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Jüdische Rundschau · 1938-03-01 · Heft 17 (1.3.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 17 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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N.. 17 1 Hu 1?38 JÜDISCHE RUWPSIgHAU Sr5 ’־ IN ALLER KURZE Der Präsident des Board of Deputies (Oesamtvertretung der englischen Juden), Sir Osmond d’Avigdor Oolds m i d, ist zurückgetreten. In einer Sitzung wurde er zum Ehrenmitglied des Board ernannt. Dr. Israel Feldman (Zionist) wurde zum Vizepräsidenten an Stelle des zurückgetretenen NichtzionisU-n Lionel L. Cohen gewählt. Zwischen dem Joint Distribution Committee und dem United Palest ine Appeal in Amerika ist ein Abkommen auf der Basis vorgesehen worden, daß aus gemein- Samen Sammlungen, die in einzelnen Gemeinden Amerikas durchgeführt werden, 60 "0 für den Joint und •10 0,״ für die Palästina-Arbeit entnommen werden sollen. Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Staatsrat Dr. Fried mann sowie der Präsident der ,,Union österreichischer Juden“ Ui ek:or Dr. O p p e 11 11 e i 111 wurden von Bundeskanzler Dr, Schuschnigg empfangen. In beiden Unterredungen erklärte der Bundeskanzler, daß die österreichische Regierung an der Verfassung vom 1. Mai 1934 unbedingt festhalte und daß keinerlei antisemitische Maßn a h m c n inOestcrreic h geplant seien. Der österreichische S t a a t s r a t verabschiedete das Gesetz über die Aufenthaltserlaubnis für Ausländer in zweiter Lesung. Uns Wil'-rier A״nc"alionsgericht bedäi;te das Urteil des Warschauer Ol c’.gc idits, dirch das Wo!t Szczerbowski, der in Brest-Litowsk einen Polizisten gelötet hatte, an Stelle (ier To׳'e־stra'c zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt worden war. Der jugos’!wische Premierminister l)r. Stojadinowie hat!0(100 Dinar für ein jüdisches Frauenheim in Belgrad gespendet. Der mexikanische Innenminister hat eine Untersuchung über den rechtlichen Status der Immigranten angeordnet. Ferner wurde die vorläufige Einstellung der gesamten Immigration 1k׳k! rt. 120 Einwanderer-Erlaubnisse wurden annulliert, darunter nur zwei von Juden. Das Preußische Gesetz über das Schulgeld an den öffentlichen höheren Schulen ist abgefiudert worden. Es wird darin!1. a. bestimmt, daß für rcichsangehörige Kinder, die nicht deutschen oder artverwandten Blutes sind, und die Kinder von Staatenlosen kein Anspruch aut Geschwisterer m ä ß i g u!1 g bestellt. Bei der Volkszählung am 17. Mai wird erstmalig eine Erhebung über die Abstammung durchgeführt. Durch diese sollen Unterlagen über die Zahl der Juden und der jüdischen Mischlinge in Deutschland gewonnen werden. Hakenkrciizflag^cn und sonstige Symbole der N'SDAP und des Staates dürfen nach einer Anordnung von jüdischen Firmen weder hergestellt noch verkauft werden. Die litauische Regierung hat S5 0II0 Lit. für jüdisch-philanthropischc Institutionen ausgesetzt. Eine Konferenz der kanadischen Zionistischen Organisation beschloß, eine Petition an die Britische Regierung zwecks Erlaubnis einer Ma sen-Einwanderung nach Palästina einzureichen. Bei einer Veranstaltung der Norwegischen Zionistischen Vereinigung in Oslo sprach Fräulein V. Dann ewig, langjähriges norwegisches Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, über die Mandate des Völkerbundes im Orient. Rektor Hugo Bergmann wurde von den meisten schwedischen Hochschulen zu Gastvorlesungen cingeladcn. Aas den Kurorten Auf dem Weißen Hirsch bei Dresden dürfen jüdische Kurgäste künftig nur in jüdischen Hotels, Fremdenhäusern oder Pensionen wohnen, in denen kein deutschbliitiges weibliches Personal unter 45 Jahren beschäftigt wird. Sie dürfen die Trinkquelle, die Schutz- und Ruhestätten nur zwischen 13 und 15 Uhr benutzen, während ihnen der Zutritt zum Luftbad und zur Lesehalle grundsätzlich verboten bleibt. Es ist ihnen nicht gestattet, sich in unmittelbarer Nähe dieser Einrichtungen aufzuhalten. Bei diesen Bestimmungen wird zwischen in- und ausländischen Juden kein Unterschied gemacht. Die Stadt- und Kurverwaltung K ö n i g s t e i n i. T. hat eine Anordnung erlassen, wonach Juden der Zutritt zum städtischen Kurhaus sowie zum Kurhauspark, ferner die Benutzung des städtischen Schwimmbades und der dazu gehörigen Liegewiese verboten wird. Auch das Parken, sowie jeglicher Aufenthalt auf städtischen Parkplätzen und die Benutzung sämtlicher städtischer Anlagen und Spielplätze, sowie das Betreten der Burgruine sind Juden untersagt. Keine jüdischen Versteigerer mehr Die Reichsregierung hat eine Novelle zum Gesetz über das Versteigerergewerbe beschlossen, durch die Juden künftig aus diesem Gewerbe ausgcschaltet werden. Im Kunstversteigerergewerbe waren Juden auch bisher schon nicht mehr zugelassen. Künftig werden Juden im Ver- Steigerergewerbe überhaupt nicht mehr tätig sein können, und die bisher Juden erteilten Erlaubnisse erlöschen am 31. Juli 1938. Von Rexingen nach Malchuiia / übersiedelt > Das nebenstehende Bild, entnommen dem vom Israelitischen Oberrat von Württemberg herausgegebenen Sainmclwerk ״Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg׳‘, zeigt das Dorf Rexin gen und den jüdischen Friedhof. In diesem Dorf wird zum ersten Male der Versuch unternommen, eine jüdische Dorfbevölkerung aus Deutschland vollzählig nach Palästina zu verpfianzen. In den nächsten Monaten «erden 74 Menschen nach Palästina übenfedeln, um dort angesiedelt zu werden; die erste Gruppe ist am 16. Februar bereits abgereist. Der KKL hat der Siedlung 670 Dtinam Boden südlich von Naharia (an der Straße Haifa -Beirut) zur Ver- Fügung gestellt. Das Abkommen wurde von der palästinensischen Sicdhmgsge- Seilschaft ״Rasseo“ geschlossen. I )ic neue Siedlung wird den Namen ״M.ak'liutia“ tragen, eine Ueberset/urig des lateinischen Sinnes des Wortes ״Rexingeii“. iiiiiiiimmiiiiiiiiiiiimiiiimiiimiiiiiamiiimiiiiiiiiiiiimnmiinn Aus dem Wirtschaftsleben Bei der mechanischen Segeltuchweberei, _Ze!iebau und Kunstlederfabrik Bau mann & Lederer A. G. in Kassel sind die jüdischen Mitglieder des Vorstandes und der Verwaltung aus ihren Aemtern ausgeschieden. Im Besitz der ausschlaggebenden Mehrheit ist gleichfalls ein Wechsel erfolgt. Wie verlautet, hat die Martin Brinkmann A.-G., Bremen, die Aktienmajorität der Zigarrenfirma J. N e u in a n n A. - G., Berlin, erworben. Der bisherige Vorstand und ein Teil der Aufsichtsratsmitglicder der Neumann A.-G. sind zurückgetreten. — Die Zigarren fabrik Heinrich Jakobi in Mannheim ist in den alleinigen Besitz der Firma Grimm und Triepei, Nordhausen, übergegangen. Hie Schuhfabrik Jakob Adolf in Pirmasens ist von der Pfälzischen Schuhwarenhersteliungs- und Vertriebsgenossenschaff m.b. H., Sitz Pirmasens, übernommen worden. — Das Schuhgeschäft ״Schuh Selig“ in Nord hausen ging in arischen Besitz über. Die Herrcnkleiderfabrik Roos ft Cahn in Bielefeld wurde von F. Niemann übernommen. — Die Herrenkleiderfahrik lunkermann ft Speyer in Bielefeld ging in den Besitz des Kaufmanns Tschad! über. Der Vorstand der Vereinigten Flansch enfabrik e n und S t a n z w e r k e A G. Hattingen (Ruhr) gibt bekannt, daß mehr als 75 0״ des gesamten Aktienkapitals dieser Gesellschaft in den Besitz der Maschinen- und Kranbau, Leo Gottwald. Kommanditgesellschaft, Düsseldorf, und damit in arische Hände übergegangen sind. Bisher lag die Aktienmajorität bei der Essener Firma Stern. Das Anhänge-Etikett der ,,Adefa“ ist in diesen Tagen in den Schaufenstern des arischen Einzelhandels erschienen. Es bezeichnet Ware, die vom Weber bz.sv. Wirker über den Bekleidnngsfabrikanten bis zum Einzelhändler nur durch arische Hände gegangen ist, denn die Mitglieder der ״Adefa“ haben sich verpflichtet, alle Verbindungen mit jüdischen Lieferanten, Vertretern und Kunden abzulchnen. Wolf Netter & Jacobi verkauft Die Verwaltung der Manncsmannröhren-Werkc und die Geschäftsinhaber der Firma Wolf Netter ft Jacobi Komm.-Ges. auf Aktien, teilen mit, daß die zur Gruppe Wolt Netter ft Japobi gehörigen Unternehmungen, d. h. also die Wolt Netter ft Jacobi Komm.-Ges. auf Aktien, Berlin, und die Offenen Handelsgesellschaften Wolf Netter ft Jacobi in Frankfurt und Berlin, rückwirkend per 1. Januar 1938 in den Besitz der Mannesmannröhren-Werke, Düsseldorf, übergehen. — Das Stammhaus der Firma Wolf Netter & Jacobi bestand seit 1833 — der Ausgangspunkt lag in Bühl (Baden) —, die K. G, a. A. seit 1925; die Gruppe umfaßt Walzwerke, Verzinkereien, Stahlbau usw. in Finnentrop, Leipzig, Bühl, Meggen, Hausach und Langschede; es werden Bleche der verschicdensten Art, Bandeisen, Fässer und verschiedene andere Erzeugnisse fabriziert. Das Aktienkapital beträgt 5 Mill. RM. Geschäftsinhaber waren Regierungsbaumeister a. D. Ludwig Netter in Berlin und Rechtsanwalt Dr. jur. Julius Seligsohn•• Netter, Berlin. Die Judenfrage in Italien Für einen Judenstaat — aber nicht in Palästina Auf Grund des Erscheinens eines antisemitischen Wochenblattcs in Rom und der sich daran knüpfenden Erörterungen in der ausländischen Presse wurde von italienischer Seite eine Stellungnahme zur j u d e 11 f r a g e in 11 a 1 i e n veröffentlicht, in der folgendes gesagt wurde: ״Was die Nachrichten anbelangt, nach denen in Italien die Veröffentlichung von Werken jüdischer Autoren verboten worden sei, so gibt man an zuständiger Stelle zu, da(i eine Bewegung in diesem Sinne existiert. Diese Bewegung richtet sieh aber nicht gegen die italienischen Juden, deren Loyalität man kennt, sondern gegen das internationale Judentum, das antifaschistisch ist. Veröffentlichungen solcher jüdischen Autoren sind iii Italien verboten worden, weil diese Autoren an antifaschistischen Strömungen teilgcnommen haben. Im übrigen ist das jüdische Problem ein politisches und kein rassisches Problem.“ Auch die offiziöse italienische Korrespondenz. ״I11 f o r - mazione I) i p 1 o m a t i c a“ hat zum gleichen Thema Stellung genommen, und zwar wie folgt: ״Pressepolenliken haben kürzlich in einigen Auslandskrei• sen den Eindruck hervorrufen können, daß die faschistische Regierung im Begriff stehe, eine antisemitische Polit i k einzuleiten. In verantwortlichen Kreisen Roms sieht man EC6TH strumpie, stricKuiaren 1 lEy IH wasche, Handschuhe / Bin.-schonebg. Grunewaldstr. 58 a, Bay.PI. Toi. 713813 sich in der Lage zu versichern, daß dieser Eindruck vollkommen irrig ist. Man ist der Meinung, diese Polemiken seien dadurch entstanden, daß die Kreise des Antifaschismus in der Welt regelmäßig von jüdischen . Elementen geführt werden. Die verantwortlichen römischen Kreise meinen, daß das Weltjudenproblem nur in einer Weise wirklich gelöst werden kann: dadurch, daß man irgendwo in der Welt, aber nicht in Palästina, den jüdischen Staat schafft, einen Staat im vollsten Sinne des Wortes, der imstande ist, auf den normalen diplomatischen und konsularischen Wegen alle in der Welt zerstreuten jüdischen Elemente zu vertreten und zu schützen. Wenn auch in Italien Juden leben, so folgt daraus nicht mit Notwendigkeit, daß ein spezifiseh italienisches Judenproblem bestehe. 111 anderen Ländern zählen die Juden nach;Millionen, während in Italien bei einer Bevölkerung von jetzt 44 Millionen der Anteil der Juden zwisehen 50 000 und 60 000 schwankt. Die faschistische Regierung hat nie daran gedacht noch denkt sie jetzt daran, politische, wirtschaftliche und moralische Maßnahmen gegen die Juden zu beschließen, ausgenommen natürlich in dem Falle, daß es sich um antifaschistische Elemente handelt. Die faschistische Regierung ist jedem direkten oder indirekten Druck abgeneigt, Glaubensabtrümiige zu schaffen oder künstlich Assimilierungen durchzuführen. Das Gesetz, welches das Lehen der israelitischen Gemeinden regelt, hat sich bewährt und wird aufrechterhalten. Die faschistische Regierung behält sich jedoch das Recht vor, die Tätigkeit jener Juden zu überwachen, die erst kürzlich zugewandert sind, und zu sehen, daß der indische Anteil am Oesamtlehen der Nation im Einklang steht mit den wirklichen Verdiensten und der mimerbchen Bedeutung.“' Bitte au&zu&ckneiden und eekh■ gut aufzufkwaUien■! COMMERCE EN INDUSTRIE MAATSCHAPPIJ, AMSTERDAM c

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