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Jüdische Rundschau · 1938-01-18 · Heft 5 (18.1.1938) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 5 (18.1.1938)
Date
1938-01-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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jüdische Rundschau BERLINER Nr. 5, 18. JANUAR 1938 Erziehung der Jugend zur Kunst Eine Veranstaltung des Reichsausschusses der Jugendverbände Der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde, der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände und das Jugendpflegedczernat der Jüdischen Gemeinde haben sich zusammengetan, uin in besonderen Abenden die jüdische Jugend — und zwar im wesentlichen wohl den durch die Bünde erfaßten Teil — zum Kunstgenuß und wenn möglich auch zur eigenen Kunstausübung zu führen. Dr. Hardi S w a rs e n s k y gab in seinen einleitenden Worten bekannt, daß diese Veranstaltungen monatlich durchgeführt werden sollen, und daß im nächsten Monat wahrscheinlich eine Theateraufführung folgen wird. Für dieses Mal stand Mendelssohn auf dem Programm. Dr. Anneliese Landau wußte mit ihrer charmanten Musik- Plauderei die Zeit Felix Mendelssohns lebendig zu machen, die Atmosphäre des Hauses Leipziger Str. 3 heraufzubeschwören und etwas vom Geiste dieser Musik der Romantik dem dankbaren Publikum nahezubringen. Die Durchführung des Programms war freilich nicht in allen Teilen gleichwertig. Am stärksten war wohl das Trio D-Moll, das von Helene Lachmanski, Julian Gumpcrt und Godfried Zee- 1 a n d e r meisterhaft gespielt wurde und die Zuhörer sehr andächtig stimmte. Nicht weniger eindrucksvoll waren die von Helene Lachmanski gespielten Teile aus den ״Liedern ohne Worte“. Der gesangliche Teil, der von Dora Wilamowska bestritten wurde, war hingegen nicht restlos befriedigend. Es schien, daß die Künstlerin indisponiert war. Die drei Heinelieder Kamen nicht zart genug heraus und die Arie aus dem ״Elias“ ließ ziemlich kalt. Diese Abende sind sehr zu begrüßen; aber sie legen den Veranstaltern eine große Verantwortung auf: es dürfen diesem Publikum nur die besten Werke von den besten Künstlern dargereicht werden, sonst bestellt die Gefahr der entgegengesetzten Wirkung. Als ein Versuch, Bestes zu bieten, ist dieser Abend zu werten, als ein Anfang zu weiteren Zielen; und es ist zu hoffen, daß diese Abende sehr bald ihre eigentliehe Form und Gestaltung finden werden. N. Der moderne Rabbiner Ein Zwiegespräch Im Jüdischen Lehrhaus Die angekündigte Reihe von Streitgesprächen im J ü - «Ischen Lehrnaus über das Thema ״Wirken in in der jüdischen Oeffentlichkeit“ scheint einem lebhaften Interesse der Hörerschaft zu begegnen. Zu dem ersten Zwiegespräch zwischen den Rabbinern Dr. I. Maybau m und Dr. M. Swarsensky hatte sich ein großer Kreis zusammengefunden, der durch diese Unterhaltung einen Einblick in den Aufgabenkreis und die Problematik des heutigen Rabbiners erhielt. Das Gespräch (das allerdings keine Auseinandersetzung war, weil sich die beiden Partner gesinnungsgemäß zu nahe stehen) ging von der Frage aus, was eigentlich den modernen Rabbiner vom mittelalterlichen Raw unterscheide. Maybaum, ein Freund überspitzter Formulierungen, stellte sich dabei auf den Standpunkt, es habe sich nichts geändert, und er kam zu dieser Auffassung, weil er den Begriff der Halacha nicht traditionell faßte, sondern als den vom Rabbiner ״festzustellendenWandcl des Judentums“. Andererseits stellte sich Maybaum auf den Standpunkt, daß der heutige historisch denkende Rabbiner ein Fortschritt gegenüber dem historisch völlig unorientierten mittelalterlichen Raw ist. Swarsensky verwies dazu auf den gewandelten Aufgabenkreis, der sich durch das veränderte Milieu ergibt. Auch die Frage des Unterschiedes zwischen Rabbiner und Lehrer wurde gestreift: man einigte sich darauf, daß beide aufeinander angewiesen sind lind daß der Rabbiner dem Lehrer das Ziel der Arbeit angibt. Ausführlicher unterhielt man sich über die Predigt. Swarsensky glaubt nicht an tiefgehende Wirkungen von Predigten, weil sie immer nur einen sehr kleinen Kreis der Gesamtgemeinde erfassen. Auch thematisch ist es schwicrig; soll die Predigt ״aktuell“ sein oder sich auf die Textauslegung beschränken? Maybaum hält es für erforderlich, vom Text aus die Probleme des Lebens zu erfassen; aber es komme nicht primär auf die Wirkung der Predigt an. Der Rabbiner habe das Wort der Thora zu künden und könne sich dabei nicht nach dem Hörer riehten. Von hier aus wandte sich das Gespräch der K a s u a 1 - redigt zu, die einen großen Teil der rabbinischen ätigkeit ausmacht und durch die sehr oft der Zusammenhang mit Fernstehenden hergestellt werden kann. Auch die amerikanische Predigtform wurde erörtert, wobei Maybäum darauf hinwies, daß der amerikanische Rabbiner durch die Schichtung seines Publikums gezwungen sei, weltliche Reden zu halten, und daß er vielleicht überhaupt den Typ des Rabbiners im 20. Jahrhundert darstelle. Ueber das Problem der Seelsorge und ihr Verhältnis zur 0 r ga n i s i c r t e n W 0 h I f a 11 r t kam die Unterhaltung dann zu dem wichtigen Punkt der Stellung des Rabbiners rum Gemeindevorstand. Swarsensky wandte sich gegen eine Verbeamtung des Rabbinats, ebenso Maybäum, der den Rabbiner als den ״noch einzig freien Mensehen in der Gemeinde“ bezeichnete, der allein in der Lage sei, gegen Parteien und Cliquen aufzutreten. Swarsensky bemängelte, daß der Gemeindevorstand von sich aus religiöse Entscheidungen trifft, ohne die Rabbiner zu fragen, und hält es für wünschenswert, ein Rabbinat zu schaffen, dem allein die religiösen Entscheidungen obliegen. Maybaum stimmte dem nicht zu,. sondern vertrat die Meinung, daß der einzelne Rabbiner sich kraft seiner Persönlichkeit durchsetzen müsse. In diesem Zusammenhang vertrat Maybaum auch seine bekannte Auffassung, daß der Rabbiner immer ״P r o t e s t r a b b i n e r“ sein müsse, der sich gegen die Erstarrung der Fronten erhebt. Auch seine Mitarbeit innerhalb der Parteien habe nur im Sinne dieses Protestes einen Wert. Zum Schluß wurde das Probleiti der persönlichen Autorität des Rabbiners angeschnitten und am Beispiel Leo Baecks übereinstimmend festgcstcllt, daß eine allgemein anerkannte rabbinische Autorität auch heute noch im Bereich der Möglichkeit liege und daß es eben nur auf den Menschen ankommt, der die Autorität des Amtes zu vertreten hat. N. Eine Morgenfeier des Kulturbundes Nicht nur zur Einführung in die Shakespeare-Aufführung dieses Monats, sondern mehr noch als ein WcgzurFühlungnähme zwischen dem Kulturbund und seinen Mitgliedern sollte die Morgcnveranstaltung vom 9. Januar dienen: so deutete Dr. Kurt Singer fn seinen Begriiliungsworten den Sinn dieser Zusammenkunft. Und man darf als Resultat feststellen, daß dieses Ziel in erfreulichem Maße erreicht wurde. Die leitenden Männer des Kulturbundes und die Schauspieler so nah von Angesicht zu erblicken, war für die Zuhörer etwas Faszinierendes und Aktivierendes, besonders wenn eine so reizende Dame wie Camilla Eisner-Spira sie in so entzückender und charmanter Art einen Blick hinter die Kulissen tun läßt, mit ihnen über die Tücken der Probenarbeit Nächsten Freitag: Kmdcr-Rnndsclian und den großen Krach bei der Generalprobe plaudert, und dies alles in witzigen, sprühenden Wendlingen. Nicht weniger farbig war das, was Dr. Singer über Korngoid und seine Musik zu sagen wußte, wozu Kapellmeister Rudolf Schwarz in so feinsinniger Form Beispiele am Flügel gab, daß der Beifall ihn nicht eher losließ, ehe er sich zu einer Zugabe entschlossen hatte. Aus Korngolds Oper ״Die tote Stadt“ brachten Doris Wiiainowska und Ernö Garay die berühmte Arie ״Glück, das mir verblieb“. Auch über Shakespeare wurde gesprochen: Alfred Berliner las aus der Vorrede zu einer Shakespeare-Bearbeitung Julius Babs <1 cm Essay über ,,Viel Lärm um Nichts“, und Julius Bab selbst gab an Hand von Lichtbildern einen kleinen Anschauungsunterricht über die Ent- Wicklung der Bühne und insbesondere des Bühnenbildes für Shakespeare-Werke. Zum Schluß sahen wir die Szene der Wache aus ,,Viel Lärm um Nichts“, über deren Darsteller an dieser Stelle bereits berichtet wurde. * N. Die Hawdalahfeler in der Neuen Synagoge am 25. Dezember war sehr stark besucht. Leo Gollanin sang Kantorales und das Arioso von Händel mit gewohnter Wärme. Loni Brotzen zeigte alle Schönheiten ihres Soprans im ״Haschkiwenu“ lind dem Psalm 126. Paul Lieh fenstern an der Orgel bot Bestes, ebenso gefiel die Violinvirtuosin Ellen Cohn-Byk. Rabb, Dr. v. d. Zyl sprach über die Aufgabe, in der Religion Stärkung zu suchen, um aus dem Scliabbat die Kraft zu schöpfen, die ״unbequemen'• Wochentage zu meistern. Liquidation der iwria- Bank In der Generalversammlung am 11. Januar, in der der Aufsichtsrat und der Vcrgleiclisver walter Wunderlich über das Vergleichsverfahren der Batik den Genossen berichteten; wurde der bisherige Aufsichlsrat mit Ausnahme von drei Herren, die ihr Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt haben, wiedergewählt und die Zahl der Mitglieder des Aufsichtsrats auf fünf beschränkt, ferner wurde in der am gleichen »Tage abgehaltcnen außerordnniiehen Generalversamir.lum die Liquidation der Bank als Folge des Vergleichsverfahrens heschlo.-scn. Die Liquidation erfolgt durch den bisherigen Vorstand. Kammermusik jüdischer Komponisten. Die letzte kamniermusikalische Veranstaltung hei Weil sprengte in der Lulle des Gebotenen den gewohnten Rahmen. Eine kleine Liedergruppe von James R ״ t h s t c i 11 hatte vollkommen ausgereicht, Einblick in die Werkst.״;« dieses Musikers zu geben. Die von ihm aufgeführten iuederzyklen für Sopran mit der leider indisponierten Tilly Forscher, für Bariton mit dem stimmbegabten, doch technisch im/urc.eilenden Henri Goldberg (es müßte u. a. das allzu Dunkelt,irheii der Vokale vermieden werden) erwiesen sieh mit geringer Ausnähme in ihrem künstlerischen (״ sichDkrcis zu eng, sie bewegten sich auf den ausgetretenen Pfaden eines wirklich deuteten die kompositorisch'nicht sehr geglückten ,6 Miniaturen“ für Klarinette und Klavier von James Simon Ballast für das Programm, wenn auch hier die künstlerische Eigen- Willigkeit des Komponisten interessierte und es zu einem besonderen Vergnügen wurde, de״ Klarinettisten Michael Balncmones spielen zu hören. Diesen Schwächen gegenüber spielte das Programm einige Trümpfe aus, mit der satztechnisch finesscnrcichcn, geschlossenen Violinsonatc von Ernst Tocli (Violine: Hatisjürgen Ronis); aus einem anderen Bereich eine ״Wiener Rhansodie“ für Klavier von Castclnuovo-Tedesco, ein bezeichnendes Dokument des brodelnden Musikg'cschehens um die Stiiwende der Nachkriegsz.eit, orgiastischc'r Dreitakt des Wiener Walzers, schwankciulc Nachtsilhouetten, Resignieren in Dwrhvthmcu. KHvh'rimpressionen, die Gustav Sabel bravurös hi ise'ztc un 1 das Trio D-Moll für Klavier, Violine, Violiucc■!׳. on. 3 (IW) von Oskar Guttmann, ein im Anhieb geglücktes und in ungestiimer Musikalität hinströmendes!!igendwerk, ein dankbares Stück Kammermusik, das Sabel, Ronis und Godfried Zeelander zu neuem Leben erweckten. Dr. J a k o b S c h ö n h e r g Rezitationsabend Dr. Eisenberg. Im Hause Weil sprach Dr. Fritz Eisenberg Verse und Prosa. Er leitete den Abend mit Ludwig Strauß ein, dem er ein paar Proben aus Martin Bubers ״Chassidischcn Geschichten׳‘ folgen ließ. Dieser erste Teil des Programms, der ausschließlich jüdischen Inhalt aufwies und weit mehr Anklang und Beifall fand als die weiteren Darbietungen, wurde mit dem Bialik-Gedicht ״Ein Fröhliches“, in der deutschen Nachdichtung von Ludwig Strauß, beschlossen. Fritz Eisenberg verlieh diesen BiaÜk-Versen durch seine lebendige lind mitreißende Vortragsart einen iiberzeugenden Schwung. In! weiteren Verlauf hörte inan Hofmannsthalsche Verse. Sodann las Eisenbcrg — als erstmalige Wiedergäbe — eine Szene ״Sokrates Tod“, die uns besser erspart geblieben wäre. Versöhnlich stimmte uns dafür der Ab- Schluß des Abends: vier kleine Gedichte von Ringelnatz, die Fritz Eisenberg meisterlich vorzutragen wußte. M—z. Für eine unserer Kassen benötigen wir eine stabile Kassette. Meldung erbeten an die• Jüdische Winterhilfe, Berlin C 2, Rosen- Straße 2-4, Abteilung Sachspende (41 67 11). Die Junggruppen der BZV. (Meinckcstr. 10) bitten um Ucberlassung von Klampfen und Mandolinen. Ankündigungen Frauen-Arbeltsgcmeinschaft für P a I ä’s t i n a. Am 25. Januar, 16.30 Uhr, Wiro-Nachmittag, Regensburger Str. 26. — Der Chug Iwri der Wizo veranstaltet an jedem Mittwoch, 16 Uhr, Im Heim, Regensburger Str. 26, einen Chug Iwrl. Diese Institution bietet jeder jüdischen Frau mit noch so geringen hebräischen Sprachkenntnissen die Möglichkeit, in ungezwungener Konversation über aktuelle, literarische und andere Themen in gleichgesinntem Kreise hebräisch zu sprechen. — Am 19. Januar findet eine Chamlschah Assar b’Schwal-Feier statt. Photogruppe T’munah. 20. Januar, ' 20.30 l'hr, BZV.-Tfeim, Kant- Straße 54, Dr. Roman Wic-chniak: ״Photographiertes Leben — Lebendige Photographie“ (mit Lichtbildern). Hebräische Kurse der BZV. Neuer Anfängerkurs: Roscnthaler Str. 44 (D. Kantor). Anmeldungen an die Kulturabteilung der BZV, Lehrküche auf Palästina-Herden. Praktische Kochübungen auf verschiedenen Systemen. Diätvorträge niit besonderer Berücksichtigung der palästinensischen Verhältnisse. Unentgeltlich« Hausfrauen-Sprechstunden. Montags von 16—18 du־, Henriette Albach, Wilmersdorf, Trautennustr. 8 (87 25 28). Jüdisch( Rambam-Lehrhai 20.30 Uhr. Svn Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Artilleriestraße 14• Am 24. Januar, 20 Uhr, Dr. Paul Kppstcin: ..Uevolkcrungswissenschaft als Grundlage einer Soziologie der Juden". In der Synagoge FasanenstraBe findet am 22. Januar, 20 Uhr, im Rahmen des Kulturbundes ein« Vortrags- und Konzcrtvcranstaltung ״Die Psalmen in der Musik“ statt. Mitwirkende: Rabbiner Dr. Swarsensky, Oberkantor Davidsohn, Frau Ilse Intrator and Organist Bezirks •Veranstaltungen der BZV Foto-Ausstellung der BZV 10. bis 23. Januar 1938, BZV-Heim, Kantstr. 54 Die Ausstellung ist geöffnet wochentags (außer Freitag) von 18-22 Uhr, Sonntags 10-14 Uhr BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Waimseevilla möbliertes Komiorizimmer Couch-Uopflerz im men Am S - Bahnhof Charlottenburg möDi. vorderzimmer Januar, 20.30 Uhr Donnerstag, Dr. David Schlossberg Dr. Alfred Ra bau Judenfrage überall — Was wird aus Palästina? BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Bez. Zentrum-Nord Aerztln; Vermietungs-Anzeigen Jüdische Rundschau VERMIETUNGEN Charlottenburg Don JQd. HlaWliPSS!illl!!8r| Klavierstimmer PEREZ 82

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