesetzt haben, sind, so sagt er, viele seiner ehemaligen Mitschüler an der Berliner Musikhochschulc. Im übrigen sei Australien musikalisches Neuland, ein Kontinent, der überhaupt keine ständige Oper besitzt. Er selbst sei der vierte europäische Sänger, der Australien bereist. Etwa zugleich mit Kipnis wird auch Richard Taubet dort singen. Bei Joachim Goldstein, Jüdischer Buchverlag, Berlin, erscheinen in den nächsten Wochen: Herbert Friedenthal: ״Ein Schiff unterwegs“ (Geschichte einer Ueherfahrt); Dr. Kurt Sternberg: ״Philosophische Probleme im biblischen und apokryphen Schrifttum der Juden“; Benno Kesstecher: ״Die Wunderleiter“ (Gedichte); ״Pult und Bühne“, ein Almanach, herausgegeben vom Kcichsverband der Jüdisehen Kulturbünde. Ferner veranstaltet der Verlag eine Subskription auf ein Buch von Sinsheim er: ״Shylock — dfc Geschichte einer Figur oder der Mythos vom Juden“,

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