Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1938)
- Date
- 1938-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄS TI NA- B LATT Nr. 5,18. JANUAR 193 8 Eröffnung des Rockefeiler-Museums f «:•I!l '111 .׳/! Die Eingangshalle des Museums ״ --- — ,- neuslsche Archäologische Museum eröffnet, das aus Mitteln John D. Rockefellers jun. erbaut worden ist. Ur• sprünglich sollte dieses Museur1 I in Aegypten er• baut werden, doch konnte die ägyp- I tische Regierung das Angebot nicht annehmen. Dank der Vermittlung des verstorbenen Professors James Bearsted und von Prof. Garstang bot dann Rockefeiler die 2 Millionen Dollars der Palästina - Regierung an. Das Museum steht in der Nodost-Ecke Jerusalems, man hat von dort oben einen wundervollen Blick aut den Oelberg, die Omar - Moschee und die transjordanischen Berge. Der Bau wurde an den Architekten Austen St. B. Harrison übertragen, der eine ausgezeichnete Lösung fand. Das Gebäude besteht aus palästinensischem Stein, der aus der Gegend von Jericho beschafft wurde, und enthält auch Platz für eine Bibliothek, die bereits 16000 Bände umfaßt und noch Raum für weitere 30 000 hat. Außerdem gibt es einen Hörsaal für Studenten. Da der Zweck der Stiftung das Studium der Vergangenheit des Menschen in Palästina ist, sind die Ausstellungsgegenstände chronologisch geordnet und׳ bieten somit einen anschaulichen Ueberblick über die palästinensische Geschichte. Um Ermüdungserscheinungen beim Besucher zu verhüten, ist der Fußboden mit elastischen Korkblöcken versehen. Auch der Museumskatalog in den drei Sprachen ist bereits fertiggestellt. Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Mitteilung der ״Times“, daß es bei den archäologischen Fachausdrücken oftmals schwierig war, die richtigen Wendüngen im Hebräischen und Arabischen zu finden. Für die öffentliche Besichtigung ist einstweilen erst eine der Hauptgalerien freigegeben. Sie enthält die wertvolle Keramiksammlung aus der Stein- und Bronzezeit bis zum Ende der kanaanitischen Periode. Ferner enthält sie eine Plastiksammlung aus der frühen arabischen Zeit, die hauptsächlich aus dem Palast eines Omajaden aus dem 8. Jahrhundert stammt. Eins der wichtigsten Ausstellungstücke ist das 1925 auf gefundene menschliche Skelett: der erste Neandertaler, der in Palästina entdeckt wurde. Auch den Elfenheinarbeiten, die bei Ausgrabungen in Samaria im Palast König Aha bs gefunden wurden, wird die Aufmerksamkeit sich zuwenden. Diese Stücke werfen Licht auf manche Bibelstelle (vgl. 1. Kön. 22,39). Das Nebeneinander von ägyptischem und assyrischem Stil in diesen Elfenbeinfunden bestätigt die Aussagen der Bibel über fremde Einflüsse in der Hauptstadt des damaligen Königreichs Israel. Die Schönheit der Ausführung ist ein Beweis für den Luxus und das künstlerische Empfinden der Bewohner von Tyrus, denn Königin Isehel war eine tyrisclie Prinzessin, und die Elfenbeinarbeiten stammen wahrscheinlich aus ihrer Vaterstadt. Die Eröffnung des Museums stand unter einem Unglückliehen Stern, weil der Archäologe J. L. Starkey auf der Fahrt zur Eröffnungsfeierlichkeit (wie bereits in der vorigen Nummer gemeldet) erschossen wurde; die Feier wurde deshalb abgesagt und die Eröffnung ohne Zeremonie vollzogen. Das Gebäude Ueber das Museum schreibt unser Jerusalemer Mitunvergleichlichen Rahmen nicht stört, sondern in ihm seinen Platz würdig ausfüllt. Das wird noch mehr der Fall sein, wenn der sehr helle Stein, aus dem es gebaut ist, mit der Zeit jene wundervolle Verwitterungspatina angenommen hat, die älteren Steinbauten hier ihre warme Tönung gibt. Das Gebäude, in unmittelbarer Nähe der Stadtmauer und der Bauten auf dem Tempelplatz, hat etwas Zyklopisches an sich und bietet sich dem europäischen Auge dar als eine Art Mittelding zwischen asiatischem Festungsbau und römischer Basilika. Er fastet schwer, gedrungen und doch weitläufig aut dem Urfelsen, der seinen Untergrund bildet. Breite Rampen führen zu dem hoch über Straßenniveau liegenden Hauptportal, durch das man den Blick hat in einen äußerst repräsentativen Hof, der, mit Wasserlauf und Palmen, in seiner gegenwärtigen Neuheit nicht ganz den Eindruck einer allerdings großartigen Bühnendekoration vermeidet. Aber sobald man das Gebäude betritt, ist man auf das Angenehmste berührt von der Harmonie zwischen der betonten Monumentalität des Ganzen und der ausgezeichneten Anpassung an den Zweck, dem es dient. Dieses archäologische Museum kann es in Anlage und Ausstattung mit jedem anderen (von einigen amerikanischen und englischen Spitzenleistungen abgesehen) aufnehmen. Ohne dem Urteil der wissenschaftlichen Fachleute vorgreifen zu wollen darf gesagt werden, daß es vom Stand- Kunkt des Laienpublikums betrachtet, geradezu rauster■ a f t eingerichtet ist. Die Sammlungen sind in zwei großen, sehr geräumigen und hohen Sälen untergebracht, die eine besonders Übersichtliehe Anordnung gestatten. Ein kleiner Raum enthält eine sogenannte ״Studiensammlung“, die Forschern und Studierenden Gelegenheit geben soll, in aller Ruhe an einem reichen Material arbeiten zu können. Ein großer Vortragssaal mit Apparatur für Lichtbilder und Filme, eine reiche Bibliothek und eine Anzahl mit den modernsten technischen Mitteln ausgestatteter Laboratorien und museumstechnischer Werkstatten machen das Museum zu einer hervorragenden Stätte wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Bildung. Daß man mit reichen Geldmitteln etwas technisch Vollendetes schaffen kann, versteht sich von selbst. Aber auch die reichste Stiftung vermag von sich aus nicht jene Liebe und Sorgfalt hervorzurufen, die hier bis in die kleinste Einzelheit gewaltet hat und von der Hingabe zeugt, die der Museumsstab fiir seine Aufgabe bewiesen hat. Sehr erfreulieh ist dabei, daß ein großer Teil der für die Museumseinrichtung notwendigen Materialien und Arbeiten aus Jerusaiein selbst stammen, und es versteht sich von selbst, daß jüdische handwerkliche und geschmackliche Leistung dabei bemerkenswerten Anteil haben. Im übrigen aber stellt dieses Museum eine jener so seltenen — und darum doppelt erfreulichcn — Inseln im Meer des politischen Gegensatzes in Palästina dar, auf der Engländer, Juden und Araber in gemeinsanier Arbeit etwas von dauerndem Wert geschalten Die Tagung des Kleinen A.-C. Ben Gurion findet Zustimmung Jerusalem, 12. Januar. (Palcor.) An der Debatte im Kleirien Aktions-Comite nahmen Ussischkin, Ben Zwi, Gruenbäum, Rabb. M. Berlin und andere teil. Als Abschluß der Debatte hielt Ben Gurion eine Ansprache, in der er über die Tätigkeit der Exekutive der Jewish Agency berichtete. Er sagte, daß das Palästina-Mandat noch immer bindende Kraft besitze und es die Pflicht sowohl der ״Neinsager“ wie der ,,Jasager'‘ sei, im Rahmen desselben zusammenzuarbeiten, bis die zionistische Bcwegunug ein anderes Regime akz«ptiert habe. Ben Gurion erklärte, das Arbeitsfeld der Exekutive liege erstens in der Bekämpfung der Saumseligkeit der Regierung und im Dringen auf Beschleunigung einer Ent- Scheidung bezüglich des geplanten Judenstaates, und zweitens in der Anstrengung aller Kräfte, um Verbesserungen in dem Entwurf des Judenstaates zu erlangen, damit der Entwurf möglichst bald dem nächsten Kongreß zur Entscheidung vorgelegt werden kann. Am Schluß seiner Ansprache fragte Ben Gtirion, ob irgendeines der anwesenden Mitglieder gegen diese Politik Einwendungen habe. Keiner der Anwesenden erhob Einwendungen. In einer Zeit, in der von jüdischer Seite an der Palästinaregierung so viel ausgesetzt werden muß, ist cs besonders angenehm von dem neuen Museum sagen zu können, daß es eine hervorragende bauliche Leistung darstellt. Diese Tatsache wird nicht abgeschwächt durch die Fest- Stellung, daß Geld in reichem Maße vorhanden war und man sich auch in reichem Maße Zeit genommen hat. Das Hauptbedenken, das man gegen den jüngsten Monumentalbau Jerusalems äußern möchte, ist seine Lage. Am Rande der Stadt — in der Nähe des Herolds-Tores — gelegen, ist es selbst in normalen Zeiten schwer zu erreichen. Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist sein Besuch für Juden mit Lebensgefahr verbunaen. Aber es muß zugegeben werden, daß seine Lage mit den beiden Hauptfronten zur Alten Stadt und zum Oelberg außerordentlich schön ist, und daß es selbst nicht nur diesen Zum Tode von J. L. Starkey J. L. Starkep }mit Stoch in der Mitte) mit einer Gruppe von Studenten der Hebräischen Universität, die die Ausgrabungen bei Lachisch besichtigten. Links neben Starkep Pro}, Sukenik. rot״. o״״kkei, Jon>»1« Der Mord an Starkey In einem in der Nähe von Hebron gelegenen Dorf wurden drei bewaffnete Araber unter dem Verdacht, an dem Mord an Starkev beteiligt gewesen zu sein, verhaftet. Anstoß zu den Verhaftungen gab eine Information, die der Polizei zuging, worauf diese ein Haus umstellte und die Bande aufforderte, sich zu ergeben. Die Terroristen weigerten sich jedoch, der polizeilichen Aufforderung nachzukommen und begannen zu schießen. Nach halbstündigem Schußwechsel soll die Polizei Tränengas verwendet haben. Ein vierter Araber entkam, cs wurden jedoch Polizeihunde auf seine Spur gesetzt. fm Zusammenhang mit dem Mord an J. L. Starkey spürten Polizeihunde eine zweite Fährte auf. Bei Haussuchungen entdeckte die Polizei zwei Revolver sowie Munition und verhaftete mehrere Araber. Bei der Suche nach den Mördern kam es zu einem Gefecht mit einer arabischen Bande. Ein britischer Polizist wurde verwundet. Ein arabischer Hausbesitzer wurde getötet, ein Araber gefangen genommen. Der Bezirkskommissar von Jerusalem, Keith Roach, besuchte Hebron und kündigte den Muktars des Bezirkes an, daß, falls die Mörder von Starkey nicht ausgeliefert würden, er dem ganzen Bezirk schwere Strafen auferlegen werde. Die Hebräische Universität hielt eine Gedachtnisversammlung für den ermordeten Starkey ab. Jerusalemer Wahlen verschoben Die auf den 11. Januar anberaumten Wahlen zum Waad Hakchillah in Jerusalem sind wieder auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Es waren 15 Kandidatenlisten eingereicht. Die Liste ״Chidusch pnej hakchillah“ (Erneuerung der Kehillah) enthält 31 Namen, an erster Stelle Henriette Szold, Kurt Blumenfeld, Jizchak Samunow, Rose Viteles, Sara Asehbel, Dr. Julius Rosenfeld, Alfred Berger, Dr. Heinz Hermann. Die Liste wird unterstützt durch die Hitachduth Olej Germania, die Wizo und den Progressiven Block. Der Innenhof des Museums haben — wobei die gegenseitige Wertschätzung sicher nicht ausgeblieben ist. Der hichtvvissenschaftliche Besucher des Museums wird angenehm überrascht sein von der Rücksichtnahme auf seine speziellen Bedürfnisse. So wird er die englischen, hebräische« und arabischen Kataloge begrüßen, die in hinreichender Zahl aufliegen und außerdem zu sehr billigem Preis gekauft werden können. Ein sehr hübscher Gedanke war es, eine beschränkte Anzahl besonders schöner, wertvoller oder charaktcristischer Objekte an ihrem Standplatz durch kleine rote ״Bädccker-Stcrne“ zu bezeichnen und für diese ein illustriertes Spezialverzeichnis herauszugeben. Dadurch ermög• licht man cs dem Besucher mit beschränkter Zeit — vor allem den Touristen — das besonders Sehenswerte schnell und mühelos zu finden. C. Z. Klötzel Wassergesellschaft ״Mekoroth“ Bei der Wassergesellschaft ״Mekoroth“, die durch die ״Nir“ und die nationalen Fonds zur Bewässerung des westliehen Emek Jesreel gegründet wurde, haben sich die Arbeiten so weit entwickelt, daß aller Voraussicht nach i m Juni die Wasserliefcrung an alle angcschlossenen Siedlungen aufgenommen werden kann. Schon jetzt erfolgt eine provisorische Wasserlieferung, die nicht nur den Eigenbedarf an den Baustellen des neuen Wasserwerks deckt, sondern darüber hinaus den Baubeginn der neuen Siedlung K i r j a 111 Amai an den Hängen von Scheikh Alirekh ermöglicht hat. Diese provisorische Wasstrlieferung erfolgt durch eine V e r s u c h s 1 e i 111 n g, die angelegt wurde, um die Druckfestigkeit der Röhren a!1 Ort und Stelle zu erproben. Endgültig wurden bisher 12 000 Meter Röhren mit Durchmessern von 14—22 Zoll geschweißt und verlegt. Das Gesamtprogramm sieht zunächst ein Röhrennetz von 16 000 bis 20 000 Meter vor. Die erste Zisterne mit einer Fassungskraft von dreitausend Kubikmetern wurde vollendet. Sie liegt in einer Höhe von HO Metern über dem Meeresspiegel, so daß von hier aus das Wasser durch sein eigenes tmiürliches Gefälle bis nach Ssarid geleitet werden kann. Fine zweite Zisterne steht vor der Vollendung. Die Gesellschaft ״Mckoroth“ hat sechzehn Brunnenbohrungen nicdergehraclit, davon acht an den Hängen von Scheikh Abrekli, fünf bei Usclia, und drei an den Hängen des Karmel. Die meisten Bohrungen haben gute Ergebnisse gebracht, die erforderliche Wassermenge ist also gesichert. Verträge über feste Wasserabnahme wurden bisher mit folgenden Siedlungen geschlossen: Fleth Schearim, Jagur, Schaar Haamakim, Kirjatli Amal, Alru’i, Aloiiim (Scheikh Abrekli), Kfar Joschua, Ajanoth, Kvu/ath Hascharon, Kwu/ath Gwath, Ssarid und Ginegar. Mit weiteren Siedlungen schweben Verhandlungen über den Anschluß an das Leitungsnetz. Dr. David Caspary I Aus der älteren zionistischen Generation, die noch bevvußt Herzl erlebte, und aus dem Jischuw der letzten Jahre ist eine der liebenswertesten Persönlichkeiten dahingegangen. In Haifa starb Sanitätsrat Dr. David Caspary im Alter von 78 Jahren. Er entstammte einem kleinen Städtchen der Mark und sollte eigentlich Kaufmann werden. Aus innerstem Antrieb und aus eigener Kraft bereitete er sich jedoch zum Studium der Medizin vor und wurde dann bald ein sehr geschätzter Arzt mit großer Klientel in B e r 1 i 11. Schon immer von guter jüdischer Tradition wandte er schon früh sein besonderes Interesse der Palästina-Kolonisation zu und gehörte zu den ersten Mitgliedern des ״Esra“. Bald nach dem ersten Kongreß bekannte er sich 711m Zionismus. 1911 machte er mit seinem Sohne eine längere Reise nach Palästina. In einem gewissenhaft geführten Tagebuch machte er genaue Aufzeichnungen von den großen Eindrücken, die er schon damals vom Lande hatte und die seine innere Ueberzeiigung von der Zukunft des Landes festigten. Er halle damals Gelegenheit, viele Persönlichkeiten des alten Jischuw kennenzulermm. Sein Tagebuch zu lesen, bereitet noch heute einen großen Genuß. Es war dann auch durchaus in seinem Sinne, daß seine Kinder 1924 nach Palästina gingen, um dort ihre Zukunft zu finden. 1933 gab Sanitätsrat Caspary, seine Praxis in Deutschland auf mul übcrsiedelte mit seiner Frau nach Haifa. Mit großer innerer Anteilnahme sah et hier das neue Leben in dem Lande, an das er immer geglaubt, und freute sieh mit der fröhlichen Schar seiner Enkelkinder. H. Sch. (Haifa).