Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-01-18 · Heft 5 (18.1.1938) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 5 (18.1.1938)
Date
1938-01-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653554--31789-2683471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 5, 18. I. 1938 JO Dl S C H E RUNDSCHAU Seife 5 ״Ein jüdisch-arabisches Abkommen leicht“ Jobs Philby ist optimistisch Die arabische Zeitung ״Felestin“ hatte eine Unterredung mit St. John Philby, in der er u. a. sagte, daß es keine Blutrache zwischen Juden und Arabern gebe und daß deshalb ein Ab komm eil zwischen beiden leicht sein müsse. Philby ist der Ansicht, daß das Mandat bald aufhören muß. Es sollte nach seiner Meinung ersetzt werden durch ein unabhängiges Palästina, das auf dem Prinzip aufgebaut ist, daß Juden und Araber gleichberechtigte Bürger sind. Die Verfassung dieses unabhängigen Palästinas dürfte keine Beschränkungen hinsichtlieh der jüdischen Einwanderung oder Bodenkäufe enthalten. Die Einwanderung müßte weiter nach dem Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit geregelt werden. Wenn die Regierung Palästinas zu keiner Einigung über das Prinzip der Aufnahmefähigkeit gelangen könne, so sollte dies von einem Oberste!! Komitee, bestehend aus zwölf Juden und Arabern unter dem Vorsitz des Vertreters einer fremden Macht, die keine Interessen in Palästina hat, entschieden werden. Weiter erklärte Philby, daß er jetzt gegen die Teilung sei, der er früher zugestimmt hatte, weil er überzeugt sei, daß sie ein Unglück für die Juden wäre. Das Weißbuch hält er für verfrüht. 15 sei allerdings notwendig gewesen, die Verwirklichung eines unabhängigen Palästinas um sechs Monate hinauszuschieben. Inzwischen sollten neue Anstrengungen gemacht werden, um zu _ einer besseren Lösung zu kommen. Sollte dies nicht glücken, dann müßte 1 b n S a u d gebeten werden, einen Kongreß der moslemischen Führer nach Dschedda einzuberufen, und die verbannten Araberführer müßten amnestiert werden, um an diesem Kongreß teilnelnnen zu können. Dieser Kongreß müßte zuerst im Prinzip über ein Abkommen entscheiden, und danach müßten Dr. Wei/inann und andere jüdische Führer nach Dschedda eingeiaden werden, um dieses Abkommen zu ratifizieren. Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der bekannte Schriftsteiler Rabbi Benjamin (Radler-Feldmann) veröffentlicht i!1 der Monatsschrift ״Mosnajim“ Betrachtungen zur Araberfrage, die den Leiter des politischen Departements der Agency, M. Schertok, zu einer scharfen Gegenerklärung veranlaßten. R. Benjamin führt aus: Die Ansichten der Ja- und der Nein-Sager in der Teilungsfrage sind beide verständlich und in sieh begründet und haben ihre Existenzhereclitigimg. Aber in beiden Lagern werden Fehler gemacht. Die Ja-Sager sollten sich von billiger Demagogie femhalten und ihre Gegner nicht gleich des Verrats bezichtigen. Besonders Lord Samuel ist von ihnen so charakterisiert worden. Weshalb? Wed er es für besser hält, durch ein Abkommen mit den Arabern einen jüdischen Bevöikerungsanteil von -10 Prozent für ganz Palästina zu sichern, als einen zweifelhaften judenstaat in einem Teil Palästinas zu erlangen. Die Demagogie liegt darin, daß die Ja-Sager, während sie für den Judenstaat eintreten, betonen, daß sie die Teilung des Landes nur als eine vorläufige Lösung betrachten, als ein Provisorium, während sie, wenn sie die Vorschläge für ein Abkommen mit den Arabern angreifen, dieses als etwas Endgültiges darstellen, das uns für Zeit und Ewigkeit festlegt. Das ist unredlich, und es ist betrüblich, daß selbst Führer unserer Bewegung solchen Gedankengängcn verfallen scheinen. Die Nein-Sager aber bagatellisieren die Araberfrage überhaupt Die Aufforderuug an England, das Nationalhcim mit Gewalt zu errichten, ist keine Antwort auf diese Frage. Die wahre Antwort ist die Aufforderung an die Araber, ein annehmbares Abkommen zu schließen. Fs existiert zum mindesten eine Möglichkeit für ein solches. Es gab eine solche Möglichkeit vor dem Teilungsvorschlag, und die Vertreter der Araber bei den Besprechungen gehörten nicht der kleinen Nashashibi-Partei, sondern der großen Mufti-Partei an. Das stimmt freilich nicht zu den allgemeinen Vorstellungen im Jischuw und zu dem, was in den Zeitungen steht, aber es stimmt dafür zur Realität. Es ist kein offenes Geheimnis, und Araber sollten es wissen: Noch w ä 11 - 1111 de 1 e Mufti-Pa ndlu Vielleicht ist nur durch zufällige Umstände nichts Positives daraus geworden. Man muß von neuem prüfen und, statt provisorisch auf den größten Teil des Landes zu verziehten und ihn den Arabern zu überantworten, ist es besser, provisorisch auf die Mehrheit zu verzichten und bessere Zeiten abzuwarten. Die Teilung unter den heutigen Verhältnissen, in der Zeit jüdisch-arabischer Feindschaft, ist ein Unglück. Sie kommt nur in Betracht, wenn die letzten Möglichkeiten entschwunden sind. Wir haben noch keinen Versuch gemacht, wir sind ausgewichen oder hallen abgelehnt. Es ist Leichtsinn, bei einein solchen Stand der Dinge für die Teilung einzutreten. Während• M. Schertok in einer Erklärung vor den Pressevertretern die Behauptung R. Benjamins zurückweist, daß die Exekutive Verhandlungen ausgewiclien sei oder brauchbare Vorschläge abgdehnt habe, bestreitet M. Assaf im ״Dawar“ den ehrlichen Verhandlungswillen der Araber überhaupt: Es mag Zeiten gegeben haben, wo Möglichkeiten (von der Art, wie R. Benjamin sic andeutet) existierten. Bevor der politische Extremismus die Welt erfaßte, konnte man einer aktiven Araberpolitik in der Zionistischen Organisation das Wort reden. Jetzt aber ist die uns umgebende Welt nicht mehr unschlüssig und verlangt die Herrschaft über Palästina. Unter diesen Umständen ist ein für die Juden annehmbares Abkommen mit den Arabern nichts als eine Illusion. Oesterreich. Die österreichische goldene Marathonnadel, die jedes Jahr an die drei erfolgreichsten Sportler ausgegeben wird, wurde an Gerda Gott lieb von der Hakoah-Wien verliehen. Gerda Gottlieb konnte 1937 zum fünften Male ln ununterbrochener Folge den modernen Fünfkampf ge- »innen und halt außerdem die österreichischen Rekorde Im Hochsprung. Deutschland. Beim Boxkampfabead der Hakoah In Essen gewannen Waag 1, Hauser und Beiter (Hakoah Essen) die Welfergewiditskäriipfe, im Fliegengewicht siegte Finger (Essen) und Schindler (Makkabi Köln), während Reift II und Waag 11 die Leichtgewichtskämpfe als Sieger beenden konnten. -Verbau dss piele im Mainbezirk: Fußball: Bar Kochba Frankfurt 1 gegen Jüdischen Turnbund FrankfurtI 4:0 (0:0); Bar Kochba Offenbach I gegen Jüdischen Sportverein Offenbnch I 2:1 (0:1). — Handball: Bar Kochba Frankfurt Damen gegen Hakoah Frankfurt Damen 0:4 (0:1); Jüdischer Sportverein Offenbach Dainen gegen Bar Kochba Offenbach Damen 0:1. — Im TischtennisKa mpf um die schlesische Makkabimeisterschaft in Oppeln siegte der JTSV. Bar Kochba Breslau mit 5:4 Punkten. Weihnachten in Amerika Von unserem Korrespondenten New York, Anfang Januar Juden und christliche Bräuche Noch vor vielen Jahren war ein Weihnachtsbaum in jüdisehen Häusern völlig unbekannt; heute ist die Zahl der jiidisehen Familien, die au diesem christlichen Brauch teilnehmen, im Wachsen. Dies wird teilweise darum toleriert, weil man in manchen Kreisen glaubt, daß Weihnachten, wie es in Amerika begangen wird, eine Zeit der allgemeinen Friedensstimmung geworden ist und die Absonderung der Juden ungünstig wirken könnte. Jedoch ist unter den 4 י .■ Millionen Juden Amerikas die Feier mit dem Weihnachtshaum verhältnismäßig selten. Dagegen machen luden ihren nichtjüdischen Nachbarn und Angestellten Weihnachtsgeschenke: der Austausch von Weihnachtsgesclienken ist in der Tat ein nicht wegdenkbarer Bestandteil des Lebens der Gesellschaft, an dem die große Mehrheit der Juden teilninunt. (Um Mißverständnissen vorzubeugen: eine solche Art der Teilnahme, besonders das Beschenken Christlieber Freunde zu ihrem Fest, halten wir für berechtigt und sogar wünschenswert; warum sollten Juden sich nicht mit ihren christlichen Nachbarn freuen und ihren Bräuchen Respekt entgegenbringen! Nur daß Juden für sich selbst diese Bräuche usurpieren, halten wir für würdelos und oft sogar lächerlich. — A. d. Red.) Zur Weihnachtszeit pflegen die Rcfomirabbis über das Verhältnis der Juden zu J e s u s zu predigen. Diese Tendenz ist auch diesmal wieder stark liervorgetreten; eine Anzahl von Reformrabbinern haben in den letzten Monaten sogar vorgeschlagen, daß Jesus in die jüdische Liturgie als jüdischer Prophet übernommen werden sollte. Bei diesem außergewöhnlichen Schritt traten insbesondere die Rabbis Ferdinand Isserman (St. Louis) und William Rosen blum als Wortführer auf. (Beide sind Schüler der Jüdischen Hochschule in Cincinnati.) Isserman sprach über Jesus vor einigen Wochen in einer Chikagoer Kirche und erregte dort großes Aufsehen, weil die Zeitungen seinem Vorschlag eine weite Publizität gaben. Die Wirkung dieser Jteden ist für die Juden eher schädlich als nützlich, da die christliche Öffentlichkeit fragt, warum die Juden sich so hartnäckig weigern, Jesus anzuerkennen, während einige ihrer Führer hierzu bereit sind. Aber die jüdischen Bemühungen, das christlich-jüdische Einvernehmen während der Weihnachtszeit zu fördern, haben in vielen Fällen eine tiefere Begründung als den bloßen Wunsch einiger Leute, in die Oeffentlichkeit zu kommen. Vielleicht gibt es wenige Länder in der Welt, wo der Weihnachtsgeist des ,,good will“ — Friede auf Erden — so tief verankert ist wie in Amerika, und wo die Juden an diesem Geiste so frei wie in USA. teilnchmen können. Wie die Juden auf den Weihnacht«- geist reagieren, zeigte sicli in zwei Predigten, die zu Weihnachten gehalten wurden. Herbert Go Id st ein, ein orthod o x c r Rabbi in New York, ging so weit, sich in seiner Predigt auf Weihnachten zu beziehen. ״An diesem Festtag unserer christlichen Nachbarn“, so sagte er, ״bin ich glücklich, daß wir sie ohne Zaudern und Furcht beglückwünschen dürfen. In vielen anderen Ländern lernen Juden am Heiligen Abend nicht, damit nicht •der Lichterschein die Fanatiker veranlaßt, in ihre Häuser einzudringen. Amerika ist zwar kein Schmelzticgel, aber ein großes Orchester, in dem die Bürger jedes Glaubens ermufigt werden, die Noten ihrer Ueberzeugung in Harmonie und in Frieden zu spielen.“ Eine andere ״Weihnachtspredigt“ hielt der führende N’ew-Yorker Reformrabbi Louis Newman, der eine eschlosscne Front von Juden und Christen zur ״Bewahrung er jüdisch-christlichen Ethik innerhalb der westlichen Kultur“ forderte. Ein jüdischer Philosoph Unter den Ereignissen der jüngsten Zeit ist bemerkenswert, daß Prof. Morris Raphael Cohen, der am College of the City of Nav York Plihilosopliie lehrte und von vielen als einer der hervorragendsten Philosophen Amerikas angesehen wird, sich von der aktiven Lehrtätigkeit zurückgezogen hat. 35 Jahre hindurch hat der jetzt 57jährige seine ״Polaritätstheoric“ Tausenden von Studenten vorgetragen. Diese Theorie besagt, daß es selbst in den divergierendsten Ansichten irgendeine Gemeinsamkeit gibt; sein Ziel war daher, selbst aus den wertlosesten Meinungen das Wertvolle, wie klein es auch immer war, herauszuliolen. Nunmehr will Prof. Cohen sich einem völlig neuen Tätigkcitsgchict widmen. Er ist der Leiter der ״Konferenz für jüdische Beziehungen“ (Conference of Jcwish Rcktions), die sich zur Aufgabe stellt, durch wissenschaftliche Untersuchungen und Forschungen die Probleme der amerikanischen Juden zu stu* dieren. Die Vereinigung will entdecken, welche besonderen Fak* toren die Juden als Juden beeinflussen. Es handelt sich um eine reine Forschungsgescllschaft ohne politischen Charakter. Cohen, der aus Litauen stammt und selbst die Jeschiwa besucht hat, vertrat immer die Auffassung, daß die Juden sich von der nichtjüdischen Umgebung nicht durch kulturelle, rassisehe oder andere Merkmale unterscheiden. Er ist ein Gegner der zionistischen Theorien. Man könnte ihn einen ״philosophischen Assimilantcn“ nennen. Nunmehr aber hat sich Cohen zu den Zielen der ״Konferenz für jüdische Beziehungen“ bekannt, deren eigentlicher Schöpfer und Mittelpunkt er ist, und er hat auch die Ansicht ausgesprochen, daß der Antisemitismus in Amerika im Steigen ist, obgleich er nicht glaubt, daß er sich in Amerika so tief emfressen wird wie in anderen Ländern. Es wird interessant sein zu beobachten, wie Prof. Cohen im Alter zu einem ״Juden“ wird. Das Durcheinander der Fonds Am 23. Januar werden mehrere Tagungen in Amerika stattfindcii: der United Palcstine Appeal veranstaltet eine!..andeskonferenz für Palästina in W ״ s 11 i 11 gto 11, zu der ungefähr mitte* hält am gleichen Tage eine Sitzung in St. I. o u i s ab, an Sache große Geldgeber. In PitVsburg wild der ״National Council of Jewish Wonten“ (die größte soziale’ jüdische־ Frauen- Organisation in Amerika) seine Jahrcskontrmu ebenfalls am gen von'dem sich vielfach kreuzenden Aufgaben'im Leben der jüdischen Gemeinschaft; aber sie spiegeln auch die Vielfalt der ständig fortschreitenden Arbeit. Die Einnahmen des U. P. A. mul des |. 1). C. waren in diesem Jahr besser als im letzten. Der |.!>.<;. wird im lahre 1937 ungefähr 3 Millionen I >o!iar, der t!. P. A. ungefähr 2 200 000 Dollar aufgebiacht haben. Durch ein Ueberankoinmcn aus dem lahre 1037 erhielt der |.D. C. M) ־״ der für l'ehersee bestimmteil Spenden in den wichtigsten Städten und der U. P. A. •10 0״. Es sind jetzt Anstrengungen im Gange, dieses Abkommen für 1938 zu erneuern. um" eine Wiederkehr der Konflikte der früheren Jahre zu vermeiden. Aber der 1. D. C. \e-hä!t sieh noch sehr zögernd, denn manche seiner Geldgeber meinen, daß das Verhältnis 70:30 sein müßte. Es wird am-gefuhrt, daß die Einwandermiß■ nach Palästina stark eingeengt worden ist und die Gelder für die Einwanderung in andere Länder reserviert werden sollten. Aber die Verhandlungen sind noch im < lange. Es besteht keine Wahrscheinlichkeit, daß das ״American Jewish Committee“ und der ״American Jewish Congrcss" ihre Kräfte für Hilfszwecke für Juden in Amerika oder im Ausland vereinigen werden. Dr. Cyrus Adler, der Leiter des ״Committee“, und Dr. Stephen W i s e, der Präsident des ״Kongrosses", sind ausgeprägte Persönlichkeiten, die nicht leicht ihre Ansichten über das, was für Juden getan werden sollte und in welcher Form, aufgeben. Juden im Staatsdienst Die wichtigste jüdische Ernennung, die Präsident Roosevelt in diesem Jahr vorgenommen hat, ist die von Nathan Straus zum Wohnbau-Kommissar der Vereinigten Staaten, über die bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ (Nr. 81/1937) berichtet wurde. Ihm werden mindestens eine halbe Milliarde Dollar zur Verteilung unter verschiedene Gemeinden zur Bescitigung der Elendsquartiere lind zum Bau von Arbeiterwohmingen zur Verfügung stehen. Straus hat seinen Wohnort von New York nach Washington verlegt. Sein jüdisches Hauptinteresse ist weiter Palästina, und er wird einer der Haupt» Sprecher auf der Palästina-Tagung in Washington sein. Ein interessantes Beispiel für die jüdische Teilnahme am öffentlichen Dienst in Amerika wurde in der letzten Woche geliefert, als eine Anzahl jüdischer Poli/eioffizicre in New York wichtige Posten in einer Polizei-Abteilung erhielten, die 18 «XI Mann umfaßt, unter denen mehr als 1000 Juden sind. Diese Männer setzen ihr 1 eben gegen Räuber aufs Spiel, lenken den Verkehr und beschützen die Häuser. Die jüdischen Polizisten sind in einer Organisation vereinigt, die den Namen ״Schomrim“ führt, durch die sie auch ihre religiösen Pflichten erfüllen können und zu den jüdischen Wohlfahrtszvvecken beitragen. Jüdisches aus Frankreich Von unserem Berichterstatter K. Paris, im Januar 1938 Die französischen Delegierten der Jewish Agency sowie die beiden Pariser Mitglieder des A. C. haben' gegen das englische Weißbuch zur Palästinapolitik ein Protesttele ״ r :1 in 111 an den englischen Premierminister Neville Chamberlaiia gesandt. Anläßlich des Besuches, den das jüdische Schulschiff ״Sara I“ in Tunis abstattete, ist es zu antijüdischen Dcmcmstrationen der mohammedanischen Bevölkerung gekommen. Der Kapitän hatte von den französischen Behörden die Erlaubnis erhalten, einen Vortrag vor den jüdischen Organisationen der Stadt über ״die jüdische Berufsunischichtung in der Marine" zu halten. Vor Beginn des Vortrages sammelte sich aber eine große Menschenmenge vor dem Versammlungslokal und die Polizei mußte erst die Menge auseinandertreiben. Der Vortrag wurde verboten, ebenso die Vorführung eines jüdischen Propagaiulafilins. In Ergänzung der in der ״J. R.“ Nr. 10'3 erschienenen Notiz über die Fortschritte der jüdischen Berufsumschichtungsbewerung in Frankreich ist noch auf die Tätigkeit des ,,Centre ae Rcdnsscment Profession el par l’Artisanat et l'Agriailture“ hinzuweisen, das von französischen Juden ge• giuidet, unter dem Vorsitz von Senator Godart steht. iese Organisation bringt junge jüdische Leute in den Berufsschulen des französischen Staates unter, wo sie eine gründliche handwerkliche Ausbildung erhalten. Besonders ist m diesem Zusammenhang auf die Unterbringung von Aus- Wanderern aus Deutschland in den Werkstätten der französischen Eisenbahnen liinzuwciscn. ln letzter Zeit wurden auch Aushildungsversuehe auf landwirtschafiliclieui Cielüet, z. B. in der Käserei, unternommen. — — Eine der ältesten französischindischen Organisationen, die sich die handwerkliche Aus- Bildung der jüdischen Jugend zum Ziele setzen, die ״Ecoie de Travail“ in Paris, legt jetzt ihren Geschäftsbericht vor. Die Schule teilt mit, daß zur Zeit durdi ihre Vermittlung Schneider, Pelzarbeiter, Tapezierer, Lederarbeiter, Zahntechniker, Drucker, Hutmaclicr, Uemdenarbciter usw. ausgebildet werden. Autler der handwerklichen Ausbildung beim Meister erhalten die Schüler auch eine allgemeine und jüdische Bildung, Der bekannte französisch-jüdische Komponist Darlus Milhaud hat im Rahmen der ״Voix d’israei“ einen Radio• xortrag über die ״jüdische Musik in Südfrankreich“ gehalten, Der. Komponist wies auf die alte Jtidensiedlung in Süd• frankreich hin; die ersten Juden haben sich zu Beginn de* christlichen Zeitrechnung dort niedergelassen. Die sephan■ dische Liturgie hat in Südfrankreich stark den Einfluß de* provenzalischen Volksmusik erfahren. Das jüdische Volkslied m der Provence ist tief mit der ״Folklore“ des Land«; durdi• trankt, es wird im ״Jüdisch-Comtadin“, einer Mischung von hebräisch und proveuzalisch, gesungen. Das grundlegend«!Dokument der iüdisch-proveuzalischen Liturgie ist der 1883 in Aix veröffentlichte Al man ach von J. S. und H. Cremieux, Die Familie Milhauds ist in dem provenzalischen Judentum verwurzelt. Milhauds Vater ist heute Präsident der Kultus• gemeinde in Aix. Der Gebrauch der altproven/alisdi-jüdischeil Liturgie ist aber angesichts der strukturellen Wandlungen in den Gemeinden (Einwanderung algerischer Juden) im Rück״ gang begriffen. Milhauds künstlerisches Schaffen, so führt« der Komponist aus, ist stark durch seine ersten musikalische!!! Kindheitsein drücke in der Comtatiiturgic beeinflußt worden. Sein Werk ״Esther de Carpentras“ wird von dieser Liturgie inspiriert. V iele Werke Milhauds sind in enger Zusammenarbeit mit Armand L11 n e 1, einem der besten Kenner des provenzali* sehen Judentums, entstanden. In Paris wird zur Zeit ein jiddischer Film ״Die Musi• kanten-Vagabunden“ gespielt, der in Polen aufger(mimen wurde. Der Film zeigt das Leben der Juden in den kleinen . und singt und eine starke filmische Begabung hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.