Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1938)
- Date
- 1938-01-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 18.1.1938 Das Neueste in Kürze Kampf um die Kolonieräte Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel Aviv, 9. Januar 193S Kolonien werden zu Städten Eine der Folgen der Expansion des jüdischen Werkes in den letzten Jahren war die Entwicklung vieler der sogenannten ״alten Kolonien“, also insbesondere der jüdischen Orangen- Siedlungen, aus kleinen Dörfern zu größeren, in ihrem äußeren Bild stark veränderten Punkten. Rischon Lezion oder Rechowoth in Judäa, Chederah in Samaria, von Petach Tikwah gmz zu schweigen, waren noch vor einem Jahrzehnt stille örfer mit Sandwegen, kleinen Häuschen, primitiven An- Sprüchen und relativ kleiner Bevölkerung. Es ist im letzten Jahrzehnt und insbesondere seit dem Anfang der dreißiger Jahre sehr viel Geld in diese Kolonien geströmt, sie haben ihr Pflanzungsarcal außerordentlich erweitert, ihre Einwohnerzahl vervielfacht. Während sich die Kolonien über ihre Ränder hinaus dehnten, immer mehr früher primitiv bebaute Flächen unter Zitruskuitur nahmen, wandelte sich das Zentrum der Orte von ()rund aus. Es entstanden neue Straßen, moderne und viel größere Häuser, es zogen Kinos und Cafös ein, die Anzahl der Arbeiter wuchs ebenso wie die der Handwerker und der freien Berufe. Bei einigen Siedlungen ging dieser Prozeß so stark und schnell vor sich, daß man nicht mehr recht wußte, ob man es mit einem großen Dort oder einem kleinen Landstädiehen zu tun hatte. In einem Falle, dem von Petach Tikwah, wurde diese Frage vor einiger Zeit sozusagen gesetzlich entschieden, denn diese alte Kolonie nahm ihre Stelle unter den palästinensischen ״Städten“ ein, erhielt einen ״Stadtrar und wurde zur ״Munizipalität“. Hatte die wirtschaftliche Expansion nicht plötzlich im vorigen Jahre aufgehort, so wäre vermutlich noch eine fanze Reihe anderer alter Kolonien dem Beispiel von Petach ikwah gefolgt, Wachstum und Verwaltung Mit dem raschen Wachstum melden sich immer neue V e r w a 1 t!1 11 g s p ro h I e in e. Palästina bietet uns auf diesem Gcl-Rtc eine S.ufenUiier von Verwaltungsformen, die beim primitivsteti aiitangt, nämlich bei der Beduinensippe, die in keim•:! der 7ivi:i■!!-.Ivgriffe paßt, datier auch ihren inneren < u׳pih׳,׳■■uh■ :teil mul überlieferten Gesetzen ent- Dörfer oder jüdische Siedlungen, die ihren von der Regierung bestätigten ״Muchtur“ besitzen, was so etwas ähnliches wie ein DorDchul/e ist. An größeren Orten haben wir Dorf- 011er Kolonie!׳atc, die zu erledigen haben, was mit der Verwaltung /nenntnenha!1gt und wo bereits der Kern alles dessen enthalten ist, was wir aus Stadtverwaltungen kennen. Schließlich haben wir städtische Verwaltung, wo wieder zwischen der townalup, wie es zum Beispiel Tel Aviv noch vor etlichen Jahren war, und der Munizipalität zu unterscheiden ist. Einer geordneten Verwaltung, mit dem nötigen Sinn für das Gemeinwohl und der entsprechenden Initiative, kommt in einem Laude, das in der Entwicklung begriffen ist, noch größere Bedeutung zu als sonst. Es handelt sich an den!meisten Stellen nicht mir um die Aufrechterhaltung des Bestehenden, sondern um den Ausbau alter Werke und die Errichtung neuer Dienste. Wegebau, Organisierung der Verwaltung, öffentliche Hygiene usw. spielen in diesen sielt entwickelnden, zu einem zivilisierten Standard hinstrebenden Orten, eine wichtige Rolle, und sie verlangen mehr als irgendwo anders eine Richtung, die nicht auf die Interesser■ Einzelner oder einzelner Schichten, sondern auf die des gtsamten Ortes Rücksicht nimmt. Unter diesem Gesichtspunkt kommt der Zusammensetzung und der Arbeitsfähigkeit der Kolonieräte eine besondere Bedeutung zu. Pflanzer und Arbeiter In den meisten ״alten Kolonien“ haben die Kreise der Pflanzer den überwiegenden Einfluß in der Entscheidung öffentlicher Angeieeenheiten gehabt. Obwohl sich überall die Zahl der Arbeiter und damit' auch die Zahl der Handwerker und freien Berufe gehoben hat, sind in den Kolonieräten die Pflanzer das ,r.iswiila!׳gebende Element geblieben. Das lag in erster Reihe dura״, daß das Wahlrecht an einen bestimmten S t e u e r / 1• 11 s u s gebunden war und damit die Zahl der Wahlberechti־׳t!m verringert wurde. Die Pflanzer haben über diese F.inrirlitmig eifrig gewacht, denn die Be- Ziehungen zwischen 111 neu und den Arbeitern waren im ganzen gesehen immer ei!1i:׳׳c!maßen gespannt. Das lag an einander zwischen Arbeitirelie: 11 und Arbeitnehmern: diese wurden noch besonders ver-i h irft durch den Kampf um die Durchsetzung der jüdischen Arbeit bei den Kolonisten, der seit Jahrzehnten geführt wird und hi-her niemals — sei es auf dem Wege des Kampfes oder de- Kompromisses ־ zu einem Austrag gebracht werden konnte. Periodisch treten immer wieder in der einen oder anderen Kolonie Konflikte zwischen Arbeitern und Pflanzern auf, die auch in den Kolonieräten ihren Widerhall finden. Im Laufe des letzten Jahres haben die Pflanzer, als die besitzenden und politisch ausschlaggebenden Elemente in den Kolonien, einen neuen administrativen Schritt getan, der zu einem guten Teil aus der Konfliktatmosphäre Orten gebildet * hat' Kn'■ ‘Jim! daran gegangen, neben den Koloniiräten noch ״landwirtschaftliche Räte“ 711 bilden und auch in Petach Tikwah, das bereits als Munizipalität, also als echte Stadt funktioniert, ist jetzt ein solcher landwirtschaftlicher Rat geschaffen worden. Das Schema sieht ungefähr folgendermaßen aus: Aus der weitgedehnten Siedlung mit ihren grollen Bodenflächcn wird ein zentraler Kern geschnitten, der die hauptsächlichen Wohnzentren enthält und zum Verwaltungsgebict des Kolonierates erklärt. Die gesamten Bodenfiächen, die mehr außerhalb liegen, also der eigentliche Plantagen- und Anbaubesitz der Kolonie, werden als zu einem landwirtschaftlichen Rat gehörig erklärt lind entsprechend verwaltet. Innerhalb der Kolonie und damit des Kolonierates wird nach einem bestimmten Stcuerzensus gewählt (in der Regel genügt ein halbes Pfund pro Jahr) und damit hat immerhin auch ein guter Teil der Arbeiter und der sonstigen nicht?!1 den Pflanzern gehörigen Ansässigen Wahlrecht. In dem landwirtschaftlichen Rat aber gilt als Wahlgrundläge nicht der Mensch, sondern der Dunam, also die Bodeneinheit; je zehn Dunam erhalten eine Stimme, so daß alle Arbeiter in diesem Rate in überwiegendem Maße ausgeschaltet werden. Wo sie in Gruppen angesiedelt sind und größere Flüchen bearbeiten, wird ihr Wahlrecht noch weiter eingeschränkt, da für kooperativen Bodenbesitz die Wahleinheit nicht zehn, sondern hundert Dunam ist. In Rechowoth haben die Dinge -- das sei hier nur als Beispiel vermerkt — noch ein besonders komisches Gesicht bekommen, da der Kolonierat seine Grenzen so gezogen hat, daß sowohl die Versuchsstation als auch das Sicff-Institut von Dr. Wcizmann und sein imtes Haus — drei der wichtigsten Anziehungspunktc von Reehowoth! — außerhalb der neuen Grenzen liegen. fein Fort der Pflanzer Die Pflanzer geben als Grund für diese neue Ordnung an, daß sie insbesondere die Interessen der Pflanzungen zu In einer Vorstadt Jerusalems wurde am letzten Sonntag ein jüdischer Hilfspolizist, Samuel Levi, getötet imd ein anderer Hilfspolizist verwundet. Vor einem jüdischen Arbeiterrestaurant in der Ben Jebuda-Straße wurde eine Bombe geworfen, die platzte, ohne Schaden anzurichten. Bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei, die von Truppen unterstützt wurde, und einer Araberbande in der Nähe von Hebron wurde ein Terrorist getötet und ein?weiter verwundet, während ein dritter mit einem Gewehr und Munition gefangen wurde. Der Rest der Bande entkam und wurde von den Truppen mit Hilfe von Flugzeugen verfolgt. Der Bezirkskommissar von Jerusalem, Keith R o a c h, ließ alle arabischen Mukhtars aus den in der Nähe der Jerusalem-Jaffa-Landstraße gelegenen Dörfern zu sich kommen und verlangte ihren Beistand bei der Bewachung der Landstraßen vor terroristischen Uebcrfällen. Es wurde beschlossen, daß jedes Dorf in diesen Bezirken eine bestimmte Anzahl Männer stellt, die die Landstraßen in der Zeit zwischen vier und acht Uhr abends, in der die meisten Zwischenfälle stattfinden, bewachen sollen. Nach lnspektion verschiedener gefährdeter Stellen auf gewissen Landstraßen ordnete Saunders, Chef-Inspektor der palästinensischen Polizei, die Aufstellung eines Polizeipostens an den Kastei - S t r a ß e n ku r v e n bei Jerusalem an, wo eine große Anzahl von Uebcrfällen stattgefunden hat. In dem arabischen Viertel von Safed wurden umfassende militärische Durchsuchungen vorgenommen. Die arabischen Ladenbesitzer traten hierauf in Proteststreik. Der über Safed verhängte Ausnahmezustand bleibt weiter in Kraft. ln einem Dorf in der Nähe von Nablus wurde das Haus eines arabischen Notabein von Terroristen umstellt und in Brand gesteckt. Gleichzeitig feuerten sie auf das Haus und verwundeten den Notabein. Generalmajor Wavell änderte das über einen transjordanischen Beduinen wegen Munitionsbesitzes verkündete Todesurteil auf zehn Jahre Gefängnis ab. Ein Araber aus dem Bezirk Ramleh wurde vom Militärgcricht in Jerusalem wegen unbefugten Besitzes von zwei Gewehren zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Jacob Segal, ein Wächter der Egged-Omnibtts-Gesellschaft in Haifa, wurde vom Bezirksgericht wegen unbefugten Besitzes eines Revolvers und Munition zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richter erklärte, er sei der Ueberzeugung, der Angeklagte habe die Waffe nur zur Selbstverteidigung getragen, jedoch sei es ihm unmöglich, von den gesetzlichen Vorschriften abzuweichen. Ein zweiter falscher Denunziant wurde vom Militärgericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte Waffen besessen, die er im Hause eines mit ihm verfeindeten Mannes niedergelegt hatte, worauf er denselben der Polizei denunzierte. Die Naschaschibi-Gruppe hat beschlossen, Maßnahmen gegen den Terror zu ergreifen und versammelt im geneimen arabische Führer und Mukhtars, wobei die schädlichen Auswirkungen der terroristischen Umtriebe dargelegt werden. verteidigen hätten, daß diese in den Kolonieräten, wo auch die ,,Nichtlandwirte“ mitbestimmen, worunter sie alle verstehen, die nicht Pflanzer sind, nicht genügend gewährleistet seien, daß sie sich deshalb diese besonderen landwirtschaftlichen Räte schaffen und die eigentlichen Plantagen, also die wichtigsten Besitzungen der Kolonien, unter ihre Jurisdiktion stellen müßten. Die Regierung hat sich auch von dieser Argumentation und noch etlichen anderen Gründen überzeugen lassen und es sind an einigen Orten derartige Räte entstanden, an anderen wird noch über ihre Bildung bzw. über die Grenzziehung innerhalb der Kolonien verhandelt und gekämpft. Wenn man den Dingen näher auf den Grund sieht, so erkennt man, daß die Losung ״Schutz der landwirtschaftliehen Interessen“ im Grunde nichts anderes bedeutet als Schutz der Pflanzer und ihrer ganz besonderen Besitztümer und Tendenzen, Die Pflanzer bauen sich in diesen besonderen Körperschaften Forts, in die sie sich zurückziehen können, sollte ihnen die Entwicklung innerhalb der Kolonierätc zu sehr gegen den Strich gehen. Sie schneiden sozusagen die Plantagen aus den eigentlichen Grenzen der Kolonie heraus und entziehen damit ihr Eigentum zu einem hohen Maße der Gesetzgebung der Kolonieräte, in dem auch andere Einflüsse wirken als ihre eigenen. Mehr Weitblick notwendig Die Bildung dieser besonderen landwirtschaftlichen Räte ist in Palästina nicht mit der entsprechenden Aufmerksamkeit verfolgt worden. Die Presse hat zwar über die Entwickhing der Dinge berichtet, der ״Dawar“, das Blatt der Arbeiter, auch vielfach gegen die Schaffung der neuen Landwirtschaftsräte protestiert, aber die großen politischen und wirtschaftlichen Sorgen haben alles andere überdeckt und diese auf den ersten Blick rein administrative Neuerung nur als ein Problem zweiten Ranges erscheinen lassen, Hier haben wir jedoch mit einer Entwicklungstendenz zu tun, die von großer Bedeutung ist, cs besteht die Gefahr, daß die Zusammenarbeit aller Schichten liintangchalten wird. Gerade die Kooperation, der Schutz der Schwachen gegen den Stärkeren, die Entscheidung nicht nach den Interessen der verschiedenen engen Schichten, sondern nach dem Gemeinwohl aber ist es, die allein eine gedeihliche Entwicklung in den Kolonien sichert._ Kurse palästinensischer Wertpapiere. Am 6. Januar 1937 hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tel Aviv folgende Kurse: Allgemeine Hvpothekennsnk 5° 0 ige Pfandbriefe 1938.55 98'/a, 6'״״ige Pfandbriefe 1934 54 1003׳,, 6 ״״ige kum. Vorzugsaktien 110, gewöhnliche Inhaberaktien 113> 5 P. L. D. C. gewöhnliche Inhaberaktien 87א,,׳י o/oige kum. Vorzugsaktien 000, Keren Kajemeth LejIsrael 2! ״ ״»ige Pfandbriete 60!,. Bizur Ltd. 6״» Pfandbriefe OS1/,. Nir Ltd. 4 "״ige Pfandbriefe 1037/51 73’j. (Mitgeteilt von der Ellern’s Bank Ltd., Tel Aviv.) Musiker-Erholungsheim ln Slchron Jaakow. Die Familie Fricd'ändcr hat zur Erinnerung an den unlängst verstorbenen jungen Pianisten Daniel Frieuländer den Musikern des Laudes in Sichron Jaakow ein Haus als Erholungsheim zur Verfügung gestellt. _ Zu der in Nr. 3 der ״J. R.“ veröffentlichten Nachricht wird uns mitgeteilt, daß der am 5. Januar bei der Arbeit im Steinbruch erschossene agudistische Poel Dav׳d Katz nicht aus Polen stammte, sondern aus der Gegend von Päjia in Ungarn. Auf dem Hofe des Hadassah-Krankenhauses in crusalcm kam es bei den Trauerreden (am 6. Januar) zu eftigen Kundgebungen gegen die Regierung. Als die Bahre hinausgetragen wurde, drängte die Polizei die erregte Menge zurück. Aus Damaskus wird gemeldet, daß die meisten Syrer, die an den terroristischen Umtrieben in Palästina teilnahmen, nach Syrien zurückgekehrt sind. Ferner wird berichtet, daß über dreißig syrische Terroristen bei Kämpfen in Palästina getötet und viele verwundet wurden. Die Anhänger des Mufti in Syrien versuchen, andere Syrer für die zurückgckelirten zu gewinnen. Die libanesische Gendarmerie entdeckte einen betrachtliehen Waffenschtnuggel von Trinoli nach Palästina. Die Gendarmen beschlagnahmten eine Anzahl von Waffen- und Munitionstransporten und verhafteten die Schmuggler. Die ägyptischen Zeitungen veröffentlichen eine Erklärung, angeblich von dem früheren Obersten Arabischen Komitee verfaßt, in dem die Gerüchte über arabisch-jüdische Verhandlungen dementiert werden. In der Kundgebung heißt es, die Araber seien bereit, Verhandlungen zu führen, jedoch nur mit der britischen Regierung. Oberkoinmissar Wauchope hat einen Abschiedsbesuch im Emek Jesreel gemacht, ln D e g a n i a h wurde ihm ein Empfang bereitet, bei dem er eine Rede hielt, in der er den Heroismus der Siedler pries und den Kwuzoth eine erfolgreiche Zukunft voraussagte. J. D. Shepherd wurde zum Landentwicklungsbeamten als Nachfolger des von Terroristen ermordeten Mr. L. Andrews ernannt. Mrs. Blanche Dugdale, die Nichte des verstorbenen Lord Balfour, traf in Palästina ein. Sie wurde von Ben Gurion und Schertok empfangen und begab sich dann nach Rechowoth, um Dr. Weizmann aufzusuchen. Mrs. Dugdale und Mr. Cazalct, ein konservatives Mitglied des englischen Unterhauses, besuchten den Hafen von Tel Aviv und andere jüdische Institutionen im Lande. Die Palästina-Regierung hat mit der Palesti.ie Engineering Corporation einen Vertrag für Wasser bohr ungen i in Negew abgeschlossen. Acht Bohrmaschinen sind bereits in Tätigkeit. Der Bar Überschuß der Palästina-Regierung belief sich bis zum 30. November 1937 auf C 4 700 000. Diese Summe bedeutet eine Verminderung des Barüberschusses seit April 1937 um £ 136 000. An der Hebräischen Universität fand eine Gedenkfeier für Prof. Otto War bürg im Botanischen Garten bei der Warburg-Zedcr statt, die im Jahre 1930 am 70. Geburtstag Warburgs gepflanzt wurde. Dr. Magncs fungierte als Hauptsprecher. ״Der Dybuk“ von Anski wurde in Polen in jiddischer Sprache verfilmt. Gleichzeitig wurde eine hebräische Syticnronisiertmg vorgenommen, für deren Text Josef Heftmann zeichnet. Die z. Zt. in Tel Aviv stattfindenden Aufführungen des Films begleitet zur Erleichterung für Olim aus Deutschland eine — auf Grund des Heftmannschen Manuskriptes hergestellte — deutsche Beschriftung von Manfred Geis. Die Pianistin Herta Torkanovsky spielte im Jeru* salemer Rundfunk mit großem Erfolge Stücke von Gluck, Brahms, Mendelssohn und die ״Waldstein“-Sonate von Beethoven. Ohel-Premlere: Alexander Ostrowski: ״Der Wald" Ostrowskis Dramen und Komödien gehörten zu den Standardwerken des russischen Vorkriegstheaters. Es scheint bezeichnend für eine generelle Wandlung des palästinensischen Bühnenstils, die sich stetig in den letzten firnt Jahren vollzogen hat, wenn der Regisseur dieser Aufführung, Mosche Halevi, sehr bewußt jeden Anklang an die Besonderheiten des russischen Nachkriegstheaters vermeidet. Frau Schlonsky, als Besitzerin des Waldes, dessen teilweiser Verkauf allerlei Verwicklungen der Handlung heraufbeschwört, erweist sich als disziplinierte Charakterdarstcllerin, die Heiterkeit verbreitet, weil sie Ernst zu bewahren versteht. Wie fast allen Schauspielern des Ensembles, haftet »hr das ״typisch Russische“ der Figur selbstverständlich an. Darüber hinaus gibt sie ihrer ״Witwe in mittleren Jahren“ das scheinbar Resolute, Männliche, um sich als hilflos-weiblich zu dekotivrieren, wenn sie beim Geschäft mit dem Gauner Btilanoff übervorteilt wird oder wenn sie die Eifersucht überkommt auf den schönen, nichtsnutzigen Alexis, den sie sich schließlich erheiratet. Das Paar der wandernden Schauspieler ist Chalfi und Czechoval anvertraut. Chalfi bewährt sich wieder als vorzüglicher Komiker der nicht nur sprachlieh zu imponieren versteht; den ״Schmieren-Komödianten“ Czechovals hingegen hätte man sich weniger übertrieben _ — und also echter — gewünscht, besonders dort, wo es gilt, eine ״Moral“ des Autors zu verkünden. Frau Barkait als Aksiuscha hätte mehr Gelegenheit, Charme zu beweisen und könnte etwas weniger rührselig sein. Arasi als Bulanoff hat gute Momente, aber der Brustton der ״ehrlichen“ Ueberzeugung fehlt ihm bei seiner Gaunerei. In kleineren Rollen: Einstein als Alexis, Gabbai, Knaani, Sch’chori und Frau Scheintal, die als Partnerin Chalfis oft sehr komische Wirkungen erzielt. J. Frenkel zeichnet für das ansprechende Bühnenbild: ein Wald mit echten Baumstämmen vermittelt die Atmosphäre, die sich der Autor als Hintergrund für sein Spiel gedacht haben mag, einige Interieurs sind farblich sehr gelungen, besonders im letzten Bild, das durch Halevis sorgfältige Ensemble-Regie einen wirksamen Abschluß bildet. Abraham Schlonsky besorgte die flüssige hebräische Uebertragung. Manfred Geis Anna Tichos Zeichnungen. Eine mit 12 Reproduktionen versehene Mappe, die durch den Verlag Gerlach & Wiediing in Wien herausgegeben wird und mit einem kurzen Vorwort des unlängst verstorbenen Max Eisler versehen ist, gibt, eine kleine Auswahl der Palästina-Blätter Anna Tichos. Etwas Altmeisterliches ist in diesen Arbeiten, die bei sorgsamster Beachtung aller Details doch niemals ins Kleinliche verfallen. Es sind keine Veduten, die nur von der Präzision leben und nichts anderes sagen wollen, als was sich dem Auge präsentiert. Es ist viel mehr: ein restloses Eindringen in Geheimnisse, ein von unendlicher Liebe und Sorgfalt etragenes Studium und ein Verstehen, das nur aus tiefem rieben möglich ist. Anna Ticho ist eine der besten Künderinnen dieser stummen Welt. Unter ihren emsigen Fingern gewinnt sie Leben, ,wird sie etwas Unmittelbares und Einmaliges. Man muß schon jahrzehntelang mit dieser Landschaft verwachsen sein, in ihrer Mitte leben, um sie so zu erfassen. Und es gehört ein großes, durch langes und intensives Studium er* worbcncs Können dazu, um diese letzten Feinheiten zuin Ausdruck bringen zu können. Es gibt wenige so eindringliehe Schilderungen eines Landes wie diese feinen Blättchen, die technisch wie inhaltlich ein Erlebnis für jeden Kunstfreund bedeuten. Dr. Karl Schwarz!Schluß des PaiästinateiF.»