Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-03-01 · Heft 17 (1.3.1938) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 17 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653557--31829-2683514
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 JOPJSCHE RUNDSCHAU Nr. 17, 1. III. 1938 wiederzugeben und so das Sakramentale einer Beschränkung auf bestimmte Sphären zu entreißen, und indem er in seinem letzten Buch, in der Auseinandersetzung mit Kierkegaard, zeigte, daß diese jüdische ReÜgiosität ihre Kraft auch in der Krise der Gegenwart bewährt: ״die Schöpfung ist keine Hürde auf der Bahn zu Gott; sie ist diese Bahn selbst. Die Geschopfe sind mir in den Weg gestellt, damit ich, ihr Mitgeschopf, durch sie und mit ihnen zu Gott finde.“ (Die Frage an den hinzeinen, S. 34.) Koch bleibt vieles dunkel, vor allem Bubers Einstellung zum konkreten j u d i s c 11 -religiöse n Leben. Lr konnte, in Deutschland lebend, die Amwort aut viele Probleme unseres Lebens und der täglichen Lebensführung verschieben, die in Palästina brennend sind und denen er hier wird begegnen müssen. Während die.-e Zeilen geschrieben werden, bereitet Bubcr seine U e b e r s i e d 1 u n g n a c h 1* a I ä s t i!1 a vor, für die er schon l'»ül ein Programm entworfen^hat.’^Xis konkrete Palästina, jetzt und hier, wird ihn vor schwierige Ent- Scheidungen stellen, Ls ist der große Vorzug des Landes, daß hier alle jüdischen Probleme konkret werden. Bubers Weg war immer ein Weg jn die Wirklichkeit; er ist mit 60 Jahren jung genug, sich der Wirklichkeit Palästinas zu stellen. Der Erzieher Bubers Wirksamkeit unter den Juden In Dcutsdilnnd seit 1933 In der Mitti gliederten Le bei: seinem Buch de des modernen Jt: Bubcr vor fünf iti einen ganz 11 igogische solute Ti alten rt-1 i; J; llllllich Marti ein Liebt stand verpflichtung-lu-wi >!<>;/r-, sondert und in Pflicht neiim.-mk• Macht.“ Ls ist warum jetzt — vom lalir 10; j a!1_die Füßen wankt, hier einen Zeltpflock" sei Schützendes Dach gern wieder anhmden lat־: Im Grunde war es die Fortsetzung des ״Kampfes um Israel", wie ihn Bubcr seit seinen berühmten Vorkriegsreden unablässig kämpfte, unbewelirt von dem festen Panzer des national-jüdischen Dogmas, ohne die Richtschnur der Halachah, ohne die Illusion des eine Zeitlang über alle Klippen tragenden Luftballons des Konfessionalisinus! Voran sollte jetzt in der neuen Situation ein klares Bildung« ziel für die Jugend und die. Erwachsenen entstehen. Kein romantische.--, sondern ein realistisches! Der Pädagoge hatte der neu anfgerüttelten jüdischen Masse, die zunächst einmal wie ein aulgescheuclUer Ameisenhaufen ״zurück“ wollte, zuerst ein ganz bestimmtes klares ״Bi'd Israels" zu geben. Zu diesem Bild gehörte für ihn seit langem ״uriwegdenkhar die Hand, die von drüben her die Tafeln uns reicht, mnvegdenkhar die sichtbare ^.Majestas unseres unsichtbaren ' Königs“. Auf der bild, ein’ sclilichtcr Menschc1nvpus״ Iler *Gegenwart!1 'Der* alte halt 11 sehen!!' fsvptei B:bei h Gedanke, Wille, Gefühl selbst ist, Urgrund zurück- -he Wirk sprüngliche Wort im Geheimnis seiner Gcsprochenheit: wenn man es so nachspricht, daß es jetzt und hier gesprochen ist. Das biblische Wort ist übersetzbar, weil es einen Gehalt hat, mit dem cs an den Menschen ergeht. Es ist unübersetzbar, weil es ein Sprachgeheimnis hat, mit dem es an Israel ergeht. Im Zentrum eines biblischen Humanismus steht der Dienst an dem unübersetzbaren Wort.“ III. Man kann den Ernst und die Energie, womit in Wort und Tat die Bibel 1ms so zurückgewomien werden soll, freudig bejahen und begrüßen, ohne an jene Verwandlung durch den biblischen Sprachgeist zu glauben. Sei dem wie ihm wolle: Wie Bnber praktisch im Kreise von jugendlichen und erwachsenen Lernenden in der Bibel unterweist, ferner sein mächtiges eigenwilliges Uebersetzungswerk und drittens die leidenschaftliche Jagd, den Geist der hebräischen Sprache zu fassen zu bekommen, wie es sich in der schönsten und edelsten Sammlung Rosenzweig-Bubcrscher Schriften ״Die Schrift und ihre Verdeutschung“ manifestiert, das alles zusammen, in den letzten Jahren neben einer unsichtbaren gelehrten Arbeit, mit :euer eben angcdeufidim praktischen Tendenz der Erziehung und Erneuerung der Jude״, mit unbeirrbarer Hingehung praktiziert, bleibt bewunderungswürdig, bildet das größte unverlierbare Aktivum unseres jüdischen Seins in a'ner St immen d Kulturfragen des Landarbeiters Mir gel>en nachstehend, aus Beiträgen, die wir von M etisrhrn der Jugendbewegung erhielten, zwei aus Erez Israel wieder, die besonders charakteristisch erscheinen. Mir mußt«ti Jähe!, schon um Vchcrschncidungen mit anderen hier veröffentlichten Beiträgen zu vermindern, die Manuskripte stark kürzen. (Red.) I. Ruber erschloß uns in seinem Lehren vor allem den T’nach, die Urquelle. Die Bibel galt uns ja zunächst als eine altertümliche Sammlung von Kindergeschichten; was wir in der Religionsstunde darüber erfuhren, war nicht geeignet, diese Meinung zu berichtigen. Und nun hörten wir plötzlich von Ruber, daß Gewohnheit und Oberflächlichkeit sozusagen eine Deckschicht über das Buch gebreitet hätten, die seinen wahren Gehalt unseren Augen entzöge; aber wenn wir durch diese Deckschicht hindurchstießen, dann zeige sich uns ein Buch, das bis heute dem Leser Entscheidendes zu sagen habe; das in seiner Vereinung von gebietendem Geist und realem Leben zum Führer für unsere vielfältig z e r - splitterte Kultur werden könne. Freilich: man müsse sich verbindlich mit ihm konfrontieren und den Text aufs Aktuelle hin befragen: was will er mir heutigem Leser sagen, was bleibt gültig? Bubcr betonte oft, daß die Haltung hier nicht vom Vorurteil bestimmt sein dürfe; nicht vom positiven der ״Heiligen Schrift“ gegenüber und ebensowenig vom negativen, das sich von der ״Hypnose der Heiligen Schrift“ (Brenner) befreien will. Dje erwünschte Haltung bezeichnete er mit den Worten ״Ehrfurcht und Unbefangenheit zugleich“. Der T’nach wurde derart aus der Antiquiertheit eines sakralen Museumstils herausgeholt. Ein Prozeß, der in so vielen jüdischen Generationen bestimmend gewesen war, begann von neuem: eine junge Generation trug ihre Sehnsüchte und Zweifel an den T’nach heran, setzte sich in seinem Licht mit Grundfragen des Lebens auseinander. Es war kaum vermeidlich, daß da auch viel Subjektivistischcs und Stimmungsbedingtes mit unterlief; aber dennoch blieb der große Gewinn, daß ein jüdisches Grundbuch wieder lebendig wurde und das Weltbild dieser Jugend mitformte. All diese Versuche gingen bei Buber %fon einer bestimmten religiösen Position aus, und auch sie wirkte natürlieh stark auf die Jugend ein. Es war eine u 11 dogmatische Haltung, die zur Auseinandersetzung mit jeder Kritik bereit war und die Aufgabe gerade darin sah, eine Brücke von der Welt des ungläubigen modernen Menschen zur religiösen Welt zu schlagen. Gerade diese Vereinung von Glauben und kritisch-wissenschaftlichem Geist gab dem jungen Menschen das Bewußtsein, in dem großen Zeitprohlem des Verhältnisses von Wissen und Glauben zu einer neuen Synthese gelangt zu sein, der für sein Gefühl die Zukunft gehörte. Audi wer heute vielleicht diesem Versuch einer Synthese kritisch gegenübersteht, wird dennoch seine Bedeutung zu würdiggen wissen; wer nicht bereit ist, alle Religion und alles religiöse Schaffen als Erkenntnismangel oder Priesterbetrug abzutun, wird sich zumindest dem hier gestellten Problem nicht entziehen können. Es ist mit dem zuletzt Gesagten schon gegeben, daß Ruber auch in den allgemein-weltanschaulichen Fragen zum Lehrer der Jugend wurde. Seine Richtung hierin läßt sich in dem einen Wort zusammentassen: die Tendenz auf persönliche Verwirklichung. Der Jugendliche ist;•90 gern bereit, an eine politische oder sonstige Heilslehre •m glauben, die ihm ein Allheilmittel angiht; er ,will so gern «Lai. selber überzeugen, es gäbe eine grundsätzliche Maßnahme, die mit einem Schlag alles ändern könnte (ob er diesen eschatologisierenden Einschnitt nun Alijah, Revolution oder wie immer nennt). Und diesem Einen, Großen gegenüber erscheint dann der Alltag als klein und unwichtig, das Denken und Träumen kann siefi über ihn erheben, ins Reich des ״Ideals". Dieser Neigung des Jugendlichen trat Ruber entgegen. Schon aus seinen Büchern über den Chassidismus klang uns das Ethos der alltäglichen Verwirklichung entgegen, das Wissen, daß sich gerade das Große nicht im einmaligen Aufschwung der &cclc verwirkliche, sondern in ״harter Dienste täglicher Be- Währung“. Wenn derart der Alltag in seiner Wichtigkeit gezeigt wurde, dann mußte man auch die Fülle seiner Erscheinungen und jeweils neuen Situationen ernst nehmen, mußte sich immer wieder von neuern konfrontieren, bereit sein zur Re- Vision des bisher Geglaubten. Bnber hatte selber —■ in einer Zeit, die noch weitgehend individualistisch dachte — die Werte der Gemeinschaft herausgestellt, hatte die wahre Gemeinschaft sogar als ״Sinai der Zukunft“ bezeichnet. Um so mehr empfand er im Zeitalter des aufkommenden Kollektivisirnis die Notwendigkeit, die ״Gemeinschaft“ gegen das ״Kollektiv“ ahzugrenzen. Bnber hat stets die Wichtigkeit, die Einmaligkeit und Unersetzbarkeit des E in ze Hebens betont. Auch seine Lehre von der Gemeinschaft ist aut dem Ernstnehmen des persönlichen Lebens aufgehaut. Doppelt kennzeichnet sich ihm die Gemeinschaft: sie bildet sich um ein überpersönliches, gemeinsames Zentrum herum, dessen Kraft die Glieder der Gemeinschaft zusammenfiihrt. Und andererseits: sie besteht atis Einzelnen und versucht nie, diese in ihrer Eigenexistenz auszulöschen. — Es ist klar, wie Großes Ruber gerade der Jugend unserer Zeit gegeben hat durch diese seine Lehre von der persönlichen Verwirklichung, dem Ernstnehmen des Einzelnen Und der undogmatischen Offenheit im Geistigen. — Es ist fast selbstverständlich, daß eine Jugend, die von Ruber Offenheit der jeweiligen Situation gegenüber gelernt hatte, durch die neue Wirklichkeit Palästinas, beim Versuch kibbuzischcr Verwirklichung zu einer nochmaligen er Jugend Auseinandersetzung mit Bubers Lehre geführt wurde. In dieser Situation zeigt sicli die Kraft dieses Lehrers: Grundanstöße seiner Lehre bleiben auch in dieser gewandelten Lage gültig und wichtig. Es ist unser Wunsch für Martin Buber an seinem sechzigsten Geburtstag, daß es ihm vergönnt sei, iin Lande noch einmal zum Lehrer der Jugend zu werden! Hermann Oerson, Kibbuz Hasorea 11. Es mag merkwürdig klingen, aber vielleicht bat Buber seine tiefste Wirkung auf Kreise der religiös- I e b e n d e 11 Jugend ausgeübt. Die Gefahr bestand bei vielen, daß das, was Buber gerade nicht wollte, eintraf, daß seine Worte ״Lehre“ wurden und nicht in dem Neubau des Lebens des Einz.elnen und der Gemeinschaft konkreten Ausdruck fanden. Viele, besonders der Nachkriegsgencration, die ohne jüdische Substanz in der Krise der Zeit aus ihren alltäglichen, unjüdischen Gegebenheiten herausgeschleudert wurden, suchten — meist in Erez I s r a e 1 — eine neue Basis. Der Uebcrgang war für sie zu plötzlich, die Umwertung der Werte zu kraß, das mitgebrachte jüdische Gut zu dürftig, als daß sie die zu ihnen gesprochene Lehre von den Aufgaben des Juden und der jüdischen Gesellschaft in die Wirklichkeit Umsetzen konnten. Sie — auch die, welche viele Jahre lang in zionistischen Bünden erzogen wurden — kamen sich als Fremde im neuen Lande vor und glaubten nun, in der von den Anderen geschaffenen Umgebung aufgehen zu müssen. Sie glichen sich an an Maßstäbe und Werte, die vielfach aus einer radikalen Haltung der Aufklärung, der Ablehnung der Werte der Tradition als dem modernen Geiste widersprechend, herstammten und in Erez Israel, das in mancher Hinsicht sich im Kolonisationsstadium noch befindet, einen günstigen Nährboden fanden. Der religiösen Jugend erschloß Buber nicht das Judentum, er führte sie meist nicht zum jüdischen Volke hin, zu welchem sie von Jugend auf fraglos (in buchstäblichem Sinne) sich zugehörig fühlte, und doch wurde er gerade für sie wichtig. Denn auch sie kam von draußen, wurzelte in außeriüdischem Kulturraum und fragte nach dem Sinn des von ihr Gehaltenen, des Gelernten, der Gemeinschaft, der sie angehörte. Im jüdischen Schrifttum und auch bei denen, die ihr der Gesinnung und Lebensform nach näher standen als Buber, fand sie oft keine Antwort aut die besonderen jüdischen Fragen unserer Zeit. In Bubers Werk, in seinen Reden und oftmals auch in seinen Lenistunden, im Bemühen um den Sinn der Ereignisse, der Deutung der Personen im T’nach und in späteren Epochen unserer Geschichte, erkannte sie neu den •Wert jüdischen Tuns, die Bedeutung und Aufgäbe von Land, Volk und Arbeit als Grundelemente■ neuen üdischen Lebens. Die Ausweitung des Jüdischen im Allmenschichen, die Fundierung des Allgemeinen im Jüdischen, wurde ihr hier klar. Sie überwand den'inneren Riß zwischen jüdischer Gesetzestreue und dem Wurzeln in der allgemeinen Kultur in dem Begreifen der neuen Aufgabe, die ihr gestellt wurde: die Forderungen des Judentums, die sie als im Gesetz verkörpert empfand, zu verwirklichen im Alltag, im Aufbau eines ganz von ihnen erfüllten arbeitenden Gemeinschaftslebens in Palästina. Diese Bedeutung Bubers für die religiöse Jugend kommt vielleicht am stärksten und am konkretesten in der Beziehung dieser Jugend zu der Buber-Rosenzweigschen Bibelüber- Setzung zum Ausdruck. Eigentümlich, und doch mit dem Gesagten übereinstimmend, klingt es, daß diese Uebersetzung in unseren nur hebräisch geführten T’nachkursen hier im Lande oft eine entscheidende Rolle spielt, gerade weil wir vom Hebräischen ausgehen. Sie ist uns wichtig als פירוש (Kommentar), der in Wortwahl und Satzrhythmus die besondere Nuance des Gemeinten in der fremden Sprache wiedergibt und tiefere Schichten aus dem oft unerkannten und hinweggelesenen Geheimnis des hebräischen Bibelwortcs herausholt. Die Bibelkurse bei ihm, die besondere Betonung der sprachlichen Form und die Ausdrucksmittel lehrten uns die Bibel und die an sie gefügten midraschischen und halachisehen Deutungen in einem viel tieferen Sinn verstehen. Auch unsere Haltung in den entscheidenden politlsehen Fragen der zionistischen Bewegung erwuchs, tief beeinflußt von ihm, aus universaler Verantwortung und Ver-!ebendigung jüdischer Sittlichkeit auch im politischen Ge-!neinschaftsieben. Sie unterschied sich von der besonders national oder religiös gefühlsbetonten Hervorhebung oder Steigerung der eigenen Ansprüche ebenso wie von der ausschließlichen Bewertung der besonderen Erfordernisse der Gegenwart. An der verschiedenen Stellung zum Gesetz entzündeten sich oft Diskussionen mit ihm. W i r glauben, daß gerade die besondere religiöse Beziehung des Menschen zu Gott, wie sie im Werke Bubers rum Ausdruck kommt, sich immer neu nur an festen Formen entfalten kann, und daß die Heiligung des Alltags angesichts der engen Bezogenheit von Geist und Materie, von Individuum und Gemeinschaft, von Gegenwart und Geschichte nur im Rahmen der von den früheren Generationen uns aufgegebenen, zu den heutigen Fragen in Be- Ziehung gebrachten festen Gesetzesform der jüdischen Gemeinschaft vor sich gehen kann. So zerbrachen viele im Lande mangels einer konkreten Bindung und eines festen Rahmens ihre früheren Tafeln sehr rasch. Besonders die aus Deutschland stammende religiöse Jugend ist bemüht, gerade im Aufbau ihrer vom Gesetz erfüllten neuen Gemeinschaft die Werte, zu deren Verlebendigung Buber wesentlich beigetragen hat, zu verwirklichen. Erich Rosenblüth, Kibbuz Rodges (Palästina) einmaligen Epoche, wie sie in den letzten fünf Jahren von der Judenheit bei uns in Deutschland erlebt wurde. Das Wesentliche an diesen pädagogischen Bemühungen ist die unablässige Arbeit an jedem einzelnen biblischen Wort, die Beachtung seiner Stellung im Satz, seiner Wiederkehr als ״Leitwort“, so daß am Schluß nach einer solchen gemeinsamen Tenach-Shinde sich bei jedem ernsthaft Mitlcrnenden mit unwiderstehlichem Zwang der Vorsatz noch einmal ״nachzusehen“ bildet. Die Aneignung und Weitertragung des auf die Weise erarbeiteten ,,Bildungsgutes“ tragt zu einer Umformung der jugendlichen Mensclien unter uns, aber auch der älteren, bei. Die jüdische Erwachsenenbildung außerhalb Synagoge und Schule, worum es Buber geht, soll nämlich etwas ganz anderes als ״Rildungselemente“, ״Bildungsgut“ übermittein. Sie soll auch nicht den der Hochschul-,,Bildung“ nicht teilhaftig Gewordenen ״einen Abglanz davon spenden oder auch die in Gegenständen des Judentums nicht eben Bewanderten in eine Allgemeinkenntnis dieser Gemeinschaft cinfiihren“. Buber will, ״daß der Funke nicht erlischt“. ,Was durch die Bildung der Personen erstrebt wird, ist die Bildung der standhaltcnden, der überwindenden, der den Funken hütenden Gemeinschaft.“ Zur Echtheit und zur Wahrheit zu erziehen, bleibt die Aufgabe der Bildungsarbeit, die Buber allein im Auge bat. Die p ä d a g o g i s c h c Leistung Bubers in dem halben Jahrzehnt seil der Wendung sieht i!11 engsten Zusammenhang mit seiner stillen wissenschaftlichen Arbeit, die in der vergleichenden Religionsgcschichte und fit der exakten alttestamentlichen Forschung keineswegs aufgeht. Die geistes- und kulturwisscnschaftlichen Fragenkomplexe stellen für Buber einen einheitlichen Zusammenbruch dar, innerhalb dessen jeder ernsthafte Gelehrte, der ausschließlich der lauteren voraussetzungslosen Wahrheit dienen will, seinen besonders gewählten Standort besetzt. Von ihm aus sicht er alles in einer ihm, dem Standort eigenen Perspektive, indem er sich dieses besonderen Blickortes immer bewußt ist, wird jede Einseitigkeit und vermeintliche Dimensionsbiindheit zur unentbehrliehen Methode, sich der Wahrheit zu nähern. Wählt man das Wesen der Sprache, die Bibel und eine vergleichende Kulturseelenlehre sowie alle Regungen des Judentums in Vergangenheit und Gegenwart zur Domäne gelehrter Beobachtung, so kommt das einer Universalität nahe, die cs nie zu einer Blickverengung kommen läßt. Dr. Ludwig Feuchtwanger Die S ch u! a b t e il u n g der R eich s vertretun g der Juden in Deutschland hat alle jüdischen Schulen angeregt, am 8. Februar den Schülern die Persönlichkeit Bubers in geeigneter Weise( insbesondere auch durch Schulfeiern, näherzubringen. Für die besten Schüler jeder Schule sind Schriften von Buber als Prämien zur Verfügung gestellt worden. Außerdem wurde allen jüdischen Lehrern ein Rundbrief ״Zu Martin Bubers 60. Geburtstag“ zugesandt. Er enthält außer Geleit- Worten von Leo Baeck und Adolf Leschnitzer Beiträge von Robert Weltsch und Emst Simon.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.