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Jüdische Rundschau · 1938-03-04 · Heft 18 (4.3.1938) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 18 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 18, 4. III. 1938 Erbeinsetzung־ von Juden durch Arier Ein Amtsgericht hatte im September 1936 das Testament einer arischen Erblasserin vom 24. Dezember 1935 wegen der Tatsache, daß sie darin unter Umgehung ihrer Verwandten einen Juden zum Alleinerben eingesetzt hatte, als nichtig angesehen. (Vgl. ,,Jüdische Rundschau“ vom 20. Oktober und 23, Dezember 1936.) Der zum Erben eingesetzte jüdische Kaufmann L., dessen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins auch beim Landgericht erfolglos blieb, ist mit seiner weiteren Beschwerde durch einen jetzt bekannt gewordenen Beschluß des Oberlandesgerichts München vom 16. November 1937 (Wx. 327. 37) abgewiesen worden. Die 1891 geborene ied ige Erblasserin, eine Aerztin, hatte bis zu ihrem Tode im Jahre 1936 Beziehungen zu L. unterhalten, die mindestens bis 1933 auch geschlechtlichen Verkehr umfaßten. Vorübergehend war sie mit einem englischen Juden verlobt Anläßlich des Rücktritts von dieser Verlobung erhielt sie eine größere Abfindung. Dieses Geld sowie auch eigene Ersparnisse gab sie L. darlehnsweise für sein Oe- Schaft. Nach den Feststellungen des Landgerichts war die Erblasserin nach Rückerstattung der früher von L. erhaltenen Zuwendungen ihm zu keinem besonderen Danke mehr verpflichtet, andererseits hatte L. die Beziehungen zu geschäftliciiem Vorteil ausgenutzt und auch noch Geld als Darlehen erhalten, als sein Geschäft zurückgegangen war Und mit Rückzahlung nicht mehr gerechnet werden konnte. Wenn die Erblasserin trotzdem lediglich auf Grund der Jahrelangen atilKrchelichcii geschlechtlichen Beziehungen einen Juden unter Uebvrgthung ihrer eigenen nahen Verwandten zum Alleinerben ihres Vermögens einsetzte, so verstößt, wie der Beschluß des ()berlamlesgerichts hervorhebt, nicht nur dieses Verhalten gegen die guten Sitten, sondern auch die letztwillige Verfügung stellt nach Inhalt, Beweggrund und Zweck im Widerspruch zu dem herrschenden in der nationalsozialistischen Weltansclnuniiig bcgiundeten Volksempfinden. Eine solche Erbeinsetzung ist demgemäß wegen Verstoßes gegen die guten Sitten nach § 138’BOB. nichtig. )Herausgabe jüdischer Literatur genehmigungspflichtig Die Presse-Abteilung der Reichs Vertretung der Juden in Deutsch Und teilt mit: Vielfach besteht in jüdischen Kreisen nicht die notwendige Klarheit über die amtlichen Bestimmungen für die Hera u s g;1 b e v o n B u e h e r n u 11 d Brosch ü r e n. Um allen Beteiligten Unannehmlichkeiten und Nachteile zu ersparen, Wird auf folgendes!!!!!gewiesen: Laut Anordnung des Sonderbeauftragten des Herrn Reichsministers für Volksam'klarung und Propaganda vom 30. Juli 1937 besteht eine b e s o n d e r c G e n e h m i g u n g s p f I i c h t für die Herausgabe jüdischer Literatur, einschließlich aller Sonderdrucke, Festschriften und ähnlichen Broschüren, gleichgültig, in weichem Druck- oder Vervielfältigungsverfahren sie hergestellt werden, ob sie verkauft oder unentgeltlich verteilt werden sollen, ln der Regel werden Herstellung und Vertrieb jüdischer Druckwerke nur im Rahmen des jüdischen Buchhandels gestattet. jüdische Buch verleger und Buchhändler dürfett ihr Gewerbe im deutschen Reichsgebiet ausüben, w׳enn sie ihre Tätigkeit auf jüdische Literatur und auf einen jüdischen Abnehmerkreis beschränken. Alle zum jüdischen Buchhandel gehörenden Personen und Unternehmen werden vom Sonderbeauftragten des Herrn Reichsministers für Volksanfklärung und Propaganda, Berlin WS, Wilhelmplatz 8/9, erfaßt und bedürfen seiner Zulassimgsgenehmigung. Alle Anträge sind direkt an die bezeichnete Stelle zu richten. Sir Ronald Storrs auf Reisen Sir Ronald Sl״rrs, der erste Gouverneur von Jerusalem nach dem W eltkrieg, war linde Januar in Aegypten und dann auch einige Tage iri Palästina. Auf seiner Rückreise im Februar hat er eine Reihe von europäischen Ländern besucht. Wir berichteten ü!ht Den Vortrag, den Sir Ronald in Budapest über Lawrence gehalten hat. Storrs war dann u. a. in Prag und W a r s c h a u. In Prag hat er die jüdischen Sehenswürdigkeilen, ,.A!tn!-u»cl111i“ und jüdischen Friedhof, besucht und sich auch mit einem jüdischen bmrnalisten unterhalten. Er sagte, er sei ein Freund der Juden und wünsche auch eine Förderung der jüdischen Litt wamieran!׳• nach Palästina, aNtr er glaube, daß wie viel große re Zahl von Juden in Palästina Platz fände, wenn!יוan an Stelle des Teilungsplanes eine andere Lösung f inde. Die Juden müßten, so sagte rurtg möglich macht! Was darunter zu verstehen ist, darüber wollte Storrs sich nicht äußern; der Interviewer aber hatte den Eindruck, Storrs ziele darauf ab, daß die Juden einem Minoritätsstatus in einem arabischen Staate /״stimmen sollten. Audi d;e-e Losung, so deutete Storrs an, würden die Araber nur schwer akzeptieren, aber die englischen Araberfreunde würden sich dafür einsetzen. Sir Ronald, der während seiner Amtszeit in Palästina vor 15 Jahren von den Juden häufig als ihr Gegner betrachtet wurde, legte Wert auf die Feststellung, daß er kein Antisemit sei. Die Nachricht, daß er politische Besprechungen mit Araberführern in Kairo geführt habe, sei unrichtig, auch sei er in Beirut nicht mit dem Mufti zusammengetroffen. (Wir haben kürzdich die Lebenserinnerungen von Stotrs in der ״Jüd. Rundschau“ ausführlich besprochen. Zu einer hebräischen Ausgabe des Buches, die vorbereitet wird, hat Storrs eine spezielle Einleitung geschrieben. — A. d. R.) Beschäftigungsverbot und jüdischer Haushalt. Wegen Verstoßes gegen das Beschiiftigungsverbot des Blutschutzgesetzes wurde in einem Urteil eines Oberlandesgerichts eine jüdische /Angeklagte verurteilt, deren erwachsener volljüdischer Sohn regelmäßig täglich, ohne bei ihr zu wohnen, in ihrem Haushalt das Mittag- und Abendessen einnahm und sich hierbei jeweils bis zu einer halben Stunde lang bei ihr aufhielt. Das Urteil hebt hervor, daß der Hausstand der Mutter für den Sohn, der keinen eigenen Haushalt hatte, kein fremder ist. Darin liegt der entscheidende Unterschied gegenüber einem Teilnehmer an einem Privatmittagstiseh, der in der Regel gehalten ist, sich alsbald nach der Einnahme der Mahlze't wieder zu entfernen. Darauf, daß der Sohn nicht bei der Mutter wohnt und schläft, kpmmt es nicht an. Die Einnahme der Mahlzeiten durch ihn in der geschilderten Art machte den Haushalt der Mutter zu einem jüdischen Haushalt. Dieser Begriff des Gesetzes ist weit auszulegen. Buber-Plioto. Die in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichte Photographie, die Buber in seinem Heim in Jerusalem darsteilt, stammt vom Photographen R. Weißenstein, Tel Aviv. ׳ Religiös-liberales Judentum Bericht Über ein Referat ׳׳ Von Max Grünewald (Mannheim) Vor mehreren Wochen traten die liberalen Rabbiner Deutschlands zu einer Jahrestagung zusammen, auf der der Vorsitzende der Vereinigung, Cäsar S e li g m a n n, sein Amt niederlegte (siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 99/1937). Er verabschiedete sich mit einem Referat über ״Religiösliberales Judentum“. Es enthielt einen Rechenschaftsbericht über eine Bewegung, die durch Jahrzehnte hindurch von Seligmann selbst mitbestimmt worden ist. In jedem Wort, in dem Ausdruck der Kritik und der Enttäuschung und auch in dem Aufruf, den er an den Schluß setzte, offenbarte sich die innere Beteiligung des Mannes an einem Werk, von dem er jetzt zurücktritt. Schon vorher klang etwas von dem Hauptthema des Tages an in der Einleitung, die der Koblenzer Rabbiner Vogelstein seinem sehr guten Referat über die Esra- Forschung voranstellte. Er machte da einige an AeuGerungen Geigers anknüpfende Bemerkungen zur Wissenschaft des Judentums überhaupt. Nach Geiger bedeutet jüdische Wissen« Schaft das ״Begreifen aller geistigen Lebensäußerungen des Judentums“. Deswegen vermag der christliche Gelehrte ״oft nicht den innersten Grundtrieb zu •entdecken“. Wer eine Kontinuität begreifen will, muß sich in ihr mitbegreifen, also in ihr stellen. Dem gibt Geiger folgenden Ausdruck: ״Da eine jede Entwicklung nur innerhalb der Geschichte möglich ist, muß auch der, welcher auf eine solche im Judentum wirken will, sich an die Geschichte anklammern, geschähe es scl!»st wider seinen Willen, was mir aber, so sehr es in mir auch inneren Widerspruch erzeugt.um so leichter ist, da ich mit Liebe an der ganzen geistigen Entwicklung des Judentums hänge und sie gewissermaßen einen Teil meiner Persön 1 ichkeit ausrnacht“. Auch Seligmann beginnt mit einer Geigerschen Rem i tt i s z e n z. Die erste von Abraham Geiger einberufene Rabbinerversammlung nämlich, um derentwillen auch diesmal Wiesbaden als Versammlungsort gewählt worden ist, ist aus dein religiösen Erlebnis hei vorgegangen, das das Erscheinen der ״Neunzehn Briefe“ von Samson Raphael Hirsch in Geiger hervorgerufen hat. Gegenüber anderen Behauptungen ruckt Seligmann den Tatbestand zurecht: Nicht emanzipatorische oder gar assimilatorische, sondern religiöse Motive machten Geiger zum Reformer, und aus einem religiösen Ringen ist somit die Bewegung des Liberalismus hervorgegangen, die vor Geiger nur in Ansätzen bestanden hat. In Briefmarken * Fritz Lewin LUtzowstr.91A einem Vortrag, den der Schreiber dieser Zeilen auf einer Tagung der liberalen Rabbiner im Jahre 1932 ebenfalls in Wiesbaden über die ״Paradoxien des jüdischen Liberalismus“ gehalten hat und in dem er sich bemühte, das Selbstbewußtsein des Liberalismus an seinem Ursprung darzustellen, ist er zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen, nämlich, daß in der Tat Geiger im Vergleich zu anderen Reformatoren von Assimilationstendenzen am weitesten entfernt war. Aber weder ist Abraham Geiger die einzige Quelle des Liberalismus gewesen noch haben bei ihm jene Tendenzen völlig gefehlt. Es war eben auch damals sehr schwer, sich vom ״Einmiinden in die allgemeine Geistesrichtung“ freizuhalten. Aber wenn wir darin vim eine Nuance von Seligmann abweichen, so werden wir um so eher mit ihm übereinstimmen darin, daß der Liberalismus in diesem Ansatz stecken geblieben ist. Damit werden dem Liberalismus keineswegs seine geschichtlichen Verdienste abgesprochen. Seligmann be* mühte sich in seinem Referat, ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Aber wie kommt es, daß die Geschichte des Liberalismus dennoch so unbefriedigend bleibt, daß die Bewegung, die mit einem solchen Aufwand vorgetrieben wurde, so rasch erstarrt? Als Antwort darauf richtet Seligmann in etwas steiler Art den Gegensatz von Masse und Führer auf. Die Führer sind die Rabbiner und einige ״Laien“, die Masse ist der große Haufen, der sich den Liberalismus zu seiner eigenen Bequemlichkeit zurechtlcgt. Er frönt einem gedankenlosen und unbezähmbaren Individualismus, er weiigert sich Opfer zu bringen, er wertet das jüdisch-poli tisch aus, was religiös gemeint ist, und er läßt die Rabbiner sogar bei dem Mindestmaß der Richtlinien In Stich ttnd setzt an die Stelle von Forderungen die ״gewissenhafte Ueberzeugung jedes Einzelnen“. Diese herbe Krifik ist gewiß zum großen Tei! berechtigt, wenngleich es sich in Seligmanns ״Geschichte der jüdischen Re form beweg!! ng“ anders liest. Da ist die Reform vorn Volk, ״vom lebendigen Träger des Judentums“ ausgegangen, da werden die Gemeindevorsteher, die Finanzmänncr, die Katifleute mit als diejenigen bezeichnet, die den Anstoß gaben, ,,innerhalb der Gemeinde erfolgte der Umschwung in Gesinnung, im Denken und Handeln, ohne, ja gegen den Völlen ihrer geistigen Führer.“ Ein Wort zu diesem Ruch: Es ist ein Buch, in dem die geschichtliche Beschreibang vorwiegt, es ist nicht aus jener Weite des Denkens heraus geschrieben, die eine Eigenschaft Seligmanns ist, und es endet mit den Richtlinien und einer Darstellung von der Entstehung der Liberalen Vereinigung, als ob darauf die Kämpfe eines Jahrhunderts angelegt gewesen wären. Noch einmal: Seligmann hat mit seiner Aburteilung der Masse recht. Worin er nicht recht hat, das ist die steile Gegenüberstellung von Masse und Führer; denn ein großer Teil dieser Führer gehörte selbst zur Masse. Das soll kein Urteil in Bausch und Bogen sein. Aber die Verbeamtung des Rabbiners mußte Wirkungen auf ihn selbst haben. Es konnte nicht ausbleiben, daß er von der Lebensauffassung der Mensehen und der Zeit angesteckt wurde. Er teilte die Vor- Stellungen der Masse vom Leben, von der Stellung des Religiösen und ihre allgemeinen Kulturideale in hohem Maße. Er predigte die Propheten — und machte Frieden. Und noch etwas: Jene historische Wissenschaft, die zweifellos ein verdienstvolles Ergebnis der Reform war und zur Gründung von Bildungsanstalten führte, und die einen frischen Luftzug in das Judentum brachte, machte am Ende faul und träge, weil entweder die religiöse Kraft fehlte oder jener Schuß philosophischer Besinnung, ohne die der Historiker nicht zum rückwärts gewandten Propheten werden kann. Diese lebendige Auseinandersetzung spielte sich zu einem großen Teil außerhalb der Rabbinergilde und außerhalb des organU sierten Liberalismus ab. Es ist doch kein Zufall, daß in dem breit angelegten Bericht von Seligmann über die Geschichte der Reform Hermann Cohen und Buber mit je einem Zitat wegkommen. Der dritte Teil von Seligmanns Ausführungen beschäftigt sich mit der verfehlten Stellungnahme des Liberalismus zum Zionismus und zum jüdischen Volk überhaupt. Seligmann hat in seinem schon genannten Buche keine tiefe Konzeption des Zionismus vorgetragen, aber Verständnis für ihn entwickelt wie für jede Kraft, die das jüdlsehe Erbe bereichert. Er hat das Wort vom Willen zum udentum geprägt. Allerdings glaubte er an einen Sieg des iberalismus über den Zionismus in dem Ringen um die jüdischen Seelen. Nun, in diesem Glauben hat er sich getäuscht. Er revidiert heute seine Ansicht, um die er zeitlebens innerlich gekämpft hat. Er findet die Opferwilligkeit auf seiten des Zionismus, er findet die Jugend, auch die Jugend, die bei ihm in die Schule gegangen ist, auf seiten des Zionismus. Er findet dort die Wiederbelebung der hebräisehen Sprache und die Renaissance großer Volkskräfte überhaupt. Nun erscheint ihm der Liberalismus in seiner bisherigen Form als denaturiert. Und da er wohl am organisierten Liberalismus, aber nicht am Gedankengut des Liberalismus schlechthin irre geworden ist, empfiehlt er in der Stunde, ln der er sein Amt in der Organisation der liberalen Rabbiner niederlegt, daß sich der Liberalismus mit dem Volke v erbindc, und diesmal mit dem wirklichen Volk. Er empfiehlt ein Judentum anzunehmen sozusagen in beiderlei Gestalt, als zionistisches und liberales. Die liberalen Rabbiner sollen damit das gutmachen, was einst die Protest-Rabbiner gefehlt haben. Zu dem Thema Liberalismus und Zionismus ist viel gesprochen und geschrieben worden. Es sei daran erinnert, daß die ״J. R.“ vor mehr als 10 Jahren dieser Frage eine Sondernummer gewidmet und deren wichtigste Beiträge dann als Broschüre nerausgegeben hat unter dem Titel: ״Die jüdische Idee und ihre Träger“. Es liegt am Liberalismus, daß er die fruchtbare Stunde einer Verständigung versäumt hat. Zum dritten Male aber muß nun der Kritiker Seligmann ins Wort fallen, nicht um ihn zu belehren, sondern um ihn eben nur darauf hinzuweisen, was für Kämpfe heute im Zionismus ausgetragen werden, Kämpfe um die Tradition auf der einen Seite, um die universalen Werte auf der anderen Seite, wie schwer es zuweilen wird, den Zionismus noch als Ganzes anzuschauen, wie er eben nicht einfach da ist als ein fester Besitz, und wie er sich zu wehren hat, nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Deshalb kann der Beitrag des liberalen Judentums zum Zionismus kein organisatorischer sein. Das, was an Unverwüstlichem im Liberalismus steckt, muß auf seine Art aus dem Zionismus selbst hervorgehen, in ihm selbst noch einmal geboren werden. In seinem Referat gebrauchte Seligmann das treffende Wort von der Notwendigkeit der ״persönlichen Anwesenheit“ der verschiedenen Richtungen im Zionismus. Das ist das, was eben dem organisierten Liberalismus fehlte — die persönliche Anwesenheit. Trotz aller großen Anregungen, die von ihm ausgehen, trotz aller Behendigkeit im politischen Kleinkampf war er eine abstrakte Bewegung. Auch seine Welt- Kongresse leiden an dieser fahlen und fatalen Blässe, und Selbst in Amerika ist er keine Volks- und gemeinschaftsbildende Bewegung, sondern lediglich eine gesellschafisbegründende. Das kommt wohl daher, daß er noch nie und nirgends die schmerzliche und doch kräftigende Erfahrungdes Volkes durchgemacht hat. Der Vortrag Seligtnanns war in erster Linie ein Bekenntnis. Es liegt deshalb dem Berichterstatter nicht die Pflicht ob, nun seinerseits an jedem Punkte seine eigene Meinung zu demonstrieren. Es käme auch dann zu kurz der Respekt vor einem Mann, dessen wirklich frommes und warmherziges Wesen sich auch in der Art bekundete, wie er die Tür zu einem Zeitalter zuschloß — voller Vertrauen darauf, daß ein neues Zeitalter neue Kräfte entbinden wird. Er bleibt dadurch in Einklang mit einem schönen Wort von Abraham Geiger: ״Wenn einer nicht gleich an geben kann, wie die neue Gestalt beschaffen sei, ich dächte, dies liege in seinem Zutrauen zur Gesamtkraft und in dem gerechten Mißtrauen gegen seine einzelne Einsicht. Die Gesamtheit ist niemals bloß verneinend, sie schafft und gründet aus sich heraus.“ Chamberlain und Palästina Dr. Weizmann hat vor dem parlamentarischen Palästlna-Komitee des englischen Unterhauses am Donnerstag fesprochen. Mitglieder des Komitees legten kürzlich vor dem tinisterpräsidenten Chamberlain ihre Ansichten dar, der — wie erwartet wird — auch solche Unterhausmitglieder empfangen wird, die den arabischen Standpunkt vortragen wollen. Das Unterhausmitglied Morgan Jones sprach im Londoner Anglo Patestinian Club über Palästina und wandte sich gegen den Teilungsvorschlag. Ein Empfang für die Mitglieder des Zionistischen Aktions-Comitds wird in London am 7. März stattfinden. Dr. Weizmann wird bei dem Empfang präsidieren, ferner werden Ben Gurion und die Unterhausmitglieder Herbert Morrison und Captain Cazalet sowie andere Redner sprechen. _ Der Lord als Außenminister. Anläßlich der Ernennung von Lord Halifax zum englischen Außenminister wird darauf hingewiesen, daß es in den letzten 14 oder 15 Jahren (seitdem Lord Curzon, der Onkel des neuen High Commissioners für Palästina, Außenminister war) nur einen Präzedenzfall gab, daß ein Außenminister im Oberhaus saß, nämlich die kurze Amtsdauer von Lord Reading (der Jude war) während der ersten Nationalen Regierung iin Jahre 1931. Die Sache wird viel erörtert, weil die Opposition fordert, daß der Außenminister Mitglied des Unterhauses ist. Professor Dr. Ismar Elbogen, Berlin, zu 5״ Jahre Hilfe und Aufbau“: ״Hilfe und Aufbau“ hat sich für alle jüdisehen Menschen als Notwendigkeit erwiesen, für Wohlhabende und Bedürftige, darum müssen alle diese Institution fördern. Wir Juden in Deutschland sind vor die Aufgabe gestellt, bei schrumpfender Substanz wachsende Leistun- S" ״Hilfe und Aufbau“ nach Kräften unterstützen. m₪^m Am der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU“ v. 7. 3.1913 ln einer Generalversammlung der Bewohner des jüdischen Stadtviertels Te 1 Aviv wurde beschlossen, in diesem Stadtteil einen Konsumverein zu begründen... Seit eint• ger Zeit hat nun der neue Konsumverein seinen Laden, der unter der Aufsicht eines Komitees und unter Lei• tung von Frau lloafien steht, eröffnet. Herr Rabbiner J. L. Fischmann aus Ungeni (Rußland) hat hier (ln Palästina) das palästinensische Büro des ״Misrachi" eröffnet. Der mit der Abfassung der Anklageschrift gegen Beilis betraute Staatsanwalt am Muhilewer Kreisgericht, Loschkareff, hat die Anklageschrift bereits fertiggestellt und dem Justizminister übermittelt. Die Anklage lautet ausdrücklich auf Ritualmord.

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