Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1938)
- Date
- 1938-01-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 7, 25. JANUAR 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Schicksal der Juden aus Deutschland Dr. Perilz, aus seiner zionistischen Arbeit in Deutschland wohlbekannt, hat einen in Palästina gehaltenen Vortrag über das Schicksal der Eingewanderten aus Deutschland als Broschüre in deutscher Sprache in Ilai/a drucken lassen. Es ist eine durch Klarheit und Unvoreingenommenheit des Blickes und durch eine über oberflächliche Urteile tiefer dringende Betrachtungsweise ausgezeichnete Arbeit, die wir ah Lektüre unseren Lesern in Palästina empfehlen. Der Verfasser gibt eine Kritik der Erziehung der Zionisten aus Deutschland und weist dabei auf gewisse wunde Punkte hin, die zu verkeim• liehen sinnlos wäre. Weiter enthält die Broschüre eine Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse und charakterisiert einige Typen von Einwanderern und ihr Schicksal. Diesen Teil der Broschüre drucken wir mit einigen Kürzungen nachstehend ab. Im Schlußteil entwirft dann der Verfasser ein Programm für die Wirtschaftspolitik der zentralen zionistisehen Institutionen, denen er vorwirft, daß sie ihre Arbeit bisher, gemessen an der Größe der Aufgabe, unzulänglich und ohne festen Plan erfüllt haben. (Red.) Einige Typen V011 L. P e r i t z (Haifa) Von Zeit zu Zeit erscheinen Statistiken über das wirtschaftliche Ergebnis der Alijali aus Deutschland. Diese Zahlen sind unentbehrliche Kriterien. Aber sic geben doch nur Augenblicksbilder und bedürfen der Ergänzung durch eine Darstellung der wirkenden Kraft c, eine Darstellung, die das wirtschaftliche Geschehen im persönlichen Erlebnis zu fassen sucht, soweit es Typisches enthält, und die den Forderungen Gehör schenkt, die aus der persönlichcn Erfahrung an die jüdische Oeffentlichkcit drängen. Denn das Typische ist immer eine Art Ordnung, weil es ins Allgemeine strebt. i. In jeder Alijaft, auch in der aus Deutschland, gibt es einen Typus, der eine gesonderte Stellung einnimmt gegenüber allen anderen. Dieser Typus lehnt für sich jede Acnderung seines bisherigen Lebens prinzipiell ab. Sein Ziel ist nicht Aufbau eines neuen, sondern Etablierung seines alten Lebens im Lande. Er will seinen bisherigen Beruf, seine soziale Stellung erhalten und in gewohnter Weise bekundet sehen. Seine entscheidende Stunde kommt, wenn sein ältestes Kind groß geworden lind ins Berufsleben treten soll. Dann rekapituliert er iin Schicksal seines Kindes das, was er heute durchmachen sollte: den Eintritt in das pa'ästbi :־!׳׳ sische Berufsleben. Berufslos II. Er war zwei Jahre stud. jur., als er gezwungen wurde, einen praktischen Beruf zu ergreifen. Er lernte Schlosser und ging nach Palästina, als er ein Zertifikat erhielt. So kam er hierher mit guter allgemeiner Bildung, wenig Jurisprudenz und als halber Schlosser; vielleicht hatte er £P 50, vielleicht auch nur £P 2 in der Tasche. Nachdem er sich das Land angesehen hatte, suchte er Arbeit. Er wurde auf der Histadruth eingeschrieben, erhielt aber nicht als Schlosser eine Stelle — Handwerkerstellen erhielten nur Vatikim — sondern Schwarzarbeit auf einem Bau. Er nahm sie an, wurde bald entlassen, bekam andere Arbeit für 14 Tage und nach neuer Pause wieder Arbeit. So ging es neun Monate: Er arbeitete IS Tage im Monat auf verschiedenen Plätzen, mit verschiedensten Arbeitern, an verschiedensten Aufgaben; gleich blieb nur der Weg zur Histadruth und die Verhandlungen dort um einen Arbeitsplatz. Sein Verdienst betrug zirka üP 5,500 pro Monat, womit er seinen Lebensunterhalt bestritt. Er ist jung, kräftig und gesund; er liest in der Zeitung die Tagesnachrichten, zur Lektüre der Leitartikel reicht sein Hebräisch noch nicht. Er besucht Veranstaltungen, er hört in der Hifachduth Olej Germania Vorträge über Zionismus, aber von Menschen, für die berufliches Können selhstverstündlich ist. Er fühlt, daß alle diese Menschen nicht so sehr durch Verdienst oder Vermögen von ihm verschieden sjnd, wie durch ihre Berufskenntnisse. Was ihnen selbstverständlich erscheint, ist ihm höchstes Ziel: irgendein Fach zu können. Er braucht cs, um ein Mensch werden zu können. Er, der einmal ״lernen“ durfte und jetzt ״ungelernter“ Gelegenheitsarbeiter ist, weiß besser als sie alle, daß das Leben der Völker von den Berufsgruppen gemacht wird. Er weiß, die Zeit des sozialen Aufstieges ist überall vorbei. Er verlangt nur, ein Mensch eines bestimmten Berufes zu werden, der sein Leben erfüllt. Schwarzarbeit fällt ihm schwerer als den Juden Osteuropas. Körperarbeit ist ihm ein selbstverständlicher, sportlicher, Freude erfüllter Begriff ohne Verbindung mit Berufsarbeit. Er würde auch die Schwarzarbeit eine Zeitlang hinnehmen, wenn er sähe, daß an verantwortlicher Stelle die tiefe Berufsnot der Jugend erkannt wird. Er hat Stunden, wo gerade sein Wirklichkeitssinn bedrohlich in ihm aulsteht und sagt: Du hast hier keine Wirklichkeit! Geh fort von hier, wenn du irgend kannst! Das Leben ist für dich vor allem das, was da selbst leisten kannst. Die öffentliche Meinung Palästinas darf nicht diese zentrale Frage des inneren Lebens übergehen und gerade ihrer besten Jugend es unmöglich machen, in Palästina zu leben. Bis heute wird in Palästina noch alles mit Begeisterung der Allgemeinheit, mit einer Masse von Schwarzarbeitern und mit wenigen rasch herbeigeholten Fachleuten gemacht und trägt den Stempel der Improvisation. So erfüllt die politischen Akteure von ihren Unternehmungen sind, ja so bedeutsam sie für die Allgemeinheit sein mögen, das Volk bleibt ohne Beziehung zu ihnen, nicht weil ihm der politische Instinkt fehlt, sondern weil sein Arbeitstag nicht damit erfüllt ist wie der der politischen Akteure, weil sein Arbeitstag aber sein wirkliches Lehen ist. Werke, die durch den politischen Impuls im Leben des Landes entstehen, bedürfen der originären Intention von ganz anderer Seite, wenn sie den Tag überdauern und zu Instituten des Volkslebens werden sollen. Sie können dann über ihre politische üegemvartsbedeutung hinaus einen Sinn für das Volksleben bekommen, wenn sie Anlaß für die Bildung von speziellen Berufsgruppen sind, die das improvisierte Werk der Politik zu übernehmen und in ein solides der Tagesarbeit des Volkes zu überführen imstande sind. Der neue Fabrikant III. Er war 40 Jahre alt, als er ins Land kam. Gesund und bereit, sich eine neue Existenz zu erkämpfen. Es war die Zeit des großen Baues in den Städten, und auch er wurde gewaltig hineingezogen in den emporsteigenden Prozeß des Wirtschaftslebens. So zog es ihn, sich mit seinem mitgebrachten Gekle an dem Prozeß des Bauens zu beteiligen. Es trieb ihn, etwas zu sein, was er nie gewesen war: Er wollte eine Fabrikation irgendeiner Art gründen. Welche Fabrikation, war ihm unbekannt. Er fragte nach Möglichkeiten und erhielt so vielfache Anregungen, daß der Eindruck entstand, die Chancen seien gfroße. Jeder, den er sprach, berichtete von neuen Fabrikationsmöglichkeiten und schürte ungewollt seinen Wunsch, Fabrikant zu werden. Er beriet die Projekte Tag und Nacht mit seinen Freunden, täglich kamen neue hinzu, andere verschwinden aus irgendwelchen Bedenken, so daß er — bald unsicher geworden — zu Auskunftsbüros ging, die sich überall etabliert hatten und unverbindlichen Rat erteilten. Schließlich ließ er alle seine Projekte fallen und nahm den Vorschlag eines Büros an, der bereits bearbeitet schien, und für den ein Fachmann oder ein anderer LJnternehmer mit Kapital als Kompagnon bereit stand. Sie schlossen einen Vertrag. Ihr Kapital war jetzt festgelegt, und es kamen kritische Tage, in denen ihnen der Erfolg unmöglich, andere Projekte, besonders die der Landwirtschaft, solider schienen. Aber bald begann das Planen und Bauen der Werkstätten, die itire ganze Kraft in Anspruch nahm, und iibte einen eigenartigen Reiz auf sie aus. Diese Zeit war ihre glücklichste. Alles war tätig. Sie waren die Bauherren, die guten Kunden der Lieferanten. Sie arbeiteten von früh bis spät und sahen, daß es vorwärts ging. Aber bei manchem dauerte dieser glückliche Zustand nicht lange. Die Berechnung der Gestehungskosten waren zu niedrig angesetzt und nach einigen vergeblichen Versuchen, mit geliehenem Geld das Werk zu Ende zu füllren, brach das Unternehmen vor der Fertigstellung der Werkstatte zusammen. Andere Unternehmer waren glücklicher. Das Werk wurde zu Ende geführt, die ersten Aufträge kamen herein und die eigentliche Arbeit begann. Aber nunmehr war nicht nur die Arbeit des Werkes als solches: mit ungelernten Arbeitern, unwissenden Fabrikanten und einigen, wenigeu Facharbeitern eine kaum zu bewältigende Aufgabe, sondern die Krcditvcrhältnisse des Landes und die Zahlungsusancen der Kunden geschäftlich tragbar zu gestalten, war ebenso schwierig, wie die eigenen Gestehungskosten mit den Dumping-Preisen der Auslandskonkurrenz in Einklang zu bringen. Viele Fabrikanten mußten trotz großer Anstrengungen doch wieder ihre Tore schließen. Selbst die Unternehmer, die einen soliden Fachmann zmn Kompagnon bekommen hatten, die finanzielle Reserven sich gehalten hatten und selber keine Neulinge auf diesem Gebiet waren, konnten mir mit Mühe ihre Betriebe aufrecht erhalten, so groß war die Ungunst der Verhältnisse, so neu das Terrain und so erstmalig die Aufgabe. Es gab bereits fundierte Industrien im Lande. Aber erst die letzte Alijah hat einen breiten Vorstoß in die industriellen Möglichkeiten des Landes gemacht und diesen Versuch wie eine echte Pioniertat teuer bezahlen müssen. Die meisten sahen nur das eigene kleine Arbeitsfeld. Hausse und Baisse der Wirtschaft waren die Vokabeln, die ihnen als Erklärung für Beginn und Ende auch ihres Unterrehmens genügten. Aber es gab andere, die die speziellen Bedingtheiten des Landes und seiner Wirtschaft erkannten und ihre Erfahrungen in folgendem ztisammenfassen: Moderne Völkerwanderungen bedeuten nicht nur große Bewegungen von Menschen, sondern von Kapital. Die Kapitalleitung trügt in solcher Zeit die Verantwortung für das Geschick der Nation in den Händen. Die Leitung einer wandernden Nation, die glaubt, auf klare Direktiven über die Art der Wänderung und die Investierung des Kapitals verzichten zu können, und sich mit unverbindlichen Ratschlägen begnügt, übersieht die Größe des ganzen Vorgangs und erkennt nicht ihre Aufgabe. Ihre erste Aufgabe besteht darin, das Kapital schon im Auswanderuiigsland zusammenzuhalten und tunlichst jede Einzclaktion zu unterbinden. Denn die Chance des Einzelnen, der separat sein Glück versucht, ist 1: 1000, und Kapital, das ungeordnet sieh in Bewegung setzt, richtet Unordnung an, weil es sinnloses Ueberangebot bedeutet, und fällt auf jeden Fall der Entwertung anheim. Das Kapital ist aber die Reserveenergie, die gerade einem wandernden, d. 11. von seinen Ernährungsquellen losgelösten Volke erhalten werden muß. Die zweite Aufgabe der Leitung ist: Die Quellen der Ernährung des neuen Landes zu finden. Das bedeutet systematisches Studium der neuen Landesbedingungen. Eine gesunde Landwirtschaft und Industrie wird immer nur auf den natürlichen Gegebenheiten des Landes aufbauen, wenn auch nicht auf sie beschränkt bleiben müssen. Das sind in Palästina die Salzschätze des Toten Meeres, die Wasserkraft der Jordansenke, die Sonne Palästinas, seine zentrale Lage als Pforte des Orients, seine Meeresküste oder vieles mehr, was noch unbekannt ist. Es gilt grundsätzlich, Neues zu finden und alle Gebiete systematisch zu bearbeiten und technisch reif zu machen. Diese Erschließung der Quellen der Volksernährung und Volksarbeit muß als vordringlichste organisiert wert1 •m. Es muß ein Plan der Aufbauarbeit aufgestellt werden, der konkrete Ziele verfolgt, und dem Jiscnuw und dem Einzelnen die Richtlinien der Arbeit festsetzt. Die dritte Aufgabe der Leitung ist, die Wirtschaftliehen Gefahren der chaotischen Initiative öffentlich aufzu/eigen lind davor zu warnen. Sie hat vor allem vor den Gefahren der B a u w i r t s c h a f t zu warnen. Die Bauwirt- Schaft ist Schlüsselindustrie nur in dem Maße, wie sie für eine normale Erneuerung des vorhandenen Wohnraumcs, für seine Erweiterung gemäß dein natürlichen Bevölkerungs- Zuwachs und für zcitcntsprechcmlc Zweckbauten sorgt. Was darüber hinausgeht, ist Krisenindustrie. Ebenso stellt es mit dem ״Konsum“ als Basis für die Industrie. Er kann ein förderndes Akzidenz der Industrieentwieklung sein, nicht mehr. Die Leitung hat zu warnen vor Projekten, die zwar Kapital ins Land ziehen, aber in unerwünschter Weise investieren. Denn die Ernährung des Volkes ist nicht identisch mit der Rentahilität großer Finanzunternchmmigeii, auch wenn sie vorübergehend tausende von Arbeitsplätzen schaffen. Sie hat schließlieh die Pflicht, für die Verwirklichung ihres Planes die Hilfe der Regierung gewinnen, um jene Voraussetzungen für die Arbeit unserer Landwirtschaft und Industrie zu erwirken, die notwendig sind und die nur die Regierung schaffen kann. Das Straßennetz, die Flisenbahn, der Bau der Häfen und die Sicherheit der Verkehrswege müssen in planmäßiger Relation zur Landesentwicklung stehen. Die Verbindung unserer Interessen mit denen der Regierung würde eine natürlichere sein bei einer grundsätzlichen Acnderung des Steuersystems. Indirekte St cucrn sind der Ausdruck des Desinteressements der Regierung an der Landesproduktion und ihrer Alliance mit landfremden Import. Direkte Steuern machen die Regierung zum nilürüclicn Wieder drei Todesurteile Ein Araber mit Namen [1 u s s e i n Ah m ad G h 1111 \v_urde vom Militärgericht in Jerusalem wegen auf Polizisten abgegebener Schüsse während der Untcrst1ch11n<׳cn im Zusammenhang mit dem Mord an Mr Starkev z״u n! Tode verurteilt. Ein zweiter Araber wurde vom Militärgencht m Nablus zum Tode verurteilt. Der Verurteilte ist ein arabischer Bauer, der bei einem Kampf auf Polizeitruppen schoß, verwundet und gefangen wurde. Er war im Besitz eines Gewehres. Ein 25jä!1rjger Araber aus Hebron, namens Abdul Kader, wurde vom Militärgericht in Jerusalem zum Tode verurteilt. Das Urteil erfolgte wegen Schießens auf Polizisten während einer polizeilichen ׳Haussuchung am 13. Janu׳*r, bei der ein Polizist verwundet wurde. Ein Gewehr und Kugeln, die vor einiger Zeit aus der Polizeistation in Daharia gestohlen wurden, sind in seinem Besitz gefunden worden. Hussein Ahmad Ghutt und Achmed Abdul Kader wurden im Jerusalemer Gefängnis am Sonnabend hingerichtet. Kein Todesurteil gegen Juden Jerusalem, 21. Januar (Palcor). Die zwei orientalischen Juden, die vor das Militärgericht in Jerusalem wegen unbefugten׳ Besitzes eines Revolvers gestefit wurden, sind beide zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. (Die in verschiedenen Zeitungen verbreiteten Nachrichten über ein gegen die beiden jüdischen Angeklagten gefälltes Todesurteil, das erst im Wege der 'Begnadigung aufgehoben worden sei, beruhen offenbar auf einem Mißverständnis — Red.) Ezechiel Altmann, ein 22j,übriger jüdischer Hilfspolizist, der unter der Anklage steht, am 27. Dezember auf einen arabischen Omnibus, der auf der Landstraße westlich von Jerusalem fuhr, geschossen zu haben, soll am 2. Februar vor das Militärgericht in JenL-alem gestellt werden. Altmann kam im Jahre 1035 von Bcssarabie״' nach Palästina. Partner der Landesproduktion, auf du eil Prost;■.! itül die Staatskasse dann angewiesen ist. Die Aemknmg des S'.euersvsiems in diesem Sinne kann verständliche[weise nur eine aliniähliehe sein. Aber mit ihr muß begonnen werden. In der Landwirtschaft Drei Freunde gingen nach Palästina mit dem festen Ent- Schluß zu siedeln. Wenn ihr Leben einen neuen Anfang haben sollte, dann sollte dies in einem gnnidsal/liehen Wandel ihrer Lebensform zum Ausdruck kommen. Furor,a war gegenwärtig die Welt der städtischen Kultur. Palä-tüia sollte,‘wenn es nach ihnen ginge, seinen Schwerpunkt in einer neuen ländlichen Kultur haben. Denn sie glaubten, daß die Mensehen, die den Vortrupp dieses Jahrhunderts bilden, sich dem Aufbau des neuen Landlebens widmen. Mag diese Neigung zum Lande dem persönlichen Geschmack die-er drei Freunde entsprechen oder ein besseres Wissen um tlas Kommende in der Welt sein; entscheidend war ihre Ucberzeugimg, daß die Heimstätte des jüdischen Volkes vor allem den Aufbau der jüdischen Landwirtschaft nötig hat. Die drei Freunde begannen ihr neues Leben an drei verschiedenen Stellen des Landes. Der eine ging zu einer Gruppe von Kleinsiedlern, der zweite in eine Mosclmvuh als Pflanzer, der dritte in eine Kwu/ah. Nach drei Jahren berichteten sie einander: 1. Der Klcinsiedler. Er hatte sich einer Gruppe neuer Olim angeschlossen, die mit bescheidenen AEt'.cin gemeinsam eine "Siedlung aufbaiieii wollten und nach Festlegung ihres Zieles mit den Vorarbeiten bcaa-uuii. Gemeinsanier Bodenkauf und Aufteilung de--ein. 11 in int;/e ien, Wall! der Wirtschaftszweige, Berück ic’hii,;t1;״ de- 'ei d.s ce,mögen:; bei den Gestehungskosten der einzelnen V.'i.t ehan. Ft reellnung der möglichen Rentabilität, Anstellung v1:״ laa'tkuteii zur Leitung der Wirtschaftszweige und /in lu-truktion der Siedler für die ersten Jahre. Dann kam der Aufbau der ganzen Siedlung nach einheitlichem 1 agep'an um! Beginn der Arbeit. In der ersten Zeit herrschten‘ die Inarukturcii über die Wirtschaft des Einzelnen, der ei,;/chic Stadler v, ar nur Arbeiter auf eigenem Felde. Allmählich ci-ct/tc cm.uc Initiative den Instruktor und da־- allen Gemein ante 1c /!rankte sieh auf das rein Kaufmä!inKche, den Ein1 auf de״ Rehs'.■ die und den Verkauf der Produkte, und natürlich auf alle jene Angelegenheiten, die in jeder Sivdhmg für die Ailgi melnheit zu ordnen sind. Die Siedlung hat 3/11 sein;!! entwich eit. Sie hat das investierte Kapital erhalten und die Siedler Fahl einigermaßen ernährt, Ihre Produkte sind am dem Markte der Stadt geschätzt. Es i:f ein neuer SP J:!1nr:enm1kt u eschaffen, der sich planmäßig entwickelt. Kein ' Midier ha: bisher seinen Besitz verkauft, oder ha! die Alovlm es zu tun, vielmehr kommen neue Siedler hin/!! und die Sied'utig wächst. Der Geist gegenseitiger I lilfe l׳;J:e1'.-1׳: die .Mitglieder, und alle wirtschaftlichen Tr■•! ■׳!ko me 1. dm wMg ״rerden, werden möglichst jedem Sp!!■.1!k1׳:Pm: e-t :een. chni.en. Dementsprechend ist der Kleinsieilkr ru ■Wlnucnd zufrieden und blickt voll Vertrauen in die Zukunft. 2. Der Pflanzer. Sein Kapital reichte aus um Pflanzer werden zu können. Fr kaufte mit Sachverständigen einen Pardeß tragender Bäume und ein Stuck Immk das er selber bepflanzen wollte. Er baute sich ein Haus im nahen Dorf und begann mit einem gelernten Vorarbeiter die Arbeit. Es ist ein langsamer Schritt, den die Plamauenwirtsehati gellt. Jahre vergehen, ehe der Ertrag sich einsteilt, und wer diesem Zweige der Landwirtschaft sich widmet, muß wie ein Förster mit einem Jahrzehnt wie mit einem Jahre rechnen. — Nach drei Jahren kennt er die kragen des Absatzes und der Rentabilität aus der Wirtschaft seiner fertigen Pflanzung. Er kennt all die Berufe, die mittelbar und unmittelbar von den Pflanzungen leben. Es sind zirka 7״״ des ganzen jüdischen Jischuws. Dieser gut organisierte Sektor der Wirtschaft ist bisher rentabel gewesen und tut alle«, um seine Rentabilität zu erhalten und zu steigern. Der neu gepflanzte Teil seines Besitzes führt ihn allmählich ein in die Fragen der Pflanzung seihst, ihrer Pflege, ihrer Gefahren und deren Bekämpfung, und er hofft, im Laufe der Jahre ein guter Pflanzer zu werden, 3. Der Chawer in der K w u z a h. Der jüngste von ihnen ging in eine Kwuzali, um fortan das im Leben zu finden, was er bisher gedacht hatte: Koiiekdvität, Gemeinschaft des Zieles, der Arbeit, der Freude und der Sorge. Man nahm ihn, wie er war, und freute sich seines jungen Willens zur Gemeinschaft. Erst tat er jede mögliche Arbeit, dann durfte er in einem bestimmten Wirtschaftszweig fest werden, lernte einen neuen Beruf und war endgültig im neuen Leben gebunden. Es ist kein Zufall, daß gerade die Menschen, die dem Lande sich arivertrauten, im allgemeinen ein besseres Schicksal traf als die, die in den Städten blieben. Und doch gelang es nicht allen, die es versuchten, auf dem Lande endgültig Fuß zu fassen.