Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1938)
- Date
- 1938-01-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 18.1. 1938 Welt gegenüber ihrem Schicksal nicht teilnahmslos bleibt. Auswanderung kann nur durch das Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren in größerem Maßstabe durchgeführt werden, und ohne eine verständnisvolle Haltung der nichtjüdisehen Welt sind die Juden beim besten Willen machtlos. Um die Auswanderung wirksam zu gestalten, ist auch notwendig, daß sie in geordneten B a 11 n e n verläuft und nicht Kennzeichen der Panik, eines Desperadotunis und Nihilismus trägt. Daher ist es überzeugend, wenn die Reichs- Vertretung darauf hinweist, daß die jüdische Gemeinschaft, die dieses prnzedenzlose Unternehmen einer Auswanderung so großen Stils in moderner Zeit dtirdmiführen hat, selbst eines geordneten lind materiell tragfähigen Lebens bedarf. Aber auch im günstigsten Falle werden nicht alle Jude״ auswandern können, da man nicht so optimistisch sein kann zu glauben, daß sie in anderen Ländern Aufnahme finden werden; dazu kommt noch die Zahl der aus physischen Gründen zur Auswanderung Ungeeigneten. Diese werden, wie die Reichs- Vertretung sagt, ,,ihr Leben in Deutschland beschließen“. Sollen sie nicht der öffentlichen Wohlfahrt anheimfallcn, so müssen ste irgendeine Möglichkeit behalten, in ehr-!!eher Weise einem Fr w e r b n a chzti ״ e h c n. Die Reichsvertretung appelliert an die zuständigen Instanzen in Deutschland, damit der Finsehrünkung der Erwerbsmöglichkeit für die Juden Einhalt getan wird. Die Juden sind aus dem gesamten staatlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben ausgeschaltet und auch aller führenden wirtschaftlichen Stellungen verlustig gegangen; die!!■׳wahrung der materiellen Mitte! zum Leben und eine angem. w:1e!irwubstätigkeit sind notwendig, um ein Chaos, eine t:1;1!erielle und seelische^ Zer- 1!rbrnis «■ 1 , 0 , \n d 1 vn ddie '0 h ne L e b e n s m u f 11 n d S c I 11 st a clitu!1 g sind 11 11'- Selb-111, '־t.in ׳' F ' * t ״ n ' ׳ h du w 1 kn ZU (1״cm neu! 11 Mi 1 V / tz ו h oft, treten und das unser Leben!k,—timiiit. .,N'ezach Jißrael 10 jischaker". Der Geist der sich immer . nsrumidcn lugend, die sich ihr Leben erkämpfen will, ist unser größtes Kapital, Die Juden in Deutschland haben in der Vergangenheit genug Selbstachtung und Lebensmut gezeigt. Fs ist für uns und unsere Kinder das höchste Gebot, inmitten einer Welt, in der die Geringschätzung des )!idicchen zu etwas Alltäglichem geworden ist, in der sogar eine gegenseitige Aussprache über das, was wir sind und wollen, unmöglich ist, unsere e i g e n e Wertskala nicht erschüttern zu lassen und nicht daran irre zu werden, was w i r als Würde und Wert des Judentums 3rischen. Lebensmut und Selbstachtung, diese beiden Grundpfeiler, tragen das Fundament, auf dem unsere jüdische Existenz beruht. Auch in diesen trüben Tagen müssen wir uns diese Kraft erhalten. Keine jüdischen Zahnärzte bei Ersatzkassen Der Aenderung des Aerztcvertragcs mit den Ersatzkassenverbänden entsprechend, hat der ReichszahnSrztcführer eine Anordnung erlassen, laut der die Tätigkeit von Im Sinne der Nürnberger Gesetzgebung jüdischen Zahnärzten für Mitglieder der Angestellten-Ersat/.kassen und der Arbeiter-Er- Satzkassen ab 20. Januar 1QG8 beendet ist. Die Zulassung von jüdischen Zahnärzten zu den Orts-, Land-, Betriebs- und Innungskrankenkassen ist durch gesetzliehe Bestimmungen geregelt und bleibt von dieser Anordnung unberührt. Aus Holland. Unser Haa::vr Berichterstatter schreibt uns: hatte, wurde jetzt auch in Gen Haag in dem im Südosten der Stadt gelegenen Be/uiJvnbouhecrtd'i״ der de Carpcntierstraat eine zweite Synagoge tV>e'e׳h eingeweiht. Die neue Svnagoge ist ein Werk der Architekten J. S. Haars und J. Hegt, die es verstanden haben, auf br-chr.inktem Raume ein schönes und zut kum j 1 mi 1 1 , י1\ .1 י Regis-wlii uTm ann' Verufen.'״l >as Gperet'ten-'l.nsemble .Fritz Hirsch führung des von ihr uraufgefuhrten Singspiels ״Ein Veilchen aut der Wiese stand“ viel 11 eifall finden. Der günstige Lindruck, den der Pianist Franz Osborn bei seinem ersten Auftreten in der vorigen Saison hier hinterlassen hatte, hat sich diesmal verstärkt. Sowohl sein Klavierabend im Haag als sein Spiel im Rahmen des Konzerts des Amsterdamer Concertgeboinv-Orkests wurden beifällig aufgenommen. Der Amsterdamsrhe Jüdische Chor (Leiter 'S. H. Engländer) gab im Kasino Den Helder ein Konzert liturgischer Gesänge, ostjüdCcher und palästinensischer Volkslieder. Der populäre Haager Dirigent Henri Zcldenrust feierte sein vierzigjähriges Künsticrjubiläinit. Otto Warburg. Der ״Jüdische C e n t r a 1 - V e r e i n“ Kat an die Zionistische Vereinigung für Deutschland folgendes Schreiben gerichtet: ״Der Tod von Otto Warburg, den die jüdische Oeffcntliehkeit aufs tiefste beklagt, hat in Ihre Reihen eine besonders empfindliche Lucke gerissen. Itn Namen des Jüdischen Central-Vcrcins gestatte ich mir, Ihnen zu diesem Verlust niein herzliches Beileid auszusprechen. Die Verehrung, die die vielseitige und vornehme Persönlichkeit des Verstorbenen auch im Kreise meiner Freunde genoß, wird über das Grab hinaus fortleben. ln vorzüglicher Hochachtung Dr. Herzfeld.“ Personalia aus Wien. Unser Wiener J. R.-Berichterstatter schreibt uns; In Wie״ starb im Alter von 70 Jahren Universitätsprofessor Dr. Alfred Fi sc hei, Vorstand des Embryologischen Institutes der Wiener Universität. Mit Professor Fischcl ist ein bedeutender Repräsentant der Wiener medizinisehen Schule dahingegangen. Professor Fischei war auch Jahre hindurch Dekan der medizinischen Fakultät der Wiener Universität. — Der Bimdespräsklent hat dem bekannten jüdisehen Kiaviervirtuosen Julius Wolfsohn den Titel eines Professors verliehen. Wolfsohn, ein bedeutender Chopin-Interpret, hat sich durch seine Paraphrasen jüdischer Volkslieder einen Namen gemacht. Rumänische Statistik Der Kernpunkt Von unserem BukaresterKorrespondenten Schon in vorangehenden Berichten war die Rede von den einander widersprechenden Angaben, die über die Zahl der Juden in Rumänien gemacht werden. Daß die Zahl der J u d c n in Rumänien in der antisemitischen Argltmentation eine Hauptrolle spielt — ebenso wie in Polen — ist evident. Es geht dies aus einem in der ״Porunca vremii“ (״Das Gebot der Zeit“) vom 7. Januar 1938 unter der Uebcrschrift ״Man soll eine neue Volks- Zahlung machen“ erschienenen Artikel hervor, der die wirkliehe Zahl der Juden in Rumänien zum Kernpunkt des antisemitischen Judenproblems macht. In dem Artikel wird behauptet, daß im Lande fast zwei Millionen Juden leben, wovon 800000 auf Schleichwegen die Staatsbürgerschaft erlangt hätten. Hingegen habe die ״verräterische“ Volkszählung des Herrn Sabin Mattuilä — er ist Direktor des staatlichen Zentralamtes für Statistik — die Gesamtzahl der Juden mit nicht mehr als 700000 festgestellt: ,,Die Unrichtigkeit dieser Ziffer — schreibt die״Porunca vremii״ — zieht viele Folgen nach sich, die schwer auf die Waage der Staatspolitik fallen. Diese Ziffer würde die antisemitische Spannung unserer Tage nicht rechtfertigen.“ Der Autor verlangt die Durchführung einer neuen Volkszählung und er schließt seinen Artikel mit den Worten: ״Es ist daher notwendig, bevor wir mitden antijüdischen Abrechnungen beginnen, eine andere Volkszählung zu machen, damit wir wissen, wie viel Bäuche überflüssig sind und wie viel Köpfe unter den Fäusten der nationalen •Wiedergutmachung zu fallen haben.“ Wie viele Juden gibt es also in Rumänien? Man sollte glauben, daß über diese Frage nach der Feststellung des staatlichen Zentralamtes für Statistik nicht weiter zu streiten wäre. Dr. Sabin M a n u i 1 ä, der Direktor dieses Amtes, hat diese Ziffer nach dem Stande der Volkszählung vom 29. Dezember 1930 genau mit 756 930 angegeben. Zur jüdischen Nationalität (ethnische Abstammung) haben sich nach seiner Angabe 728115 bekannt, aber maßgebend ist speziell für Juden die Zählung nach dem Bekenntnis zur mosaischen Re־ ligion, und die Zählung ergab die eben erwähnte größere Ziffer von 756930. Diese Ziffer erscheint der ״Porunca vremii“ viel zu gering und die offizielle staatliche Volks- Zahlung wird als verräterisch abgetan, obwohl Dr. Sabin Manuilä in seinem im ״Curentul“ vor einigen Monaten erschienenen Artikel mit überzeugenden Worten für die Ehre der 60000 fast durchweg rumänischen Intellektuellen ge* stritten hat, die mit der Durchführung der Volkszählung betraut waren. Dr. Sabin Manuilä hat sich auch darauf berufen, daß der ehemalige Innenminister — heute Ministerpräsident — Herr Octavian Goga — im Jahre 1927 eine Volkszählung durchgeführt und daß diese die Gesamtzahl der Juden in Rumänien mit 779 993 festgestellt hat. Zur weiteren Unter• Stützung dieser Feststellungen berief sich Dr. Sabin Manuilä auf die untrügliche Kontrolle der Ziffern über die Todesfälle. ״In Rumänien“, schrieb er, ״kann niemand beerdigt werden, wenn nicht die behördliche Erlaubnis vorliegt. Die Statistik der Todesfälle unter den Juden zeigt in den Jahren nach dem Kriege eine konstante Ziffer, die immer etwas unter oder knapp über 3% der Gesamtheit aller Todesfälle beträgt.“ Nach der Volkszählung vom 29. Dezember 1930 beträgt die Gesamtzahl der Bevölkerung Rumäniens 18 053 000, davon sind 4,2<0/י Juden. ״Die Differenz erklärt sich“• bemerkt Dr. Sabin Manuilä, ״durch die bei den Juden etwas geringere Sterblichkeit.“ Ich glaube, daß die Zahl der Todesfälle die Ergebnisse der Volkszählung am besten kontrolliert. Die Geburten können willkürlich reguliert werden, der Tod aber erfaßt alle Menschen. Die Feststellung des staatlichen Zentralamtes wird aber auch unterstützt von dem Ergebnis der Volkszählung, die 1919 in Rumänien durchgeführt wurde und die Zahl von 831314 Juden feststellte. Diese Volkszählung fand unmittelbar nach dem Kriege statt, und sie hat auch jene Juden mitgerechnet, die bald darauf teils nach Ungarn, teils nach Oesterreich (Wien) wegzogen. Aber immerhin bedeutet diese Zählung eine Unterstützung der staatlichen Feststellungen bei der Volkszählung von Ende 1930. Die seitherige Vermehrung der Juden durch Geburten kann nur eine sehr geringe gewesen sein. Manchmal überwiegt die Zahl der Todesfälle die der Geburten. Im Jahre 1935 wurden 10332 jüdische Kinder geboren und es starben in dem gleichen Jahre 10 382 Juden. Auch die jüdische Einwanderung kann seit der letzten Volkszählung nur eine sehr geringe gewesen sein. In den Jahren 1935, 1936 und 1937 sind nur 479 Juden eingewandert — die Mehrzahl unter ihnen waren zweifellos jüdische Rückwanderer aus Deutschland. Es darf auch nicht übersehen werden, daß die Zahl der jährlichen jüdischen Auswanderung (Palästina u. a.) berücksichtigt werden muß, sie beläuft sich auf durchschnittlich jährlich mindestens 1500. Alle diese Ziffern lassen sich itn Zentralamte für Statistik in Bukarest genau nachprüfen. Am Ende des Krieges betrug die Zahl der Juden im alten Königreich 243 000, in Bessarabien 255 000, in Siebenbürgen 170000, in der Bukowina 120 000. Diese beiläufigen Ziffern decken sich ungefähr mit dem oben erwähnten Ergebnis der Volkszählung von 834 344 im Jahre 1919. Von welcher Seite auch immer man also der Staatliehen offiziellen Ziffer des statistischen Zctitralamtes zu Leibe rückt, immer kommt man zu einem durchschnittliehen Resultat von etwa 800000 Juden ln Ruminien. Wir sind fest überzeugt, daß eine von der neuen Regierung mit absoluter Korrektheit durchzuführende Volks- Zahlung ein anderes Resultat als eben rund 800000 nicht ergeben wird, und wenn dann die ״Ponmca vremii“ ebenso offenherzig sein wird, als sie es in ihrem eingangs zitierten Artikel vom 7. Januar 1938 ist, dann wird sie angesichts dieser Ziffer und des Prozentsatzes erklären müssen, daß ״sie die antisemitische Spannung unserer Tage nicht rechtfertigen und daß es keine überflüssigen jüdischen Bäuche gibt, ebenso wie jüdische Köpfe unter den Fäusten der nationalen Wiedergutmachung nicht zu fallen brauchen“. Bei einer Judenzahl von 800000 würde sich auch die Behauptung von einer ״Ueberschwemmung“ durch Juden aus Rußland und Galizien in der Nachkriegszeit als übertrieben erweisen. Wohl hat 1920 die Regierung des Marschall Averescu Flüchtlingen aus der Ukraine, die von ungeheuren Pogromen heimgesucht wurde, gestattet, über den Djnester nach Rumänien zu flüchten, aber es hat damals eine ziemlich genaue Kontrolle stattgefunden. Aus der Ukraina geflohen sind fast durchgehends nur solche, die etwas von ihrem Vermögen haben retten können. Sie zogen weiter in die ihnen damals noch offenen Länder wie Amerika, und die im Lande Gebliebenen überschreiten nicht die schätzungsweise Zahl von einigen Tausend. Ebenso übertrieben ist auch die Zahl der galizischen Juden, die in der Nachkriegszeit nach Rumänien eingewandert sind und sich die Staatsbürgerschaft erschlichen haben sollen. Wenn wir hochgreifen, kann es sich insgesamt um höchstens 20 000 Juden handeln, die im Widersnruch zu den Friedensverträgen und auch zum geltenden Staatsbürgergesetz vom 23. Februar 1924 die rumänische Staatsbürgerschaft angestrebt und erlangt haben mochten. Die wiederholt erhärtete Ziffer von 800 000 läßt einen Spielraum für eine Judenüberschwemmung in der Nachkriegszeit nicht zu. Man mag diese Hunderttausende suchen, man wird sie nicht finden — weil sie nicht da sind. Codreanu wartet ab Ueber die Haltung der ״Eisernen Garde“ Codreanus, die bis vor kurzem — trotz der Aehnlichkeit einiger Programmpunkte, darunter des Antisemitismus — in scharfem Gegensatz zur christlich-nationalen Partei Goga-Cuza stand, wurden seit der Machtübernahme durch uoga verschiedene Spekulationen angestellt, insbesondere mit Rücksicht auf die für März angekündigten Neuwahlen. Jetzt hat Codreanu ausländischen Pressevertretern erklärt, er werde der Regierung Goga gegenüber eine wohlwollende und ab wartende Haltung einnehmen. Die Eiserne Garde scheint also nicht die Absicht zu haben, im Falle von Wahlen die Regierung scharf zu bekämpfen. Auch Goga selbst hat in den letzten zwei Wochen sehr viele Interviews an Vertreter ausländischer Zeitungen gegeben, in denen er Erklärungen über seine antijüdisenen Maßnahmen abgab. Während Goga häufig einen Unterschied zwischen einheimischen und ״zugewanderten“ Juden macht, sagte Minister Professor Cuza zu Vertretern italienischer Blätter, eine Unterscheidung zwischen alteingesessenen und eingewanderten Juden sei unmöglich, sondern die Lösung müsse in der völligen Eliminierung der Juden bestehen. Eine Verordnung des rumänischen Arbeitsmlnistcriums ordnete die Entfernung aller jüdischen Aerzte aus den sozialen Institutionen und ihre Ersetzung durch rumänische Aerzte an. Das rumänische Kabinett beschloß die Auflösung der Distom Company, eines privaten Unternehmens, das die Produkte der Regierungsmonopole verteilt. Die Company wird durch eine Regierungsinstitution ersetzt werden, deren Personal nur aus Blutsrumänen bestehen wird. Ein erheblicher Teil der Angestellten der Distom Company waren Juden. Alle jüdischen Buchhandlungen in Bessarabien wurden geschlossen. Der jiddischen Theatergruppe von Sidy-Thal und Adolph Pfeffner wurde das Auftreten in Rumänien verboten. Der rumänische Justizminister empfing eine Delegation jüdischer Anwälte, die ihm ein Memorandum überreichte. Maßnahmen in Ungarn Der ungarische Ministerrat beschloß auf Antrag des Innenministers Szell Maßnahmen gegen die Einwan derung rumänischer Juden auf ungarisches Territorium. Der Minister erklärte Pressevertretern, die ungarische Regierung habe die ungarischen Grenzbehörden zur strengen Ueberwaclumg der Grenzen angewiesen. Personen, die ohne die notwendigen Papiere von den ungarischen Grenzbehörden die Einreise nach Ungarn verlangten, dürfte die Einreise auf keinen Fall bewilligt werden. Das gelte im besonderen für Personen rumänischer Staatsbürgerschaft, die infolge der politischen Aenderungen Rumänien verlassen. Diesen Personen sei die Durchreise durch Ungarn nur dann zu gestatten, wenn die Reisenden über das Einreisevisum naclt einem dritten Staate verfügten. IN ALLER KURZE Der jüdischnationale Abgeordnete Dr. Angela Goldstein wurde vom tschechoslowakischen Außenminister Dr. Krofka in cinstündiger Audienz empfangen und besprach mit ihm aktuelle jüdische Angelegenheiten. Nach einer Meldung aus New York ist das Mitglied des Obersten Bundesgerichts, Benjamin Cardozo, ernstlich e rkrankt. Cardozo, als bedeutender Jurist anerkannt, ist einer der zwei jüdischen Oberriehter (der andere ist der 82jährige Brandeis). Die türkische Nationalversammlung lehnte einen weiteren Antrag des früheren Ackerbauministers, durch den es türkischen Personen verboten sein sollte, außerhalb ihrer Wohnung eine andere Sprache als Türkisch zu gebrauchen, ab. Das Gesetz sollte sich gegen den Gebrauch des Spaniolischen durch die türkischen Juden richten. Nach Meldungen der polnischen Presse wird in Gdingener Schiffahrtskreisen der Plan der Gründung einer Schiffahrtslinie für den Passagier- und Frachtverkehr zwischen Odingen und Madagaskar erwogen. Gleichzeitig erwäge man die Verlängerung der Gdingen—Palästina-Linie über Jaffa und Haifa zu den Häfen von Madagaskar. Bei den antijüdischen Ausschreitungen in Rawa-Mazowiecka wurden 12 Juden überfallen. Eine Delegation der Jüdischen Gemeinde von Rawa-Mazowiecka traf in Warschau ein. Nachdem Polizei in der Stadt eingetroffen war, wurde die Ordnung wiederhergestellt. Der frühere Kaiser von Abessinien Hailc Selassie wird England für einige Monate verlassen, um sich mit seiner Familie auf eine Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten in Palästina zu begeben. Musik jüdischer Komponisten und von Juden aufgeführte Musik darf laut einer neuen Verordnung künftig in Deutschland nicht mehr auf Schallplatten aufgenommen, eingeführte Schallplatten-Musik muß zur Prüfung vorgelegt werden. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin-Charl. 0 (auch verantwortlich Kr die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstcin, Berlin W 15. Anzeigenleiterund verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich Licpmann, Berlin W15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 18, Meinekestr. 10. D.A.IV/1937 26800. — Druck: Siegfried Scholcrn, Berlin-Schöneberg.