Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1938)
- Date
- 1938-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1ÖDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 5, 18. JANUAR 1938 Frankfurter Chronik Das zweite Konzert des Orchesters der Jüdischen Kulturbiinde brachte eine Auswahl klassisch-romantischer Meisterwerke. Die von Prof. Priiwer erzielten Fortschritte hinsichtlich Klang und Spieldisziplin erregten Bewunderung. Mendelssohns Oktett fesselte durch Schönheit des Formenbaus und edle Melodik, gelangte aber, trotz ausgezeichneter Wiedergabe durch die hochqualifizierte Streichergruppe, in dem großen Saale nicht zu voller Wirkung. Reine Freude bereitete Mozarts C-Pur-Syniphonie, die Priiwer werkgetreu und warmgetönt erstellen ließ. Erich Länderer, der Solist des Abends, eroberte sich das Frankfurter Publikum im Sturm durch die virtuose, technisch und musikalisch hervorragende Nachgestaltung des Es-Dur-Konzerts von Liszt. Liescl Simon wußte eine Schar eifrig lauschender Kinder durch ihre Kasperl-Vorstellung (״Das gestohlene Nachtwächterhorn“) in helle Begeisterung zu versetzen. — Bei den jüdischen Ton Künstlern gab es einen Abend ״Jüdische Volkslieder und Rezitationen“. Janko Kau ffmann, ein Spezialist auf diesem Ciebiete, sang, von Leni Lorsch-Morgenstern begleitet, Jargonlieder, Zacharjasz Berger sprach Stücke von Perez, Scholom Alejchem und Bialik. l)r. N. E. Künstlerisches und geistiges Leben Erfurt. Am 6. Januar veranstaltete der Kulturbund einen Liederabend, Frau Paula S a 1 o in o 11 - L i n d b e r g sang. Am Flügel begleitete Erna Klein mit Gewandtheit und Anpassungsf.ihigkelt. Wiesbaden. Am II. Januar sprach Dr. Hans P o tri e r a n 7. m a 11 n׳'. Ausgehend vm! dem Thema der Politisierung des jüdischen Volkes als einer Streitfrage, die entschieden sei durch das Dasein dieses Staatsmannes, versuchte er das Wesen dieses Politikers aiif/11/eigeii, der als Mann der Synthese das Jüdische des Ostens mit der Bildung des westlichen Gelehrten vereine. Seine Mitwirkung bei der ״Zionisiertmg des Zionismus‘• wurde aufge/cigt und schließlich der Weg des ״praktischen“ Zionismus von Deganiah bis Ejn Cliarod gewiesen und parallel gesetzt der politischen Aktion, die sich auf diese ״Tatsachen“ stutzt. Die Darstellung des arabischjüdischen Gegensatzes und der Auseinandersetzung mit der Mandatarmacin bot das Material zur Aufzeigtmg des Wesens oder vielleicht Schicksals dieses Staatsmannes: Belastet mit allen Schwierigkeiten eines Politikers, der ein zögerndes Volk hinter sich hat, ״Verantwortungs-Politiker“ sein zu müssen und sich zu unterscheiden vom ״Ciesinnungs - Politiker“, der im Namen der reinen Idee, wie er sie versteht, die Opposition organisiert. Der Kampf um die Eroberung des Volkes, zugleich die Deutung seiner politischen Absicht durch die besondere Geistigkeit seiner Haltung, das ist die Leistung dieses Mannes. Lerntagung jüdischer Lehrer in Bad Nauheim. In der üdischen Bezirksschule Bad Nauheim fand unter Leitung von >rof. Dr. Kantorowicz (Frankfurt a. M.) ein!!tägiger Fortbildungslehrgang für Lehrer an jüdischen Volksschulen statt. Der Studienplan umfaßte: Pädagogik: Grundfragen der Erziehung (Prof. Ifcmdv); Grundfragen des gesellschaftlichen Lebens und der Charakterbildung (Kantorowicz); Sonderfragen der Internatscrziehung (Schulleiter Bettmann); Didaktik und Methodik des Hebräischen (Jakobsohn); des Deutschunterrichts (Braun); der Körperschulung (Goß); des Singens (Adler); vom Midrasch in der Schule (Rabb. Dr. Merzbach). Stoffliche Fortbildung: Behandlung eines Mischnaabschnittes (Dr. Merzbach); Pent,iteufhkurs (1)׳׳. Heschel); Jüdische Kulturkunde (Rabb. Dr. Levi); Palnstinakundliches und Fragen der Auswanderungs- und Berufspolitik (Dr. Pomcranz); Materialien zum Gcschichtsstudiuin und ztmi Geschichtsunterricht (Dr. Bernev); Jugend- und Bcntfstursorge-Auswanderungsfragen (Hilde Meverowitz). Ls war von Bedeutung, daß einmal Hebräisch, Deutsch und Geschichte in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt wurden. Indem man ihrem Wesenhaften nachspürte, schwanden manche falsche Auffassungen im Hinblick auf die Möglichkeit einer organischen Verknüpfung von Jiidischem und Allgemeinem im Unterricht aus dem Gesprächsbereich, so daß sich eine Uebereinstimmung darüber ergab, daß die Eigenständigkeit bestimmter Sachgebiete nicht durch unfruchtbare Vcrmeiigunpsversnehe angetastet werden dürfe, daß jedoch Verbindungsfaden zwischen Jüdischem und /tilgemeinem gezogen werden sollten. Der ans Ende gelegte ״Tagt der Schulpraxis“ (Schulleiter Lichtenstcin) brachte es zu Wege, daß auch des Handwerklichen im Unterricht nicht vergessen wurde. Was diesem Lehrgang sein Gepräge gab, war die Form, in der die an ihm beteiligten Menschen sich zu einer Gemeinschaft zusammenfügten. Im Jüdischen Kulturbund für Ostwestfalen und angrenzende Gebiete, dem sich jetzt auch Eschwege angeschlossen hat, sang Paula S a I o m o n (Lindberg) Lieder jüdischer Kornponisten und Arien von Gluck, Händel, Saint-Sacns und Verdi. Erna Klein begleitete sicher und einfühlend. Für sie sprang später Hans N e 11 m a r k ein. Zionistisches und Gemeindeleben Bamberg. Am 6. Januar wurde in der ZV. die neue Monatsschau des KKL Vorgefühlt. Die Begleitworte sprach Simon Isaak. Zur Minleiuing hielt Fritz. Stein ein Reterat. über die künftigen AufgalHtn jüdischer Kolonbutinn in Kre׳z Israel. Gera. Am 7. Dezember fand die Generalversammlung der Zio- Prediger Cohn; H. Vor-itzender und Schriftführer: Drob Spiegel; K. II.: Herbert ISiermann; KKL: Willy Gottfried; Zionistensteuer: 1 Zeugen vertraten ihre .Ansichten mit größter Leidend Sch Geber! Mannheim. Prof. W a r m s t ä d t c r sprach iilrer Beer-IIoftnann. ein Dichter des jüdischen Volkes.^ — In die Gemeindevertretung mann. Dr. Lucic Kallmann. Dr. Paul Kaufmann, Arllmr!,öwenbaum. Wuppertal. Am 4. Januar .-!)rach Dr. Fritz Ikenbcrg im Imcnxjvkrcis über den Peel-Bericht, Ankündigungen Essen: ZV. Am 20. Januar, 20.30 Uhr, Jugendheim, Intcnsivkreis, Dr. -.- Heilbronn: 29. Januar, Dr. Mas!׳'losch, .Mannheim: ״Palästina- O 2, lfi. Mülheim. 7.V.' Am 19. Jmuar. 20.30 Uhr. 1,01100 53| Dr. hiwf Xetiherger: ״lüdi.-rhe Wanderung — heute“. — Stettin: ZV. ׳Am 20. Januar, 20.30 Uhr, Wtangelstr. 3. Mitgliederversammhing. Dr. Kurt Ficht (Berlin): ״Zwi'chen Sorge und Hoffnrtng: zur 1 s ti 1 1 Wuppertal /\ V 19. Januar, 20.30 1 in, Gemeindeliau-, Gemdg.-ainkeit-tr., Dr. Fritz Ikenherg im Intcnsivkreis: ״Das neue Palästina-Weißbuch und der Peel-Bericht“. Familien •Nachrichten Frau Hedwig Cohn, Des,au, Rathausstr. 9, begeht am 22. Januar den 60. Geburtstag. Herr Sanitatsrat Dr. Julius!1 a i n c b a c h, Frankfurt a. M., Scheffelstruße 11, begeht am 22. Januar den 70. Geburtstag. Herr Bertold JcrcsUv, Liegnitz. Jauer Str. 6, begeht am 19. Jan. den 60. Geburtstag. Frau Karolina Xullbaam, geh. Barth, Beverungen, begeht am 23. Januar den 85. Geburtstag. Die Fortbildungstagung der jüdischen Lehrer Mitteldeutschlands vom 3. bis 6. Januar wurde eröffnet von Direktor Dr. Weikersheimer; er übertrug den Vorsitz an Steinhart (Dresden). Rabb. Dr. Ochs (Leipzig) gab einen Ueberblick über die Stellung der Mischnah im jüdischen Schrifttum und in der Erziehungs- und Bildungswelt des Juden aller Zeiten. Prof. Dr. Richard (Leipzig) führte Beispiele für lebensvolle Gestaltung des biologischen Unterrichts vor, in dem den Schülern nicht nur ein naturkundliches Wissen, sondern eine Erkenntnis von dem Leben der Umwelt vermittelt werden soll. Studienassessor Dr. Joel (Leipzig) behandelte die Durchnahme erdkundlicher Stoffe im allgemeinen und Palästinas itn besonderen. Zwei Tagungsinhalte: Unterricht im Deutschen und in der Geschichte, ״Direktor Dr. Elias (Frankfurt a. M.) und Studienrätin Herrmann (Lcipzig)J, rollten Fragen auf, die den jüdischen Lehrer aller Fachgebiete angehen. Der Stellung des Iwrith dienten zwei Arbeitsgemeinschäften (Jakobsohn, Berlin), in denen Stoffe aus dem T'naeh schulgerecht dargeboten wurden. Schließlich ist noch ein Vorfrag über Berufsberatung und Rerufsvorbereitung der schulentlassenen Jugend (Frau Lev y-Zobel, Berlin) zu erwähnen. Steinhart (Dresden) behandelte die Stellung des Lehrers in der kleinen Gemeinde, z.eigte die vielfältigen Aufgaben auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, die ihm heute obliegen. Der Verein der israelitischen Lehrer Mitteldeutschlands verband mit der Tagung seinen eigenen Jahrestag. Der von der Gemeinde Leipzig und der Leipziger Schule gebotene Begrüßungsabend vereinigte die Teilnehmer zu einer angeregten Unterhaltung mit künstlerischen Darbietungen. Alfons Fink, der in diesem September sein dreißigjähriges Bühnenjubiläum beging, wurde am 15. Januar 50 Jahre alt. Er war lange Jahre als erster Charakterkomiker am Broslauer Schauspielhaus und ist heute einer der beliebtesten Conlerenciers der Kabaretts. Jetzt ist er durch die schöne Besinnlichkeit seiner Heiteren Abende dem jüdischen Kulturbundpublikum ans Herz gewachsen. Besonderer Beliebtheit erfreut er sich im Spielbezirk des Jüdischen Kulturbundes Rhein- Ruhr, wo er mit der Darstellung seines ״Türkischgelb“ (Pojaz), ״Cesar“ (Goldner Anker), des ״Dromeo“ (Komödie der Irrungen) unvergeßliche Gestalten schuf. Prof. Jacob Obermeyer Nach Samuel Landauer, der Ende Dezember in Nürn* berg starb, ist nunmehr Anfang dieses Monats ein anderer bedeutender Orientalist aus jener Generation der heute SO- und 90jährigen den Weg alles Irdischen gegangen: Jacob Obermeyer ist am 1. Januar im 93. Lebensjahr in Würzburg gestorben. Anläßlich seines 90. Geburtstages brachte die ״Jüdische Rundschau“ (Nr. 24/1935) eine eingehende Wiirdigung des Menschen und seiner wissenschaftlichen Leistung. Wiederholen wir noch einmal die wichtigsten Stationen dieses Lebens: 1S6S bereist er den Orient und lernt Pakistina kennen; 1869 wird er Lehrer an der Schule der Alliance Israelite in Bagdad; 1S72 wird er Erzieher des damals im Exil lebenden persischen Kronprätendenten; 1SS4 erhält er eine Bernfung nach Wien an die Lehranstalt für orientalische Snrachen, wo er bis 1915 tätig ist. Zahlreiche Schriften und Aufsätze sind seiner Feder zu verdanken, insbesondere hat er über Babylonien viel gearbeitet. Sein Lebenswerk ״Die Landschaft Babylonien itn Zeitalter des Talmuds und des Gaonats“ hat Öbermeyer erst 1929, also in seinem 84. Lebensjahr, vollendet. Mit ihm ist ein Angehöriger der Orientalistengeneration Nöldeckes dahingegangen, die für die Ent- Wicklung der orientalistischen Wissenschaft und für das geschichtüche und sprachliche Verständnis des Judentums Bahnbrechendes geleistet hat. Jüdische Wohlfahrtsarbeft in Breslau und Niederschlesien. Aus der Feder des Leiters des Breslauer Jüdischen Wohlfahrtsamtes, Gustav Glaser, erschien der Bericht über das Etatsjahr 1936 37. Von 17 000 Menschen wurden in Breslau 4242 unterstützt, in der Provinz waren cs 634 bei einer Gesamt- Ziffer von 2814. Diese Zahlen decken sich mit denen der Jüdischen Winterhilfe. Insgesamt wurden in Breslau für soziale Zwecke etwa 440 000 RM aufgewandt, in denen die Beratungsstelle mit ungefähr 170 000 RM enthalten ist; in der Provinz wurden 20 000 RM aufgewandt. Lebensmittel- und Sachleistungen, die während des ganzen Jahres fortgesetzt wurden, erforderten einen zusätzlichen Betrag von 12 177 RM. Für Jugendfürsorge wurden 25 500 RM. ausgegeben. F. G. N. Das Orchester des Frankfurter Kulturbundes unter Leitung von Prof. Julius Priiwer wird zwei ״Fiorras“ für Or» ehester von Jakob Schönberg am 16. Februar aufführen, Berichtigung. Der bei der Einweihungsfeicr des Hamburger Jüdischen Gemeinschaftshauses gesprochene Prolog war von dem Sprecher Julius K o b 1 e r selbst verfaßt. l/ewfuengt in du Wett Die Jüdische Rundschau hilft Adressen suchen (Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Anfragen aus unserem Lcsorkrciae betreffend den Verbleib vermißter Freunde. Diejenigen Leser, die über di« Gesuchten Auskunft geben können, werden um Mitteilung ersucht.) Nr. 117. Dr. Heinrich Veit, früher Rechtsanwalt in Offenbürg, 1933 in Straßburg, ausgewandert nach Brasilien, wird gesucht von Max Wistinetzki, Meged, Post Pardess-Chanah (Palästina). Nr. 118. Jakob Cohen aus Vreden (Wcstf.) und seine Frau Berta, geb. Schragenheim, aus Bremen, vor 40 Jahren nach Amerika (Goldsboro) ausgewandert, sowie ihre Kinder; Julius, Siegfried und Julia, werden gesucht von Frau Fanni Isaacson, geb. Stern, Dinslaken Niederrh., Hünxerstr. 25. Nr. 119. Moses Kahn aus Poswoll (Litauen), vor etwa 40 Jahren aus Riga nach Washington ausgewandert, wird gesucht von Frau Johanna Neuberg, geb. Chait, Berlin- Charlottenburg 4, Schlüterstr. 49. Nr. 120. Henry Roß, Sohn von Betty Roß, geb. Friedberg, New York; Irving Marx, Sohn von Rosa Marx, New Yotm, werden gesucht von Frieda Probst, geh. Friedberg, aus Koblenz, jetzt Berlin-Halensee, Joachim-Friedrich-Str, 24. Nr. 121. Die Nachkommen von Karl Besser in Philadelphia oder Baltimore werden gesucht von Emma Baumgarten, Breslau, Alte Taschenstr. 20. Nr. 122. Sally Aschheim und Frau Helene, geb. Abrahamsohn oder deren Kinder, die in New York eine Kürschnerei hatten, werden gesucht von Frau Marie Friedländer, Frankfurt/Oder, Wilhelmplatz 20. Nr. 123. Bernhard Abt, bis 1916 in Köln, 1917 von Rotterdam nach Amerika ausgewandert, wird gesucht von Isaak Kohn, früher Köln a. Rh., jetzt Berlin-Charlottenburg, Momtnsenstr. 49. Nr. 124. Kalhi Lefkovifs aus Kisvarda (Ungarn), 1897 ausf' , oder deren Angehörige werden gesucht von Ferdinand Lefkovits, Schweinfurt a. M., Frauengasse 10. Nr. 125. Salomon Reich aus Czudec (Polen) oder dessen Nachkommen wird gesucht von Samuel Reich, Köln, Lütticher Straße 30. FRANKFURT a M. Höchste zeit *׳־ ... ermäßigten FrOhjahrsrelsen nach Palästina• Besorgung von Rsieekreditbriefen Palestine «• Orient Lloyd Vertretung Frankfurt a. Main, Alfred Adler 1 Nur Steinweg 9 Tsieton 240 6t |j schrank- DROGERIE SCHNEENIAIIII Schi llerstraße 2 TOILEnE-ARTIKEL Für Auswanderer: N unsch xusammenyestellte Apothek Praktische Geschenke aus Kristall Porzellan Jenaer Glas Keramik Schleiflack Bing Kaiser«trade 4 Porzellan A Form Maria Koller Frankiuium.!TS” IhrPhoto-Reisebuglelter 1 Leica»Coniax Ehrenfeld | Frankfurt a.Main, Zell 104 | Kaffee—Tee — Kakao '״ be^nnt<־״Qu'״ Weine - Lebensmittel WlttWe HcISScM s.m. ■ B. H. DANZAS & CO früher Albert Herr / ttteiigng 1Dr Ausianütumzüge Frankfurt a. 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