Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-03-01 · Heft 17 (1.3.1938) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 17 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653557--31834-2683519
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 17 1. III. 1938 J0D1SCHE RUNDSCHAU Saite 9 Annahme der ״Flüchtlings-Konvention" In Genf trat eine zwischenstaatliche Regierungskonf ere n 7. Zwecks Abschlusses einer Konvention für die Flüchtlinge aus Deutschland ein. An der Konferenz nahmen Vertreter und Experten aus II Ländern teil. Ferner waren Vertreter des Verbindungs-Komitees des High Commissioners für Flüchtlinge aus Deutschland anwesend. Die Konferenz wurde vorn High Commissioner Sir Neill Malcolm eröffnet. Zum Präsidenten wurde der Vertreter Hollands, London, gewählt. Vizepräsident wurde der heiische Vertreter Louis de Brouckerc. Prof. Norman entwich begrüßte die Konferenz im Namen des Verbindungs-Komitees, Die Konferenz beriet den Entwurf des Abkommens über die Behandlung der aus Deutschland ausgewanderten Personen. Danach sollen diejenigen als deutsche emigrierte Personen angesehen werden, ״die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder besessen haben, aber nicht mehr des Schutzes durch die deutsche Regierung teilhaftig werden. Als Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Abmachung2n soll jedoch gelten, daß die betreffenden Personen eutschland nicht aus ,rein persönlichen Gründen‘ verlassen haben. Die als Emigranten anerkannten Personen sollen durch das Abkommen in den Stand gesetzt werden, sich im Rahmen der in dem Zufluchtsland geltenden Gesetze und Verordnungen a 11 f z 11 h a 11 e n. Sofern nicht besondere Orilnde der öffentlichen Sicherheit im Wege stehen, sollen die Emigranten aus dem G a s 11 a ח d e nicht ausgewiesen werden und auch nicht nach Deutschland zurückbefördert werden. Weitere Abmachungen betreffen den Genuß der bürgerlichen Rechte, die Gerichtsbarkeit, die A r b e i t s m ö gl i c 11 k e i t e 11 und die Zugäng:ichkeit zu selbständigen Berufen und zu den Schulen in den Zufluchtsländern, sowie schließlich die Steuerfragen. Hinsichtlieh der Arbeitsbedingungen einigte man sich dahin, daß die in den Vertragsländern geltenden Bestimmungen zum Schutz der nationalen Arbeit auf diejenigen Emigranten nicht an ge wendet werden, die mindestens drei Jahre in dem Lande leben oder mit einem Staatsan geh origen des betreffenden Landes verheiratet sind. 1111 übrigen sollen die Bestimmungen möglichst weitherzig angewandt werden.“ Die Probleme der jüdischen Jugend sind in potenziertem Maße die Probleme der jüdischen Gesamtheit. Ein jeder spürt die Krise, in der sich unsere Jugend befindet; aber wir wissen zugleich, daß eine Lösung aus eigener Kraft nicht gefunden werden kann, wenn auch andererseits eine größere Einheitlichkeit •dor Jugend in ihrer Zielsetzung die Lösung wesentlich erleichtern könnte. Es war das wichtige Ergebnis dieser Taguttg des Reichsäusschusses der jüdischen Jugend verbände, die am 7, und 8. Februar in Berlin stattfand, daß hier überhaupt einmal führende junge Menschen aus allen Lagern zusammeiigekomnien waren und freimütig die Fragen erörterten, um die es geht. Die Tagung hat zwar kein ״praktisches Ergebnis“ gehabt —■ sie hat nicht einmal eine ״Resolution“ gefaßt —־ aber die psychologische Tatsache, daß eine Ausspräche stattfand, ist ein wichtigeres Resultat, als es alle Resolutionen jemals hätten schaffen können. Zwei Grundfragen standen i 111 Mittelpunkt der Frörterunen: die Frage der jüdischen Aufgabe der Jugend in unserer eit und die ״Krise der Bünde“, die nicht mehr in der Lage sind, den Großteil der jüdischen Jugend organisatorisch zu erfassen. Bei der großen öffentlichen Kundgebung im Brüdervereinshaus — welch seltenes Bild: ein dichtgefüliter Saal von Jugendlichen! — kam diese Problematik nicht minder deutlich zum Vorschein wie bei der Tagung selbst. Dr. Hans Friedenthal sprach bei der Kundgebung (die auch zugleich als Ehrung Martin B u b e r s am Vorabend seines 60. Geburtstages edacht war) davon, daß die jüdische Jugend zwei Typen isher hervorgebracht habe: den Romantiker, der dann vom Chaluz abgclöst wurde, und daß sich jetzt ein dritter Typ vorzubereiten scheint: der ״Soldat“, der. in die Gemeinschaft sich einordnend, dienend am Werke der Gesamtheit mitschafft. Seine Rede war ein Aufruf an die Jugend, vorbehaltlos zu ihre m Volke Ja zu sagen, weil ohne diese Vorbedingung eine Gestaltung unseres Schicksals nicht möglich ist; weil sonst die sich in alle Welt zerstreuende Jugend dem Judentum verloren gellt. Auf die Notwendigkeit, das jüdische Schicksal als eine nationale und politische Frage zu verstehen, wies auch Dr. Georg Josephthal hin, der sich gegen die Propagierung eines ״Weltanschauungsjudentums“ wandte und vor allem die Forderung aufstelite, daß das Judentum nicht nur in der Freizeitgestaltung und in Feiern gelebt werden könne, sondern daß es vor allem im tagliehen Leben bewährt werden müsse. Die jüdische Jugend müsse verstehen, daß sie noch eine letzte Chance habe, eine qualifizierte Ausbildung in Handwerk und Land- Wirtschaft zu erhalten, mit der sie in der Welt konkurrenzfähig sein werde. Auf der Tagung, die von Dr. Hans Friedenthal geleitet wurde, hielt Dr. Hardi Swarsensky ein Referat über die Arbeit des Reichsäusschusses; seine Uebersicht zeigte, daß sich die Institution bemüht, den Bünden die praktischen und geistigen Voraussetzungen zu schaffen, die für ihre Arbeit notwendig sind. Ein Referat von Dr. Georg Josephthal über ״Erziehungsfragen jüdischer Jugend“ Beschäftigte sich eingehend mit der Situation der Bünde, an deren ״Sektierertum“ scharfe Kritik geübt wurde und die der Redner vor allem dazu aufforderte, ihre Menschen selbständiger und individueller zu erziehen, ihnen weniger Ideologie und mehr Tatsachenmaterial beizubringen. Dr. Paul Eppstein, der über ״Wanderung und berufliche Erziehung“ sprach, wies darauf hin, daß nur etwa 10 «b der jüdischen Jugend vom öffentlichen Ausbildungswerk erfaßt würden und der Rest eigene Wege gehe. Notwendig sei sowohl in der landwirtscnaftlichen wie in der handwerklichen Ausbildung für Palästina wie für Uebersee eine 2—3jährige gute Lehrzeit, die nicht allzu spezialisiert zu sein braucht, weil die Alles-und- Nichtskönner nur dazu beifragen, daß die Länder ihre Pforten für jüdische Einwanderer schließen. — Am Schluß der Tagung hielt Dr. Paul Fridberg ein Referat über körperliche Erziehung, das deshalb besonders wichtig war, weil die Bünde die körperliche Erziehungsarbeit erstaunlich vernachlässigen, obwohl die körperliche Durchbildung, besonders für die Einordnung in Palästina, ein wesentlicher Faktor ist. Zwischen den einzelnen Referaten gab es eingehende und zum Teil lebhafte Diskussionen. Redner aller Richtungen erörterten mit großem Ernst die Grundfragen des Lebens der Der Entwurf der Konvention wurde in der Schluß- Sitzung verabschiedet. Flic Konvention wurde von den Vertreten! von sieben Staaten unterzeichnet, nämlich Belgien, Großbritannien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Holland und Norwegen. Die übrigen vertretenen Länder behielten sich ihre Stellungnahme vor, bis der Text der Konvention durch ilire Regierungen geprüft sei. Die Konvention bedarf in allen Fällen noch der Ratifizierung durch die Regierungen. Alle Regierungsvertreter haben gewisse Vorbehalte für eine Anwendung der Bestimmungen in ihren Kolo- 11 i e n und Protektoraten gemacht. Nach Inkrafttreten der Konvention kann die Kündigung jederzeit erfolgen, jedoch hleiht der Staat, welcher die Kündigung ausspricht, noch ein Jahr lang an die Bestimmungen gebunden. Außer der Konvention ist in der Schlußsitzung ein Protokoll von den genannten sieben Ländern und von den Vertretern der Tschechoslowakei, Kubas, Schwedens und der Schweiz unterzeichnet worden. In ihm wird den Regierimgen empfohlen, ein Gremium einzusetzen, das Fragen der Auswanderer erledigen und mit den privaten Hilfsorganisationen, die sich der Äiiswandererhilfe in dem betreffenden Lande widmen, Zusammenarbeiten soll. Vor der Unterzeichnung der Konvention hat der Vertrete 1 Hollands eine Erklärung abgegeben. In ihr F.eißt es, daß es von größter Wichtigkeit sei, eine internationale Organisation zu schaffen, die sieh die Betreuung von Auswanderern zur Aufgabe macht und die Fragen der Auswanderung in ihren Kompetenzbereich einbezieht. Holland werde diese Angelegenheit auf der nächsten Völkerbunds- Versammlung im September zur Sprache bringen. Die Erklärung wurde von den Vertretern Belgiens, Englands, Polens, der Schweiz und Spaniens unterstützt. Die Annahme des Entwurfs mul seine Unterzeichnung durch Vertreter einer Reihe von Staaten, in denen z. T. zaliireiche jüdische Emigranten aus Deutschland leben, bedeutet für ihre Lage eine erhebliche Erleichterung. Dies gilt besonders für die Regelung, die ihnen die Möglichkeit der Arbeitsaufnahme in ihren neuen Wohnländern verschafft. jungen Menschen. U. a, beteiligte sich auch Prof. Kantorowicz von der ״Mittelstelle für Erwachsenenbildung“ an der Aussprache; er vertrat die Forderung einer ״Elementarisierung“ der Bildungsarheit, die der geringeren Schulbildung der jetzigen jungen Generation entsprechen soll. Die Diskussion bewegte sich im wesentlichen um die Frage, wie man an die nichtorganisierte Jugend herankommen könne, ohne daß freilich gangbare Wege gezeigt werden konnten. Die jüdisch-geistige Problematik der Zeit wurde ebenfalls von vielen Rednern berührt; es blieb der Gesamteindruck, daß die Jugend noch keine einheitliche Stellung zum Judentum gefunden hat. Keine Ausweisungen aus Ecuador Die Regierung von Ecuador hatte die Ausweisungen aller Juden aus Ecuador verfügt mit Ausnahme von Landwirten und erwünschten Industriellen. Von der Verfügung wurden 500 Personen betroffen. Auf Intervention der Hicem ist diese Verfügung aufgehoben worden. Die weitere Einwanderung von Juden nach Ecuador, die nicht landwirtschaftliche Berufe betreiben, ist gesperrt worden. Es werden jedoch in Kürze neue Bestimmungen erwartet, so daß gehofft werden kann, daß die Einwanderung von Landwirten und Handwerkern wieder möglich werden wird. _ Arbeitsbericht des Hilfsvereins Der Jahresbericht des Hilfsvereins der Juden in Deutschland für 1936,37 gibt einen Ueberblick über seine verschiedenen Arbeitsgebiete. Der Hilfsverein mußte das Schwergewicht seiner Arbeit immer mehr auf die Förderung der Ueberseewandcrimg, ja zum Teil auf die Erschließung neuer Einwanderungsniöglichkeiten verlegen. Diese Versiärkung der Ucbcrseewanderung gegenüber der in die curopäisehen Nachbarländer brachte eine außerordentliche Erhöhung der für den einzelnen Auswanderungsfall aufz.mveiiclendcn Beträge mit sich. Daß die Tendenz des Hilfsvereins, mit aller Kraft gerade die Ueberseewanderung zu fördern, richtig war, zeigt sieh vor allem in der verhältnismäßig befriedigenden wirtschaftlichen Einordnung der Auswanderer, die durch die Besserung der Wirtschaftslage in den überseeischen Ländern, nicht zuletzt aber durch die aufopfernde Arbeit der überseeischen jüdischen Organisationen erleichtert wurde. Im Jahre 1936 wurden allein mit finanzieller Unterstützung des Hilfsvereins über 5500 Personen zur Auswanderung gebracht; die endgültigen Ziffern für 1937 dürften kaum geringer sein. _ Jüdisches Schulschiff gestrandet _ An der Küste von Korsika strandete das jüdische Schulschiff ״S a r a h I“ auf der Fahrt von Tunis nach Marseille in einem heftigen Sturm. An Bord befanden sich 13 Mann Be- Satzung und 31 jüdische Kadetten. Die Besatzung und die Offiziersschüler wurden von einem Fischcrei-Schufzfahrzeug gerettet. Das Schiff konnte nach langwierigen Bemühungen flott gemacht und nach Livorno geschleppt werden. Es wird im dortigen Hafen repariert. (Es handelt sich bei diesem Schulschiff um das Schiff der an eine italienische Institution angeschlossenen jüdischen Marine-Schule in Civitavccchia, über die wir wiederholt berichtet haben.) Bei dem Verlust eines Hamburger Dampfers in der Nordsee in schwerem Sturm kamen zwei jüdische Besatzungsmitglieder ums Lehen, und zwar Klaus Wittncr und Julius Hamburger. Klaus Wittner war ein Chawer des ״Hechaluz“, der auf dein Schiff seine Ausbildung zum Seemann erhalten sollte. Der polnische Scjm-Dcputierte Budzinski hat einen Antrag auf ein völliges verbot der Schechita in Polen eingereicht. Judenfrage Sn Ungarn Von unserem Berichterstatter B u d a p c s t, im Februar Die rechtsradikale Propaganda, von der 70 110 _ wie ein Abgeordneter im Parlament bemerkte, — aut dem Antisemitisnuis begründet ist, dauert weiter an. Fiugzettel, aut offener Straße, bei öffentlichen Versammlungen verteilt, sind au der Tagesordnung, werden nur manchmal konfisziert, Plakate verkünden: ״Das Jahr 1938 ist das unsrige“ und in der Provinzstadt Györ (Raab) reitet ein in ostjüdische Tracht gekleideter Turul-Jiingling durch die Stadt: ״Jetzt sitzen wir noch zu Pferd, aber wir kommen und setzen uns euch aufs Genick.“ Sensationell wirkte, daß einer der ältesten und extremsten Führer der Pfeilkreuzler, Graf Josef Pälffy- Daun, i!1 Presseerklärungen seinen Bruch mit sämtlichen! extremen Tendenzen ankündigte. Die Gerechtigkeit müsse über die Leidenschaften siegen, in Ungarn dürfe nur Real* politik, d. h. Wirtschaftspolitik getrieben werden.!״zwischen haben die Advokafciikammcni von Budapest- Umgebung und Eg er (Erlau) den mimerus clausus für neue Rechtsamvaitschaftskandidaten eingeführt, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß auch die übrigen Kammern des Landes dem Beispiel folgen werden. Dagegen konnte die Frage des obligatorischen Befähigungsnachweises der Kaiiflcute, obwohl der christliche Baroß-Verband sie zu einer konfessionellen Frage machen wollte, noch nicht in der von dieser Seite propanierten Weise erledig} werden. Die Entscheidung liegt in den Händen des Ministers. Zionistische Tagung Der Ungarische Zionistische Landesverband hielt seina 10. Landeskonferenz ah. Nachdem der Vorsitzende, Dr. Julius Miklös, die Vertreter der benachbarten Landes- Organisationen begrüßt und die innerpolitisclie Lage der ungarischen Jlldeuheif geschildert haUe, deren überwiegende Mehrheit noch immer jeder politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen ״Vcrteidigungsposition" ideologische und persönliche Widerstände entgegensetze, nahm Dr. G o I d ni a!1 n das Wort, um eine Analyse der heutigen Lage in und um Palästina zu geben. Im Laufe der letzten Wochen hielt auch Rabbi Mosche Blau aus Jerusalem als Delegierter der Agüdali hier Vorträge über die Lage des orthodoxen Jischuw. Als Gast der Society of the I lungarian Quarter]}• hielt Sir Ronald Storrs einem Vortrag, indem er sieh mit den Anfängen der englischen Palästinapolitik, insbesondere mit der Persönlichkeit seines Mitarbeiters Lawrence, beschäftigte. Storrs empfing bei dieser Gelegenheit den in Budapest weilenden Rabbiner Jonathan H o r o w i t z, den Vorsitzenden der palästinensischen Agudah, mit dem er fr! hebräischer Sprache über die Probleme des Heiligen Landes sprach. Amerikanische Landeskonferenz für Palästina 4' 2Millionen-Dollar-Drive Die große amerikanische Landeskonferenz für Palästina, die in Washington stattfand, gestaltete sich zu einer gewaltigen Demonstration des Eintretens der a m e r i k a n i - sehen Judenhcit f ü r das Jüdische Nationalheim. Die Konferenz war vom Geiste aktiver Arbeitsfreudigkeit beseelt, und es kam auf ihr der feste Wille zum Ausdruck, in der Palästina-Arbeit fortzufahren. Auch die nichtjüdische Welt hat die Konferenz mit Interesse verfolgt und die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihre bereits mehrfach betonte Sympathie für die jüdische Arbeit in Palästina neuerlich bekundet. Vor Eröffnung der Konferenz hatte der Präsident der Amerikanischen Zionistischen Organisation, Dr. Wise, eine Unterredung mit Präsident Roosev e 11, und auf der Konferenz selbst war der amerikanische Innenminister Ick es anwesend, der in eine!• längeren Ansprache die Grüße Roosevelts überbrachte und der Anteilnähme der amerikanischen Regierung an den jüdischen Be- Strebungen in Palästina Ausdruck gab. Bei der Eröffn״!!״ der Konferenz hielt ferner Nathan Straus, der Sohn des großen, in Palästina durch das Ge.-1111dhei!s/c!1t!um veiewigteil Philanthropen gleichen Namens, eine Ansprache. Nathan Straus ist bekanntlich kürzlich?um Wohnbaiikommissar der Vereinigten Staaten ernannt worden; er ist auch einer der Ehrenfunktionäre des PaL'-stina-Aufbau-Fonds (,United Palestine Appeal). Dr. Weizinaun sandte aus Palästina an die Tagung eine Botschaft, in der er die Notwendigkeit darlegte, daß die amerikanischen Juden in der jetzigen kritischen Zeit Palästina nicht im Stich lassen und äußerste Anstrengungen machen, um über die Schwierigkeiten hinweg/uheiieii. rung. Dr. Karpf, nichtzionistisches .Mitglied der Exekutive der Jcwish Agency, legte in einer längeren Ansprache die ablehnende Haltung der amerikanischen Nicht/ionUten zur Tcilungsfrage dar. Ihm entgegnefe der von der Palästina- Exekutive nach den Vereinigten Staaten entsandte ferusaletner Anwalt der Jewish Agency, Dr. Bernhard Joseph, der klar zu machen versuchte, daß'das Fallenlasscn des Teilungsplanes; die Gefahr einer für die Juden u n gü!1 s t i g e r e n Lösung mit sich bringen würde. — Die Stellungnahme von Dr. Karpf läßt sich in folgenden Punkten zusammenfassen: Die Teilung sei ökonomisch ungenügend und schafft politische Unsicherheit und die Frage eines Judenstaates erzeuge innerjüdische Uneinigkeit. Die amerikanischen Nichtzionisten sind aber Gegner einer Kristallisierung des Status quo. Sie fordern die Einberufung einer Round Table-Konferenz zwischen Juden und Arabern, da sie der Meinung sind, daß das Mandat durchführbar ist und die Mehrheit der uden und Araber ein harmonisches Zusammenleben wünscht, ie treten ein für die Schaffung eines jüdisch-arabisehen Staates mit gegenseitiger Zusicherung, das :־ ' a Volk nicht zu beherrschen.' Die amerikanischen NichtzQ;״istert fordern ferner die Festsetzung der Einwanderung gemäß der ökonomischen Fassungskraft des Landes und sind Gegner des׳ jetzt angewandten Prinzips eines politischen Maximums. Weiter ׳verlangen sie die Erschließung T r a ״ s j o r d a n i e n s für jüdische Einwanderung. Im weiteren Verlaufe seiner Rede erklärte Dr. Karpf, die amerikanischen Nicht/ionisten schlagen vor, daß die Jewish Agency zur Repräsentanz aller Jude n ausgebaut werden soll. Die Konferenz nahm eine Resolution an, 41 '״> Milli 0«« nen Dollar für den United Palestine Appeal in Amerika: aufzubringen. Die Resolution fordert ferner die Aufhebung' der gegenwärtigen Beschränkungen der Einwanderung nach Palästina durch die britische Regierung. Zum Abschluß der Tagung fand ein Bankett statt, bei dem Stephen Wise sprach. Die Jugend sucht neue Wege Tagung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände WEIZMANN: JUden und Aufsätze d 1v« scheint a in 1. April 1938 324 Seiten /׳Bei Bestellung, bis 15. März M \ Gan/.l. BM ®*•SO Vermiiß. sich!1.Preis nulTiM “*;•SO] Durch alle jüdischen Buch vertriebe Jüdischer Buchverlag Erw in Löwe, Berlin W 50

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.