Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 J0DISCHE RUNDSCHAU Nr. 4, 14. L 1938 Der Siedler aus Deutschland Nuri Pascha fährt nach London Ein neuer groBaraliisctiar Planf Der ehemalige irakische Außenminister Nuri, der (wie '״ der vorigen Nummer gemeldet) in Kairo mit den ernigrierten palästinensischen Araberfüllrern und auch mit dem syrischen Nationalisten Dr. Schabander Konferenzen abhielt, hat sich nach London begehen, um mit der englischen Regierung die [,aliistinafrage zu erörtern. An die Reise Nuri Paschas, der dem alten Kreis der großarabischen Nationalisten um den Obersten Lawrence angehört und dem verstorbenen König Feisal von Irak naliestand, werden verschiedene Kombinationen geknüpft. So heißt es iii Pressemeldungen, Nuri wolle den Zusammenschluß von Irak, Palästina und Trausjordanicn unter dem jungen König O h a z i, dem Sohn Feisals, Vorschlägen. Dabei solle auch eine weitere Einwanderung von Juden sichergestellt werden, und zwar bis zu zwei Millionen. Diese Ziffer bezieht sich offenbar auf Einwanderung in das ganze Gebiet, als Kompensation für den Einschluß Palästinas in das neue Reich. Die Nachricht ist mit großer Vorsicht aufzunchmen. Zwar ist es möglich, daß hei Nuri und anderen Araberführern ein Wunsch nach einer solchen Lösung und auch die Bereitschaft zu einem gewissen Entgegenkommen an die Juden besteht, aber zweifellos werden auch im arabischen Lager selbst starke Widerstande ״egen solche Pläne vorbanden sein. Man denke nur an den Emir Abdullah, der auf diese «'eise um sein versprochenes Königreich käme, aber auch I b n Saud wird die Bildung eines so starken Reiches an seiner Nord״reitze nicht mit Sympathie aiiselicti. und ebenso dürfte die Türkei damit nichtOhne weiteres einverstanden sein. Eine Beurteilung vom j u d i s c 11 e 11 Standpunkt ist nicht besondere die S o n d erste l'l 11 n״ des J ü d i s c h cn Nagesichert werden. _____ ,,Wie alle Völker?“ Der Artikel von Hugo Bergmann über Agnons Buch ^Die Tage der (lottesiiircht“ in NT. 02 (1*137) der ״Jüdischen nensisclien Presse zur!־Tilge. Michael Assaf trat dem Gedanken der Auserwähltlieit Israels entgegen, dessen Folge der Chauvinismus sei. Er wandte sich' gegen den vor! Bergmann zitierten Ausspruch Hermann Cohens ״Die Kerle wollen glücklich sein". Diese Polemik Cohens gegen den Zionismus sei nur aus der Lage der Juden in Deutschland in früheren Jahren zu verstehen. Es sei anachronistisch, diesen Ausspruch 1937 zu zitieren und damit das Streben der Juden, in Palästina ein normales Volk zu werden, diskreditieren 7.11 wollen, Bergmann begehe ein Unrecht gegenüber der Jugend und dem jischuw. wenn er die entscheidende Frage iri betreff der geistigen Zukunft des jüdischen Palästina darin sähe, ob eine künftige Generation ein Buch wie das Agnons werde lesen können. Er sähe nicht das lebendige, aktive Ringen der jungen Generation in Palästina, desgleichen es in der Geschichte der Gallith nicht gegeben habe. Was bcdeuten die uns!unterlassenen Worte früherer Generationen? Wo sind die Taten, die sie getan haben? Wo hat je eine Generation der Galuth so sehr darum gekämpft, ihre Be- Strebungen nach Heiligkeit und Reinheit so in die Tat 11mzusetzcii wie die unsere? Die Normalisierung sei nichts anderes als das Streben nach menschenwürdiger Existenz. Wo sei es je erhört worden, daß ein ganzes Volk mehr für sich erstrebe als ein normales, glückliches Lehen? Bergmanu antwortet: Es sei unberechtigt, die erste Generation in Palästina durch einen scharfen Schnitt von vergangenen Geschlechtern zu trennen, wie es Sdiimonowitz in seinem Poem und Assaf jetzt getan habe. Dazu fehle uns die historische Perspektive. Er sähe mit Besorgnis, daß ein Geschlecht heramviiehst, d:w wohl hehtäisch spucht und dem Boden innig verbunden iw. aber den Gesctrinck der ״Tage der Gottesfurcht“ nicht kennt. Ein Volk, das kein Gestern hat, gefährdet auch sem Morgen. Auf die Frage, was die Taten früherer Oesvhlio hier seien, ist 711 antworten, daß und gttMigt 1 •>, t< 1׳ d - ' '1, mhi'u ״11 וd das unter i׳ ’ 11 1 ׳ ׳ 11' ׳!!״k 1 tut de-, \ - gegenüber, aber wir haben unser' Lehen durch' ihcse'Vergä- Cohen den Wog zum Judentum;׳,׳ftinden' haben oder finden werden. Das Wort ״Normali-it ruiur“ habe zwei ganz verschiedene Bedeutungen, die vorm ׳,net werden. Wenn normal ein Volk heißt, das in gesunder B, ruDwhiohtmig auf seinem Boden lebt, so sind wir alle für Normalisierung. Aber dieses Wort hat noch einen ganz anderen Sinn: Unser Volk hat in seinem Religion sein Schicksal mit dem der ganzen Menschheit verbunden, hat seine Geschichte unter dem Oesichtspunkte der M e!1 s c h heit gesehen. Daher kann unsere Historie nicht der der andern Völker gleichen. Es wäre die furchtbarste Assimilation, die uns die Ironie unserer Geschichte bereiten könnte, wenn wir uns in Palästina dem Imperativ unserer Geschichte entziehen würden. Sicherlich hat die Auserwähltmgslehre ihre gefährlichen Momente. Diese gilt es zu bekämpfen — Chauvinismus und nationale Ab- Schließung —, nicht aber dürfen wir bei der Rückkehr in unser Land das Joch unserer Geschichte und nationalen ,Wesenheit von uns abschütteln wollen. Ueberlandverkehr in Kleinautos. Zu dem in Nr. 102 er- Bchiencnen Bericht über den ״Ueberlandverkehr in Kleinautos“ teilt uns die Gesellschaft ״Aviv“ mit, daß die Aviv- Korporative lediglich in eine andere Gesellschaftsform, nämlieh eine Limited, umgewandelt wurde; weder an der Leitung noch an den Einrichtungen der Gesellschaft hat sich etwas geändert. Die Gesellschaft beschäftigt 120 Menschen, wovon §2 Einwanderer aus Deutschland sind. Die Zwischenbilanz per 30. November 1937 schließt mit einem Endgewinn von £P 1 090 ah. Es trifft nicht zu, daß die Ausschreibungen mit 15*D eingesetzt sind. Die Wagen werden nach 2>.2׳ Jahren bei der entsprechenden Kilometerzalil abgesehricbcn. Die Chawerim des Unternehmens beziehen ein Monatsgehalt von £P 14 und erhalten außerdem eine Lebensversicherung über £P 300. Ein Manifest wurde veröffentlicht, das dringend zu Maßnahmen zur Unterstützung des Mittelstandes in _Palastina aufruft. Das Manifest ruft, in Ähnlicher Weise wie die Kampagne der Histadruth für den Arbeitslosenfonds, dazu auf, nicht die Nationalen Fonds zu vernachlässigen, deren Bedeutung gegenwärtig besonders groß sei. Der Aufruf ist von Oberrabbiner Dr. H ertzog, Ussischkin, G r u e ת - bäum, Dr. Rottenstreich, Rokach, Auster und Rabb. Meir Berlin unterzeichnet. Psychologisches zu diesem Thema Von unserem palästinensischen Korrespondenten g. I. Tel Aviv, im Januar Es ist heute nirgends in Palästina leicht. Und man findet in der Kolonisation, ganz gleich, wo sie gelegen ist, ein vollgerüttelt Maß von Schwierigkeiten und Klagen. Schlechte Preise, ungenügender Absatz, Konkurrenz von Auslandswaren, teurer Kredit, — ob Süden oder Norden, ob Kibbuz oder Mosel!aw, ob Mittelstand odc'r Arbeiter, es ist überall das gleiche Lied, man braucht kaum mehr zu fragen. Aber zwei Dinge sind auffällig: Fragt man unter den Immigranten aus Deutschland herum, in Stadt und Land, so wird man trotz aller Schwierigkeiten - und trotz der Richtigkeit des Satzes, daß alle Pairsehalurteile falsch sind! — draußen eine bessere Stimmung finden als in der Stadt. Und als zweites: wo sich in einer Siedlung homogene Eiemente, in der Mehrzahl mit zionistischer Erkenntnis und Erziehung zusanimengefundcn haben, geht es besser als an anderen Stellen. Man erkennt es heute, wo verständlicherweisc bittere Kritik überall an der Tagesordnung ist, nur selten an: die Propaganda, die Ansiedlung verlangte, aber Ansied- 1 u n g nach voller Kenntnis der Sachlage und der zionistischen Notwendigkeiten, hat recht behalten. Belehrend ist in diesem Zusammenhang ein von Unterhaltungen mit den Siedlern gewürzter Spaziergang in R a in o t h H a s c 11 a w i 111, wo trotz der auch dort nicht gering gesäten Schwierigkeiten ein ruhiger und hoffnungsvoller Geist herrscht. Man kann in diesem schön gelegenen Flecken im Scharon verschiedenes über die Psychologie unserer M i 11 e I s t ä n d I e r aus Deutschland lernen. Hier machten sie sich nämlich als Landwirte und als Gruppe selbständig, was sonst im Lande nur selten vorgckommeii ist. Sie lernten tun und lernten von den Alten im Lande, aber sie nahmen ihre Organisation selbst in die Hand und — sie hatten Erfolg. Sie schöpften aus dem Fonds von Erfahrungen, dte diese Gruppe von Akademikern und Kaufleuten aus einem entwickelten Wirtschaftsleben mitgebracht hatte, und sie fuhren erstaunlich gut damit. Ihre Kooperative funktioniert ausgezeichnet. Ls sieht in den Gärten und in den Ställen ungewöhnlich gepflegt und satther aus, von den komfortablen Häusern gar nicht zu sprechen. Es ist da eine recht angenehme und innerlich nicht unsichere Insel erstanden, in der proletarisch und palästinensisch gearbeitet, bürgerlich und europäisch gelebt wird. Auch europäisch genossen. Blumenfeld hat einmal das Wort vom post-assimilatorischen Zionismus geprägt, womit er sagen wollte, man müßte durch die Erfalmmgen der Assimilation hindurchgegangen sein, um den Zionismu« bis auf den Grund ausseliöpfen zu können. Jetzt scheint es so etwas wie einen ״postgroßstädtischen“ Siedler zu geben. Diese Leute im Arbeitsanzug, die aus den Städten kommen und schwer umlernen und arbeiten, ziehen aus dieser Lebensweise Genüsse, die nur ein Großstädter, und zwar ein mitteleuropäischer Großstädter, kennt. Die Morgen- und Ahcndbelenchtung über ihren Tälern lind Bergen, die dauernde Berührung mit der Natur und ihrem Wachstum, das Sich-Einlehcn in eine andere 1.ebensform, gibt neue und große Sensationen, eine früher unbekannte Befriedigung. Daß die schön eingerichteten Häuser, die vermutlich in der Rentabilitätsrechnuug nicht zu rechtfertigen sind, diese Genußfähigkeit erst erhalten und ermöglichen, weil man mittags und abends in eine von früher gewohnte und gepflegte Umgebung zurückkehrt, seinen Büchern, seiner Musil:, seinen Liebhabereien leben kann, gibt dieser Erscheinung ihre besondere Note. Sie hängt zusammen mit dem großen Bi!du 11 gsf o n d s, aus dem ein großer Teil dieser Siedler schöpfen kann, der es ihm erleichtert, außerhalb der Stadt zu leben. Sinei nicht Radio, Geige und Bibliothek die besten Teile der Stadt? Der Standard Die trotz der schweren und ungewohnten Arbeit relativ gute Lebensweise der mittelständischen Siedler in den Anf a!1 g s j a h r c 11 beruhte zum Teil auf den günstigen Bedingungen der Prosperity und zum Teil auf Kapitalreserven, die es den Siedlern ermöglichten, sich solche Wohnbedingungen und zu Beginn auch solche Lebensbedingungen z.u gestalten, wie sie einigermaßen ihren Gewohnheiten entsprachen. Ohne Zweifel haben diese Umstände viel dazu beigetragen, daß die Siedler sic 11 einlebten; der Sturz von einem immerhiu doch verwöhnten Leben in der Stadt in die Rauheit der Land- Wirtschaft wurde stark gemildert. Jetzt stehen immer mehr Siedler vor der Notwendigkeit, nicht nur proletarisch zu arbeiten, sondern sich auch dem proletarischen Stau- (I a rd a n z 11 n ä h e r n. Ohne Zweifel werden wieder bessere Zeiten kommen als heute, aber ob sich im längeren Durchschnitt in diesen kleinen Wirtschaften ein gehobener Standard wird halten lassen, ist fraglich. Die Siedler könnten sich verniutlich weit besser rühren, wenn ihre allgemeinen Ausgaben für Instruktion, für Erziehung der Kinder usw. nicht so hoch wären. Hätten wir einen Staat und vor allem einen wirklich prosperierenden Staat, so müßte er die Schulen umsonst geben und verschiedenes andere auch, was heute der einzelne Sied* ler aus seinem mageren, schwer erkämpften Einkommen hezahlen muß. Es ist fraglich, oh diese Möglichkeiten in abschbarer Zeit bestehen, und gerade diese ״Nebenausgaben“ werden vermutlich auf das Budget jedes einzelnen Landwirtes schwer drucken. Es ist von größter Wichtigkeit, daß in der schweren Anpassung an die Landesbedingungen, die sich fortsetzen muß, die Siedler aus Deutschland netzen der Wirt- Von der Woche In Jerusalem wurde am 11. 1. eine Sitzung des Kleinen Zionistischen Aktions-Comites unter Leitung von Ussischkin eröffnet. Hierauf sprachen Ben Gun 011 und Schertok, woran sich eine Debatte anschloß. Eine bewaffnete arabische Bande von fünf Mann griff drei Araber in der Nähe des Dorfes Illar an und tötete zwei von ihnen; der dritte wurde verwundet. Ein arabischer Polizist und ein Jude wurden in der Jerusalemer Altstadt erheblich verletzt. Eine Bombe wurde auf einen jüdischen Autobus auf der Fahrt von Haifa nach Hadar Häcarmcl geworfen, ein Passagier wurde leicht verletzt. Das Militärgericht verurteilte einen Angeklagten zu zehn Jahren Gefängnis, der selbst zwei Bomben in dis Haus eines Mannes gelegt und ihn dann bei der Polizei angezeigt hatte. Das Haifaer Militärgericht verurteilte einen Araber zu 10 Jahren Gefängnis wegen Besitzes von Bomben. 22 arabische Aufrührer aus den Distrikten von Jerusalem und Hebron sind nach A k k o geschafft worden. Meldungen in der arabischen Presse zufolge hat der britische Konsul in Damaskus die syrische Regierung ersucht, ihre Grenzwachen zu verstärken, um eine Ausbreitung des Terrors zu verhindern. scliaftshilfe eine Stütze bekommen, und zwar eine psy chologische Stütze, die nur im Zusammenhang mit der gesamten Siedlerschaft des Landes liegen kann. Es geht weiter - trotz alledem Wo sind die guten Zeiten hin, als der Palästinakenner jeden einzelnen Ort iin Lande kannte und, wenn er sehr fleißig war, nicht nur jeden einzelnen Ort, sondern auch jede Kuh im Stall? Wir sind groß geworden, wir sind sehr schnell groß geworden, wir haben Erfahrungen bekommen und Ambitionen und — fast im gleichen Verhältnis zu den Ambitioneu — auch größere Sorgen. Beim Zeittingslesen muß man sich gelegentlich eingestehen, daß man überhaupt nicht weiß, wo der und der Ort liegt. Und nur ein geringer Trost ist es, in dieser Unkenntnis, daß alle zwanzig Familien, die sich irgendwo ansetzen, sich auch einen Namen finden, so daß man immer etwas Neues zuzulernen hat. So runzelt man zuerst nachdenklich die Stirn, wenn jemand uns von ״Ramat Hadar“ spricht, der Name weckt zuerst keine Assoziation. Biegt man von der Chaussee zwischen Petach Tikwah und Herzliah nach links ab und fährt ein Stück in die Orangenplantagen hinein, die diese Gegend des Scharon in einen grünen, von dem Blau der judiiischeii Berge abgeschlossenen Teppich verwandelt haben, so kommt inan auf eine Höbe, auf der vier oder fünf Häuser, daneben Ställe im Bau sind. Die Anlage sieht eigentlicli nicht aus wie der Beginn einer neuen Siedlung — und das ist Ramat Hadar; neue Siedlung hieß in Palästina früher unbearbeiteter oder primitiv bearbeiteter Boden, Zelte, keine Wege, allerhöchste Primitivität. Und auch heute gibt es genug Stellen im Lande, wo man massenhaft Beispiele für diese Art der Neusiedlung finden kann. Hier in Ramat Hadar macht man aber eine andere Art der Siedlung. Man macht Wirtschaften fertig, wie eine Art Fabrik. Erich Moses aus Ramatajim, der stark an dem Aufbau von Ramat Haschawim beteiligt war, ist an den Aufbau eines neuen Siedlungspunktes gegangen. Er hat von großen Pflanzungsbcsilzern nahe bei Ramatajim gegen 200 Dunam Boden gclm״' teils frei, teils junge Pflanzungen tragend, und er will hier 35 Siedler ansetzen, die vermutlieh zum größten Tei. aus Deutschland kommen werden, da Trancfermöglichkeitcn bestehen. Der erste Eindruck, den der Besucher in Ramat Hadar empfängt, wo an der Anlage der Beregner, der Ställe, der Beendigung der Hauser gearbeitet wird, ist: also es geht doch weiter, trotz alledem, trotz den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, trotz Sorgen, trotz der von Klagen geschwängerten Luft, in der wir alle leben. Und die Fragen, die dem Besucher gestellt werden, verstarken noch diesen beruhigenden und erfrischenden Eindruck. Man fragt: ״Warum gibt es nicht viel mehr solcher oder ähnlicher Unterhehimmgcn, wie wir sie hier versuchen? Schließlich arbeiten wir ja nicht für heute und morgen. Wird denn nicht, wie auch immer die politische Entwicklung sein möge, die Einwanderung wieder stärker werden und .Inhalten? Und müssen wir nicht auf diese Zeit Die landwirtschaftliche ״Fabrik", in die der neue Siedler in Ramat Hadar gesetzt werden soll, enthält 4—6 Dunam Boden, ein Haus, einen Stall, eine umfassende Eufivässcrungs- und Beregnungsanlage. Hier soll er dann unter zentraler Instruktion und bei Bildung einer Einkaufs- und Verkaufskooperative Hühner, Gemüse, Trauben, eventuell auch Milchwirtschaft haben. Mail hat sicii um Außenarbeit bemüht, um das Einkommen der Wirtschaft zu vergrößern und eine weitere Stütze zu haben. Wenn man nach der eventuellen Ent- Wicklung der Wirtschaften fragt, so wird man aut Ramat Haschawim hingewiesen, das ähnlich aufgebaut ist. Wundert man sich über die sehr kleinen Flächen, so deutet man auf naheliegende Böden, die für den Anbau von Grünfutter dazugepachtet werden können. In Ramat Haschawim wird vielfach schon zugegeben, daß man Reserven haben müßte, um das Land nicht konstant unter Bearbeitung zu haben und gegen Bodenkrankheiten besser gewappnet zu sein. Erich Moses selbst, ein enragierter Verfechter der intensiveu Wirtschaft auf kleinstem Raume, ist mit vier Dunam völlig zufrieden. Im allgemeinen gesehen, andern sieh die Ansichten über das notwendige Bodenmaß für den Klein- Siedler noch dauernd. In der Versuchsstation in Rcchowoth spricht man von zwölf Dunam, andere sind für fünfzehn, für zwanzig. Es scheint, daß sich vieles hier noch im Expcriinentalstadium befindet. Man lernt aus Fehlern Ein Besuch in Ramat Hadar zeigt, daß gemachte Fehler nicht übersehen werden. Die Anlage ist noch genauer durchgedacht als in den früheren Punkten, alle möglichen technisclien Einzelheiten sind genauer beachtet. Vor allem geht man ohne Rücksicht auf die mannigfachen und vom Standpunkt des Gesamtbudgets gefährlichen Wünsche der Siedler an die Herstellung von zweizimmerigeu Typenhäusern, die billig hergestellt werden. Die großen, sehr komfortablen Bauten, durch die die Siedlungen der Juden aus Deutschland auffielen, werden ausgeschaltct, ihre Kosten auf eine erträgliche Proportion im Gesamtbudget zuri'ickgedrikkt. Da stehen die einfachen Blocks mit ihren freundlichen roten Ziegeldächern mitten in den Orangenbäumen. Jenseits stehen genau ausgerichtet die geschwungenen Röhren der Beregner. Damit es nicht an pikanten Details mangle, sind an ״ den fünf oder sechs Häusern, die stehen, sogar die Briefkästen mit den Nummern schon angebracht. Der Höhepunkt der ״Siedlungsfabrikation“... Die Kampagne der Histadruth zur Unterstützung der Arbeitslosen hat bis jetzt £410«) eingebracht. Die Sammjungen werden weiter fortgesetzt. Eine Kollektivstrafe von £ 200 wurde dem Dorf Lemcdjal bei Nablus wegen Beschädigung der Pipeline auferlegt. Todesfall. Am 5. Januar starb in Tel Aviv Lili Feuchtwanger, geb. Hirsch. Lili Feuchtwanger, die traditionellem Milieu entstammte, war seit vielen Jahren der palästinen* sischen Sache eng verbunden. In Deutschland beteiligte sie sich mit lebhaftem Interesse an den Arbeiten der Wizo und bereitete sich durch intensivste Erlernung der hebräischen Sprache, die ihr schnell gelang, auf ein Leben in Palästina vor. Selbst von tiefster Religiosität erfüllt, stellte ihr geistiges Leben eine Synthese von jüdischem religiösen und nationalen Bewußtsein dar. Als sie vor vier Jahren in das Land ihrer Sehnsucht einwandern durfte, war sie auch hier bestrebt, ein Leben zu führen, das ihren Vorstellungen vom stina kam. Berichtigung. Ziviah Gordon in Jagur, über deren Tod infolge Entladung ihres Gewehrs wir in der vorigen Nummer berichteten, ist eine Siedlerin. (Schluß des PalSstlnatetls)